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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

M.W4 Zweites Blatt

Möbelhaus

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die kleinste.Kreisstadt von

endet hat!

EnWene Msische Soldaten kehren heim

deren

legaben. R. Wachthaus wurden mar nocy iDiuripuien y^y^ Worte und grausigen Vorgangs auf dem Fußboden gezeigt. Der

Zeitschriften.

vergegenwärtigt

Hans Makarts, Gedächtnis eine

Das Verhängnis.

Von Richard von Schaukal.

Frankreich.

Von Dr. Robert Ley.

Oie Geheimnisse von Gibraltar

Ein Patrouillengang durch die englische Zwingfestung.

alten, geizigen, bösartigen Greises, der nur von der Vergangenheit lebt und nun selber empfindet, daß seine Kraft dahinschwindet, und der in seinem Ab­sterben, bei Herannahen seines Todes noch die übrige Welt mit hineinziehen möchte. Das war schon das Frankreich des Weltkrieges, und daraus erklärt sich auch die Verblendung dieses Volkes, dem natio­nalsozialistischen Deutschland in Hellem Wahnsinn den jetzigen Krieg zu erklären.

Aber es ift gut so. Damit ist dieser Prozeß der endgültigen Entscheidung zwischen diesen beiden großen Nationen schneller vonstatten gegangen. Es muß nun Frieden werden! Dieser Krieg zwischen Frankreich und Deutschland muß der letzte Krieg sein, und er wird es sein! In dieser Stunde gedenken wir jenes Großen, der vor tausend Jahren zum erstenmal Vie deutsche Einheit geschaf­fen hat. Wir wissen, daß Adolf Hitler, unser Füh­rer, der Erfüller des deutschen Wollens ist, und der damit den letzten Akt zur Vervollständigung und Vervollkommnung des Großdeutschen Reiches voll­

waren die Kinder einer Mutter, waren selbst Kin­der gewesen.Das Verhängnis" hatte eine Mama gehabt, eine junge schöne Mama. Seither konnte ich die gute Henriette nie mehr ohne Rührung b^ trachten. Aber ich bezwang mich. Und Französisch hab ich darum auch nicht lieber von ihr gelernt.

weniger abergläubige Oberstleutnant führte die Flecke jedoch auf zur Erde geträufeltes Blut von Schlacht­

der Signalstation, die von den SpaniernEl Hacho" genannt wird, befindet sich die Batterie, die das Schließen und Oeffnen der Festungstore verkündet. Meine interessantesten Erinnerungen knüpfen sich

er endlich erstaunt das Wachthaus aufsuchte, soll auch er von dem Tier getötet worden sein. Im Wachthaus wurden mir noch Blutspuren dieses

Die Deutschen aus dem Elsaß, die in der französischen Armee dienen mußten, wurden nunmehr ent­lassen und kehrten in ihre Heimatorte zurück. Hier begegnen entlassene Elsa ser unterwegs Bekannten aus ihrem Heimatdorf. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Trost.

Der Göttinger Professor Kästner begegnete in Paris einem alten Lehrer, der ihn im Französischen unterrichtet hatte. Der alte Herr, der über vierzig Jahre in Leipzig diese Sprache mit Erfolg gelehrt hatte, war in großer Verzweiflung.

Denkt nur, Kästner, jahrzehntelang habe ich unschuldigen jungen Menschen Französisch beige­bracht, und jetzt in Paris muß ich mit Entsetzen eststellen, daß die Sprache, welche ich gelehrt habe. Überhaupt kein Französisch war!" .

Kästner lächelte und tröstete den alten Professor^ Wieviel Theologen mag es ähnlich ergehen, wenn sie in den Himmel kommen!" C. K.

bedienen. r ,r

Ein Bildnis aber fesselte meine Aufmerksamkeit. Es war das einer, wie selbst ich mit meinen sieben Jahren lebhaft empfand, reizenden und unsäglich vornehm schauenden Frau. Von den vollen Schultern sank wie eine duftige Wolke das weiße seidene Kleid und stand in einem Entfernung gebietenden Reifrock um die geschmeidige Gestalt. Um das liebliche Antlitz legten sich fast schwarze glänzende Flechten. Dorn am tiefen Ausschnitt schimmerte ein Perlengeschmeide.

