schwelende Grundproblem der Vereinigten Staaten in aller Form zur Erörterung gestellt.
Die Loge spitzte sich schnell zu. Die Süüstaaten mochten sich als „Konföderierte Staaten" selbständig, wählten einen eigenen Präsidenten, stell» ten ein Heer auf und waren fest entschlossen, chre vermeintlichen Rechte mit allen Mitteln zu verteidigen. Dieser Austritt der Südstaaten aus der Union, den man mit dem aus dem Lateinischen abgeleiteten Wort Sezession bezeichnet, führte zu dem opfervollen Sezessionskrieg von 1861—1865. Lincoln ließ sich aber nicht durch den Anlaß zum Krieg beirren. 1862 erklärte er in aller Form: .»Mein höchstes Ziel in diesem Kampfe ist die Rettung der Union, nicht der Schutz oder die Vernichtung der Sklaverei. Was ich in bezug auf die Sklaverei und die farbige Rosse tue, das tue ich, weil ich glaube, daß es dazu beiträgt, die Union zu retten."
Anfangs waren die Südstaaten siegreich. Aber dann setzte sich doch die zähere germanische Volks- kraft des Nordens durch, nicht zuletzt infolge der mit großem Geschick von dem Deutschen Karl Schurz durchgeführten Neuordnung des Heeres. Dieser hatte nach der mißlungenen deutschen Revolution von 1848 sein Vaterland verlassen müssen. In Amerika wurde er Mitbegründer der noch bestehenden Republikanischen Partei, durch die er Lincoln nahe trat. 3n seiner Seite konnte er für die Ideale kämpfen, um die er in seiner Heimat ver- geblich gerungen: um die innere Einigung eines Volkes! Lincoln zwar sollte dieses Ziel nicht mehr schauen. Wohl erlebte er noch den militärischen Zusammenbruch der Südstaaten. Aber wenige Tage darauf, am 14. April 1865, traf ihn der Dolch eines Meuchelmörd-ers und setzte seiner Laufbahn ein Ziel. Er besiegelte den Kampf für feine Ideen mit dem Tode.
Aber fein Tod war verschlungen mit dem Sieg: fortan galten die Vereinigten Staaten als eine Nation und nicht als eine Vereinigung von Staaten, fortan sollte die Staatsherrschaft völlig und einzig beim Volke der gesamten Vereinigten Staaten ruhen, und die Herrschaft bedeutete, wie es Lincoln m der Kongreßbotschaft vom 4. Juli 1861 ausgedruckt hat: „eine politische Gemeinschaft ohne politisches Oberhaupt." Diese für ein demokratisches Ohr berauschend klingende Definition hat jedoch bald mancherlei Gefahren heraufgeführt. Die „politische Gemeinschaft ohne politisches Oberhaupt" gab der immer mehr sich bildenden plutokratischen Ober- schicht Gelegenheit, in Verbindung mit einer gleichgerichteten Presse und durch rücksichtslose Äußer- achtlassung aller sozialen Verpflichtungen ihre Her- renstelkung zu begründen. Ihre letzte Formung er- hiell sie durch das in sie eindrinqende Judentum, das diesen Weg benutzte, um schließlich in die Staatsämter zu gelangen. So kam der Eintritt Amerikas in den Weltkrieg: aus Profitsucht zur Sicherung der Kriegsgewinne! Aber als unausbleibliche Folge einer nur auf Gewinn gerichteten Politik stellte sich die endlose Kette von Wirtschaftskrisen ein mit den Riesenheeren von Arbeitslosen. Von dem, was Lincoln einst erstrebt, blieb kaum mehr als der Rahmen übrig. Die volkszersetzenden Kräfte der Plutokratie wie des Judentums drängen jetzt zu neuen Entscheidungen. Eine erste Wegdeutung wird die Präsidentenwahl am heutigen 5. November geben.
Am Vorabend der Präsidentenwahl in LtGA.
