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Samstag, 5. | Somtag, 6. Oktober 1940

(90. Jahrgang Ur. 256

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Gietzener Anzeiger

«. General-Anzeiger für Oberhessen 6it6en?Sd)Hftra8e 7-9

Die Begegnung am Brenner.

In Anwesenheit der beiden Außenminister sämtliche interessierenden Fragen erörtert.

essen eine Wirklichkeit realisieren, die eine bes­sere Ordnung Europas gewährleistet."

Italienischer Wehrmachisvericht.

Rom, 4.0kl. (DRB.) Der italienische wehr- Machtsbericht vom Freitag hat folgenden Wortlaut: 3m englisch-ägyptischen Sudan haben unsere Lustformationen Feldlager und Verteidi­gungsanlagen in der Zone von Rozeires sowie ein feindliches Feldlager und einen wichtigen Stütz­punkt in der Gegend von G a l l a b a t bombardiert.

Die feindliche Luftwaffe hat Angriffe auf verbera, Afmado, El Uak und auf die Eisenbahnstationen von Afordat und El Aiscia unternommen. Ein neuer Angriffsversuch gegen die letztgenannten Ort­schaften ist von unseren Jägern zurückgeschlagen worden. Rian zählt drei Tote, darunter eine Ein­geborenenfrau, und fünf Verwundete. Die Waterial- schäden find beschränkt.

England lebt von seinen Beständen.

Stockholm, 5. Oktober. (Europapreß.) Lord BeaverbrooksDaily Expreß" versucht seine Leser zu überzeugen, daß die Lage gar nicht so schlimm sei. Das Blatt macht jedoch die Feststellung, daß in der letzten Woche die englischen Schiffsverluste wirklich böse gewesen seien.So hat sie denn chr Auf und Ab, diese grimmige nicht endende Schlacht der Meere, die ohne Einhalt durch- aesochten wird, während unsere Augen auf den Krieg der Lüfte gerichtet sind. Aber in seinen schlimmsten Perioden ist dieser Seekrieg durchaus ebenso böse wie das schlimmste, was wir von den gleichen U-Booten im letzten Krieg erlitten, als der höchste Verlust im Monat April 1917 345 282 Ton­nen betrug. Wenn trotz der Schiffsraumverluste die Ernährung in England noch einigermaßen gut ist, so ist damit nicht die volle Geschichte erzählt; denn wir essen unsere Bestände an Schweinen und Geflügel auf, anstatt sie aufzuziehen, weil wir nicht genügend Fut­termittel e i n f ü h r e n."

Oie Neuordnung.

Die ungeheure politische Aktivität der Achse, die sich eben erst in der Befriedung des Balkans durch Den Wiener Schiedsspruch und den Anschluß Ja­pans im Berliner Dreimächtepakt kundgetan hatte, wird nun erneut unterstrichen durch die zweibe Be­gegnung zwischen Führer und Duce auf dem Bren­ner. Die hier im Geiste der engen Freundschaft, die die beiden großen Staatsmänner seit langem verbindet, gepflogenen Unterhaltungen- werden na­türlicherweise den ganzen Kreis politischer und militärischer Probleme einbezogen haben, der die Achsenmächte heute, wo der ihnen aufgezwungene Krieg in seine entscheidende Endphase getreten ist, bewegt und in vertrauensvoller Zusammenarbeit einer Lösung zugefyhrt wird. In dem gleichen Augenblick, wo in London die innere Unsicherheit der regierenden Plutokratenkaste, die wachsende Mißstimmung des englischen Volkes über eine den furchtbaren Verwüstungen durch die pausenlos über England dahinrollenden deutschen Luftangriffe hilflos gegenüberstehende Führung, der Schock, den man empfindet angesichts des japanischen Ent­schlusses, sein Schicksal mit dem der Achsenmächte zu verknüpfen, sich in einer neuen Kabinettskrisis Luft machten, die mit einer offensichtlichen Der- legenheitslösung endete, in diesem Augenblick wirkt die zielbewußte Ueberlegenheit der Achsenpolitik doppell imposant. Auch draußen steht man, ob man will oder nicht, Freunde und Neider, unter dem ge­waltigen Eindruck der Geburtsstunüe einer neuen Welt. Versailles ist tot, und Staatsmänner von einem' anderen Format, als es die kläglichenFrie­densmacher" von 1919 waren, gehen heute schon daran, der Welt ein neues Gesicht zu geben.

