ilr.50 Erstes Blatt
t90. ZotMMY
Montag, 5. Zebruar 1940
Brüssel, Januar 1940.
,Die
Mmi
Petro-
t u a n t a --
Zn zehn Tagen über 145 ooo Tonnen versenkt
Oer neueste Schlag der deutschen Luftwaffe gegen das britische Geleitzugsystem.
Rom, 3. Febr. (Europapreß.) Rach einem Bericht aus San Juan auf Porto Rico ist die amerikanische Besatzungstruppe von 1500 Mann aus 15 000 Mann erhöht worden. Porto Rico sei somit de facto zum 49. Bundesstaat der Nord- amerikanischen Union und das Karibische Meer nun tatsächlich ein wahrhaft amerikanisches Binnenmeer, das amerikanische Mittelmeer, geworden. Außerdem habe Präsident Roosevelt, angeregt von den hohen Marine-Kommandostellen, seinen alten Plan der Erweiterung und Verstärkung des Marinestützpunktes von n am o auf Kuba wieder aufgegriffen, der in amerikanischen militärischen Kreisen das amerikanische Gibraltar genannt wird.
Berlin, 4.Febr. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
3m Westen keine besonderen Ereignisse.
Wie bereits durch Sondermeldungen bekanntgegeben, hat die d e u t s ch e Luftwaffe im Rahmen der Aufklärung über der Nordsee am Z. 2. britische Kriegsfahrzeuge und bewaffnete oder im Geleit fahrende Handelsdampfer angegriffen und trotz stärkster Flak- und Zagdabwehr ein Minensuchboot, vier Vorpostenboote und neun Handelsdampfer versenkt. Zahlreiche weitere bewaffnete Handelsdampfer wurden teilweise erheblich beschädigt. Sämtliche versenkten Handelsdampfer wurden in britischen Geleitzügen angegriffen. Drei eigene Flugzeuge sind vom Feindflug nicht zurückgekehrt.
Nach zuverlässigen Nachrichten betrugen die in der Zeit vom 21. bis 31.1, 1940 als Folgen des Seekrieges entstandenen Verluste an englischen, französischen und neutralen Handelsschiffen zusammen 1 4 5 6 0 3 B r t.
Oie Blockade der britischen Inseln.
nach Frankreich übergetretene spanische Bergarbeiter kommen zu lassen, ist bei den belgischen Rechtskreisen auf heftigen Widerstand gestoßen, hat man nun auch die anderen Ausländer — polnische Pelz- und handtaschen-hersteller, Besitzer italienischer Restaurants, spanischer Weinstuben und schweizerischer Wäschereien — nicht so nötig wie gerade diese Bergarbeiter, so denkt die belgische Regierung vorläufig doch nicht daran, ihnen etwas zuleide zu tun. Etwas anders steht es jedoch in Belgien mit jener Sorte von Ausländern, die als Emigranten ein ihnen anfänglich entgegengebrachtes Mitleid oft bitter zu enttäuschen wußten. Nur für diese ist schon vor Monaten in Merxplas bei Antwerpen ein Konzentrationslager errichtet worden.
Wochenendreden englischer Kriegshetzer.
Wie Kriegsminister Stanley sich einen „ehrenhaften Frieden" vorstellt.
Berlin, 4. Febr. (DNB.) Im Rahmen der englischen Redeninflation meldeten sich am Wochenende Oliver Stanley und Eden zum Wort. Stanley
wirtschaftlichen Nationalismus mit ihrem . leum, Getreide, Vieh, Metallen und Holz erheben. Nötigenfalls werden wir auch für die f ü d a m e r i - konischen Staaten eine Strafe finden und jedenfalls für Japan. Mussolinis Italien und Francos Spanien werden ihr imperiales und lateinisches Schicksal im Mittelmeer sowie ihre Autarkie selbst schmieden. Sie werden London und Paris zum Trotz und nötigenfalls gegen London undParis handeln, und weder für London, noch für Paris ihre Freundschaften und Verträge aufgeben oder zulassen, daß andere Gebiete Europas gegen ihren Willen in einen Krieg hineinge- zogen werden. Dieser Krieg wird nur dazu geführt, um den Untergang von politischen und Handelssystemen zu verhindern, die sich während eines Jahrhunderts als politische Unterdrückungs- systeme durch wirtschaftlichen Druck erwiesen
Wirtschaftliche Selbstversorgung sichert Die nationale Freiheit.
