Der italienische Vormarsch in Epirus
29/30- 2/4.
Die Italiener melden, daß sie den Fluß K a l a ma y an vielen Stellen erreicht haben. Dieser Fluß liegt südlich des bisherigen Albanien und zieht sich in einem Bogen durch eine fruchtbare und auch wohlangebaute Ebene, bis zum .Kanal von Korfu". Interessant ist, das der Kalamay unter-
irdische Nebenflüsse hat. Das kommt im Karstgebiet wiederholt vor. Der See von Janina, der Hauptstadt von Epirus, fließt in dieser Weise unter» irdisch zum Kalamay ab, wobei das Wasser in ben* porösen Kalkboden versicker' bis es auf undurchlässige Tonschichten stößt. Janina selbst ist eine Stadt von 20 000 Einwohnern, Mittelpunkt des ganzen Ein- und Ausfuhrhandels von Epirus.
Die Italiener rücken in zwei Richtungen vor. von A r g i r o c a st r o (Augyrokastron) im Südzipfel Albaniens auf Janina zu, und von dem weiter nördlich gelegenen K o r i tz a (Korea) gegen Florina. Beide Orte sind rund 50 Kilometer von der albanischen Grenze entfernt. Florina ist nur zehn bis zwanzig Kilometer von der fugosiawischen Grenze
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entfernt Der weiter südlich gelegene Straßen- kreuzungspunkt bei Kastoria ist militärisch noch wichtiger, weil mit seiner Besetzung die Verbindung zwischen den im östlichen Mazedonien und um Sa», loniki konzentrierten und den im westlichen Mazedonien und in Epirus stehenden griechischen Trup» pen bedroht würde. Florina liegt rund 150 Kilometer von Saloniki entfernt. Unweit der Stadt führt auch die einzige in ostwestlicher Richtung verlaufende Eisenbahn Nordgriechenlands von Saloniki über Edessa nach Monastir in Jugoslawien vorbei. Der Vormarsch in Tschamuris, also im südlichen Epirus, ist wichtig, weil von hier aus die Straßen nach Athen beginnen und die felsige Steilküste dieser Landschaft den Kanal von Korfu begrenzt, der den Ausgang der Adria beherrscht In diese Zone sind die Italiener zuerst eingedrungen und wohl am weitesten vorgerückt Die Griechen scheinen sich zunächst darauf zu beschränken, dem Vormarsch der Italiener durch hinhaltenden Widerstand zu begegnen. Dabei ziehen sie sich auf eine Linie zurück, die nach dem Regierungschef General Metaxas benannt ist. Es handelt sich um drei Abschnitte bei Florina, Kastoria und Janina, die von den Griechen ausgebaut find. Die gesamte Verteidigungslinie von der türkischen bis zur albanischen Grenze mißt rund tausend Kilometer.
ZMenischer Wehrmachlbericht
Rom, I.Rov. (DRV.) Der ilattenlsche Wehr- machkberichi vom Freitag hat folgenden Wortlaut:
Die Operationen In Epirus entwickeln sich planmäßig. Unsere Truppen haben den Sfra*
Wehrpolitik ist die besondere Domäne des Präst- denten, er kann Verträge mit anderen Staaten schließen, freilich hat er nicht das Recht der Kriegserklärung, aber wir haben im Weltkrieg sehen müssen, welch ungeheuren Einfluß der Präsident und seine engsten Ratgeber auf die Entscheidung zwischen Krieg und Frieden haben. Da am 5. November außer den Wahlmännern für die Wahl des Präsidenten und des Vizepräsidenten auch ein Dritter der Senatoren und sämtliche M tglieder des Repräsentantenhauses neben einer Re he von Gouverneuren und anderen politischen Beamten der Bundesstaaten neu gewählt werden, wird der kommende Dienstag wohl entscheidend fein für die bedeutsame Frage, welches politisches Gesicht die Vereinigten Staaten für die nächsten vier Jahre erhalten werden. Dr. Fr. W. Lange.
