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Nr. 242 Zweites Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

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Kreuz-Arbeit, oder durch ein Geldopfer, vor allem aber durch die Erwerbung der Mitgliedschaft im Deutschen Roten Kreuz, das ja nicht nur aktive, fön­

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sprecher erreichbar zu machen, sodaß jederzeit, namentlich auch an Sonntagen, durch Fernruf eine Verbindung mit ihnen hergestellt werden kann. Die Verbindung der Unfall-Melde- und Unfall-Hilfsstel­len in den Grenzorken des Kreises Gießen mit den gleichartigen Einrichtungen in den Nachbarorten der I Kreuzes!

der in hohem Maße verdient. Der selbstlose Ein­satz der Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes für diese Aufgabe läßt es aber geboten erscheinen, auch die tatkräftige Mithilfe aller Volksgenossen für das Deutsche Rote Kreuz aufzurufen. Nicht nur die Ge­meinden als solche, sondern auch jeder Volksge­nosse muß sich verpflichtet fühlen, nach besten Kräf­ten diese Arbeit zu unterstützen, in geeigneten Fäl­len durch die Lieferung von Material für die Rote

angrenzenden Kreise soll ebenfalls hergestellt wer­den, damit sich allmählich von Kreis zu Kreis über das ganze Reich hin ein großer, nach einheitlichen Gesichtspunkten organisierter Unfall-Melde- und Unfall-Hilfsdienst erstrecken wird.

Mit dieser Einrichtung im Landkreis Gießen wird ein seit Jahren von der Bevölkerung gehegter Wunsch nach ausreichenden Möglichkeiten zur ersten Hilfeleistung bei Unfällen auf dem -Lande erfüllt. Das Deutsche Rote Kreuz, dessen segensreiche Ar­beit schon in vielfältiger Weise für unsere Volks­gemeinschaft in Erscheinung getreten ist, macht sich mit der Uebernahme dieser neuen Aufgabe wie-

Ja! Sie waren ein so guter Offizier!" Hinnerk hatte sich einen Ruck gegeben, er muß ganz tief Luft holen. Daß er das einmal hat sagen dürfen, einmal nach so langer Zeit. Wie ihn das freut!

Und nun Mertens, wir werden uns noch öfters wiedersehen. Jawohl, siebzig ist fein Alter. Und darum und weil du ein so fixer Kerl gewesen bist: Haltung, alter Bursche!"

Zu Befehl, Herr Major!"

Auf ihrem Grunde schob sie gewaltige Kiesel-, Lehm-, Ton- und Kalkmassen zu Riesenbänken und Hügeln zusammen. Gigantische Formung dessen fand statt, was heute, da die Wasser verliefen, von Wind und Wettern abgeschlisfen, im Tage steht und Gebirge heißt.

Gegenüber der Größe den Steinlawinen und un­geheuren Platten, den Schuppen der Steinhaut, preßten in meiner Kiesgrube Kiesel oder gewölbte Plättchen die Schrunden und Hänge ebenso aus dem weichen Material. Alles vollzog das Wunder unter der Erde im winzigen, wie im großen über ihr, als Gott seine ungeheure Kiesgrube aufbrach, und ein Stück geformter Kalk, vermischt mit allerlei, aus ihr als Wettersteinmassio ans Licht kam.

Mein kleines Gebirgsmodell hat Zusammenhang mit dem gesetzmäßigen Geheimnis, hinter das wir weder zu greifen, noch zu sehen, nur recht schwach zu ahnen vermögen das von einer Kraft zeugt, vor der das Wort stirbt.

Es gibt kein noch so spärliches Tierchen, das auf meinem Privat-Wettersteingedirge so hilflos zu kriechen vermöchte, wie die Menschen aussehen, wenn sie stolz bekunden: Ich steige im Wettersteingebirge herum.

Ich taste oft ehrerbietig mein Modellchen ab.