Als wir schon bei angezündeten Gaslaternen in nachdenklichem Schweigen nach Hause gingen, wagte ich endlich die zögernde Frage:Mama, wer war die schöne Dame über dem Sofa?" "Die Dame in dem weißen Abendkleid? Das große Bild? Das stellt die Mutter der Fräulein Walpurga und Hen­riette vor. Sie ist als junge Frau gestorben."

Den Eindruck, den diese Mitteilung aus mich machte, hab ich, es sind reichlich fünfzig Jahre her, nicht vergessen. Es war, als hätte die armen, häß­lichen und lächerlichen Schwestern die Berührung eines Zauberstabes in Märchenprinzessinnen verwan­delt Das Verhängnis" das Kind der wunderschönen Dame' Und tiefer noch als dieses in ferner Un­begreiflichkeit Unbezweifelbare war mir die Ahnung aufgegangen einer andern kaum je noch in solcher Wirklichkeit empfundenen, weil als Erlebnis allzu jelbstverständlichen Gnade: die beiden alten Damen

sagen, und diese stetige Wendung, verbunden mit der von uns wahrlich weder naschhaften noch geizigen Zusehern als unbescheidene Leckermäuligkeit empfun­denen wählerischen Buche, schien uns widerlich und heuchlerisch, Raub und Anmaßung zugleich.

Woher aber der uns ungewohnte Ausdruck ge- tammt haben mag? Aus einem Buch vielleicht oder etwa aus der aufgefangenen Bemerkung eines der zu harmlosen Scherzen stets geneigten Glieder des lebhaften Kreises: fei dem wie immer, er heftete an der ahnungslosen Fräulein Henriette, deren zag­haft zierlich gespreizte Wurde m ihrer Gutmütigkeit und Höflichkeit nicht im entferntesten an die dunkle Bedeutung des uns selbst nicht geheuren Wortes

beizubringen.

Wir gingen eine abgelegene Gasse hinab bis fast an den geheimnisvoll hinter Bretterwänden raunen­den Fluß, betraten ein verwittertes Haus und stie­gen auf steilen steinernen Stufen drei Treppen zu einem düsteren Gang empor. Vor einer weißgestriche- nen Ture die auf halbgewölbtem Porzellanschild Die BezeichnungW. und H. von Wolkerstorff und zu Ebentreu" aufwies, hielten wir und setzten nach einer Pause eine schrille Klingel in Bewegung. Als­bald auch öffnete uns Henriette und übernahm sich gegen ihre Gewohnheit, in halblauten Freuden- beteuerungen. Aber nun rauschte die stattliche Wal- purga heran, und ihr bis in die Fistel sich verstei­gerndes Flöten umfing unser Ohr mit schwärmeri­schem Lobgesang. Wir wurden in eine Stube geführt deren Wände bis hoch^hinauf an die Decke mit säst lauter kleinen Bildnissen buchstäblich bedeckt war. Da-

Gegenteil um. , w

Man fahre einmal heute durch Frankreich! Man weiß nicht, was entsetzlicher ist: die zerschossenen Dörfer und Städte, die der Krieg mit sich bringt, oder die verlassenen Dörfer und Städte, die überall in ganz Frankreich zu finden sind, weil die Menschen fehlen. Man sieht in Frankreich feine Siedlung,

visierte. Mehrere Offiziere der Garnison befanden ich auf der Jagd und versuchten, bei der Verfolgung eines Tieres im Galopp die spanischen Grenzlinien zu überreiten. Ein Posten erhob sein Gewehr und rief die Offiziere an. Der erste, ein Gardeleutnant, kümmerte sich nicht um den Anruf, sondern versetzte im Vorbeireiten dem Poften einen Hieb mit dev Reitpeitsche. Als der Posten dem Offizier eine Kugel nachsenden wollte, tarnen seine Begleiter zur Vernunft, fielen dem Posten in die Arme, baten ihn, nicht zu schießen und erklärten sich dem herbei­geeilten Wachtoffizier gegenüber bereit, den Kame­raden zurückzuholen unt) auszuliefern. Dieser wurde darauf als Gefangener nach Algeciras transportiert, dort vor ein Kriegsgericht gestellt und verurteilt. Durch die Intervention des englischen Botschafters in Madrid wurde der Leutnant jedoch begnadigt.

