Line Stunde Filmwochenschan von der Westfront
eine
Land-
lireftoe
(Nachdruck verboten!)
5. Fortsetzung.
Haushalten mit
VTAGWUDELH
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
Nachdem am heutigen Samstagmorgen mit dem Schnellzug von Berlin her die neue Filmwochenschau eingetroffen war, hatten wir in einer Sondervorführung Gelegenheit, den Filmstreifen im Lichtspielhaus zu sehen. Die neue Wochenschau, ein weiteres Dokument von den gigantischen Kämpfen im Westen, laßt tiefen Einblick gewinnen in die Form eines Krieges, wie ihn die Westmächte heraufbeschworen haben und nun die Folgewirkungen am eigenen Leib und in einer Härte verspüren müssen, wie sie es sich im September des vergangenen Jahres kaum gedacht hatten. In unerhört eindringlichen Bildern sieht man die Städte, die, von den Feinden verteidigt, in Schutt und Trümmer fielen (insbesondere Sedan und Maubeuge) und ein Raub der Flammen wurden. Vor allem die Bilder von Sedan, das von der französischen Artillerie zerstört wurde, zeigen, daß kein Haus mehr unbeschädigt steht. Oede und vereinsamt sind die Gassen, in denen das Feuer wütet und seine Rauchfahnen über das Land schickt. In Maubeuge bietet sich' das gleiche Bild.
Indessen folgen wir unseren Soldaten auf ihrem stürmischen ■ Vormarsch, rücken im Geiste mit der schwersten Artillerie vor, begleiten die deutschen Panzerstreitkräfte auf ihrem unaufhaltsamen Vormarsch, sehen in schier unübersehbarer Zahl die feindlichen Panzerwagen, die feindlichen fahrenden Festungen, hoffnungslos zerstört, an den Straßenrändern stehen, in Straßengräben und im Felde liegen, ausgebrannt, zerfetzt, von dem gutgezielten Feuer der deutschen Panzerabwehr und der Flakab- wchr.
Stärker noch als in der vorhergegangenen Wochenschau ist diesmal herausgestellt, welche Schande und Schuld Frankreich und England mit dem Einsatz farbiger Truppen aller Schattierungen
wertung und damit zur Belieferung des Saatgut, marktes gebracht. Es ist eine außerordentlich müh. ame, aber auch durch ihre Erfolge sehr erfreuliche Arbeit, die hier im Dienste unserer Volksgemeinschaft geleistet wird. .
In das Gebiet der Rinderzucht führte em Besuch von bäuerlichen Betrieben in Airlenbach. Hier lernte man Spitzenleistungen der Fleckviehzucht und der Rotviehzucht kennen. Man sah Kühe, die eine Milchleistung von jährlich 5000 bis 6000 Liter, ja sogar bis zu 7000 Liter bei einem Fettgehalt der Milch von 4,2 bis 4,5 v. H. aufzuweisen haben. Diese Tiere sind wegen ihrer hervorragenden Leistungen in das Deutsche Rinderleistungsbuch eingetragen worden, die höchste Anerkennung für ihre Züchter. Daß diese Rinderzucht mit größter Liebe und Gründlichkeit betrieben wird, wurde jedem Besucher aus den Unterredungen mit den Züchtern klar. Es han- delt sich dabei um ausgesprochen bäuerliche Zucht
„Medardi Regen gibt der Ernte kein Segen." Dom 10. Juni hören wir:
„Hat Margrit keinen Sonnenschein, So kommt das Heu nicht trocken ein".
und vom 11.:
„Regnet's auf St. Barnabas, Schwimmen die Trauben bis ins Faß." Um die Mitte des Monats tritt angeblich allgemeine Wendung ein:
„Sankt Veit (15. Juni)
ferner:
„Vom Tag Johanns der Regenguß läßt verfaulen die Haselnuß!"
