den Ländern, in denen durch Haß und Hetze Feind- schaft gegen unfer Volk wach gerufen wurde. Er pries das stolze Bewußtsein der Arbeitsmänner, durch ihren Einsaß für Führer, Volt und Vaterland die vornehmste Pflicht aller deutschen Männer erfüllt äu haben. Die Blumen, mit denen die Heim- kehrer geschmückt wurden, und die frohen Äugen der zur Begrüßung erschienenen Volksgenossen bezeichnete der Oberbürgermeister als Ausdruck der herzlichen Dankbarkeit und der Freude, die die Heimat ihren aus dem Felde heimkehrenden Männern entgegenbringt. Im weiteren Verlaufe seiner Ansprache gab er einen kurzen Rückblick auf jene Zeit vor etwa 10 Jahren, da viele deutsche Menschen mit großer Sorge der Zukunft unseres Vaterlandes entgegensahen, er erinnerte aber auch an den ersten Aufmarsch des Reichsarbeitsdienstes auf dem Parteitag in Nürnberg und an die damit gegebene Grundlage für den Aufbau der heutigen Organisation des Reichsarbeitsdienstes und zugleich der herrlichen deutschen Wehrmacht des nationalsozialistischen Deutschland. Ueberzeugend hob der Redner weiter hervor, daß alle jungen deutschen Männer mit berechtigtem Stolz auf die Zeit blicken können, da sie den Rock des Arbeitsdienstes und den Rock des deutschen Soldaten getragen haben, zugleich mit der ehrenvollen Verpflichtung, Dienst für Führer, Volk und Vaterland zu leisten, sich damit die dankbare Anerkennung der Volksgemeinschaft erwerbend. Jedem jungen Deutschen, der heute mit dabei sein dürfe, den Willen des Führers zu vollziehen, sei damit das Erleben der schönsten Stunden seines Daseins beschieden, an die er immer mit Stolz zurückdenken könne. Mit der Versicherung des herzlichen Dankes aller Volksgenossen für die Leistungen der Arbeitsmänner übermittelte der Redner den Heimkehrern noch den Wunsch, daß ihnen diese Stunde und der Aufenthalt in unserer Stadt stets in Erinnerung bleiben möchten.
Kreisgeschästsführer Weber
als Stellvertreter des Kreisleiters hieß die Arbeitsmänner im Namen der Partei in der Heimat willkommen und würdigte mit herzlichen Dankesworten ihre Leistungen im Dienste der Gemeinschaft. Er hob hervor, daß die spätere Geschichtsschreibung auch die Leistungen des Reichsarbeitsdienstes in ge- biihrender Weise zu würdigen wissen werde. Dann gab er seiner Gewißheit Ausdruck, daß die jetzt aus dem Arbeitsdienst ausscheidenden Männer auch in ihrem neuen Pflichtenkreise stets in vollem Maße ihre Pflicht und Schuldigkeit für die Volksgemeinschaft tun werden wie bisher, getreu ihrem Schwur, 'dem Führer in Treue zu folgen, wohin er sie befiehlt. Die Rede klang aus in dem Treuebekenntnis für unseren Führer, das begeisterten Widerhall fand.
Mit dem Abmarsch der Arbeitsdienstabteilung und der Formationen der Partei fand die Feierstusche ihr Ende. B.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 19.30 Uhr „Aennchen von Tharau". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Jud Süß". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Tiger von Eschna- pur".
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 19.30 Uhr „Aennchen von Tharau". — Gloria-Palast, Seltersweg: 11 Uhr Wochenschau- Sondervorstellung ; ,Zud Süß". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Tiger von Eschnapur".
Stadttheater Gießen.
Am heutigen Samstag wird zum erstenmal die Operette „Aennchen von Tharau" von Heinrich Strecker aufgesührt. Sie behandelt die Entstehungsgeschichte des bekannten Liedes nach dem Schicksal des Königsberger Dichter-Professors Simon Dach und seiner Liebe zu der Titelheldin. Die musikalische Leitung hat Arthur Apelt, die Spielleitung Harry Grüneke. Bühnenbild: Karl Lössler. Tänze: Irmgard Trömel. Es wirken mit: Waltraut Goettke, Gabriele Possinke, Gerti Vogt: Kurt Bosny, Heinrich Durst, Joachim Ernst, Gert Geiger, Harry Grüneke, Heinz Müller, Christoph Reuland, Beruh. Schmitz, Karl Volck. Außer Miete!
