Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
14 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Dies Lächeln wird Bergholz zu einem Brandmal, zu einer Stelle, die nicht aufhören will, zu schmerzen — noch lange, nachdem er sich verabschiedet hat. Dies geschieht nun bald, und er geht tief enttäuscht. Er fragt sich, was für ein Traumbild ihm eigentlich vernichtet worden ist. Vollbrachte das lässig gewährende Lächeln Dietmuthes, das einem andern galt, diese Zerstörung? Warum empört es ihn, daß sie die Huldigung des alternden Geldmannes duldet? Er hat sich schon einmal gesagt, daß es ihn nichts angeht, wie die beiden Menschen miteinander stehen. Und dennoch treibt es ihm die Galle ins Blut — und das ist lächerlich. Jawohl, so lächerlich wie sein ganzes Benehmen. Nichts als Eifersucht ist das alles, denn er ist in die Frau rasend verliebt.
Im Sturmschritt läuft er nach Hause.
Zwanzig Minuten nach ihrem Mann kommt Frau Erna. Sie findet die Wohnung völlig dunkel, schaltet in der Diele das Licht an und geht ins Wohnzimmer. Als hier das Licht aufblinkt, sieht sie ihren Mann im Sessel sitzen. Er deckt die Hand schützend über die Augen.
„Guten Abend, Hans, hast du die ganze Zeit über geschlafen?" sagt sie und tritt auf ihn zu.
Sie wundert sich, daß er hier im Dunkeln sitzt. Sein Gesicht sieht starr und maskenhaft aus wie manchmal nach sehr heftigen Auftritten. „Hast du Kopfschmerzen?" fragt sie.
„Nicht nennenswert", entgegnet er mit einer abwehrenden Handbewegung; dann zwingt er sich zu der Frage: „Hoffentlich hast du dich gut unterhalten?"
„Ganz famos! Eine übermütige Gesellschaft ist das da draußen, die Mädel wie die Söhne. Wir haben im Garten nach der Scheibe geschossen, bis es dunkel wurde. Dann gab es einen fidelen Kaffeetisch mit Grammophonmusik und Rundgesang. Wir sollten auch zum Abendessen bleiben, aber Frau Neumann
K-F. im Kreise Gießen im September.
Aus -er Stadt Gießen.
Oie Natur macht Sprünge.
Die jungen Menschen in dem hoffnungsvollen Allee zwischen 14 und 18 Jahren sind nicht enttäuscht worden: sie können auf Antrag wiederum ihre Zusatz-Kleiderkarte erhalten, 50 Punkte für das stärkere, 40 Punkte für das schönere Geschlecht. Daraus ergibt sich, daß bei der Planung der Kleiderkarte auch die Physiologie mitgewirkt hat. Ein uraltes Wort besagt: natura non saltat, zu deutsch: die Natur macht keine Sprünge. Damit sollte ausgedrückt werden, daß die Entwicklung in der Natur stetig und gleichmäßig vorwärtsschreite. Doch der Mann, der diesen kurzen Satz aufstellte, kann kerin guter Beobachter gewesen sein. Gerade das Gegenteil seiner Lehre ist richtig: die Natur liebt es ganz und gar nicht, eine gleiche ufti> gemessene Ganaart einzuhalten. Sie ist alles andere als pedantisch. Bald gefällt sie sich in raschen Sprüngen, dann wieder in gemächlichem Verweilen, um neue Kräfte zu sammeln.
Aufmerksame Eltern beobachten diese Entwicklung beim Wachstum ihrer Kinder. Wie am Körper, zeigt sie sich auch am Geist. An diesem freilich sind die Feststellungen schwieriger, weil der Maßstab fehlt. So gibt das Verhalten der Heranwachsenden sowohl den Vätern und Muttern als auch den Lehrern Rätsel auf, deren Lösung viel Verständnis und noch mehr Geduld erfordert. Auf Zeiten des Wohloerhaltens folgen Flegeljahre, auf Perioden des Fleißes solche der Unlust und Trägbeit. Mitunter erlahmt eine frühe Begabung, anderseits können sich nun Anlagen plötzlich zeigen, von denen vorher nichts wahrzunehmen war. Das häufige Versagen sogenannter Wunderkinder in fortgeschrittenem Alter ist gleicherweise auf solche Sprünge der Natur zurückzuführen wie das nicht minder überraschende Auftauchen später Talente, die in der Schule als hoffnungslose Nullen galten. Ebensowenig, wie es den Normalmenschen gibt, ist für das geistige Wachstum eine festbegrenzte Norm aufzustellen. Großen Männern, die schlechte Schüler waren, sind ebenso viele, wenn nicht mehr, gegenüberzustellen, die schon auf der Schulbank Gutes leisteten. Die einen wie die anderen Tatsachen vertragen nicht, verallgemeinert zu werden.
