nach Ausscheiden aus dem Betrieb einen Verstoß gegen die jedem Beschäftigten obliegende Treupflicht enthält und daher eine unrichtige Rechtsausübung darftellt. Unter welchen Voraussetzungen das der Fall ist, ergibt sich aus den Umständen des Einzelfalles. Die bloße Tatsache, daß der Jugendliche nach der Gestaltung des Einzelfalles in der Lage ist, seinen Urlaub vom zweiten Vetriebsführer zu erhalten, kann jedenfalls nicht ausreichen, um derartiges zu begründen.
Betriebsappell im Stadttheater.
Im Einblick auf den Beginn der Vorarbeiten für die neue Spielzeit unseres Stadttheaters fand am heutigen Donnerstagvormittag auf der Bühne in schlichter Form ein Betriebsappell statt. Betriebsobmann Richter eröffnete den Appell mit einem Wort des Führers und forderte auf, sich der Einheit bewußt zu sein, die die Gefolgschaft des Stadttheaters bilden müsse, wenn sie ihre Mission erfüllen wolle.
Anschließend hielt der Intendant Hans Walter Klein eine kurze Ansprache. Er begrüßte die Arbeitskameradinnen und -kameraden und überbrachte gleichzeitig die Grüße des Oberbürgermeisters R i t - ter. Der Intendant wies darauf hin, daß es ihm nicht darauf ankomme, große Worte zu machen, vielmehr bot er, alle Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit in den Dienst des Theaters zu stellen, Kameradschaft und Disziplin als oberstes Gesetz zu erachten. Er versprach seinerseits, allen Arbeitskameradinnen und -kameraden ein guter Kamerad zu sein und ihnen stets zur Seite zu stehen. Der 3ntem front betonte ferner, daß die Arbeit, die des Theaters und seiner Mitarbeiter harre, oft nicht leicht sein werde, jedermann aber solle sich dessen bewußt sein, daß es einem großen, herrlichen Werke zu dienen gelte: der deutschen Kunst!
In seinen weiteren Worten forderte der Intendant auf, ihm alles Vertrauen entgegenzubringen, so wie auch er den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern menschlich wie künstlerisch alles Vertrauen entgegenzubringen bereit sei. Der Leitspruch „Das Theater soll durch die Tat beweisen, was es zu leisten im Stande ist" solle anspornen und den Weg weisen für das gemeinsame Schaffen. Mit den Worten .Auch wir wollen Sieg auf unsere Fahnen schreiben" schloß Intendant Klein seine kurze, eindringliche Ansprache.
Es sind dies: Oberspielleiter und Vertreter des Intendanten Büttner, Oberspielleiter für Operette Grüneke, Musikalischer Leiter und 1. Kapellmeister S ö l l n e r , Spielleiter des Schauspiels Geißler, Kapellmeister A p e 11, Spielleiter Bold, 1. Dramaturg Reuter, Ballettmeisterm T r ö m e l und Korrepetitor Galla.
Gießener Wochenmarttpreise.
♦ Gießen, 1. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rps., Käse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, neue, kg 7,2 Rpf., Wirsing 10, Weißkraut 10, Rotkraut 15 bis 17, gelbe Rüben 10 bis 14 rote Rüben 10 bis 15, Spinat 25, Romischkohl 10, Bohnen, grün, 16 bis 28, gelb, 22 bis 28, Erbsen 30, Tomaten 35 bis 50, Zwiebeln 14, Rhabarber 10 bis 12, Pilze 40 bis 60, Frühäpfel 35 bis 40, Falläpfel 8 bis 10, Birnen 31, Aprikosen 35 bis 45, Pfirsiche 45, Himbeeren 40 bis 50, Heidelbeeren 42, Stachelbeeren 25, Johannisbeeren 25, Pflaumen 24 bis 31, Zwetschen 31, Mirabellen 40 bis 45, Renekloden 35, Blumenkohl, das Stück 10 bis 60, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 50, Einmachgurken 1% bis 4, Endivien 15, Oberkohlrabi 5 bis 15, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bund 10 bis 12 Rpf.
