Montag, 8. Juli 1940
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Ur. (59 Zweites Blatt
von
dienst teilgenommen hatte, Worte der Anerkennung an die Wehrmänner. Er betonte, daß er von pem, was er heute gesehen, vollständig befriedigt fei, und daß die Ausbildung durch die SA., der ja nach Vorschrift die vormilitärische Wehrerziehung übertragen sei, einen Stand zeige, der als gut zu bezeichnen sei. Durch diese vorbildliche vormilitärische Wehrerziehung leiste die SA. dem Heere gute Vorarbeit und erleichtere der Wehrmacht in hohem Maße ihre Ausbildungsarbeit. Auch der Führer der Standarte sprach sich lobend über die von den Unterführern geleistete Ausbildungsarbeit aus. Die heutige Besichtigung der Wehrmannschaften habe ihm hinsichtlich ihres Ausbildungsstandes und ihrer Disziplin im allgemeinen bewiesen, daß die Wehrmänner den Sinn dieser vormilitärischen Ausbildung erfaßt hätten. Schließlich, so schloß er, tue der einzelne dies alles nicht für sich, sondern zum Wohle unseres gesamten Volkes und des Großdeutschen Reiches.
Der Spielmannszug, der ebenfalls den Uebungs- marsch am Vormittag mitmachte, sowie der Musikzug der Standarte hatten vor der Volkshalle Aufstellung genommen, und mit klingendem Spiel ging der Einmarsch über Kaiserallee, Ludwigstraße, Bleichstraße, Seltersweg und Sonnenstraße durch die Stadt.
Mit einqm schneidigen Vorbeimarsch vor dem Führer der Standarte auf dem Landgraf-Philipp- Platz schloß der Tagesdienst der Wehrmannschaften des gestrigen Sonntags.
heran. Wahrt wie bisher auch in den letzten Tagen Disziplin und handelt nach den gegebenen Richtlinien. Die Rückkehr kann nur mit dem Heimkehrer- ausweis, den Sie von der Kreisleitung erhalten, vorgenommen werden. Wer noch nicht zur Heimkehr aufgerufen ist, fährt auf eigene Verantwortung und hat alle entstehenden Nachteile und Unannehmlich
haltende Wirkung! Ich dachte manchmal darüber nach. Nach dem 1870er Krieg mag wohl das urdeutsche Wort „urbar" aus dem Munde eines deutschen Regierungsoertreters den Ohren des aus ranzösischen Verhältnissen übernommenen Maires, dessen Herz Deutschland gehörte, wie Aeolsharfen geklungen haben. Schillersdorf liegt nämlich im sogenannten Hanauer Ländchen, dessen Einwohner ihr Deutschtum und ihre Anhänglichkeit an Deutschland am längsten bewahrt hatten. Wie mir m Ingweiler erzählt wurde, ist im Jahre 1870, als sich nach der Schlacht von Wörth die ersten deutschen Truppen dem Dorfe Schillersdorf näherten, der Maire mit weißgekleideten Jungfrauen blumengeschmückt den Bataillonen entgegengezogen, um sie willkommen zu heißen. Das war unser Bürgermeister! Das wollen wir chm nicht vergessen.
Ferd Mayer.
Am gestrigen Sonntagvormittag waren auf dem Hofe der Standarte 140 Wehrmänner und 75 SA.- Unterführer der Stürme 11/116, Pi. 1/116, Pi. 2/116, R. 41/116, 42/116 und 43/116 zum Ganztagesdienst angetreten. Zum ersten Male waren die Wehrmänner zu diesem Dienst einheitlich uniformiert und ausgerüstet. Auf dem vorderen Trieb, wo auch die Meldung an den Führer der Standarte 116 erfolgte, wurde der Dienst mit Formalexerzieren, Dreieckzielen, Schießen, Ordnungsübungen und Keulenwett- und -Zielwurf begonnen. Nach kurzer Pause fand em Uebungsmarsch über Rödgen-Trohe-Wieseck, zuruck zum Trieb, statt, wo der Marschblock nach der Mittagsstunde eintraf. Unterdessen hatte die Küche für die Männer ein sehr schmackhaftes Eintopfesien gekocht, das im Garten der „Germania" eingenommen wurde und allen gut mundete.
