Eine ArbeitsdienMrerin erlebt Vayreuth.
NSG. Man hält nun wirklich die graue Fahrkarte in der Hand, steht auf dem Bahnsteig seines Lagerortes, winkt noch einmal den zurückbleibenden Maiden — und kann es trotzdem nicht fassen, daß nun das große, herrliche Erlebnis Stunde um Stunde näher rückt. Im Sonderzug ein frohes Begrüßen der Kameradinnen und Kameraden — über allen biegt die Borfreude und Erwartung des kommenden Tages. Man studiert im Textbuch die „Götterdämmerung", und läßt sich schon ein wenig hineinführen in die deutsche Götter- und Sagenwelt.
Das festlich geschmückte Bayreuth heißt uns, die Soldaten und Arbeiter, Helfer am Werk des Führers aufs herzlichste willkommen — Musik, Blumen, leuchtendes Rot der Fahnentücher und beglückte Menschen, so finden wir die Stadt der Festspiele — und dazu als allerscdönste Ueberraschung, die uns vor Glück den Herzschlag stocken läßt: der Führer war angekommen, um die Aufführung der „Götterdämmerung" mitzuerleben. Nun leuchten Blumen und Fahnen doppelt, nun lag über jedem Menschen eine doppelte, innerliche Freude — was konnte uns auch schöneres geschehen, als unseren Führer hier in seinem geliebten Bayreuth zu sehen. Die Bevölkerung Bayreuths nahm uns mit rührender Herzlichkeit auf, der Oberbürgermeister gab seiner Freude Ausdruck, daß nun — wie es Richard Wagners Wunsch schon beim Bau des Festspielhauses gewesen sei —, einmal das deutsche Volk Gast bei seinen Spielen, ohne Unterschied der Ränge, Stände und der Berufe, und itafc es wohl gerade jetzt im Kriege dieses Geschenk des Führers doppelt beglückend empfände. Da saß der General neben einem verwundeten Gefreiten, da'saß ein alter Mann ergriffen und still neben uns jungen, begeisterten Menschen — eine große Gemeinschaft erlebte und empfand dasselbe in diesen herrlichen Stunden.
Am Morgen des' Festspieltages hörten wir einen Vortrag des Detmolder Mufiklehrers Otto Sauber, und schon das war eine Feierstunde, wo wir hineingeführt wurden in Wagners Ideenwelt, in feine herrlichen Melodien und Gedanken. Und dann zog eine bunte Menschenschar, in der das Feldgrau vorherrschte, hinauf zum Festspielhügel. Man war so tief erfüllt von dem kommenden Großen, daß man wie im Traum vorbeiging an den Menschen, die die Straße säumten in froher Erwartung, die Blumen und Zweige warfen, um des Führers Weg zu schmücken. Und dann war es so weit, daß in atemloser Stille der Führer die Loge betrat — wir hoben die Hand zum deutschen Gruß und sahen nur ihn allein, wie er lächelnd im feldgrauen Rock zu uns herunterblickte.
Da setzte schon die Musik ein, rauschte und strömte durch den Raum, und man ließ sich tragen von diesen gewalttgen Klängen und Stimmest, die
sich stark und schön emporschwangen. Man kann es nicht beschreiben, wie tief im Herzen man das alles voller Glück spürte, und wie man deutsche Art und deutsches Schicksal erkannte. Noch im Banne der nordischen Heldengestalten stand man in der Pause auf dem Festspiel platz, als ein Schrei der Liebe und Begeisterung über die Menge ging: am Fenster oben, keine fünf Meter von mir entfernt, stand der Führer. Da versank alles andere, nicht die Menschen sah man mehr, nur das klare, ruhige Gesicht des Führers, kaum spürte man es heiß über das Gesicht laufen — nie, nie wird man diesen Augenblick vergessen, wo die Liebe und Dankbarkeit eines Volkes so zu seinem Führer und Feldherrn sprach.
Wieder klangen Wagners gewaltige Melodien über uns, tragisch vollzog sich das Geschick an der Licht gestalt Siegfrieds, — und doch feine jammervolle Trauer, sondern stolzer, heldischer Sang: „Unsterblich aber lebt der Toten Tatenruhm!" Noch nie hatte ich Wagners Werke so tief und herrlich empfunden wie hier in diesen Stunden — und es gibt wohl keinen anderen Dank, als einen Schimmer dieser leuchtenden Tage hineinzuttagen in das Lager und weiter zu arbeiten mit doppelter Liebe und Kraft am Erziehungswerk der jungen, deutschen Menschen.
