Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Mtererholung derASV.bleibt aufrechterhalten
Der alte eiserne Ofen. Er hat vier Beine und vier Türchen, und er ist nicht nur zum Helzen, sondern auch zum Kochen eingerichtet. Als ich noch ein Kirch mar, brannten mir nur Holz in dem Ofen. Am schönsten mar es, wenn die Abenddämmerung tyereinbrad), es im Zimmer ganz dunkel wurde und nur die hellen Flammen die Umgebung des Ofens von Zeit zu Zeit mit ihrem goldenen Schein beleuchteten. Zn dem Ofen selbst brotzelte es immer. Einmal kochte die Mutter Kartoffeln und Rüben für das Vieh, dann wieder etwas Nahrhaftes für die Menschen. Zwischen den Töpfen aber lagen stets einige Aepfel von der alten bekannten Sorte, von den Maatäpfeln. Sie waren ganz dunkelbraun und hatten sehr yartes Fleisch. Deshalb brieten wir sie. Das gab dann immer einen Duft in dem engen Zimmer, der mir noch heute verführerisch in der Nase liegt. Wenn wir durchfroren vom Effe heim« kamen und tonnten uns über unsere warmen Aep- fei hermachen! Das war eine Freude!
An den Türchen war aus der einen Seite ein Baum, darunter stand eine Frau, auf dem andern war ein Jäaer. Wir hielten diese beiden Menschen immer für Adam und Eva, war doch ein Apfelbaum dabei! Auf den oberen Türchen waren zwei Schalen mit Früchten und Blumen.
Am Abend wurde es aber am allerschönsten. Dann stellten mir den Tisch vor den Ofen, wir Kinder kamen auf die Holz bank. Die Nachbarn fanden sich ein, und unser Großvater, der in seinem bequemen Korbstuhl hinter dem Ofen saß, erzählte. Märchen hat er uns nie erzählt, aber von seinen ®ariDerungen. Er war als Handwerksgesell weit in der Welt herumgetommen. Unter den Erzählungen waren oft starke Schnurren. So weiß ich noch eine, die mir viel zu schaffen machte. Es war die Geschichte der zwei Wölfe, die sich gegenseitig aufgefressen hatten, daß nur noch die zwei Schwänze auf dem Boden lagen!
Wenn dann der kalte Nordwind ums Haus sang, rückten mir eng zusammen, und die Alten kramten ihre (Erinnerungen aus von früheren kalten Wintern. Wir Kinder saßen und lauschten, aßen unsere Aepfel Ober knackten Nüsse. Es waren schöne Abende, und wir hatten unfern alten Ofen sehr gern, wenn er auch Risse und Sprünge aufwies. Aber sie wurden immer wieder mit dickem Zwet- schenmus verschmiert, dann ließ das Rauchen stets schnell nach. (Aufnahmen: Hofmann.) H.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr, Gastspiel Agnes Straub „Der Wettlauf mit dem Schatten". — Glo- ria-Palast (Seltersweg): „Dein Leben gehört mir". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ehe in Dosen".
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 20 bis nach 23 Uhr „Die Fledermaus". — Gloria-Palast (Seltersweg): „Dein Leben gehört mir." — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Ehe in Dosen".
Stadttheater Gießen.
Am heutigen Samstagabend gastiert Agnes S t r a u b mit der Gastspieldirektion Kwbertanzund Berliner Ensemble in dem Schauspiel „Der Wett- ,Iauf mit dem Schatten" von Wilhelm v. Scholz. Die männlichen Hauptrollen spielen Hans Kettler und Herbert Klatt vom Theater am Kurfürstendamm, Berlin. Außer Miete.
Am morgigen Sonntagabend wird die Operette „Die Fledermaus" von Johann Strauß wiederholt. Musikalische Leitung Heinz Markwardt, Spielleitung Harry Grüneke. Bühnenbild Karl Löffler, Chöre Richard Boeck, Tänze Thea Maaß. Außer Miete.
Montag, 5. Februar, Rosenmontag: „Der müde Theodor", Schwank von Neal und Ferner. Spielleitung Hans Geißler. Bühnenbild Karl Löffler. Außer Miete!
