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Jahre 1841 auf 4,5 Millionen im Jahr« 1921 zu-

nuna namentlich Amerikas zum [. Aber von den ersten Reform­

ern-

a -

Molto vivace und der tiefgründigen, schwellenden Gefangsichkeit des Lento. Das Finale mit fernem wechselnden Antlitz war temperamentvoll und klang­froh durchpulst. Stürmender Beifall, der nach ollen drei Werken immer wieder aufs neue auf­brauste, war.herzlicher Dank der Hörenden.

Dr. Hermann Hering.

englische Diplomat aus Peking an seinen lieben Mitheuchler nach London schrieb, etwa dieselben Wart« sind, die in Hunderten von anderen eng­lischen Briefen stehen, und die in Tausenden von Unterhaltungen an englischen Kaminen gesprochen werden. Der Brief ist nicht die Aeußerung eines schwarzen Schafes unter vielen Unschuldslämmern, sondern er enthüllt offensichtlich die allgemeine Stellungnahme der Herren des britischen Em­pires, die das Wachsen einer selbständigen Weltmacht neben England nicht wollen. Aber dem zynischen Vernichtungswillen, der aus diesen Zeilen spricht,

Ich weiß nicht, warum vielleicht weil ich auf das stillschweigende Uebereinkommen mit Alfons gerech­net hatte: ich schrieb jedenfalls eines Tages mei­nem Freund einen Brief ins Feld, in dem ich auch jene, meiner Meinung nach, etwas beschämende Tat­sache erwähnte. Ich wollte es noch einmal klipp und klar vor ihm bewiesen haben, daß er genau so dachte wie wir. Eine Mutter? Gewiß, aber sie hatte Rechte, die mehr und mehr in der Zeit und dem Alter des Kindes vergingen. Was sie dort getan hatte, war bereits ein Uebergriff oder nicht?

Es dünkte mir sehr klug und vor allen Dingen mannhaft, was ich da zusammengeschrieben und ge­dacht hatte. Mir schien etwas um so tapferer, je mehr es die Beziehungen zum Weiblichen und Häus­lichen aufgab. Es schien mir auch nicht zweifelhaft, daß Alfons so dachte wie ich.

Nach langer Zeit schickte Alfons eine Antwort. Sie war sehr herzlich gehalten. Er entschuldigte sich, daß er nicht früher dazu kam, und daß ihm der Inhalt meines Briefes ein kurzes Erwidern nicht ermöglicht. Ungefähr so lautete sein Brief an der wichtigsten Stelle:

... und nun meinst du wohl, es brennen meine Backen noch immer in Scham über den Kuß der Mutter? Nein,'jetzt brennen sie in Scham darüber, daß ich damals über den Kuß mich schämen konnte! Ohne diesen Kuß wäre ich oft einsam und verlassen gewesen, wie einsam und verlassen, kann ich dir nicht schildern, aber dann spürte ich ihn wieder auf meiner Backe und war getröstet. Dieser Kuß ist immer bei mir, er wäre auch dann bei mir, wenn ich fallen sollte. Wir waren wirklich noch Kinder, als wir zu Hause auf der Schulbank saßen und unsere werdenden Ansichten austauschten: der Sprung ins Leben, den ich von dort aus tat, ist ungeheuer tief, und ich verstehe wohl, daß viele da­bei zu Schaden kommen oder' sich unheilbar ver­wunden. Wenn ich besser davonkam, verdanke ich dies zum großen Teil jenem Kuß: das Gesicht der Mutter ist wie ein Licht stets vor mir. Trotzdem glaube ich, daß ich kein schlechter Soldat bin ..."

Ich faltete den Brief und warf ihn unter einen Stapel Bücher. Um ihn zu vergessen. Aber er ließ sich nicht vergessen. Er kam immer wieder zum Vor­schein. Ich wollte ihn zerreißen, aber ich getraute es mir nicht. Er war stärker. Er war eine Macht. Er zwang mich, ihn den anderen Freunden zu zeigen. Da gingen ihre wilden Reden aus wie Kerzen unter der Puste, wir schauten stumm einander an und zuckten die Schultern.

