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Nr. 185 Zweites Matt

Gießener Anzeiger iGeneral-Anzetgrr für Gberheffen)

Mittwoch. 7. August 1940

ßt n t s : 2Rit demZögling" hoch in der Luft. R e ch t s : Mit zwei Flugzeugen wird geschult. (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

Das Kanapee.

vom Samslagnachmillag bis zum Sonntagabend findet im ganzen kreis wetterau ein Großeinsatz an freiwilligen Erntehelfern statt, zu dem der kreis- leiter folgenden Aufruf erläßt:

Vom Samstag, dem 10. August, bis zum Sonn­tag, dem 11. August 1940, soll im ganzen Gebiet »es Kreises wetterau ein verstärkter Einsatz von reiwilligen Erntehelfern und Helferinnen durch- geführt werden. Für Gießen und die umliegenden Orte erfolgt die Organisation durch die Kreisleitung (Kreispropagandaleiter Pg. Rahner). Für die übri- gen Stadtbezirke Grünberg, Laubach, Hungen, Lich, Bad-Rauheim, Friedberg und Butzbach find die je- weiligen Ortsgruppenleiter mit der Durchführung der Aktion betraut worden. Diese stellen im Ein­vernehmen mit der Beamtenschaft, den Behörden­dienststellen, der SA. für die Wehrmannschaften, der H, des NSKK., des RSFK., der RS.-Frauenfchaft,

Versuch, am 17. Juni 1894 in Krefeld, schlägt er vor den Augen seiner Verlobten, die noch im Sturz durch die obere Oeffnung ihres Schirmes das Ver­sagen der neuen Funktion wahrnimmt, tot auf das Straßenpflafter. Als sie an die Leiche geführt wird, brechen ihre Nerven zusammen.

Vier Wochen lang lassen ihr die Agenten Zeit zur Trauer. Dann jagt sie wieder rastlos und mutter­seelenallein durch Europa, heute in Amsterdam, morgen in Wien, übermorgen in Nürnberg. Im harten Zwang ihres gefährlichen Berufes ist sie immun geworden. Sie hat ihr Leben auf den Fall­schirm gesetzt und in jahrelanger Arbeit jetzt ihren ersten Paketfallschirm konstruiert, der ihren Ab­sprüngen die äußerste Sicherheit geben kann. Sie läßt sich den Paketfallschirm patentieren und bringt im nächsten Jahre den Doppelfallschirm heraus, mit dem sie den Doppelabsturz riskiert. Auf einem Tra­pez unter dem Schirm sitzend trennt sie mit einem Messerschnitt das tragende Dach ab, stürzt erneut herunter, dis sich ein zweiter Schirm entfaltet, der sie sicher zur Erde trägt.

Als sie, mit dem Vordringen des Flugzeuges, 1909 ihre Vorführungen abbricht, meldet sie sich in Jo­hannisthal, um auf einem Wright-Doppeldecker das Flugzeugführerzeugnis zu erwerben. Der tödliche Absturz ihres Lehrers, Kapitän Paul Engel­hardt, hat sie veranlaßt, später auf das Zeugnis zu verzichten. Von nun an gehörte ihr Leben der stillen Arbeit für die Luftfahrt.

Der Weltkrieg nef sie wieder auf den Plan. In Berlin-Reinickendorf, gegenüber der Luftschiffhalle, arbeiteten vierzig Frauen unter ihrer Leitung an der Herstellung von Fallschirmen und Ballonhüllen. 1915 wurde ihr Fallschirm iir die deutsche Armee eingeführt. 5434 Schirme für die Luftschifser und