Dienstag, 6. Februar, Fastnacht: „Bengalische Zukunft", Komödie von Gesell und Marfin. Spielleitung Dr. Hannes Razum. Bühnenbild Karl Löffler. 18. Vorstellung der Dienstag-Miete.
Mittwoch, 7. Februar: „Csongor und Tünde", Schauspiel von Vörösmarty. Spielleitung Dr. Hannes Razum. Bühnenbild Karl Löffler. Musik Richard Boeck. 18. Vorstellung der Mittwoch-Miete.
Freitag, 9. Februar: „Die Fledermaus", Operette
NSG. Auf allen Gebieten ist die Partei um das Wohl der Bevölkerung besorgt und bemüht. Sie weiß auch, daß die Mütter mehr denn je alle Kräfte brauchen, um den an sie gestellten Anforderungen gerecht roerDen zu können.. Die Pforten der herrlichen NSV.-Erholungsstätten, die in den letzten Jähren km Gau Hessen-Nassau Hunderten von werdenden, jungen unD kinderreichen Müttern Kraft und neuen Lebensmut schenkten, sind wieder geöffnet. Es werden in diesen NSV.-Erholungs- heimen heute vorzugsweise Mütter ausgenommen, deren Männer bei der Wehrmacht stehen, oder auch erwerbstätige Mütter, die für kurze Zeit von ihrem Betrieb freigestellt wurden, oder sonstwelche Frauen, die eine Ausspannung nötig haben, wie diese häufig nach der Geburt eines Kindes der Fall sein wird.
Während es den Müttern anfangs verwunderlich und unbegreiflich vorkommen mag, in Kriegszeiten von zu Hause fortzugehen, an eigene Erholung zu denken, solange alle verfügbaren Kräfte das Aeußerste zu leisten haben, sehen sie doch-schon bald ein, wie nötig die Erholung ist und wie wohl sie tut. Sie merken vor allen Dinnen nach der Rückkehr in die Familie, daß sie sich doppelt leistungsfähig fühlen. Mag auch zunächst der Gedanke an die Abreise manche Unruhe mit sich bringen, besonders wenn der Mann nicht zu Hause ist, so wird doch alles in Ordnung gebracht; die Kinder
von Strauß. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Spielleitung Harry Grüneke. 19. Vorstellung der Freitag-Miete.
Sonntag, 11. Februar: 14.45 Uhr: Geschlossene Vorstellung für den Theaterring der HI. 6. Vorstellung, „Die Fledermaus". — Abends: „Die Fle- bermaus", Operette von Strauß. Musikalische Leitung Heinz Markwardt. Spielleitung Harry Grüneke. Außer Miete.
Gießener Konzert-Verein.
Als nächste Veranstaltung des Gießener Konzert-Vereins findet am Freitag, 9. Februar, im großen Saale des Gesellschaftsvereins ein Kammer- musikabenb des weltberühmten Quartetts bi Roma der Königlichen römischen Philharmonien Akademie statt. Wer vor wenigen Jahren Gelegenheit hatte, diese hervorragende Künstlergemeinschaft in Gießen kennenzulernen, wird es dankbar begrüßen, daß auch bei seiner augenblicklichen Konzertreise durch Deutschland das ausgezeichnete Quartett für ein Konzert in unserer Stadt gewonnen werden konnte. .
Hitler-Lugend Bann 116.
Stamm 1/116.
Der für Sonntag, 4. Februar, angesetzte Dienst des Standortes Gießen fällt aus.
Schüft, ten Schnee vom Bürgersteig!
Mit anerkennenswertem Eifer ist in den letzten Tagen auch in unserer Stabt an der Beseitigung des Schnees von den Fahrbahnen bzw. den Bürgersteigen gearbeitet worden. Männer des Reichs- arbeitsdienstes und unsere Pimpfe im Jungvolk haben sich bei dieser gemeinnützigen Arbeit in be« sonders lobenswerter Weise betätigt, auch viele Hauseigentümer und Mieter haben sich in mustergültiger Tatbereitschaft diesem Dienst an der Allgemeinheit unterzogen.