War auch das der Krieg? Das Erlebnis der Liebe2

aende Geheimnistuerei um den wahren Inhalt der Beratungen wettzumachen. Nachdem die englische Regierung offen vor den Augen der Welt immer wieder versucht hatte, die Kriegsfackel auch aus den Balkan zu tragen, das Ergebnis der Beratungen der Balkan-Entente aber eine Absage an die bri­tischen Einmischungsversuche darstellte, blieb Herrn Chamberlain nichts anderes übrig, a\s nach dem MottoDer Fuchs und die Trauben die Entschei­dungen der Staaten des Balkanbundes alssehr willkommen" zu bezeichnen.

Schieberei in Belfast.

A m st e r d a m, 9. Febr. (DNB.) In Belfast der Hauptstadt Nordirlands, kam es zu einer wilden Schießerei als Folge einer Protestkund­gebung gegen die Hinrichtung der beiden irischen Freiheitskämpfer. Als eine Klebekolonne Plakate mit der AufschriftMärtyrer für Irland" an Zäune und Hauswände anschlug, versuchte die Polizei, dagegen einzuschreiten. .Im Nu war aber die Polizei von einer größeren Menge umzingelt, die gegenüber den Beamten eine drohende Haltung einnahm. Erst nach Abgabe einiger Schreckschüsse durch die Polizei zer­streute sich die empörte Menge.

0er Kuß her Mutter.

Von H. Liiterer.

Wir alle hatten es gesehen, daß Alfons von seiner Mutter geküßt worden war. Wohl, es waren be­sondere Umstände, unter denen es geschah, denn Alfons, der älteste unter uns Schülern, stand auf dem Bahnhofsplatz, um als Freiwilliger ins Feld zu ziehen. Wir waren alle hingekommen, ihm zum letztenmal vor dem Abschied die Hand zu drücken, die meisten taten dies, ohne ein Wort zu sagen. Man spürte, daß Worte entwertet werden und nur noch Taten galten.

Auch Alfons' Mutter war anwesend. Sie schaute mit schwimmenden Augen auf ihren Jungen, strei­chelte ihn dann, ja, dann zog sie plötzlich seinen Kopf herunter, legte ihren Mund an seine Wange und küßte ihn. Alfons erschrak und lächelte uns verlegen zu. Es war ihm sichtlich peinlich. Wir wußten, daß er der Einzige war, und daß seine Mutter, als der Sohn ihr seinen Entschluß, Soldat zu roerbert, mit« geteilt hatte, zu»dem Direktor der Schule gelaufen war, damit dieser zurückhaltend auf Alfons einwirke. Der Direktor hatte es getan und den Jungen auf sein Zimmer bestellt. Wir rechneten es Alfons hoch an, daß er fest geblieben war und nicht nachgegeben hatte. Er war ein ganzer Krieger, vom Scheitel bis zur Sohle. Und so sah er auch aus: ein wenig schlank und eckig noch, aber doch erfüllt von frischer, unverbrauchter Kraft. Und nun kam die Mutter daher und küßte den jungen Soldaten ab wie einen kleinen Schulbuben: wir waren verärgert und ver­stimmt. Als wären wir in unserer Ehre angegriffen worden. Wir hatten es wohl bemerkt, wie Alfons rot geworden und hilflose Augen machte.

Sooft wir von Alfons sprachen, kamen wir auch auf den lächerlichen Abschied zurück. Unsere Mei­nung war ganz eindeutig, daß diese Schmach die Mutter ihrem Sohn hätte ersparen können. Schließ­lich waren wir jetzt doch Männer oder ganz nahe an diesem begehrten Ziel. Was uns anging, gelobten wir, uns nicht von der Mutter öffentlich abküssen zu lassen, ,

Nackter Vernichtungswille.

Ein Volk zu viel auf dieser Welt. - Britischer Diplomat enthüllt das KriegSziel des britischen Imperialismus.

Quartetto di Roma.

Ein Abend des Gießener Konzert-Vereins.

Rassische Bedingtheit und Pflege der Tradition .haben der italienischen Musik von jeher das Ge­präge gegeben, und in der Wechselbeziehung mit dem nordischen Musikempfinden sind Norden und Süden zu den beiden bestimmenden Polen der abendländischen Musik geworden. Blutsmäßige Bin­dung und die Einwirkung der südlichen Umwelt ließen auch selbst in Italien mannigfache Dielfältig- keit der Musikgestalt wachwerden, gebunden an die Hauptpflegestätten der Musik (Venedig, Florenz, Mailand, Nom und Neapel) Gerade der strengen Kunst ist Rom Hüter gewesen und hat diese Tradi­tion bis in die Gegenwart gewahrt.