Aus den Erinnerungsbüchern der Lloyd George, Nicolson, Baker, Clemenceau, Masaryk, Nitti u. a. wissen wir, mit welch vagen Vorstellungen, mit welchem Minimum an Kenntnissen und welch leichtfertiger Planlosigkeit diese politischen Scharla­tane damals ans Werk gingen, ein neues Europa zu formen. Nur in einem waren sie sich einig, in Der Vernichtung Deutschlands und der Niederhal­tung Italiens, aber kein großer positiver Gedanke stand ihnen vor Augen. Dölkerschicksale wurden Gegenstand eines elenden Kuhhandels, bei dem jeder den andern zu übertölpeln suchte und Wilson, der mit dem Anspruch des Arbiter mundi nach Paris gekommen war, in seiner gänzlichen Ahnungs­losigkeit von europäischen Dingen notwendigerweise ein völliges Fiasko erleiden mußte. Was dann zu- ftandekam, war jämmerliches Flickwerk, das nicht einmal alle Sieger von bamcZs befriedigen konnte und den Keim der Auflösung bereits in sich trug.

Erschleiche Fortsetzung der Vergeltungsangriffe.

Volltreffer in Rüstungswerken und auf Flugplätzen.

Arn Brenner, 4. OfL (DRV.) 3m Rahmen des regelmäßigen deutsch-italienischen Meinungsaus­tausche^ haben sich der Führer und derDuce heule am Brenner getroffen. 3n einer im Geiste der Achse geführten herzlichen Unter­haltung von dreistündiger Dauer, die in Anwesen he il der beiden Außen- mi n i sl e r slattfand, wurden sämtliche beide Län­der interessierenden Fragen erörtert. Bei dem letzten Teil der Unterhaltung war Generalfeldmarschall Keitel anwesend. Die Besprechung wurde wäh­rend eines Frühstückes im kleinen Kreise fortgesetzt.

lieber den Verlauf der Begegnung des Führers und des Duce erfahren wir noch folgende Einzel­heiten: Der Führer traf zu seiner Begegnung mit dem Duce im Sonderzug um 11 Uhr in der italie­nischen Grenzstation Brennero ein. Der Duce be­grüßte den Führer auf dem mit den deutschen und italienischen Fahnen geschmückten Bahnsteig auf das herzlichste. Der italienische Außenminister Graf Ciano hieß Reichsaußenminister v. Ribben­trop herzlich willkommen. Während ein italieni­scher Musikzug die deutschen und italienischen Na­tionalhymnen intonierte, schritten der Führer und der Duce die Front der Ehrenformation des Heeres und der faschistischen Miliz ab. Der Duce geleitete den Führer sodann zu seinem auf der anderen Seite des Bahnsteiges stehenden S o n d e r z u g , wo die Besprechung im Salonwagen des Duce in Anwesenheit der Außenminister beider Länder be­gann. Nach der Besprechung geleitete der Duce den Führer an seinen Sonderzug zurück und verab­schiedete sich von ihm auf das herzlichste. Be­gleitet von den Klängen der deutschen und ita­lienischen Nationalhymnen verließ der Son­derzug des Führers gegen 14.30 Uhr den Brenner. Wie der Sonderkorrespondent des Mai­länder BlattesSera" noch berichtet, hatten nach der Unterredung im Salonwagen des Duce die bei­den Führer sich mit ihrer Begleitung in den Speisewagen begeben, wo ein Frühstück eingenom­men wurde. Alsdann verabschiedeten sich der Duce und der Führer in herzlicher Weise. Während der Zusammenkunft kreisten drei italienische Flug­zeuge über dem Brennerpaß.

