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3./4. August 19W
Gietzener Anzeiger (General-Anzetger für Gberhesten)
Nr. M Zweites Blatt
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Um die Erdal-Blechdosen mehrmals verwenden zu können, gibt es nun auch Erdal-Nachfüllpackungen.' Diese setzt man einfach in die leere Erdaldose, die sich auf diese Weise lange Zeit verwenden läßt. Deshalb leere Erdaldgsen aufbewahren I Qualität und Menge selbstverständ« lieh wie in der Blechdose.
Das deutsche Volk ist seit geraumer Zeit von neuem in die Zeit eines großen Umbruches eingetreten. Eine solche Zeit ist immer gekennzeichnet durch das Vergehen alter, geheiligter, scheinbar ewiger Werte und durch das Entstehen einer neuen Rangordnung von Werten, die in der Welt der Tatsachen schneller, im Empfinden der Menschen zwar langsamer, aber nicht weniger entschieden an die Stelle der vergangenen Werte tritt. Es ist nun eine Tatsache, daß ein solches Umdenken außerordentlich erschwert wird durch die Benutzung von Begriffen, die je nach dem, ob sie im Sinne des alten oder des neuen Wertsystems gebraucht werden, etwas völlig Verschiedenes bedeuten. Eine der umstrittensten Begriffe dieser Art ist der Begriff der freien Wirtschaft. 1933 hat er in der Auseinandersetzung um den Begriff der Wirtschaftsführung eine entscheidende Rolle gespielt. Auch heute kehrt er in einzelnen Darlegungen über Großraumwirtschaft, unter der sich die im alten Geist Befangenen wieder die alte Freiheit weltwirtschaftlicher Betätigung vorstellen, und in der Diskussion um die Goldwährung, die dieselben mit der Beseitigung der Kontingente und der Devisenzwangswirtschaft gleichsetzen, von neuem wieder. Es ist deshalb an der Zeit, zu betonen, daß die Parole unseres Kampfes „Ir eihe i t d er Artz e i t" , nicht „Freiheit der Wirtschaft" heißt. Großraumwirtschaft, so wie wir sie unp vorstellen, ist nicht eine Art verkleinerte englische Weltwirtschaft, im übrigen aber mit denselben Vorzeichen, sondern eine Gemeinschaft von Volkswirtschaf- t e n. Eine Einführung der Goldwährung, so wie sie die Vorkämpfer der freien Wirtschaft sich vorstellen, würde uns gar nichts nützen, aber im übrigen dem Aufbau unserer neuen deutschen und europäischen Wirtschaft von neuem tausend Schwierigkeiten bereiten. Es ist deshalb an der Zeit, den Begriff der Freiheit in der neuen deutschen Wirtschaft nochmals präzis zu umreißen.
Freiheit der Wirtschaft — das war die Kampfparole des wirtschaftlichen Liberalismus. Er erstrebte damit eine von staatlichen Hemmnissen befreite Wirtschaft, jedoch mit der Absicht, das wirtschaftliche Handeln des einzelnen grundsätzlich und immer von allen einengenden Schranken zu befreien. Als dann die spätere Entwicklung im Gegenteil zu einer durch und durch unfreien Wirtschaft, der Herrschaft des Trusts-, Kartell- und Konzern- kapitcllismus führte, blieb die Fiktion, als ob eine
Frankreich, das seinen Bundesgenossen Rußland mitbrachte, um Deutschland einzukreisen. Es war das alte Prinzip, keine europäische Festlandsmacht so stark werden zu lassen, daß England ein Unbehagen vor ihr spürte.
Seltsamerweise schien die englische Politik im Diktat von Versailles diesen Grundsatz zu vergessen, denn sie lieferte durch die Entwaffnung Deutschlands Europa der völligen Suprematie Frankreichs aus. In den Jahren, da die Luftmacht Frankreichs der englischen überlegen war, wie noch während der Abrüstungskonferenz in Genf, zwang Frankreich auch tatsächlich in seiner schroff antideutschen Haltung die Engländer hinter sich her. Dann aber ließ die kritische Periode des Volksfront-Experiments die Franzosen den Augenblick verpassen, wo sie ihre Ueberlegenheit über das wiedererstehende Deutschland noch hätten behaupten können, und die Forderung des Führers nach gebührendem Lebensraum für das Großdeutsche Reich einte England und Frankreich von neuem in der Entschlossenheit, Deutschland zu unterdrücken. Es war das Unheil der Franzosen, daß sie nicht sahen, wie sehr sie dabei nur das Werkzeug Englands waren. Jetzt, wo sie es in Oran, Dakar und Alexandrien gespürt haben, war es für sie zu spät!
