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Die Lyrenaika, ein afrikanischer Kriegsschauplatz.

Der Heldentod des Marschalls Balbo hat das Interesse in besonderem Maße auf die italienische Ueberseeprooinz Libyen in Nordafrika gelenkt, an deren Ostgrenze sich der Kampf gegen die eng­lische Macht, die sich auf den ägyptischen Hafen So I um stützt, abspielt. Der Osten von Libyen wird von dem übrigen Teil durch den Meerbusen der Großen Syrte geschieden, der die C y r e n a i - ka als stumpfe Halbinsel heraustreten läßt. Diese Umspülung durch das Meer hat ihr von alters her eine bevorzugte Stellung an der nordostafrikanischen Küste gegeben, wo im allgemeinen sonst die Wüste bis unmittelbar an die Salzfluten tritt.

Den Namen Cyrenaika trägt die Landschaft nach der Stadt Cyrene, die griechische Auswanderer im 7. vorchristlichen Jahrhundert an der Stelle gründeten, wo unfern der Küste eine reichlich strö­mende Quelle mit dem Namen Cyre zutage trat. An sich bildet die Halbinsel die Fortsetzung der Libyschen Wüstenplatte und erhebt sich von ihr sanft gegen Nordwesten, um von der Firstkante des auf drei Seiten von Brüchen umschnittenen Plateau­blocks in Staffeln und Terrassenstufen nach Nor­den zum Mittelläirdischen Meer steil abzufallen, so daß sie von diesem aus wie ein stattliches Gebirge aussieht. Der Boden besteht aus tertiärem Kalk unt) besitzt eine Durchschnittshöhe von nur 250400 m. Allein der an der Küste gelegene D s ch e b e l A ch- dar (grab.Grüne Gebirge") steigt höher an. Da­her vermag er die regenbringenden winterlichen Seewinde aufzuhalten, die ihm Über 500 mm Nieder­schläge spenden, wodurch die Landschaft vollständig verändert wird. Während in dem verkarsteten Bin­nenland die Flüsse nur unterirdisch fließen und sich vielfach Tropfsteinhöhlen vorfinden, wobei nur im geschützten Becken auf angewehtem Staublehm Ak- kerbau möglich ist, zeigen sich die Hänge zum Meer hin als quellenreich, von vielen Schluchten zerrissen, bedeckt mit Wäldern oder Büschen van Pinien, Zy­pressen, Wacholder und Steineiche. Erst unmittelbar vor den Gestaden tritt dann noch das von Korsika ,her bekannte Buschwerk, die Macchie auf.

Die in diesem Gebiete siedelnden dorischen Grie­chen haben es zu hoher Blüte gebracht. Es entstand hier eine Pentapolis, ein Fünfstädtebund, der es sogar wagte, mit dem meerbeherrschenden Carthago den Kampf aufzunehmen. Entscheidender jedoch war seine Einbeziehung in die Schicksale des benachbar­ten ägyptischen Reiches, das nacheinander den vorderasiatischen Großreichen zum Opfer fiel, bis es nach der Episode unter Alexander dem Großen durch die Ptolemäer noch ein paar Jahr­hunderte der Selbständigkeit genoß, um endlich i m Römerreich aufzugehen. Diese Entwicklungs­gänge haben die Pentapolis der Cyrenaika wohl

äußerlich umgestaltet, aber ihren Kern doch verhält­nismäßig wenig berührt. Ob als Monarchie oder als Republik, sie besaß eine wirtschaftliche Grund­lage, welche ihr eine Selbständigkeit gewährte, die bis weit in die Römerzeit hinein andauerte.

Diese bestand in der Erzeugung einer Heilpflanze mit dem Namen Silphium, die nur hier vor­kam. Aus deren Wurzelsaft gewann man em Heil­mittel wahrscheinlich gegen Magen- und Darmkrank­heiten, das im alten Rom mit schwerem Silber -aus­gewogen wurde. Näheres über die Pflanze läßt sich nicht sagen, da sie seitdem verschollen ist und an­derswo nicht wieder aufgefunden werden konnte. Vermutlich ist sie einer Klimaverschlechterung er­legen, die dann auch die Hauptursache für den poli­tischen und wirtschaftlichen Niedergang der Cyre­naika wurde, der sich aus dem Zerfall des Römischen Reiches ergab, sowie aus dem Aufkommen der mo- hammedamfchen Mächte, für welche die Halbinsel abseits vom Wege lag und infolgedessen nicht viel Interesse beanspruchte. Ein tragisches Ge­schick, wenn man bedenkt, daß eine Stadt wie Cyrene Männer hervorbrachte wie Eratosthenes, den Be­gründer der wissenschaftlichen Erdkunde und Zeit­rechnung, den Philosophen Aristippos und den Dichter Kallimacho.