Dann wurde der Dienst fortgesetzt. Auf dem Hinteren Trieb waren für die geländedienstliche Ausbildung die Stationen für Orientierung, Tarnung, Entfernungsschätzen, Geländebeschreibung, Gelande- beurteilung, Zielerkennung und Zielansprache ausgebaut worden. Auch hier zeigte sich, wie bei den Uebungen am Vormittag, ein guter Ausbudungs- ftand. Anschließend sammelten sich Wehrmann- chaften und SA.-Unterführer zum Abmarsch.
Vor der Volkshalle richtete der Vertreter der Wehrmacht, Major Graf zu Münster, der zusammen mit dem Vertreter der Schutzpolizei, Major der Schutzpolizei Hellwege-Emden, an dem gesamten Tages-
»Hochzeitsreise ohne Mann."
Das Stadttheater sah am vergangenen Samstag ein volles Haus. Die NSG. „Kraft durch Freude hatte zu zwei unterhaltsamen Stunden emgeladen. Die Aufführung für diesen Sommerabend war ebenso auf den heiteren Ton gestimmt, wie die bisherigen Abende der Sommerspielzeit. Das Lustspiel ,,Hvch* zeitsreise ohne Mann" von Leo Lenz erwies sich m der munteren Konversation, wie auch in einer wohlbedacht bemessenen Dosis Situationskomik als sehr lebendig und verfehlte seine Wirkung nicht, zudem sich der Verfasser des Lustspiels mancher bekannten und wirkungsvollen Praktik bediente. Es ging darum, einen Junggesellen in den besten Jahren weiblichen Reizen zugänglich zu machen und unter die Hauve zu bringen. Nach mancher kunstvoll heraufbeschworenen kritischen Situation gelang dies auch, und dabei wurde mit dem ganzen Manöver sogar noch eme Wette gewonnen. Daß sich zum Schluß zwei glückliche Paare in den Armen lagen, versöhnte den größten Teil des Publikums mit der Frivolität emer Wette um Liebe, um Mann und Frau. .
Das Lustspiel erfuhr eine lebendige, doch maßvoll und glücklich im Ton gehaltene Aufführung. Die Regie führte Hans Albert Schewe. Laumge Dialoge und witzige Wortspiele halfen dem Stück gut durch seine drei Akte.
ketten selbst zu tragen.
Wer im Besitz eines Personen- oder Lastkraftwagens ist, meldet dies sofort der ö.reisamtsleitung der NSV., Gießen, Goethestraße 34, Fernsprecher Gießen 2264 und 2297. Wer eine Einberufung zur Vorbereitung der Heimkehr erhält, darf Familienangehörigen und größeres Gepäck vorerst nicht mitnehmen. Die Anweisungen und Richtlinien erfolgen rechtzeitig in den Tageszeitungen.
Vergeßt nicht die erforderlichen Abmeldungen (Polizei usw.) vorzunehmen.
Heil Hitler!
Backhaus', Kreisletter.
Keller zu schaffen. '
In einer guten Stunde haben sie bte Arbest geschafft. Frau Richter kommt gerade dazu, als der lange Friedrich mit einem Besen die Sttaße säubert. Sie betrachtet ihn verwundert, dann kommt ihr der Gedanke, es könne eine Verwechslung mit den Kohlen passiert sein. Aber es ist keine Verwechslung, es ist nichts anderes als die tatgewordene HausgemeM- schaft, die sich hier so großattig zeigt. Daß allerdings der lahme Schuster den Anstoß dazu gegeben hat, das erfährt Frau Richter erst später. Nichtsdestoweniger ist ihre Freude auch dann noch groß über den Geist, der die Hausgenossen und die Nachbarschaft so sehr beseelt, daß über das mühsame Hereinschaffen einer Fuhre Kohlen nicht mehr geredet zu werden braucht. H- w- Sch-
trat, die Theater und die größten Konzertsale so zu füllen, daß oftmals die polizeiliche Schließung veranlaßt werden mußte. Für den Schallplattenkenner wie auch für den Rundfunkhörer bedeutet diese Ankündigung die Begegnung Mit einer charmanten Frau, die man bisher nur der Stimme nach kannte. Ähre Programmhefte nennen beliebte Schlagertexte wie „Bel Ami" und „Oul Madame und noch ein Dutzend Lieder, spanische, porttrgie- stsche, italienische; aber die ungenannten, die sie als Zugaben singen muß, die sich das Publikum am Schluß des Abends förmlich erbettelt, konnten stets noch ein zweites Programm Men.