Im großen und ganzen läßt sich sagen, daß das geistige Reifen oft seine Grenzen weiterspannt als das körperliche. Dieses liegt in der Hauptsache zwischen dem 14. und dem vollendeten 18. Lebensjahr. Wenigstens macht in dieser Zeit das Wachstum seine größten Sprünge. Freilich sind auch hier nachträgliche Ueberraschungen keineswegs ausgeschlossen. So erinnere ich mich eines Schulkameraden, der in unserer Klasse der kleinste und zugleich der lebhafteste (und auch frechste) war. Etwa mit fünfzehn Jahren verloren wir uns aus den Augen. Ein Zufall fügte es, daß wir uns nach etwa zwanzig Jahren wiedersahen: die Tür geht auf, und ein ungewöhnlich langer Kerl schiebt sich herein, einen Kopf größer als ich, mit langsamen Bewegungen und von zurückhaltender Sprechweise. Das war der „Kleine" von damals, der so quecksilbrig war und die Worte nur so heraussprudelte.
Aber mag es noch so viele Ausnahmen geben, so bleibt doch die Regel bestehen, daß sich der Körper in jenen Jahren zwischen vierzehn und achtzehn reckt und dehnt und daß sich gerade in ihnen die mutwilligen Sprünge der Natur am auffälligsten zeigen. Der Körper wächst sich aus, und die Kleider werden ausgewachsen. Was,oor kurzem noch passend erschien und vorsorglich aus „Zuwachs" gekauft wurde, das erweist sich auf einmal als zu kurz und hoffnungslos überholt. Es kommt hinzu, daß in diesen Jahren nicht bloß bei den Mädchen, sondern auch bei den Jungens sich das Geltungsbedürfnis entwickelt und damit das Verlangen, gut und passend angezogen zu sein. Diesen Wünschen, physiologisch und psychologisch gleicherweise begründet, kommt die Zusatz-Kleiderkarte entgegen. Sie weiß den Sprüngen der Natur mit ihren Mehr- Punkten zu begegnen. Und damit Punktum.
Gießener Künstler bei KD!?.
In dem großen Winterprogramm der NS.-Ge- meinschaft „Kraft durch Freude" für das Rhein- Main-Gebiet, das soeben im KdF.-Monatsheft bekanntgegeben worden ist, wirken auch zwei Künstler vom Stadttheater Gießen mit. Es sind dies Irma A s s i o n (Sopran) und Kammersänger Toni W ei- l e r (Bariton).
Aus dem Veranstaltungsprogramm der NSG. „Kraft durch Freude" im Kreise Wetterau für den Monat September ist u. a. ersichtlich, daß der Theater-Sommerring am Samstag, 7. September, mit der Ausführung des Schauspiels .^Johannis- feuer" von Sudermann im Gießener Stadttheater seine Darbietungen beschließen wird. Die Winterarbeit von KdF. wird am Samstag, 21. September, mit der ersten Theatervorstellung in Gießen beginnen, die zugleich die festliche Eröffnung der Veranstaltungen des Feierabendringes darstellt; an diesem Abend wird das Schauspiel „Sieger" von Ehr. (Siemens zur Aufführung kommen.
Als öffentliche Veranstaltung in Gießen sind vorgesehen: ein Gastspiel von Karl Napp mit »seinen Künstlern unter dem Motto „Die große Lachparade" und ein Gastspiel bekannter Film schauspiel er mit Hilde Meißner, Rotraud Richter, Harry Gondi u. a.
Am Sonntag, 8. September, vormittags, wird die zweite Führung durch das Oberhessische Museum (Gailsche Sammlungen) unter Leitung von Museumsdirektor Dr. Krüger stattfinden.
