llr 9 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Donnerstag, 11. Januar 1940
Aus der Stadt Gießen.
Kinder in der Kälte.
Trockene Kälte ist gesund, und wenn die Kinder entsprechend warm angezogen sind, wird sie ihnen bestimmt nicht schaden. Man muß nur darauf achten, daß sie nicht mit Mütze und Mantel lange vorher im warmen Zimmer sitzen und dann plötzlich hinausgehen; denn dann erkälten sie sich leicht. Immer aber ist eine vernünftige Abhärtung am Platze. Wie aber Kinder nun schon einmal sind; sie wissen nicht recht Maß zu halten und merken beim Spielen nicht, daß dieses oder jenes Glied durch große Kälte in die Gefahr geraten ist, zu erfrieren. Besonders die beliebten Schneeballschlachten sind in dieser Beziehung heimtückisch; im Eifer des „Gefechtes" merkt das Kind nichts von den kalten Händen und eisigen Füßen, und erst, wenn es den Nachhauseweg antritt stellt sich beißender Schmerz an den genannten Gliedmaßen ein. Dann kommt es weinend zur Mutter! Sie soll so schnell als möglich helfen.
Da muß man aber sehr vorsichtig vorgehen. In erster Linie dürfen eiskalte, schon fast erstarrte Gliedmaßen keinesfalls mit Wärme oder gar Hitze behandelt werden. Niemals darf man erstarrte Hände in heißes Wasser stecken! Im Gegenteil, nur wieder Kälte hilft, das Uebel schnell zu beseitigen, das Blut so in Wallung, zu bringen, daß die Blutzirkulation besonders intensiv einsetzt. Hat man Schnee zur Hand, so reibt man die betreffenden Stellen sofort und möglichst flink damit ab, reibt sie stehenden Fußes trocken. In wenigen Minuten wird dann das erstarrte Glied eine wohlige Wärme durchziehen, die sich bis zu einer angenehmen Hitze steigert. Hat die Mutter keinen Schnee in erreichbarer Nähe, so tut sie gut, Füße oder Hände des Kindes in ein Becken mit kaltem Wasser zu stecken. Dieses wirkt im Gegensatz zu den erstarrten Gliedmaßen lauwarm, so daß sich darin die Füße oder Finger erwärmen. Allerdings dauert das länger als bei der Schneebehandlung, die eigentlich eine Pferdekur ist, welche den Teufel rpit dem Beelzebub austreibt, aber überaus wirkungsvoll ist. Nach dem Einreiben mit Schnee kreist das Blut durch den ganzen Körper schneller, und man fühlt sich wie neugeboren. Bei regelrechten Erfrierungen frage man den Arzt.
Gut ist es auf alle Fälle, dem Erfrieren von Gliedmaßen vorzubeugen. Da in den meisten Fällen ein Erfrieren auf schlechte Blutzirkulation zurückzuführen ist, muß man diese zu verbessern suchen. Das geschieht am einfachsten und wirksamsten durch Wechselbäder. Zwei Gefäße füllt man mit recht heißem und recht kaltem Wasser. Dann badet man die Glieder wie folgt: im heißen Wasser beläßt man die gefährdeten Stellen ungefähr 3 Minuten, um sie dann möglichst schnell ins kalte Wasser zu stecken, dieses aber nur ungefähr eine halbe Minute. Dann fängt man wieder mit dem heißen Wasser an. Durch das plötzliche Abschrecken, die Temperaturveränderung, kommt das Blut in Wallung und arbeitet gleichmäßiger, stockt nicht. Man wiederholt das fünf- bis sechsmal. Ist es schon so weit, daß die Glieder unangenehm zu schmerzen, zu jucken beginnen, so deutet das auf ein leichtes Anfrieren hin. Dafür nimmt man ebenfalls Wechselbäder, nur mit dem Unterschied, daß man dem heißen Wasser einen Aufguß von gekochter Eichenrinde beifügt. Man erhält sie für wenig Geld in den Drogerien und Apotheken. Sie hat die Eigenschaft, den Frost aus der angefrorenen Stelle herauszuziehen.. H. v. L.
Vornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Wir tanzen um die Welt". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Anton der Letzte".
Ehrung treuer Diener der Stadt Gießen.
Oberbürgermeister Witter überreicht in feierlicher Weise die Treudienstehrenzeichen.
Der Führer hat den nachgenannten Gefolgschaftsmitgliedern der Stadt Gießen das Treudienst-Ehrenzeichen verliehen:
I. Goldenes Ehrenzeichen für 40jährige treue Dienste:
Beigeordneter Oberforstmeister a. D. Karl Nicolaus.
Stadt. Hauptverwaltung: Verwaltungs-Oberassistent Konrad Becker, Vermessungsrat Julius Karle, Verwaltungs-Direktor a. D. Karl Kolb.
Sozialamt und Versicherungsamt: Verwaltungs-Inspektor Ludwig Röhrig.
Stadtkasse: Verwaltungs-Sekretär August Eger.
Stadtbauamt: Straßenkehrer Wilhelm Brück, Gärtner Wilhelm Karl Nocker
Stadtwerke: Werkmeister Heinrich Bastian, Verwaltungs- Obersekretär Georg Fritzsch, Oberiverkmeister Wilhelm Löffert, Streckenwärter Heinrich Körber, Bote Ludwig Vogelhöfer.
Städtische Waldungen: Waldarbeiter Karl Friedrich, Holzhauer und Kulturarbeiter Heinrich Jost I.
II. Silbernes Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienste:
Städt. Hauptverwaltung: Feldschüh Wilhelm Bopf, Verwaltungs-Inspektor Carl Brückel, Vermessung-Inspektor Emil Döpfer, Verwaltungs-Inspektor Friedrich Fehh, Verwaltungs-Amtmann Wilhelm Gilbert, Vermessungs-Inspektor Heinrich Gröninger, Verwaltungs-Inspektor Fritz Hopfner, Verwaltungs-Inspektor Fritz Jaeggle, Wiesenmeister Wilhelm Klos, Bermessungsoberinspektor Karl Lang, Verwaltungs-Amtmann Wilhelm Martin, Verwaltungs- Inspektor Georg Pfeil, Wieger Max Pfihner, Verwaltungs-Obe» sekretär Friedrich Sand, Verwaltungs-Oberinspektor Heinrich Schwarz, Ratsbote a. D. Karl Seibert, Verwaltungs-Sekretär Wilhelm Wallbott, Vermessungs-Sekretär Jakob Ziemer.
Ernährungs- und Wirtschaftsamt: Verwaltungs-Oberinspektor Karl Müller, Verwaltungs-Sekretär Lorenz Schmalz.
Sozial- und Versichcrungsamt: Verwaltungs-Lberassistcnt Georg Emrich, Büroangestellter Richard Goß, Verwaltungs-Inspektor Karl Häuser, Verwaltungs-Inspektor Karl Heß, Gemeindekrankcn- schwester Minna Kaldt (Ortsteil Gießcn-WieseM, Verwaltungs-Obersekretär Alex Karnbach, Verwaltungs-Amtmann Rudolf Keihcr, Verwaltungs-Inspektor Wilhelm Muhl, Verwaltungs-Obersekretär Albert Schneidmüller, Verwaltungs-Inspektor Fritz Schvmber.
Stadtkasse: Verwaltungs-Sekretär Philipp Brecht, Vollstrek- kungs-Sekretär Georg Jäckel, VollstreckungS-Sekretär Gustav Kessel, Verwaltungs-Inspektor Ludwig Möbus, Stadttechner Wilhelm Rot- Hamel, Amtsobergehilfe Karl Schneider, Verwaltungs-Inspektor Ludwig Wagner, Verwaltungs-Inspektor Karl Wiedmeyer.