Die Postenkette zieht sich von der Gibraltarbucht bis zum Mittelmeer hin. Sie geht im Westen bis zur Devils Tower Road und im Nordosten am Schlachthof vorbei bis unmittelbar an den Fuß des Felsens. Zwischen der Grenze und der Devils Tower Road liegen die Baracken, die Rennbahn mit dem Cricket Pavillon, der Kirchhof mit dem Denkmal der im Jahre 1856 im Seeräuberkampf beim Tres For- cas-Kap gefallenen Seeleute der preußischen Kor­vetteD a n z i g", der Schlachthof mit den Viehstal- len, die G ar nis vnwa s ch a nstal t, die Ställe für die Meute desCalpe Hunt (königl. Fuchsjagd-Klub), sowie die Schießstände ^ind mehrere Fabriken. Im Verein mit den hier nicht maskierten Felsenbatterien soll die Postenkette der Nordfront einen Schutz gegen Angriffe von der Landseite bilden. Als R. meine Aufmerksamkeit auf die Windsor-Batterie und das höher gelegene Maurische Kastell mit seinemTower of Homage (Turm der Ehrfurcht) lenkte, sagte er lächelnd:Ein Druck auf einen gewissen Knopf, und der Berg speit einen feurigen Eisenhagel auf dieneutrale Zone" aus.

Entziehen sich die Wachen an der Nordfront nicht den Blicken der Oefientlichkeit, so bleiben die Posten der North-Flat-Bastion und am Ragged Staff, so- wie die auf den Windmill-Hill-Flats, an der Cata- i Ian Bay, bei Sandpits-Magazine und die höchst- gelegene Willis's Guard usw. unberufenen Augen gänzlich verborgen. Der steinige fast eine Stunde lange Weg nach der vollkommen isolierten Willis-Wache führt durch ein Wirrwarr von Kakteen, Liströschen, Nelkenpfeffer und anderem pflanzlichen Kruppzeuge. Dom eigentlichen Wacht- Häuschen ziemlich entfernt stand hier in lustigster Höhe der einsame Posten. Die unheimliche Um­gebung der Willis's Guard hat diesen Ort mit einem wahren Legendenkreis umgeben. Nach einer Der- fion wurde eines Nachts die gesamte Wache im Schlafe von einem Felsenskorpion umgebracht. Der

gnalftation in Augenschein nehmen, mächtige Fernrohre und Nachtgläser bei klarem Wetter einen weiten Rundblick gestatten. Unterhalb

In Nizza ti?rnte ich einen jungen englischen Offi­zier namens Radford kennen, der einem Artillerie- regiment in Indien angehörte. Später traf ich ihn in höherer Eh arge in Halifax wieder. Und wir be­gegneten uns nach einigen Jahren noch einmal im Hause eines ehemaligen kanadischen Stabsarztes in Monterey in Mexiko, mit dem der Engländer ver­wandt war. Dann hörte ich nichts mehr von ihm, bis ich ihm, von Aegypten kommend, in der Water- port Street in Gibraltar geradezu in die Arme lief. Eigentlich wollte ich die wenigen Stunden, die mir der Dampferaufenthalt gestattete, nur zu einem kleinen Bummel durch das Felsennest benutzen, ich ließ mich jedoch von dem inzwischen zum Oberst­leutnant avancierten R. bereden, meinen Dampfer zu überschlagen und seine Gastfreundschaft anzu­nehmen. , .

R.'s Begleitung erschlossen mir manche Wege und Anlagen in Gibraltar, die ich sonst nicht hatte be­treten dürfen. So konnte ich die hochgelegene Si-

Karlder Große unternahm den ersten großen \ und auch bleibenden Versuch, die deutschen Stämme zu einigen. Der Reichsgedanke, das heißt die Einigung der Deutschen, ist seit dieser Zeit zum bleibenden und tragenden Staatsgedanken gewor­den. Gewiß ist auch diese Einigung durch Karl den Großen nicht ohne Opfer vor sich gegangen, und schmerzlich erinnern sich alle Deutschen des furcht­baren Bruderkrieges zwischen Franken und Nieder­sachsen, der dem Einigungsversuch vorausging. Das schreckliche Strafgericht, das Karl der Große nach feinem Sieg über die Niedersachsen verhängte, ist für viele Deutsche der Anlaß gewesen, Karl den Großen und sein Werk als undeutsch und damit den deutschen Interessen widersprechend zu verdächtigen. Wenn wir jedoch gerecht und vom großdeutschen Gedanken aus dieses Werk eines großen Deutschen betrachten, so werden wir verstehen müssen, daß diese schweren Opfer notwendig waren, um die Widerspenstigkeit der deutschen Stämme zu brechen, um sie damit in die großdeutsche Einheit einordnen zu können. Im übrigen stellen wir fest, daß auch in der späteren deutschen Geschichte bis in die neueste Zeit hinein die Einigung des Reiches nur unter schwersten Blutopfern die die deutschen Stämme bringen mußten geschehen konnte.