Die siebene Begegnung.

So, wie die Welt gewöhnt ist, die beiden Achsen­mächte Deutschland und Italien stets ebenso zielbe­wußte wie rasche Entscheidungen in großen poli­tischen Fragen treffen zu sehen, so weiß sie, daß Zusammenkünfte zwischen dem deutschen Staats­oberhaupt und dem italienischen Regierungschef im­mer die letzte Klärung und endgültige Entschluß- faffung vor besonders weittragenden Wendungen in der europäischen Politik bedeuten. Diese Zusam­

menkünfte sind, wenn man sie in Beziehung setzt zu dem engen Freundschafts- und Bündnisverhält­nis zwischen den Achsenmächten, relativ selten. Das gehört mit zu den bestimmenden Unterschieden der klaren Politik Deutschlands und Italiens einerseits und etwa der westlichen Mächte andererseits, deren maßgebliche Männer einen großen Teil des Jahres mit Konferenzen aller Art, bald in Genf, bald in Paris, bald in London zu verbringen pflegten.

Die jetzige Zusammenkunft zwischen Adolf Hitler und Mussolini ist die siebente. Die beiden Männer sahen sich zum erstenmal in den Tagen vom 14. bis 16. Juni 1934 in Venedig. Dort begann das persönliche Verhältnis zwischen ihnen, dort wurde auch die erste großzügige Vorarbeit für das spätere Zusammengehen derjenigen beiden Staaten getan, die ein paar Jahre später Europas politische Achse errichten und die politischen Schick­sale unseres Erdteils im Sinne der freiheitlichen Ordnung, d. h. im Sinne der Ablehnung jeglicher Art von Bevormundung durch die Westmächte zu formen berufen fein sollten.

Seitdem gestaltete sich der politische wie der per­sönliche Konnex zwischen den beiden Staatsmännern itnmer enger. Welche Festigkeit inzwischen das deutsch-italienische Verhältnis schon angenommen hatte, das zeigte sich, als Mussolini vom 25. September bis zum 1. Oktober 1937 in Deutsch­land weilte und die beiden Freunde wiederum eine Reihe bedeutungsvollster Besprechungen hat­ten. Der Sinn dieser Besprechungen lag vor allem in jener beschwörenden Friedenskundgebung der beiden Mächte, die sie am 28. September vom Ber­liner Maifeld aus an die Umwelt richteten. Vier Wochen nach feiner Rückkehr nach Rom sprach Mus­solini dann zum ersten Mal das inhallsschwere Wort von der Achse BerlinRom im Sinne einer bünd- nishaften Zusammenarbeit, wie andererseits der Führer in der Reichstagsrede vom 20. Februar das deutsch-italienische Verhältnis und die Gemeinsam­keit der Ziele der beiden Ordnungsstaaten klar herausstellte.

Dom 3. bis 10. Mai 1939 weilte dann b e r Füh­rer seinerseits in Italien, inmitten einer der bewegtesten geschichtlichen Perioden Europas. Noch im gleichen Jahre, am 29. September, waren Adolf Hitler und Benito Mussolini die unbestritten maß­geblichen Männer der Münchener Vierer­konferenz, die im Zusammenhang mit der ge­meingefährlichen tschechischen Frage wieder einmal den Frieden Europas retteten.

Leider haben die beiden großen Staatsmänner keine Partner, die chrer würdig sind. So erfolgte ihre nächste Zusammenkunft am 18. März d. I., fd)on mitten im Kriege, einen knappen Mo­nat, bevor der Sieger über Polen, Dänemark und Norwegen unter deutschen Schutz stellen mußte, um dem englisch-französischen Angriff zuvorzukommen. Die Lage im Südosten Europas und die Folgen einer etwaigen Kriegsausweitung durch die West­mächte dort waren die wichtigsten Themen dieser

Begegnung. Als sich der Führer und der Duce drei Monate später, am 18. Juni in Mün­chen wiedersahen, lag Frankreich am Boden, konn­ten sie die gemeinsame Stellungnahme zu dem fran­zösischen Waffenstillstandsgesuch besprechen. Es ist noch nie um kleine Dinge gegangen, wenn Führer und Duce zusammenkamen!