Drüben über dem Moor feilen Tag und Nacht die Winde und Wasser des Himmels, Hagelschlag und Sonnenbrand, und verändern, was unter ihnen ist. Frost zersprengt, und rinnender Schnee nimmt mit, Geröll rutscht ab, und Steinschlag dröhnt, Lawinen hobeln; alles geschieht gleich in meiner Kiesgrube, in der es ebenfalls unheimlich, obgleich zart, fort­während niederrieselt und rinnt, wenn ich vor chr stehe und in der großen Stille lausche.

Das widerfährt meinem kleinen Wettersteingebirge auf dem Schreibtisch nunmehr für einige Zeit nicht mehr. Doch, wie lange wird mein Haus mit seinem schirmenden Dache stehen? Kleinste Teilchen kleiner Teile eines Sekündchens des Unablässigen werde ich noch leben. Was wird aus meinem Modellchen wer­den, wenn ich nicht mehr bin? Da wirst es sicherlich ein neuer vermeintlich Gewalthabender in Schutt und Mull.

Ich ehre meinen Fund, der mir viel bedeutet: er ist erschütternd. Weiter zu denken ist unmöglich, und das ist gut: es zerknickte einen. Es muß genüaen und erhebt: Wir finb im Ganzen.

Achtung!

An die Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront!

Mit dem 31. Oktober 1940 verlieren die jetzigen DAF.-Beitragsmarken ihre-Gültigkeit und werden - eingezogen. Ab 1. November werden neue DAF.- Beitragsmarken eingeführt, so daß ent. vorhandene Rückstände in der Höhe des jeweiligen Bruttoein­kommens bis zum 31. Oktober mit den alten Marken nachgeklebt werden müssen. Die neuen Marken dürfen für ausgelaufene Rückstände nicht verwendet werden. 42940

Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß die bei den Baubetrieben üblichen Wochen- morten und die Wehrmachtsmarken zu 0,60 RM. mit dem Ueberdruck 1940 ihre Gültigkeit behalten und im Umlauf bleiben.

Die Deutsche Arbeitsfront. Verwaltungsstelle 24. Detterau.

in Tätigkeit, indem sie erste Hilfe leisten, für den Verunglückten sorgen und den Abtransport nach den Richtlinien des Roten Kreuzes betreuen. Dieser Sttaßen-Unfallhilfsdienst ist ebenfalls durch einen sorgfältig ausgearbeiteten Dienstplan der vier männlichen und vier weiblichen DRK.-Bereitschas- ten im Kreisstellenbereich Gießen geregelt. Auf diese Weise wird die denkbar möglichste Hilfe bei Un­glücksfällen im Straßenverkehr sichergestellt, eine Einrichtung, die nach dem Kriege zweifellos in weit größerem Ausmaß in der Heimat in Erscheinung treten wird, als jetzt. An dieser Einrichtung mit­zuarbeiten, haben sich auch die nicht im affinen Dienst stehenden Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes in den sog. Ortsgemeinschaften des DRK. verpflichtet, die aushilfsweise dem DR^ für den Einsatz zur Verfügung stehen.

Diese neuen vordringlichen Aufgaben des Deut­schen Roten Kreuzes im Kreise Gießen sind bereits ftarf im Werden begriffen. Die für die Einrichtung von Unfall - Hilfsstellen notwendigen Vorarbeiten sind durch das Deutsche Rote Kreuz irrt Kreisstellen­bereich Gießen bereits geleistet worden. Nunmehr kann mit der Ausstattung der Unfall-Hilfsstellen in einzelnen Gemeinden begonnen werden. Die Unfall-Melde- und U n f a l l - H i l f s st e l - l e n sind im Straß en bild der Ortschaften kenntlich gemacht durch ein blaues Schild mit dem Roten Kreuz auf weißem Grunde und der AufschriftUn­fall-Meldestelle" bzw.Unfall-Hilfsstelle". Die Be­mühungen sind jetzt noch darauf gerichtet, diese Dienststellen an das Fernsprechnetz anzuschließen oder sie mindestens durch einen nahegelegenen Fern-

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Llnfallhilssdienst und Süaßenunfallhilfsdienst.

