Ausgabe 
5.10.1940
 
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erfahrene und unbeherrschte Diplomat machte eine Reise nach Rom, die für die Entwicklung des Abes- sinienkonslikts die schlimmsten Folgen haben sollte Man sieht heute die Folgen seiner Sank­tion s p o l i t i k. Als nach der ganzen Entwicklung in Oesterreich und im Sudetenland Chamberlain festzustellen glaubte, daß seine Dersöhnungspolitik mißglückte, beging er die Unklugheit, Polen eine formelle Garantie zu geben. Die Erfahrung Zeigte im September 1939, daß diese Hilfe voll­kommen illusorisch war Schließlich sind die vollkommene Unkenntnis der Macht des Deutschen Reichs, die unglaubliche Langsamkeit der militä­rischen Vorbereitungen, selbst vor einem unvermeid­lichen Krieg, Chamberlain zuzuschreiben, wenn auch nicht ihm allein." England habe sich 1940 ständig im Rückstände befunden, sowohl ideenmäßig wie militärisch.

Kleine politische Nachrichten.

Zum rumänischen Gesandten in Ber­lin ist nach Erteilung des Agrements der Legio­när Ingenieur Crezeano ernannt worden.

Der Dizekönig von Jtalienisch-Ostafrika, zugleich Oberkommandierender der Truppen in Ostafrika, Herzog von A o st a, der in diesen Tagen die Nordfront bereist, besichtigte in Massaua und in der Gegend von Asmara stehende Abteilungen deutscherKriegsfreiwilliger. Er äußerte leine Befriedigung über den guten Eindruck, den die deutschen Freiwilligen machten.

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Japanische Truppeneinheiten, die am 26. Septem­ber in Haiphong landeten, marschierten am Don­nerstag in die Hauptstadt Französisch-Indochinas, Hanoi, ein. Gleichzeitig landeten japanische For­

mationen auf Hanois Flughafen I i a r a m. Nach Abschluß der Verhandlungen zwischen den Militär« behörden Französisch-Indochinas und der japani­schen Truppenführung wurden von den Japanern festgesetzte Angehörige der französisch-indochinesischen Armee freigelassen und beschlagnahmtes Kriegs- material zurückgegeben.

Das bisherige Flaggschiff des europäischen Ge­schwaders der USA., der Kreuzer ,A) m a h a", der seit mehreren Monaten sich in der Tejo-Mündung aufgehalten hat, verließ den Hafen von Lissabon mit Kurs nach Neuyork Das Schiff wird im Rah« men der Neuverteilung der USA.-Streitkräfte dem Atlantik-Geschwader einaegliedert werden. An sei­ner Stelle wird das KüstenwachtschiffCamp­bell" in Lissabon erwartet.

Aus Anforderung der bolivianischen Regierung werden sich USA.-Armee-Ingenieure nach Bolivien begeben, um die militärischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten zum Bau einer Eisenbahnlinie von Santa Cruz nach Dillavilla f-estzustellen. Die Linie, deren Bau durch die Export- und Importbank finanziert werden soll, würde eine durchgehende Nsenbahnverbinüung von der pazifischen Küste bei Arica (Chile) zur atlantischen Küste bei Santos (Brasilien) Herstellen.

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Am 1. Oktober hat der italienische Staat mit der Rückzahlung der letzten Obligationen der p ä p st- lichen Anleihe vom Jahre 1866 im Betrage von 66 Millionen Lire begonnen, die von der päpst­lichen Regierung durch ein Pariser Bankhaus aus­gegeben wurde. Nach der Besetzung Roms im Jahre 1871 wurde die Anleihe von der italienischen Re- gierung übernommen und gemäß dem Tilgungs­plan im Laufe der Zeit abgetragen.

Marinesprache - richtig angewandt.

Der Krieg hat auch die junge deutsche Seemacht in den Mittelpunkt des Geschehens gestellt. Front­berichte und Presse, Rundfunk und Film berichten vom Seekrieg und vermitteln jedem Volksgenossen auch im tiefsten Binnenland lebendige Eindrücke vom Leben und Wirken unserer Kriegsmarine. Be­geisterung und Anteilnahme des einzelnen schlie­ßen aber nicht aus, daß gerade in dem erfreulichen Bestreben, sich möglichst fachmännischer Ausdrücke zu bedienen, in der Allgemeinheit meist einige Ver­wirrung herrscht. Aus dem täglichen Zivilleben oder vom Heer entlehnte Bezeichnungen sowie falsch an­gewandte Marineausdrücke kursieren vielfach in der Öffentlichkeit. in der sich der richtige Gebrauch der Marinesprache mehr und mehr durchsetzen sollte Jeder Deutsche muß seine Kriegsmarine kennen und sich mit den Eigenheiten ihres Wirkungsfeldes ver­traut machen!

