Mutter auf dem Lande gestellt sind.
ii
Die Soz Wirten alle itrengungen lehning bei bemders c hfrauen । eine Stelle im Alltagsl rar als bc leit ober i gekommene hierfür a
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
wird, ist früheste Menschenführung, ist wertvolle Arbeit an der Volksgemeinschaft für die Zukunft
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Leichte Kavallerie". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Feuerteufel".— Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Morgenrot". — Tv. 1846, Mtv., Tv. Wieseck, Tv. Heuchelheim, To. Klein'Linden: 20.15 Uhr Kameradschaftsabend im „Burghof".
Tageskalender für Sonntag.
Stadtcheater: 19 bis 22 Uhr „Leichte Kavallerie". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Feuerteufel". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße „Morgenrot".
Stadttheater Gießen.
Am morgigen Sonntag'findet die letzte Vorstellung der Operette „Leichte Kavallerie" statt. Musikalische Leitung: Richard Boeck. Spielleitung: S)arrg Grü- neke. Außer Miete.
Dienstag, 16. April: „Emilia Galotti", Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing. Spielleitung: Dr. Hannes Razum. Bühnenbild: Karl Löffler. 27. Vorstellung der Dienstag-Miete.
Mittwoch, 17. April: Erstaufführung „Die Pri- manerin", Lustspiel in 5 Bildern von Sigmund Graff. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbild: Karl Löffler. 28. Vorstellung der Mittwoch-Miete.
Freitag, 19. April: „Die Primanerin", Lustspiel von Sigmund Graff. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbild: Karl Löffler. 28. Vorstellung der Frei- tag-Miete.
Sonntag, 21. April: „Die Primanerin", Lustspiel von Sigmund Graff. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbild: Karl Löffler. Außer Miete.
Nettoeinkommen und Familienunterhalt
NSG. Verschiedene Anfragen an die Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront lassen erkennen, daß über die Errechnung des Nettoeinkommens zwecks Festsetzung des Tabellensatzes bei dem Familienunterhalt für die Angehörigen der zum Wehrdienst Einberufenen vielfach Unklarheiten bestehen. Es wird darauf hingewiesen, daß sich das Nettoeinkommen, das der Errechnung des Tabellensatzes Zugrundegelegt werden muß, wie folgt zusammensetzt? Von dem Bruttoeinkommen sind abzusetzen: die Einkommensteuer, die Bürgersteuer und die gesetzlichen Beiträge zur Reichsversicherung (Krankenversicherung einschließlich Ersatzkassen, Invalidenversicherung, Angestelltenversicherung und knappschaftliche Pensionsversicherung), ferner die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Nicht abzusetzen sind dagegen Kriegszuschlag zur Einkommensteuer und sonstige auf dem Lohnzettel erscheinende Abzüge, wie z. B. der Beitrag zur DAF.
«Säuglingspflege.
„Sag, Hilde, kommst du nicht mit, ich will Säuglingspflege lernen?"
„Säuglingspflege?, was soll ich schon damit, ich I)abe doch noch kein Kind."
„Weißt du, unsere Nachbarsfrau, die hat vor einiger Zeit ein herziges, kleines Mädele bekommen und jetzt stöhnt sie immer, wieviel Arbeit das sei! Sie werde überhaupt nicht mehr fertig, so eine Last mit all dem Kram! Das sagte Mutter, jetzt
soll ich Säuglingspflege lernen, damit es mir einmal nicht gerade so gehe. Weiß man erst einmal, wie man so ein Kind anfaßt und wäscht und pflegt, dann ist die Arbeit nur die Hälfte und macht einem Freude statt Last. Und jetzt will ich dann gleich unserer Nachbarin helfen, damit die es auch leichter hat. Wenn ich ganz ehrlich sein soll, ich freue mich richtig auf dies Lernen, das ist mal etwas, das mir wirklich Spaß macht, und brauchen kann ich es ganz be' immt im Leben, denn Kinder habe ich nun mal zu gern. Komm nur gleich mit, wir melden uns alle beide an bei der Geschäftsstelle der Kreisfrauenschaft, Frankfurter Straße 1, denn ein Säuglingskurs findet in allernächster Zeit vom Mütterdienst des Deutschen Frauenwerks statt.