Neuyork, 4. Nov. (Europapreß.) Am Sonntag herrschte im nordamerikanischen Wahlkampf Ruhe, nachdem die beiden Präsidentschaftskandidaten am Samstag chre Schlußreden gehalten hatten. Oeffenllichkeit und Presse erörtern eifrig die Ao raussagen, mit denen die Montagmorgenblätter überschwemmt sind. Uebereinstimmend wird die Wahl als vollständig offen bezeichnet. Allgemein herrscht die Auffassung, daß eine äußer st knappe Mehrheit — vielleicht nur einige hunderttausend Stimmen — den Ausschlag geben werden. Sollte diese Vermutung zutreffen, dann wird das vorläufige Gesamtergebnis wahrscheinlich nicht vor Mittwoch abend ober Donners- tag bekanntgegeben, weil im Falle einer so kleinen Mehrheit die Abstimmungsziffern aus den entlegenen ländlichen Bezirken, die in einem solchen Falle von Bedeutung wären, erfahrungsgemäß
frühestens 24 Stunden nach der Wahl in Washington einlaufen.
Das Wahlfieber in Neuyork erreichte am Vortag der Wahl bereits einen tziewissen Höhepunkt. Die Zahl der Propaganda-Autos, der Straßenredner sowie die zunehmende Zahl der Parteiabzeichen deuten auf ein starkes Interesse der Oeffenllichkeit. Man hört allgemein die Ansicht, daß die Wahlbe- telligung alle bisherigen Rekorde brechen werde. Im Staate Neuyork sind besondere Vorbereitungen für die Wahlen getroffen. 12 000 Polizeibeamte sind für den Dienst am Wahltage bereitgestellt. Die Ge- richte werden bis zum Abschluß des Wahlaktes geöffnet bleiben, um geringere Vergehen sofort abzuurteilen. Presse und Rundfunk stehen völlig im Zeichen des Wahlkampfes.
,,ss hangt von den Franzosen selbst ab."
B e r n, 2. Nov. (DNB.) Der Laval nahestehende „Moniteur" mahnt erneut zur Geduld bezüglich der Ergebnisse der Politik der deutsch-franzosischen Zusammenarbeit. Das Blatt betont, man könne nicht in einem Augenblick fühlbar die toirtun« gen der neuen Politik ermessen, die Frankreich ein
geschlagen habe. Es stehe auf alle Fälle fest, daß die Hoffnung, die Marschall Petain ausgesprochen habe, keine leere Hoffnung sei. Es hänge sicherlich zu einem großen Teil von den Fran- zosen selbst ab, daß sich diese Hoffnung bald verwirkliche. Aber auch dabei müsie man vernünftig fein; man solle sich nicht einbilden, daß sich auf einen Scblag alles einrenken werde, und daß sich in Kürze das -leichte Leben und alle Bs- guemlichkeiten der früheren Zeit wieder einstellen.
Kriegstreiber aus USA.
Dieser Krieg wird einmal in die Geschichte ein- gehen als die große Auseinandersetzung zwischen den jungen, aufbauwilligen Völkern und jenen „Staatsmännern", die durch diesen Aufbauwillen ihre kapitalistischen Interessen bedroht sehen. Die Frontstellupg ist ebenso klar wie der Ausgang dieses Ringens zwischen zwei Ideologien, von denen die eine der Gesamtheit zu dienen bestrebt ist, die andere aber nur der Profitgier einzelner Cliquen entspringt. Einen nicht unwichtigen Beitrag zur Bekräftigung dieser These liefert das Interview, das Frankreichs früherer Außenminister Bonnet gerade jetzt gab, da der Krieg in ein entscheiden- des Stadium getreten ist, und das nicht nur für
Amerika und der europäische Krieg.
Bonnei warnt. — Frankreichs neue Aufgabe duldet keine Erweiterung des Krieges.