Kurstadt sind entsetzt und die Kurverwaltung muß sich entschließen, den Start zu verbieten. Entschlos­sen folgt sie Lattemann nach Krefeld. Hier gelingt es ihnen, die Behörde zu täuschen: Lattemann lügt, daß es Kätchens siebte Ballonfahrt sei. Man hat nichts dagegen einzuwenden, wenn das kleine Fräu­lein nach dem Absprung Lattemanns den Ballon zur Landung bringt. Ein kouragierter Stadtvater bittet, mitgenommen zu werden.' Lattemann muß sich fügen, wenn er sich nicht verdächtig machen will. Aber als dann der Absturz geglückt und Kät- chen mit dem Magistratsherrn allein im Korb -ist, ^geschieht das Entsetzliche: mitten auf ein Bahngleis steuert der Ballon zu und in der Ferne dröhnt wie ein Ungeheuer ein V-Zug heran. Dem Mädchen schwinden die Sinne; im nächsten Augenblick werden sie zermalmt unter der Dampflokomotive liegen. Da, ein jäher Schrei, das Auskreischen der Bremsen und mit einem leichten Hopser setzt der Ballon über den Bahndamm hinweg auf einen Acker nieder. Be­wußtlos wird das Mädchen aus dem Korb geholt: der schwere Ballonring war ihr bei der Ackerlan­dung auf den Kopf gefallen.

Noch in der Nacht fährt sie mit Lattemann nach Nürnberg, ihrem ersten Absprung entgegen. Und als sie vierundzwanzig Stunden später auf dem Korbrand sitzt, sind die angsterfüllten Minuten un­ter dem Krefelder Himmel vergessen. Mit geschlos­senen Augen läßt sie sich aus tausend Meter in das Nichts herunterfallen. Mitten in einem Hopfenfeld kommt sie wohlbehalten an. Ganz Nürnberg war vor die Stadtmauern geströmt, und als sie das Mädchen an spinnwebfeinen Fäden pendelnd her­unterstürzen sahen, fielen viele Frauen in Ohnmacht.

Das fliegende Fräulein ist über Nacht zur euro­päischen Sensation geworden. Kaum kann sie mit Lattemann allen Angeboten nachkommen. Dieser ar­beitet längst an einer neuen Attraktion; er hat an seinem Ballon eine Fallschirmeinrichtung ange­bracht. Nach dem Absturz des Mädchens läßt er das Gas entweichen, so daß sich der entgaste Ballon zu einem Fallschirm zusammendrücken muß. Nur zweimal glückt chm das Experiment; beim dritten

147 Absprünge hat sie im Laufe der Jahre ohne nennenswerte Unfälle gemacht. Sie war in Deutsch­land populär geworden. Wenn ihr Ballon sanft ent­schwebte und im Winde schaukelte, reckten die Men­schen in den Sttaßen in angstvoller Spannung die Hälse; Gottlob der Fallschirm öffnete sich, Kätchen Paulus war wieder einmal gerettet. In den Illu­strierten Blättern sah man die Bilder vomlachen­den Kätchen" und als sie ein Reporter einmal fragte, ob sie bei ihren tollkühnen Sprüngen denn keine Angst habe, entgegnete sie ihm in unverfälsch­tem Frankfurterisch:Mehr wie erunnerfalle kann ich net!".

der HI., des BD7N. und den übrigen angeschlossenen Verbänden, Organisationen und Vereine die Zahl der einzusehenden Personen fest. Daß durch die Ortsgruppen vor allem die Parteigenossen organi­siert werden, ist eine Selbstverständlichkeit.

Der Arbeitseinsatz erfolgt im vorherigen Beneh­men mit den zuständigen Ortsbauernführern der in Irage kommenden Ortschaften. Es ist unbedingt da­für zu sorgen, daß am kommenden Wochenende auch tatsächlich gearbeitet wird, damit die Ernte so schnell wie möglich unter Dach und Fach kommt.

Es muh eine Ehre für jeden Deutschen sein, der Landwirtschaft in dieser großen Zeit tatkräftig zur Seite zu stehen und zu beweisen, daß die Heimat- front sich bewußt ist, was sie unserer siegreichen Wehrmacht gegenüber schuldig ist. Auch hier gilt es, eine neue Schlacht zu schlagen!

Backhaus, Kreisleiter.