Reue Aufgaben und umfaffender Aufbau im Kreisstellenbereich Gießen des DRK

bisherigen Einsatzfreudigkeit und der großen Ver­pflichtung des Dienstes für die Gemeinschaft han­deln müßten, womit sie zugleich würdig das große Erlebnis ihres bisherigen Einsatzes im Felde als unvergängliche Erinnerung bewahren. Sodann machte er den jungen Männern noch einmal das große Erlebnis der Arbeit ohne Unterschied von Rang und Stand in der kameradschaftlichen Ge­meinschaft und Verbundenheit, das sie in den Reihen des Arbeitsdienstes gewinnen konnten, als wertvollen Besitz für die Gegenwart und für ihr ferneres Leben überzeugend deutlich. Damit hätten sie im Arbeitsdienst das hohe Ideal kennengelernt, das der Führer auf diesem Wege jedem jungen deutschen Manne vermitteln wolle, nämlich die Er­kenntnis, daß Arbeit Ehre ist. Am Schlüsse seiner Ansprache brachte der Redner den aus dem Arbeitsdienst ausscheidenden Männern Dank und Anerkennung für ihren Einsatz sowie alle guten Wünsche für ihren weiteren Dienst zum Ausdruck, dabei die stolze Freude kennzeichnend, die jeden Arbeitsmann nach beendeter Dienstzeit mit dem Bekenntnis erfüllt: Ich war auch einmal ein Ar- beitsmann des Führers!

Oberbürgermeister ZRiffer

entbot den heimgekehrten Arbeitsmännern den herz­lichen Gruß der Stadt Gießen und sagte ihnen zu­gleich wärmsten Dank für ihre Leistungen in frem-

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und hoher Blutdruck mit Herzunruhe, Echwindelgefühl, '^lervosttät, Ohren­sausen, tzirkulationostörunflen werden durch Antisklerosln wirksam be­kämpft. Enthält u. a. Blutsalze und Kreislaufhormone. Greift die Beschwer­den von verschiedenen Richtungen her an. Packung 60 Tnbl. uK 1.85 in Apotheken. Hochinteressante Aufklärungsschrift liegt ,eder Packung bei!

beide gehen ins Haus. Die Frau, die für Hinnerk sorgt, steht in der Küche, eine Katze reibt ftcb an ihrem Strumpf.

Der Major stützt sich.auf feinen Stock. Dor ihm steht die Frau mit der Katze, seitwärts Hinnerk. Der Major hält eine Ansprache, eine lange An­sprache. Er schließt:Wissen Sie jetzt, wen Sie hier versorgen? Daß dieser Mann gut zu versorgen ist?"

Ja, ja, ganz bestimmt auch, ich, ich..." kommt es aus den Zahnlücken der Frau heraus.

Wieder nimmt der Major Hinnerk unter den Arm, sie treten jetzt auf die Straße. Sie liegt leer, weißer Staub tanzt über sie hin.

Aber an alle Fenster drücken sich Gesichter, nicht nur die Kinder, auch Männer und Frauen sehen, wie der fremde Herr mit Hinnerk über die Straße geht und im Wirtshaus verschwindet.

Weißt du noch", fängt der Major wieder an. Sie stehen jetzt oben im Gastzimmer, und der Ma­jor wirft aus seinem Koster eine Hose und einen Rock Hinnerk in den Arm.

So", sagt er,und hast du das Band noch?" Er nimmt eine schwarzweiße Schleife, die steckt er Hinnerk, der im neuen Anzug nicht wieder zu er­kennen ist, ins Knopfloch.

Dann gehen sie in die Wirtsstube und trinken ein Bier, und der fremde Herr erzählt allen, die da sitzen. Der Gasthof wird immer voller und so erfährt es das halbe Dorf, wie Hinnerk allein mit direktem Schuß einen Tank von Cambrai erledigt hat, ein alter, krummgedienter Landsturmkanonier.