Standesamt: Verwaltungs-Sekretär Wilhelm Appel, Verwaltungs-Oberinspektor Paul Neumann, Verwaltungs-Sekretär Adolf Ockel, Verwaltungs-Lberassislent Karl Stroh.
Stadtbauamt: Straßenkehrer Erich Alt, Steinbmcharbeiter Philipp Becker, Friedhofsarbeiter Karl Brück, Bürodiener Ludwig Diehl, Friedhofsarbeiter Konrad Döring, Oberfeuerwehrmann Hein
rich Funk, Steinbnlcharbeiter Heinrich Grölz, Straßenkehrer Adam Hendrich, Bauoberinspektor Heinrich Höhn, Tagelöhner Heinrich Horst, Feuerwehrmann Johannes Komps, Verwaltungs-Inspektor Heinrich Krauükopf, Bauinspektor Heinrich Matheis, Bauoberinspck tor Gustav Merten, Tagelöhner Johannes Nowacki, Gartenarbeiter Karl Pfeiffer, Rangierer Georg Pieh, Vorarbeiter LudwigSch inidt, Feuerwehrmann Heinrich Bogel, Verwaltungs-Sekretär Ludwig Weinandt, Stadtbauamtmann a. D. Adam Wettlauser, Schreiner Hans Wiedmeyer, Bauassistent Heinrich Wißner, Vorarbeiter Heinrich Wtßner.
Stadtwerke: Hallenarbeiter a. D. Friedrich Appel, Arbeiter Heinrich Bachmann, Arbeiter Ludwig Bcchthold, Verwaltungs- Sekretär Wilhelm Brauer, Heizer Wilhelm Brück, Straßenbahnwagenführer Konrad Damm, Maschinenwärter Karl Dauberts- häuser, Schalttafelwärter Ludwig Deibel, Straßenbahnwagcnfuhrer Wilhelm Dippel, Schlosser und Installateur Wilhelm Dörr, Betriebsoberinspektor Konrad Dreyer, Straßenbahnwagenführer Philipp Eisenhuth, Ofenhausarbeiter Emil Euler, Installateur Otto Gaßmann, Straßenbahnwagenführer Wiegand Gnau, Verwaltungs- Sekretär Karl Gernandt, Oberheizer Wilhelm Görnert, Installateur Hermann Goß, Verwaltungs-Oberinspektor Wilhelm Gräf, Schmied Wilhelm Größer, Heizer und Schichtführer August Günther, Straßen- bahnführer Heinrich Habermehl, Heizer Heinrich Hahn, Haus- uud Fahrmeister Richard Heilmann, Elektromonteur Jean Heines, Tampfkesselheizer Heinrich Heß 11., Lagerarbeiter Slugust Hofmann, Lackierer Karl Käs, Badewärteriu Luise Keller, Heizer Karl Klein, Schlosser Heinrich Koch, Maurer Karl Koch, Straßenbahnkonttolleur Heinrich Kreuter, Werkmeister Heinrich Leidner, Straßenbahn- Wagenführer Karl Losch, Straßcnbahnwagenführer Ludwig Lesch, Kassenbote Karl Lückel, Arbeiter Fritz Meckbach, Elektromonteur Georg Meckbach, Straßenbahnkontrolleur AI' 'rt Mcrbach, Installateur WUHelm Merz, Lagerarbeiter Jean Meurer, Installateur Ludwig Möser, Hilfsarbeiter Heinrich Mohr, Installateur Heinrich Mosbach, Schalttafelwärtcr Friedrich Müller, Schichtführcr Heinrich Münch, Installateur Wilhelm Neuweiler, Masseur Adam Nickel, Installateur Wilhelm Oßwald, Zählerprüfer Wilhelm Pfeiffer, Hofarbeiter Christian Pitz, Werkmeister Josef Rendel, Hofarbeiter Heinrich Repp, Werkmeister August Rinn, Schlosser Heinrich Rinn, Ofenhausarbeiter Georg Schmidt, Schichtführcr Heinrich Schmidt, Gelderheber Johannes Schmidt, Lagerarbeiter Peter Josef Schmidt, Straßenbahnwagenführer Michael Schwarz, Gelderheber Josef Simon, Schreiner Wilhelm Spaar, BetriebsinspektorWUhelm Stecken messer, Schmied Theodor Stein, Heizer Karl Störger, Schalttafelwärter Philipp Sturm, Elektromcchanikermetster Ludwig Thomas, Elektromonteur Otto Volkmann, Kassenbote Friedrich Weller, Äorschlosser Karl Welter, Straßenbahnwagenführer Hermann Wolf.