Die grundlegende Wendung kam nach dem Scheitern des deutsch-englischen Ausgleichs 1901. Frankreich konnte Faschada verschmerzen, weil es die englische Zustimmung zur „friedlichen Durchdringung" Marokkos erhielt (mit Ausnahme des Gibraltar gegenüberliegenden Stücks marokkanischen Küste!) und England brauchte
„So?" Was das betrifft, so will der Schuster gar keinen Brunnen haben, jedenfalls nicht in seinem Krautacker. „Scher dich zum Teufel", brüllt er, ,chu Rotznase!"
Gut, das tut der Knabe auch. Mit solchen Leuten läßt er sich nicht ein, die im Gespräch gleich nach dem Hosenriemen greifen.
Ach, es ist jammerschade, gewiß kam der Schuster nur um einen Augenblick zu früh. David hatte es ja schon kühl und feucht unter den Händen. Oder vielleicht war es gar keine Quelle, was die Rute anzeigte, sondern der Schuster hatte dort einen heimlichen Schatz vergraben, es heißt ja, er sei diebisch wie eine Elster. *
Nun, gleichviel, David versucht es geduldig von neuem, rennt gegen Bäume und stolpert über Hühner, die sich auf dem Gehsteig sonnen, und wirklich, die Rute zuckt!
Einmal im Steintzruch, da nützt es wenig. Das andere Mal, während er über den Bach steigt, natürlich, dort muß sie ja zucken. Und zuletzt im Obstgarten, hier kann David endlich mit Ruhe ans Werk gehen. Er holt Krampe und Schaufel, eine gute Weile arbeitet er eifrig im zähen Wurzelwerk, und dann, ja, da habt ihr es! Da rieselt wirklich und wahrhaftig Wasser über das Schaufelblatt, ein kleiner Tümpel glänzt auf dem Grund des Loches.
Soll David nun im Gras knien und den Herrn laut loben oder soll er nur still von bannen gehen und die geheime Kraft bei sich verbergen?
Der Bauer schaut ihm vom Fenster herab zu. „David", sagt er in feiner langsamen Art, „was tust du da, gräbst du mir die Bäume aus?"
„Wasser", schreit der Knabe hinauf.
Er hat eine Quelle gefunden, mit nichts als einem Hafelstecken in der Hand, und mit Gottes Hilfe, selbstverständlich.
„Warte", antwortet der Bauer, und dann kommt er herunter und erklärt dem kleinen David diese Sache. „Das ist keine Quelle", sagt er, „bas ist Grund wasser, verstehst bu? Du kannst es hier herum überall finden, wenn bu tief genug gräbst, unb wenn es nicht so wäre, bann könnte fein Baum wachsen und groß werden, und kein Bach könnte fließen. Ja, und jetzt wirf das Loch wieder zu."
Aber hat die Rute denn nicht tatsächlich gezuckt? Sogar daheim über dem Stubenboden schlug sie aus und was war der Grund? David mußte lange suchen, bis er herausfand, baß in ber unteren Stube ein Kind auf dem Topf saß, gewissermaßen auch eine Quelle, wenn man es genau nahm. David wird an allem irre, er schläft nicht mehr richtig und geht traumverloren umher, unb endlich kommt er zu dem Schluß, daß ihm vielleicht doch der nötige Grad von Heiligkeit noch fehle, weil ihn Gott zuschanden werden ließ. Ja, so beiläufig gelingen einem die Wun-
1 der eben nicht.
Aasgeier.
Von Professor Dr. Or. Hans Krieg, München.