Lyon, 4. Nov. (DNB.) „Le Journal" veröffentlicht ein Interview des früheren Außenministers Bonnet. Er sagte: .Ich habe den heißen Wunsch gehabt, Frankreich vor dem Kriege zu bewahren. Ich glaubte, Frankreich habe nichts -ju gewinnen und alles zu riskieren Ich habe die Münchener Konferenz gewollt und vorbereitet. Ich habe mit Herrn von Ribbentrop die deutsch-französische Erklärung vom 6. November 1938 unterzeichnet, und ich habe sie auch gewollt. Im Mai 1939 habe ich mich geweigert, die Verpflichtungen aus dem französisch- polnifchen Militärbündnis von 1921 weiter zu belassen. Schließlich habe ich alles unternommen, um eine Uebereinftimmung zwischen SB er« l i n und Polen herbeizufuhren, die Frankreich daran hinderte, seiner Vündnispflicht nachzukommen Bis zur letzten Minute habe ich geglaubt, daß eine Konferenz die Rettung des Friedens ermöglichte. Ich war von denen, die man die a r - t e n" nennt, als der Haupturheber des Münchener Abkommens bezeichnet worden. Man verlangte von mir eine Politik des Widerstandes ohne Rücksicht darauf, wie es um unsere materiellen Mittel stand."
Wetter erklärte Bonnet: „Ohne eine Uebereinst immun g zwischen Frankreich und Deutschland gibt es keinen Frieden in Europa und keine Ordnung." Bonnet erinnerte dann an feine Warnung vom 26 Januar 1939 vor der Kammer: „Selbst wenn Frankreich einen neuen Krieg gegen Deutschland führen wird, so wäre es nach dem Kampf gezwungen, in neue Beziehungen und Verhandlungen mit dieser Nation einzutreten. Glaubt ihr etwa, daß diese Beziehungen und diese Verhandlungen nach einem neuen Krbeg, der ein Trümmerfeld hinter sich läßt, angenehmer und einfacher sein werden?" Bonnet wies dann auf die Botschaft des Marschalls P ö t a i n vor einigen Tagen hin, die die zukünf- ttgen deutsch-französischen Beziehungen abgezeichnet habe. Die Unterredung des. Führers mit dem französischen Staatschef habe in den Augen eines jeden eine ungeheure Bedeutung.
Auf die Frage: „Und Amerika, Herr 2TH- nister?" antwortete Bonnet: „Ich habe oft gesagt, daß die Zeit, die ich als französischer Botschafter in Washington verbracht habe, die schönste meines Lebens war. Die treuen Freunde Frankreichs haben mich oft vor falschen Hoffnungen unfeine militärische Intervention Amerikas in Lnropa gewarnt, von bet in unserer Presse ober anberswo so oft mit so viel Leichtsinn gesprochen würbe. Ls ist bennoch früher
oft gesagt worben — unb zwar von den hoch st gestellten Persönlichkeiten — daß, wenn der Krieg ausbricht, Amerika sich sofort auf die Seite Frankreichs und Englands stellen werde, aber ich habe es niemals geglaubt, denn ich wußte nur zu gut, daß das amerikanische Volk — außer den Leuten, die durch Parteileidenschaften oder Ideologien beeinflußt sind — zutiefft den Frieden wünscht.
Die neue Ausgabe, so schloß Bonnet, werde um so leichter durchzuführen fein, je weniger der Kon
flikt in der Wett um sich greift." Je mehr der Krin sich auSdehnt, desto härter wird die Blockade sich für Frankreich auswirken. Je mehr der Kriea sich ausdehnt, je mehr werden sich die durch Mensihev- arbeit aufgestapelten Vorräte verringern und desto schwieriger wird die Lage sich in Zukunft gestalten. Die Ausdehnung des Krieges wird die Völker z u r Katastrophe führen. Sie könnte die Völker bo* zu verurteilen, viele Jahre lang in Uno rd- nunj unb Anarchie zu leben. Deshalb ver« stehe ich nicht, warum man sich bei dem.Gedanken freuen könnte, daß die Völker in einen solchen Tu« mult geraten."
Das pariser Echo des Vonnet-Znterviews.