.In manchen Straßen liegt aber noch Schnee in ziemlichem Umfange auf den Bürgersteigen. Auch an diesen Stellen müssen es die angrenzenden Hausbewohner als eine besondere Verpflichtung an- sehen, daß sie durch Beiseiteräumen des Schnees den Bürgersteig völlig freimachen und zugleich durch Streuen mit Asche oder anderen abstumpfenden Mitteln die Schneeglätte beheben. Es ist keine große Arbeit, den Schnee vom Bürgersteig herunterzuschaffen, wenn man ihn an den Rand der Fahrbahn schippt und zugleich für den Ablauf von Tauwasser eine Rinne zwischen dem Bordstein und dem Schneehaufen zieht.
Man darf wohl hoffen, daß überall dieser ge-
sind zum größten Teil in Obhut der NSV., die Nachbarschaftshilfe besorgt den Haushalt und schaut hin und wieder nach dem Rechten. Wie wohl fühlen sich da unsere Mütter, wenn sie einige Wochen der Mühen in Haus und Hof enthoben sind und nicht mehr für sich und die Familie zu sorgen brauchen. Die tägliche Arbeit, die Einteilung des Arbeitsplanes und das Einkäufen verbrauchen einen großen Teil der Kraft und Gesundheit dieser Mütter, die dann in den NSD.-Erholungsstätten wieder Stärkung und Erholung fittben. Hauptsache ist: erholen, ruhen, ja sogar faulenzen! Immer wieder sagen die Mütter: „Wie haben mir es doch so gut. Am Schluß der Erholungszeit aber ist es so, daß sie wohl den Abschied bedauern und dennoch von Herzen gerne wieder in ihr Heim zurückkehren. So soll es auch sein.
Wir wollen daraus ersehen, daß das Werk der Müttererholungsfürsorge nicht nur in Friedens- zeiten seine große Bedeutung hat. Wenn auch Nicht mehr so viel Lachen und Uebermut durch die Müt- tererholungsheime klingt, Frohsinn wird trotzdem hineingetragen in D* Herzen unserer Mütter! Mit neuer Kraft und Lebensfreude, die ja nicht nur ihnen, sondern ebenso ihren Kindern zugutekommen, stehen die Mütter wieder „ihren Mann" in dem großen Kampf für Deutschlands schönere und glücklichere Zukunft.
meinnützigen Verpflichtung in vollem Ausmaß entsprochen wird, damit in allen Straßen der Fuß- gängerverkehr ohne Behinderung und mit Sicher- heit für die Passanten tagsüber, namentlich aber am Abend während der Verdunkelung, in vollem Umfange gewährleistet wird.
Oos Treudienst-Ehrenzeiechn verliehen.
Dem bei dem Amtsgericht Gießen tätigen Justizobersekretär Friedrich H o f wurde das ihm vom Führer als Anerkennung für 25jährige treue Dienste verliehene silberne Treudienst-CHrenzeichen feierlich durch den dienstaufsichtführenden Richter überreicht.
Dom DH(5.
Der Vorstand des Gesamt-DHC. hat die Hauptversammlung des Vogelsberger Höhen-Clubs 1940 für den 19. Mai auf Den Hoherodskopf einberufen. Die alljährlich am Himmelfahrtstage stattfindende Sternwanderung fällt in diesem Jahre aus, dafür wird die Sternwanderung aller VHCer am 19. Mai zum Hoherodskopf zur Hauptversammlung durchgeführt. Die diesjährige Bismarck-Feier des VHC. wurde auf den 30. März, Samstag nach Ostern, festgelegt.
Warnung vor einem Schwindler.
In letzter Zeit ist in Süddeutschland ein Dr. Scheffler „beim Reichsausschuß für Flüchtlingsversorgung", der in Wirklichkeit nicht existiert, als Betrüger aufgetreten. Sein Trick besteht darin, daß er Firmen fernmündlich um eine Spende zur Beschaffung warmer Kleider angeht. Werden ihm solche zuaesagt und wipd er um Mitteilung des Postscheckkontos der „Flüchtlingsversorgung" zur Überweisung der Spende ersucht, so erklärt er, es sei einfacher, wenn er das Geld kassieren lasse; er schicke den Kassierer der „Fürsorge". Dieser erscheint anschließend mit einer Empfangsbescheinigung, versehen mit dem Stempel „Reichsausschuß für Flüchtlingsoersorgung" in Typendruck mit der Unterschrift „Dr. Scheffler". Die Bevölkerung wird vor diesem Schwindler gewarnt unter Hinweis dar- auf, daß solche Sammlungen ohnehin verboten sind.