Aasgeier — bas Wort hat einen nicht gerade schönen Beigeschmack. Erstens einmal sind wir geneigt, über Tiere die Nase zu rümpfen, die eine Vorliebe für Dinge haben, welche uns widerlich sind. Uns zweitens scheinen sie uns würdelos, weil sie mit dem vorlieb nehmen, was andere, die Kämpfer und Räuber, verschmähen und übriglassen. „So ein Adler" sagen wir, ,,bas ist doch was ganz anderes, ein Draufgänger, kühn und voller Würde. Er schlägt seine Beute in rasendem Sturzflug und ist ein Herrscher in seinem Reich!"
Natürlich ist das im wesentlichen richtig. Aber so ganz stimmt es doch nicht. Ich habe majestätische Adler schon mehr als einmal beobachtet, wie sie sich an stinkendem Aas die Kröpfe füllten. Wir Menschen neigen nun einmal dazu, alles um uns her zu schematisieren und die Tiere in einer fast immer sehr ungerechten Weise in sympathische und unsympathische, edle und unedle, schöne und häßliche einzuteilen. Sogar die Jäaer sprechen vom .ritterlichen" Schwarzwild, der Fuchs ist der „rote Freibeuter" und das Wiesel nichts anderes als ein verdammenswerter Massenmörder. Für denkende Menschen sollte es klar sein, daß jedes Tier im Haushalte ber Natur seinen bestimmten Platz hat, daß es um sein Dasein kämpft mit den Mitteln, die ihm gegeben sind. Und wenn wir es auch aus diesem oder jenem Grunde ablehnen, manchmal sogar bekämpfen, so verdient es doch unter allen Umständen unsere Achtung, vielleicht sogar unsere Bewunderung. Das gilt nicht zuletzt auch von diesen Aasvögeln, den Geiern.
lieber die Geschmäcker ist nun einmal nicht zu streiten. Unter uns gesagt: Meinen Sie nicht, daß so mancher Käse, etwa ein handfester Mainzer, einen Geruch verbreitet, der jeder Beschreibung spottet? Ich könnte mir denken, daß ein Chinese ber feiner* zeit'eine Vorliebe für Eier hat, deren Zustand uns nicht sehr appetitlich dünkt, einem solchen Käse und allen, die ihn gern essen, ohne Verständnis gegen« Übersteht.
Ich fand einmal ink^ Norden von Paraguay einen Brutplatz von Rabengeiern. Die Landschaft dieses einsamen Waldgebirges war prachtvoll. Aber die Luft unausstehlich. Wenn ich aber den Geiern zuschaute, die draußen über der sonnigen Ebene geruhsam ihre Kreise zogen, dann mußte ich doch sagen, daß es schöne und in vieler Hinsicht beneidenswerte Tiere sind. Was geht es mich an, daß sie „gerne Käse essen?"
Mit Augen, deren Schärfe und Weitblick für uns einfach unvorstellbar find, finden diese Ratzengeier
von staatlicher Bevormundung freie Wirtschaft immer frei sei, bestehen. Niemand kann jedoch die kapitalistische Wirtschaft in dem ursprünglichen Sinne frei nennen. So find die beiden Forderungen der freien und eigengesetzlichen Wirtschaft Ausdruck einer bestimmten Geisteshaltung geworden. Nach liberaler Auffassung ist eine Wirtschaft frei, die befreit ist von allen Einflüssen der Politik, ber Gemeinschaft und allen außerökonomischen Faktoren.