Im Rahmen der Soldaten-Betreuung werden in Gießen am Sonntag, 8. September, eine Veranstaltung „Lustiges Kunterbunt", am Sonntaa, 22. September, eine Veranstaltung „Musikalisches Allerlei" und am Sonntag, 29. September, eine „Musikalische Feierstunde" gegeben.
Tonfilmstunbe» werden am 22. September in
In wenigen Wochen beginnt der neue Herb stab schnitt der Berufserziehungsarbeit für Erwachsene in den Berufserziehungswerken der DAF. Die wirtschaftliche Entwicklung, die sich für das Handwerk, für die Industrie und den Handel Großdeutschlands ergibt, ist so vielversprechend, daß wir im Hinblick auf die Zahl der vorhandenen Arbeitskräfte mit großer Sorgfalt die Leistungssteigerung der erwachsenen betrieblichen Fachkräfte und Gefolgschaftsmitglieder Pflegen und beobachten müssen. Die in den letzten Jahren schon stark einsetzende Nachfrage nach tüchtigen und wendigen Arbeitskräften hat heute einen so beachtlichen Umfang erreicht, daß er von dem Heranwachsenden Nachwuchs nicht allein befriedigt werden kann. Eine sorgfältige berufliche Förderung der erwachsenen Gefolgschaftsmitglieder nimmt das Amt für Berufserziehung und Betriebsführung der Deutschen Arbeitsfront in den Berufserziehungswerken vor. Das geschieht sowohl in überbetrieblicher Art in besonderen eigenen Uebungsstätten der DAF., als auch in den betriebsgebundenen Berufserziehungswerken der Großbetriebe.
Die Erfolge einer solchen artgemäßen Leistungs- Pflege machten sich vor allem während des Krieges bei den kurzfristigen Anlern- und Umschulungsmaßnahmen für Berufsfremde und besonders für Frauen bemerkbar, wodurch der Industrie und der Verwaltung manches tüchtige neue Gefolgschaftsmitglied zugssführt werden konnte. Um den Erfordernissen der kommenden Zeit entsprechend Rechnung zu tragen, ist die berufliche Förderungsarbeit für Erwachsene in den rund 400 überbetrieblichen und betriebsgebundenen Berufserziehungswerken im gesamten Reichsgebiet für den in den nächsten Wochen beginnenden Herbst- und Winterabschnitt wesentlich verstärkt worden. Die vorgesehenen beruflichen
Heuchecheim im Gasthaus ,^Zum Treppchen nut dem Film „La Habanera", ein Film mit Zarah Leander und einem großen Beiprogramm, ferner im Kreise Gießen am 12. 9. in Holzheim, 13. 9. in Lechgestern, 14. 9. in Ruppertsburg, 15. 9. in Weickartshain, 18. 9. in Alten-Buseck, 19. 9. in Gießen, 20. 9. in Geilshausen, 21. 9. in Rüddingshau- sen, 22.9. in Allendors (Lahn), 24.9. in Beuern, 25. 9. in Lauter, 26. 9. in Allendors (Lumda), 27. 9. in Harbach, 28. 9. in Saasen und 29. 9. in Burkhardsfelden, außerdem noch Sonderveranstaltungen in Gießen am 16. und 23. September durchgeführt.
Betriebswanderungen sind von KdF. für den 15. September für die Betriebsgemeinschaften von Schunk & Ebe, Wind Hof, Poppe & Co., Bänninger G. m. b. H., Heyligenstaedt G. m. b. H., und Karzen- 'tra, Gießen, vorgesehen.
Außerdem laufen noch Fremd sprachen-Kurse und die bekannten Sport-Kurse.
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Für das Winterhalbjahr 1940/41 sind folgende Veranstaltungsringe festgelegt worden: ein Theaterring mit 8 Veranstaltungen, ein Theaterring mit 16 Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Stadttheater uno dem Konzertoerein ein Konzeyt- ring mit 2 X 6 Konzerten, in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Bund, Kaufmännischen Verein und der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde ein Vortrags - ring mit 12 Vorträgen.