BOM.-llntergau 116 Gießen.
BdM.-Werk^Gruppe la/116 — Sport und Gymnastik. Der Dienst der Gruppe findet bis auf weiteres jeden Dienstag um 20 Uh, auf dem Waldsportplatz statt.
Monatsappelle
der Soldatenkameradfchasten.
Appell der Artilleristen.
Zu mehreren Schützen gingen wir m langer Lime 1 über die Felder. Als ich gerade die Schillersdorfer . Straße überkreuzte, kam der Schillersdörfer Burger- । meister daher. . r,
,AH, der Herr Mayer", rief er mir schon von weitem zu, „wie geht's? Mer brücht net zu froje Inne geht's göt. Meh Mann sin Ihr worre, meh Mann' Was macht der Babbe? Gehts ihm got. Ja, ich kenn' de Babbe göt. Anno 71 Ich er kumme mit noch ändert Herre un het unsere Gemeindewald ,urbar’ gemacht. Ja, ,urbar’ Han se ne gemacht. Herr Burjemeischter, het er g'seit, wie er kumme isch, ich kumm, um Ihre Wald ,urbar ze mache. Ja so het er g'seit, ,ürbar' het er g seit. Un saawe Se ihm vill Schöns vom Burjemeischter von Schillersdorf. Adje, Herr Mayer, adje!"
Ich mußte doch lächeln un Wetterschreiten. Die Wirkung des Wortes „urbar" auf den Bauern war ja geradezu phänomenal. f
Nach weiteren drei Jahren war ich als Forstreferendar nach Ingweiler zur Treibjagd geladen. Nach der Jagd hoben nur beim Letzte Charles etz- liehe Muskateller. Das Lokal war überfüllt Durch Zuschammenrücken bekamen wir noch ein Plätzchen. Mein Gegenüber lag mit dem Kopf über den Armen M dem Tisch und schnarchte Plötzlich rich ete er sich auf. Siehe da! Es war der Bürgermeister von Schillersdorf. „ . . . <
„Guten Abend, Herr Bürgermeister , sagte ich
verglasten Augen glotzte er mich lange, lange an, ohne mich zu erkennen. Dafür war er zu duhn. Ja, mehr noch, stinkevoll war er. Er kam, wie ich hörte, öfters nach Ingweiler zum Letzte Charles, wen er feinen Amtsärger hmunterspulen mußte. Man sagt, der Fuchs mause nicht in der Nahe seines Niues, er schnüre weiter. So hielt s wohl
; auch unser Bürgermeister .
Immer noch sah er mich nut wirrem Blick an. • Dann sank sein Haupt auf den Tisch zurück. (Eine i Jdeenoerbindung mußte aber doch m seinem bedrn t selten Bewußtsein vor sich gegangen sem. Plötzlich - sagte er ganz laut und vernehnümr: „urbar und schnarchte weiter. _
i Die anderen verstanden ja nicht, was das heißen i sollte. Ich aber hatte eine unsagbare Freude am - Schillersdorfer Gemeindeoberhaupt.