Gfs.
«Hütemarke für Vollkornbrot.
Der Verzehr von Vollkornbrot statt der hellen Brötchen wird von den Hausfrauen in steigendem Maße als notwendig anerkannt. Die Erkenntnis bricht sich immer mehr SBafyn, daß Vollkornbrot, auch von Verbrauchern mit empfindlichen Verdau- ungsorganen gut vertragen wird, wenn bei der Herstellung Feinschrot verwendet wurde und der Bäcker die heutigen Verbesserungen beim Aufquellen des Teigs und beim Backen durchgeführt hat. Zum Vollkornbrot darf nur frisch gemahlenes Mehl verwendet werden, da die Edelwerte im Keim und in den Randschichten des Getreidekornes bei längerer Mehllagerung zum Teil verloren gehen können. Aus diesem Grunde soll das Brot auch nicht zu alt werden. Bei übermäßig langen« Lagern des Vollkornbrotes wird die Stärkebeschaffenheit entwer et, und es geht auch das Vitamin L verloren, in dem das aus dem Getreidekorn stammende Fett enthalten ist. Die Geschäfte, die gutes Vollkornbrot abgeben, werden in Zukunft durch ein Plakat mit einer Gütemarke gekennzeichnet. Die gleichbleibende Qualität wird durch fortlaufende Untersuchungen des hergestellten Vollkornbrotes gesichert. An einer weiteren stetigen Verbesserung des Vollkornbrotes wird von den zuständigen Stellen eifrig gearbeitet. Für die Verbraucher ist es auch wichtig, zu wissen, daß Vollkornbrot luftig aufbewahrt werden soll. Es soll auch nicht zu frisch gegessen und es muß vor allem gründlich gekaut werden.
Gießener Dochenmarktpreise.
* G i e ß e n , 13. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10 Rpf., Kartoffeln, 50 kg 3,90 RM., Weißkraut, % kg 14 Rpf., Rotkraut 15, gelbe Rüben 12 bis 15, rote Rüben 12 bis 15, Spinat 25, Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 35, Feldsalat, 1/io 13 bis 15, Aepfel, XA kg 15 bis 35, Blumenkohl, das Stück 45, Salat 50, Endivien 13 bis 20, Lauch 5 bis 18, Sellerie 5 bis 40, Rettich 10 bis 20, Radieschen, das Bündel 30, Löwenzahn, kg 50, Grüne-Soße-Bündel 30 Rpf.
** Treudienstehrenzeichen. Der Führer hat den Lehrern Otto Müller und Georg Wahl an der Volksschule zu Gießen und dem Gewerbelehrer Johannes Neumann an der Gewerblichen Berufsschule zu Gießen als Anerkennung für 25jäh- rige treue Dienste das silberne Treudienst-Ehrenzeichen verliehen.
Strafkammer Gießen.
.Der W. B. in Bruchenbrücken hatte sich wegen fohrlässiger Tötung zu verantworten. Der Angeklagte hatte am 28. August 1939 durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wobei er zu der Aufmerksamkeit, die er aus den Augen ließ, besonders verpflichtet war. Er hatte als Installateur einen elektrischen Schweißapparat nicht ordnungsmäßig an das Netz angeschlossen, so daß dieser Erdung bekam. Der an dem Apparat tätige Elektroschweißer W. aus Ober-Eschbach wurde durch diesen Erdstrom getötet. Der Anklagevertreter beantragte eine Gefängnissttase von vier Monaten. Der Verteidiger beantragte Freisprechung und, falls das Gericht zur Bejahung der Schuldfrage kommen sollte, das Verfahren auf Grund des Gnadenerlasses des Führers einzustellen. Das Verfahren wurde auf Grund des Gnadenerlasses des Führers vom 9. September 1939 eingestellt, da auf keine höhere als eine dreimonatige Gefängnisstrafe hätte erkannt werden können.