Schlachthof: Hallenmeister Friedrich Bauer, Maschinist Heinrich Nispel.
Stadttheater: Logenschließer Johann Fechter, Bühnenarbeiter Heinrich Feußer, Bühnenbildner und technischer Leiter Karl Löffler, Logenschließer Hermann Nagel, Logenschließer Wilhelm Rühl, Logenschließerin Elise Schäfer, Bühnenarbeiter Wilhelm Schweitzer, Schauspieler Karl Volck.
Träger des Treudienst-Ehrenzeichens als Verkünder dieses Willens im Geiste unseres Führers besonders berufen. Mit ihnen werde unser ganzes Volk dem Führer helfen und geschloffen zu ihm stehen im Dienste für die deutsche Zukunft. Mit felsenfestem Glauben an den Führer und mit Treue zu seinem Werk werde ihm von den Inhabern des Treudienst- Ehrenzeichens in bester Weise gedankt für die Anerkennung ihrer Arbeit. Und mit dem Führer werden wir alle für unser Reich und Volk eine bessere Zeit erkämpfen.
Hierauf überreichte Oberbürgermeister Ritter jedem einzelnen Arbeitskameraden mit Händedruck und herzlichen Worten das Ehrenzeichen und die Verleihungsurkunde. Danach wurde die Feierstunde in üblicher Werse geschlossen.
HZ.-Aefolgschast 6/116 Klein-Linden
Am Sonntag, 14. Januar, findet ein Appell der Schar 1 in Gießen-Klein-Linden statt, zu dem alle Jgg. um 9.30 Uhr in tadelloser Uniform am HÄ> Heim antreten.
Von der Universität Gießen.
An der Universität Gießen wurden ernannt: zum außerplanmäßigen Professor der nichtbeamtete außerordentliche Professor in der Philosophischen Fakultät Dr. Valentin Horn; zum Dozenten für das Fach
Schützt die Tiere vor der Kalle!
Chirurgie der Dr. med. habil. Erich Fenster unter Zuweisung an die Medizinische Fakultät; zum Dozenten für das Fach Philosophie der Dr. phil. habiL Harald Lassen unter Zuweisung an die Philosophische Fakultät.
Leber 80000 Reichsmark.
Die feierliche Lebmeichimg.
Oberbürgermeister Ritter hatte die vorgenannten Arbeitskameraden am gestrigen Mittwochnachmittag im Sitzungssaale des Stadthauses, Bergstraße, um sich versammelt, um ihnen die vom Führer verliehenen Treudienst-Ehrenzeichen feierlich zu überreichen. In seiner Ansprache an die Jubllare teilte der Oberbürgermeister zunächst mit, daß die seit 25 Jahren ausschließlich im Dienste der Stadt Gießen tätigen Arbeitskameraden eine Treueprämie von 100 RM. und die seit mindestens 40 Jahren nur im Dienste der Stadt Gießen wirkenden Arbeitskameraden eine Treueprämie von 200 RM. als Zeichen der dankbaren Anerkennung für ihre treu geleisteten Dienste erhalten.