Paris, 4. Nov. (DNB.) Zu dem Interview Bonnets schreibt Jean Luchaire im ,Le Nouveau Temps", am Vorabend der amerikanischen Präsi- dentschaftswahlen zögere der ehemalige Letter der französischen Diplomatie nicht, zu versichern, daß ohne ein Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland es keinen Frieden in Europa geben könne, daß dieses Einvernehmen fetzt auf dem Wege sei, verwirklicht zu werden und daß infolgedessen die Vereinigten Staaten eigentlich notwendigerweise die zwischen dem Führer unb Marschall Pätain eingetretene SBerftanoigung b e - grüßen müßten. Bonnet hätte von dem unhett- oollen Einfluß sprechen können, ben im Jahre 1939 der amerikanische Botschafter Bullitt unb ber polnische Botschafter Lukasiewitsch in Paris ausgeübt hätten. Diejenigen amerikanischen Kreise, die heute noch irgendeine märchenhafte militärische Unterstützung Großbritanniens in Aussicht stellten, seien an jener unheilvollen geistigen Verwirrung schulb, die Frankreich in den Krieg hineingeführt und es über alle Grenzen der Vernunft hinaus zu Widerstand getrieben haben. Zu viele Sendboten Washingtons hätten mtt dem Versprechen amerika- nischer Hilfe schon vor dem September 1939 zum Widerstand gegen deutsche Ansprüche aufgehetzt. Nach Ausbruch des Konfliktes hätten sie, und zwar immer für den kommenden Monat, ein amerikanisches Eingreifen in Aussicht gestellt. Ohne solche trügerischen Ermutigungsversuche hätten sicherlich zahlreiche französische Politiker nicht gewagt, die Friedensbemühungen Bonnets zu bekämpfen, und später zweifellos nicht mtt dem Ersuchen eines Waffensttlfftandes gewartet, bis die deutschen Truppen die Loire erreicht hätten.
„Paris Soir" sagt, rings um Georges Bonnet hatten im Schoße der Regierung selbst, und zwar
im Einvernehmen mit ber englisch-jüdischen Clique, hervorragende Persönlichketten das abscheulich« Komplott geschürt, so u. a. Daladier, Mandel und hauptsächlich Paul Reynaitt), der Mann Londons, der mehr als einmal den Kopf des Außenministers gefordert habe. An Engländern feien zu nennen Eden, Duff Cooper, Hore-Belisha usw. Die ameri. konischen Kriegshetzer seien gewesen: Roosevelt selbst und Bullitt, die jüdisch-fteimaurerische und die englisch-jüdische Bande, Rothschild, Baruch und Morgenthau, kurz die ganze jüdische Hochfinanz in Amerika und schließlich auch Cordeü Hüll, der Vertrauensmann des Präsidenten. Auch das „Oeuvre" erinnert daran, daß ber frühere ameri. konische Botschafter Bullitt die von Bonnet angedeuteten Ermutigungen zum Krieg in den Pari, fer Salons und in politischen Kreisen betrieben habe, ebenso wie alle, die auf Frankreich eine inter. nationale Kontrolle ausgeübt hätten, wie Mandel, Hore-Belisha, Duff Cooper und die Vertreter der englischen Hochfinanz. Durch eine Ausweitung des Krieges könne in keinem Falle die Lage Frankreichs verbessert webden. Auch im „Ma'tin" heißt es, daß jedes Eingreifen Amerttas in den europäi. schon Krieg an der Seite Englands die Völker nur in Katastrophen hineinführen müsse. Im Gegensatz zu Bonnet habe Daladier leider den billigen Versicherungen gewisser amerikanischer Vertreter ein allzu williges Ohr geliehen. Bonnet habe sich am 31. 8.1939 in die Privatwohnung Daladiers begeben, damit er für die unbedingte Annahme von Mussolinis Note eintrete. Daladier habe sich mit Bon- net einverstanden erklärt. Einige Stunden später im Ministerrat habe er jedoch seine Meinung geändert gehabt, well er inzwischen von dem ame< rikanischen Botschafter Bullitt und dem polm- scheu Botschafter Lukasiewitsch bearbeüef worden sei
uns von größtem Interesse ist. Das Zusammen- spiel der internationalen Hochfinanz wird dadurch in ein Licht gerückt, das selbst den anglophllften „Neuttalen" zu denken geben müßte.