R. V. in Mainz war des Diebstahls i. R. beschuldigt. Ihm wurde zur Last gelegt, am 28. Dezember 1939 in Butzbach von einem Fahrrad eine Aktentasche mit Inhalt (ein Paar Handschuhe und eine Lohntüte) und eine Trainingshose weggenommen
zu haben. Der Angeklagte bestritt den Diebstahl und gab lediglich zu, die Handschuhe, die die Eigen« tümerin bei der Frau des Angeklagten sah, gefunden zu haben. Die übrigen gestohlenen Sachen konnten nicht mehr festgestellt werden. Der Anklagevertreter hielt zwar den Angeklagten der Tat dringend Der- dächtig, stellte aber die Entscheidung in das Ermessen des Gerichts, da die Schuld nicht einwandstei nachgewiesen sei. Der Verteidiger beantragte Frei- sprechung und für den Fall, daß eine Verurteilung wegen Fundunterschlagung erfolgen sollte, auf eine Geldstrafe zu erkennen. Der Angeklagte wurde wegen Unterschlagung zu einer Gefängnis st rase von zwei Monaten verurteilt. Straferschwe- rend wurden die Vorstrafen, strafmildernd der geringe Wert berücksichtigt.
Oie Wärmflasche im Ofen.
LPD. Lauterbach, 12. Aprrl. In dem Kreis- ort Maur stellte eine Frau eine gefüllte und fest verschlossene Wärmflasche in die Ofenröhre des Wohnzimmerofens. Während die Frau ihren Arbeiten nachging, erhitzte sich das Wasser in der Wärmflasche so stark, daß die Flasche explodierte und dabei den Ofen zum größten Teil zersprengte. Von den umherfliegenden Ofentellen wurde ein in der Stube sikender Junge am Kopse getroffen und so schwer verletzt, daßj er nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte.!
Spiel mit dem Tode.
Lpd. Viernheim, 12. April. Im Keller eines hiesigen Betriebes erzeugte ein Koksofen Kohlen- oxydgas. Zwei Lehrlinge wetteten um ein Glas Bier, wer es am längsten in der vergifteten Luft aushalten würde. Einer der Lehrlinge wurde baß) betäubt und mußte ins Krankenhaus gebracht werden, wo man ihn mit dem Sauerstoffapparat wieder zu Bewußtsein brachte. Der andere Lehrling ist aus - diesem dummen Streich ohne Schaden davongekom- | men.
Wetterau sind fast durchweg sehr gut geführt. Durch die Ausbildungsstätte des Fröbelfeminars in Gießen wird immer für die notwendigen Kräfte gesorgt. Das ist nicht in allen Kreisen so!
So sehr die Mütter in Stadt und Land die Em- richtung des Kindergartens begrüßen, so hat die Kindergärtnerin oftmals doch keinen leichten Stand. Von ihr wird fast selbstverständlich erwartet, daß sie inn-erhalb der Dorfgemeinschaft, in vieler Hinsicht das vorbildlichste Mädchen ist. Sie muß die Verbindung mit den Elternhäusern halten und oftmals gilt es, ein feines Fingerspitzengefühl zu beweisen. Dafür aber haben die Kindergärtnerinnen einen ungemein dankbaren Arbeitskreis. Sie können in vieler Hinsicht erzieherisch wirken, können die Kinder fördern und sehen auch den unmittelbaren Erfolg ihrer Arbeit.