In feinen weiteren Ausführungen würdigte er die Tätigkeit der ausgezeichneten Arbeitskameraden als den wertvollen Lebensinhalt während einer langen Zeitspanne und als eindrucksvollen Beweis ihrer Treue, die sie würdig machte, sie der Gemeinschaft als Vorbild hinzustellen. Als berufener Sprecher der Gießeper Einwohnerschaft übermittelte der Oberbürgermeister den Jubilaren den herzlichen Dank unserer Stadt, die gerne anerkenne, daß über dem Wirken dieser Arbeitskameraden das Gesetz vom Adel der Arbeit stehe.
Sodann wies Oberbürgermeister Ritter daraus hin, daß der auch bei dieser Ehrung zum Ausdruck kommende Wesenszug unseres nationalsozialistischen Reiches, nämlich die Anerkennung des Ar
beiters und seiner Arbeit, einer der Hauptgründe mit war, daß England unserem Reich den Krieg aufzwang, weil die in England führende pluto- kratische Schicht befürchtete, daß die Gedanken des neuen Deutschland von der Achtung vor dem Arbeiter und der Bewertung seines Schaffens auch in England zum Durchbruch kommen und ihre kapitalistische Jnteressenpolitik stören könnten. Heute schon gebe es in England viele schaffende Menschen, die erkannt hätten, daß die Daseinsbedingungen in Deutschland wesentlich besser seien als in England, und die den Wunsch hätten, auch in England die Gedanken des deutschen Sozialismus verwirklicht zu sehen. Um diesen neuen Geist der gerechten Bewertung des Arbeiters und seines Schaffens zu vernichten, habe England dem nationalsozialistischen Deutschland den Krieg ausgezwungen. Demgegenüber stehe aber unsere deutsche Volksgemeinschaft in fester Treue zum Führer und in unverbrüchlicher Geschlossenheit, um den Versuch der Plutokratien Englands und Frankreichs, unser nationalsozialistisches Reich zu vernichten, zu vereiteln, dagegen durch den vollen deutschen Sieg das einzige Kriegs- ziel unseres Führers zu verwirklichen, nämlich Die Zukunft unseres Volkes und feiner Kinder und für unser Reich den gerechten Platz in der Welt sicherzustellen.
Allein für dieses Ziel kämpfen wir, und dabei seien die in langjähriger treuer Arbeit erprobten
Endgültiges Ergebnis bei der Gaustraßenfammlvng im kreis Wetterau.
Wie wir auf Anfrage bei der Kreisamtsleitung der NSV. des Kreises Wetterau hören, beträgt das inzwischen festgestellte endgültige Ergebnis der Gaustraßensammlung im Kreis Wetterau insgesamt 80110,51 Reichsmark.
(Siebener rvochenmarktpreite.
* Gießen, 11. Ian. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Weißkraut, % kg 8, Rotkraut 10, Zwiebeln 12, Meerrettich 60, Nüsse 53 Rpf.
** Polizei gegen Verkehrssünder. In der Woche vom 29. Dezember 1939 bis zum 4. Januar 1940 erfolgten durch die Polizei zwei Anzeigen gegen Kraftfahrzeugführer, neun gebührenpflichtige Verwarnungen gegen sonstige Fahrzeugführer, drei gebührenpflichtige Verwarnungen gegen Radfahrer, sowie eine Anzeige und eine gebührenpflichtige Verwarnung gegen Fußgänger.
gegen Zahnsteinansatz, zahnfleischkräftigend, mikrofein, mild aromatisch, - und
so preiswert! ix»
r4Ort.
die große TuO#
dU? kleine Tub4
25"
Siarkwirksam-
England, Engeland oder Engelland?
Hermann Löns hat in feinem jetzt so populär gewordenen Matrosenlied geschrieben:
... Reich mir deine Hand, deine liebe Hand; Leb' wohl, mein Schatz, leb' wohl!
Denn wir fahren gegen Engeland ...