** Mit dem Eisernen Kreuz aus- g e z e i ch n e t. Der Feldwebel in der ---Verfügungstruppe Erich S e y b aus Gießen wurde für Tapferkeit vor dem Feind mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Feldwebel Seyb, der bereits beim Vormarsch der Südarmee in Polen gegen den San mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet und damals verwundet wurde, war auch beim Angriff über Holland, Belgien und Nordfrankreich mit dabei. Bei dem Angriff auf die Weygand-Linie zeichnete er sich erneut aus und erhielt dafür das Eiserne Kreuz I. Klasse. Bei diesen Kämpfen wurde er zum zweitenmal verwundet.
** Telegraphendienst mit Luxemburg. Der öffentliche Telegraphendienst zwischen Deutschland und Luxemburg ist wieder zugelassen. Privattelegramme nach Luxemburg unterliegen denselben Bedingungen wie vor dem 10. Mai. Telegramme mit bezahlter Antwort — RP. — sind jedoch ausgeschlossen.
ihr 65jähriges Bestehen feiern konnte. Die Feier selbst, so hob Kamerad Post hervor, konnte als wohlgelungen bezeichnet werden, da sich daran etwa 1500 Kameraden der Umgebung beteiligten. Hierauf berichtete Kamerad Launspach über den finanziellen Abschluß des Festes, der als gut bezeichnet werden konnte. Nach kurzer Aussprache über den Verlauf des vorjährigen Appells teilte der Karne- radschaftsfichrer mit, daß sich die hiesige Krieger- Kameradschaft am letzten Reichskriegertag in Kas. fei wiederum durch Entsendung einer Abordnung beteiligt hatte. Diese Tagung sei für die beteiligten Kameraden ein großes Ereignis gewesen.
Die Jahresabrechnung für 1939, die Kassenwart Launspach bekanntgab, wurde in bester Ordnung befunden. Kamerad Gümbel berichtete kurz über die Bedeutung des Fechtwesens innerhalb der Kameradschaft. Eine besondere Ehrung wurde dem Kameraden Junker zuteil, dem für 50 jährige treue Mitgliedschaft das entsprechende Jubiläumsabzeichen durch den Kameradschaftsführer überreicht werden konnte. Nachdem noch einige Anordnungen der Kreiskriegerführung bekanntgegeben waren, schloß der Kameradschaftsführer den Appell.
Kreis Alsfeld.
Aus der engeren Heimat
9.31.-Sport
daß er den Diebstahl ausgeführt hatte. Er war dabei ganz raffiniert zu Werke gegangen. Als er wußte, daß der Meister nicht in seiner Wohnung war, sandte er zu der Ehefrau einen Jungen und ließ rhr bestellen, daß sie sofort zu einer bekannten Fanuue kommen sollte. Als die Frau, die glaubte, es konnte etwas passiert sein, bestürzt davongeeilt war, erschien der Angeklagte, der einige Zeit zuvor einen Hausschlüssel entwendet hatte, öffnete die Wohnung und stahl aus einer unverschlossenen Kassette 200 RM., mit denen er Schulden bezahlte. Der rückfällige Täter wurde von der Strafkammer Frankfurt zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt.
Auch die an der Hinterfront der Häuser liegenden Fenster müssen mit der gleichen Sorgfalt abgeblendet werden, wie die Fenster an der Vorderfront!
sowie die Mordkommission in Frankfurt Mitteilungen entgegennehmen.
Raffinierter Diebstahl.