Oder ganz allgemein:
„Johanniregen — kein Segen." Ja, Regen an Sankt Johann kann eine
Keine Spur von Haust
Aoman von Lharlotle Kaufmann.
plage bedeuten:
„Regnet's Johannitag auch nur leise,
Dann regnet es Mäuse."
Die vier Tage vor und die vier Tage nach der Sonnenwende zeigen das Wetter an, das angeblich bis Michaeli herrschen soll.
Besonders ausschlaggebend für das Wetter der nachfolgenden Wochen ist nach Ansicht der ländlichen Wetterpropheten auch der 27. Juni, der Sieben- schläfertag, von dem es heißt:
„Regnet's am Siebenschläfertag,
der Regen sieben Wochen nicht weichen mag."
Und so sehr man sich auch bei heißem Wetter nach kühlendem himmlischem Naß sehnen mag, müßten wir sieben Wochen lang tagtäglich fingen:
„Es regnet, es regnet, es regnet seinen Lauf", so wäre uns das doch ganz und gar nicht recht. E. B.
ändert sich die Zeit,
dann fängt das Laub zu stehen an, dann haben die Vögel das Legen getan."
Ein sehr wichtiger Tag im Kalender des Landwirts ist der 24. Juni, der Johannistag. Dor allen Dingen ist regnerisches Wetter an diesem Tag sehr unbeliebt:
„Regnet's am Johannistag,
so regnet es noch vierzehn Tag", oder:
„Wasser zu Johannis hinein nimmt das Brot und gibt keinen Wein":
Hessische Musterbetriebe in der Erzeugungsschlacht
Ein Besuch in bäuerlichen Beispielwirtschasten im Odenwald.
(Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.)
Am heutigen 1. Juni jährt sich zum zehnten Male der Tag des Beginns der national« sozialistischen Agrarpolitik unter Leitung des Reichsbauernführers und Reichsernährungs- minifters Darre, der damals vom Führer den Auftrag erhielt, eine Agrarpolitik nach nationalsozialisttfchen Gesichtspunkten zu begründen. Mittlerweile ist diese Agrarpolitik seit 1933 zum Wohle unseres Bauerntums, wie auch des ganzen deutschen Volkes zur Tat geworden. Dadurch konnte unser Volk auch die Sicherung seiner Nahrungsfreiheit gegenüber den feindlich gesinnten Plutokra- tien der Westmächte erringen und jede von den feindlichen Mächten erhoffte Niederzwin- gung Deutschlands durch die Blockade von vornherein zum Scheitern verurteilt sehen.
Ein glücklicher Zufall fügte es, daß wir . am Vorabend dieses Zehnjahrestages Gelegenheit hatten, an Hand einiger lehrreicher Beispiele einen Einblick in die großartigen ; Auswirkungen der nach nationalsozialistischen Gesichtspunkten begonnenen und geleiteten Erzeugungsschlacht zu gewinnen. Das Lan- desernährungsamt (Landesbauernschast Hessen-Nassau) veranstaltete am Donnerstag und am gestrigen Freitag eine Presse fahrt durch den Odenwald, bei der die Teilnehmer Einblick in die wichtigsten Vorgänge und Erfolge des landwirtschaftlichen Einsatzes im Kriege erhielten. Aus eigener Wahrnehmung an Ort und Stelle können wir darüber für heute — die^ Behandlung einiger grundsätzlicher Fragen folgt noch •>— zusammenfasfend folgendes berichten.