Am morgigen Sonntag findet wiederum eine Nachmittagsvorstellung statt. Zur Aufführung gelangt das Lustspiel von Svend Rindom „Der Triumph des Tobias". Der Beginn der Vorstellung wurde aus 15.15 Uhr festgesetzt, damit Auswärtigen die Möglichkeit gegeben ist, rechtzeitig zur Vorstellung zu kommen und früyzeitig genug zurückfahren zu können. Außerdem haben Theaterfreunde, die wegen der Verdunkelung oder aus anderen Gründen die Abendvorstellungen nicht besuchen können, Gelegenheit, im Theater Erholung und Unterhaltung zu finden. _ ,
Ortszeit für den 13. Oktober.
Sonn en auifgang: 7.48 Uhr, Sonnenuntergang: 18.34 Uhr. — Monduntergang: 4.28 Uhr, Mond auf- gang: 17.34 Uhr.
Ortszeit für den 14. Oktober.
Sonnenaufgang: 7.49 Uhr, Sonnenuntergang: 18.32 Uhr. — Monduntergang: 5.31 Uhr, Mondauf- gang: 17.56 Uhr.
Platzkonzert der SA.
Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung von Musikzugführer, Sturmsührer Herrmann, veranstaltet am morgigen Sonntag, 13. Oktober, 11 Uhr, in einem Reservelazarett ein Platzkonzert mit folgendem Programm: 1. Deutschlands Ruhm, von M. Schröder; 2. Ouvertüre „Leichte Caoallerie", von F. v. Supps; 3. Lied für Trompete ,Zch sende diese Blume dir", von Wagner, Solist A. Schwarzlose; 4. La Traviata-Fantasie, von Verdi; 5. Germania-Marsch, von Keitel.
Ehrung durch
die Deutsche Arbeitsfront.
Der Hausgehilfin Elise Küster in der Hausgemeinde der Geheimratswitwe Frau Margarete B i e r m e r in Gießen, Gnauthstraße 40, wurde von der Deutschen Arbeitsfront eine Ehrenurkunde für 40jährige treue Pflichterfüllung in chrer Stellung im Haushalt der Frau Biermer verliehen. Die Ehrenurkunde, in der gleichzeitig die besten Wünsche für ein weiteres gesundes und glückliches Schaffen der Jubllarin zum Ausdruck gebracht werden, ist von dem Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Rob. Ley, eigenhändig unterschrieben.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 12.Okt. Auf de mheutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, y2 kg 4, 5 kg 40, Wirsing, % kg 7 bis 8, Weißkraut 5, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Ruben 7 bis 8, rote Rüben 8, Spinat 16 bis 18, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 20, Unterkohlrabi 4, Grünkohl 20, Rosenkohl 30, Tomaten 16 bis 18, Zwiebeln 12, Meerrettich 30 bis 35, Schwarzwurzeln 35, Rhabarber 10, Kürbis 7, Feldsalat (Vio) 10, Aepfel, % kg 15 bis 30, Birnen 15 bis 30, Zwetschen 13 bis 15, Blumenkohl, Stück 10 bis 40, Salat 8 bis 10, Endivien 10 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Sellerie 5 bis 30, Rettich 5 bis 20, Radieschen, das Bund 10 Rpf.