Flieger und etwa 1000 für die Nachrichten truppe sind aus chrer Werkstatt an die Front gegangen, dazu über tausend Ballonhüllen. Unzähligen Flie- gern und Beobachtern Hot ihr Fallschirm das Leben gerettet. Und als am 10. April 1917 vor Verdun zehn deutsche Fesselballons abgeschossen wurden, deren Besatzungen sich sämtlich mit den Fallschirm men der Frankfurterin retten konnten, überreichte ihr der Kommandierende General der Luftstreitkräfte, o. Hoeppner, das Derdienstkreuz für Kriegs» Hilfe. Hessische und bayerische Auszeichnungen folg­ten. Lange Jahre war der Name Kätchen Paulus dann vergessen. Erst 1935 beim Zusammentreffen der Vorkriegsflieger in Berlin, erinnerte man sich ihrer und feierte sie als die erste deutsche Fallschirm- pilottn. Wenige Monate später ist sie in Reinicken­dorf still gestorben. Jo Froesch.

Bemerkungen. Wenn der Wind nicht aus der er» wünschten Richtung kommt, dann wird derstarke Mann gesucht, der die Windachse dreht". Neuer­dings wird sogar eindrehbarer Berg" verlangt. Wenn es sehr heiß ist, dann wird einHerren­salon" aufgemacht, das heißt, die ganze Bande schmiert sich mit Hautkreme em.

Mit diesen Kostproben wollen wir es genug sein lassen. Sie zeugen davon, welcher frisch-fröhlicher Geist in der Segelflieger-Jugend herrscht.

Selbstverständlich ist die ganze Schulüngsarbeit von einem großen Ernst bestimmt. Die Fluglehrer gegenwärtig sind es Fluglehrer Karl S ch m i d t und Unteroffizier Seng tragen alle Verantwor­tung. Geschult wird nach genauesten Dienstanwei­sungen. Die Flugzeuge werden ständig überprüft. Ueber jeden Flug wird genau Buch geführt. Mit einem Blick über die eindeutigen Zeichen orientiert sich der Fluglehrer sehr schnell über die Leistungen seiner Schüler. Er weiß genau, mos er dem einzel­nen zumuten kann. Vor jeder Schulung muß sich der angehende Segelflieger verpflichten, 5 0 A r b e i t s - stunden beim Bau eines Segelflug­zeug e s a b z u l e i st e n. Fleiß, Ausdauer, Idealis­mus und Mut das sind die Eigenschaften, die der zukünftige deutsche Flieger in sich vereinigen muß. N.

Alle helfen bei -er Ernte!

Ein Aufruf des Kreisleiters.

Wie Ludwig Ganghofer zu dem Stoff seines ersten erfolgreichen VolksstückesDer Herr» gottfchmtzer von Ammergau" und zugleich zu einer wertvollen Lebenserfahrung kam, hat er selbst in seinen Erinnerungen humorvoll erzählt. Er war in München mit dem berühmten Komiker Richard Alexander befreundet uni» wanderte mit ihm im Jahre 1880 zu den Oberammergauer Festspielen. ^>ie nahmen den Weg über die Berge, verirrten sich in furchtbarem Regenwetter und kamen spät abends in Ammergau an, als das Spiel längst vorbei war. In ihrem schauderhaften Aufzug wurden sie in allen Hotels abgewiesen. Schließlich fanden sie Unterkunft bei einem braven Manne, der im Sommer Maurer und im Winter Herrgottschnitzer war. Sie bekamen eine winzige Stube mit einem Lederkanapee und einem Bett. Die beiden losten um das begehrte Bett und Ganghofer bekam das Kanapee, das'stein- hart war. Plötzlich aber verließ Alexander unter einem Vorwand das Bett und das Zimmer, worauf Ganghofer in das Bett stieg. Alexander kommt bald wieder und legt sich ruhig auf das*harte Kanapee. Es dauert nicht lange, so weiß der Mann im Bett, warum ihm dieses überlassen wurde: er wird furcht­bar zerstochen.Seit damals", schreibt Ganghofer, ist mir, wenn Freunde teilen, die schlechtere Hälfte' immer die liebere. Und wenn mir später etwas kbief ging, dachte ich zum Trost immer an das Kanapee. c. K.