Die Eindrücke, die wir vor zwei Jahren durch das Quartetto di Roma empfangen haben, wurden diesmal nicht nur wieder wach, sondern ver­stärkten sich aufs äußerste. Für unser Musikerleben und Musikempfinden bedeutet die Wiedergabe auch deutscher Werke durchaus etwas Anregendes und Befruchtendes, denn der Blickpunkt erhält durch den südlichen Geist neue Möglichkeiten des Erfassens. Der Italiener ist eben ein Gegenwartsmensch, der den Augenblick in größter Intensität durchlebt und ibn mit eindringender Tiefe ausschöpfend auskostet, ohne dabei der Reflektion auf das Hintergründige und das darüber hinaus Weisende stärker verhaftet zu sein. Dieses Wirklichkeitserleben läßt darum auch das klangliche Moment im höchsten Maße bestim­mend werden. Wir wissen alle von der hohen Kultur des italienischen Gesanges, wie auch von der unver­gleichlichen Qualität italienischer Streichinstrumente. Ja, das Instrument ist, wie wir es wiederum über­zeugend beobachten konnten, dem Spieler nicht nur ein Mittel zur Klangkündung, sondern darüber hin­aus fühlt man die persönliche Bindung des einzel­nen zu seinem Instrument, das augenblickliche sinn­liche Erleben des Musikalischen hat bei dieser Quar­tettvereinigung zu einer kaum noch mehr zu stei­gernden Klangkultur geführt; Instrument und die Hervorbringung des Tones lassen so ein Klang­ergebnis erstehen, das sich in lichter Schönheit, ohne jede trübende Rauhigkeit entfaltet. Den dynami­schen Ausmaßen sind keine Grenzen gesetzt, einem Pianissimo, das den Raum dennoch tragend durch- schwingt, steht ein fülliges Fortissimo gegenüber, das im Gescrmtspiel der Instrumente durch die Leuchtkraft des einzelnen Tones sich zu orchestraler Fülle und strahlendem Glanz erhebt.

ncm so wenig wie heute im Kampf gegen die Pro­paganda der Irischen Republikanischen Armee, deren Angehörige Barnes und Richards es mit zynischer Brutalität dem Henker ausgeliefert hat, um die Rechtslage und die zahllosen Proteste, die der Re- gierung Asquith selbst von so angesehenen eng- fischen Schriftstellern wie Chesterton und Gclls- worthy gegen die Bluturteile zugingen. Ein Gesetz Eduards III. ans dem Jahre 1351 mußte dem Attorney-General Sir Frederic Smith, dem späte- ren Lord Birkenhead, einem geborenen Feind der irischen Unabhängigkeitsbestrebungen, dazu herhal- ten, die Anklage auf Hochverrat gegen Sir Roger Casement und die anderen irischen Freiheitskämpfer zu erheben. Der Einwand, daß der Prozeß nach Recht und Gesetz vor einem irischen Gericht und vor irischen Geschworenen verhandelt werden müsse, wurde von den britischen Richtern mit einer Hand- bewegunq abgetan uno das Todesurteil gefällt, das gegen (Basement am 3. August 1916 vollstreckt

wurde. , w

In Irland selbst begann eine Aera blutigster Ver­folgungen. Die britische Soldateska unter dem be­rüchtigten General Maxwell und ein 1919 von Lloyd George eigens für den Dienst in Irland ge­gründetes Polizeikorps, das wegen seiner improvisier