Oie Echlußauffiihrung in Bayreuth.
Bayreuth, 31. Juli. (DNB.) Der italienische Botschafter Alfieri wohnte am Mittwoch der die Banreuther Kriegsfestspiele abschließenden Aufführung der „Götterdämmerung" bei. Reichsleiter Dr. Ley, der auf Befehl des Führers die Kriegsfestspiele organisatorisch durchführte, empfing den italienischen Gast mit Frau Winifred Wagner und Gauleiter W ä ch t l e r. Vor Beginn des dritten Aufzuges begaben sich Botschafter A l - fieri, Reichsleiter Dr. L e y und Reichsminister Dorpmüller, der gleichfalls der letzten Aufführung beiwohnte, auf die Bühne. Dr. Ley übermittelte Frau Winifred Wagner, Generalintendant Tietjen und allen auf der Bühne versammelten Künstlern, dem technischen Personal und den Bühnenarbeitern feinen herzlichen Dank für die Durchführung der Bayreuther Kriegsfeftspiele. Botschafter Alfieri sagte, ich bin dem Führer und Dr. Ley außerordentlich dankbar,, dieser letzten Vorstellung der Bayreuther Kriegsfestspiele beiwohnen zu können, nicht nur, weil diese Vorstellung einen hohen künstlerischen Genuß für mich bedeutete, sondern weil sie auch einen überzeugenden Beweis der sozialen A r b e i t in Deutschland auch während des Krieges darstellt. Generalintendant Tietjen erwiderte namens der Künstlerschaft, daß es allen ein tiefes Glück gewesen sei, für deutsche Arbeiter und Soldaten während des Krieges spielen zu dürfen.
Presse verkündete großmäulig, diese Konzession fei unbedeutend, da in Englisch-Burma die Regenzeit einsetze- und die Transporte sowieso gewaltig erschwere. Gleichzeitig aber gab Roosevelt Anweisung, die nodamerikanischen Rohstofftieferungen nach Japan zu tontroüiieren.
Unter diesen zwingenden Umständen kam in Japan eine entschiedenere Richtung ans Ruder. Das neue Ministerium K o n o y e und sein energischer Außenminister M a t s u o k a traten in den Verhaftungen mit dem britischen Botschafter Crai- g i e entschieden auf, sie sahen sich schließftch gezwungen, hervorragende Mitglieder der britischen Kolonie wegen Spionage verhaften zu lassen, Leute mit Namen, die unter der Tarnung als Wirtschaftler usw. wie eine Fünfte Kolonne in Japan gearbeitet und nach den Direktiven des Secret Service Japan unterwühlt hatten. Unter ihnen befand sich auch der Reuterkorrespondent Cox. Die Beweise gegen ihn waren so schwerwiegend, daß Cox sich aus dem Fenster eines Hotels stürzte. Banken, Klubs, Schulen und Kirchen englischer Prägung standen in Japan im Dienst dieser Fünften Kolonne. Die angelsächsische Fünfte Kolonne war für Japan eine furchtbare Wirklichkeit und Gefahr geworden, wie sie überall dort wühlt und hetzt, wo die Politik der Staaten sich wirklich Souveränität bewahren will.
Dieser Schlag kam aber den Engländern nicht nur unerwartet, er war geradezu vernichtend für Englands politisches Prestige in Femost. Ehedem hätte Albion Kriegsschiffe nach Japan geschickt und die „Natives" mit Kanonenschüssen belehrt, daß England für sich das souveräne Recht in Anspruch nimmt, sich ungestraft in alle Angelegenheiten, die es nichts an geh en, zu mischen. Jetzt, die würgende deutsche Faust am Halse, sogar in Europa blockiert, was man vor einem Jahr für ganz unmöglich hielt, blieb dem englischen Außenminister Lord Halifax nichts anderes übrig, als im Oberhaus eine papierne Erklärung gegen Japan loszulassen und zu versichern, man habe in London wirklich eine sehr ernste Auffassung der Lage. Aber auch dieser flammende „britische Protest" dürfte, ähnlich wie in Rumänien, wirkungslos bleiben. Denn die deutschen Erfolge gegen England haben in der ganzen Welt gezeigt, daß das britische Prestige nur noch ein Popanz ist. t. S.