So steht der Text in der Lille r Kriegs- zeitung. In den Liederbüchern heißt es allgemein „weiße" (statt liebe) Hand und „Engelland" (statt Engeland). Wir haben es also mit. drei Schreibweisen zu tun: England, Engeland und Engelland; welche ist die richtige? Gebräuchlich ist heute allgemein das Wort England; wenn Hermann Löns dafür Engeland oder Engelland schrieb, so war das wohl in erster Linie eine sogenannte poetische Lizenz, die er hier des Versmaßes wegen heranzog; die Schreibweise England hätte sich — am Schluß einer Zeile! — nicht mit „liebe (oder weiße) Hand" kombinieren lassen. Ueberdies ist die Form Engelland zum mindestens zulässig, denn der Name England hat nichts mit dem Begriffen eng oder Engel zu tun, sondern ist das Land der Angeln, wie Deutschland das Land der Deutschen, Rußland das Land der Russen usw. Der Name Angeln steht hier als Teil für das Ganze (pars pro toto), denn genauer müßte es heißen: Angelsachsen; im Lateinischen heißt es aber Anglia und im Angelsächsischen Engla- land; im Deutschen müßte man also sagen Angelnland, woraus Angelland wird und durch Aenderung des ersten Buchstabens Engelland; die Form England stammt wohl direkt von Anglia bzw. Engla- land ab.
Die Insel hatte im Laufe der Zeit verschiedene Namen. Schon im 6. Jahrhundert vor Zeitwende wird sie in einer Reisebeschreibung (Periplous) Albion genannt; der Name hat sich — neben andern — bis ins Mittelalter erhalten und wird seitdem noch vereinzelt gebraucht, gewöhnlich in der Poesie; er ist keltisch und bedeutet etwa Hochlanüs- insel oder Berginsel. Die Bezeichnung gilt speziell für England, manchmal auch für Schottland; für letzteres tritt seit dem 9. Jahrhundert der Name Alban auf, nachdem die aus Irland kommenden Skaten unter König Kennath i. I. 842 die Pikten (Ableitung von dem lateinischen Wort pictus, d. h. gemalt, also hier etwa tätowiert, wird angezweifelt) unterworfen hatten; nach Vereinigung der beiden Stämme erscheint dann der Name Scotia, d. i. Schottland (anfangs des 11. Jahrhunderts).
Die Römer nannten alle Inseln nördlich von Gallien Jnsulae Brttannicae, die größte davon, neun
er
klärerck» nach Bummelfritz. Er mußte es gemerkt und
der sein
heraus.
Aus dem Britannien der Römerzeit entwickelte sich das jetzige Großbritannien; mit diesem Namen bezeichnet man heute gewöhnlich die europäischen Teile des britischen Reiches, er entstand aber 1707, als die Parlamente von England und Schottland vereinigt wurden (Unionsakte vom 3. Juni 1707),
erregt wie junge Revolutionäre.
Aber das legte sich alles wieder, die alle bewährte Ordnung setzte sich durch: Der Professor verband sich mit der Zeit und hatte damit Erfolg: immer schwächer wurde das Bild und damit die Wirkung jenes stürmischen, gärenden, uns alle bewegenden Abschieds. Der Professor war wieder der führende Lehrer und Mensch.
Auf einmal platzte die seltsame Kunde in unser Klassenzimmer: Bummelfritz ist wieder da! Nichts war vorher durchgesickert, niemand hatte etwas von ihm gesehen oder gehört. Wir schüttelten die Köpfe
so gewählt: wieder stand jener Professor vor uns, der damals Bummelfritzens Abschied über sich ergehen lassen mußte. Als sich die beiden sahen, wurde der Professor rot in erinnernder Scham, Bummelfritz aber hob seinen blondhaarigen Kopf, tief senkte er feine Augen in das andere Gesicht, doch tat er es nicht feindlich und nicht verletzend: wie er die
schuldigung, aber es löschte dennoch die SchuD. Der Direktor stellte uns Bummelfritz als einen heim- gekehrten, verwundeten Krieger vor, der die Tage seiner Genesung dazu benützen wolle, sein Schulwissen wieder aufzufrischen. Ja, Bummelfritz trug einen Arm in der Schlinge, das war schön und in Ordnung, aber er, unser Bummelfritz, sollte Sehnsucht nach der Schule haben? Es war unbegreiflich, ein Irrtum des Direktors — wir schauten auf»
von Bummelfritz aus — aber wir lasen es uns gegenseitig an den Augen ab, daß jeder trotzdem einen hartnäckigen Rest von stoher Hoffnung für
Bummelfritz bewährte.