Im Mittelpunkt des Programms stand diesmal Franz Schuberts Quartett D-moll mit den Variationen über fein.LiedDer Tod und das Mädchen". Dieses ahnende, sehnende Be­kenntnis Franz Schuberts mit feinem düsteren Grundton (sämtliche Sätze stehen in Moll) ließ erkennen, wie stark südliche musikalische Gestaltungs- aabe gerade diese Welt lebendig werden lassen kann. Das Andante con moto mit seinen Variatio­nen lenkte das Interesse der Hörer ganz besonders aus sich mit der ungemeinen Weichheit und Ge- fühlsgetragenheit der Tongabe und der beispielhaf­ten Durchgestaltung der einzelnen Abwandlungen des Themas. Durchsichtigem Klangfiligran gleich und doch plastisch geprägt, breiteten siä) die figu­rativen Entwicklungen aus. Die jeweiligen Träger des Themas in den einzelnen Instrumenten ließen ihren Anteil mit seelenvollem,' schönstem Klange aufblühen auf dem Grunde einer unvergleichlichen Gesanglichkeit dazu die Figurationen der ersten Violine schmiegsam und doch in gestochener Klar­heit. Verklärt war der Schluß, als ein völliges Entrücktsein aus der Realität, schwebend sich ver-. lierend. Die Steigerungen und Cinzelentwicklungen erwuchsen in kaum geahnten Ausmaß, dabei in ihrer Durchgliedrung von tiefstem, seelischen Mit­gehen zeugend, von einer Musikalität, die zugleich erhebt und innerlich beglückt. Stark und ein­drucksvoll war der Kopfsatz (Allegro) mit seinem innerlich gebannten Impuls, seinen großen klang­lich thematischen Entfaltungen und der Gegensätz­lichkeit, zumal in der Abtönung des zweiten The­mas. Das Trio des markanten Scherzos wurde zu einem Schwelgen im Schön klang. Das Presto war gefüllt mit innerem Drängen und der Wucht der Themengegensätzlichkeit, wie von der Feinheit der Abstufung und des, Durchdringens und dem hinreißenden Schwung der Prestissimo-Coda.

An den Eingang der Vortragsfolge hatte man das Werk eines römischen Meisters gesetzt: Alessan­dro Bustini: Suite Scarlattiana. Eine wechselreiche Folge von klanglichen Kostbarkeiten wurde hier in reizvolle Nähe gerückt, wohl geeig­net, den Hörer zu sammeln und seine Aufmerk­samkeit auf die unvergleichlichen Vorzüge der Quar­tettgruppe zu lenken. In Anton Dvoraks As-dur-Quartett, das, obwohl dem slawi­schen Musikgeist verbunden, dennoch mit seiner Struktur auf die deutsche Kammermusik verweist, fanden die Spieler vollstes musikantisches Sichaus- leben im besten Sinne; mit der Ausdruckskraft des EingangsfatzeSt dem rhythmischen .Schwung des

nien mit seiner langen Erfahrung und Entwick-- lung des Imperialismus dazu am geeignet- st e n ist, besonders da es sich bereits in dieser Stel­lung befindet. Der einzige ernsthafte Rivale, der diese Vorherrschaft in Frage stellt, ist Deutsch­land, und deshalb muß es zerstört wer- den. Wir dachten, wir hätten ihm 1914 bis 1918 gezeigt, wer der Herr ist, aber es muckt jetzt schon wieder so unbezähmbar auf wie nie zuvor. Jetzt sehen wir, daß der Fall sehr viel ernst er ist, als wir dachten. Es handelt sich nicht darum, daß es hoffnungslos ist, zu rivalisieren; es handelt sich vielmehr um einen tiefen gefühlsmäßigen Drang zur politischen Macht, einen unüberbrück- baren Dynamismus, der durch verstandes­mäßige Argumente nicht zurückgehalten werden kann. Er kann nicht geheilt, sondern nur zerstört werden.

Die Frage der Moral hat damit gar nichts zu tun, denn alle Nationen sind gleichmäßig moralisch ober unmoralisch ober vielmehr amoralisch. Aber da unsere in der Vergangenheit begangenen Misse­taten uns in die glückliche Lage versetzt haben, daß wir zur Zeit anscheinend moralisch han­deln können, sollten wir diese unsere Gelegenheit benutzen, um die moralische Drbnung der Welt zu fördern. Der W i l l e z u r M a ch t ist eine komische Sache. Für diesen unbestimmten und unfaßbaren Besitz sind Menschen willens, zu Millionen zu ft er­ben, um ihn zu gewinnen, ober, wenn sie ihn ge­wonnen haben, zu verteidigen. Das ist eine tra­gische, aber nur zu wahre Tatsache. Warum hat Deutschland nicht das bleiben wollen, was es nach Versailles war, warum wollte England nicht das unbedutende kleine Eiland bleiben?! Wer weiß es?!" Soweit der Brief des britischen Diplomaten. Er versetzt uns in die glückliche Lage, einen Blick hin­ter die Külifsen der moralischen Schaubühne Eng­lands zu tun und die Herren dieses Landes in einem Augenblick zu beobachten, indem sie die Bibel einmal beiseite gelegt haben und sichunter sich" füh­len. Man kann annehmen, daß die Worte, die der