Russische Polarschiffahrt.
Archangelsk, 30. Juli. (Eurvpapreß.) Der Schiffsverkehr im Hafen von Archangelsk hat seinen höchsten Stand erreicht. Fast täglich werden hier Schiffe auf die Polarrouten entsandt. Sie bringen verschiedene Frachten nach den einzelnen Punkten des nördlichen Seewegs. So hat der Dampfer „Dixon" den Hafen mit dem Ziel Tixie-Bucht verlassen, ihm folgt der Dampfer „Sakko", der außer der Tixie-Bucht auch die Mündung des Anabar- Flusses und die Koschewnikow-Bucht aufsucht. Dann begibt sich der „Sakko" nach Jgarks um Holz zu laden. Das Schiff „Revoluzioner" hat Archangelsk ebenfalls verlassen, um verschiedene Frachten in Pewek (Tschaun-Bucht) abzuladen. Das Schiff sucht auf dem Rückweg ÄN-digirka und Igarka auf, um dort Holz zu laden. Es handelt sich dabei um Etappen des „nördlichen Seewegs", d. h. der Verbindung längs der sowjetrufsifchen Arktts- Küste zwischen Murmansk und Archangelsk und den sowjetrussischen Femosthäfen wie z. B. Wladiwostok. Die Entwicklung dieses Wasserweges wird mit aller Tatkraft betrieben. Dazu arbeiten zahlreiche Organisationen und Wirtschaftszweige zusammen.
Die Erfassung des Arktis-Gebietes in wirtschaftlicher und industrieller Hinsicht liegt, ebenso wie die Schiffahrt längs der Arktisküste in der Hand der „Hauptverwaltung des Nördlichen Seewegs". In diesem Jahre wurden mehrere Eiserkundungsflüge durchgeführt, um eine Eisprognose auszuarbeiten, die für den ganzen Naoigationsplan äußerst wichtig ist. Im dritten Fünfjahrplan soll dieser Wasserweg zu einer „ständig funktionierenden Wasserverbin- duna zwischen Ost und West der Sowjetunion werden . In diesem Jahre erlebt die Schiffahrt im Norden eine wettere Entwicklung, da mehrere Schiffe neu in den Dienst gestellt werden. Bemerkenswert ist, »daß die Besttebung besteht, diese Schiffahrt mit Kohle aus den nördlichen Bergwerken zu versorgen, denn unter den Bodenschätzen, deren Ausbeute sich im hohen Norden lohnt, befindet sich auch Kohle, neben vielen seltenen Metallen und sonstigen Reichtümern. Die auf der Halbinsel Kola eingerichtete Filiale der sow- jetrussischen Akademie der Wissenschaften hat sich bei der Organisation und Ausnutzung der Boden
schätze dieser Halbinsel größte Verdienste erworben, dabei wurde im Süden des Sees Lowosero Niobium entdeckt. Besonders untersuchte die Filiale die Möglichkeiten zur Erzeugung von Futtermitteln für eine großangelegte Viehzucht auf her Halbinsel.
Beförderungen in der Wehrmacht.
Berlin, 91. Juli. (DNV.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat befördert mit Wirkung vom 1.August 1940: 1. Im Heer: Zu Generalleutnanten die Generalmajore Wagner, Weingart, Kempf, von Studnitz, Brennecke, von Böckmann, Freiherr von Gablenz; zu Generalmajoren die Obersten Brandenberger, Bernhard (Friedrich), Allmendinger, Deich; zum Generalarzt den Oberstarzt Dr. Blum (August); zum General- veterinär den Oberstveterinär Dr. Weber; zu Obersten die Db erftleutnante' Melzer, Gerlach (Erwin), Schulze (Bruno), Gerhard, Queckbörner, Vogel (Wilhelm), SeyffaM, Zünckel, Seelmann-Eggebert, Westram, Rexilius, von Mühlenfels, Jost, Kretschmer, Christiani, Uibblagger, Stanek, Masche k (Eduard), Gur, Zahradnik, Engelmann (Otto), Fw ting; zu Oberstveterinären die Oberstfeldveterinäre Dr. Hollstein, Dr. Waldhausen, Dr. Engwitz. In der Heeresverwaltung: Zu Ministerialräten die Oberkriegsgerichtsräte Wunderlich, Mantel, den Oberregierungsrat Dr. Dorch.