Gießener wochenmarktpreife.
* Gießen, 3. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10 Rpf., Kartoffeln, 50 kg 3,65 RM., Wirsing, % kg 15 Rpf.,
Weißkraut 11, Rotkraut 14, gelbe Ruben 12, rote Rüben 10, Unterkohlrabi 7, Zwiebeln 12, Meerrettich 40 bis 60, Aepfel 15 bis 25, Birnen 20 bis 30, Blumenkohl, das Stück 38 bis 45, Endivien 15 bis 25 Rpf.
** Ein Siebzigjähriger. Am heutigen Samstag, 3. Februar, kann der Vorschlosser t. R. Peter Schmidt, Frankfurter Straße 177 wohnhaft, in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag begehen. Der Jubilar ist trotz feines Alters noch ein sehr eifriger Mitarbeiter des Reichsluftschutzbundes, in dessen Reihen er als Obertrupp- meister sich mit vorbildlichem Eifer für die Luftschutzarbeit einsetzt. In Anerkennung dieser eifrigen Mitarbeit wurde ihm dieser Tage eine Urkunde überreicht, in Der seine unermüdliche stete Dienstbereitschaft mit dankbaren Worten gewürdigt wird. Dem Jubilar, der sich in weiten Bevölkerungskreisen großer Beliebtheit erfreut und Der seit nahezu 40 Jahren zu Den treuen Beziehern des „Gießener Anzeigers" gehört, bringen auch wir unsere herzlichen Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag Dar.
** Arbeitsjubiläum. Am heutigen 3. Februar feiert Der Arbeiter Heinrich Euler aus Röd- gen bei den Gail'schen Tonwerken sein 25jähriges Arbeitsjubiläum. Herr Euler ist als Ofeneinsahrer in Diesem Betriebe beschäftigt. Er hat sich während dieser Zeit die Zufriedenheit und Achtung der Betriebsführung erworben, und mit allen Mitarbeitern pflegt er gute Kameradschaft. Durch die Firma und seine Arbeitskameraden, sowie von der Deuffchen Arbeitsfront wurde der Jubilar an seinem Ehrentage entsprechend gefeiert. •
** Verkehrssünder. Die Polizei hatte in der Zeit vom 19. bis 25. Januar wieder gegen eine Reihe Verkehrssünder einzuschreiten. 3 Kraftfahrer wurden zur Anzeige gebracht, 15 sonstige Fahrzeugführer mutten gebührenpflichtig verwarnt. 10 Radfahrer wurden gebührenpflichtig verwarnt und 1 zur Anzeige gebracht. Fußgänger wurden in 9 Fällen gebührenpflichtig verwarnt.
** Nordische Gäste an den heimischen Gewässern. Der Winter bringt den heimischen Gewässern Gäste, die man sonst selten zu Gesicht bekommt. So zeigen sich sowohl auf der Lahn und Ohm, wie auch an deren Nebenflüssen in letzter Zeit neben den gewohnten kleinen Wildenten auch Wild- gänfe.
Strafkammer Gießen.
Der K. B. in Gießen war beschuldigt, im August vorigen Jahres unzüchtige Handlungen mit einer Person unter 14 Jahren vorgenommen zu haben. Der Sachverständige vertrat den Standpunkt, daß dem im vorgeschrittenen Alter stehenden Angeklagten der Schutz des § 51II StrGB. zuzubilligen sei. Der Anklagevertreter beantragte unter Zubilligung mildernder Umstände eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Don der Verteidigung wurde Freisprechung beantragt Da auf keine höhere als eine dreimonatige Gefängnisstrafe hätte erkannt werden können, wurde Das Verfahren auf Grund des Amnestieerlasses vom 9. 9.39 eingestellt.