Italien durchschaut die Hintergründe des britischen Kriegsziels
richtungen hätten erneuert werden müssen. Die ita>- lienische Luftfahrtindustrie sei zudem selbständig geworden. Die Fliegerschulen seien voll besetzt. Alls Grund der in Abessinien und Spanien gesammelten Erfahrungen seien die Flugzeuge erheblich vervollkommnet worden. Neue Maschinen eien im Bau, um es mit den berühmtesten ausländischen Apparaten aufnehmen zu können. Die Luftwaffe sei jetzt zu jeder Probe gerüstet.
Korrektes Verhalten der deutschen Ll-Boote.
Bom Kopenhagener Seegerichl bestätigt.
Kopenhagen, 4. Febr. (DNB.) lieber den Untergang des Dampfers „C a n a d i a n Reefer" der Kopenhagener Reederei Lauritzen vor Kap Fi- nifterre am 18. Januar wurde vor dem Kopenhagener See - und Handelsgericht verhandelt. Ein dem Gericht vorgelegter gemeinsamer Bericht des Kapitäns, des Ersten Steuermannes und des Ersten Maschinenmeisters der „Canadian Reefer" über ihre Versenkung stellte sich als eine unbefangene Widerlegung der englischen Lügen über das angeblich rücksichtslose Verhalten der deutschen Seekriegsstreitkräfte gegenüber den Besatzungen neutraler Schiffe dar.
Der Bericht sagt: Die „Canadian Reefer" seit mit einer Ladung frischer Früchte von Haifa nach Glasgow unterwegs von einem deutschen U-Bool an- gehalten worden. Anweisungsgemäß habe sich der Kapitän der „Canadian Reefer" im Boot zu dem deutschen U-Boot begeben, nach Fragen über Ladung und Bestimmungsort des dänischen Schiffes habe der Kommandant des deutschen Bootes seinem Bedauern Ausdruck gegeben, daß er genötigt sei, die „Canadian Reefer" wegen ihrer Banngutladung zu versenken. Der Besatzung fei eine halbe Stunde Zeit zum Verlassen des Schiffes gegeben worden. Der U-Boot-Kommandant habe auch gefragt, ob die Rettungsboote in Ordnung und mit brauchbaren Kompassen und aller sonstigen Ausrüstung versehen seien. Nachdem alle Mann in die Boote gegangen waren, in die auch Reserveproviant mitgenommen wurde, sei von dem U-Boot ein Torpedo gegen die „Canadian Reefer" abgefeuert worden, der mittschiffs in die Maschine traf und ein großes Loch in die Steuerbordseite gerissen habe. Nach 4Vz Stunden in den Rettungsbooten sei die Mannschaft der „Canadian Reefer" von einem spanischen Trawler ausgenommen und nach La Coruna gebracht worden.
USA. verzehnfacht die Besatzung auf Porto Nico.