Europas erste Lustheldin

Erinnerungen an Kätchen Paulus.

Heldenmut und Kühnheit deutscher Fall­schirmjäger haben die Welt in Erstau­nen gesetzt. Aus demRettungsgürtel der Luft" haben geniale Strategie und deutscher Wagemut ein Angriffsmittel von überraschen­der Wirkung gemacht. Die Entwicklungs­geschichte des Fallschirms ist aufs engste mit dem Namen Kätchen Paulus verknüpft, einer jungen Frankfurterin, die um die Jahr­hundertwende durch ihre kühnen Abstürze Die Vorurteile gegen den Fallschirm zu bekämp­fen mithalf; sie ist auch die Erfinderin des zusammenlegbaren Fallschirms gewesen.

Es ist an einem heißen Julitag vor fünf Jahren. Ueber einem offenen Grab auf dem kleinen Fried­hof der Dankeskirche im Norden Berlins spricht der Geistliche. Ein Schulkind trägt auf den Händen ein himmelblaues Ordenskissen, die Kriegsauszeich­nungen der Verstorbenen. Oft hat Pfarrer Dor- row in den letzten Jahren der Greisin in ihrer kleinen Wohnung, umgeben von Trophäen und Er­innerungsstücken, gegenübergesessen. Er ist selbst im Kriege mit der Luftschiffertruppe ins Feld gezogen und hier vor dieser kleinen Trauergemeinde kann er nichts anderes, als noch einmal das Lebenswerk von Deutschlands erstem fliegenden Fräulein, von Europas erster Luftheldin zu preisen.

Kätchen Paulus ist begraben. Auf dem frischen Hügel liegt ein Kranz mit rotweißer Schleife, der letzte Gruß ihrer Vaterstadt Frankfurt. Eine sonder­bare. Fügung des Schicksals hat ihren Lebensweg bestimmt. 1893 war die Sechsundzwanzigjährige mit ihrer Mutter zur Kur in Wiesbaden. Im Garten ihres Pensionshauses ging ein Ballon nieder, mit dem der Luftschiffer Hermann Lattemann Fallschirmexperimente unternahm. Von Stund' an wich Kätchen Paulus nicht mehr von der Seite des interessanten Mannes und ein paar Monate später war sie seine Verlobte.

In Ledergamaschen, Pluderhosen, eine Matrosen­mütze keck auf die langen Zopfhaare gedrückt, stand sie ein paar Tage später im Kurgarten neben dem Ballonkorb; sie wollte mitfliegen. Die Gäste der

wird, ist derStartschnick". Er wird mit mehr oder weniger genau erwogener Energiein die Gegend geschnirpst". Wenn er während des Fluges das Höhensteuer recht viel bewegt, dannpumpt" er. Er zieht" oder ,chrückt", er läßt das Flugzeug nach der einen oder anderen Seitehängen". Ein be­sonderes Kapitel ist die Landung. Wenn er hart aufsetzt, dann hat er eineBumslandung" gemacht. f)at die Kufe (Schnauze") desZöglings" gar die Wiese aufgerissen, dann hat der junge Segelflieger Erdöl gebohrt". Wenn er aber Mein holz" macht, dann ist es das ehrenrührigste, was ihm passieren kann. Er ist dannBruchpilot" und gerät für einige Tage in Acht und Bann. Vor spöttischen Bemerkun­gen kann er sich dann kaum mehr retten. Weniger ehrenrührig ist die Funktion desSchwanzpiloten". Schwanzpiloten" sind diejenigen beiden Kame­raden, die das Flugzeug am Schwänze festhalten müssen, wenn das Gummiseil ausgezogen wird. Wenn der Wind in den Verspannungsdrähten der Maschine pfeift, dann ist dasMusik", oder:es rauscht in den Schachtelhalmen". Wer im Flugzeug nicht genugFahrt" hat, und jeden Augenblick ab­zusacken droht, hangt wie einereife P laume" in der Luft.