Der I. K. in Frankfurt a. M.-Höchst war der Gefährdung eines Eisenbahntransportes beschulbigt Er war mit seinem Personenkraftwagen am Nordausgang von Butzbach, auf der Landstraße von Pohl- Göns her, durch die geschlossene Bahnschranke der Main-Weser-Bahn gefahren und hatte sein Fahrzeug erst auf Dem ersten Schienenstrang zum Halten gebracht. Der Personenkraftwagen wurde von Der.Lokomotive eines von Gießen kommenden Güterzugs erfaßt und ein großes Stück geschleift, wodurch Anlagen der Reichsbahn erheblich beschädigt wurden. Der Angeklagte bestritt jegliche Schuld und behauptete, die Schranke sei nicht vorschriftsmäßig beleuchtet gewesen. Der Schrankenwärter bekundete, daß die Schranke Den SßerDuntelungsbeftimmungen entsprechend beleuchtet und auch gut zu sehen gewesen sei. Der Anklagevertreter beantragte mit Rücksicht Darauf, daß der Strafzweck mit einer Geldstrafe erreicht
(Nachdruck verboten!)
5. Fortsetzung.
„Mutter Denkt das.
„Und du?"
Roman von Frank F. Braun
Copyright by Deutscher Verlag, Berlin
mußte es glauben. Ich erfuhr es schmerzlichst. Aber Deine erste Frage an mich war richtunggebend gewesen für mich und meine Gefühle zu dir. Ich liebte Dich, aber verzeihen konnte ich Dir nicht. Und das ist
ja sehen. Sie jedenfalls werde in ganz kurzer Zeit mehr wissen als die Schäfchen der Familie. Dabei sah sie mich an, als ob ich der Leithammel und überhaupt an allem Schuld sei. Ich muß dir versichern, Julia, ich weiß über von nichts."
„Du brauchst auch von nichts zu wissen."
„Bitte, wenn Du meinst. Er zog ein pikiertes Gesicht.
„So doch nicht, Gerhart!" Sie rang die Hände. Plötzlich war es mit ihrer Fassung vorbei. „Müßt ihr mich denn alle quälen! Spürt ihr nicht, du, Mutter und Ludwig, daß alles auf meiner Haut ausgetragen wird. Ich bin kein Trommelfell!"
„Was bist Du nicht?" Er war verblüfft.
„Ach, man kann Das nicht ausDrücfen. Alle zerrt ihr an meinen Nerven. Ludwig will wissen, ob ich ihn trotzdem noch liebe, Mutter sagt, vielleicht mit Recht, ich sei ein Schaf und nun kommst du auch noch!" Sie stand auf, erwischte hinter einem Kissen in Der Lehne ein Taschentuch und tupfte sich Die Augen.
Er war sofort bei ihr. ,Hulia", bat er, „ich wußte Doch von nichts. Was ist denn mit Ludwig?" Er sann ihren Worten nach. „Er läßt sich von dir versichern, Daß Du ihn trotzDem noch liebst. Was heißt 'Das? Betrügt er dich?"
„Mutter nennt es gewiß so."
„Und Du?"
Sie zuckte Die Achseln. „Vielleicht findest Du es sehr lax, wenn ich sage, daß ich Die Ehe nicht als ein Zuchthaus ansehe. Jeder muß aus freien Stücken bleiben — ober gehen können."
„Aber wenn Ludwig dich betrügt...", Gerhart Carlotti atmete tiefer, es verschlug ihm Die Rede.
„Was Dann? Soll ich Die Konsequenzen ziehen, meinst du? Oder vielleicht: was Ludwig recht ist, müßte mir billig sein?" Sie sah ihn mit sprühenden
Augen an.
Er schüttelte Den Kopf. „Nein", sagte er. Aber er war blaß geworden. „Das paßt nicht zu Dir."
Sie setzte sich mieDcr zu ihm. Ihre Hände zerknüllten das Taschentuch im Schoß zu einer unkenntlichen Masse.
„Was geschieht?" fragte er.
„Ich weiß es nicht. Aber sicherlich wird Mutter etwas unternehmen, wenn sie es nicht schon getan hat. Ich glaube, sie freut sich schon auf ihre große Szene. Rächerin anfangs; und schließlich, wenn Das andere arme Dumme Hascheri verjagt ist: großmütige Versöhnerin."
„Du siehst sie natürlich falsch."
„Möglich."
bißchen. Aber das sah er nicht. Also nickte er, in der Seele nicht sonderlich kompliziert, von der Aus- spräche und Zusage beruhigter als er im Anfang gerechnet hatte. Aus Julia war Verlaß. Nur die Mutter hatte er zu fürchten.