Woher kam wohl diese außerordentliche, lang an-
Jm hessischen Hof" fand unter dem Vorsitz Kameradschaftsführer Müller der Monatsappell der ehemaligen Artilleristen statt. Der Kameradschaftsführer gedachtet der glänzenden Erfolge der deutschen Wehrmacht, wies auf die bevorstehenden großen Etscheidungen hin und brachte auf den großen Feldherrn und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, Adolf Hitler, dessen Soldaten und aus das deutsche Volk ein dreifaches Sieg-Heil aus. Sodann berichtete er von der letzten Besprechung der Kameradschaftsführer mit dem Kreiskrieger- führer. Hierbei wurde dem Fechtwart Kamerad Faber für feine guten Erfolge eine lobende Anerkennung ausgesprochen. Kamerad Faber hat der Kameradschaft die WHW.-Abzeichen nut den Fahnen der deutschen Truppengattungen, wie sie bei einer früheren Strahensammlung zum Vertrieb kamen, geschenkt und diese auf einem großen Eisernen Kreuz untergebracht. Dafür wurde chm besonderer Dank ausgesprochen. Die Kameradschaft führt ihre Schießübungen fort und beteiligt sich auch an dem Kreiswettkampfschießen. Der vorgesehene Dorttag von Kamerad Oberstudiendirektor Angelberger mußte wegen besonderen Umständen ausfallen. Für ihn sprang Vg. Kostorz von den Heimattreuen Ostdeutschen ein, der zunächst allgemein vom ostdeutschen Raum von Tilsit bis Oderberg dann von Schlesien und schließlich von Oberschlesien erzählte. Seine Ausführungen waren deshalb sehr interessant, weil er die Beziehungen von Gießen und Oberhessen Mit dem
Eine Fuhre Kohlen.
Am Vormittag hat der Fuhrmann die Kohlen gebracht. Nun liegen sie vor dem Haufe und glänzen im Hellen Licht der Sonne. „Schöne Arbeit', sagt der Bäckerlehrling, als er vorübergeht. Es ist m der Tat eine ordentliche Fuhre, und der wird schön zu schwitzen haben, der sie in den Keller bringen muß. Aber Frau Richter hat noch keine Hand dazu rühren können. Sie geht tagsüber zur Fabrik, während ihr Mann irgendwo im Westen seinen Dienst versieht. „Ob ich mich heute nachmtttag freimache?" überlegt sie, während sie in der kurzen Mittagspause ihr Essen herrichtet. Aber dann verwirft sie den Plan, als sw daran denkt, daß die eilige Arbeit in der Fabrik liegen bleiben muß. Vielleicht kommen überhaupt beiden Jungen heute mal zeitiger aus der Werkstatt nach Hause, dann wird das Hereinschaffen noch schnell genug vor sich gehen.
Die Kinder der Nachbarschaft spielen am Nachmittag mit den Kohlen, die zum Spielen auch geradezu herausfordern. „Laßt das sein", ruft ihnen indessen der lahme Schuster zu, der von seinem Schemel am Fenster gerade das Stückchen Straße überschauen kann. Die Kinder ziehen maulend ab, was den Schuster nicht hindert, weiter eifrig aufzupassen. Er besorgt das so gründlich, daß ihm nichts entgeht, was sich auf der Straße bewegt. Auch daß der lange Friedrich von der Schicht nach Hause kommt, hat er rasch bemerkt. Mit einem Leisten pocht er gegen die Scheibe und veranlaßt den langen Friedrich auf diese Weise, in die Werkstatt zu kommen.
„Ihr habt doch da drüben in eurem Hause eme ganz gute Gemeinschaft, oder nicht?" fragt der Schuster, während seine Augen unter der Brille her funkeln. „Freilich", erwidett der lange Friedrich, „aber deshalb brauchst du mich doch nicht zu rufen. Der Schuster läßt ihn aber nicht weiter.zu Worte kommen, sondern setzt ihm die Notwendigkeit auseinander, der Frau Richter nachbarliche Hufe zu leisten. „In einer halben Stunde kommt Heinrich Niemann nach Hause, und wenn ihr beide dann in die Hände spuckt, ist über die ganze Sache nicht wehr viel zu reden. Was meinst du?" Der lange Friedrich meint nicht viel, er geht erst mal zum Essen, aber eme Stunde später sieht man ihn tatsächlich mit Heinrich Niemann dabei, die Kohlen der Frau Richter in den
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
NSG. ,Kraft durch Freude": 20 Uhr im Gloria- Palast (Seltersweg): Rosita Serrano, Lied- und Chansonsängerin, mit Kurt Hohenberger und seinen Solisten. — Volkstümliche Vorträge der Ludwigs- Universität: 20.30 Uhr im Physikalischen Institut, Stephansttaße 34, Professor Dr. Vollrath über „Krieg und Frieden, unter besonderer Berücksichtigung innerbritischer Zifitände"; 20.30 Uhr un Kunstwissenschaftlichen Institut, Ludwigstraße 34, Professor Dr. Rauch über „Deutsche Dome 11 (@otit)". — Gloria-Palast (Seltersweg): Nur 16 Uhr „Kennwort Machin". — Lichtspielhaus (Bahnhofittaße): „Fahrt ins Leben".