Dieser kleine Rest sollte Recht behalten. Am gleichen Tage, mitten im Unterricht, klopfte es, unb herein traten der Direktor und unser Bummelfritz. Vielleicht war es Zufall, vielleicht von Bummelfritz
lich England mit Schottland aber Britannia, während Schottland später noch speziell Caledonien, seine Bewohner Caledones hießen. Die Bewohner von England hatten die Namen Britanni oder Bri- tones; so hießen auch die stammverwandten Anwohner der Nordküste Galliens, d. h. der Bretagne und eines Teiles der Normandie; auch Aquitanien wird stellenweise dazu gerechnet; später beschränkte sich die Bezeichnung auf die Bewohner der Bretagne, die den Namen Britannia minor bekam; für die genannten Gebiete gab es vorher die Bezeichnung Armorica (Aremorica), d. h. etwa Küstenlandschaft. Von Britannus ober Brito, keltisch Brychon, leitet sich der Name Brite ab.
Im Jahre 55 vor Zeitwende begann Cäsar mit der Eroberung Britanniens, aber erst 85 nach Zeitwende wurde das Land römische Provinz unter dem
auf dem Boden, ging durch die Reihen und schüttelte jedem die Hand. „Auf Wiedersehen!" sagte er, „Auf Wiedersehen!" Wir Schüler staunten: „Was ist?" Er lachte mit seiner frischen Unbekümmertheit: „Dummköpfe, ich habe mich freiwillig gemeldet — nun beginnt ein anderes Leben!" Er wischte hinaus, ohne den Professor anzusehen und ließ uns zurück wie Verdammte: der Professor, wehrlos durch die erfolgte Anmeldung als Kriegsfreiwilliger, sann | vergebens nach einer Rehabilitierung; wir, vom und Tritt zu_ gejjen. Strudel des Neuen, Unverstandenen erfaßt, waren
gefühlt haben, er trat ein paar Schritte vor: „Kameraden, ich habe gelernt im gleichen Schritt
~ m gehen. Das ist alles: im gleichen Schritt und" TriH So will ich eine Strecke wieder mit euch marschieren. Euer Bummelfritz hat vieles gesehen und vieles gelernt, und was er dort hat lernen müssen an der Front, war viel, viel härter und schwerer als hier. Aber das Lernen muß sein um frei zu werden und denken zu können...
Er schritt durch unsere Reihen, streckte uns seine Hand hin, lachte uns stark und männlich an und setzte sich in seine Bank. Der Sitz klappte nieder. Der Ton ging bis aufs Herz, uns schien es kaum besser als eine freiwillige^ Verbannung. Was hier geschehen war, konnte natürlich nicht von heute auf morgen von uns Jungens begriffen werden.
und glaubten nicht daran, das heißt, wenn Bummelfritz kam, gab es eine Ueberrafchung, aber schließlich hätte ihn doch jemand bemerken müssen: woher und woraus entstand die merkwürdige Kunde?