LPD. Frankfurt a. M., 30. Juli. Ein 30jähri- ger verheirateter Angeklagter hatte eine gute Stelle bei einem Handwerksmeister in Fechenheim gefum den. Eines Tages wurde er unter dem Verdacht des Rückfalldiebstahls verhaftet, weil er seinem Meister 200 RM. gestohlen haben sollte. Nach anfänglichem Leugnen gab der Verhaftete zu,
abermals zur Führung eingeschossen. Das war den Gießenern zu viel. Drei Minuten später gab Fröhlich gut herein, und Kraft war es, der zum Ausgleich einlenkte. Hofmann hatte sich durchgespielt, doch dessen wuchtiger Schuß ging an die Latte. Kurz darauf wurde ein Stürmer im Strafraum festgehalten. Der fällige Elfmeter brachte die Füh- rung für die Stadtelf. Zehn Minuten vor Schluß wurde Hofmann gut bedient, und kurz entschlossen schoß er zum letzten Tore ein. Alle Versuche des Gegners, das / Ergebnis zu ändern, schlugen fehl, und verdient verlieh die Stadtelf als Sieger den Platz. •
Gebiets- und Obergaumeisterschasten
im Schwimmen.
NSG. Am kommenden Sonntag finden in Darmstadt im „Großen Woog" die Gebiets- und Obergaumeisterschasten im Schwimmen, Wasserspringen und Wasserball statt. In den Kämpfen in den verschiedensten Disziplinen, welche um 10 Uhr beginnen, sind die Hiller-Jugend, das Deutsche Jungvolk, der BDM. und das BDM.-Werk „Glaube und Schönheit" beteiligt. Gestartet wird in zwei Leistungsklassen. Startberechtigt sind die Jungen und Mädel, die bei den Bann- und Untergau- Meisterschaften die vorgeschriebenen Mindestleistungen für die am Sonntag zum Austrag gelangenden Meisterschaften erreicht haben. 2)abei werden sich die herausschälen, die vermöge ihrer Leistungen würdig sind, das Gebiet und den Obergau Hessen- Nassau bei den Deutschen Jugend Meisterschaften zu vertreten.
Kurze Gportnotizen.
Unserem Bericht über die Beteiligung des Gießener Leichtathleten Dr. Luh bei dem Länderkampf Deutschland — Italien ist nachzutragen, daß Otto Luh seit seinem 14. Lebensjahr einem systematischen Training obliegt, bei dem er stets unter der Leitung von Sportlehrer Fischer stand. Im Zusammenhang damit sei bemerkt, daß Luh bereits im Jahre 1936 15,07 m und 1938 15,12 m im Kugelstoßen erreichte.
Zahreshauptappell der Krieger- kameradschast Großen-Liudeu.
gn Großen-Linden, 31.Juli. Die hiesige Krieger-Kameradschaft im NS.-Reichskriegerbund hielt bei Kamerad Weiß ihren Jahrehauptappell ab, der sehr gut besucht war. Kameradschaftsführer Post begrüßte die Kameraden und gedachte der im vergangenen Jahre verstorbenen Kameraden Wenzel, Menges und Schäfer. Sodann wies er auf die gewaltigen Geschehnisse seit Kriegsausbruch hin und hob die außerordentlichen Leistungen unsrer jungen Wehrmacht hervor. Er gedachte hierbei besonders der im Felde stehenden Kameraden, denen er einen besonderen Gruß entbot. Ferner hob Kamerad Post die gewaltigen Leistungen der Heimat hervor und ermunterte die Kameraden zum letzten Einsatz auf dem ihnen zugewiesenen Platz. — Anschließend erstattete er Bericht über den am 25. und 26. Juni 1939 stattgefundenen Kamerad- schaftsappell, an dem gleichzeitig die Kameradschaft
Stadtels Gießen - Kehnnacht Wehlar 5:3 (2:2).
Leider waren nur wenige Unentwegte gekommen, die Zeuge eines rassigen Spieles wurden. Die Gießener Elf lieferte ein Spiel, wie man es lange nicht mehr gesehen hatte. Die Spieler wuchsen über sich selbst hinaus. Man sah wohl weniger technische Feinheiten, aber desto mehr Kampf und Härte. Die Wetzlarer haben etwas enttäuscht. Die Elf fand sich nie so recht zusammen. Einzig der bekannte Spieler Möbs war der Turm in der Schlacht.