fahren die Wahl des Staatsoberhauptes, der Ja in den Vereinigten (Staaten als Inhaber der Regierungsgewalt fast autokratische Machtvollkommenheiten besitzt, in die Hände besonders umsichtiger, verantwortungsbewußter und unabhängiger Männer zu legen. Diese Wahlmänner sind es, die am kommenden Dienstag in den Einzelstaaten durch das Volt gewählt werden, und sie wiederum wählen erst im Januar des folgenden Jahres den Präsidenten. Aber da die Wähler nur zwischen Wahlmännern der demokratischen oder revublikanischen Partei zu wählen haben, fällt praktisch schon am 5. November die Entscheidung über den kommenden Prä- identen. In jedem Einzelstaat setzt sich die Zahl der Wahlmänner aus der Zahl der Bundessenatoren (immer zwei in jedem Bundesstaat) und der Zahl der Abgeordneten für das Repräsentanten- Haus zusammen, die nach der Beoölkerungszahl des Bundesstaates verschieden ist. Für die ganze Union beträgt die Zahl der Wahlmänner insgesamt 531. Bei der Bestimmung der Wahlmänner gilt die relative Mehrheit. Die Partei, die in einem Einzel- taat diese relative Mehrheit gewinnt, erhält damit auch alle Stimmen der übrigen Wahlmänner, deren Zahl ja gesetzlich sestgelegt ist. Es kann daher z. B. eine geringe Stimmenmehrheit der Demokraten in einem Einzelstaat sämtliche Wahlmänner dieses Ein- zelstaates den Demokraten zuführen, während die republikanischen Stimmen sämtlich ausfallen, ein nicht sehr demokratisches Verfahren, das im weiteren denn auch zu der Möglichkeit führt, daß ein Präsident- schaftskandidat zwar die Mehrheit der Stimmen, nicht aber die der Wahlmänner erhalten hat und damit durchgefallen ist, denn jeder Einzelstaat gilt als ein Ganzes, und ein einziger Staat kann die ganze Präsidentschaftswahl bestimmen. Eine solche Zuspitzung erfuhr die Wahl z. B. im Jahre 1884, als im Staate Neuyork die Demokraten eine Mehrheit von 1100 Stimmen errangen und damit über die damals 36 Wahlmänner des Staates Neuyork verfügten, die dann den Ausschlag für den demo- krattschen Kandidaten Eleveland gaben. Es ist also ein recht verzwicktes Wahlsystem, in dem die dichtbesiedelten Staaten des Ostens, Neuyork, Penn- sylvanien, New Jersey, Massachufets, Illinois, Ohio, dank ihrer hohen Zahl von Abgeordneten zum Repräsentantenhaus uni) der sich daraus ergebenden Zahl von Wahlmännern den Ausschlag geben und deshalb auch im Wahlkampf von beiden Parteien am meisten umworben werden. So stellt der Staat Neuyork mit feinen 12'/r Millionen Einwohnern 45 Wahlmänner, während die 250 000 Einwohner des Staates Delaware nur 3 Wahlmänner wählen dürfen. Am zweiten Montag im Januar nach dem Wahltage treten die gewählten Wahlmänner eines jeden Staates in ihrer Staatshauptstadt zusammen und geben dort ihre Stimmen für den Präsidenten der Vereinigten Staaten ab. Das Ergebnis dieser Abstimmung wird versiegelt an den Präsidenten des Bundessenats in Washington gesandt, der am zweiten Mittwoch im darauffolgenden Februar alle diese einzelstaatlichen Wahlergebnisse in Gegenwart beider Häuser des Kongresses zählt und denjenigen Kandidaten, der die meisten Wahlmännerftimmen erhalten hat, zum Präsidenten erklärt.