Die Bauern blicken über ihr Glas auf Hinnerk und nicken mit dem Kopf und schließlich will jeder einen ausgeben, weil Hinnerk so ein Kerl gewesen ist. Da nimmt der fremde Herr wieder Hinnerks Arm und geht mit ihm ins Dorf. Dor dem Haus des Vorstehers sagt er:Bleib mal stehen!" und verschwindet. Als er nach langer Zeit wieder kommt, sieht er, daß Hinnerk ganz manierlich dasteht, er hält den Kopf nicht mehr schief wie ein trinkendes Huhn, es geht schon ganz ordentlich.

Jetzt legt er den Arm um Hinnerk.Und weißt du noch... Du hattest ja Nerven wie kein Zweiter. Weißt du noch als ich einmal kaputt war, ich wollte nicht mehr essen, da hast du mir das Brot gestrichen und hast es mir schließlich in den Mund geschoben. Mr waren die Nerven dieses eine Mal durchgegangen, du aber, alter Bursche..

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Aach ehrenvollem Einsatz in die Heimat zurück

Männer des Reichsarbeitsdienstes in Gießen feierlich empfangen.

Haltung, alter Bursche!

Von Waldemar Augustiny.

Obwohl ein fremder Herr mit einem strengen Gesicht mitten auf dem Weg steht, kreischen die Dorfkinder hinter Hinnerk her, wie er in fernen ©arten stolpert. Hinnerk ist eben zu komisch. Sem Rücken, der in bunten Flicken steckt, ist krumm, sein Kopf liegt schief wie bei einem trinkenden Huhn, seine Augen sehen nicht, was auf der Erde vorgeht. , c ,, .

Die Kinder kreischen immer noch, obwohl Der fremde Herr mit dem Kopf schüttelt und obwohl sein Handstock bestimmt nicht von Pappe ist. Erst als der Herr eine Wendung macht und mit langen, festen Schritten auf Hmnerks Haus zugeht, iach­tem sie davon. Es ist ganz still um Hinnerk, nur Bienensummen und Helligkeit und Warme sind um ihn, wie er auf seiner Bank sitzt und in den Him­mel kinzt. t w ,,

Der fremde Herr geht auf die Bank zuSie , sagt er leise,Sie sind doch... ja, Sie sind Mer­tens! Oder sind Sie es nicht?" Hinnerk senkt seinen Kopf. In feinen Augen leuchten die Farbe und die Reinheit des Himmels. Er sagte aber nichts.

Der fremde Herr nimmt feinen Hut ab, und es zeigt sich, daß er fast fo weißes Haar hat wie der Hinnerk. Sonst aber sieht er um vieles junger aus^ Der fremde Herr nickt.Damals", spricht er vor sich hin,alter Landsturm, fast zwanzig Jahre rsi der Krieg her. Er kann siebzig sem, aber ist das em Alter? Mertens?", ruft er laut und im To«eines Befehls.Wißen Sie, wer neben Ihnen sitzt r

Hinnerk kratzt sich über die Wange aus der über­all weiße Härchen sprießen, er faßt sich an die Stirn und schüttelt endlich den Kopf.

Wissen Sie, daß Sie in der 2. Batterie des Ba­taillons 405 gestanden haben? Daß Sie uii ber Tankschlacht 1918 mit mir zusammen eine Haubitze ^Ärtens^Augen werden kleiner. Eine Falte springt zwischen seine Brauen, sein Mund, der aus- ah wie der eines Kindes wird schmalzund f reng. Jetzt öffnen sich seine Lippen.Herr Major? , ,CStmk[an8e hab« ich dich gesucht", sagt d-r ft-md- fyxt. Noch einer Weil- nimmt er Mertens Arm,

dern auch fördernde Mitglieder kennt. Möge sich auf diesem Wege die Volksgemeinschaft im Kreise I Gießen in weitem Ausmaß erkenntlich zeigen für I die vorbildliche Arbeit ihres Deutschen Roten I Kreuzes! B.