Große Aufgaben hat der Kindergarten auf dem Gebiete der hygienischen Erziehung. Jedes Kind hat seinen eigenen Zahnbecher und ein eigenes Handtuch. Beides liegt mit einem bestimmten Zeichen versehen, das sich das Kind rasch einprägt. Dor jedem Frühstück wird darauf gesehen, daß die Hände gewaschen werden. Mit Argusaugen wacht die Kindergärtnerin darüber, ob Kinder Schnupfen haben. Dann ist es an ihr, diese Kinder abseits von den anderen zu halten, ohne dabei verletzend zu wirken. Für jedes Kind wird außerdem eine Karte geführt. Dor der Aufnahme in den Garten wird jedes Kind ärztlich untersucht. Die Untersuchung wird nach einiger Zeit wiederholt. Die Mütter dürfen das Bewußtsein haben, daß ihr Kind auch nur mit gesunden Kindern beisammen ist. Eine große Rolle spielt im Ablauf des Tages eines Kindergartens auch der Mittagsschlaf. In allen Kindergärten des Kreises sind heute überall Lisge- stühle vorhanden. Die Kinder werden in der Gemeinschaft viel eindringlicher tfum Mittagsschlaf an-
gehalten, als es oft der Mutter zu Haufe gelingen könnte. Noch mancherlei anderen Einfluß hat die | Kindergärtnerin. Da hören wir zum Beispiel, daß in einem ländlichen Kindergarten die meiften Kinder mit einem Frühstücksbrot ankamen, von dem die Mütter die Brotkruste abgeschnitten hatten. Durch kluge Belehrung brachte es die Kindergärt- ! nerin so weit, daß dies bald aushörte. Wie stark | dieser erzieherische Einstuß ist, geht daraus hervor, daß ein Kind eines Tages nicht in den Kindergarten gehen wollte, weil ihm die Mutter die Brotkruste vom Brot abgeschnitten hatte, die von langem Lagern des Brotes her unansehnlich geworden war.
Eine große Rolle spielt auch die Kindergym- nastit. Die Kindergymnastik bedeutet allerdings nicht strenge Leibesübung, sondern mehr ein bewegtes Spiel. Die Kinder sind mit Eifer bei der Sache. Tagsüber werden die Kinder mit Spielzeug ! beschäftigt, das nach seiner Art sehr dem Alter der | Kinder (von 2 bis 6 Jahren) angepaßt ist.
Die Auswirkungen der Kindergärten sind vielfältig und günstig. Das Kind lernt eine Ordnung ! seiner Lebenshaltung kennen, die ihm im Eltern- | haus und bei der häufigen Abwesenheit der Mutter p nicht immer gewährleistet werden kann. Das Kind L lernt sich aber auch in die Gemeinschaft einfügen, und einhellig ist das Urteil der Lehrer darüber, ? daß sich die Kinder, die im Kindergarten waren, sehr l viel rascher in die Klassengemeinschaft einfügen, als I Kinder, die nicht den Kindergarten besucht haben. |
Die Arbeit, die hier also von der NSV. geleistet J
Segensreiche Kindergärten der NSV Aus einer Unterredung mit Kreisamtsleiter Krank.
Festigkeit an beiden Seiten, hängt es um und füllt aus dem Fruchtsack Hafer oder Gerste ein. Prüfend überschaut er dann das gepflügte Feld, und langsam schreitet er zur Grenze des Ackers, um fein Werk zu beginnen. Ehe er die erste Handvoll Frucht der wartenden Erde übergibt, spricht er: „Das walte Gott!", und dann fliegen die Körner auf das Land. Mit bedächtigem Schritt geht der Bauer bis zum Ende des Feldes, wendet dann, und der zweite Streifen wird besät.
Eine gewisse Feierlichkeit liegt über dieser Arbeit. Als mir noch Kinder waren und unfern Vater säen sahen, kam tiefe Andacht in unser Herz. Viel gesprochen wurde nicht. Wir standen still und schauten nach dem Vater, eine Ahnung vom ewigen Werden rnb Wachsen stieg in uns auf.
Immer seh ich dich so, mein Vater, als Säemann, immer so im festen Schritt über den frisch gepflügten Acker hin ...
(M. G. Conrad.)
Die Tage der Saat sind eine scheue, zagende Zett, aber voll Sonnenschein und Erwartung auf kommende, blühende Zeiten.
Erfüllt von schönen Zukunftshoffnungen und im Vertrauen auf Gott pflügt der Bauer seinen Acker, sät Samen und freut sich im voraus auf die Ernte.
H.