Mr sagten schon, daß der auf eine so umständliche und langwierige Weise erkorene Präsident der Vereinigten Staaten (d'.e langen Fristen zwischen den einzelnen Wahlterminen rühren noch aus der Zeit der Postkutsche und der rettenden Boten her) über fast autokratische Machtbefugnisse verfügt. Er ist nicht nur Staatsoberhaupt und hat als solches den Oberbefehl über die Wehrmacht, sondern ist auch Chef der Regierung, der seine Mitarbeiter im Kabinett, die Staatssekretäre, nach Belieben beruft und entläßt, w'e die anderen Bundesbeamten. Mit jedem Präsidentenwechsel geht also auch durch das ganze Heer der Bundesbeamten ein großer Schub. Die bei den Wahlen siegreiche Partei belohnt ihre Anhänger mit einträglichen Posten in der Bundesverwaltung, und in den Einzelftaaten wi-derbolt sich das Spiel bei den Gouverneurswahlen. Bei der kurzen Amtsdauer von regulär vier Jahren bedeutet d'efe Praxis aifo eine große Unstetigkeit im ganzen Derwaltungsapparat der Vereinigten Staaten. Das Wahlsystem läßt es ferner zu, daß der 1 Präsident unter Umständen genötigt ist, mit einem Kongreß zu regieren, in dem feine eigene Partei i nur über eine Minderheit verfügt. Da er aber vom ■ Parlament weitgehend unabhängig ist und auch . seine Staatssekretäre nur ihm allein verantworll'ch i sind, braucht er auf die Parlamentsmehrheit feine > Rücksicht zu nehmen, freilich können Finanz- und
Steuergesetze nur durch Vorschläge aus dem R^ präsentantenhause zur Beratung gelangen, und gegen Gesetze hat er nur ein aufschiebendes Vetorecht. Mit einer Zweidrittelmehrheit beider Häuser des Kongresses angenommene Gesetze bedürfen nicht mehr der Unterschrift des Präsidenten, um Gesetzes- traft zu erlangen. Das ist natürlich eine große Set- tenyett und kann den Präsidenten in feiner Amtsführung sehr viel weniger einengen als das Recht des Obersten Bundesaerichtes. zu prüfen, ob die eine oder andere Maßnahme des Präsidenten den Bestimmungen der Verfassung entspricht. Roosevelt hat in den letzten Jahren im Kampf um seinen New Deal mehrfach erleben müssen, daß ihm hier Schranken gesetzt waren, die sich nur sehr schwer und nicht ohne ernste Auseinandersetzungen in der für diese Dinge sehr empfindlichen amerikanischen Oeffentlichkeit überwinden ließen. Die Außen- und
wohl aber war es bislang geheiligte Tradition, \ sich nicht zum dritten Mal zur Wahl zu stellen, i seitdem der erste Präsident der Vereinigten Staa° i ien George Washington 1797 nach Ablauf sei- I ner zweiten Amtsperiode eine Wiederwahl abge- i lehnt hatte, angeblich mit der Begründung, daß i eine solche an die republitani|d.jen Grundlagen der 1 Vereinigten Staaten rühren müsse. Dieser Vorwurf ! spiell denn auch in der Agitation der republikani- । schen Gegenkandidatur Wilkie eine Hauptrolle, i wohingegen die Demokraten gellend machen, daß ; die weltpolitische Lage einen Wechsel in der Füh- , rung des Staates nicht opportun erscheinen lasse und auch die Fortfühung des großen wirtschaftlichen und sozialen Reformwerks, das Roosevelt begonnen hat, seine Wiederwahl wünschenswert mache. Aber grabe diese Argumente sind heftig umstritten. Selbst in demokratischen Kreisen hat Roosevelts Stellung zum europäischen Krieg leb- hafte Beunruhigung geweckt und auch sein „New Deal" hat manchen heftigen Gegner im demokratische Lager gefunden. Andererseits unterliegt es keinem Zweifel, daß Roosevelts soziale Reformen, die Arbeitslosenhilfe und die Sozialversicherung in den breiten Wählermassen auch der Republikaner viel Anklang gefunden haben, obwohl der New Deal nicht gehalten, was er versprochen hat, eine solide Prosperität ist für die amerikanische Wirtschaft nicht eingekehrt. Auch das gigantische Rüstunasprogramm Roosevelts hat sowohl unter dem Gesichtspunkt der Arbeitsbeschaffung wie unter der Einwirkung einer vernebelnden Agitation der mit Roosevelt durch dick und dünn gehenden großen Presse viele Für- sprecher in den republikanischen Reihen gefunden, sodaß mehr noch als ohnehin schon bei den ver- waschenen und vielfach ineinander laufenden Konturen der amerikanischen Parteiprogramme die Persönlichkeiten der beiden Präsidentschaftskandidaten am kommenden Dienstag den Ausschlag geben dürften. Die Prognosen gehen in den bereinigten Staaten selbst sehr auseinander, es wäre also für uns in Guropa doppelt unergiebig, sich auf irgend welche Prophezeiungen einzulassen.