Die Gießener hatten zwei neue Spieler in der Mannschaft. Dadurch war die Mannschaft sehr verstärkt, vor allem wurde mehr geschossen. Die Gäste waren gleich im Bilde und griffen mit wuchtigen Vorstößen an. Schon nach 10 Minuten winkte ihnen der erste Erfolg. Goß konnte in der Bedrängnis nur den Ball mit der Hand ab wehren, den fälligen Elfmeter verwandelte Möbs sicher. Auf der Gegenseite wurden die Angriffe besser vorgetragen, eine klare Chance wurde durch Foul unterbunden^ den Freistoß konnte der Torwart nur aur Ecke ablenken. Diese wurde wieder zur Ecke abgelenkt, den gut hereinkommenden Schuß köpfte Möbs selbst unter die Latte. Dann folgte wieder ein schön angelegter Angriff, Funk hatte an Fröhlich schön vorgelegt, dessen Flanke erreichte Hofmann, und nach 26 Mi- nuten führte die Stadt 2:1. Vor der Pause machte Schlitz „Hand". Meder tarnen die Gäste durch Elfmeter zum Gleichstand.
Wenig verheißungsvoll begann die zweite Spielhälfte. Die Gäste setzten alles auf eine Karte, um die Entscheidung zu erzwingen, aber die Hintermannschaft war wachsam. Langsam aber sicher schälte sich nun eine leichte Ueberlegenheit der Stadt- -eüf heraus, doch hier hatten die Stürmer mit ihren Schüssen viel Pech. Einen schönen Kopfball setzte der Mittelstürmer knapp neben das Tor, eine Ecke wurde nicht ausgewertet. Dann waren die Gäste wieder vor dem Tore der Gießener, hier zögerte einer der Verteidiger, und schon hatten die Gäste
* Alsfeld, 31. Juli. In Anerkennung der langjährigen treuen Dienste wurde Forstrat Richard Schäfer von hier das goldene Treudienst-Ehren- zeichen für 40jährige Dienstzeit verliehen.
Ein Oberheffe, Deutschlands ältester Ehrenbürgermeister.
Lpd. Landau (Pfalz), 31. Juli. Hier feierte Deutschlands ältester Ehrenbürgermeister, Konrad Schlitt, Ehrenbürgermeister der Stadt Bergzabern, seinen 9 3. Geburtstag. Konrad Schlitt stammt aus Altenburg in Oberhessen. Seinen Wohnsitz hatte er seit 1876 in Bergzabern.
Oer Ueberfall bei Schwickershausen.
1000 RM. Belohnung für Ergreifung des Täters.
Lpd. Frankfurt a. M., 31. Juli. Der gefährliche Sexualoerbrecher, der in der Feldgemarkung Schwickershausen (Kreis Limburg) eine Frankfurter Büroangestellte überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt hat, konnte bisher nicht ermittelt werden. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt hat für die Ergreifung des Täters oder für Angaben und Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, eine Belohnung von 1000 RM. ausgesetzt. Es wird noch einmal daraus hingewiesen, daß in dieser Angelegenheit alle Polizei- und Gendarmeriedienststellen,
Leichlachletik-Meisterschasten wie im Frieden.
622 Einzel- und 60 Staffel-Meldungen für Berlin.
In diesen Tagen lief die Meldefrist für die Kriegsmeisterschaften der deutschen Leichtathleten ab, die am 10. und 11. August im Berliner Olympia- Stadion veranstaltet werden. Das Nennungsergebnis muß als hervorragend bezeichnet werden. Aus allen Bereichen einschließlich des Generalgouvernements nehmen die Spitzenkönner der Leichtathletik teil, insgesamt 618 Aktive. Für die Einzel-Wettbe- werbe der Männer wurden 443, für die Staffeln 46 Meldungen abgegeben. Bei den Frauen sind 179 Einzel- und 14 Staffelmeldungen getätigt worden. Die insgesamt 622 Einzel- und 60 Staffelmeldungen entfallen auf 215 Vereine.