Wichtig ist dabei vor allem die Rolle Arne- ri kas, besser gesagt gewisser amerikanischer Poli- tiiker und Finanziers vom Schlage eines Bullitt, Morgenthau, Rothschild, Baruch und anderer "höchstgestellter Persönlichketten", denen es Frankreich nicht zum geringsten verdankt, daß es in eine Katastrophe größten Ausmaßes getrieben wurde.
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Oer Äuf des Lebens.
Von Hilde Iürsteuberg.
2lls Detlef Jversen, der Herr auf Emshorst, die Nachricht erhalten hatte, daß sein einziger Sohn und Erbe des Gutes in Flandern den Soldatentod gestorben war, war chm zu Mute, als habe mit diesem Schicksalsschlag die Welt für ihn ihren Sinn verloren. Er ritt des Morgens, wenn die Lerchen aus dem Aehrenmeer in den Dunst der Frühe emporstiegen, über seine Felder, sah den Glanz des Sommers über seinem Lande nicht und meinte, die Welt habe ihm nichts mehr zu bieten. Am Abend stand er am Fenster seiner Stube, sah über die weiten Wiesen, über die der Nebel wallte, und ver- ging fast vor Weh über die Vergeßlichkeit feines Daseins. Er hatte die Kraft seiner Mannesjahre damit verbraucht, feinem Sohne eine bessere Zukunft zu schaffen und dafür zu kämpfen — sein eigenes Leben war in so bitteren Zeiten dahingegangen, daß chm wenig Freuden gegönnt waren. Der Sohn, für dessen Geburt er die geliebte Frau hatte hergeben müssen, war Sinn und Zweck seines Lebens gewesen.
Da geschah es, daß eines Tages ein Mädchen von dem kleinen Dorfbahnhofe her nach dem Gute ging, auf dem Hof nach dem Herrn fragte und dann in dessen Arbeitszimmer stand. Sie war blaß und schmal und trug ein schwarzes Kleid, chxe Augen waren, obgleich ihr kleines Gesicht nicht ohne Entschlossenheit mar, ein wenig angstvoll auf den Gutsherrn gerichtet, der breit und abweisend hinter selnem Schreibtisch stand und das Mädchen nach Namen und Begehr fragte.
<5ie Jagte wer sie sei und senkte einen Augen- blick zögernd das Gesicht. Dann sah sie chn traurig an, wahrend chre Augen feucht wurden. „Jcy £ c fyte sie, „daß ich Ihnen dies sagten müßte, daß Ihr Sohn em Kind hat. Es ist ein Junge — ich bin seine Muster."
„6o. Der Gutsherr sah gerade und streng in des Mädchens Gesicht und nagte ein wenig an feiner Unterlippe. Er war überrascht, aber er verbarg es gut. „Wollen Sie sich nicht fetzen?" fragte er und bot ihr nut einer Hanübewegung einen Stuhl an. Sie. nahm den Stuhl auch, und auch er fetzte sich. "Wie alt ist das Kipd?" fragte er bann.
„Vier Wochen."
Er seufzte als hätte er einen Stoß bekommen. „So. Vier Wochen. Noch sehr klein." Er senkte den Kopf und schwieg eine Wette. Vorsichtig, unter den Lidern hervor, bettachtete er das Mädchen. Obgleich sie so jammervoll blaß war, sah sie doch schön aus. Es war ein Zug von Ernst und Würde in ihrem kleinen Gesicht, ihre Haltung hatte etwas erschütternd Trauriges. Der Gutsherr räusperte sich und sah wieder auf. „Wenn Sie Unterlagen haben", sagte er, „werde ich selbstverständlich "für Sie und das Kind sorgen."