Das Echo kn Rom.

Rom, 5. Okt. (Europapreß.) Zur neuerlichen Begegnung der Führer der beiden Achsenmächte am Brenner schreibt Gayda, die Zusammenkunft sei ein natürlicher und notwendiger Epi­log der wiederholten deutsch-italienischen Staats- männer-Besprechungen. Die Welt werde fragen, was diese neue Begegnung bringen werde. Aber es fei nicht notwendig, diese Neugierde zu befriedigen. Die Well werde schon rechtzeitig von Fall zu Fall durch die vollzogenen Tatsachen die Auswirkungen dieser Begegnung erfahren. Eines jedoch glaubt Gayda schon betonen zu sollen, nämlich, daß ' es abwegig sei, die Begegnung als ein Komplott gegen den Frieden und die Ruhe der nicht im Kriege befindlichen Staaten auszulegen, in der Art jener Anschläge, die England auf der Suche nach neuen Verbündeten ausbrüte. Weiter stellt Gayda fest, daß durch die Besprechung auf dem Brenner, entgegen feindlichen Ausstreuungen, d i e Solidarität der Führer der Achse und der beiden Völker zum Ausdruck komme. Sie bekunde ferner den Willen, denKrieg bis zum Ende, das heißt bis zum umfassenden Siege, mit allen militärischen und politischen Mitteln zu führen. Die Kräfte der beiden verbün­deten Mächte seien ausreichend und könnten ver­vielfacht werden, um jeder Kriegsdauer und jeder Entwicklung in der Welt begegnen zu können. In dieser völligen Gewißheit könnten sich die Achsen­mächte auch in aller Ruhe mit den großen Grundlinien befassen, innerhalb derer sich d a s neue Europa und das neue Afrika auf­bauen würden.

Tribuna" undLavoro Fascista" erklären, daß man in der Begegnung den Beweis für den solida­risch geführten Kampf der Achsenmächte bis zum totalen Endsieg über England zu erblicken hat. Wir wissen, so schließtLavoro Fascista", daß einer Begegnung der beiden großen Führer harte Schläge für den gemeinsamen Feind folgen werden, die den endgültigen Sieg näher heranbringen werden.Tribuna" sagt, wie Hitler und Mussolini die absolute Gleichheit ihrer Ideale, ihrer Aspirationen und ihrer Pläne festgelegt hät­ten und wie in den beiden Völkern kein anderer Gedanke als der an den Sieg lebe, so erneuere sich mit der Begegnung der Pakt, bis zur voll­kommenen und unausbleiblichen Nie­derlage des Hauptfeindes zu kämpfen.

Die Begegnung der beider» großen Führer Deutschlands und Italien", so schreibt Agentur Ste- fani,erfolgt zu einem besonders interessanten Zeit­punkt: Nach dem glücklichen Zustandekommen des Dreimächtepaktes, während sich England in einer tiefgehen.den Krise befindet, die durchaus nicht nur eine Regierungskrise ist. Die eng­lische Politik hat in der letzten Zeit eine Reche von Mißerfolgen und Fehlschlägen erlitten, die ihren Eindruck nicht verfehlen. Japan hat sich entschlos­sen an die Seite der Achsenmächte gestellt, Ruß­land hat seine eigene Neutralität befräftigt und Amerika bedrängt durch die Lage im Pazi­fik, ist in feinen englandfreundlichen Ein- milchungst enden z en gegenüber Europa nicht mehr völlig frei. Während sich so auf internationalem Gebiet die englische Isolierung verschlimmert, setzen die gewaltigen deutschen Luftgefchwader systematisch ihre Zerstörungsaktion gegen alle lebenswichtigen Zentren Englands fort, in erster Linie gegen Lon­don selbst, das bereits unrettbar verurteilt erscheint. Hinzu kommt, daß Aegypten sich weigert, gegen­über Italien die Haltung einzunehmen, die Lon­don ihm aufzuzwingen versucht, während Indien gegen England offen sein Mißtrauen zum Aus­druck bringt. Die neue Begegnung zwischen.dem Duce und dem Führer an der Grenze der beiden Reiche kennzeichnet die enge italienisch-deutsche Soli­darität in der politischen und militärischen Leitung des Krieges. Die beiden Achsenmächte werden auch weiterhin bis zum Siege und über den Sieg hin­aus Seite an Seite marschieren, in Übereinstim­mung mit den Abmachungen und Plänen, die die beiden großen Führer vereinbart haben, Abmachun­gen und Pläne, die bestimmt nicht den grotesken Erfindungen der Feindpropaganda entsprechen."