Das große Werk Karls fiel unter den Erben in drei Reiche auseinander, von denen das mittel- und ostdeutsche Frankreich sich im Laufe der Geschichte zumHeiligen Römischen Reich Deutscher Nation" wiedervereinigte, während das westfränkische Reich bis auf den heutigen Tag abgetrennt blieb. Frank­reich heißt Frankenreich, besser Westfrankenreich. Die Franzosen nehmen Karl den Großen ebenso für sich in Anspruch wie wir Deutschen. Das Stand­bild Charlemagnes steht vor der Notre Dame im Mittelpunkt von Paris als Merkmal für den Be­ginn der Geschichte Frankreichs. Das tragende, staatenbildende und soldattsche Element der fran­zösischen Nation ist nordischen Ursprungs und im besonderen fränkischen Blutes. Nicht allein Elsaß und Lothringen sind deutsches Land, sondern wohin wir dort schauen, stoßen wir auf Schritt und Tritt auf blonde Menschen, nordische Gesichter. Wenn man nach Burgund fährt, meint man direkt durch Fran­ken zu fahren, so ist die Landschaft, so sind Dörfer, Städte und Menschen. Wenn man. durch Flandern fährt, so besteht kein Unterschied zwischen der nie­dersächsischen ober friesischen Landschaft mit der flämischen und flandrischen Landschaft.

Es ging bei diesem tausendjährigen Kampf um das Erbe Karls des Großen, um die Vorherrschaft und um die Führung in Europa. Dieser Kampf ist nun entschieden. Deutschland als die Zu­sammenfassung des Mittel- und Ostfrankenreiches hat gesiegt, und Frankreich als Erbe des Westfran­kenreiches muß die Führung Deutschlands in Euro Pa ein für allemal anerkennen. Das ist der Sinn unseres Sieges!

Denn wenn auch der deutsche Sieg eine klare und eindeutige Angelegenheit der deutschen Wehrmacht ist so ist jedoch die deutsche Wehrmacht insgesamt der Ausdruck des deutschen Volkes. Wenn man nun über den gegenwärtigen deutschen Sieg hinausblickt und nun die Lebensart, die Lebenskraft und die Lebensenergie beider Völker Deutschlands und Frankreichs miteinander vergleicht, kommt man zu dem untrüglichen Schluß, daß Frankreich eine sterbende Nation ist, während Deutschland eine vom Leben strotzende Nation darstellt. Wie sagte doch Clemenceau:Es leben 20 Millionen Deutsche zuviel!" Es kam diesen Schakalen nicht auj einen Sieg, auf eine Entscheidung für oder gegen eine Idee oder einen Gedanken an, sondern nur darauf, Deutschland einen so starken Aderlaß und Blutverlust beizubringen, daß es damit einem all­mählichen, aber unaufhaltsamen Siechtum verfallen sollte. Diese teuflische Absicht wollte man dann durch einen Hungerkrieg gegen Frauen und Kinder ver­vollständigen. Jedoch kehrte sich diese Absicht in das

Den sinnlichen Farbenrausch des großen Wiener Malers, dessen Ausstellung in Salzburg erneuert, den Lesern von Velhagen & Klasings Mo­natsheften ein im Juliheft veröffentlichter Auf­satz von Ann Tizia Leitich. Ein zweiter farbig illu­strierter Beitrag des Heftes behandeltModernen Wandschmuck". In enger Beziehung zur Gegenwart stehen eine Abhandlung des im Ruhestand lebenden Gießener Historikers Prof. Dr. G u st a f R o l o f f Sie sollen ihn nicht haben...", ein Erinnerungs­aufsatz an die Zeit vor hundert Jahren, da es einem Liede gelang, Uebermut und Habgier der Franzosen in ihre Schranken zu weisen, sowie ein mit schlagkräftigen und eindrucksvollen Zeichnungen A Paul' Webers ausgestatteter Beitrag von Felix Riemkasten überDie Geißel der Menschheit", die Herrschaft Englands. Außer der Fortsetzung des Ro­mansSturm in der Düne" von Ulrich Sander bringt das Heft eine Erzählung des fränkischen Dichters Anton DörflerDie eiserne Tür" und eine geschichtliche Anekdote von Hans Joachim Mosei; Die Spionin des Großen Königs", .