Sie sah ihn an, und es war ein stilles, stolzes Lächeln in ihrem Gesicht. „Darum bin ich nicht hier", entgegnete sie. „Ich habe eine Stellung und kann für mich und den Jungen sorgen. Aber ich dachte, daß Sie es doch wissen müßten — jetzt —. ^ier ist der letzte Brief von Heinz, in dem es steht . —- Ihre Stimme wurde plötzlich dunkel, sie preßte einen Augenblick die Lippen aufeinander und weinte dann aus weitgeöffneten Augen ganz sttll und lautlos.
Der Gutsherr wurde unruhig, es erregte ihn, daß dieses Mädchen seinen Schmerz und Kummer kannte und ihn teilte. Vielleicht gab es niemand in der Well, der so sehr mit ihm trauerte wie dieses junge Menschenkind. Er schob eine Weile die Zähne hart aufeinander, dann erhob er sich und streckte ihr die Hand hin. ,Jch danke Ihnen", sagte er rauh/ „ich werde mich um Sie kümmern." Er fragte ' nach i^rem Wohnort, und sie nannte das Nachbardorf, — — dann trennten sie sich.
Als das Mädchen fort war, geriet der Gutsherr unversehens in eine seltsame Versunkenheit. Eine Welle von Zärttichkett klopfte begehrend an fein durcb das Leben und eine strenge Erziehung erhärtetes Herz. Sinnend betrachtete" er den Zettel, auf Öen er des Mädchens Name geschrieben hatte. Gertrud hieß sie. Scheu faltete er den Brief auseinan- öcr den sie ihm dagelassen hatte. Es stand nichts anderes darin, als sich Liebende zu allen Zetten geschrieben haben, aber doch war es, als bräche ein etrom von Frühling und Leben in des einsamen Mannes Stube.
Als er am nächsten Tage durch die Felder nach dem Nachbardorfe ritt, meinte er, das Herz schlüge chm so froh wie in den Tagen seiner Jugend. Sangen die Vögel wirklich so hell? Blühten die Wiefen wirklich so bunt? Und unter dem Ansturm glühender Hoffnungen trieb er sein Pferd voran, um schneller 3-4 seinem Ziele zu kommen.
Das Mädchen empfing ihn verwundert. Sie war im Garten und säuberte die Gemüsebeete vom Unkraut. Zögernd kam er auf dem schmalen Gartenweg zu chr hin. „Ich woltte Sie bitten", sagt er, unb es klang wie das Werben eines jungen Herzens, „mir die Freude zu gönnen, den Enkel heranwachsen zu sehen. Ziehen Sie zu mir."
Sie stand und säuberte chre Hände an der Gar- tenschürze, chre Augen wurden groß und leuchtend wie Blumensterne, ihr kleines Gesicht war ganz erschrocken vor Glück. „3a", entgegnete sie ängstlich und verlegen, „das möchte ich schon, — aber haben Sie fid) das auch gut überlegt?"
Er lächelte mit der ganzen Fülle seiner Lebenserfahrungen und Kenntnisse: „Ich möchte wissen", sagte er, „was es da zu überlegen gibt. Gegen das Schicksal hilft kein Nachdenken — da hilft nur Mut — und — ja — und Liebe —".
Sie sah ihn an unb verstand chn nur halb, aber ste fühlte, daß sie bei rihm geborgen fern würbe. Und ruhig und glücklich führte sie ihn ins Haus, um ihm den Enkel zu zeigen.
Der alte Ebersberg.
Dom „alten Oersberg" laufen zahlreiche Geschichten am Harz um. So diese: Oersberg befand sich mit einem Bekannten auf ber Jagb. Just in dem Augenblick, wo ber Jagbgenösse einen Hasen geschoßen fjatte, tauchte ein Feldgendarm auf.