Abend-Lehrgemeinschaften, -Aufbaukameradschaften und -Uebungsfirmen sind, entsprechend der jeweiligen Wirtschaftsstruktur und den sonstigen Voraussetzungen, auf allen Gebieten der Wirtschaft und Technik erweitert worden. Neu sind die Spätnachmittags- Lehrgemeinschaften, die zeitlich auf den Schichtwechsel der Gefolgschaftsmitglieder Rücksicht nehmen. Jedem, der zu höherwertigen und verantwortungs- vollssren Aufgabenbereichen gelangen möchte, ist der Besuch der betriebsgebundenen und überbetrieblichen fördernden Berufserziehungsmaßnahmen dringend anzuraten. Versäumte Leistungspflege ist nach dem vierzigsten Lebensjahr — wie Untersuchungen bewiesen — nur schwer nachzuholen. Vorher aber ist genügend Zeit vorhanden, sich die Fertigkeiten und Kenntnisse anzueignen, die in kurzer Zeit in erheblichem Umfange von jedem verlangt werden. Die Deutsche Arbeitsfront bietet in ihren Berufser- ziehungswerken jedem in mehreren Stufen Gelegenheit, an seiner beruflichen Vervolllommnung zu arbeiten.
In diesen Tagen sind 830 verschiedene neue Arbeitsprogrammhefte der Berufserziehungswerke und örtlichen beruflichen Lehrgemeinschaften erschienen, die einen Ueberblick über das neue Arbeitsvorhaben in der Berufserziehung erwachsener Praktiker bieten. Die in diesen Programmheften zum Ausdruck kommende lebendige Art veranlasse jeden Leser, es mit der Teilnahme zu probieren. Die Probe zeigt, daß der Weg vom Mitmachen zum erfolgreichen und leistungssteigernden Mitarbeiter im Berufserziehungswerk erstaunlich kurz ist. Die Kreiswaltungen der Deutschen Arbeitsfront geben gern über die neuen Arbeitsprogrammhefte der Berusser- zi^hungswerke Auskunft.
stündig) durch Frau Lappo-Danilewski für Hörer aller Fakultäten statt. Gasthörer können sich nach Lösung einer Hörerkarte daran beteiligen. Die Vorbesprechung für das neue Trimester ist auf Mittwoch, 11. September, um 18.15 Uhr, im Englischen Seminar, Ludwigftraße 19 II, festgesetzt.
Ministerialrat Weber in Darmstadt f.
Nach kurzer schwerer Krankheit ist der Leiter der Abteilung III (Innere Verwaltung) der Hefsifchen Landesregierung, Ministerialrat Karl Weber, in einer Klinik in Freiburg i. B. im 59. Lebensjahre verstorben.
Ministerialrat Weber stammte aus Gießen, wo er am 12. Juni 1881 geboren war. Seine Jugend verbrachte er dann zum größten Teil in Friedberg. Nach dem Schulbesuch studierte er an der Universität Gießen Jura, hier bestand er im Frühjahr 1902 die juristische Fakultätsprüfung und im Oktober 1905 die Staatsprüfung. Er widmete sich dann dem hessischen Verwaltungsdienst, war frühzeitig im Hessischen Ministerium des Inneren und auch bei verschiedenen Kreisämtern tätig. Seit 1920 war er ununterbrochen im Innenministerium beschäftigt, dort wurde er im Jahre 1922 Oberregierungsrat und 1926 Ministerialrat. Die Leitung der Abteilung III (Innere Verwaltung) der Hessischen Landesregierung wurde ihm im Jahre 1933 übertragen. Daneben leitete er einige Jahre läng noch die Hessische Brandversicherungsanstalt. Bei den gesetzgeberischen Maßnahmen auf dem Gebiete der Verwaltungsarbeit und besonders bei der nach 1933 durchgeführten großzügigen Verwaltungsreform war er in hervorragendem Maße als Mitarbeiter beteiligt.
Bacon.