Interessanter ist schon, sich einmal mit dem Wahl- verfahren zu beschäftigen, mit dessen Hilfe sich das Volk der bereinigten Staaten fein neues Staatsoberhaupt kürt. Es ist ebenso umständlich wie zeit- raubend. Seit 1832 werden die Präsidentschafts, fanbibaten auf national conventions, also nationalen Parteiversammlungen, nominiert, wie auch hier die Wahlprogramme, die „national platform“, oeröffent- licht werden. Aus diesen Nationalkonventen werden oft zahlreiche Abstimmungen notwendig, weil fast jeder der 48 Einzelstaaten der Union dort mit einem eigenen Bewerber um das Weiße Haus in Washington auftritt und man erst nach und nach eine kleine Auswahl trifft, wobei häufig ein Kampf zwischen zwei gleich starken Bewerbern nur dadurch entschieden wird, daß man einen dritten, bisher kaum genannten Kandidaten in den borbergrunb schiebt und sich schließlich auf ihn einigt. So wurden vor dem republikanischen Nationalkonvent zwar banbenberg, der jüngere Tast und der Neuyorker Generalstaatsanwolt Dewey und noch mancher andere als aussichtsreichste Präsidentschaftskandi- baten in der Oeffentlichkeit genannt, aber der In- dustrielle Wilkie wurde schließlich nominiert. Nach- dem auf diesen Nationalkonventen die offiziellen Präsidentschaftskandidaten der beiden Parteien durch die bertretet der Parteiorganisationen aus dem ganzen Lande aufqeftellt sind und die Kandidaten ihr Programm bekanntgegeben haben, beginnt der eigentliche Wahlkampf, der, je näher ber Wahltag heronrückt, um so mehr echt amerikanische Formen annimmt. Die fanbibaten selbst sprechen auf mehre- ren großen berfammlungen, wobei schreiende Aufmachung und laute Musik immer noch wichtiger sind als die Ausführungen des Redners, ber nur die eine Aufgabe hat, sich populär zu machen. Alles ist auf Massenwirkung eingestellt und darauf berechnet, dem Sentiment des Durchschnittsamerikaners zu schmeicheln. Alle Berichte aus ben ber- einigten Staaten lassen burchblicken, baß es auch diesmal kaum anders zugegangen ist, wie in jedem Kampf zwischen Esel und Elefant, den Parteisymbolen ber Demokraten unb ber Republikaner.
Die Wahl selbst erfolgt nun nicht durch das Volk wie einst im Deutschland der Weimarer berfafhing, auch nicht durch das Parlament wie im Frankreich der Dritten Republik, sondern durch W a hl- rn ä n n e r als b-’rtrouensmönner ber Einzelftaaten. Die bä ter ber bunbesDerfaffung von 1787 w^en der Meinung gewesen, mit diesem indirekten Der-
Stockholm, 1. Nov. (Europapreß.) Italienische Streitkräfte haben am Donnerstag K a st a n i a |uo- lich von Konispe sowie bas Gebiet zwischen Konispe und Janina besetzt. Darüber hinaus stoßen sie gegen Melissopetra vor, um sich aus oiefe Art und Weise schnell des Eisenbahnknotenpunktes Janina bemächtigen zu können. Janina ist die größte Stabt an der Eisenbahnstrecke balona (Atbamen) und ßepanto i>m südlichen Griechenland. Außerdem ist Janina der Ausgangs- punikt eines Eisenbahnnetzes, welches mehrere Ausläufer nach dem Aegüiscden Meer hat. Eine zweite itallenvsche Gruppe hat ihren albanischen Stützpunkt Kosarika verlassen und rückt ebenfalls gegen Melissopetra vor, um diese Stadt zu umzingeln/
Der italienische bormavsch entwickelt sich, wie die römischen blätter berichten, trotz des seit Wochen strömenden Regens. Die von ben Griechen gefpreng- ten Brücken sind von den Italienern sofort wieder- hergestellt worden, so daß auch die motorisierten Abteilungen ohne Hindernisse sofort weiter operieren können. Durch die w.lden Gebirgsschluchten streben die italienischen Abteilungen von K a t a - Dia und berat auf verschiedenen Wegen den ihnen bezeichneten Zielen zu. Der Kalamay- Fluß ist überschritten worden, und ber Bormarsch aeht weiter. Wie sich aus ben Aussagen eines gefangenen griechischen Soldaten ergibt, wurden er und seine Kameraden von dem italienischen Vormarsch vollkommen überrascht, weil ihnen kein Offizier mitgeteilt hatte, daß die Feindseligkeiten begonnen hätten. Diese griechischen Soldaten wurden etwa 14 Kilometer von der Grenze entfernt gefangengenommen. Von den Italienern werden Lebensrnittel an die Bevölkerung der befreiten Gebiete verteilt. Von Agricastro ist eine große Lastwagenkolonne unterwegs, um in den größeren Ortschaften des Epirus der Zioivbe- völkerung Nahrungsmittel zu bringen.