Pässe, bitte!" Wem hätte bei dieser Aufforderung nicht schon ein wenig das Herz geklopft, obwohl er seine Papiere völlig in Ordnung wußte. Jeder moderne Staat ist gezwungen, eine scharfe Kontrolle der Zu- und Abreisenden und der sich auf feinem Gebiet aushaltenden Ausländer durchzuführen. Seit dem Weltkriege haben sich überall in der Welt die Paß- und Aufenthaltsbestimmungen wesent-
Mailand, 3. Februar. (Europapreß.) Zur letzten Rede des britischen Ministerpräsidenten schreibt der halbamtliche „Popolo d'Jtalia", für England bleibe es wichtig, möglichst viele Nationen in ständiger wirtschaftlicher und damit poMscher Abhängigkeit zu erhalten. Wenn Chamberlain, mit dem britischen Sieg die Wiederherstellung des internationalen Handels wünsche, meine er nicht das Wohl der Völker, roie er glauben machen wolle, sondern die Rückkehr Englands zur wirtschaftlichen und damit politischen Vorherrschaft, die ihren ersten Schlag durch die Verteidigungsmaßnahmen Italiens gegen die Sanktionen erhalten habe. Die Autarkie und die Opfer für die Aufrüstung feinen kein Vergnügen, fondern berechtigte Verteidigungsmaßnahmen Die Wiederherstellung des ^genannten Freihandels käme der Annahme der Abrüstung gleich und würde England und Frankreich das Vorrecht der Rüstung überladen. Selbst die allgemeine Abrüstung wäre eine Posse, wie die ungerechte Verteilung der Rohstoffe, die Waffen im Spiele der internationalen Einschüchterungen und Erpressungen ergänzen sollte. Daher müsse man weiter an die Selbstversorgung glauben, ihr gehorchen und für sie kämpfen
Das Mailänder Handelsblatt „sole schreibt, ob Chamberlain nicht warnend habe sagen wollen, jetzt werde man mit Deutschland abrechnen, um alsdann d i e a n d e r e n A u t a r k i e st aa t e nz e r- f d) mettern zu können. „Soll das heißen: Wenn wir mit euch fertig sind, kommt das faschistische Italien an die Reihe, bas ^ine politische Selbständigkeit mit Autarkie und wirifchast- lichem Nationalismus vervollständigen will. Dann Geht es Spanien an den Kragen, das mit eigenen Mitteln neu erstehen will, ohne sich weiter aus- beuten 3U lassen. Dann werden die Balkanstaaten- an die Reihe kommen, die Anspruch auf
Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8*/,Uhr des Vormittags Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf. für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf. Wiederholung Malstaffel I Abschlüsse Mengenstaffel B
Platzvorschrift nach vorheriger Vereinbarung 25 % mehr.
Ermäßigte Grundpreise Bäderanzeigen und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Rpf.
Das Verbrechen am Burenvolk.
Am 20. Januar 1902 hielt der damalige englische Kolonialminister und Vorkämpfer des englischen Imperialismus, Joe Chamberlain, der Vater des jetzt amtierenden englischen Premiers Neville Chamberlain, im Unterhaus eine Verteidigungsrede für die Greuel, welche die Engländer in den Konzentrationslagern des Burenlandes begangen hatten. In dem Raubkrieg, den Englands Pluto- kratie zu Beginn dieses Jahrhunderts um das Gold und die Diamanten der Burenrepubliken unternommen hatten, sind rund 5000 Buren gefallen, aber Tausende von Burenfamilien in den englischen Konzentrationslagern, die anfänglich beschönigend „Flüchtlingslager" genannt wurden, l) i n g e m o r - bet worben. In Bloemfontein erhebt sich noch heute ein Mahnmal, das verkündet, wie 26 370 Burenfrauen und -Kinder dabei umgekommen sind.