Zu neuem Leben erwachte das Land erst wieder, nachdem es 1911 indenBesitzJtaliens kam. Damals gelangte der durch den Tod Balbos bekannt­gewordene Hafen Tobruk aus dunkler Vergessen­heit wieder ans Licht. Er liegt an einer vier Kilo­meter langen Bucht, die ein untergetauchtes Tal- stück darstellt und eine gute und tiefe Hafenanlage bietet. Dieser Vorzug wird noch verstärkt dadurch, daß sie nur nach Osten geöffnet ist, also geschützt ge­gen die herrschenden wesllichen Wüstenwinde. Von dem Hafen Antipyrgos aus dem Altertum war nicht mehr viel zu finden. Nur eine Kornverladeftelle hatte sich erhalten, die dann bald zu einem starken mili­tärischen Stützpunkt ausgebaut wurde. Ihren vollen Wert erhielt jedoch Tobruk wie überhaupt die Cyre­naika erst, als der Faschismus sich mit der ihm eige­nen Tatkraft des Landes annahm. Liegen auch die Verhältnisse heute längst nicht mehr so günstig wie einstmals im Altertum die Abholzung der Wäl­der, hauptsächlich in türkischer Zeit, hat hier wie überall am Mittelländischen Meer die schon genannte Klimaverschlechterung teils bedingt, teil erheblich ver­schärft so läßt sich doch bei Aufbringung der not­wendigen Geduld wie der allerdings nicht geringen Mittel hier Siedlungsland für Hunderttau­sende schaffen. Marschall Balbo hat einen viel verheißenden Anfang gemacht. Und schließlich recht­fertigt die bedeutende Vergangenheit des Landes auch die größten Anstrengungen.

25 Kilometern sind in die Plane einbegriffen. Auch nicht weniger als sechs Wasserfälle sollen gesenkt werden, damit die Wassermassen einen leichteren Abfluß erhalten.

Ein neues dänisches Kabinett

Kopenhagen, 8. Juli. (Europapreß.) Die Mi­nisterliste der neuen dänischen Regierung ist nach der Vorlage in Schloß Amalienborg durch Minister­präsident Stauning in den Mittagsstunden des Montag veröffentlicht worden. Staatsminister bleibt Theodor Stauning (Sozialdemokrat), Außen­minister wird Eric Soavenius (unpolitisch) an Stelle Munchs, Innenminister Knut Christen- s e n (Venstre Bauernpartei) an Stelle Dahlgards, Verteidigungsminister B r o r s o n (Venstre Bauern­partei) an Stelle Andersens. Damit sind in der neuen Regierung nur noch vier Sozialdemokraten vertreten. Die zwölf Ministerposten sind nicht, wie bisher, auf Vertreter der beiden größten Reichs­tagsparteien, sondern aller vier Parteien zuzüglich zweier Nichtpolitiker verteilt. Soave­nius ist Außenminister während des Weltkrieges, später dänischer Gesandter in Stockholm und ferner Bevollmächtigter des Außenministeriums bei der Regelung internationaler Fragen gewesen.

Im Folketing sagte Ministerpräsident Stau­ning: Die schwierigen Zeiten, die wir durchlebten, erforderten eine bedeutende Entschlußfähigkeit von der Leitung des Staates. Oberstes Ziel müsse es sein, die Arbeitslosigkeit zu beschränken und das System der Unterstützungsleistungen durch zeitent- sprechende Maßnahmen abzulösen. Rohstoffe und Kohle vom Auslande für die Industrie zu beschaffen, fei ein wichtiger Schlüsselpunkt hierzu. Der Ministerpräsident gab der Ueberzeugung Aus­druck, daß ein verändertes Europa möglicherweise schon recht bald aus diesem Kriege hervorgehen werde. Mit einer Sympathie-Erklärung der däni­schen Nation an das deutsche Volk schloß Minister- -präsident Stauning seine Ausführungen.

De britischen Kriegsschiffe verlassen Gibraltar und Tanger.