*
** Bann und Untergau 116: Jugendfilm st u n d e in Gießen. Zu der Jugendfilmstunde am Sonntag, 13. Oktober, treten sämtliche Einheiten der Standorte Gießen, Heuchelheim, Klein- Linden und Wieseck pünktlich um 10.15 Uhr in der Schanzen st raße am Lichtspielhaus an. Es läuft der Film „C o n d o t t i e r i". Es haben die Angehörigen folgender Einheiten anzutreten: HI.: Gef. 1, 6 und 19, Motorgef. 1/116, Marinegef. 1/116, SRD., Nachrichtengef. 1/116, Feldschergef. 1/116, Fliegergef. 1/116 uNd Bannspielschar. Jungvolk: Fähnlein 1, 2, 3, 4 5, 6, 7, 19 und Lehrsähnlein. BDM.: die Gruppen 1, 2, 3, 4, 6, 7, 19 und 5. BDM.-Werk: die Gruppen 1, 2, 3, 4 und die Scharen in den Vororten. Jungmädel: die Gruppen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 19. Diejenigen Angehörigen der Einheiten, die noch keine Karte besitzen, bringen 0,20 RM. mit und erhalten die Karte am Lichtspielhaus. Dienstanzug: HI.: Braunhemd und kurze Sommerhose, Jungvolk: Jungenschaftsbluse und kurze Sommerhose, Lehrfähnlein: Braunhemd und kurze Hose.
** Veranstaltungsring des Bannes und Untergaues 116. Die Karten für die
1. Ringveranstaltung am 19. bzw. 23. Oktober sind an folgenden Tagen auf der Verwaltungsstelle ein* heitswevse abzuholen: Mittwoch, 16. Oktober, 15 bis 19 Uhr, und Freitag, 18. Oktober, 15 bis 17 Uhr. Am Samstag, 19. Oktober, können in der Zeit von 14 bis 15 Uhr noch übrige Karten an Nichtmitglieder einzeln abgegeven werden. —Es werden bis zur nächsten Vorstellung noch Anmeldungen für den HJ.-Deranstaltungsring angenommen. Deitrittsfor- mulare sind auf der Verwaltungsstelle erhältlich.
♦* I M.- Untergaull6. Am Sonntag, 13. Oktober, ist Wochenendschulung. Hierzu treten alle JM.- Führerinnen um 8 Uhr am „Burghof" an.
*♦ Kriegsauszeichnung. Der Obergefreite Otto S t ö h r aus Gießen, Kleine Mühlgasse, der als Meldeläufer im Felde steht und sich zur Zeit hier auf Urlaub aufhält, wurde für Tapferkeit vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. — Der als Nachrichtenmann bei einem Flieger-Geschwader im Felde stehende Kurt Hopfner aus Gießen wurde zum Gefreiten befördert. Er schreibt uns, daß er, auch wenn die Post einmal ausdleibe stets durch den „Gießener Anzeiger" über die Ereignisse in Gießen auf dem Laufenden gehalten und diese enge Verbindung mit der Heimat auch von seinen Kameraden sehr begrüßt werde.
Oie DersorgungSlage im Mein-Main-Sebiet.
Das Landes-Ernährungsamt Hessen teilt u. a. mit: Die Erzeugung von Sveisequark und Schichtkäse ist gegenüber der Vorwoche erheblich gestiegen. Es besteht nach diesen Erzeugnissen lebhafte Nachfrage. Die Anlieferung von Vollmilch an die Molkereien
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
hat um ein geringes zugenommen, was in der Jahreszeit des allgemein geringen Milchanfalls verzeichnet zu werden verdient. In der Zuckerwirtschaft stehen die Fabriken vor der Kampagne. In der nach wie vor gesicherten Versorgungslage sind keine Veränderungen eingetreten. Das Einkellern der Kartoffeln durch die Haushaltungen dürfte zu 40 bis 50 v. H. vollzogen fein. Am Viehmarkt werden die Schweinemengen^ zunehmend durch Rinder ersetzt. Die Fleischversorgung erleidet somit keine Einbuße, wenn auch der geringe Anfall von Schweinen wahrscheinlich noch anhält.
Waldlauf der Leichtathleten.
Der morgige Sonntag stoht in allen deutschen Sporkbezirken im Zeichen des Waldlaufes. Infolge des am Sonntag beginnenden Spielbe- triebs der HJ.-Mannschaften mußte von einer Ausschreibung des Waldlaufs für die Hitler-Jugend Abstand genommen werden Lediglich in den Sportkreisen Dillenburg und Wetzlar wird die Jugend zu dem Waldlauf hinzugenommen.