Seit Jahren ist die NSV.-Kreisamtsleitung Wet- terau darum bemüht, in stiller umd zäher Arbeit immer mehr Kindertagesstätten zu schaffen, die es ermöglichen, daß die Mütter sorglos der beruflichen Arbeit ober der Arbeit in der Landwirtschaft nachgehen. Im Kreis Wetterau gibt es bereits zahlreiche Kindergärten. Ständige Kindergärten (solche, die also auch im Winter die Kinder erwarten) be- stehen in Annerod, Alten-Buseck, Großen-Buseck, Beuern, Geilshausen, Steinbach, Reiskirchen, Hausen, Lich, Ettingshausen', Queckborn, Beltershain, Laubach, Freienseen, Langsdorf, Hungen, Kirchgöns, Butzbach, Friedberg, Friedberg-Fauerbach, Nieder-Wöllstadt, Büdesheim, Reichelsheim, Wölfersheim und in Oppenrod. Ferner bestehen zwei Kindergärten in Bad-Nauheim, sowie zwei Kindergärten und ein Kinderhort in Gießen.
Erntekindergärten, als Kindergärten, die nur während der Hauptarbeitszeiten der ländlichen Bevölkerung gehalten werden, bestehen bzw. bestanden in Bersrod, Rüddingshausen, Reinhavdshain, Nieder- und Ober-Bessingen und in Langenheim- Ziegenberg. Ferner sind Spielringe in Weitershain, Saasen, Göbelnrod und in Steinheim eingerichtet. Im Laufe des Jahres 1940 ist die Einrichtung einiger weiterer Kindertagesstätten vorgesehen, und zwar in Ober-Rosbach, Petterweil, Södel und in Melbach.
In den Kindertagesstätten, die bisher im Bereich unseres Kreises Wetterau beftchen, werden nach grober Schätzung etwa 1 2 0 0 Kinder regelmäßig betreut. Den zahlenmäßig am stärksten besuchten Kindergarten mit über 100 Kindern hat die Stadt Lich. In die Betreuung der Kinder in den größeren Kindergärten teilen sich eine Kindemärt- nerin, eine Kinderpflegerin und eine Helferin. Meist aber kommt man mit einer Kindergärtnerin und einer Helferin aus. Die Kindergärten des Kreises
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und ist Entlastung der Mütter der Gegenwart für j die großen Ausgaben, die heute insbesondere der ! ~~ " ' ‘ ~ ‘ \ N.
Mslüus Mm,Lma?
Vornan von Markina Sckarkchelm
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Noch vor den Spiegeleiern mit Speck — die Gräfe- sche Speisekammer mußte rasch ein unvorbereitetes Mahl hergeben — maulte er um die verlorengegangenen Genüsse.
„Gerochen hat's da drüben — mindestens gab's Gänsebraten ..."
Alles ist Vorwurf rund um den Tisch. Der alte Gräfe hat die Faust geballt, jeden Augenblick bereit, sie zwischen Teller und Schüsseln zu schmettern.
„Hole wenigstens einen Krug Jungbier!" sagt Hermann schließlich zu Jupp. Und als der das Zimmer verlassen hat: „Geht mir weg mit den Frauenzimmern — wenn einer schon damit anfängt, gleich kommt's zum Krach!"
Die hellen Augen des Großen find dunkel vor Ablehnung. Er muß feinem Zorn ganz und gar Luft machen.
„fiätt' er sich eine aus dem Dorfe genommen, der Rudolf, fo wie sich's für uns schickt — aber immer hoch hinaus — echt Oettekingsch!"
Erni fährt auf. Oettekingsch sind such sie und Jupp, ebenso wie der Rudolf. Alle drei stammen sie von Christoph Gräfes zweiter Frau ab. Sie lassen sich nicht beleidigen!"
„Halt's Maul!" winkt der Vater ab, denn er weiß, was jetzt kommen wird. Daß aber ein feindseliger Blick zu Hermann fliegt, der kein Oetteking- scher, sondern ein Mäschke ist, das kann der Hausherr nicht verhindern.
Die Katastrophenlust bleibt. Trotz des Jungbieres. Ja, manchmal scheint es, als verdichte sie sich noch. Jeder ist in feinen Groll verbohrt, und keiner hat den feinen, spürenden Sinn, daß dieser nachbarliche Konflikt nur der Auftakt ist zu Ereignissen, die tief und aufwühlend in das bisher ruhig und glatt verlaufene Leben eingreifen werden.
Der Hausherr stößt seinen Stuhl zurück. „Ich gehe über die Felder."