Mit der Ueb er nähme von dänischem Bacon und dem Verkauf dieses Schweinefleisches durch zahlreiche Metzger ist bei vielen die Frage aufgetaucht, woher dieses Wort bzw. diese Bezeichnung eigentlich stammt. Das Wort Bacon, wie es jetzt gebraucht wird, ist aus der englischen Sprache übernommen und wird etwa wie „Beeten" ausgesprochen. An sich leitet es sich von dem althochdeut^en Wort „pah" her, das soviel wie „Rücken" bedeutet. Aus dem althochdeutschen ,chahho" wurde das mittelhochdeutsche „bache". In den schwäbischen, bayrischen und schweizerischen Mundarten heißt ja auch die Speckseite „i>er Bachen". Dachenspeck bedeutet den Speck der Bache; denn Bache besagt ja auch das Schwein selber. In der Weidmannssprache ist ja heule noch „Bache" die Bezeichnung fiir das wilde Mutterschwein. Früher hieß auch das Masd- schwein Bache. Unter den Sprachforschern herrscht übrigens keine völlige Einigkeit darüber, ob Bache zuerst auf die Speckseite und aus den Schinken angewandt wurde und von d'eser auf das Schwein überging, oder ob man erst nach dem Tiere den Speck und Schinken genannt Hai. Fest steht aber die Tatsache, daß von diesem germanischen Wort der englische Ausdruck. „ba n“ herstammt. Die Engländer entlehnte» diese Bezeichnung schon im 12. Jahrhundert von den Franzosen, denn im Altfranzösischen hieß die Speckseite bacon. Dieses französische Wort geht aber aus unser deutsches ,chahho" zurück.
Bei Fleisch gibiö keine Abfälle.
Im Gegensatz zu anderen Nahrungsmitteln, wie Gemüse und Obst, bei denen auch bei sparsamster Ausnützung häufig doch Schalen oder anderer Abfall ungenützt in den Eimer wandern, gibt es beim Fleisch überhaupt keinen Abfall; denn hier läßt sich alles noch irgendwie verwerten. Sowohl die Knochen von rohem als auch gegartem Fleisch wer- öen ausgekocht — rohe Knochen kocht man sogar zweimal aus — um die durchgeseihte Brühe zur Herstellung von Suppen und Eintopfgerichten zu verwenden. Sehr gut lassen sich auch Knochen von Rauchfleisch, zum Beispiel dänischen Räucherspeck (Bacon) verwerten; man kocht sie gleichfalls aus mb nimmt sie dann zur Herstellung von Hülsen- ruchtgerichten, kräftigen Gemüsespeisen usw. Wenn man Knochen besonders gut ausnützen will, zerkleinert man sie vorher und röstet sie eventuell noch in wenig Fett an. Die Hauptbedingung für die Er- Zlelung einer kräftigen Brühe besteht jedoch darin, >aß man die Knochen genügend lange ausfochen aber besser noch ziehen läßt. Sind Fleischsehnen vorhanden, so werden sie mit den Knochen zusammen ausgekocht. Auch Schwarten von Räucherspeck können hinzugefügt werden. Man darf sie jedoch nach dem Weichkochen keinesfalls fortwerfen, Hein»
Tageskalender für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Die Geierwally". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Vetter aus Dingsda".
Ortszeit für den 6. September.
Sonnenaufgang 6.44 Uhr, Sonnenuntergang 20.02 Uhr. — Mondaufgang 12.21 Uhr, Monduntergang 22.02 Uhr.
Die Reinigung des Lustschuhraums.
In der Luftschutzpraxis fit erneut die Frage entstanden, ob es Pflicht der Mieter oder des Portiers fei, den Luftschutzraum sauberzuhalten. Hierzu stellt die „Sirene" des Reichsluftschutzbundes folgendes fest: Den Luftschutzraum zu säubern ist Angelegenheit aller Beteiligten, für deren Schutz der Raum bestimmt ist. Mithin haben alle Einwohner des
Hauses, ob Hausmeister, Mieter oder Vermieter, sich an der Reinigung des Luftschutzraumes zu beteiligen. Der Luftschutzraum soll so beschaffen sein, daß man sich in ihm aufhalten kann. Dazu gehört in erster Linie eine gründliche regelmäßige Reinigung.
Don der Universität Gießen.
Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:
Professor Dr. Standfuß, Direktor des Instituts für tierärztliche Nahrungsmittellunde der Universität Gießen und des Hessischen Veterinär-Untersuchungsamts, ist von dem Herrn Reichsminister des Innern als Mitglied des Reichsprüfungsamtes für die staatstierärztliche Prüfung berufen worden.
Russische Sprachkurse an der Universität.
Auch in diesem Trimester finden russische Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene (zwei- oder vier-
Gutes Wommen durch Berufserziehung.
bu an Minberwertigem und Häßlichem aus mir herauslockst!"
Er wendet sich zur Tür. Sie schreit auf, stürzt auf lhn zu und umklammert seinen Arm. „Hans!"