Don den Titelverteidigern fehlen nur ganz wenige bei den Männern. Es sind dies die beiden Hürden- Meifter, der verwundete Kumpmann und Oblt. Hölting, ferner in den Sprüngen der auf dem Felde der Eyre gebliebene Hochspringer Gehmert, im Weitsprung wegen Krankheit Lang und im Dreisprung Ziebe, im Diskuswerfen Meister Lampert, im Kugelstoßen Trivpe und in der 4X 100-Meter-Stafiel endlich die ----Gemeinschaft Stuttgart. Bei den Frauen • find alle vorjährigen Meisterinnen zur Stelle.
Die Meldungen verteilen sich auf die einzelnen Wettbewerbe:
Männer: 100 Meter 40; 200 Meter 30; 400 Meter 21; 800 Meter 37; 1500 Meter 27; 5000 Meter 29; 10 000 Meter 33; HO Meter Hürden 16; 400 Meter Hürden 27; 3000 Meter Hindernis 22; Weitsprung 32; Hochsprung 22; Stabhochsprung 19; Dreisprung 25; Diskus 14; Kugel 14; Speer 22; Hammer 13; 4X100 Meter 16; 4X400 Meter 13; 3X1000 Meter 17.
Frauen: 100 Meter 40; 200 Meter 23; 80 Meter Hürden 23; Weitsprung 22; Hochsprung 19; Diskus 16; Kugel 18; Speer 18; 4X100 Meter 14.
Die einzelnen Bereiche sind im Meldeergebnis wie folgt vertreten: Ostpreußen 21; Pommern 9; Berlin-Brandenburg 157; Schlesien 20; Sachsen 41; Mitte 56; Nordmark 38; Niedersachsen 54; Westfalen 13 Niederrhein 26; Mittelrhein 11; Hessen 19; Süd west 34; Baden 24; Württemberg 17; Bayern 43; Ostmark 21; Sudetenland 1; Danzig» Wsstprepßen 3; Warthegau 5; Generalgouvernement 5 Meldungen.
Die schöne Melusine Roman Lon HanS Richter
15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
In einem dichten Gebüsch, etwa in der Mitte des Hügels, glaubt Tilde große Feldsteine zu entdecken. Aber das zerstreute Licht äfft, und das Unterholz wehrt einer näheren Untersuchung. Wenn dieser anmaßende Jüngling noch da wäre, könnte man gemeinsam mit ihm den Versuch wagen. Man könnte den Dingen vielleicht auch mit Logik zu Leibe gehen. Männer haben mehr Ahnung und Wissen von Geschichte als Frauen. Frauen müssen praktische Dinge lernen. So zum Beispiel Briefe, die mit „Geehrter Herr" anfangen, zu schreiben. Reiserouten ausarbeiten, Pläne für Wochenendfahrten machen.
Es ist nichts mit dem Robinsondasein, solange man von einer unerfüllten Pflicht bedrückt wird. Also beschließt Tilde, zuerst einmal ihre Arbeit zu erledigen. Durch eine Schlucht klettert sie wieder nach unten, läßt das Zelt stehen, verpackt alles darin, verknüpft und verknotet den Eingang, läßt das Boot zu Wasser, wirst Rock und Bluse hinein, damit sie bei den kommenden Besprechungen einen würdigen Eindruck machen kann, und stößt ab.
Tilde steuert ihr „Lotteken" gerade der Sonne entgegen, und wieder will die Faulhett siegen. Sie möchte mitten im See die Arme sinken und sich und das Boot treiben lassen. Das Pflichtbewußtsein jedoch ist stärker.
Die Fahrt wird fortgesetzt, das Mückenfließ passiert, und schon an dessen Ausfahrt macht sich Tilde mit Rock und Bluse stadtfein und legt endlich stolz und von der Wichtigkeit ihrer Aufgabe überzeugt, am Steg von Lüchow an.