kein neues Haus, es gibt dort auch keine Wohnung­not. Die vorhandenen Wohnungen sind viel zu groß und zu zahlreich, um die immer weniger werdende Bevölkerung aufzunehmen. Es gibt in der Pro­vence und in allen französischen Provinzen ganze Länderstriche, die heute schon steppenartigen Charak­ter tragen. Die Dörfer sind verlassen, die Felder liegen brach. Man schätzt, daß in Frankreich 50 bis 60 v. H. des vorhandenen Grund und Bodens nicht bewirtschaftet werden! Nicht etwa des­halb, weil dieser Boden unfruchtbar wäre. Im Ge­genteil. Es gibt kein Land in Europa, das einen so fruchtbaren Boden hat und landschaftlich so schön ist wie Frankreich. Jedoch die Menschen feh­len. Das Volk stirbt aus. Ganz Frankreich ist em einziges Museum, das die Kulturgüter feiner großen Geschichte zusammengetragen hat, sie konserviert und notdürftig auf die nächste Generation weitervererbt. Aber im ganzen Land, begonnen in Paris bis in den entlegensten Ort irgendeiner Provinz, trägt alles den Charakter der Vergreifung. Frankreich ist ver­greift. Selbst die jungen Menschen haben ein müdes und interessenlos Gesicht. Städte mit hun­derttausend Einwohnern sind primittver als bei uns

zwischen behaupteten einige große goldgerahmte Delgemälbe mühsam ihren Platz. Altertümliche mit gestreiftem Stoff bezogene steiflehnige Bänke und Stühle, Tischchen mit Spitzendecken, fußlose, breite und schlanke gestelzte Glaskasten, angeraumt mit blinkendem Kristallglas und bemaltem Geschirr er­füllten das etwas dumpfig riechende, aber in pein­licher Sauberkeit erhaltene Gemach. In einem Ne­benzimmer erblickten wir zwei mit Vorhängen ver­hüllte ragende Himmelbetten. Henriette richtete den Kaffee, den sie selbst in goldgeränderter geblümter Kanne auftrug.

Stumm und staunend ob des feierlichen Gebarens faßen wir da, während Mama, der erklärte Liebling der zwei alten Fräuleins, sich fo gut es ging, im Schwall von Walpurgas Freundlichkeit an der Ober­fläche eines Gesprächs hielt, zu dem Henriette hin und wieder ein zuckersüßes Sätzchen beitrug. Scheu sahen wir zu den Ahnenbildern auf, indem das Verhängnis" uns, o Erkenntnis und Reue, mit allerhand erlesenen Leckerbissen nicht müde ward zu

hinan reichte. . f ,

Eines Tages dursten oder mußten wir vielmehr unsere Mutter auf einem Besuche begleiten, den sie den Schwestern in der Wohnung abstattete. Es war ein ungewöhnliches Ereignis, eine richtige Staats- nifite. Denn in unserem großen Familienhaufe ver­kehrte, wie gesagt, zwar eine ganze Schar von zu­meist altangestammten Freunden, aber mir selbst, das heißt die erwachsenen Vertreter der Gesamtheit, erwiderten kaum alle Jahre einmal, unb nur aus feierlichem Anlaß, diese regelmäßigen Besifthc. Mag ein daß Mama diesmal insbesondere unserer Leh­rerin förmlichen Dank bezeigen wollte für die ge­duldigen und nachsichtigen, übrigens nicht allzu er­giebigen Bemühungen, uns zwei^ dem Parlieren aus dem Innersten abgeneigten Verschworenen die höhere Weltform des französischen Umgangstones

ulc Llcu ~ vielleicht dreitausend jahte ich. Zur festgesetzten Stunde traten mir unfe-

Sinmofjnertr D-- Ganz- m?cht den Eindruck eines ren Weg an. »an den lamtnte» s-.