2. In der Kriegsmarine: Zu Kapitänen zur See die Fregattenkapitäne Oehrl, Kreyfing, Hauck; zu Kapitänen zur See (ing.) die Fregattenkapitäne (ing.) Dipl.-Ing. Nixdorff, Jensen; Kapitän
zur See Kienast (Hellmuth) erhält den Charakter als Konteradmiral; Kapitän zur See (ing.) Dipl.- Jng. Packroß erhält den Charakter als Konteradmiral (ing.).
3. In der Luftwaffe: Zum Generalleutnant den Generalmajor Wecke; zu Generalmajoren die Obersten Dr. Knauß, Schubert, Busfa, Spruner von Mertz, Freiherr Rüdt von Collenberg; zum Generalarzt den Oberstarzt Dr. Wenzig; zu Obersten die Oberstleutnante Boenisch, Geerkens, von Wussow, Schillmann, Kortüm, Niehuus, Deichmann, Schutze, Schleich, Pavel, Bruhns, Alt.
Meine politische Nachrichten.
In dem Artikel „Gebirgskrieg vor 25 Jahren" muß es in Spalte 2, vierte Zeile von oben XXIV. R. K. (nicht XXVI. R. K) heißen, in Spalte 3, zehnte Zeile: „Mann für Mann in den Karpaten".
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Das französische Außenministerium gibt bekannt, daß der ehemalige Senator des Departements Seine-et-Oise, Henry-Haye, an Stelle des Grafen St. Quentin zum Botschafter in Washington ernannt worden ist.
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„Universal" verlangt, daß Kronstadt Universitätsstadt werden soll, und zwar soll die Czernowitzer Universität dorthin verlegt werden, da Czernowitz mit der östlichen Bukowina und Bessarabien an die Sowjetunion abgetreten wurde.
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leraus-
esens
Der Herausgeber will dem heute immer noch wenig bekannten Herder die chm im deutschen Geistesleben zukommende Stellung verschaffen, indem er das Zeitbedingte aus feinen Werken hei ' löst und das Ewige und Bleibende feines W.
und Geistes vor den Leser stellt. Im II. Band enthält das „Journal meiner Reise im Jahre 1769" die erste Gestaltung Herderschen Wesens, Abrechnung mit seinem bisherigen Leben, den Mißklang zwischen Erleben und Denken, Herders Lebens- prohlematik. fcine Planungen und Beobachtungen
— Professor Dr. Gustav Paul: Grund- züge d'er Rassen- und
des deutschen Volkes. Mit 82 Abbildungen und Karten. 3. Auflage. Preis in Leinen gebunden 8 RM. Verlag I. F Lehmann, München. Dieses ausgezeichnete Buch, das vielleicht zum erstenmal mit wissenschaftlicher Gründlichkeit und doch in ungeheuer lebendiger und zum Mitarbeiten anregender Darstellung die Beziehungen zwischen Rasse und Raum in ihrer ganzen Tiefe und Breite für die Geschichte unseres Volkes klar stellt, hat sich schon längst seinen festen Platz erobert. Um so dankbarer wird man es begrüßen, daß der Verfasser sich bereit fand, die sehr umfangreichen Anmerkungen und Schrifttumshinweise der vorausgegangenen Auflagen fortzulassen, um diese Auflage preiswert zu gestalten und auch breite Laienkreise für das aufschlußreiche Buch zu gewinnen. Auch unsere engere oberhessische Heimat hat in der Rassenge schichte eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Sie wird an Hand von guten Kartenskizzen und von vielen Bildern unterstützt, in verschiedenen Abschnitten des Buches fesselnd und überzeugend dargestellt. Auch
Korsen den französischen Schwager aufrichtig schätzen lernte, so sehr er auch noch dessen Seßhaftmachung auf bayrischem Boden als Fürst von Eichstädt und Herzog voy Leuchtenberg widerstrebt hatte. Es ift das Verdienst dieses höchst lebendig und mit warmer Anteilnahme für seinen Helden geschriebenen Buches, dessen Verfasser aus den Haus- und Staatsarchiven viel neues Material hat verwenden können, daß es zeigt, wie Eugen in allen Wechselfällen des Lebens sich selber treu blieb trotz aller Enttäuschungen über die ihm niemals gewährte Selbständigkeit als Dizekönig sowohl wie als Feldherr.und trotz aller Widrigkeiten und Verdächtigungen, denen seine Anhänglichkeit an den Stiefvater nach dessen Sturz ausgesetzt war. Sein Leben, das eine Spanne unerhörten weltgeschichtlichen Geschehens umfaßte, war schon mit 43 Jahren erloschen, aber durch seine Kinder ging das Blut der Beauharnais in viele europäische Fürstenhäuser über. Das Leuchtenberg- Palais am Münchner Odeonsplatz, von Klenze erbaut, und Thorwaldsens edles Grabmal in der Michaelskirche erinnern noch heute an den Stiefsohn Napoleons, der nach den Wandlungen eines stürmischen Lebens in Bayern eine letzte Heimat fand.