„Ich muß jetzt aber wirklich weg", sagte er und lief mit einem letzten herzlich gemeinten Kopfnicken zur Tür. Julia war wirklich zu nett. Er wollte ihr
doch schon immer einmal wieder eine FreuDe zu Julia auf. , ., .
machen. Jwanka bekam so viel von ihm. Wahr- „Was soll mit ihm sein? Er war.glaube ich em | hastig, auch Julia sollte nicht ftänDig zu kurz kom- bißchen nervös. Es hatte, mit Zibitta geiwaftlichen men. Ein Smaragd Dachte er, ein SmaragDring Aeraer gegeben, hörte ich ..
muß gut aussehen auf ihren zarten, weißen Fin- „So. Mutter reDete allerhand merkwurDiges Zeug, gern. Zum Teufel, ein Smaragd war grün, grün l Sie sei bei einem Detektiv gewesen und man werde
,Lch habe mir das Denken abgewöhnt. Wenn Du aber eine andere liebgewonnen hättest, Ludwig, würde ich dich nicht hassen." Sie sagte Das ganz ruhig.
„Es wäre aber besser, du haßtest mich in solchem Fall. Denn dann liebtest du mich auch."
„Ach, LuDwig", sie tat eine matte Handbewegung, „Liebe gedeiht nicht einseitig; Das ist ein altes Gesetz. Aber wenn du es wissen willst, ich liebe dich unb achte dich. Sonst wäre ich nicht mehr bei Dir."
„Vielleicht gibt es Grade und Abstufungen Der Liebe", sagte er zögernd.
Ein voller, großer, blauer Blick Julias traf ihn. „Ja", sagte sie, „Das ist sehr wahr, Die gibt es wirk- lieh. Die Liede verändert sich. Glücklich die, Denen es erspart bleibt, Das zu erfahren. Besonders, Da man machtlos vor diesen Veränderungen steht."
Er schaute sie an. Der Blick erlosch wieder. Er war ein Mann, er bezog diese garue Unterredung und ihre Hintergründe, Die Da Durchschimmerten, auf sich und seine Person, auf seine Unzuverlässigkeit. „Julia", sagte er, „laß mir Zeit. Ich liebe Dich. Ich halte zu dir. Ich bringe alles in OrDnung. Bald. Halle auch du zu mir/
„Selbstverständlich, Ludwig", sagte Julia gelasse- ner als er es verstehen konnte. Sie war wieder kühl. Nur die Narbe auf dem Nasenflügel zitterte noch ein
trug doch Jwanka als Lieblingsfarbe!
Er lief vor sich selber Davon. Hätte er sich um- gesehen, würde er auf Der Treppe, aus Der mütterlichen Wohnung herabkommend, seinen BruDer Gerhart bemerkt haben. So entging ihm»das.
Julia sagte und sie hatte ihr Gesicht schon wieDer vollkommen in Der Gewalt: „Hast du Ludwig noch gesehen?"
„Ja, aber er mich nicht. Er lief Davon, als brenne es ihm unter Den Sohlen, wenn das ein Vergleich ist." Er lächelte unb neigte sich über Julias Hand. „Was hatte er Denn?"
Ihr Lächeln glitt ineinander. „Nun, eilig hatte er es." Sie machte sich los. „Setz' Dich, Gerhart. , Möchtest Du einen Likör oDer willst Du bis zum ! Kaffee warten? Kommt Mutter herunter?",, i „Nein. Sie sagte jedenfalls nichts davon."
„Dann kommt sie wahrscheinlich", sagte Julia trocken. Daß es Gerhart Earlotti erneut ins Lachen schoß. Er mar größer als sein Bruder Ludwig. Er war schlank, gegen den dicken Ludwig wirkte er geradezu mager. Las faltige, etwas verknitterte Gesicht hatten sie gemeinsam, aber Gerharts Züge wirkten angenehmer. Woran das lag konnte man nicht ohne weiteres feststellen. Vielleicht gab ihm Der feste Mund etwas mehr Ausdruck. Seine kleinen Augen störten ein wenig, sie waren Dunkel wie Das Haar, fast schwarz. Sie glänzten wie ein Paar Jettplätt- chen unter den buschigen schwarzen Brauen. Eine hohe, gute Stirn führte zum vollen, kaum gelichteten Haar, das er lässig, fast ungekämmt, lockig trug. Das war erträglich, weil es ziemlich kurz gehalten war.