Am gestrigen Freitagnachmittag wurde auf dem Landgraf-Philipp-Platz eine vom Einsatz im Felde zurückgekehrte Abteilung des Reichsarbeitsdienstes im Rahmen einer schlichten, würdigen Feier emp­fangen. Zu der Feierstunde hatten sich mit dem Oberstarbeitsführer Richter als Vertreter des Gau- Arbeitsführers noch Kreisgeschäftsführer Weber als Vertreter des auswärts weilenden Kreisleiters, Oberbürgermeister Ritter als Vertreter der Stadt Gießen, der Standortälteste Oberstleutnant K ü h n e als Vertreter der Wehrmacht, SA.-Vrigadeführer Schwarz als Vertreter der SA., Major der Schutzpolizei Hellweg e Emden und zahlreiche weitere Ehrengäste von Partei, Staat und Wehr­macht eingefunden; ferner' hatten Abordnungen der Politischen Leiter, der SA., ff, des NSKK., der HI., des BDM. und des Jungvolks, sowie des Reicks­luftschutzbundes zur Begrüßung der heimgekehrten Arbeitsmänner Aufstellung genommen.

Nachdem die mit einem Arbeitsdienst-Musikzug an der Spitze heranmarschierende, mit Blumen ge­schmückte Einheit des Reichsarbeitsdienstes in gro­ßem offenen Viereck aufmarschiert war, schritt nach Entgegennahme der Meldung Oberstarbeitsführer Richter mit einer Reihe von Ehrengästen die Front der Einheit ab. Hierauf übermittelte

Oberstarbeitsführer dichter

den heimgekehrten Kameraden den Gruß des Ar­beitsgauführers Hessen-Nord, dabei zugleich mit dankbarer Freude anerkennend, daß die Partei, die Stadt und die Gießener Bevölkerung den heimge­kehrten Arbeitsmännern einen so schonen Empfang bereiteten. Im weiteren Verlaufe feiner Ansprache wies der Oberstarbeitsführer die jungen Kameraden darauf hin, daß sie auch künftighin bei ihrem Ein­satz für neue große Pflichten immer im Geiste der

Das Weiierstein-Modell.

Von Walter v. Molo.

In meiner Kiesgrube liegen grober und feiner Schotter zutage, und vielerlei anderes ist in ihr zu sehen, das sich sonst unter der Grasschicht ver­birgt. Einen großen Findling mit Gletscherschliff fand ich tief eingebettet und eine einundeinhalb Spannen lange Darstellung des Wettersteingebirges.

Das Stück, das nun meinen Schreibtisch ziert, sieht wie ein rotgelblicher Steinguß aus. Alles, was vor meinen Fenstern über die Baumwipfel hin­weg weit jenseits unter dem Himmel groß und hoch aufragt, ist auf meinem Modell zu sehen. Die tief eingeschnittenen Haupttäler, die schönen, auch ab­wärts gleitenden Mulden ebenso wie Die zusammen­strömenden drei Kämme, die zweigipfelige Zugspitze, der Schneefernerkopf, der Hochwanner, die Dreitor­spitze und die Wettersteinwand. Bloß kein Grün ist auf dem Modellchen. Läge es im Freien, heftete sich bald Moos an, dann märe alles an dem Kunstwerk meiner Kiesgrube zu gewahren.

Ich fand es als einen eineinhalb Spannen langen weichen Patzen im Kies, als ich eines Tages auf der offenen Seite der Kiesgrube herumstocherte. Das teigige Zeug fiel abgesondert vor meine Füße; ich dachte, als ich es aufhob: Donnerwetter, das ist ja das Wettersteinmassio im kleinen! Neugierig wusch ich die klaren und entschiedenen Kanten und Flächen unter dem Brunnentrog sauber, da war auf ein­mal dieses Gemisch aus Ton und Kalk, vom Drücken und Schieben unter der Erde in seine Form gebracht, hart geworden.

Dereinst brauste, hob und senkte sich das große Meer türmehoch über den heutigen Felsgraten. Wo ich bin, lastete Tausende von Meter hoch Wassermasse.

Aus der Stadt Gießen.

Sonntag des Abschieds.