Kriegsmarine" ist die umfassende Bezeich­nung für den Wehrmachtteil im Vergleich zu den anderen, Heer und Luftwaffe, und schließt die schwimmende Streitmacht wie die Marinelandtrup­pen, die Dienststellen und den Derwaltungsapparat an Land ein. Spricht man dagegen allein von den Schiffen, also den schwimmenden Einheiten, so sage manFlott e" oderSeestreitkräfte". Entspre­chend sind die kleineren Schiffe und Boote z. B. Torpedoboote, Schnellboote, Minensuchboote zu Fottillen" zusammenaefaßt (sprich: Flottille und nicht Flottillje). Der Führer der gesamten Flotte ist derFlottenchef", der Führer der Flottille Flottillenchef", der Führer eines Kriegsschiffes heißt .Kommandant" nicht Kapitän und noch weniger Kommandeur; Kommandeure werden nur die führenden Offiziere von Marinelandtruppen­teilen (Marineartillerie-Regimenter oder -Abteilun­gen) genannt.

Sehen wir uns nun an Bord eines Kriegsschiffes um und merken uns die Bezeichnungen, die ieder- mann wissen muß, wenn er wie es heute leicht geschehen kann sich über Seekrieg und Seestreit­kräfte unterhält. Bei der einfachen Bezeichnung der Schiffsteile spricht man vom Vorschiff, Mittelschiff, Achterschiff je nachdem, wo die deutsche Flieger­bombe oder der Torpedoschuß getroffen hat, vorn, Mittelschiffs oder achtern. Die Spitze des Schiffsrumpfes ist d e rBug", das entgegengesetzte Ende dasHe ck". Am augenfälligsten an jedem Schiff sind Schornstein (nicht Schlot) und M a st, die das Gesicht des Schiffes ausmachen. Die umbauten Masten unserer modernen Kriegsschiffe, deren schwere Einheiten meist nur einen hinter der Kommandobrücke aufstrebenden Mast besitzen, wer­den richtigerBrückenturm" oderMastturm" statt Gefechtsturm genannt. Die schweren Geschütze (nicht Kanonen) sind auf dem Dor- und Achterschiff inTürmen" untergebracht; je nach der Anzahl der im Turm vereinigten Geschütze unterscheidet man Zwillings-. Drillings- oder Dierlingstürme. Zur modernen Waffenausrüstung jedes Kriegs- oder Hilfskriegsschiffes gehören die Fluaabwehrwaffen, abgekürzt Fla-Waffen; Fla-Waffen-Flak = Flug­abwehrkanone, Fla-MG. = Flugabwehrmaschinen- gewehr.

Stehen wir a n D e ck nicht auf Deck und sehen über das Vorschiff genau geradeaus, also in der Richtung der verlängerten Mittelschiffslinie, z u r Kimm (Horizont), so heißt die Richtungsbezeich- nungrecht voraus", nicht etwarechts vor- aus2. Entsprechend kann z.B. ein Schiff auch steuerbord" (rechts) oderbackbord (links) vor­aus" in Sicht kommen. Steht der Gegner gerade im rechten Winkel zur Mittschiffslinie, so steht er q u e r a b", während die rückwärttge Richtung mit achteraus" bezeichnet wird.

Um überhaupt betriebsfähig und kampfbereit zu fein, braucht ein Schiff in erster Linie sachgemäße Bedienung. Das gesamte Personal an Bord ist die Besatzung", die Kommandant, Offiziere und Mannschaften umfaßt. Wird dagegen von der Mannschaft" gesprochen, so sind nur die Unter­offiziere und das gesamte seemännische, technische und andere Fachlaufbahnpersonal der unteren Dienstgrade gemeint.

Ein in Dienst befindliches Kriegsschiff fährt unter der ,K r i e g s f l a g g e" und kann weiterhin Kom­mandozeichen führen wie z. B. den ,Kommandan- tenwimpel", dieAdmiralsflagge", falls sich ein Admiral an Bord befindet, oder einenFlottillen­stander", sofern es sich um das Führerboot der Flottille handelt. Während alsWimpel" ein dreieckiges Flaggentuch mit sehr langer Spitze (auch doppelzüngig) gilt, besitzt derStander" dreieckige Form mit kurz auslaufender bzw. auch doppelter Spitze. Wichtig ist, daß an Bord nurF l a g g e n wehen und keine Fahnen. Flaggen werdenge- setzt" odergeheißt", aber nicht gehißt oder aufge- d°?lm o^iede^von^^Bord zu gehen, wird am Kai meist eine einfacheStelling" benutzt, ein brückenartiger Ueberaang, der mit dem Land ver- kündet oder auch bei imPäckchen" (nebenein­

ander) liegenden Booten von Bord zu Bord führt. Ist das Schiff auf Reede vor Anker gegangen oder hat es an der Bojef e st g e macht" nicht angebunden so wird der Weg zur Ausbootung über einFallreep" (heißbare Treppe an der Bordwand) ober über die .^Jakobsleiter" führen, die auch auf See, so z. B. beim Untersuchen von Prisen tm Handelskrieg, verwendet wird, lieber eine Strickleiter" zu klettern, wäre falsch.