In Gießen wird der Waldlauf in den Klaffen:
I. Männer — 5000 Meter
II. Jungmannen = 3000 Meter
III. Frauen — 1000 Meter
mit Einzel- und Mannschaftswertung am Sonntagvormittag mit Start und Ziel auf dem Waldsport- platz des DfB.-Reichsbahn ausgetragen. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß sich an den Läufen neben den Mitgliedern der NSRL.-Ge- metnschaften besonders Angehörige der Wehrmacht unb alle übrigen Volksgenossen (ähnlich wie beim Turn- und Sporttag) beteiligen können.Die Meldungen werden, soweit sie nicht schon vorher erfolgt sind, vor dem Start entgegengenommen. Es soll eine Waldlauf-Veranstaltung für „alle" sein.
Oer kommende Handballsonntag.
Das an sich schon umfangreiche Programm der Handballer wird am kommenden Sonntag durch die Spiele der Jugend in den Bannen 116 und 88 um eine Reihe weiterer Spiele bereichert In 6 Staffeln werden nahezu 30 Jugendmannschaften um den Titel des Bannmeisters kämpfen und sich sicherlich spannende Kämpfe liefern.
Die Spielzeit für alle Jugendspiele tft einheitlich auf 10 Uhr vormittags festgesetzt worden, um die Runde in keinem Falle mit den Spielen der aktiven Mannschaften ziftammenzub ringen. Auf diese Weise haben die Vereine die Möglichkeit, ihren Jugend- eircheiten die Unterstützung angedeihen zu lassen, die ihnen gehört. Es werden spielen:
Derelchsklasse:
Hochelheim — Garbenhelm Hörnsheim — Katzenfurt Mtv. Gießen — Dornholzhausen Kirchgöns — Lützellinden
I. und II. Klasse: ©rüningen — Lang-Göns Krofdorf — W.-Niederairmes Lang-Göns II. — Garbenheim II. Atzbach — Großen-Linden Lich — Klein-Linden Beuern — Garbenteich.
Jugendklasse: Dann 116.
Staffel 1: Watzenborn-Steinberg — Wieseck Lich — Hausen
Staffel 2: Klein-Linden — Mtv. Gießen L Heuchelheim — 1900 Gießen
Staffel 3: ©rüningen — Holzheim Lang-Göns — Mtv. Gießen II.
„FC. Teutonia" Watzenborn-Steinberg
Die 1. Elf des FC. „Teutonia" Watzenborn- Steinberg tritt am morgigen Sonntag an der Neu« mühle im Gesellschaftsspiel der als spielstark bekannten 1. Mannschaft eines Luftwaffensportvereins gegenüber. Dieses Spiel gilt für die Platzbesitzer als letzte Vorbereitung zu dem am darauffolgenden Sonntag stattsindenden entscheidenden Spiel zwischen der 1. Mannschaft von Watzenborn-Steinberg und der gleichen des VfB.-R. Gießen um die KriegserinnerungsDlakette. Die stärkste Waffe der Gastmannschaft dürfte zweifellos der fchußsreudige Sturm mit dem gefährlichen Halblinken Lutter fein. Aber auch auf den weiteren Pasten verfügt die Mannschaft über gutes Spielermaterial, so daß die Mannschaft nicht unterschätzt werden darf.
Am Sonntagvormittag tritt die 1. Schülermannschaft der Teutonen der gleichen des VfB.-R. m Watzenborn-Steinberg gegenüber.
Vor dem Spiel der 1. Mannschaft tritt die Jugendmannschaft des Turnvereins Watzenborn- Steinberg im ersten Handballmeisterschaftsspiel der Jugendmannschaft vom Turnverein Wieseck entgegen. Beide Mannschaften stehen sich zum ersten Male gegenüber.
Die 1. Jugendmannschaft des FC. „Teutonia" trägt ihr erstes Bannmeisterschaftsspiel gegen die 1. Jugend der Spielvereinigung Leihgestern in Leihgestern aus. .
Llm die Kriegserinnerungsplakette.