nannt wird, ist mit dem spanischen Linea durch eine schnurgerade Straße verbunden, aber die Schmugg­ler meiden aus leicht begreiflichen Gründen diesen Weg. Daher findet eine spanische Postenkugel nur zu leicht in der Dunkelheit ihren Weg in die eng­lischen Wachtteihen, während umgekehrt die britische Spionenfurcht schon manches Unglück unter den panischen Posten angerichtet hat. Wie mir R. mit» teilte, haben die englischen Soldaten strengen Be- ehl, niedrig zu zielen. Weniger aus menschlichen Rücksichten/ als aus dem Grunde, von dem Ver- mundeten zu erfahren, ob er tatsächlich ein Schmuggler oder ein Spion ist.

R. erzählte mir eine Geschichte, die die englische Rücksichtslosigkeit und Anmaßung tteffend charakte-

an einen Patrouillengang. Eines Morgens hatte ich R. nach den in der Nähe der Rosia Bay gelege­nen Souch Barracks begleitet, wo auf dem Kaser­ne nhof in der glühenden Sonnenhitze schon die Wachtmannschaften für die nächsten 24 Stunden be- ^^Mse pon einem üeqeniiuiyivn umww- reitftanben. Der Oberstleutnant inspizierte die Wacht- Posten wartete vergeblich auf seine Ablösung. Als Mannschaft, worauf nach dem Kommando: Fix 1 4*' -**»**« n

Baynets! Seitengewehr aufpflanzen), die einzel­nen Abteilungen sich auf ihre Posten begaben. R wechselte mit seinem Adjutanten einige***

fragte mich dann, ob ich ihn am Abend auf der Postenronde begleiten wollte? Natürlich be-

Sie nannten siedas Verhängnis". Kinder sind grausam. Sie war die jüngere von zwei uradeligen und altmodischen Schwestern, altjüngferlichen Ueber- bleibseln einer Vergangenheit, von der wir nichts mußten und nach der mir nicht forschten. Au der weitverzweigten Familie, die viel mehr Tanten zahlte als Onkel, Tanten die uns zwei Sprößlmge eines ihrer jüngsten weiblichen Mitglieder um die Wette verwohnten, war wie so manche andere seltsame Kostgänger auch dieses ungleiche Schwesternpaar als ständige Gäste heimisch und stand auf seine Weise im halbbemitleideten Ansehen.

Walpurga und Henriette hießen sie, mar en Die eine groß und von behäbiger Fülle, die andere klein und mager. Jene, die in verblichenen Atlasgewan- dern schmerfällig rauschte, schielte schmerzlich und sprach mit einer weichen gurgelnden Eulenstimme, die sich überschlug, diese hatte ihre winzigen schwar­zen Aeuglein eng an der schmalen spitzigen Nase siken und ebenso ärmlich war ihr dünnes Stimm- chen,'das hart unter der ängstlichen Nase, ,a wohl gar aus dieser selbst hervorkam. Hemrette,das Verhängnis", unterrichtete uns, mich und meine von von mir unzertrennliche jüngere Schwester, im Französischen. Don ihr, vielmehr aus demKlemen Ploetz", den sie benutzte, habe ich erfahren, daß das vertraute Trottoirder Bürgersteig" heiße und Mama oder Maman Mutter bedeute.

Ich pflegte, trotz einigem Grauen und Ekel vom Anblick gebannt, an einer braunen Warze zu ver­weilen, die, wenn die Lehrende, über ihr lästiges Buch geneigt, vor sich hin und an mir vorbei flüsterte, in meiner unmittelbaren Nahe an ihrer gelben Wange sich hob und senkte. Aber nicht um des verhaßten Französischen willen hieß sie uns stillaufmerksamen Beobachtern aller Begleitumstände das Verhängnis", sondern seitdem wir bemerkt hatten, daß sie, wenn sie an einer der köstlich be­stellten und unendlich lange dauernden Kaffee. Jausen" teilnahm, wie sie insbesondere eine gast- frohe Tante der versammelten Sippe m regelmäßi­gen Abständen bot, mit ihren knöchernen Fmgern spürfindig unter dem gehäuften Zuckerwerk nach den verborgenen feinsten.Stücken langte. werbe >. m die Tiefe steigen", pflegte sie dabei lächelnd zu 1

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