Die italien'.schen Zeitungen unterstreichen, daß von aktiver englischer Hilfe in Griechenland nicht viel zu sehen sei. Die Engländer seien der Auffassung gewesen, daß es genügen würde, ben Griechen Waffen und Ausrüstungsgegen- stände zu liefern, denn alles, was die in Epirus aufgelegten griech. schen Elite trupp en an Bewaffnung und Meldung hätten, sei „M ade in England", 10-cw-Geschütze seien ebenso wie Gewehre, Maschinengewehre und Handgranaten englischen Ursprungs. Die griechischen Truppen hätten sich mit guter Feuerwirkung erbittert verteidigt, sobald die italienische Infanterie aber in Schußweite gekommen sei, hatten sie schleunigst die Flucht ergriffen. „Popolo di Roma" schreibt, das griechische Heer, bas damit rechne, an der Metaxaslinie Widerstand zu leisten, ziehe sich vor den vorrückenden italienischen Truppen zurück und vertraue dabei auf bas schlechte Wetter sowie auf ,die Straßenunterbrechungen. Das schlechte Wetter werden den Griechen aber ebensowenig nützen, wie d'.e ausgebliebene englische Hilfe, während die Straßenunterbrechungen von den italienischen Pionieren rasch beseitigt würden, so daß der Vormarsch unaufhaltsam wettergehe.
Mozari, Dohnänyi, Strauß.
Zum bevorstehenden vrchesterkonzert des Gießener Konzertvereins.
Nachdem sich der junge Richard Strauß mit seiner „Symphonischen Phantasie" („Aus Italien"), wo er sich schon von bildhaften Anschauungen an- regen läßt, mit ber traditionellen Symphonieform auseinandergesetzt hatte, regten sich seine Schaffenskräfte zu einem Vorstoß auf Neuland. Einem ersten Versuch, „Macbeth", der erst in späterer lieber- orbeitung veröffentlicht wurde, folgte der „D o n Juan" als „symphonische Dichtung".
Hatte Hektor Derlioz mit dieser musikalischen Gattung das Hauptgewicht auf das Malerische gelegt, war es Franz Liszt mehr auf die Darstellung der Gesühlsvorgänge angekommen, so versucht Richard Strauß im Musikalischen eine Durchdringung ihm entgegentretender Kräfte und gelangt so zu der konsequenten Durchformung der symphonischen Dichtung im Lichte einer durch ein Dichterwerk erregten Idee, als dem Ausfluß persönlicher Stellungnahme. „Will man nun ein in Stimmung und konsequentem Aufbau einheitliches Kunstwerk schaffen, und soll dasselbe auf die Hörer plastisch einwirken, so mutz bas, was der Autor sagen wollte, auch plastisch vor seinem geiftigen Auge geschwebt haben. Das ist nur möglich infolge der Befruchtung durch eine poetische Idee, mag diese nun als Programm dem Werke beigefügt werden ober nicht." (An Hans von Bülow.)
Der Anstoß für bie Auseinandersetzung des 24- jährigen Richard Strauß mit dem „Dvn-Juan"-Pro- blem ging von ber Lenauschen Dichtung aus. Er sieht und erlebt in der Gestalt des Don Juan etwas Uebermenschliches, geradezu Faustisches, als den Inbegriff menschlicher Triebhaftigkeit, die für ihr Be- gehren keine Widerstände und keine Rücksichten kennt, sich über die gesetzlich gebotene Ordnung der Menschengemeinschaft hinwegsetzt, unb in der un» gezügelten Maßlosigkeit den eigenen Untergang begründet. So wird die Ueberfteigerung menschlicher Leidenschaft das beroegenbe philosophische Problem für bie Tondichtung „Don Juan".