Auf dem H ä u s er h o f bei Klein-Umstadt im Kreise Dieburg lernte man einen vielseitig produzierenden landwirtschaftlichen Großbetrieb kennen, der 105 Hektar, also 620 Morgen umfaßt. Es handelt sich hier um eine Domäne, die von der Familie des als Schafzüchter weithin bekannten Domänenpächters Schuster bewirtschaftet wird, die schon seit mehreren Generationen auf dem Hose sitzt. In diesem Betriebe steht der Getteidebau an der Spitze. Daneben ist der Betrieb Saatbaustelle für Kartoffeln, für Elite-Roggenbau, ferner wird der Anbau von Weizen und Sommergerste, neuerdings auch von Raps, betrieben. Die Schafzucht, Rinderzucht und Pferdezucht, wie auch der Obstbau werden nach modernen Gesichtspunkten durchgeführt. Die Besucher, auch soweit sie als Laien in diesen Betrieb kamen, konnten den starken Eindruck mitnehmen, daß die Grundsätze und Ziele der Erzeugungsschlacht durch die Anwendung modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse und Betriebsweisen hier in erfolgreichster Weise verwirklicht wurden. Es war eine Freude, die schönen Tiere 'Und die prächtigen Aecker zu sehen, insbesondere auch den bedeutsamen Rapsbau in seinen wesentlichen Merkmalen und seiner großen Bedeutung für unsere Dolksgesamtheit kennenzulernen.
Auf einem anderen Gebiete liegt die Arbeit des Lehr- und Versuchsgutes für Gartenbau der Landesbauernschaft in Groß- U m st a d t. In diesem 28 Morgen großen Betrieb steht die Treibgemüse-Erzeugung an der Spitze. Daneben wird aber auch der Obstbau mit größter Sorgfalt und starker Arbettsintensität gepflegt. Trotz der verhältnismäßig noch frühen Jahreszeit konnte man hier Erzeugnisse des Frühgemüsebaues sehen, die bewundernswert waren und dem Betrieb das beste Zeugnis ausstellen. Natürlich ist die Arbeit an dieser Stätte in weitem Ausmaß auf den Anbau in Gewächshäusern eingestellt, daneben spielt aber auch der Freilandanbau eine große Rolle. Die Durchführung von Versuchsanbauten und züchterischen Arbeiten steht hier ebenfalls an wichtiger Stelle des Arbeitsprogramms. Wie in zweckmäßigster Weife der Ertrag der Obsternte aufzubewahren ist, konnte man neben anderen bemerkenswerten Dingen in mustergültiger Werse dargestellt sehen.
Ein anderes Spezialfeld der landwirtschaftlichen Arbeit lernte man in dem Äartoffelfaat-
Hafen führte. Er hatte von den Scheffield-Werken einen Vertrag bekommen, so wie er ihn sich wünschte. Er hatte eine Arbeit, die ihn interessierte. Er war zufrieden.
Auf dem Schreibtisch bauschten sich Pläne und Zeichnungen. Er hatte sich auch mit Jngeborg aus- gesöhnt, soweit es hier etwas auszusöhnen gab. Es schien ihr leid zu tun, daß sie so vergeßlich war, und sie bemühte sich, ihren Fehler wieder gutzumachen.
Gestern war er wieder mit ihr aus gewesen. Im Ratskeller. Sie hatten zu Abend gegessen und eine Flasche Wein getrunken. Sie hatten sich auch gut unterhalten. Er erzählte, und sie hörte zu. Abenteuer wollte sie von ihm erfahren. Aber Joachim mußte lächelnd erklären, daß ihn die Abenteuer gemieden hätten. Solche, die mit der Liebe zusammenhingen, und die andern auch. Nie war ihm eine Räuberbande über den Weg gelaufen, und auch von wilden Tieren war er niemals belästigt worden. Höchstens, daß er einmal in ein Hotel geraten war, das dann eine Rechnung präsentieren ließ, die weder gerechtfertigt noch erwartet war, oder daß zwischen Antofagasta und La Paz die Schmalspurbahn steckenblieb. Solche Dinge, natürlich, die waren ihm schon zugestoßen. Das aber waren feine Abenteuer, sondern tückische Zufälle, und die interessierten wohl nicht.