Berlin, 9. Febr. (DNB.) An Bord eines von der deutschen Kriegsmarine aufgebrachten Schiffes wurde der nach England bestimmte Brief eines Angestellten der englischen Gesandt­schaft in Peking beschlagnahmt. Der Brief, der am 2. Dezember 1939 geschrieben wurde, enthält überaus bemerkenswerte Ausführungen eines briti­schen Diplomaten über die wirklichen Hin­tergründe des Krieges, den England an Deutschland erklärte. Die Ausführungen sind eine Bestätigung der englischen Kriegsziele, wie sie der Führer in seiner Rede im Berliner Sportpalast am 30. Januar kennzeichnete, als er den englischen Heuchlern die Maske vom Gesicht riß und nachwies, daß hinter den angeblich moralischen Beweggründen Englands der blanke Vernichtungswille gegenDeutschland st e h t. In dem Bries heißt es:

genannt wurde, hausten auf der Insel schlimmer als in Feindesland. Aber alle entsetzlichen Greuel, : die damals an der schutzlos ihren Unterdrückern , preisgegebenen irischen Bevölkerung verübt wurden, vermochten nicht, den irischen Freiheitswillen zu unterdrücken. Wiederum erhob sich die Stimme der Iren in Amerika, und unter ihrem Druck mußte sich : England am 6. Dezember 1921 dazu bequemen, dem Irischen Freistaat den Rang eines Dominions zu­zubilligen. Seit Verkündung der irischen Verfassung dorn Dezember 1937 ist Irlands Unabhängigkeit vom Britischen Imperium Tatsache geworden. Die Neutralität, die die irische Regierung sofort erklärt hat, als England im September vorigen Jahres den Krieg gegen Deutschland vom Zaun brach, ist ein überzeugendes Dokument dieser Unabhängigkeit. Offen geblieben ist freilich noch das U l st e r - P r o- blem. Die Forderung, Ulster müsse mit dem übri­gen Irland staatlich vereinigt werden, ist eine For­derung des ganzen irischen Volkes, mag auch die Tonstärke, mit der sie erhoben wird, verschieden sein Weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung in den von England alsNordirland" zurückbehal­tenen Ulster-Grafschaften ist irischen Stammes und katholisch. Geographisch und wirtschaftlich bildet Ulster mit dem Süden der Insel eine Einheit, es ist die industrielle Ergänzung zu den mehr land­wirtschaftlich eingestellten übrigen Teilen Irlands. Erst die Vereinigung zu einem Staatswesen würde Irland das wirtschaftliche und finanzielle Rück­grat geben, das es braucht, um sich als unab­hängiger Staat in allen Stürmen behaupten zu können. Diese Erkenntnis ist Allgemeingut des irischen Volkes, aber, wie schon gesagt, gibt es ge­wisse Abstufungen in der Tonstärke, mit der die Forderung auf Vereinigung Ulsters mit Irland zum Ausdruck gebracht wird.

Die aktivste politifche Kampfgruppe für diese Vereinigung ist die IRA., die Irish Republi- can Army (Irische republikanische Armee). Sie ist aus den irischen Freiwilligen hervorgegangen, die 1912 den Kampf gegen die Ulsterleute führten und dann 1916 die Träger des Dubliner Osterauf­standes gegen die britische Herrschaft waren. Sie verwarfen später den Vertrag mit England über das Dominionstatut und forderten unentwegt eine allirische Republik. Zwischen ihrem radikalen Flügel und der neuen irischen Freistaatregierung, die eben­falls aus früheren Mitgliedern der IRA. bestand, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, ja zu blutigem Bürgerkrieg. Als dann de Valera, der auch noch nach dem Dominion-Vertrag der IRA. angehört hatte, 1932 an die Regierung kam, wur­den feine Beziehungen zur IRA. merklich kühler, weil er noch die Hoffnung hegte, auf bem Verhand­lungswege von England den Verzicht auf Ulster zu erlangen und von einer aktiven Propaganda, durch die die Anhänger der IRA. in vielen eng­lischen Städten die Oeffentlichkeit immer wieder auf das Ulsterproblem sehr nachdrücklich hinwiesen,, sich nichts versprach. Die Zeit hat de Valera nicht Recht gegeben. England hat ein Sondergesetz gegen die irischen Aktivisten erlassen und erwägt weiter den Plan, die in England ansässigen Iren der britischen Wehrpflicht zu unterwerfen. Das hat in Irland be­reits größte Erregung hervoraerufen. Das Blut­urteil von Birmingham, der offenbare Justizmord, vor dem die britischen Machthaber nicht zurückge- schreckt sind, umein Exempel zu statuieren", hat das irische Volk mit einem einzigen Schrei der Em- l pörung beantwortet. Große Demonstrationen in , Dublin und eine Trauerkundgebung für die Er­mordeten am Hauptpostamt, dem Zentrum der . Kämpfe im Osteraufstand des Jahres 1916 zeigen England ebenso wie das Echo, das das Bluturteil ; von Birmingham bei den amerikanischen Iren ge- fanden hat, eindeutig, daß das irische Volk sich mit den Opfern britischer Schandjustiz solidarisch fühlt und nicht gewillt ist, auch nur «inen Schritt von dem Programm abzuweichen, für 'dessen Erfüllung Barnes und Richards dem britischen Henker ausge- - liefert wurden. Auch für die innere Politik Irlands > wird das Bluturteil von Birmingham nicht ohne