Heute abend singt 2Rofifa Serrano.
Am heutigen Montagabend wird die bekannte chilenische Liederfängerin Rostta Serrano im Gloria- Palast ein Gastspiel geben, das von der N S. - G e - meinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltet und sicherlich lebhaften Anklang finden wird. „Rosita Serrano singt!" Diese drei Worte genügten bisher in allen Städten, in denen sie auf-
Dem ursprünglich weiberfeindlichen, moralisierenden und schüchternen Kunstgeschichtsprofessor lieh Hans Geißler sympathische Züge. Er stattete die Rolle mit allem aus, was in der Wandlung vom Weiberfeind bis zum glücklichen Bräutigam von ihm zu verlangen war. Hannelore Hinkel war ihm eine geschickte, fintenreiche, liebenswürdige und schlag- ertige Partnerin, die in den entscheidenden Augen- ilicken auch ihre weiblichen Verführungskünste spielen zu lassen wußte. Hilde Kneip erschien zunächst als sittenstrenge Studienrätin, wandelte sich aber m er- taunlich kurzer Zeit zu einer modernen. Hingen Dame, die im Laufe der Geschehnisse auf gute Weise an den Mann kam. Harry Grüneke stellte den Freund des Professors und den Spiritus rector für all das gefühlsmäßige und tatsächliche Durcheinander des ganzen Spiels dar und wußte sich m semer Rolle gut nach allen Seiten zu drehen. Herr Volck mimte in liebenswürdiger Munterkeit den alten verständnisvollen Diener Sebastian, während Herr Schewe als vermeintlicher Gatte der weiblichen Hauptperson des Stückes nur ein ganz kurzes Gastspiel auf der Bühne gab.
Die Zuschauer gingen dankbar nut, kargten Nicht mit Beifall und hatten viel, laut und herzlich zu lachen. H. L. Neuner.
Oer Engel in der Mauser.
Kaiser Leopold L besuchte eines Tages das Kloster der Barfüßer Augustiner in Wien. Er ließ sich vom Prior alle Räume zeigen und schließlich kamen sie auch in die Klosterkirche, in der sich ein Gemälde befand, auf dem der Maler eine Anzahl von Engeln dargestellt hatte, die auf der alttestament- liehen Jakobsleiter vom Himmel niedersteigen. Der Kaiser bettachtete das Bild lange Zeit und wandte sich dann an die Versammelten:
„Sagt mir doch, wie es kommt, daß die Engel auf einer Leiter herab steigen, da sie doch Flügel haben?
Alles war stumm. Selbst der Prior wußte sich nicht zu helfen. Da trat der Novize Abraham a Santa Clara hervor und sagte: „Halten zu Gnaden, Majestät, die Engel werden damals just in der Mauser gewesen sein."
Leopold I. lachte herzlich über den schlagfertigen Mönch und machte ihn bald darauf zu seinem Hoft
»Prediger,
Urbor.
Eine elsässer Dorfgeschichte.
Man hört und lieft immer wieder vom großen Einfluß der sogenannten Schlagwörter auf das Volksgemüt. Wie stark ein Wort wirken kann, habe ich selbst erlebt, und zwar nicht bei einem Manne der untersten Volksschichten, sondern bei einem wohlhabenden Bauern, dem Herrn Bürgermeister von Schillersdorf.