Die englische Regierung ist begreiflicherweise sehr verstimmt darüber, baß die Erinnerungen an die Politik der Konzentrationslager im Zusammenhang mit der englischen Kriegführung wieder so lebhaft geworden ist. Nachdem auch der Führer in seiner Rede vom 30. Januar darauf hin gewiesen hat, wie England damals den Versuch machte, auf heimtückische Art ein ganzes Volk auszurotten, hat man in England natürlich versucht, die Anklage zu entkräften. Als Sprachrohr der englischen Regierung und Öffentlichkeit schreibt in einer sehr kindlichen Auseinandersetzung ausgerechnet die „T i m e s", daß die Burenfrauen ihre Höfe auf gegeben hätten, um zu kämpfen. Nur aus Barmherzigkeit habe dann Lord Milner die Evakuierung befohlen und Frauen und Kinder in Lager bringen lassen, damit sie nicht Hungers ftürben. Im Lager seien zwar Epidemien ausgebrochen, aber die englische Regierung habe alles getan, um die Lage zu verbessern, und bei Friedensschluß fei „befriedigende Bequemlichkeit" vorhanden gewesen, sodaß es verschiedene Buren-
Die Karte mit dem roten Strich
Von unserem p.-Korrespondenien.
argentinischen Getreidekommission veröffentlichter Bericht enthält die bemerkenswerte Feststellung, daß durch bie Versenkung von 18 Dampfern bisher nicht weniger als 110 000 Tonnen argentinisches Getreide die europäischen Bestimmungshäfen nicht erreicht hoben. Der Hauptabnehmer des argentinischen Getreides ist Großbritannien, das den größten Teil der diesjährigen Ernte aufgekauft hat. Die schwedische Presse stellt im Zusammenhang Mit den jüngsten Schiffsverlusten fest, daß Schweden bis jetzt 31 Schiffs mit einer Gesamttonnage von 60 084 Brgt. seit Ausbruch des Krieges verloren hat. 205 schwedische Seeleute kamen dabei ums Leben. Die beiden größten Schiffe waren der 6468 Brgt. große Dampfer „Tajala" und der 6293 Brgt. große Dampfer „Reute r".
Reuter meldet, daß an der Nordostküste Englands der norwegische Dampfer „Tempo Oslo" (629 Brgt.) gesunken ist. Das 7203 Brat, große norwegische Motorschiff „BelpareiU ist auf einer Klippe gestrandet und von feiner Mannschaft verlassen worden. Dieser Verlust trifft Norwegen um so empfindlicher, als dieses Schiff bie größte Kokslast, die bisher auf einem Kiel von England nach Norwegen gefrachtet werden sollte, nach Oslo bringen sollte. Der holländische Dampfer „ß a er t e s" (5825 Brgt.) ist vier Meilen östlich des Feuerschiffes „Royal Sovereign" im Kanal a u f eine Mine gelaufen. Das Schiff befand sich fonttagfrül) im sinkenden Zustand und war von dem ~ ’t der Besatzung verlassen worden.
glaubte feiner traditionellen Kriegshetzerpolitik in feiner Einführungsrede als Kriegsminifter dadurch Ehre machen zu müssen, daß er mit einem Appell an die niedrigsten Haßinstinkte gegen das deutsche Volk sich zum Dolmetscher übelster britischer Propaganda machte. Er entwickelte echt englische Gedankengänge über einen „ehrenhaf - t e n Friede n", indem er mit zynischer Offenheit zum Ausdruck brachte, daß Versailles in den Augen der englisch-französischen Plutokratie kein harter Vertrag war und England es nicht dulden könne, daß Deutschland, gleich unter welchem Führer, jemals wieder ein Machtfaktor Europas werde. Seine Versuche, die Neutralen als von Deutschland bedroht hinzustellen, dürften angesichts der sich ständig verstärkenden Drohung der Westmächte gegen die neutralen Staaten von aller Welt als schlecht verhülltes Tarnungsmanöver erkannt werden.
Die Ausführungen Edens waren lediglich geeignet, das Bild jener abgrundtiefen Heuchelei abzurunden, die der Führer erst kürzlich in feiner Rede als typische Ausdrucksform englischer Politik geißelte. Der Hinweis, daß England gewillt sei, allen Völkern, ob groß oder klein, die Entwicklung ihrer Freiheit zu ermöglichen, dürfte von der Bevölkerung von Malta, Cypern, Irland, Indien, Aegypten und anderen Völkern, die England mit den Mitteln der nackten Gewalt beherrscht, mit erwartungsvollem Interesse ausgenommen werden.
Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
Monat§-vezugsprei§:
Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr. . „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt
Zernsprechanschliiffe unter Sammetnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen
Postscheckkonto:
5rankfurt am Main 11688
haben."
Die Entwicklung der iialiemschrn Lustwaffe.
Rom, 3. Febr. (Europapreß.) Zur Entwicklung der italienischen Luftwaffe im laufenden Jahr kündigt der italienische Unterftaatsfefretär der Luftfahrt, General P r i c o l o , in der Zeitschrift „Bie dell' Aria" an, die Bestände mürben mehr als verdoppelt. Die Luftwaffe werde so hinreichend stark und leistungsfähig zur Erfülluna aller Ausgaben werden, die ihr die Erforbemisse ber neuen Geschicke Italiens auferlegen könnten. Zu biefem Zwecke sei bie Erweiterung der Luftfahrtindustrie, der Fliegerschulen und die Erneuerung des Flugmatericlls verfügt worden. Nach der Teilnahme an den Kriegen in Abessinien und Spanien sowie der Besetzung Albaniens hätte bie Luftwaffe ergänzt und Flugzeuge, Motoren und Ein-
lich verschärft. Es sind zumeist nicht die Negierungen ' gewesen, die plötzlich den Ausländern gegenüber mißtrauisch geworden wären, sondern vielfach d i e Ausländer, die dieses Mißtrauen langsam, aber sicher hervorgerufen haben. Der reiche ausländische Tourist der Vorkriegszeit hat feit dem Weltkriege mehr und mehr dem armen Einwanderer aus dem Osten ober dem Emigranten jüdischer Prä- t gung Platz gemacht.
In Belgien war dies nicht anders als in den [ übrigen westeuropäischen Staaten. Auch hier haben I die schlechten Elemente die guten ebenso in Verruf gebracht. Wer deshalb heute in Brüssel oder in einer anderen Stadt des Landes auf der Post, der Bank, der Polizei zu tun hat, der kann erleben, daß ihn feine Nachbarn mit einem schiefen Blick mustern, wenn er beim Vorzeigen der „Carte d’IdentitS“ jene Karte herauszieht, bie ihren Inhaber durch einen breiteni roten Strich kennzeichnet, eine „Brandmarke", die von manchen Belgiern wie ein roter Scharlachfleck ängstlich gemieden wird. Dabei sind viele Tausende glücklich, wenn ihnen diese Karie mit der Aufschrift „Ltranxer — Vreemdeling“ ausgehän- I digt und später nicht entzogen wird.
In der „Maison Communale“ stehen jeden Tag Hunderte Schlange, alte und junge Männer, Frauen mit kleinen Kindern auf dem Arm, um ihre Aufenthaltserlaubnis für Belgien zu erhalten. Fragt man nach der Nationalität dieser Leute, so stellt sich heraus, daß das keineswegs nur deutsche, tschechische oder polnische (Emigranten sind. Unter den 340 000 IAusländern, die sich nach der offiziellen <5£atiftit zu Beginn des Jahres 1939 in Belgien befanden, zu denen aber natürlich noch eine sipoße Anzahl von illegalen Einwanderern kommt, gab es 71 000 Franzosen , 68 000 Holländer, 38 000 Italiener, 11000 Luxemburger und 5000 Schweizer.
Wer die genaue Reihenfolge der Ausländer in Belgien wissen will, der kann sich folgende Skala anschauen, die ihm den prozentualen Anteil bekanntgibt, den die einzelnen Nationen an der offiziellen Gesamtzahl von 340 000 nehmen. Zunächst kommen die Franzosen mit 21 v. H., dann die Holländer mit 20, die Polen mit 18, die Italiener mit 11, die Deutschen mit 4,3, die Tschechen und Slowaken mit 4,2, die Luxemburger mit 3,3, die Engländer und Iren mit 2,7, die Schweizer mit 1,6, die Spanier mit 1 v.H. Insgesamt sind 94,25 v.H. Ausländer Europäer, 1,13 v. H. Amerikaner. Der Rest verteilt sich auf die ■übrigen Kontinente, wobei in Belgien natürttch der Kongo eine Hauptrolle spielt, an den viele schwarze Gesichter in Brüssel und der Hafenstadt Antwerpen erinnern.