Genf, 8. Juli. (DNB.) Aus La Linea wird be­richtet, daß beim Bombenangriff auf Gibraltar durch französische Flugzeuge an den Befestigungen und auf den im Hafen liegenden englischen Schiffen Beschädigungen hervorgerufen mürben. Die französischen Bombenflugzeuge haben sich ohne Verluste entfernen können trotz der heftigen britischen Luftabwehr. Lllle britischen Kriegsschiffe haben den Hafen von Gibraltar verlassen. Aus Tanger wird berichtet, daß auch dort alle noch im Hafen liegenden englischen Schiffe die Flucht nach dem offenen Meer ergriffen haben.

Kleine politische Nachrichten.

Wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, muß es in der gestrigen MeldungSämtliche deut­schen Kriegsgefangenen ausgelie­fert" in der vorletzten Zeile richtig heißen, daß eine deutsche Kontrollkommission sich in das unbe­setzte Gebiet begeben wird.

Der Führer hat dem Präsidenten der Reichs­schrifttumskammer, Preußischen Stacltsrat Hanns I o h st, aus Anlaß der Vollendung feines 50. Le­bensjahres in Würdigung feiner Verdienste um das deutsche Schrifttum die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Eine Würdigung des Dichters fanden unsere Leser in. ben Gießener Familienblättern vom 6. Juli.

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Zwischen der deutschen Wasfenstlllstanbskonnnis- sion und der französischen Abordnung wurde ein lieber ein kommen getroffen, wonach alle Haft- und (Strafgefangenen, die wegen einer Tat zugunsten des Deutschen Reiches von den Fran­zosen fe st genommen oder verurteilt wur­den, auf freien Fuß zu setzen sind, und zwar unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit, also auch Elsässer.

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Nach einer Fahrt durch West- und Mitteldeutsch­land ist jetzt der historische Wagen aus Compiegne in der Reichshauptstadt eingetrof- fen. Bis zur endgültigen Regelung seiner Aufftel- lung hat er ausdem Anhalter Güter b ah n- hof einen vorläufigen Standplatz erhalten.

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Der französische Ministerpräsident gibt eine D e - mobilmachungsverordnung bekannt, nach der die Demobilmachung schnellstens vor sich gehen und zunächst die Jahresklassen 1914 und 1915 erfassen soll. Die weiteren Entlassungen werden in einander folgenden Jahrgängen zur Durchführung kommen.

Der englische Rundfunk gibt bekannt, daß alle Deutschen und Italiener, die in Daressalam (Deutsch-Ostafrika) interniert waren, nach Ueberfee abtransportiert worden sind. Wohin, wird nicht gesagt.

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lieber hundert japanische Bombenflugzeuge griffen am Montag die westlichen Vorstädte von Tschung- k i n g an. Die Maschinen kamen in mehreren Wellen an. Es heißt, daß chinesische Jagdflugzeuge die ja­panischen Bombenflugzeuge angriffen. Ein großes Luftgefecht habe sich entwickelt, über dessen Ausgang noch nichts bekannt fei.

Oie Weilnar-Iestspiele der deutschen Lugend.

Die Weimar-Festspiele der deutschen Jugend, die auch im Kriegsjahr 1940 durchgeführt werden konn­ten, sanden ihren Abschluß. Etwa 4000 Jungarbei­ter, Jungbauern und Schüler aus allen Teilen des Reiches haben sich den Aufführungen der Werke Goethes, Schillers, Richard Wagners und Kleists hingegeben. Bei der Abschlußkundgebung betonte der Sonderbeauftragte für die Festspiele, K.-Gebiets- führer Dr. Studentkowski, daß jeder Teil­nehmer in diesen Wochen etwas von dem verspürt habe, was wir das ewige Deutschland nennen. Der Weltfeind Materialismus stehe in diesen Tagen dem deutschen Idealismus gegenüber und werde von dem deutschen Schwert bezwungen. Er danke dem Begründer der Weimar-Festspiele, dem Altmeister der völkischen Literatur, A d o l s Bartels, so­wie dem langjährigen Vorsitzenden des Deutschen Schillerbundes, Prof. Eduard Scheidemantel, dafür, daß sie sick in den drei Jahrzehnten des Be­stehens der Festspiele so tatkräftig für diesen Ge­danken eingesetzt haben. Dann gedachte er des an der Front befindlichen Reichsjugendführers als Schirmherrn der Weimar-Festspiele und legte einen Kranz an dem Doppelstandbild Goethes und Schil­

lers nieder. Die Weimar-Festspiele hatten in diesem Jahre noch eine besondere Bedeutung durch die Teilnahme von 25 italienischen Jugendführern und -führevinnen.

Reges Kulturleben in Deutschland.