Drei Merkmale kennzeichnen das Wesen dieser „freien Wirtschaft": Erstens die völlige Frei- ch e i t der wirtschaftenden Persönlichkeit in bezug auf die Auswahl seiner wirtschaftlichen Ziele. Er läßt sich dabei nur leiten von dem Idealbild einer sogenannten richtigen Wirtschaft, die er nach dem ökonomischen PrinKp, b. h. nach bem Kapitalprofit, betreibt. Die „freie Wirtschaft" wird zweitens gekennzeichnet burch die Regierung des Staates. Man tut so, als ob eine Wirtschaft ohne den Staat, diese stärkste Schöpfung der menschlichen Gemeinschaft, der zugleich der Garant des menschlichen Zusammenlebens und damit auch der Wirtschaft ist, existieren könnte. Damit verrät der wirtschaftliche Liberalismus feine englische Herkunft. Die englische Wirtschaft konnte wegen ber besonderen Lage des britischen Volkes, d. h. wegen seiner Jnsellage, den Staat eine Zeitlang übersehen. Die kontinentale Wirtschaft würde nicht einen Augenblick ohne den Staat existieren können: denn er gibt ihr erst die Voraussetzungen und leiht ihr seinen Schutz. Die „freie Wirtschaft" ist drittens gekennzeichnet durch das Vorhandensein und gleichzeitige geflissentliche Uebersehen der englischen W e l t - Herrschaft. Man könnte das auch so ausdrücken: Die „freie Wirtschaft" ist der geistige Nebel, in bem der englische Ausbeutungsmechanismus fein gewalttätiges Werk im Verborgenen betreibt.
Demgegenüber vertritt der Nationalsozialismus die Auffassung, daß lin erster Linie das Volk frei sein muß. Das liegt auch im'Interesse ber Wirtschaft: denn sie ist immer und in allem Ausdruck ihres Schöpfers, eben des Volkes. Und die Erfahrung lehrt, daß eine Volkswirtschaft nur solange zu existieren vermag, als das Volk frei ist. Die alte Formel der NSDAP. „Freiheit und Brot" entsprang ja nicht einem zufälligen agitatorischen Bedürfnis, sondern der klaren politischen Erkenntnis, daß der Wohlstand eines Volkes grundsätzlich immer nur zwei Quellen entstammen kann, ber A r - beit und der Macht. Ein Volk, bas keine Frei-
ihren Fraß. Durch gegenseitige Beobachtung finden sie sich an einem toten Pferd, einer verendeten Kuh zusammen und beseitigen eine solche Quelle des Aergernisses in Bälde, so daß schließlich nur nach blanke Knochen in ber Sonne bleichen. In keiner brasilianischen Stadt wird man diesen Aust räumern etwas zuleide tun ober auch nur schlecht von ihnen reden. Zu Hunderten kreisen sie über, den Siedlungen, den Schlachtstellen oder dem Strand und nehmen den Menschen manche unangenehme Pflicht ab. Erst neuerdings hört man Bedenken, ob sie nicht doch vielleicht zur Verbreitung einiger, Viehseuchen beitragen könnten. Bewiesen ist nichts und alles bleibt beim alten.
Die Aasgeier, das ist zuzugeben, sind dis Proletarier unter den füd amerikanisch en Geiern. Sie sind alltäglich und gemein, was aber keineswegs besagt, daß sie bem Biologen nicht etliche ungelöste Probleme bieten. Ihr Segelflug allein ist bas Studieren wahrhaftig wert. Aber da ist noch ein anderer schwarzer Geier, der T r u t h a h n g e i e r. Er tritt nie in Massen auf, fein schwarzes Kleid trägt einen prächtigen Metallschimmer und sein nackter, Kopf ist rot ober violett. Das ist ein Segelflieger, ber seinesgleichen sucht! Fast ohne Aufwind kreist er in niedrigem Gaukelflug über die Wälder und Savannen und nichts, keine tote Maus oder Eidechse, entgeht feinem Blick. Schöner noch, stattlicher und bunter ist der K ö n i g s g e i e r mit feinem hell beige farbigem Rücken. Er lebt in den großen Wald- gebieten.
Aber der schönste von allen ist doch ber Kon«; do r. Jawohl, auch er ist ein Geier, ein Aasfresser. Aber wer wollte ihn, biesen größten flugfähigen Vogel ber Erde mit seinen über 3 Metern Spannweite, deshalb gering achten? Als ich zum ersten Male Kondore sah, es war auf dem Berge Cham» paqui in den Sierras von Cordoba in Argentinien^ war ich begeistert, und nicht weniger begeistert war ich, als ich Jahre später in Bolivien wieder Gelegenheit hatte, sie zu beobachten. So richtig vertraut sind mir diese gewaltigen Segler aber erst, seit ich sie in Patagonien Tag für Tag, oft vier gleichzeitig, niedrig über mir kreisen sah und feit es meinem Begleiter Schuhmacher und mir gelang, sie auf wenige Meter mit der Kamera einzufangen. Wie herrlich war es, wenn sie mit weitgespreizten Schwingen fast unbeweglich in der von Weststürmen gepeitschten Luft standen, wie von unsichtbaren Drähten gehalten, ober wenn sie, aus den nahen Bergen tommenb, in weitausholenden Spiralen herauskreisten auf die Steppe Ostpatagoniens, imt ein verendetes Schaf oder Guanako zu finden.