Er wirst einen kurzen, auffordernden Blick auf Hermann. Natürlich ist der sofort dabei — natürlich,
der Mäschke, der mit dem Vater ein Herz und eine Seele ist!
Jupp sieht die beiden eine Weile später nebeneinander gehen. Ihn hat es natürlich auch nicht zu Hause gehalten. In der Bude wird man ja ganz verrückt. Er liegt im Heidekraut, oben am Hutberg, dort, wo die sommerfarbenen Felder aufhören, wo man auf die Gräfewiesen sieht ui-b wo auch die Plessener Schloßtürme auftauchen. Die muß man mit wütenden Blicken beschicken, weiß Gott!
Aber augenblicklich gilt Jupps Aufnferksamkeit den beiden Gestalten, die am Roggenschlag entlanggehen. Sie sehen aus wie ein gut zusammengefügles Stück, gegen das man immer wieder vergeblich anrennt.
Aber ein Fünfzehnjähriger beobachtet noch nicht gut. Er ist viel zu rasch, um tiefer zu sehen. Nein, sie gleichen einander gar nicht so sehr, diese beiden, wie man zuerst meinen möchte. Wenn man schärfer zusieht, muß man eine gewisse Gehemmtheit in Hermanns, des Sohnes, Wesen beobachten. Immer steht er im Schatten feines Vaters. Fallen nicht alle Blicke zuerst auf den breiten, mächtig und hoch- gebauten Alten? Aus fein kühn geschnittenes, hageres Gesicht, das von den scharfen, hellen Augen und dem schmalen, festen Mund bestimmt wird?
In Hermanns Gesicht ist das alles auch da, gewiß, aber viel weniger ausgeprägt, und über allem liegt fo ein sinnender Zug, den der Vater nicht hat. Was weiß fo ein junger Kerl wie Jupp davon, daß Hermann Gräfe bei diesem Gang über die Felder gern verweilen mochte, die Aehren in die Hand nehmen und über Wachstum und Werden nachdenken. Noch lieber möchte er nach der anderen Seite gehen, wo See an See sich reiht, wo der Wind im Schilf rauscht und eine sanfte Schwermut über dem braungrünen Wasser liegt. Ahnt-vielleicht einer der Gräfeleute, daß Hermann in seinem Schrank heimlich ein Fernrohr verborgen hält und nachts auf den Feldern steht und nach den Sternen sieht? Daß er heimlich in ernsten Büchern lieft?
Der Sohn ist anders als der Vater, ist besinnlicher, verträumter. Man könnte sagen, er ist vielleicht noch nicht aufgeweckt, daß vielleicht etwas in ihm steckt, von dem er selber noch nichts weiß.
An solche Dinge denkt der Jupp da oben an der Kuppe des Hutberges natürlich nicht. Nur ganz grob an den Unterschied der Geschwister denkt er. Der eine ist eben ein Mäschke, und die anderen drei haben
Oettekingsches Blut in sich. Klar, daß sie Zusammenhalten, gemeinsam dem Großen gegenüberstehen. Der und der Vater halten doch auch immer zusammen.
lieber zwei Stunden lang liegt der Jupp hier oben in der Sonne. Der Hunger wühlt im Magen. Kaffeezeit. Der Boden der Gräfewiesen quietscht unter seinen langen Sätzen. Das Wasser spritzt bis an die nackten Knie.
Erni hat Erbarmen gehabt. Sie will noch einen Schimmer von Sonntäglichkeit retten. Quarkkäulchen hat sie gebacken, die Jupp leidenschaftlich gern ißt. Er rechnet richtig. Sind der Vater und Hermann einmal in der Richtung des Kretschams weitergegangen, kloppen sie dort erst einen Skat und kommen so bald nicht heim. Logische Folgerung: er kann ihren Anteil an Quarkkäulchen auch noch vertilgen!
Ein voller Magen versöhnt mit vielem.
„Eigentlich ift’s hier bei uns auch ganz gemütlich!" Jupp dehnt sich und sieht hinauf in den Pflaumenbaum, unter dem Erni den Kaffeetisch gedeckt hat. Der hohe Kragen und der Konfirmandenanzug sind sowieso nicht sein Geschmack. Und immer so fein: „Oh, bitte sehr ... Vielen Dank ... Sehr freundlich ..." Nein, das ist nichts für Jupp Gräfe.