Im Reich waren im Spieljahr 1939/40 nach dem neuen Heft vonWirtschaft und Statistik" 332 Theater mit 281 418 Plätzen und 129 Freilicht­bühnen mit 236 800 Plätzen vorhanden, in denen in der Spielzeit 1939/40 Vorstellungen stattgefunden ha­ben, außerdem 182 Wanderbühnen, Gastspielbühnen und ähnliche Einrichtungen. Die Staats-, Landes- und Stadttheater find zum größten Teil vor 1900 gegrün­det worden, mehr als 14 v. H. der Theater sind feit 1933 entstanden. Von den Bühnenmitgliedern, die für 259 Theater verschiedener Gattungen er­mittelt wurden, gehören allein 93,1 v. H. den The­atern der öffentlichen Hand an, die auch im Durch­schnitt je Theater die höchste Zahl an Beschäftigten aufweisen. Unter den Bühnenmitgliedern übertrifft die Berufsgruppe der technischen Mitglieder mit einem Anteil von 31,7 v. H. alle anderen; die männ­lichen und weiblichen Bühnenkünstler machen zusam­men nur 18,3 v. H. aller Bühnenmitglieder aus. Von 281 Theatern, bei denen die Spielzeiten un­tersucht werden, erreichten diejenigen mit ganzjäh­riger Spielzeit mit 44,9 v. H. den höchsten Anteil; sie sind überwiegend Staats-, Landes- und Stadt­theater.

Ab ^.August Futtermittelschein für Hunde.

Die bisherige Zuteilung von Futtermitteln für Hunde durch Anrechtsscheine des Reichsverbandes für Hundewesen hat zu Schwierigkeiten geführt. Der Reichsernährungsminister hat daher angeordnet, daß vom 1. August 1940 ab die Ernährungsämter, die bereits die Futtermittelscheine für Pferde und Schweine ausgeben, auch bei der Ausgabe für Hunde

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Aus aller Welt.

hingerichkeL

Am 6. Juli 1940 ist der am 8. Januar 1919 in Zweibrücken geborene Wilhelm Herr hingerichtet worden, den das Sondergericht Saarbrücken als Volksschädling zum Tode verurteilt hat. Der wegen Diebstahls vorbestrafte Herr hat im freige­machten Gebiet in erheblichem Umfange geplün­dert. Ferner ist am 6. Juli 1940 der am 3. März 1920 in Schwenningen am Neckar geborene Alfred Quattländer hingerichtet worden, den das Sondergericht Stuttgart wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt hat. Quattländer hat Anfang Mai 1940 in Schwenningen seinen Schwager heim­tückisch ermordet. Schließlich ist der am 13. März 1914 in Ichenhausen (Landkreis Günzburg) geborene Bernhard Rommel hingerichtet worden, den das Sondergericht München als Gewaltverbrecher zum Tode verurteilt hat. Rommel, ein vielfach vor­bestrafter gefährlicher Gewohnheitsverbrecher, be­ging nach feiner Flucht aus dem Zuchthaus von neuem Diebstähle und bedrohte feinen Verfolger mit dem Messer.

Ehrenkreuz für die Mutter und drei Töchter.

Drei goldene Ehrenkreuze für Mütter und eins in Silber konnten einer Mutter und ihren drei Töchtern verliehen werden, die 32 Kindern das Le­ben schenkten. Die im 70. Lebensjahr stehende Witwe Anna Neckenrodt, Niedersachswerfen (Prof. Sach­sen) schenkte acht Kindern das Leben. Ihre Tochter Auguste Dünhaupt, die in Ilfeld (Prov. Sa.) ver­heiratet ist, hat acht Kinder, eine weitere Tochter, Frau Marie Etzrodi, Niedersachswerfen, zehn Kin­der, und Frau Anna Reichavdt, Ilfeld, wurde als älteste Tochter mit dem silbernen Ehrenkreuz aus­gezeichnet.

Hauvsschriftleiter: Dr. Friedrich SBilfjelm Lange. Stellvertreter b<S Hauptfchristleiters: Heinrich Ludwig Neuner. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und Bilder: Dr. ftr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz und Wirtschaft: Ernst Blumschein (beurlaubt); t. B.: Heinrich Ludwig Neuner; für Sport: Heinrich Ludwig Neuner.

Druck und Verlag Brühlsche Universttätsdruckerei R. Lange K. <N. Berlagsleiter: Dr.-Jng. Erich Hamann: Anzeigenleiter: Hans Beck. Berantworllich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel Pl.Nr.6.

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