Zuflucht ge,------- ....., ------

dem nun einfetzenden Kampf um die Befreiung Ir­lands vom britischen Joche der wertvollste Bundes­genosse, der das Interesse der Weltöffentlichkeit auf diese Schmach lenkte und damit die britische Regie­rung unter dem Druck der wachsenden Kritik in der öffentlichen Mei nun

Jch^sthe in diesem Krieg ein« ungeheuere Tra­gödie im dramatischen Sinn«, in welcher das deutsche Volk zum Wohle der ganzen Menschheit geopfert werden muß. Ob ein kleiner unab­hängiger Staat, wenn auch unter den fadenscheinia- sten Vorwänden angegriffen und aufgeschluckt wirb, wie es 1900 geschah (als wir es mit den Buren- Republiken taten), oder wie im Jahre 1939 (als es Deutschland mit Polen machte), das ist in der tausendjährigen Geschichte der Menschheit von ge­ringer Bedeutung. Fest jedoch steht, dvß zwei so dynamische Völker wie England und Deutschland nicht in der gleichen Welt Zusammen­leben können. Die Welt ist nicht groß genug für sie, einer muß gehen, und wir, die mir unsere Stel­lung zuerst durch das größte Weltreich. gefestigt haben, das die Geschichte kennt, glauben natürlich, daß es nicht an uns ist, zu gehen. Diesen Stand­punkt teile ich von Herzen. Ich bin deshalb der An­sicht, daß Deutschland und nicht nur Hit - ler vernichtet werden muß, so daß es sich nie­mals wieder erholen kann. Es darf fein Mißver­ständnis darüber geben, daß Hitler und Deutschland ein Begriff sind, bei dem die paar deutschen Liberalen, noch dazu meistens Ju­den, keine Rolle spielen. Der Versuch, zwischen dem Hitlerismus und dem beutfdjen Volk eine Unter» scheidung zu machen, ist fraglos propagandistisch gut, aber bestimmt grundsätzlich falsch.

Es zeigt sich, daß es eine ganze Menge von Völ­kern gibt, die nicht dem Glauben anhängen, eine von Britannien beherrschte Welt sei die beste aller möglichen Weltordnungen. Ich selbstverständ­lich stimme mit diesen Völkern nicht überein. So lange ein Weltbund gleichgestellter Staaten nicht eriftiert und ein solcher ist unwahrscheinlich und ----- , , ~ ..

biologisch vermutlich völlig unmöglich, m u ß setzt das deutsche Volk feine ganze Lebenskraft und eine große Machtiibergeordnet fein, und einen unzerstörbaren Selbstbehauptungswillen ent» ich glaube ganz aufrichtig, daß Großbritan- gegen.