Die Ausschnitte aus der Lenauschen Dichtung, bie Strauß seiner Partitur voransetzt, enthalten keine Geschehnisse, sondern geben Einblicke in die jeweilige seelische Verfassung des Helden. Nicht ge
fesselt durch einen Geichehensablauf vermag Strauß so in großen Zügen Der die traditionelle Symphonie beftmtmenben Sonatenform zu folgen. „Hinaus unb fort nach immer neuen Siegen, solang der Jugend Feuerpulse fliegen", wird zum Motto des hin- reißenden Schwunges, ber das Werk durchzieht. Don den zwei Themen des Haupthelden gewinnt das zweite erst im Laufe der Entwicklung feine Gestalt. Dem treten inhaltlich ergänzende gegensätzliche Gedanken gegenüber, die den Helden im Lichte feiner weiblichen Gegenspieler erkennen lassen, mag man sie mit bestimmten Frauengestalten in Beziehung setzen ober sie mehr allgemein als für Frauentypen bezeichnend ansehen. In ben triebhaften Taumel bes Genusses mischt sich ein Motiv des Ueberdrusses, ber Ueberfättigung. Nach höchster Aus- fteigerung bricht das Werk ab, schauernd läßt die Coda das Ende Don Juans erleben, mit dem grellen Ton ber Trompete als dem Dolchstich in sein Herz.
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Zu ben führenden Persönlichkeiten im ungarischen Musikleben zählt Ernst von D o h n a n y i (geb. 1877). Als Pianist sowohl wie als Dirigent ist er außerordentlich gefeiert worden. In seinem kompositorischen Schassen konnte man ihn im weiteren Sinne zur Nachromantik wie auch zum Klassizismus rechnen; sein Orchesterstil ist klar, durchsichtig und von gewählter Ausdrucksprägung. Sein Konzert- stück für Cello und Orchester in D-dur (1906) wird gern und mit Erfolg gespielt. Einen Hauptgedanken, der in seinem Wesen etwa in die Nähe von Joh. Brahms weist, treten Seitenthemen gegenüber, eines davon nur vom Solocello vorgetragen. Es zeugt für ben Klangsinn des Komponisten, daß er an ben Stellen der Durch sich rung, in denen das Solo Instrument von ber Orchestermafse erdrückt würde, dieses schweigen läßt.
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Die drei großen Symphonien Mozarts aus bem Jahre 1788 (Es-dur, g-moll unb C dur) gelten als bie Zusammenfassung seines symphonischen Lebenswerkes. Kurz hintereinander entstanden, geben sie in ihrer Gefamtheit eine Wesensschau von Mo- zarts Charakter.
Für tragische düstere Stimmungen bevorzugt Mozart bie g-moll-Tonart (Klavierquartett g-moll, Quintett g-moll). Auch in der g-moll-Sym- phonie ist ihm diese Tonart das Mittel, schwerem menschlichen Erleben Ausdruck zu geben.
Während Beethoven später in seinen symphonischen Werken durch ein vorgesetztes ethisches Ziel die Richtung bestimmte, indem er die all Werk ruhenden Konflikte durch die im Musikalischen ab gebildeten Kämpfe einer befriedigenden, ja beglückenden Losung zuführte, ist es Mozart um die Befreiung feiner Persönlichkeit zu tun, die ihm das Niederschreiben des chn bedrückenden Erlebnisies gewährt.
Die inhaltliche Schwere ber g-moll-Symphvnie wurde nicht zu allen Zeiten erkannt, sieht doch Robert Schumann in ihr noch „griechisch-schwebende Grazie". Erst späteren Zeiten war es vorbehalten, die Tragik dieses Werkes zu erfassen und in der Wiedergabe zu verdeutlichen.