Auch das weiße Mütorboot ist noch da, em mit allen Schikanen ausgestattetes Kajütboot. Vorn am Steuerstand leuchtet blitzblank geputztes Messing. Aber das Boot ist herrenlos. Die großen Fenster sind zugezogen, die Pflicht hinten mit einer Persenning geschützt, und nur vorn räkelt sich ein Bootsmann in der Sonne.
Tilde nickt ihm zu, ihr ,Lotteken" aber wird
keines Blickes gewürdigt. Der Mann denkt auch gar nicht daran, ihr beim Anlegen behilflich zu sein. Ist auch durchaus nicht nötig! Selbst ist die Kajakfrau.
Oben auf dem Schloß begegnet Tilde einem ©tu- benmäbel, das sie auf die Frage, ob sie den Besitzer sprechen könne, nur groß ansieht.
„Jetzt?" fragt sie.
„Warum denn nicht?" will Tilde wissen.
„Is ja noch nicht mal neun, Frollein", sagt das Mädel. „Was wollen Sie denn?"
„Das kann ich nur Ihrem Chef erzählen."
„Na, dann warten Sie man noch ein Weilchen."
Gäste scheint es in diesem verwunschenen Schloß nicht zu geben, wenn auch alles für sie vorbereitet ist. In der Nähe besehen ist das Haus nicht einmal so übel. An den Fenstern hängen nette Gardinen. Viele Zimmer haben Balkons, und von vorn auf der Terrasse stehen hübsche hellgelb gestrichene Möbel und bunte Schirme.
Tilde rückt sich einen dieser Sessel in die Sonne und wartet. Endlich, nach einer halben Stunde etwa, erscheint der Besitzer. Ein Mann, der ebensogut Gast sein könnte.
„Nun?" fragt er.
Das ganze Gehabe ärgert Tilde. „Kann man eigentlich bei Ihnen wohnen?" fragt sie.
Ein prüfender Blick mustert sie von oben bis unten. „Man kann schon."
„Es handelt sich um einen Wochenendabschluß zu einem Pauschalpreis", sagt Tilde kurz und setzt mit ein paar Worten die ganze Lage auseinander.
Der Mann ist etwas zugänglicher geworden und entschließt sich sogar, Tilde, die aufgestanden ist, mit einer Handbewegung wieder zum Sitzen einzuladen.
„Wann soll denn das sein?" will er wissen.
„Zum ersten Male diesen Sonnabend."
Kopfschütteln. „Geht nicht, Fräulein. Wie sind Sie eigentlich hier hergekommen?"
„Mit dem Faltboot, wenn Sie es ganz genau wissen wollen."
„Ach so. Also, es geht nicht. Ich habe das„ganze Haus besetzt, aber vielleicht ein anderes Mal."
. Tilde wäre nicht Tilde Roloff, wenn jetzt nicht ihre ganze Kratzbürstigkeit wieder Mage käme. „Wir haben auch noch andere Angebote", sagt sie, nickt mit dem Kopf und geht wieder zum Steg. Dort zieht sie, ohne sich um das verwunderte Ge
sicht des Bootsmannes zu kümmern, Rock und Bluse wieder aus, setzt sich in ihrem Paddeldreß hinein und stößt ab.
Um die Mittagszeit landet sie am Ausfluß des Baches in der Nähe der Waldmühle.
Tilde ist von der alten Mühle hell begeistert und findet den Hof so ländlich, wie sie ihn erwartet hat. Daß die Stallgebäude erneuerungsbedürftig sind, stört sie nicht. Ein Hund kläfft sie an, und Hühner und Gänse lärmen aufgeregt durcheinander.
Sie hat sich Zeit genommen, und es mag um die Mittagszeit sein, als sie in der Mühle eintrifft. Zuerst begegnet ihr Vater Brümmer, der über den Hof latscht.
„Na?" sagt er.
„Ich möchte etwas essen."
„Fikchen!"
Fikchen erscheint in der Haustür. Sie ist lebhafter als ihr Bruder und nimmt die Sache in die Hand..
„Eier hätten wir da und Spargel und Schinken."
„Also Eier und Spargel und Schinken."