Aasgeier? — Ja, aber in erster Linie rätselvolle Naturgeschöpfe, ihren Letzensräumen angepaßt und erhaben über die Mißgchtung törichter WHtynfseh
David, der Rutengänger.
Von Karl Heinz Waggerl.
Der Sommer reift heran, die drangvolle Zeit. Nur noch ein paar Tage, ein verläßliches Zeichen für gutes Wetter, und man wird mit ber Heumahd beginnen. Die Gärten füllen sich mit dem üppigen Blattfleisch des Gemüses, auf hohen Stecken flattern die bunten Ranken ber Bohnen im Wind. Es quillt aus den Fenstern von heiteren Farben, Fuchsien blühen, brennrote Nelken an langen Stielen. Solche Nelken tragen die Burschen auf bem Hut und die Mädchen auf bem Mieder, unb sie sind alle gleich rot, solange die Liede im Dorf umgeht, man weiß nicht, von welchem Fenster sie stammen.
David muß Wasser in den Garten schleppen, ihm ist kein Augenblick Ruhe gegönnt, aber seine Gedanken gehen trotzdem wunderliche Wege. O Gott, vielleicht ist er begnadet, vielleicht kann er sogar Wasser riechen unb Schatzgraben und wußte es nur bisher nicht. Sicher ist es so, im ganzen Haus ruft jedermann nach ihm, wenn ein Groschen verloren gebt, und David findet ihn unfehlbar.
Ach, großartig, wenn im Hochsommer bas Tal wie ein Pechkessel siedet, wenn die Brunnen fadendünn werden und zuletzt ganz versiegen, wie es bisweilen geschehen ist, und bann, in ber höchsten Not, ginge David mit der Rute über die stäubenden Felder, „grabt hier", würde er sagen, „und da, ihr Kleingläubigen", und sogleich würde bas Land wieder frisch und grün von den springenden Brunnen!
Ja, warum sollte David nicht einmal seine Kräfte versuchen! Nach Feierabend schneidet er eine Astgabel aus dem Haselbusch, er nimmt sie in beide Hände und wandert in sich gekehrt über bas Pfarrfeld immer geradeaus. Auf ein wenig zertretenes ©ras darf es babei nicht ankommen. Ein Graben gerät ihm dazwischen, ein Zaun, der Knabe geht und geht, mitunter versucht er dies und jenes, ein Stoßgebet, ob es wohl helfen mochte, und plötzlich, mitten im Krautacker ber Schusterleute, bleibt er stehen, wie vom Blitz gebannt. Wahrhaftig, die Rute hat gezuckt! Ein paarmal war ihm schon so, aber jetzt ist fein Zweifel mehr, siebend heiß lief es ihm durch die Arme. Er wirft sich hin und fängt mit bloßen Händen zu graben an, Erde zuerst, ein paar Krautpflanzen kommen, dann alter Mist und Schotter, gleich wird die Quelle kommen, er riecht sie ja auch schon.
Aber leider, es fließt kein Wasser, sondern der Schuster klettert über den Zaun.
„Was suchst du denn da", schreit er von weitem, „verdammt noch einmal!"
„Eine Quelle", sagt David voll heißen Glaubens. .„Hier ist nämlich ein Brunnen unterwärts in der Erde, den grab ich aus."
heit besitzt, wird immer auf einen Teil feines Arbeitsertrages zugunsten anderer Mächte verzichten müssen, den diese ihm auf bem Wege der Gewalt abnehmen. Damit gehören Freiheit und Brot um. teilbar und unabdingbar zusammen.