Aber auch sonst gibt es noch mancherlei spaßige

Von Gtattfiguren, Attrappen und Bruchpiloten

Erlauschtes aus dem Sprachgebrauch der Gießener Segelflieger.

Dilskuppe" bei Maar und Lauterbach, das ist für die Gießener Segelflieger im NSFK. und für die Hitler-Jugend der Fliegergefolgschaften längst zu einem feststehenden Begriff geworden. Bilskuppe das bedeutet Segelfluggelände, Hänge, leichtabfal­lende Wiesen, stetigen Wind über weiträumiger Landschaft, Thermik über reifenden Getreidefeldern, und es bedeutet für viele Hitlerjungen aus dem Bann 116 das früheste, das erste und sensattonelle Gefühl und Erlebnis des Fliegens. Gegenwärtig und für den Zeitraum von 6 Ferienwochen wird geschult". Es finden drei Kurse statt, die über je­weils 10 Tage führen. Ziel ist, möglichst viele Teil­nehmer soweit zu schulen, daß siedie A^rii» fung fliegen können.^-Prüfung", das bedeu­tet 5 Flüge zu je 20 und 1 Flug über 30 Sekunden Dauer Ein Kursus ist bereits abgeschlossen. Von 36 Teilnehmern konnten 14 die A-Prüfung erfolg­reich ablegen. Ein ausgezeichnetes Ergebnis! Der zweite Kursus ist seit einigen Tagen im Gange. Von den 40 beteiligten Hitlerjungen konnten bereits 8 die ,.A fliegen. Dabei war die Witterung dem Fluq- unterricht nicht sonderlich günstig.

Ein besonderes Vergnügen bereitet es, die Segel­flieger zu belauschen. Sie sprechen eine besondere und originelle Sprache. Diese Sprache der Segel- slieger, die naturgemäß Wandlungen unterworfen ist, ist plastisch und bildhaft. Einige Beispiele seien hier serviert. Ein angehender Segelflieger kann na­türlich nicht gleichfliegen". Er muß sich erst in einigenRutschern" üben. Das bedeutet für ihn, daß das Flugzeug bei den ersten Starts den Bod.en nicht verlassen darf. Die nächsten Stationen sind einigeSprünge". Das Flugzeug erhebt sich nur wenig vom Boden. Was unter 10 Sekunden Flug- bauer liegt, istSprung". Was über 10 Sekunden Flugdauer liegt ist schonFlug".

Der junge Segelflieger, der nur langsam kapiert, was er mit dem Steuerknüppel zu tun hat, ist eine trübe Nuß". Wer sich gut anstellt, ist einFlie­ger". Unerläßlich für den Segelflug sind die Gummihunde". Unermüdlich müssen sie das Gummiseil ausziehen, um das Flugzeug zu starten. Das geht oft vom frühen Morgen bis zum Abend. Wenn sie nicht mehr recht können, weil sie müde sind, bann werden sieStartfiguren" genannt. Wenn sich die Gummihunde gar faul auf der Wiese räkeln und immer erst aufgerufen werden müssen, bevor sie sich in Bewegung setzen, bann sinken fic . zuAttrappen" herab.

Der junge Segelflieger, der auf bem Sitz festge- ' schnallt wird, nimmt im Augenblick vor dem Start ' Richtungspunkt". Die Gewalt, mit der er gestartet :

Aus der Stadt Gießen.

Gternschnuppenglaube.

Der August ist der Monat des größten Stern­schnuppenfalls. Namentlich in der Zeit zwischen dem 9. und 13. August sehen wir diese leuchtenden Kör­per in großen Massen über den, nächtlichen Him­mel schießen. Solche periodisch wiederkehrenden Sternschnuppenschwärme kennen die Astronomen über hundert. Außer dem Augustschwarm, den wir noch seinem Ausgangspunkt im Sternbild des Perseus als Perseiden bezeichnen, gibt es vor allem den Novemberschwarm aus dem Sternbild des Lö­wen, am 13. und 14. November, die sogenannten Leoniden, ferner als die bekanntesten die Lyriden um den 20. April, die Aquariden um den 6. Mai, die Drakoniden um den 16. Juni und die Andro- meiben um den 27. November.