Hungen I — Heuchelheim L
Das einzige Spiel des Sonntags bringt diese Mannschaften im Rückspiel zusammen. Beide stehen punktgleich an zweiter und dritter Stelle, das Spiel dürfte daher entscheidend für die weitere Gestaltung der Spitzengruppe sein. Im Vorspiel siegte Heuchelheim knapp, doch dürfte die Elf nicht in der Lage sein, auch diesmal wieder zu einem Erfolg zu kommen, da Hungen nicht nur spielstark, sondern vor allem auf eigenem Platze ungeschlagen ist.
gut
Heiserkeit-
KrUmenkÜ*
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
(Schluß.)
Und das ist der Doktor Bergholz — der Mann, der Marta das Leben rettete ... Ein Zufall? ... Ja, die Tat war ihm zugefallen — er hatte sie ausführen müssen. Das ist so — man kennt es. Aber welcher Sinn soll dahinter zu suchen fein, daß gerade dieser Mensch einer Tat verdächtigt wurde, die er nicht begangen hat?
Ein schmerzhaft spannendes Gefühl legt sich Klaus um die Brust. Er selbst, der diesen Irrtum, den Fehlgriff der Behörde hätte aufklären können, war besinnungslos davongerannt. Diese Schwäche vergibt er sich niemals. Das wird er dem Doktor Bergholz sagen, sobald er ihm danken kann ...
Länger als sonst wird heute bei Pahls aufgesessen und erzählt. Zuletzt berichtet die alte Frau noch, daß Frau Ellrich Martas Vater nun in einem Hospital untergebracht habe. Gestern hätten sie ihn abgeholt. Sie will nun das Geschäft verkaufen, denn sonst könnten sie es bald schließen, dahin gingen jetzt kaum noch Kunden, meint Frau Pahl. Klaus hört, daß die beiden alten Ellrichs alle Sympathien bei den Umwohnern verloren hatten. Am Abend, als die Schreckensnachricht von der Verzweiflungstat Martas durch die Gegend lief, hatten sich erregte Gruppen auf der Straße ge« bildet, und wieder mal hatten diejenigen am lautesten spektakelt, die vordem sehr willig alle Klatsch- geschichten der Madame Ellrich angehört und weitergetragen hatten. Es wäre beinahe dazu gekommen, daß sie den Alten die Fensterscheiben einwarfen.
„Na, nu höre schon auf, Mutter, Klaus muß ja der Kopf brummen von all den Jeschichten", mahnt Vater Pahl. „Wir werden ja nu öfters hier in die Laube sitzen und uns wat erzählen. Und die Maria wird denn ooch dabei sind."
,Zewiß, Vater", stimmt ihm seine Frau zu. „Aber ick mußte doch dem Klaus bet alles ausführlich berichten, und nun wird er auch verstehn, warum Fräulein Weber meint, die Marta soll zu ihr kam- men, wenn se wird aus 'm Krankenhaus entlassen werden. Hierher in die Jejend soll se vorläufig nich." Sie schweigt ein Weilchen, sieht zu dem Wiedergekehrten hinüber, steht dann auf und kommt um den Tisch herum zu ihm, legt ihm die Hand auf die Schulter. „Noch eens soll'n Se wissen: Mit euren kleenen Klaus, da is bet nu nischt, verstehn Se? ... durch det hohe Fieber!"
Klaus versteht erst durchaus nicht. Dann zuckt Erschrecken über sein Gesicht. Frau Pahl streicht über das Haar. „Na, nu man teene traurige ine, dazu könnt ihr schon noch kommen ..."
Klaus weist an der Auskunftsstelle des Gerichts- gebäubes die Aufforderung vor, die ihm der Gemeindevorsteher Kröger mitgegeben hat. Der Beamte telephoniert, wendet sich dann zu Klaus um: „Herr Landgerichtsrat von Hanke hat erst noch eip paar Termine; es wird wohl an zwei Stunden dauern. Wollen Sie warten ober mieberfommen?"
„Ich warte", entgegnet Klaus.
Leute kommen und gehen, sitzen auf den Bänken im Gang. Etliche schweigen wie er; anbere reben, finb erregt. Männer in schwarzen Talaren, Richter und Anwälte gehen vorüber. Türen klappen, Akten werben von Beamten hin und her getragen. Es vergeht eine lange Zeit. Dann kommt ein untersetzter Herr in der Richterrobe, mit ein paar vernarbten Schmissen in dem vollwangigen, frischen Gesicht, an Klaus vorüber und geht auf die Tür zu, der dieser zunächst sitzt. Er verhält den Schritt, mustert Klaus und fragt: „Sind Sie Klaus Tjaden?"