Doch, hatte Jngeborg Petersen geantwortet, und dann hatte sie sich einige Kleinigkeiten angehört, die ihm so eingefallen waren, aber später war ihm plötzlich das Gefühl gekommen, als ob sie nur aus lauter Höflichkeit zugehört hätte. Und er merkte, daß sie sich nicht viel zu sagen wußten. Er mußte darüber nachgrübeln, wer von ihnen sich wohl am meisten in den vergangenen Jahren verändert hatte, wer wohl die größere Schuld trüge an der Entfremdung, die unzweifelhaft zwischen ihnen stand.
So sehr hatte er sich nach diesem jungen Mädchen gesehnt, so sehr. Und nun war sie ihm fast gleichgültig geworden.
Es klopfte.
„Herein." Es war Frey vom Konstruktionsbüro. Er nahm einige Zeichnungen und Anordnungen von Keit entgegen und ging wieder.
Die Mutter und der Vater allerdings würden
Ja, er, Karsten Huith, Lehrer in Sörup, durfte ihr Boot teeren. Er durfte auch ihr Rad reparieren, wenn es kaputt war, und sich des Außenmotors „Barinja" annehmen, wenn er streikte, was oft vorkam. Er durfte auch helfen, das Dach zwischen den Dünenbergen wieder festzumachen, wenn der Sturm zu sehr daran gezaust hatte, und er durfte auch die Staffelei leimen, wenn sie zu Bruch gegangen war, diese farbenbekleckste, wackelige Staffelei. Aber ein Fremder, der in der Scheffield-Werft arbeitet und viel Geld verdient, dessen Eltern in der Esmarch- straße in einem teuren Hause wohnen, der darf mit ihr nach Hamburg fahren und ihr hingegebenes Gesicht sehen, wenn sie Musik hört--
Karsten Huith hatte ein bitteres Gefühl in sich. Aber das hatte er eigentlich immer, wenn er an Sibylle Hauck dachte.
Später berichtete Karsten Huith:
„Ich habe mit unserem Pastor in Klinike gesprochen und mit einem Rechtsanwalt aus Lüneburg, der in den Sommerferien da war. Sie sagten beide dasselbe. Sie müssen beim Landgericht die Scheidung einreichen. Ihr Mann ist jetzt drei Jahre fort und hat nie etwas von sich hören lassen. Sie können doch nicht ewig warten. Und eine Todeserklärung kann in einem solchen undurchsichtigen Fall erst nach dreißig Jahren erfolgen."
Sibylle sah auf ihre Tasse. „Sie machen sich soviel Plage und Sorgen mit mir", sagte sie leise. „Das ist mir gar nicht recht."
„Der Scheidungsklage wird sofort stattgsgeben werden. Sie haben ja alles getan, um (einen Aufenthalt zu erfahren."
,^Zck kann das nicht, Huith. Sie sollten wirklich nicht soviel an diese Dinge denken."
„Wollen Sie zehn Jahre lang warten?"
„Er wird wiederkommen, Huith. Bestimmt."
„Und wenn er nicht wiederkommt? Wenn doch ein Unglücksfall vorliegt? Wenn er doch tot ist?"
„Solange ich das nicht weiß, muß ich warten." „Sie sind starrköpfig, Sibylle. Aber ich will Sie
würden. , , .
„Kein schlechtes Schiff", sagte Joachim und sah bet frisch gestrichenen Schornstein des Dampfers enüang.
„Klein, aber gut", nickte der Vater und roanoir sich ins Zimmer zurück. „Ja, aber ich komme zu M weil Jürgens heute geschrieben hat."
„Jürgens?" ,
„Am 11. Oktober soll die »Hessen* vom Stapel laufen. Es muß unbedingt einer von uns hin. werden ein paar Neuheiten ausprobieren."