Als er auf Julia zutrat, sah man, daß er Den linken Fuß etwas nachzog. Er humpelte nicht, es war nur, als sei Der linke Fuß etwas schwerer als Der andere.
Julia setzte sich in Den Sessel, der vor der Hausbar stand. Gerhart Carlotti zog einen Stuhl heran. Sie mischte Wermuth und Gin und füllte zwei Gläser. Sie sahen sich an, hoben die Gläser und leerten sie wortlos. Es waren Portweingläser gewesen. Beide sahen sich etwas verblüfft an. Sie tranken sonst beide nicht viel.
Gerhart Carlotti zog an seiner Bügelfalte, es mar eine zwecklose Bewegung, er hätte auch das geleerte Glas am Stil Drehen können. Dann entschloß er sich und sagte: „Ist etwas mit LuDwig?" Er beugte sich vor, stützte Die Arme auf Die Oberschenkel und sah
„Warum? Wie kommst du zu solcher Annahme?" „Es war keine Annahme, nur eine Frage."
Julia zuckte wortlos die Achseln. Sollte sie wieder eine Rede halten über die Verschiedenheit von Dem, was man unter Liebe verstehen kann.
„Meine Frage ist berechtigt, scheint mir, weil dich Die Geschichte, äußerlich jedenfalls, ziemlich kall laßt, Julia."
„Soll ich mir die Haare raufen, Damit man äußerlich meine Gemütsbewegung yeftftetten kann? Mein Gott, was erwartest du, wenn mich mein Mann betrügt? Was soll ich tun, wenn er sich eine Geliebte anschafft? Gibt es bei den Carlottis darüber feststehende Anschauungen und Erwartungen, denen ich zu enffprechen habe?"
„Du bist ganz grupdlos bitter, Julia." Er schwteg wieder.
Sie sah ihn an. Ihre Hände zitterten. „Verzeih", sagte sie und legte zwei Finger ihrer schönen Hand auf seinen Arm. „Aber bitter werden, das ist Das einzige, was ich mir bis jetzt erlaubt habe und auch nur Dir gegenüber, Gerhart."
Er hielt ihre Finger fest. „Wie soll ich Das auf- fassen?"
„Wie Du es auffassen willst."
Seine Hand alitt von Den Fingern hinauf zu ihrem Arm. Er faßte zu.
„Ich möchte Dir helfen, Julia. Kann ich Das? Möchtest Du mir dazu Gelegenheit geben?"
Ihr Achselzucken wich wieDerum aus. „Mir kann keiner helfen. Ich kann mir nicht einmal selber helfen. Das ist ia Das Traurige. Was soll ich tun? Ich finDe, mir sind Die HänDe gebunden."
„Du könntest — ich meine, du kannst jeden Tag von Ludwig weggehen."
„So, kann ich Das9"
„Ja, wenn Du ihn nicht mehr liebst." Er sah sie fest an. „Es ist bisher niemals zwischen uns ausgesprochen worden, Julia. Ich hatte bisher kein Recht, es zu sagen, Denn Du schienst mir glücklich. Ich liebe dich, Julia. Ich habe Dich geliebt von Der ersten StunDe an, als ich den Fuß in Hamburg auf deutsche Erde setzte und Du an Den St.-Pauli-Lan- Dungsbrücken neben Ludwig standest und mir entgegentratest. Du sagtest: Ich bin Ihre Schwägerin; hoffentlich können Sie mir Das verzeihen. Ich gab Dir die Hand und war erstaunt. Da war Der Mensch, auf den ich gewartet hatte, dem mein Sehnen unb Träumen gegolten hatte. Und du solltest mir verloren sein, solltest meines Bruders Frau fein? Ich
Er spielte mit* dem Metallknopf an der Tür Der >
Holzbar. Wahrscheinlich mürDe es ihm gelingen. Den I , Knopf abzudrehen. „Liebst Du Ludwig nicht mehr?" Iso geblieben in all Den Jahren." (Forfeßung folgt).