Ihren Wohnsitz haben diese Ausländer, deren Zahl sich seit 1890 verdoppelt hat, in den Industrie- und Handelszentren, also in den Städten und Bergwerksgebieten, genommen. Nicht weniger als 91 OUO sind in der Provinz Brabant, vor allem in Brussel und seinen Vororten zu finden. 68 000 Ausländer gibt es in ber Provinz Hainaut, also dort wo das sogenannte Zentrum des Bergbaues sich befindet. In der Provinz Lüttich rings um bie von schwarzen Kohlenpyramiben umgebene „Ville ardente*, Der Wallonie, leben 50 000 Auslänber, im ttmburgifchen Kohlengebiet 16 000. Der Rest verteilt sich auf Ost- unb Westflandern, bie ebenfalls bäuerlichen Provinzen Namur unb Luxemburg. Soweit bie geographische Verteilung. , , .
Gehen wir nach Berufen vor, bann haben mir 90 000 Menschen, bie als Arbeitgeber, Angestellte unb Arbeiter in ber Jnbustrie, 34 000, bie im Hanbel beschäftigt finb. Unter ben Arbeitern gewinnen an be- fonberer Bebeutung bie 27 000 auslänbifdjen Berg- arbeiter. Sie finb heute wohl bie einzigen Auslänber in Belgien, von bencn bie Regierung nicht einen einzigen missen möchte Denn anderster Stelle der nationalen Probleme Belgiens steht die Kohlen frage. Es hanbelt sich barum, so viel Kohle als nur möglich zu forbern, benn bie Kohle ist ber einzige Rohstoff, über den Belgien verfugt, und den es als Austauschmittel verwenden kann Der Umfang dieser Kohlenförderung ist aber nun mi 2,5 Millionen Tonnen monatlich heute deshalb bei weitem nicht ausreichend, weil die Kohleneinfuhr nach Belgien bis auf ein Minimum gestoppt ist, die belgische Eisenindustrie ausschließlich auf belgische Kohle angewiesen ist, anderseits diese bedeutende Schwerindustrie die notwendigen Erze für Die Aufrechterhaltung der Produktion nur dann bekommen kann, wenn in erhöhtem Maße Ko h le na Austauschgut geliefert werden Im Ergebnis zeigt sich aber nun feit Kriegsbeginn ferne Mehrung, sondern ein recht erheblicher Rückgang m der Kohlenproduktion. Ein Vorgang, der vor allen Dm gen auf einen Mangel an Arbeitern zuruck- ^So^mußEsich die belgische Regierung seit^Knegs- beginn einerseits den Kopf Zerbrechen, wie f Arbeitslosen, die sich um 60 000 vermehrt Haben, -mähren soll, anderseits weiß sie nicht, wie sie Arbeiter für die Kohlenbergwerke beschaffen sollAußer den Polen hat man hauptsächlich noch t sch ech s ch e, italienische und ungarische Bergarbeiter. Der Gedanke, jetzt an Stelle der ausgefallenen Polen im Verlaufe des Bürgerkrieges
Siebener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Druck und Verlag: Vrühlsche Uulversitatzdruckerei R. Lange in Gietzen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7
London, 3. Febr. (DNB.) Die britische ralität sah sich veranlaßt zuzugeben, daß der bri- *
tische Dampfer „Polze11a" (4751 Brgt.) über- größten Teck fällig ist und als verloren gelten muß. Ein von der |