(Fortsetzung folgt) —
nicht beeinflussen. Ich kann nur nicht sehen, wie Sie herumsitzen und warten und darben, nur weil es dem Kunstmaler Detlef Hauck einfiel, auf und davon zu laufen oder irgendwo zu verunglücken, wo ihn niemand findet. Es ist ein Unrecht, wenn Sie ihr Leben so in den Schatten stellen. Sie sind eine Frau und haben Verpflichtungen. Sogar der Pastor aus Klinike sagte, man müsse die Scheidung einreichen, nachdem das der einzige gesetzliche Weg ist in einem solchen Fall. Es ist ein Irrsinn, sich an einen Menschen gebunden zu halten, der ein Phantom geworden ist."
„Es ist nicht tot. Ich glaube das nicht, Huith. Ich will das nicht glauben. Aber sprechen wir nicht davon. Erzählen Sie etwas anderes." Sie sah gequält aus, und Huith ärgerte sich. Er fand sie verrückt und lächerlich, wenn sie an diesem Mann festhielt, der sie doch verraten hatte.
Er hatte ihn gut gekannt, feine lange, schlanke Gestalt, sein dunkles Haar und seine blauen Augen. Ein schöner Mann war er wohl gewesen, aber leichtsinnig, und eine Frau wie Sibylle war er niemals wert.
Erzählen Sie etwas anderes! Das sagte sie immer, wenn er versuchte, an die alte Geschichte zu rühren. Natürlich, sie litt darunter. War der Mann wirklich tot, dann war es schlimm genug für sie, da sie ihn doch liebte. Hatte er sie einfach verlassen, ohne ein Wort, bann war es nicht weniger schlimm, denn sie hatte doch alles getan, um ihm das Leben gut und schön zu machen. Alles, was sie nur konnte.
Erzählen Sie etwas anderes! '
Er tat ihr den Gefallen. Er war wohl nicht der Mann, über den sie diesen ersten, leichtsinnigen vergessen würde. Vielleicht kam aber eines Tages ein anderer, und bann konnte sie sich ja an seinen Rat erinnern.
♦
„Schreiben Sie ben Brief an C. Anbrs unb Co. zuerst unb sagen Sie im Vorbeigehen zu Herrn Frey vom Konstruktionsbüro, er soll sofort zu mir kommen."
„Jawohl Herr Keit." Die Sekretärin nahm Bleistift, Block unb ihre Schriftstücke auf unb verließ bas Zimmer. Joachim sah gebanfenlos ber Tür nach, die sich langsam schloß.
Nun war er vier Wochen hier in bem nüchternen Bürozimmer mit bem großen Fenster, bas auf den
von gelb bis schwarz auf sich genommen hat. In unbestechlichen Nahaufnahmen kann man die Physiognomien jener Menschen studieren, die Frankreich unb Englanb auf deutsche Soldaten gehetzt haben. Ein Schauder überrieselt wohl jeden, der diese Gesichter sieht. Als Gefangene ziehen nun die Far- Ligen in unübersehbarer Menge in die Gefangenen- lager.
Wieder sieht man die Sturzkampfbomber in ihren Angriffen, die Pioniere bei ihrer schweren Arbeit, die Flakartillerie im Einsatz gegen die Panzerwaffe, die Artillerie aller Kaliber in ihren Feuerstellungen, die Artillerie-Vorbereitung auf bas Panzerwerk 505, man sieht ferner die Infanterie auf ihren strapa- ziösen Märschen, erkennt bie Ausmaße an Organi- fation für die Versorgung der Truppen mit Verpflegung unb Munition, sieht schließlich bie Schnell- boote im Angriff unb viele andere Einzelheiten, Die das Antlitz dieses Krieges bestimmen. Mit besonderer Anteilnahme folgt man ben Bildern, bie unsere kämpfenden Truppen in und um Narvik zeigen, jene Truppen, bie am Polarkreis für bie deutsche Sache einen heroischen Kampf bestreiten. Die neueste Wochenschau läßt uns alle an einem Geschehen teil- nehmen, bas nicht nur deutsche, sondern Weltgeschichte bedeutet. H. L. Neuner.