Der Sonntag kommt in jeder Woche wie ein Ge­schenk. Er bedeutet eine köstliche, kurze Rast im Gleichmaß der Alltäglichkeit, eine Rast, auf die sich jeder freuen darf, der im Ablauf der Arbeitstage getreulich feine Pflicht erfüllt. Wieviel Daseins- freude aber vermag ein Sonntag zu entfachen, wenn sich die Gelegenheit gibt, ihn mit einer aus­giebigen Wanderung mit einem lohnenden Aus­flug zu feiern. Im Sommer ergab sich die Mög­lichkeit dazu häufiger, das wechselnde Oktoberwetter läßt solche Absichten jetzt nicht immer gelingen. Doch wenn das Glück im Bunde ist und ein strah­lender Sonntag just heraufzieht, wenn er gewünscht wird, dann gibt es nichts Schöneres, als einen Gang durch die herbstliche Natur, einen Ausflug in die farbenprächtige Umwelt der schönen Heimat.

Leider bedeutet dieser Ausflug aber auch ein Abschiednehmen. Das wird bereits offenbar, wenn man am frühen Morgen einige Kilometer mit der Eisenbahn fährt und dabei über den Tälern und Hohlwegen die ziehenden Nebelschwaden sieht. Sie gleichen phantastischen Gestalten aus dem Märchen­buch, und wie jene scheinen sie eine besondere Be­ziehung zu haben zu den unergründlichen Wäl­dern, in denen jetzt das Wunder der Farbe leuchtet.

Dann ist die kleine Station erreicht, und nun geht es in gemächlichem Fußmarsch einen Berg­hang hinan, dessen schon etwas fadenscheinig ge­wordener Rasenteppich zu funkeln beginnt, als sei er piit den köstlichsten Diamanten übersät. Es sind nur die Tautropfen im Grase und in den unzäh­ligen zarten Gespinsten, aber sie keuchten in der Morgensonne märchenhaft schön. Am Wegrand blüht hier und da eine einsame blaue Glocken­blume, und im Brümbeergestrüpp zeigen sich einige rote Beeren, die wohl vergeblich der Reife harren. Die Lust ist erfüllt von einem starken erdigen Ge­ruch, sie schmeckt wie herber Wein. Am Waldrand stehen ein paar Pilze wie Wichtelmänner, die hier Umschau halten, während cs in den hohen Bäumen zu ihren Häupten loht und blitzt, als seien dort tausend Feuer entzündet. Fs ist die wundervolle Erscheinung der Laubfärbung, die sich um so schö­ner zeigt, als die Sonne mit ihrer Strahlenkraft alle Farbtönungen zum Leuchten bringt.

Der Weg führt mitten durch den in unzähligen Farben brennenden Wald. Er geht über enge Pfade und breite Schneisen, stößt gelegentlich auf ein ab­gelegenes Gehöft und windet sich durch ein lieb­liches Tal später wieder zur Eisenbahnlinie, lieber- all sieht das Auge auf diesem Wege das prächtige Gewand der herbstlichen Natur, überall sind aber auch die Merkmale sichtbar, daß die schöne Jahres­zeit ihr Ende gefunden hat. Der sonntägliche Aus­flug bringt deshalb zugleich den Abschied von den mit den letzten sommerlichen Zeichen geschmückten heimatlichen Fluren. Und noch während man wie­der im Eisenbahnabteil sitzt denkt man daran, daß es doch eigentlich schade ist, wie schnell wieder ein­mal der Sommer verflog, von dem man an die­sem Sonntag des Abschieds glücklicherweise noch einen letzten Hauch verspürte. H. W. Sch.

Während das Deutsche Rote Kreuz mit i starken Kräften draußen und daheim Dienst in der Wehrmacht für Verwundete und i Kranke und für die Verpflegung von Sol- 1 batentransporten leistet, geht die Rote-Kreuz- Arbeit der Heimatdienststellen bzw. Bereit­schaften unermüdlich weiter. Es handelt sich dabei nicht nur um die fortlaufende Ausbil­dung von Helfern und Helferinnen im Rah­men der Einheiten- und Nachwuchsschulung, sondern auch um die organisatorische Vorbe­reitung und praktische Uebernahme neuer Aufgaben. Eine derartige, weit in die Zu­kunft hineinreichende Arbeit wird gegenwär­tig von der Kreisstelle Gießen des Deutschen . Roten Kreuzes mit dem Aufbau eines U n - fa Uh i l f i en st e s und eines Stra- ßenunfallhilfsdienftes geleistet. Nach einer Unterredung auf der Kreisstelle Gießen des DRK. können wir über diese neue Auf­gabe des Deutschen Roten Kreuzes im Kreise Gießen folgendes mitteilen.