Freudige Begeisterung herrscht stets und beson­ders im Binnenland, wenn eine Abteilung der Kriegsmarine unter klingendem Spiel durch die Straßen marschiert oder bei Veranstaltungen und Kundgebungen historische Märsche und Lieder an

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große Tradition erinnern. DieMarinekapelle", die die Herzen der Zuhörer für sich gewinnt, ist aber richtig bezeichnet einM usikkor p s", das nicht von einem .Kapellmeister" dirigiert wird, son­dern unter der Leitung seinesMusikmeisters" (hier gibt es verschiedene Dienstgradbezeichnungen wie Stabsmusikmeister usw.) spiett.

Am unklarsten ist im allgemeinen die Unterschei­dung der verschiedenen S ch i f f s t y p e n. Wie oft mag ein Schlachtschiff dazu verurteilt sein, als Pan­zerschiff zu gelten oder ein Panzerschiff als Panzer­kreuzer angesprochen werden! Daher noch einmal eine Uebersicht über die wichtigsten Kriegsschiffs­typen mit einigen praktischen Beispielen: Von. vorn­herein sind in der deutschen Schiffsliste die Bezeich­nungenPanzerkreuzer^ undLinienschiff" zu streichen, da diese Typen einer vergangenen Zeit angehören unb heute nicht mehr vertreten sind. Die beiden alten ehemaligen LinienschiffeSchlesien" undSchleswig-Holstein" werdenSchulschiffe" ge­nannt. Die schwersten Einheiten der Flotte sind die Schlachtschiffe (wie z. B.©neifenau"), die stärkste Angriffs- und Widerstandskraft also schwere Artillerie, Panzerung usw. besitzen. Sie rechnen zu den Schweren Seestreitkräften. Zu den Leichten Seestreitkräften gehören die Kreuzer, die wiederum in Schwere Kreuzer und Leichte Kreuzer eingeteilt werden. Die Schweren Kreu­zer (z.B.Admiral Hipper") haben eine Wasser­verdrängung bis zu 10 000 Tonnen und sind mit 20.3-cm-Geschützen bewaffnet, während der Typ des Leichten Kreuzers (z.B.Nürnberg") bei uns zu 6000 Tonnen vermeffen ist und 15-cm-Gefchüße führt. Die Leichten Seestreitkräfte umfassen weiter- hin die Zerstörer (1600 bis 1800 Tonnen) und Torpedoboote (600 bis 800 Tonnen); weiter sind die U-Boote (250, 500 und 700 Tonnen zu nennen und ferner die ©eleitboote (600 Tonnen), die Sicherungs- und Geleitdienste bei der Flotte versehen. Die K l e i n k a m p f s ch i f f e gliedern sich in eine Vielzahl von Typen: Schnell- boote, Minensuchboote, Räumboote. Schließlich sind noch die verschiedenartigen Schulschiffe 'für die Spezialausbildung, die Versuchs- und Zielschiffe, Begleitschiffe, die Schnellboots-, Räumboots­und U-Bootsflottillen zu betreuen haben, Trans­port- und Hilfsfahrzeuge zu erwähnen. Im Kriege erweitert sich der Kreis der H i l f s f ch i f f e durch die zum Kriegsdienst herangezogenen unter der Kriegsflaaae fahrenden Schiffe der Handelsmarine: z. B. Fischdampfer und Logger als Vorpostenboote und Hilfsminensucher. Die große Zahl der nicht die Kriegsflagge führenden Hilfsschiffe wie Lazarett­schiffe, Transporter schließt sich an. Sie sind keine Kriegsschiffe.

Was Minen anlangt, so soll ein häufig auf­tretender Irrtum berichtigt werden: Eine treibende Mine ist keine Treibmine. Treibminen stellen eine besondere Minenart bar, der von vornherein der Zweck und die Eigenschaft des Treibens zuge- dacht ist, während es sich bei treibenden Minen einfach um verankert gewesene losgerissene Minen handelt. Eine andere Unterwasserwaffe, der Tor­pedo, heißtber" Torpedo und niemalsbas* Torpedo.

Wenn auch die Sprache der Kriegsmarine oft nicht einfach erscheinen mag, es lernt sich alles mit der Zeit. Nur Mühe geben und beim Gebrauch von einschlägigen Ausdrücken auch auf die richtige An­wendung achten! Zur Uebung gibt u. a. täglich der Wehrmachtsbericht" nichtHeeresbericht Ge- legenheit.

Hcmpnchctftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter bei Hauptichri-lletkers: Ernst Blumschein. Berantwortlich für Polttst und Bilder: Dr. Fr. W. Lange, für das Feuilleton: Tr. Hani Thyriot; für Sradi Gießen, itawtiv, ©Inidiaii u. Sport: Ern» Biumiche.n.

Druck unv Berlag Brühliche Univerntälsdruckerei R. Lauge 8. ®. Berlagsletter: Dr.-Ing. Erich Hamann Srueigenleiter Hane Beck. Beran ln> örtlich ifa ten 5Urbalt der Anzeigen: frflmmei