Cinlenken zwang. ----- . .

planen des Kabinetts Gladstone in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bis zur Grün­dung des Irischen Freistaates am 23. Dezember 1921 war ein weiter, schwieriger und blutiger Weg. Denn was die britische Regierung mit Rücksicht auf die Stimmung der Iren in Amerika und in den über­seeischen Dominions mit der einen Hand an Zu­geständnissen und Erleichterungen notgedrungen ge­währen mußte, suchte sie mit der anderen Hand wieder zu nehmen durch Anstachelung des alten Streits zwischen den katholischen Iren und den protestantischen Ulster-Leuten, den Nachkommen jener schottischen und englischen Kolonisten, die im 17. Jahrhundert in den sechs nördlichen Grafschaften angefiebelt worden waren und nun die heftigsten Gegner des irischen Anspruchs aufHomerule", des Nechts auf Selbstverwaltung, wurden. Unter Fäh- rung von Sir Edward C a r f o n hatten sie sich 1912 bewaffnet und ein« provisorische Regierung organisiert, gegen die nun die irische Sinn-Fein- (Wir selb st"-) Regierung eine Freiwilligen­truppe aufstellte, die aber infolge der Unterstützung, die Die Ulsterleute in London fanden, bald ihre Front gegen England wandte. Zu Beginn des Weltkrieges erneuerte die damalige britische Regie­rung Asquith das Versprechen auf Gewährung von Homerule", um möglichst viel« Iren in das britische Heer einzureihen. Und wirklich gab es unter den irischen Politikern eine Gruppe, die meinte, England werd« zum Dank für irische Treue sein Versprechen erfüllen. John Redmond, der Führer der iri- schen Partei im Londoner Parlament, ging mit einer irischen Division an die Westfront und fiel 1917 in Flandern. Sein Nachfolger im Wahlkreis East Clare war der Kandidat- der Sinn-Fe Partei, der Mathemasikprofessor Eamon o e V 1 era, ein Exponent jener irischen Politiker, die dem britischen Versprechen nicht getraut hatten und in der Osterwoche 1916 durch einen Aufstand di« britische Herrschaft mit Gewalt ab zu schütteln ver­sucht hatten. Acht Tage lang hatte damals die grüne Flagge" einer Irischen Republik über Dublin geweht, bann bereitete britisches Militär bet irischen Freiheit mit brutaler. Grausamkeit ein blusi­ges Ende. Ein ganzes Stadtviertel der irischen Hauptstadt wurde rücksichtslos in Trümmer gelegt, gegen zwei tau send irische Freiheitskämpfer wurden in britische Gefängnisse geschleppt, die Führer de- Aufstandes zum Tode verurteilt und zum Teil hin- gerichtet wie Sir Roger Casement, zum Teil zu schweren Kerkerstrafen verurteilt wie die späte­ren irischen Ministerpräsidenten Cosgrave und de Valera. Damals kümmerte sich England ge-

einmal vorgibt, im Kriege gegen das nationalsozia­listische Deutschland für die Freiheit der Volker zu Felde zu ziehen, hat sich mit dem Bluturteil von Birmingham wiederum als skrupelloser Zwingherr demaskiert, dem es auch auf einen schändlichen Justizmord nicht ankommt, wenn es gilt, eine nuch- tige Position seiner Macht wie Ulster fest in Hän­den zu halten. Aber die Geschichte Irlands zeigt, daß mit solchen Methoden, mögen sie auch noch so brutal sein und jedem Gefühl für Recht und An­stand im Völkerleben ins Gesicht schlagen, der irische Freiheitswille nicht gebrochen werden kann.

Dr. Fr. W. Lange.

Chamberlain schimpft

Berlin, 9. Februar. (DNB.) Herr C h a m b e r- I a i n ließ am Donnerstag eine feiner üblichen Ti­raden über die Bühne des Unterhauses rollen. Da er nicht in der Lage war, die bis ins einzelne belegten deutschen Angaben über die bisherigen deutschen Seekriegserfolge zu widerlegen, suchte er seine Rettung bei massiven Verbalinjurien gegen Deutschland. Das lakonische Kommunique über den kürzlich abgehaltenen Kriegsrat in Paris be­mühte sich Chamberlain durch eine wenig überzeu-

rückging.

Aber in den ausgemanberten Iren, die meist in den Vereinigten Staaten, in Kanada und Australien funben hatten, erwuchs der Heimat in

Folgen bleiben. Zwischen der Fianna Fall, der Partei des Ministerpräsidenten b« Valera, unb ber oppositionellen United - Jreland - Partei Cosgraves, die der IRA. nähersteht, scheinen sich heftige Aus- einanderfetzungen anzuspinnen, in deren Mittel- ,cll t _______ ö»« punkt natürlich nach wie vor die Vereinigung

s,uuutlc, u- wegen feiner improvisier. Ulsters mit Irland stehen wird. England, dessen

ten UniformenBlack andlan^ (schwarz und braun) herrschende Kaste in bodenloser Heuchelei wieder