Dr. Fr. W. Lange.
Bücheriisch.
— Adalbert Prinz von Bayern: Eugen Beauharnais, der Stiefsohn Napoleons. Ein Lebensbild, mit 32 Bildtafeln, Preis in Ganzleinen geb. 8,50 RM. Propyläen- Verlag, Berlin. — (99) — „Einer von den großen Charakteren, die immer seltener werden" hat Goethe den Prinzen Eugen genannt, den er kurz vor dessen Tode als Herzog von Leuchtenberg in Karlsbad kennengelernt hatte. Dieser große, oder besser gesagt, dieser anständige Charakter war es, der Eugen Beauharnais aus politischen und menschlichen Wandlungen, wie sie selten einem Menschenleben beschie- den sind, rein und untadelig, geachtet von Freund und Feind, hervorgehen ließ. Der Vater, aus alter Aristokratenfamilie, aber General der Revolution, starb auf der Guillotine, die Mutter Josephine heiratete den erfolgreichen General Bonaparte, der die Kinder adoptierte und bei feinem märchenhaften Aufstieg zum Herrscher der Welt mit sich hinauf zog zu höchsten Höhen. Aber was mehr wog, Eugen und seine Schwester Hortense standen seinem Herzen nahe, sie blieben seine Vertrauten auch nach feiner Scheidung von Josephine und er hielt sie gegen die kleinliche Eifersucht der eigenen machtgierigen und neidischen Familie. Eugen war als fein Adjutant mit ihm in Aegypten und Italien gewesen, er hat immer wieder zwischen ihm und der Mutter vermittelt, wenn Jospehinens Flatterhaftigkeit dem Kaiser durch die klatschsüchtigen Schwägerinnen hinterbracht worden war. Die Scheidung hat freilich auch er nicht verhindern können. Wie diese von politischen Rücksichten diktiert war, so stand auch Eugens persönliches Leben ganz im Schatten der Politik des Kaisers. Eugen wurde Vizekönig von Italien, aber er blieb auch als solcher im Schatten des Kaisers, der ihm wie den Brüdern, die er auf die Königsthrone Europas hob, keine Selbständigkeit ließ. Der Kaiser bestimmte ihm nach rein politischen Gesichtspunkten Auguste von Bayern, eine Tochter des ersten Bayerkönigs Max Joseph, zur Gattin, und es spricht wohl nichts so sehr für die menschlich wertvolle Persönlichkeit Eugens, als daß diese politische Ehe eine überaus glückliche wurde und sogar der spätere König Ludwig I., der erbittertste Gegner Napoleons und heftige Widersacher jeder Verbindung mit Frankreich, nach dem Sturze des
deshalb wünschen wir dem Buch auch in feiner neuen Auflage weite Verbreitung. Dr. Fr. W. L.