„Gib mir noch mal fo’n Fladen her ..."
„Sprich nicht immer fo mit vollem Munde! Benehmen kannst du dich kein bißchen. Na, überhaupt, wie wir Gräfes da drüben in Plessen-Roda abgeschnitten haben — schämen muß an sich."
„Schämen brauchen wir uns gar nicht!" verteidigt Jupp mit vollen Backen die Hausehre.
In die sonntägliche Stille klingt plötzlich ein Hupenton, ganz nahe. Vielleicht schon draußen im Hof. Die Quarkkäulchen sind vergessen. In großen Sätzen über Ernis Beete hinweg flitzt Jupp davon.
Wie ein Signal ist es, ein Signal, daß irgend etwas Neues losgeben soll, denkt Erni und deckt noch schnell einen Teller über den letzten Kuchen, damit die Fliegen nicht drangehen. Dann geht auch sie auf den Hof.
♦
Im Dvrfkretscham geht es inzwischen hoch her. Eine große Runde sitzt um den wachstuchbezogenen Tisch. Jeder hat seinen Topf Bier vor sich. Gutes Rodaer Bier. Keiner, der es nicht lobte, heute doppelt, weil es Christoph Gräfe schmeichelt. Er ist ein angesehener Mann, jeder will sich mit ihm gut stehen.
Und jeder hat noch fein Pullchen Kornfchnaps dcv neben. Was fein muß, muß fein. ,Zu en richt'gev Biere gehört f'ch a richt'ger Kurn!"
„Alles was recht ist, Gräfe-Chriftoph, a ftäH Labsal wie bei Bier — so is feener ne behumst. Der s'ch das feeft."
Aber Christoph Gräfe will heute nicht vom Biec» reden, sondern von der Autobahn. Die Rodaer Bauern darauf bringen, ist nicht schwer. Haben doch alle schon davon läuten hören. Allen ift’s klar, daß der Hutberg im Wege liegt. Denn auf der einen Seite streckt sich das langgezogene Dors hin, auf der anderen Seite Teiche. So weit man sieht, Moor unh
Heide, immer wieder von Teichen unterbrochen.
Das Dorf durchschneiden?
„Aber Kaorle, was du da wieder for Blech räd'si! Zerschneiden. Wenn nu d'r Bitterlich Franz sein Miß breeten wollte, da mißt's doch bis uff Weißenberg ausholen!"
Hermann wirft etwas von dem Plessener Park in die Debatte. Die schmalen und runden Bauernköpft stoßen hoch. Wie? Den Herrschaftspark einfach weg« nehmen für die Autobahn? Kratzen sich hinter den Ohren. Tief steckt eine scheue Achtung vor bent Herrensitz in ben Leuten.
„Nu ja, warum ock ne? Eegentlich haoste rechn, Hermann, a su mißt's gehn."
Zustimmenbes Kopfnicken ringsum. Erst noch etwas zurückhaltenb. Aber ber Korn macht bas 6e- sinnliche Blut rascher schlagen. DieKöpfe werben rötei.
Die Gräfewiesen? Nee, ach Gutt, nee! Was sollte benn ba mit bem Robaer Selbe werben? Ganz recht hat ber Gräfe-Hermann, bie Autobahn, bie muil burch ben Plessenschen Park. Punktum!
Was hier besprochen wirb, ist öffentliche Meinung Die Leute stehen hinter ben Gräfes, nicht hinter ben Messens!
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Jutta von Messen lacht Rubolf Gräfe zum Abschied noch einmal herzhaft aus. Das kleine Parkt»? quietscht dazu.
„Ja, mein Sohn, nun mach mir nicht ein gar P belämmertes Gesicht. Was einer sich einbrockt, ba» muß er ausessen! Es hilft nichts, du mußt in bk rosarote Stimmung des Gräfehofes zurück!"
„Ach, hör' endlich auf — Ohrfeigen könnte i* mich! Am liebsten bliebe ich hier."
(Fortjetzung folgt,)
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