Das Oberhaupt dieser Bauern lernte ich einst kennen. Als ich während meines Lehrjahrs eines Abends zum Letzte Charles zum Weinabendschoppen kam, saß der Herr Oberförster schon dort im Gespräch mit einem älteren Herrn, dem Aussehen und der schwarzen Tracht nach zu schließen, einem reichen Bauern. Der Oberförster stellte vor: „Hier» Herr Bürgermeister, stelle ich Ihnen den Forst- beflissenen Mayer vor, den Sohn von unserm Herrn Landforstmeister. Und dies ist der Herr Bürgermeister von Schillersdorf." .....
„Ah", meinte der Bürgermeister, mir kräftig die Hand schüttelnd, „bes g'freut mich awer jetzt. Was macht denn der Babbe? Wie geht's ihm denn. Saawe Sie ihm vill Schöns, wann Sie heim- kumme. Ja, ich kenn' de Babbe göt, recht göt kenn ich de Babbe. Anno 71 isch er kumme un het g seit, Herr Burgemeischter, het er g'seit, ich kumm, um Ihren Wald urbar zu mache."
Das Wort „urbar" wurde mit hoher Stimme dreimal unterstrichen.
,Aa, so het er g'seit, ,ürbar’ welle mer ne mache, ürbar. Un dernode han se ne gemacht."
Unter „urbar" wird mein guter Vater wohl oie Ueberführung des bis dahin nach französischer Art im Mittelwaldbetrieb bewirtschafteten Gemeinde- waldes in Hochwald und die damit nötig gewordene Neueinteilung des Waldes und Aufitellung eines neuen Betriebswerkes verstanden haben. Das war dem Herrn Maire nicht so klar geworden. Aber das Wort „urbar" ist ihm haften geblieben. Das hat ihm mächtig imponiert, so daß es ihm nach zwanzig Jahren noch im Hirn herumspukte.
Nach zwei Jahren — ich hatte unterdessen mein Lehrjahr und das Militärjahr beendet und schon zwei Semester studiert — war ich während der großen Ferien zur Hühnerjagd nach Ingweiler geladen.
Osten und Schlesien kennzeichnete und weil er an die Berichte über die Aufstände und ine Leidenszeit in Oberschlesien auch solche von der Eroberung und den Aufbauplänen an schloß.
Bei den elfen Kavalleristen.
Beim Monatsappell der ehern. Kavalleristen, der im „Bayerischen Hof" stattfand. Übermittelte der Kameradschaftsführer den Kameraden Postmspektor Trabert und Karl Bauer zu ihrem 70. und Sattlermeister Groß zu seinem 75. Geburtstag bte Glückwünsche ber Kamerabschaft. Es würben bte letzten Kreisbefehle unb Anordnungen verlesen. Die Kameradschaft beteiligte sich am Sammeln von Brenn ess ein. Für die alten Kavalleristen . fi adlet das Kreiswettschießen am 14. und 21. Juli, vormittags, statt. Die alten Kameraden haben leichte Bedingungen zu erfüllen, so daß mit vollzähliger Beteiligung gerechnet wird. In nächster Zeit soll auch eine Singegruppe ins Leben gerufen werden, die die Appelle durch ihren Gesang beleben soll. Kameradschastsführer Hartmann gab einen Rückblick auf die glänzenden Erfolge unserer Wehrmacht, die mit dem Waffenstillstand ihren Höhepunkt gefunden haben. Gerade die alten Soldaten wissen diese Leistungen unserer jungen Wehrmacht zu würdigen. Mit dem Treugruß an den Führer und die Wehrmacht wurde der Appell geschlossen.
Kleine sommerliche Ratschläge für den Haushalt.
1. Wenn kein Kühlschran-k vorhanden ist, müssen Lebensmittel in den Keller gebracht werden, wo sie auf Steinfliesen kalt genug stehen.
2. Konservenbüchsen müssen sofort nach dem Oeff- neu entleert werden.
3. Ersatz für einen Kühlschrank bietet auch der gesäuberte und mit Papier ausgelegte Rost des Zimmerofens. Die Ofentüre muß verschlossen fein.