Aus der Stadt Gießen.
Oer 3uni.
Betrachten wir zum Monatsanfang, was uns in alten Bauernregeln für ben Juni in Aussicht gestellt wirb. Ein klein wenig mißtrauisch dürfen wir habet aber sein. Gleich zu Beginn hören wir:
,Lluf nassen Mai
Kommt trockener Juni herbei."
Und den hat der Landmann, scheint's, nicht ungern, denn er sagt:
„3uni trocken mehr als naß.
Bringt gutes Naß dem Winzerfaß", aber:
„Wenn naß unb kall der Juni war,
Verdirbt er meist das ganze Jahr." Allerdings, mit andauernder Hitze unb Trockenheit ist bem Bauern auch nicht gebient, benn er liebt eine fein abgewogene Mischung, wie aus ben folgenben Wetterregeln hervorgeht:
„Macht's ber Brachmonat gut oder schlecht.
so macht er's allemal nicht recht.
Macht er’s aber gut u n b schlecht, bas ist gerabe recht."
Oder:
„Brachmond warm, naß, kühl und trocken Gibt was in bie Milch zu brocken."
Auch tüchtig wehen barf es, beim:
„Norbwinbe im Juni wehen Korn unb Wem ins Lanb hinein"
ober:
„Wenn im Juni Norbwind weht.
Das Korn zur Ernte trefflich steht."
Mit Freuben wirb ber Kohlenkommissar eine Regel vernehmen, bie besagt:
„Stellt ber Juni milb sich ein.
Wirb milb auch ber Dezember sein."
Wie in allen anberen Monaten, gibt es auch im Juni ^genannte „Lostage", bie für bie Ernte, bas Wetter unb anberes mehr ihre befonbere Bebeutung haben. So heißt es zum Beispiel vom 8. Juni:
„Wie's wettert am Mebarbustag
So bleibt’s sechs Wochen lang banach." Weiter heißt es vom Mebarbustag:
„Was St. Mebarbus für Wetter hält,
Solch Wetter in bie Ernte fällt", und
auf der Grunblage mittlerer Betriebe von etwa 40 bis 60 Morgen, die nach den Gesichtspunkten ber Rinberleistungszucht mit größter Intensität bewirt- schäftet werben. v
Bei einem Besuch auf dem Erbhof des Landes, bauernführers Dr. Wagner in Wasserbib. los bei Crumstadt lernte man gleichfalls einen Musterbetrieb erster Drbnuna kennen, dessen Besonderheit u.a. darin zum Ausdruck kommt, daß ber gesamte Hofbetrieb, ja sogar die Familienh-llus- Haltungen vollkommen auf ber Orunblage der Elektrizität geführt werden, also keinerlei Kohlen- Heizung oder Holzfeuerung verwandt ist. Daß eine derartige Betriebsform ihre großen Vorzüge hat, wurde unzweifelhaft deutlich. Daneben konnte man aber auch erkennen, daß hier nach den Gesichts-
zuchtbetrieb des Bauern unb weithin bekannten Kartoffelzüchters Böhm in Groß- Bieberau kennen. Hier stand man staunend unb bewundernd vor einer Arbeit, bie man sich in ber Verkörperung eines schlichten Bauersmannes, ber zugleich hervorragenber Fachwissenschaftler ist, gar nicht vorgestellt hatte. Die Kartoffelsaatzucht wurde im Jahre 1900 von dem mittlerweile verstorbenen Vater der drei Brüder Bohm begonnen, unb sie hat sich jetzt in zweckmäßiger Arbeitsteilung auf bie Betriebe ber brei Brüber verlagert. Jeber bieser Betriebe erfüllt im Rahmen ber Ganzheit ber Kar- toffelsaatzucht ein befonberes Arbeitskapitel. In bem besuchten Bettrebe in Groß-Bieberau werden bie Kartoffelsämlinge im allerfrühesten Stadium gezogen. Jährlich