Unter dem Eindruck bes Kampfes gegen die Wid- rigkeiten des Schicksals stehen die Eckfätze. Der Eingangssatz führt mit seinem Allegro molto sofort in diese gequälte Stimmung ein. Sein Hauptthema entwickelt sich aus einem seufzerartigen Grundmotiv. Mit wuchtigen Schlägen bricht dieser Gedanke ab; eine Generalpause gibt bem inneren Nachhall Raum. Das Seitenthema scheint die Erregung abdämpfen zu wollen, aber ein erneutes Durchbrechen bes Seufzerthemas führt zum wuchtigen Abschluß ber Themenaufstellung. Die Durchführung läßt den Hauptgedanken zunächst melodisch absinken, bann bricht er aufbäumenb mit voller Kraft in ben Bässen hervor; ein konttapunktisches Gegenspiel entwickelt sich; Seufzer in ben Violinen werden von den Holzbläsern beantwortet. Eine Engführungs- kette ber Holzbläser, ebenfalls von bem Seufzer bestimmt, führt zur Wiederkehr der Themen. — Das Andante gibt wohl einer weicheren nachdenklichen Stimmung Raum, wenngleich schon fein Eingangs- thema durch Vorhalte belastet wird; ein zweiund- dreißigstel Seufzermotiv umflort ben von Wehmut getragenen Satz. — Selbst bas Menuett zeuqt in feiner rhythmischen Gestalt von verbissenem Trotz. Nur im Trio scheint sich ein Traumland zu eröffnen, in dem alle Konllikte ihre harmonische Losung finden, der bie Hörner einen besonderen Gefühlsinhalt verleihen. — Das Finale steht unter bem Zeichen dämonischer Erregtheit, selbst das triomäßig eingeführte Seitenthema wird durch einfließende Chro- matit der Grundstimmung angenähert. Der Schluß vermag auch keine bejahende Lösung bes Konfliktes ,zu geben, der Satz endet im düsteren g-moll mit harten Schlägen, ohne sich selbst im Schlußakkord zum Dur zu bekennen.
- Dr. Hermann Hering.
Gisela.
Von Walter v. Molo.
Die Fichte „Gisela" ist mir aus zwiefachen Gründen wert.
Als ich sie kennenlernte, war sie von großen Schwestern in den kalten Schatten gedrängt, armselig und zurückgeblieben. Sie war krank, blutarm und ein wenig verkrüppelt. Jeder wollte das „Der- recferl" ab sägen. Mit wenigen scharfen Hin- und Herzügen des gezähnten Stahles wäre es getan gewesen. Aber ich gab ihr ben Namen Gisela, ließ sie Im Herbst ausgraben und oben auf den Berghang einsetzen.
Da lebt sie nun ungestört und frei und ist den ganzen Tag ber Sonne und jedem Winde bargeboten. Sie wächst jetzt. Sie wird niemals etwas Besonderes werben, denn sie ist so etwas nicht — äußerlich besehen —, aber gerade deshalb besuche ich sie oft.
Neben ihr mar ich in einer Vollmondnacht. Groß hing die Scheibe des erfüllten Gestirns im wolkenlosen Himmel über uns unb erleuchtete bas Tal unb bie fernen Berge. Gisela freute sich wie ich. Aber mit einem Male zog schwarz eine große, dicke, längliche Wolke bedrohlich gegen den Mond heran; Gisela und ich mußten für ihn fürchten, weil die Wolke schnurgerade und eilig auf chn zuschwamm. Sah unb gehässig hatte sie chn auch schon verschluckt; wir konnten es nicht verhindern. Das Tal, die Ferne und die Nähe waren finster.
Ich träftete Gisela, indem ich traurig nachsah, ob ihre verkümmerten Zweigenden sich,in der Ordnung strecken wollten; man muß bie Zeit ausnützen. Meine Forschungen waren Gttela peinlich, sie lenkte meine Aufmerksamkeit von sich und leuchtete, wirk- l-ich unb wahrhaft: sie glänzte auf, unb als ich mich schnell umwendete, war bie strahlende Mondscheibe da. Alles lag in unveränderter Ruhe schön silbrig erleuchtet wie zuvor.
Die Wolke hatte nicht den Widerschein bes großen Geheimnisses um uns verzehrt, sie war nur zwischen uns unb dem Licht gewesen.
„Dunkelheit und Krankheit, Verdammnis unb Pein", hauchte Gisela auf ihre treue Art mir zu, bie von ihrer prüfenden Einsamkeit kam, „sind nicht Verrichtung ober gar Abscheiden bes Hellen; jie quälen nur, wenn wir das Licht gerade nicht sehen. Du darfst niemals meinen, bas Licht könne l verschwinden. Es ist immer baf -----"