4. Brot bleibt durch Einwickeln in ein feuchtes Tuch frisch.
5. Trockenes Gebäck wird wieder ftisch, wenn es zusammen mit einer Scheibe frischen Schwarzbrotes ; in einer Blechdose verschlossen wird. Bereits nach 4 bis 5 Stunden ist die Scheibe Brot trotten, das Gebäck wieder feucht.
6. Im Kampf gegen Fliegen sind Gazeglocken, ; Gazefenster und tüchtiger Durchzug zu empfehlen. ' 7. Licht bei geöffnetem Fenster lockt die Insekten
’ ai8. Fettpapiere, Reste von Lebensmitteln gehören in geschlossene Eimer; denn sie sind Brutplatze für ' allerlei Schädlinge.
il 9. Abwaschen soll man im Sommer stets sofort,
denn schmutziges Geschirr ist ebenfalls ein Futter- platz der Fliegen.
10. Wegen der Verdunkelung ist ein Schlafen bei offenem Fenster nur mit größter Vorsicht durchzu- ühren. Glühbirnen im nicht verdunkelten Zimmer dreht man der Sicherheit halber heraus.
11. Man schütze empfindliche Möbel und Stoffe gegen schädliche, die Farben und das Material zer- törende Sonnenstrahlen. **• v- *-•
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** Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Das E. K. II. Klasse erhielt der Gefreite Erich Oehler (Am Steg 1), der in einem Nachrichtentruppenteil dient. Das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielt ferner der Soldat August M u Iler (Bibliotheksgehilfe an der Bibliothek der Ludwigs-Universität). Er echielt die Auszeichnung für tapferen Einsatz bei der Eroberung mehrerer Maschinen- gewehrbunker beim Seine-Uebergang.
** Das Eiserne Kreuz für einen 18« jährigen. Der 18jährige Soldat Kurt Rahn (Wolfstraße 25), der sich zehn Tage vor dem Ausbruch des Krieges und nach dem Abtturienten- Examen freimütig zur Wehrmacht gemeldet hatte, hat sich nun bei einer Schnellen Truppe vor dem Feind durch besondere Tapferkeit ausgezeichnet. Er erhtett das Eiserne Kreuz 2. Klasse.
Magensäure
Ich bitte um erneute Zusendung von 50 grob. Füllung. Ihres Karlssprudels, der mir bei Magenübersäuerung sehr gute Dienste geleistet hat, so daß ich die Kur fortsetj. möchte. Dr.J. Werner, Oberstud.-Dir., Olbernhau, Freiberg. Str.7. 31.8.37. 20 grofje Flaschen RM f 2.60, 50 grohe Flaschen RM 25.-. Fracht hin und zurück trügt der Brunnen. Heilquelle Ktrlssprudel, Biskirchen A.
** Eine Spende der Dankbarkeit. Ein Ehepaar aus der Walltorsttaße hat am gestrigen Sonntag bei der Haussammluna für das Smegs- hilsswerk des Deutschen Roten Kreuzes aus besonderem Anlaß eine beachtliche Spende gezeichnet. Dgs Ehepaar erlebte die Freude der Rückkehr ihres feit langem als vermißt gemeldeten Sohnes. Er war in französische Gefangenschaft geraten und wurde nunmehr, nachdem der Waffensttllstandsverttag abgeschlossen worden ist, frei. Am gestrigen Sonntagvormittag kam er auf Urlaub nach Hause, we Freude über das Wiedersehen brachten die Eltern in der erwähnten außerordentlichen Spende für das Kriegshilfswerk zum Ausdruck.
♦* Dien ft Jubiläen bei der Reichspost. Dieser Tage konnten verschiedene, tteue Beamte der Reichspost in Gießen ihre Dieiistjubilaen begehen. Postamtmann Brecher unb Postinspektor Hain• stabt stehen seit nunmehr 40 Jahren un Dienst und wurden dafür mit dem Treudienstehrenzeichen in Gold ausgezeichnet. Werkführer Baum und
Aus der Stadt Gießen. Ein Tag Dienst der Gießener Wehrmannschafien „
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