Infolgedessen vertritt der Nationalsozialismus die Auffassung von der Volksgebundenheitder Wirtschaft. Er versteht darunter eine Reihe von Tatsachen, die den Begriff der Freiheit in ber Wirtschaft in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen.
Die Ziele und die Aufgaben der Wirtschaft werden durch die politische Führung der Nation bestimmt. Sie ist der wirtschaftliche Regulator der Volkswirtschaft. Zu diesem Punkt braucht heute niftts Neues mehr gesagt zu werden. Die Wirtschaftspolitik seit 1933 ist Ausdruck und Beweis der Richtigkeit dieses Grundsatzes. So wird für alle Zukunft das Primat der Politik gelten, d. h. die Wirtschaft wird nach den Lebensgesetzen unb den Lebensnotwendigkeiten des Volkes ihre Aufgaben gestellt erhalten und durchführen.
An die Stelle der ausschließlichen Bestimmung der wirtschaftlichen Ziele des einzelnen durch bas materielle Erwerbsstreben wird die Ausrichtung auf die Aufgaben der Gesamtheit treten. Hier liegt der Schwerpunkt der revolutionären Umwälzung, in der wir heute stehen. Es geht nicht um die Ausschaltung der Privatinitiative unb ihre Ersetzung durch staatliche Funktionäre, wie viele meinen, sondern um den Vollzug der großen Synthese zwischen der privaten Initiative des einzelnen unb ber Aufgabenstellung durch die Volksführung.
Gebundenheit der Wirtschaft in bezug auf bas Ziel aber heißt nicht Gebundenheit in den . Formen. Es ist deshalb kein Widerspruch, wenn der Nationalsozialismus trotz feiner Leugnung ber Freiheit für die Gesamtwirtschaft die Freiheit der Arbeit betont. Das mittelalterliche Ideal der ständischen Verfassung, jedem Menschen einen bestimmten Arbeitsplatz anzuweisen, kann nie für uns gelten.- Selbstverständlich werden wir dem Staat stets das Recht zuerkennen, daß er in Zeiten der Not jeden Menschen zwingen kann, an einem bestimmten Platz tätig zu werden. Im übrigen aber bleibt es jedem Schaffenden überlassen, sich im Rahmen der Wirtschaftsorbnung feinen Platz f e l b ft zu sichern. Freiheit der Arbeit aber heißt mehr, bedeutet die Verpflichtung für die Gemeinschaft, jedem Volksgenossen an irgendeiner Stelle in ber Volksgemeinschaft einen Arbeitsplatz, b. h. einen Leistungsplatz zu garantieren.
Alles in allem wird die Erkämpfung unb die Sicherung der Freiheit unseres Volkes auch der Wirtschaft im einzelnen mehr Freiheit geben, als viele sich bas heute träumen lassen. Leugnung der Freiheit der Wirtschaft heißt nicht Knechtung ihrer Arbeit. Es ist der einzige Sinn unserer Wirtschasts- führung, dem ganzen deutschen Volke ein O p t i»' mum an Leistungsfreiheit zu geben, nicht aber ihr auf die Dauer das Kämpfen abzunehmen oder unmöglich zu machen. Führen — nicht verwalten, das ist die Zauberformel auch für. die Wirtschaft ber Zukunft!
Lord Salisbury die deutsche Regierung sogar andeutungsweise wissen, England würde nichts dagegen haben, falls die deutschen Armeen ihren Weg durch Belgien nehmen sollten!
Nach ber Berliner Kongo-Konferenz von, 1884 kam bie Aufteilung Afrikas in Gang, unb der Hauptmann Marchand hoffte, bie französische Fahne vom Tschadsee über den Oberen Nil bis zum Indischen Ozean zu tragen. England aber drohte mit Krieg und erzwang den Abzug der Franzosen aus Faschoda. Das wirkte so heftig auf die Stimmung in Frankreich, daß etwas später, im Burenkrieg, keine Presse in der Welt so feindselige und höhnische anti-englische Karikaturen brachte, wie die französische. Sogar ein bitteres Spottlied gegen England kam in ein Liederbuch, bas die französischen Soldaten im Tornister trugen. Merkwürdigerweise fiel ein solches Buch noch im Weltkrieg unfern Truppen in die Hände.