Fikchen bleibt, nachdem sie die Mahlzett aufgetragen hat, neben Tilde stehen und ist bereit, einen Schwatz zu machen. Sommergäste? Ja, ab und zu kämen welche, aber die Gegend sei abgelegen und die Anfahrt schlecht und außerdem — die Ferien hätten auch noch nicht begonnen.
Als sie mit dem Essen fertig ist, rückt Tilde zu>m zweiten Male mit ihrem Plan heraus. Vater Brümmer hat zwar Bedenken, ein ganzer Autobus voll Menschen beunruhigt ihn sichtlich. Aber in Fikchen Brümmer erwachen ungeahnte Talente.
„Kommen Sie mal mit", sagt sie, und schiebt ihren Bruder beiseite. „Das machen wir alleine", vertraut sie ihr an. „Friedrich is'n büschen schwerfällig und kriegt die Zähne nicht voneinander, wenn's nich zum Fressen is. Aber keine Bange, Frollein, die Leute solln sich bei uns schon wohlfühlen."
Nachdem Tilde die Zimmer gesehen hat, vst auch sie davon überzeugt. Eyie halbe Stunde später ist sie mit Fikchen handelseinig. Am Sonnabend früh soll die genaue Besucherzahl noch telephonisch durchgesagt werden.
Fikchen strahlt. „Ich habe schon lange zu Friedrich gesagt: Friedrich, hab ich gesagt, wir müssen nur mal entdeckt werden. Aber der immer — nö, nö,
und genuschett und mit dem Kopp gewackelt. Wie son oller Mann nun eben is, Frollein! Aber wenn die Leute erst wissen, daß der Weg hierher gar nicht so schlecht is —"
Tilde hat einen neuen Gedanken. „Wir bringen unsere Gäste überhaupt nicht auf dem Weg hierher, sondern von Utrin aus mit dem „Theodor" zu Wasser."
„Is aber’n oller Klapperkasten, frer „Theodor", gibt Fikchen zu bedenken.
„Lassen Sie nur, Fräulein Brümmer, Wasser ist Wasser, und wenn der Berliner sein Wasser hat, ist er glücklich."
„Nur nich zum Trinken", betont Fikchen. Dann erwacht die Hausfrau in ihr. „Aber ich rede und rede, und dabei muß ich doch für Sie das Zimmer zurechtmachen. Sie bleiben doch bei uns?"
Das wird abgelehnt. Tilde will auf die Runeninsel zurück, und ganz nebenbei fragt sie, ob Fikchen Brümmer vielleicht den Helfer von heute nacht kennt. Kann doch fein, fraß er auch in der Wald» mühle kauft, man kann das so nebenbei fallen lassen.
Fikchen denkt nach. „Ziemlich groß, blond, ja? Und die Haare zurückgekämmt? Vielleicht ist es Heinz Deetjen, wie?"
Ja, den Namen hätte er genannt, aber Namen allein bedeuten doch eben nichts.
„Wenn Sie von Utrin gebürtig sind, sollten Sie doch die Deetjen kennen", sagte Fikchen vorwurfsvoll. „Deetjen vom Hallersdorfer Teerofen kennt doch jebes Kind."
Jetzt geht Tilde eine ganze Festbeleuchtung auf. Hallersdorfer Teerofen — Hallersdorfer Töpfe mit dem D unten hat Mutter immer gekauft. Und Tante Malwine auch.
„Ausgerechnet Töpfer", platzt sie heraus.
„Sagen Sie das nicht, Fräulein", Fikchen Brümmer ist nun wirklich beleidigt. ,Hallersdorfer Teerofen ist die größte Fabrik im ganzen Kreis. An zweihundertfünfzig Arbeiter beschäftigt sie."
„Und die Fabrik gehört ihm?"
„Nein, feinem Vater. Ja, und das, was bet Sohn ist, der kommt so manchmal mit ran auf die Runeninsel. Soll ein netter junger Mann jein."
„Kann ich gar nicht finden", sagt Tilde.
(Fortsetzung folgt)
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