„Verdammich", rief bei biefer unliebsamen Er- scheinuyg ber Begleiter Ebersbergs, „unb ich hab’ feinen Jagdschein —"
„Das is mich 'ne schöne Geschichte", polterte Ebers- berg. „Da bleiben Se man hier auf ’n Flecke und rühr'n sich nid)."
Ebersberg seinerseits stürzte auf den Hasen zu, nahm chn bei den Löffeln und lief querfeldein. Der Gendarm donnerte J)alt!" und eilte hinter dem Flüchtenden drein. Und da sich Oersbergs lange Beine mäßig rasch von den Ackerschollen toften, so hatte er ben Ausreißer halb beim Schlafittchen unb raunzte: „Mitkommen!"
Der Hase wurde Oersberg abgenommen.
Oersberg folgte geduldig dem Feldgendarm zum Rathaus in N. Dort zückte er feinen Jagdschein. Dann bat er sich feinen Hasen mit einem „Schön' Dank auch fürs Tragen!" wieder aus. Und stiefelte vergnügt davon. £ l.
Dögel als Untermieter.
Der Untermieter erfreut sich häufig keiner großen Beliebtheit, unb bas Verhältnis zwischen dem Vermieter unb ihm ist oft genug nicht feyr harmonisch. Anders in ber Vogelwelt, in der diese Einrichtung durchaus verbreitet ist. Hier entwickett sich zwischen den innig zusammenhausenden unb chre Brut auf- ziehenden Vögeln verschiedener Gattungen, ja, auch zwischen Vögeln und Säugetieren oft ein sehr oertrautes Freundschaftsverhältnis, über das ein guter Kenner der Vogelwelt reizvolle Beobachtungen gemacht hat. Es ereignet sich gar nicht selten, daß Sperlinge in die Nistplätze von Krähtzn hinein chr Nest bauen und von den größeren Vögeln gern geduldet werden. Auch zwischen einem Elsterpärchen und einer Recherfamilie besteht bisweilen eine Wohnungsgemeinschaft, bei der ber breite flache Boden bes Reiherbaues rin sicheres Heim für bas Elsternheim bietet Sehr idyllisch geftaltete sich in einem Falle bas Zusammenhausen bes Königs der Bogel mit dem Zaunkönig. Ein großer Adler hatte seinen Horst entgegen der Gewohnheit dieser Tiere nicht auf einer unzugänglichen Bergfpitze gebaut, sondern in ber Nähe eines Flusses. In dieses Nest, in dem er feine Heranwachsende Brut aufzog, fand sich friedlich eingebaut und ebenfalls von einer Klnderschar bewohnt die Heimstätte eines Zaun- komgparchens. Für den in manchen Gebieten sehr verbreiteten gefleckten Fliegenfänger gehört es überhaupt zu den gewohnten Bauregeln, sein Nest in bas eines anberen größeren Vogels, bejonbers der Amseln, emzubauen. Eine feltfame Freundschaft durch gemeinsames Wohnen hatte sich zwischen einer Brandente und einem Kaninchen entwickelt, die innerhalb derselben, ursprünglich dem Kaninchen gehörigen Hohle hausten. Noch wunderbarer war die Freundschaft, die sich zwischen einer nachbarlich nertraul nistenden Ente mit einem Fuchs entwickelte. Unbdaftigt von dem Appetit des Fuchses gelang es tpr, ihre 8 Eier auszubrüten und die Jungen wohl« at.U93 befm zum Wasser zu geleiten, uuef, Raubvögel werden selten kleinere Vögel, die ihnen benachbart hausen, angreifen. So konnte eine terd>e unbehelligt von dem benachbarten Falken- paare ihre Brut aufziehen. Ebenso seltsam mutet bas friedliche Zusammenleben von Füchsen und Kaninchen an die Tür an Tür ihre Kinderstube bauen. Unbela Hgt von den Füchsen kann die Ka- nin^enmutter ihren Jungen die Nahrung zuttagen, wahrend die jungen Füchse unter den Kaninchen sich chre Spielgefährten wcchlen. QK.