900 Jahre England-Frankreich.
Von Or. pou( Rohrbach.
Als der Normannenherzog Wilhelm im Jahre 1066 durch die Schlacht bei Hastings Herr von England wurde, brachte er mit feinen Rittern französische Sprache und Kultur mit hinüber, lieber 200 Jahre dauerte es, bis Normannen und Angelsachsen sich zu einem Volk verschmolzen hatten, und erst nach der Mitte des 14. Jahrhunderts hörte das Französische auf, bie amtliche Sprache in England zu sein. Das heutige Englisch ist ein lebendiges Denkmal jener Volks- und Sprach-Mischung.
Jahrhunderte lang erhoben die Könige von England auf Grund von Ehebündnissen uno Erbrechten Ansprüche auf einen großen Teil von Frankreich. Dem Namen nach waren sie für ihren französischen Besitz Lehnsleute des Königs von Frankreich: tatsächlich lagen sie in dauerndem Krieg mit den Franzosen. Sie nannten ihren Besitz diesseits und jenseits des Aermelkanals das Angevinifche Reich, nach der Stadt Angers in Frankreich, bie ein Zentrum der von ihnen behaupteten territorialen Rechte auf dem Festlande bildete. Erft bie Jungfrau von Orleans rettete Frankreich vor ber endgültigen Ueberwältigung durch die Engländer. Calais blieb bis ins 16. Jahrhundert eine englische Stadt.
Der Stuart-König Karl II. war ein Pensionär Ludwigs XIV. gegen das Versprechen, England bei sich bietender Gelegenheit katholisch zu machen. Diese Gefahr führte unter feinem Bruder Jakob zur Vertreibung der Dynastie vom englischen Boden. Wilhelm der Dränier, durch feine Gattin Mary mit den Stuarts verbunden, übernahm als König von England die Vorkämpferschaft in der europäischen Politik gegen die Ansprüche Ludwigs XIV., und von da an wurde es englischer Grundsatz, die europäischen Festlandsmächte gegen das Ueber- aewicht Frankreichs zu unterstützen. England nannte das „Erhaltung des europäischen Gleichgewichts" und verfolgte dabei das Prinzip, keine Kontinentalmacht so stark werden zu lassen, daß sie England unbequem werden konnte. Daher fanden bas Haus Habsburg im Spanischen Erbfolgekrieg und Preußen im Siebenjährigen Kriege zeitweilig die Unterstützung Englands gegen Frankreich.
England war der unversöhnliche Gegner N a - p o l e o n s , vor allem, weil es die belgische und holländische Küste nicht im Besitz einer starken Fest- landsmacht ertragen zu können glaubte. Als die Kaufleute der Londoner City, deren Geschäft durch die Kontinentalsperre viel Schaden erlitt, den Friedensschluß mit Napoleon beantragten, wurden sie vorn englischen Kabinett zurückgewiesen: erst müsse Frankreich wieder auf feine alten Grenzen beschränkt fein!
Der Krimkrieg, 1854/55, in dem England und Frankreich sieb zum Schutz ber Türkei gegen bie russischen Ansprüche verbündeten, war nur eine Episode im englisch-französischen Verhältnis. Napoleon III. wollte Prestige für die französischen Waffen haben, und England fürchtete, daß die türkischen Meerengen in den Besitz Rußlands gelangen konnten. Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 verdienten die Engländer viel Geld mit Waffen- und Munitionslieferung an die Franzosen. Ohne diese Hilfe hätte Frankreich seinen Widerstand kaum über bie Schlacht von Sedan und die Kapitulation von Metz hinaus fortsetzen können. Diese Profite wurden unter der Hand gemacht; die englische öffentliche Meinung war geteilt, aber nicht nur Carlyle, sondern auch die „Times" stimmten der Rückgliederung Elsaß-Lothringens an Deutschland zu. Als in den achtziger Jahren wieder die Möglichkeit eines deutsch-französischen Krieges auftauchte, ließ der damalige englische Premierminister
„Freie Arbeit - mchi „freie Wirtschaft."
Von Gauamisleiier Professor Or. Heinrich Hunke, Gauwirischastsberaier des Gaues Berlin-