Wir fragten umher, und als wir bereits es aufgegeben hatten, auf Bestätigung der Nachricht zu hoffen, traf aus der untersten Klasse die Meldung ein, daß ein Schüler den feldgrauen Soldaten gesehen hätte, der im Zimmer des Direktors ver« , schwanden war. Und der Soldat hätte Bummelfritz ihm ähnlich gesehen. Na also, es war nichts. Aehnlich: und bas war ein weiter Begriff, vielleicht hatte der
Nomen Britannia Romana; gegen die Pikten (in Schottland) wurden dauernd Angriffs- oder Der- teidigungszüge unternommen und dabei verschiedene Befestigungen angelegt, z. B. die Wälle (liwtteH von Hadrian, Antoninus Pius, Septimius Severus und Caracalla; um das Jahr 407 zog Rom feine Legionen zurück, gab also damit diese Provinz auf. Nun begannen die Pikten ihre Raubzüge gegen die Briten, so daß diese schließlich Germanen zu Hilfe riefen. Seit etwa Mitte des 5. Jahrhunderts setzten daher Angeln und Sachsen sowie Jüten nach der Insel über und nahmen, nachdem sie die Pikten zurückgetrieben, allmählich selbst Besitz von dem Land; die Briten zogen sich teils an die Westseite (Wales) zurück, teils siedelten sie nach Armorica über. Es entstand eine Reihe von kleineren Reichen, niaajie pajiiiaj yieuue, uen uetiiuntrn muuiuu u« von denen die Königreiche Kent, Sussex (Südsach- Professors zu beobachten: ein Satz, er stand wieder sen), Wessex (Westscuhsen), Essex (Ostsachsen), Ost- ' ' ~ 1
anglia, Mercia, Deira und Bernicia übrig blieben; die beiden letzten vereinigten sich zu Northumbria. Zwischen den sieben Königen begann dann ein langwieriger Kampf um die Oberherrschaft, der sich zuletzt zu einem Wettlauf zwischen den drei größten Reichen Northumbria, Mercia und Wessex zuspitzte; aus diesem Ringen ging 827 Egbert von Wessex als Sieger hervor; er wurde Oberkönig, aber ohne daß die andern Königreiche unter seine absolute Herrschaft kamen; es war sozusagen ein Staaten - bund, doch kann man von diesem Zeitvunkt ab von einem Königreich England (angelsächsisch Engla- land, lateinisch Anglia) sprechen, zumal die Verhältnisse einheitlich gestaltet wurden; mit der Zeit aber hob sich die Bedeutung des Königs immer mehr
Kameraden Anleihen für den Schulunterricht, und zweifelsohne hielt er den Rekord im Abschreiben. Er handhabte die Methode des Spickens mit einer Meisterschaft, die nur möglich war durch seine maßlose Frechheit. Die Tadel der Lehrer, so ernst sie gemeint waren, steckte er lächelnd ein, seine Ironie über den Schulbetrieb wirkte zersetzend.
Da brach der Krieg aus. Er wehte übers Land, wehte in die Schulen, weckte Flammen der Begeiste- rung. Bummelfritz sprang auf die Schulbank, daß es dröhnte und hielt eine Ansprache. Sie hatte die Merkmale von Bummelfritz: sie war kühn, feurig, witzig und sarkastisch, sie war eine offene Kriegserklärung an die Schule. Bummelfritz störte sich nicht daran, daß eben die Türe aufging und der Pro- z. , fessor eintrat. Mochte er hören und wissen, was die Hand reichte, wie er ruhig sagte: „Guten Tag, Herr Jugend von dieser schwerlaufenden Maschinerie Professor" war es keine klar ausgesprochene Enthielt. Rücksichtslos packte Bummelfritz aus, es ----- -- k----
machte sichtlich Freude, den verstörten Eindruck des
die beiden Länder also von nun an eine Union bildeten, die als Großbritannien bezeichnet wurde. H. G.
Oie Wandlung.
Von Heinrich Litterer.
__war in der ganzen Schule bekannt als Bummelfritz. Bummelfritz war genau so, wie Spitzname ihn bezeichnete: die Schule machte die kleinsten Sorgen, dagegen war er im Sport ....___.... ______ ,
anderen Fragen auf der Höhe. Hier war er für die, Bengel nur die Uniform und überhaupt kein Gesicht anderen ein Auskunftsbüro, dessen Hinweise nie»; gesehen. Wir schlossen auf dem Wege der Vernunft mals fehlgingen. Dafür machte er dann bei feinen' und Ueberlegung jeden Gedanken an eine Heimkehr