Sich erhebend, bejaht Klaus die Frage.
„So kommen Sie bitte gleich zu mir herein", fordert der Herr ihn auf.
„Nehmen Sie Platz, Herr Tjaden", sagt er drinnen im Zimmer und setzt sich hinter den großen Schreibtisch. Er schiebt Klaus einen geöffneten Zigarrenkasten hin. „Bitte! ... Oder rauchen Sie lieber eine Zigarette?"
„Danke vielmals, Herr Landgerichtsrat. Ich bin Nichtraucher", sagt Klaus.
Eine Weile bleibt es still in dem Zimmer. Der Untersuchungsrichter liest einen Bericht, der von der Seewarte her über die Fahndunasbehorde, die nach Klaus Tjaden suchte, zu ihm gelangt ist. Herr von Hanke hat ihn vorhin schon einmal flüchtig gelesen, ohne zu ahnen, daß er den darin besonders benannten Klaus Tjaden schon heute vor sich sehen soll. So kommt es, daß sich seine ersten Fragen um das Ereignis an der Küste drehen, das so fernab von allem liegt, worüber Klaus Tjaden befragt werden soll.
Er erhalt ruhiae und besonnene Antworten. Klaus gibt eine einfache, aber plastische Darstellung des Ereignisses, geht dabei fast völlig an Dem vorbei, was er dabei getan hatte. Aber in dem schriftlichen Bericht ist gerade das hervorgehoben. Als der Untersuchungsrichter mit ein paar anerkennenden Worten darauf hinweist, erscheint in dem harten, ernsten Gesicht vor ihm ein flüchtiges Lächeln. „Das
1 liegt uns Küstenbewohnern im Vlut", sagt Klaus. „Es ist sogleich wieder da, wenn man lange Jahre in der Ferne war."
Dann entsteht aus Fragen und Antworten noch einmal ein Bild des Geschehens, das ihn auf die Landstraße hinausgetrieben hat. Er bekennt es, sich eines falschen Verhaltens schuldig gemacht zu haben, denn er hatte ja damit einen andern, der mit dem, was es zwischen Dietmuthe Röhl und ihm auszutragen galt, nichts zu tun hatte, in Schuldverdacht gebracht — wenn auch ohnB Wissen und Absicht.
Der Untersuchungsrichter spürt hinter jedem Wort die große Ehrlichkeit und weiß mit feinem Einfühlungsvermögen ein sonst schwer zugänglüdes Innenleben aufzuschließen, erkennt auch hinter der blutsbedinyten inneren Schwere das Zarte, das die Schwache und Stärke dieses Menschen ausmacht. Zwischen der Vernehmung, die sich mehr zu einer Aussprache von Mann zu Mann gestaltet, macht er sich die Vermerke, die er zum Abschluß des Verfahrens braucht.
Klaus kann in dieser Stunde ohne die ihn sonst hemmende Scheu reden. Es drängt förmlich aus ihm heraus, und er erhält dabei eine viel klarere Uebersicht über sein Leben, als er bisher hatte. Er erkennt und weiß, daß er mit viel mehr Willen sein Geschick vorwärtstreiben muß, und wird fernerhin nicht nur,'wie meist bisher, etwas mit sich geschehen lassen. Das ist vorbei. Und die dunklen Mächte der Vergangenheit haben keine Gewalt mehr über ihn. —
Nachdem er gegangen ist, liest Herr von Hanke noch einmal den Bericht von der Rettung einer schiffbrüchigen Mannschaft während eines Gewitter- sturmes an der Nordseeküste. „Merkwürdig", murmelt er, „wie die beiden, denen das Abenteuer mit der Primadonna gefährlich wurde, und das zu einer seltsamen Verkettung ihrer beider Geschick führte, sich bewährten an andrer Stelle. Beide retteten sie Menschen vom Tode im Wasser ... Brave Kerle, die zwei!"