Die Wissenschaft sagt uns, daß es sich bei den Sternschnuppen um von außen in die Erdatmo- sp.häre eingedrungene kleine Körper, meistens aus Eisen und Stein, handelt, die mit ungeheurer Ge­schwindigkeit durch unsere Atmosphäre rasen, dabei zum Glühen kommen und in wenigen Sekunden verzehrt werden oder explodieren. Verlängert man die Bahnen der Sternschnuppen eines Schwarms nach rückwärts, so treffen die Verlängerungen sich in einem Punkt, aus dem die Sternschnuppen also herzukommen scheinen und der darum der Aus­gangspunkt oder Radiant genannt wird. Manche der Sternschnuppenschwärme stehen mit einem Ko­meten in Zusammenhang und werden ausgelöst, wenn die Erde die Kometenbahn kreuzt, andere kommen aus dem Unendlichen und sind Fremdkör­per, die sich aus bem Kosmos in unsere Sonnen- , weit verirren.

. Das ist die Aussage der Wissenschaft. Was aber , sagt das Volk, das zu allen Zeiten zum nächtlichen Sternenhimmel emporgeblickt und sich über die leuch» lenden Feuerbahnen der Sternschnuppen seine eige­nen Gedanken gemacht hat? Das wunderbare Schauspiel der durch den Himmel schießenden Sterne, die manchmal noch eine sekundenlange Leuchtspur zurücklassen, kann feinen Eindruck auf die empfänglichen Gemüter einfacher Menschen nicht verfehlen. Meistens ist dieser Vorgang als freund­liches, glückverheißendes Zeichen empfunden wor­den, und wir alle kennen den Glauben, daß man sich beim Anblick einer Sternschnuppe rasch etwas wünschen müsse, denndas geht in Erfüllung". Da aber die meisten Sternschnuppen nur sekundenkurz aufleuchten, kommt man mit dem Wünschen zu spät, wenn man sich nun erst darauf besinnt. Daher heißt es auch, das, woran man denkt, wenn man eine Sternschnuppe sieht, wird eine günstige Wendung nehmen. Wir kennen auch das Märchett von den Sterntalern, die dem armen Kinde vom Himmel regnen, worin sich ein alter Volksglaube verbirgt, daß dort, wo ein Sternschnuppe niederfällt, ein großer Schatz vergraben fei.

Eine tiefsinnige Vorstellung vom Ursprung der Sternschnuppen beseelte die alten Inder. Sie glaub­ten, daß der Mensch durch Studium der Veda und durch vorbildlichen Erdenwandel der Lichtnatur teil­haftig werden und als Sternwesen an den Himmel erhoben werden könne. Doch nicht für immer. Ein­mal ist der Lohn für die guten Taten abgelaufen, und dann fällt das Sternwesen vom Himmel herab, um ein neues Erdendasein anzutreten. Eine Be- eelung der fallenden Sterne und ihren Zusammen­hang mit den Seelen Verstorbener finden wir über­haupt häufig. Der antiken Vorstellung, die ihre großen Toten als leuchtende Sternbilder an den Himmel versetzt, steht die andere Auffassung gegen­über, daß für jeden Menschen bei seiner Geburt ein Stern am Himmel erscheint, im Augenblick feines Todes aber dieser sein Stern erlöschend herabstürzt. Darum sagte man, daß in einer Nacht, in der ein reicher Sternschnuppenfall njebergegangen war, viele Menschen gestorben seien. Anderseits fin­det sich aber auch der Glaube, daß Sternschnuppen den Tod eines Menschen oder den vieler Menschen Vorhersagen, und zwar sollen die Menschen dort sterüen, wohin die niederschießenden ©ferne zeigen.

So sehen wir, daß der glückverheißenden Bedeu- tuna der Sternschnuppen auch eine unheilverkün­dende entgegensteht, wie es fast immer beim Volks­glauben ist, wo dasselbe Zeichen bald Glück, bald Unglück bedeutet. Brände, für die man keine Ur-