Dor her Rückkehr Güners.

Madrid, 4. Oktober. (Europapreß.) Unter der Ueberschrift:Alles logisch und klar" er­klärt die ZeitungMadrid" zur RomBerlin- Reise des Innenministers Serrano Sun er s u. a.: Es gibt nichts mehr, was die klaren Beziehungen der dreieinigen Freundschaft MadridRomBer­lin trüben könnte. Das Verhalten gewisser euro­päischer Regierungen gegenüber Franco wird eben­sowenig vergessen wie der Beginn des jetzigen Krie­ges, in dem d i e Blockade auch über Spa­nien verhängt wurde. Frankreich liegt durch den deutschen Sieg am Boden und England hat seine bisherige Politik absolut nicht geändert. In Lon­don finb diejenigen politischen Elemente vereinigt, die während des spanischen Freiheitskampfes Land und Volk verraten haben und nun auf einen britischen Sieg hoffen, durch den sie glau­ben, wieder unmittelbar in Spanien ihren Einzug halten zu können Die Konferenzen in Berlin und Rom haben einen perfekten Zustand ge­schaffen, alles ist jetzt klar und logisch, und innerhalb einer neuen Ordnung werden die nationalen Inter-

Der Wehrmachtsbericht vom Freitag.

Berlin, 4.Okt. (DRB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Vergeltungsangriffe auf London und die Angriffe auf wehrwichtige Ziele in Süb- und Wittel-England wurden trotz schwieriger Wet­terlage erfolgreich fortgesetzt. 3n einem Gaswerk im Rordwesten von London folgte der Vombenexplosion eine hohe Stichflamme. Kampf­flugzeuge griffen mit besonderem Schneid zwei Rüstungswerke in Coventry und bei Chester an. Volltreffer vernichteten in beiden Werken Wontagehallen und Waschinen. Weitere er­folgreiche Angriffe richteten sich gegen verschiedene Flugplätze im Deichbild von London sowie gegen den Flugplatz von St. E v a l in der Graf­schaft Cornwall, wo hallen, Unterkünfte, Roll­felder und Flugzeuge am Boden zerstört wurden. Besonders wirkungsvoll war ein Bombenangriff

Stockholm, 5. Okt. (Europapreß.) Das bri- ttfche Luftfahrtministerium muhte zugeben, daß es im Laufe des Donnerstags großen Formatio­nen deutscher Bombenflugzeuge, die von Jägern begleitet waren, gelang, den Sperr­gürtel von London zu d u r ch d r e ch e n. Im Süden und Westen der Hauptstadt sei eine große Anzahl von Bomben abgeworfen worden. Auch die Nacht zum Freitag hat weitere deutsche ßuftangriffe ge­bracht. Die deutsche Luftwaffe unternahm gegen London zwei Vorstöße, einen vor Mitternacht und den anderen nach Mitternacht. Dom englischen Nach­richtendienst wird erklärt, die Vorstöße seien weniger heftig gewesen als in den vorhergegangenen Näch­ten, was man auf die ungünstigen Wetterverhäll- nisse zurückführt. Nichtsdestoweniger dauerte der zweite Alarm der Nacht etwa vier Stunden. Es wird bestättgt, daß das Ergebnis der Akttonen Bombenabwürfe über dem Herzen Lon­dons und den Vororten, insbesondere den süd­lichen, südösllichen und südwestlichen Vororten, waren. Es entstanden Brände. Industrieanlagen wurden getroffen, Häuser zerstört und Gas- und Elektrizllätsleitungen unterbrochen. Im übrigen wird nunmehr zugegeben, daß die am Donnerstag durchgeführten Tagesangriffe gegen London weitaus verheerender waren als man zu­erst habe annehmen können.