werben aus ben einzelnen Samenkörnern jeder bearbeiteten Kartoffelstaube die Sämlinge gewonnen, unb zwar etwa 15 000 bis 16 000 Stuck. Der Kartoffelzüchter Böhm selbst prüft unb ortiert bie einzelnen Samenkerne, er nimmt ben Anbau in kleinste Behälter vor und schafft auf diese Weise die allerttüheste Grundlage ber späteren Kartoffel. Von den 15 000 bis 16 000 Sämlingen, die im Frühjahr in ganz kleinen, durchlöcherten Pappbehältern mit Mutterboden auf ben Acker kommen, werben im folgenden Herbst etwa 2500—3000 als zu weiterer Auslese geeignet geerntet. Nach ber darauf folgenden neuen Auslese unb Ansaat werben nur noch 500 bis 600 Pflänzchen übrig jleiben, unb schließlich sinkt unter der Auswirkung bes fortbauernden scharfen Ausleseprozesses her Bestand an wirklich erfolgversprechenden Zuchtpflänzchen bis auf 50 ober 60 oder 100 Stück, von ursprünglich 15 000 bis 16 000 Sämlingen. Auf diese Weise wird in vierjähriger Auslesedauer bas für ben Kartoffelanbau erforberliche neue beste Saatgut gewonnen, eine Arbeit, bie von bem Züchter Böhm selbst mit ber ganzen Grünblichkeit des praktischen Bauern unb mit ber Sorgsamkeit des Spezialwissenschaftlers durchgeführt wirb. Die als Schluhergebnis gewonnenen Saatgutpflanzen werben dann zu bem in Pommern befindlichen Betriebe eines der Brüder Böhm zur endgültigen Aus-
fich über eine Heirat mit Jngeborg freuen, da» wußte er. Sie hatten ja immer damit gerechnet.
Wieder ging die Tür. Diesmal war es Direktor Andreas Keit selbst.
„Na, mein Junge", sagte er laut und trat geräuschvoll ein, „was treibst du? Du scheinst etwa» Wichtiges im Kopf zu haben."
Joachim lächelte. Er war aufgesprungen. „Netn. o wichtig war es nicht."
Sie traten zusammen zum Fenster unb siche« burch die gewürfelten Scheiben hinunter. Das Wasser bes Hafens' sah schwarz aus von hier oben- Schillernbe Oelflecke hoben sich mit ben langgezogenen Wellen. Vom Trockenbock herauf drangen Miethämmer laut unb durchdringend. Es war ben Männern eine gewohnte Musik. „
„Wirb in vier Tagen roieber auslaufen können, sagte Joachim unb sah auf bas Schiff hn Dock. Es war ein bänischer Dampfer. Rote Mennigefleckev zerrissen bie hohe Schifiswand.
Der.Vater nickte. Bei ben Helligen brühen reckt« ber Riesen-Schwimmkran ben Ausleger wie eiiu Faust in ben Himmel. Zu seinen Füßen auf bei» Ponton liefen ein paar Arbeiter eilig umher, lieber all würbe gearbeitet. Don überallher dröhnte btu Geräusch bieser Arbeit. Unb bcrt zog bie brau«' gestrichene Fähre quer über ben Hafen, bie Du Menschen zur Arbeit trug unb roieber nach Hause brachte. Jeben Tag, jebe Nacht. Sie verband Du Vorstabt Gulben, bie sich auf bem rechten Hasenufe-k befanb, mit ber Stabt auf ber anberen Seite.
Vierzig Jahre lang war Anbreas Keit mit diese: braun gestrichenen Fähre über ben Hafen gefahren, um in bie Werft zu kommen. lagern, tagaus --- unb mit ihm Hunderte von Arbeitern. Nun murin auch Joachim täglich biefen Weg gehen. Gott geb*' baß auch ihm vierzig solche Jahre vergönnt sei"