*
Am Nachmittag geht Klaus zum Krankenhaus. Viele Leute gehen m das Tor hinein, denn es ist Besuchsstunde. Eine Frau hält ihm einen Korb voll Blumen hin. „Ein Sträußchen zum Mitnehmen?
Er bleibt stehen. Ja, ein paar Blumen für Marta! ... Gut, daß er darauf hingewieien wird ...
An der Tür zum Krankensaal veryält Klaus wieder die Schritte — fein Herz klopft hart gegen die Rippen. Langsam nähert er sich dem Bett Martas. Sie schläft. Ihr Gesicht ist weiß und schmal geworden, uno weiß sind auch die Hände. Ihr Haar ist zu zwei Zöpfen geflochten, die sie über die Schultern nach vorn genommen hat und mit ihren gefalteten Händen bedeckt. So hat er einmal vor langen Jahren ein junges Mädchen im Sarg liegen sehen — die Tochter Klaaßens, die an einer Lungenentzündung gestorben war;
Aber Marta lebt! ... Gott sei ewig Dank! Sis lebt! ...
Leise setzt er sich auf den Stuhl am Bett, legt seine paar Blümchen auf den kleinen Tisch. Andere stehen dort in einem Glase. Menschen, die es gut mit Marta meinen, haben sie ihr gebracht, während er fern war. Ader jetzt ist er hier, und nichts ist mehr in der Welt, was sie voneinander zu trennen vermag. Hier, an Martas Bett, überwältigt ihn erst diese Gewißheit. Sie sprengt ihm fast die Brust, nimmt ihm den Atem. Tränen laufen ihm über das Gesicht. Da öffnet Marta die Augen — ihr Blick haftet an ihm, langsam sinken ihr die Lider wieder zu.
„Marta!" ruft er leise. Wieder macht sie die Augen auf und sieht ihn an — staunend, ungläubig. „Klaus? ..." Wie eine gehauchte Frage klingt das Wort. Eine schwache Röte kommt in bas blasse Gesicht. Sie macht eine Bewegung, sich aufzurichten. Er legt den Arm um sie. „Guten Tag, min Deem!"
Da lacht sie ihn an. „Du bist es ja wirklich, Klaus! Ich dachte erst, ich träume .. So oft träume ich von dir."
Er küßt sie leise, und sie lehnt ihren Kopf an seine Schulter. „Ich bin nun wieder hier, Marta!"
„Ach Klaus ... Gut ist das! ... Du warst in deiner Heimat?"
„Ja, min Deem. Und wenn ich mieiter dorthin gehe, bann kommst bu mit mir. Wir bleiben dann bort."
„Wir bleiben bort", wiederholt sie flüsternd mit glücklichen Augen. „Wann wird bas fein, Klaus?"
„Bald, Marta! Ich bin ja frei, und alles ist gut!" Ihren Augen ist anzusehen, baß sie noey weitab von allem Begreifen ist; aber sie lächelt glücklich, hält mit ihren weißen Hänben seine braune Rechte umfaßt, sieht in sein Gesicht. „So weit warst bu von mir ... Einmal sah ich dich auf einem hohen grünen Wall stehen an dem weiten Meer ... Ich wollte zu dir hin und konnte nicht; bas Wasser war zwischen uns ... Klaus ...?
„Was, mein liebes Herz?"
„Mir war so angst, daß du mir nicht verzeihen würdest, was ich getan habe ... Aber nun bist bu ja zu mir gekommen, unb ich weiß, baß du mich noch lieb hast. Ach! ... So leicht ist mir jetzt, Klaus! Bloß müde bin ich noch ... Muß mich erst erholen ... Alles wird gut, sagst bu? ... Ach, lieber Klaus ..."
Martas Schwäche ist groß. Sie schläft in seinem Arm ein. Behutsam bettet er sie wieder in die Kissen, sitzt dann still neben der ruhig Schlummernden, auf deren Gesicht der Schimmer eines glücklichen Lächelns bleibt. Bis die Besuchszeit zu Ende ist, sitzt er neben Marta. Dann geht er, blickt von der Tür noch einmal zu ihr hin. „Alles ist gut, Marta!" sagt er mit tiefem, dankbarem Aufatmen^