Eine vordringliche Friedensaufgabe für das Deutsche Rote Kreuz ist die Durchführung des all­gemeinen Unfall Hilfsdienst es und im besonderen des Straßenunfallhilfsdienstes. Zu diesem Zweck sind vom Deutschen Roten Kreuz im Kreisstellenbereich Gie­ßen in allen Gemeinden außer den allgemeinen Un­fall-Hilfsdienststellen noch besondere Maßnahmen ins Auge gefaßt. Hierbei handelt es sich insbeson­dere um die Errichtung von U n f a l l - Hilfs­stellen, zunächst in den Gemeinden, in denen sich jetzt schon männliche oder weibliche Einheiten des Deutschen Roten Kreuzes befinden. Weiter ist der allmähliche Aufbau eines großen Unfall-Hilfs- stellen-Netzes über alle Gemeinden des Krei­ses Gießen geplant. Hierfür ist die Mithilfe aller Kreisgemeinden und ihrer Bevölkerung als drin­gend erforderlich anzufchen, denn die Ünfall-Hilfs- ftellen sind Maßnahmen, die im Dienste der Volks­gemeinschaft jedes Ortes getroffen werden. Daher ergeht denn auch von der Kreisstelle Gießen des Deutschen Roten Kreuzes an alle Kreis gemeind en der Aufruf, diese Planung des DRK. mit allen Kräften zu unterstützen.

- Der Unfall-Hilfsdienst wird durch Helfer und Helferinnen der vier männlichen und weiblichen Bereitschaften in den einzelnen Standorten des Deutschen Roten Kreuzes im Kreise Gießen geleistet und wird, nach einem Dienstplan genau geregelt, so daß bei Unglücksfällen ständig Helfer oder Helfe­rinnen zur Verfügung stehen. Der Dienst wird von den Angehörigen der Bereitschaften in selbstloser Weise geleistet, er stellt also auchpraktisch gelebten und geleisteten Sozialismus" dar. Der Unfall-Hilfs- dienst erhält Einrichtungen, die es ermöglichen wer­den, verletzten Personen bis zum Eintreffen des Arztes ober bis zum Abtransport durch die Rote- Kreuz-Krankentransport-Kraftwagen, die ihre Stand­orte in Gießen und in Lich haben, erste Hilfe zu leisten. Zu diesem Zwecke wird jede Unfall-Hilfs- dienststelle mit Verband mctter iaIschränken ausge­stattet, die das erforderliche sanitäre Rüstzeug für die erste Hilfeleistung enthalten und deren Inhalt ständig ergänzt wird. Tragbahren und Lagerstätten für verletzte ober kranke Personen werden in diesen Hilfsdienststellen natürlich ebenfalls vorhanden sein. Der Unfall-Hilfsdienst wird allen Volksgenossen zur Verfügung stehen.

Als weitere wichtige Aufgabe fällt dem Deut­schen Roten Kreuz in Zusammenarbeit mit dem NSKK. die Einrichtung eines genau geregelten Straßen-Unfallhilfsdienstes zu. Das NSKK. hat im Kreisstellenbereich Gießen des DRK. bereits in einer bestimmten Anzahl von Ortschaften Meldestellen errichtet, die mit dem Zonenführer des NSKK. in Verbindung stehen und auf dessen An­forderung zusätzlich mit Kraftfahrzeugen für den Abtransport verletzter Personen Sorge zu tragen haben. In Zusammenarbeit mit dem NSKK. und mit diesem durch ein bestimmtes Melde­system verbunden treten als sanitäre Betreuer die Unfall-Melde- und Unfall-Hilfsstellen des DRK.

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