Oh, er weiß, sie will nicht den Bruch, sie will nur bßn aiuftritt, die heftige Entladung. Danach soll er ZU Kreuze kriechen, und danach wäre alles wieder gut für sie. Da fällt Ueberdruß ihn an, heftig wie cm Krampf der Wut. Mit einer starken Bewegung befreit er sich von ihren Händen. Sein @e- [10)1 wird blaß, die Oberlippe zieht sich von den Zahnen zurück, die Augen funkeln drohend. So steht er *?.or ihr und atmet keuchend. Sie weicht erschrocken zurück. Vor wenigen Tagen hat sie ihn so gesehen wie jetzt. Sie möchte schreien vor Angst, taumelt 2>l.roan und wirft sich aufschluchzend nieder. —
•ön fernem Behandlungsraum schaltet Bergholz das Licht em. Heute ist der Raum kalt und ungeheizt. Morgen wird er wieder hier arbeiten, wird den ^-eu en die Zähne ausflicken oder ausreißen. Gute, nützliche Arbeit, Dienst an der Allgemeinheit, dünkte ihn das ehedem. Ja, er wird das auch weiter tun whre, jahrzehntelang. Das ist seine Berufung. Und
bnetl Stunden der Ruhe wird er im Zusammen- leben mit Erna seelisch zu Bruch gehen.
Wie er so steht und nach dem Fenster starrt p»rm pIoSVl$ e.inemtln^eimn^e Erinnerung: Hü. O"kel von ihm, em Mann, der in guten Ver- MMkn lebte, der keine Kinder und keine Sorgen hotttz, wurde eines Morgens erhängt am Fensterkreuz hatt^rV^h» L-bensuberdruh, aus Langeweile er Selbstmord verübt. Jetzt dämmert in ihm F für di- früher nie begriffene Tat.
Er steht m t weit aufgertf enen Augen, ein Schauer lauft ihm über den Rücken, '
$ 65 mit 'hm gekommen, daß eine ein> tau^unflv • • Halt! Das ist es ja gar nicht - roÄm i l* ?05 allein. Es bringt nurbaä sUe=.be»?ufen- ®r fühlt sich wie vergiftet Er ifJ'mnfM6, werkelt. Gram und Enttäuschung.
S 1 5 morden, und ihm graut vor dem ffr . '?ein °s ist ja Wahnsinn!
Er bückt sich in dem Raum um, in dem er täglich Einricktuno^^ felrner«£e™ Zweck entsprechenden ? ? ;>,tIen Weiß letzt in der Sonntags- füdl nnn hJ? .^klemmend wirkt. Mit einem Ge- unh V1^ rr ?UJ die vielerlei Instrumente venketten! ' Äetten fInb bas alles! Verfluchte Skla-
(Forfietzung folgt)
abzuleiten, kann kaum mehr an sich halten. Es läßt ihn aber kalt, er wird sogar innerlich ruhiger. Als er einmal, das Blatt umwendend, mit einem flüch- tigen Blick ihr Gesicht streift und sie es dabei wie lächelnde Neuaier in seinen Augen flimmern zu Wn meint, sagt sie mit vor Erregung tonloser Stimme: „Das geht nicht mehr so weiter! Ich glaube, mir haben miteinander zu reden!"
„Bitte!" sagt er und legt das Blatt auf den Tisch. W Atem geht rasch und hörbar. Die Maßlosigkeit ihrer Empörung macht sie fast hilflos. Er sieht es. „Weshalb fragst du mich nicht?" sagt er beinahe fünft. werde dir die Antwort nicht verweigern." Su belügst und betrügst mich ja!
fickst du fort, um ungehindert deine Lotterwege gehen zu können!"
Er steht auf und sagt achselzuckend im müden Ton: "Ich j>atte erst nicht die Absicht, auszugehen; bin auch kaum zwei Stunden fortgewesen. Aber das ist ja schließlich für die Tatsache belanglos."
„So? Du hattest nicht die Absicht? Soll das deine Ausrede sein?"
reben6""’ $$ benfC 0ar baran' mi$ herauszu- "Wie? Also gibst bu zu, daß du mich betrügst! Du warst wohl bei der Theaterprinzessin?"