— Johann Peter Hebel: Der deutsche Hausfreund. Verlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau. Preis geb-. 4,80 RM. Des Hebenstbürbigen und gemütvollen Alemannen Johann Peter Hebel „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreunds" stammt aus einer Zeit, die in der tiefsten Ohnmacht des deutschen Vaterlandes auch auf das schlichte ungebildete und unverbildete Volk in Stadt und Land einzuwirken suchte. Nicht besser konnte es geschehen, als durch die ganz aus der naiven Vorstellungswelt des Landmanns und Kleinbürgers schöpfenden Kurzgeschichten eines Mannes wie Hebel, der einen urwüchsigen Humor mit scharfer Beobachtungsgabe und dem Talent zu behaglichem Erzählen verband und auf die glücklichste Weise das Unterhaltsame mit dem Sittlich-Lehrhaften zu verknüpfen verstand. Dabei hat Hebest für seine Kurzgeschichten eine Form gefunden, die man mit Fug und Recht wohl klassisch nennen darf, so daß fein Hausfreund zu dem besten deutschen Prosagut zählt. Der älteren Generation sind diese Geschichten aus ihrer Jugendzeit noch wohl bekannt. Aber sie sollten nicht in Schullesebüchern vergraben bleiben, sondern wieder lebendiges Volsgut werden. Deshalb begrüßen mir diese neue Ausgabe, die der rührige Breslauer Verlag für seine „Kornkammer" veranstaltet hat. Die zeitgenössischen Lithographien I. Dambachers fügen sich dem Charakter des .^Haussreunbes" auch in feiner verjüngten Gestalt gut ein. Dr. Fr. W. Lange.
— Johann Gottfried Herder, Gesammelte Werke, II. Band, Rütten & ßoening, Potsdam. Von der fiebenbänbigen, von Professor Dr. Franz Schultz herausgegebenen Herder-Ausgabe liegt nach Band I und III nun der zweite Band vor: Leben, Volk und Geschichte.
Helgoland 50 Zahre deutsch.
Die Reichspost gibt zur Erinnerung an die 50jährige Zugehörigkeit Helgolands zu Deutschland Sonderwertzeichen heraus, die den Jnselfelsen in der brandenden Nordsee zeigen. Unwillkürlich hatten wir einen Augenblick den Atem an: Helgoland er ft feit 50 Jahren d euts ch ? Die älteren Jahrgänge unter uns kramen ihre Erinnerungen an die Zett von 1890 heraus und erzählen, daß Deutschland Helgoland durch den Verttag vom l.Juli 1890 gegen Hingabe von Uganda, Witu und Sansibar in Ostaftika England ab getauft hatte. Damit wurde Deutsch-Ostafrika wesentlich verkleinert. Für den winzigen, aber unendlich wichtigen Jnselfelsen zahlte Deutschland mit einem ungeheuren Gebiet in Afrika, das von Carl Peters kurz vorher erworben worden war und heute als Teil der britischen Kenia-Kolonie im Mittelpunkt des italienisch-britischen Kampfes in Ostafrika steht.
Damals, um 1890, erhob sich in Deutschland ein lebhafter Streit, ob Deutsck-land nicht ein sehr schlechtes Geschäft gemacht habe. In diese Erörte«
Relsoltu» 50 3ahrebei
Anläßlich der 50jährigen Zugehörigkeit der Insel Helgoland zum Deutschen Reich wurde jetzt diese Sonderbriefmarke im Nennwert von 6 Npf. heraus- gSgeben, deren Zuschlag von 94 Rpf. dem Kulturfonds des Führers zufließt. Der Entwurf des Mar- kenbildes stammt von dem Berliner Kunstmaler Meerwald. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
rungen spielten starke Gefühlsmomente hinein. Bismarck war am 20.März 1890 „gegangen worden". Die erste größere außenpolitische Aktion des „neuen Kurses" war dieses Tauschgeschäft. Was die deutsche Oeffentlichkeit in jenen Tagen noch nicht wußte, war, daß gleichzeitig unter dem neuen Reichskanzler Caprivi die Erneuerung des Bis- marckfchen Rückversicherungsvertrages mit Rußland unterblieb, wobei allerdings hinzugesetzt werden muß, daß dieser Rückversicherungsvertrag überhaupt ein großes Geheimnis war. Aber der Austausch von einem Riesengebiet in Oftafrifa, das an Größe wohl dem damaligen Deutschland gleichkam, geg^n den Jnselfelsen von Helgoland wurde doch als der Versuch einer weitgehenden Annäherung an England gebeutet, und die später bekannt gewordene Nicht-Erneuerung des Rückversicherungsvertrages mit Rußland bestätigte diesen ersten instinktiven Eindruck.