Große Sorgen befallen die englische Oeffentlich- keit wegen der nun seit zwei Tagen herrschenden schweren Nebel. Während man sich bisher in der Hoffnung wiegte, daß der Nebel einer der

auf das Truppenlager von S k e g n e ß. Volltreffer trafen angetretene Truppen, ein Teil der Unter­künfte geriet in Brand. Rördlich Londons grif­fen einzelne deutsche Kampfflugzeuge Eisenbahn­transporte mit sichtbarem Erfolg an und ver­sprengten Lastkraftwagenkolonnen.

3m Gegensatz zur deutschen LuftkampftäÜgkeit hielt sich die feindliche Luftwaffe bei Tage und in der Radjf fast ganz zurück. Rur ein einzelnes Flug­zeug griff im Westen Deutschlands ein 3ndustrie- werk an, ohne nennenswerten Schaden anzurichten. Einige britische Flugzeuge flogen die norwegische Küste an. Die hier abgeworfenen Bomben blieben ohne Wirkung. Ein Angreifer wurde durch 3äger abgeschossen.

Die gestrigen Gesamtverluste des Gegners belau­fen sich auf 3 Flugzeuge. Vier eigene Flugzeuge sind nicht zurückgekehrt.

Bei den Angriffen aufidie Rüstungswerke in lel-England zeichneten sich Kampfflugzeuge unter der Führung von Oberleutnant Reumann und Leut­nant Bischoff durch besondere Kühnheit aus.

besten Verbündeten Englands im Kampf gegen die deutsche Luftwaffe fei, hat sich nunmehr die Meinung völlig geändert. Man mußte feststellen, daß in diesen ersten schweren Nebeltagen die britische Luftabwehr ziel- und plan« l o s schoß, weil sie nicht in der Lage war, den Feind auszumachen. Infolgedessen sieht man mit größter Sorge den weiteren Kampfhandlungen ent­gegen, da die ausgezeichnet funktionierenden Blindflüge der deutschen Luftwaffe ihre Ziele finden, während die Luftabwehr nahezu erfolglos bleibt. Der Londoner Korrespondent der spanischen ZeitungABC" berichtet, daß am Don­nerstag der erste Nebeltag gewesen sei, wo Londons Straßen in Nebel gehüllt gewesen seien und die Sonne die dichte Nebelschicht, die über Londons Häusermeer lagerte, nicht zu durchdringen vermochte. Die deutschen Bomber setzten jedoch trotz des Nebels ihre Arbeit fort, die Abwehr­geschütze ertönten ebenso wie in der Nacht, die Lust­alarme waren häufig und lang, und Explosio­nen hörte man überall. United Preß berichtet sogar, daß die Tagesangriffe am Donnerstag d i e schwersten seit Beginn der Luftoffen- fine waren. Die Luftabwehr gegen den infolge des Nebels unsichtbaren Angreifer war so schwer, daß der Verkehr vollständig lahmgelegt wurde. Aus anderen Berichten geht Hervor, daß in mehreren Londoner Vororten eine beträchtliche Zayl Häuser zerstört wurde. Auch ein erfolg­reicher Bombenangriff auf einen von London kom­menden Eisenbahnzug wird zugegeben»

Auch der Nebel schützt England nicht vor deutschen Bombern.