„Mit seltenem Scharfsinn hast du das erraten. Da bie Dame mich eingeladen hatte - wenn auch zu keinem bestimmten Zeitpunkt - fiel es mir nachmittags ein, hmzugehen, als ich hier allein saß und mich langweilte. Aber betrogen habe ich dich
So, nun weißt du alles, laß mich letzt bitte in Ruhe!" D }
r- Erna hörte die Worte mit einem verdutzten Ge- fid)t5au5brucf. Ihr Mund ist halbgeöffnet, sie atmet hastig. Sie ballt die Fäuste, kommt ein paar Schritte fit weiß im Gesicht, und ihre Stimme schwankt, als sie ihm zurust: „Du — jetzt zeigst bu m!in°rM?n,chsk ®** Bu bist ei" h-rzloj-r, g-. Ukhi -Üuef rl5 $aar' keine Hand zittert
kL''^ gewohnt sich mit der Zeit auch an bie lösten..^Huldigungen - zum Schaben feiner felbft natürlich. Doch ich weiß, daß du in der Er- redest was du niemals verantworten fannft Ja, ich weiß auch, daß ich dich mit der scho- nungsiofen Wahrheit mehr kränke, als wenn ich dich Undlen lmt?r5 dickst zu führen suchte!
l 6 nL gewisse Berechtigung in bem, was du mir oorwirstt, und staune selbst, was
bekam einen ihrer Kolikanfälle, an befh sie aber f'lbft schuld war. Wie die sich wieder vorgelegt hat
i der Torte und der Süßspeise ... Also manchmal die Frau doch unmöglich! Natürlich wollte sie nun nud) Hause, und wir mußten mit." So plappert Erna eine Weile; merkt dann aber schließlich, daß ihr Mann nicht zuhört. Sie betrachtet ihn unruhig und voll Mißtrauen.
Im Schlafzimmer entdeckt sie dann die Berechtigung dazu: Hans hat sich während ihrer Abwesenheit umgekleidet. Jetzt aber steckt er wieder in bem Anzug, den er vorher getragen hat. So unerhört ist biese Entdeckung, daß es ihr den Atem verschlägt.
Sie sieht sich im Spiegel in ihrem hübschen Nachmittagskleide, wie sie eben mit dem kleinen, zierlich beschuhten Fuß zornig den Boden stampft; wie ihr die Zornröte ins Gesicht steigt und auch ihren weißen vollen Hals rosig anhaucht. Sieht sie so aus, als ob sie sich das gefallen lassen müßte? Angeregt und gutgelaunt ist sie heimgekehrt und nun ...? Jetzt fühlt sie sich tief beklagenswert, von ihrem Mann und vom Leben betrogen. Sie möchte sich auf die Erde werfen, meinen, schreien ... „Nicht jetzt", schluchzt sie in sich hinein, drückt die Fingerspitzen in die Augenwinkel, schluckt, erfrischt sich mit Kölnischem Wasser und atmet ein paarmal tief. Oh, wenn, es ihr darauf ankommt, kann sie sich auch beherrschen!
Beim Abendessen fühlt Bergholz sich von seiner Frau beobachtet. „Das kann ja wieder heiter werden", denkt er. Jetzt spricht er, und sie gibt einsilbige Antworten. Nach dem Essen räumt sie den Tisch ab und trägt das Eßgeschirr selbst in die Küche.
Er geht im Wohnzimmer voll Unruhe hin und her. Erna hat es doch gemerkt, daß er fort war. Er fühlt starkes, quälendes Mißbehagen. Bloß jetzt nicht einen der ihm so verhaßten Auftritte! Er hat ihn freilich heraufbeschworen, aber das fehlt ihm jetzt gerade noch ...
Er merkt, die Spannung feiner Nerven ist jetzt nahe der Grenze des Ertragbaren, eine Kleinigkeit kann eine Katastrophe auslösen. Kalte Wut ist in ihm, eine Erbitterung und Feindseligkeit gegen alle und alles, gegen sich selbst und vor allem gegen seine Frau. Da fällt ihm der letzte Austritt ein, bei dem er nach ihr gegriffen hatte. Gut, daß der Gedanke noch rechtzeitig auftaucht und warnt.
Erna kommt mit gerötetem Gesicht und funkelnden Augen. Sie schweigen beide. Die Luft ist mit Span- nuna überladen. Er raucht, blättert in Zeitschriften sie, die gewöhnt fit, alle stärkeren Eindrücke schnell I