Inzwischen hat die Geschichte jenen Tausch gerechtfertigt, auch wenn er aus ganz anderen Gründen und mit ganz anderen Zielen durchgeführt wurde. Der erfolgreiche Schutz der deutschen Nord- feeküste im Weltkrieg wäre ohne Helgoland sehr schwer möglich gewesen, und heute gar, im Zeitalter der Luftwaffe, würden wir ein englisches Helgoland erst recht als einen Pfahl in unserem Fleisch verspüren.
Heber den Streit um den Helgoland-Sansibar« Vertrag vom 1. Juli 1890 wird aber meist die mindestens ebenso interessante Frage vergessen, wie die Engländer in den Besitz von Helgoland kamen. Und bieife Fragestellung führt uns in die traurigsten Zeiten der deutschen Geschichte zurück, die mtt dem Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden begannen. Schleswig-Holstein war damals dänisch, die Schweden aber saßen in Pommern und in den verweltlichten ehemaligen Bistümern Bremen unö Verben. Als die sckwedifche Großmacht allmählich — Vorpommern blieo immerhin bis 1815 schwedisch — zusammenbrach, wurde damit die Nordseetüste nicht deutsch. Hannover war bis 1837 englisches Krongut. Das war das Schicksal der deutschen Küste.
Nun nimmt es uns nicht mehr allzu sehr wunder, daß auch Helgoland ständig unter Fremdherrschaft
fremder Nationalität und Kultur. Das Journal ist nicht vollständig, nur in einzelnen besonders charakteristischen Stücken gegeben. Die Schrift: „Auch eine Philosophie zur Geschichte der Bildung der Menschheit" ist dagegen ganz zum Abdruck gebracht. Eine geschickte Einleitung zu Beginn des Bandes setzt den Leser in den Stand, den schwierigen Geban- fengängen und dem eigenwilligen Stil Herders, gdng em Ausdruck seines Wesens, zu folgen. Der 3. Abschnitt des Bandes bringt Teile aus den „3been zur Philosophie der Geschichte der Menschheit". Dieses Werk hat wohl den größten Einfluß von allen Schriften Herders auf alle Disziplinen der Geisteswissenschaften des 19. Jahrhunderts, vor allem auf die Gefchichtsphilofophie, gehabt. Der vorliegende Band befaßt sich mit den Abschnitten, die Herders Begriffe von Leben, Volk und Geschichte deutlich machen, während der IV. Band dis „Ideen" nach andern Gesichtspunkten äuswerten soll. Kurze Erläuterungen am Schluß des Bandes geben über zettgebundene Namen und Ausdrücke Aufklärung. Thyriot.
— Gertrud Fussenegger: Der Braute raub. Erzählungen, Preis in Leinen geb. RM. 4,80. Verlag Rütten und ßoening in Potsdam. —» (52) — Unsere Leser kennen die junge Tirolerin aus manchen Beiträgen, auch kulturgeschichtlichen Inhalts, in den Familienblättern. Die hier zusam- mengesaßten vier größeren Erzählungen berichten in einer an den Stil alter Chroniken gemahnenden herben und zuchtvollen Sprache seltsame Geschehnisse und Menschenschicksale. Eine unheimlich düstere Stimmung ist ihnen gemeinsam. Alle zeigen in Stoff und Gestalt eine ganz eigene Prägung und feinstes künstlerisches Empfind-":. Dr. Fr. W. Lange.
— Will-Erich Peuckert: „Kleines deutsches Sagenbu ch", Verlag Rütten & ßoening in Potsdam, Preis geb. 1,80 RM. In der Sammlung „Deutsche Volks- und Kunstmärchen" erscheint nun dieses Bändchen kleiner Geschichten, aus dem Sagengut aller deutschen Stämme zusommenge- tragen, vom Volk selbst gedichtet, Geschichten, in denen es sein Glauben und Dichten, Fragen und ßöfen niedergelegt hat. Der Herausgeber hat in einem kurzen Nachwort dies Wesen Der Sage in klugen Worten auf gezeigt. Das Bändchen ist vom Verlag wie alle dieser Sammlung apart ausgestattet worden» Dr, Fr. W, U


