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:rJ28 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)

I./2. Zuni W

immer am lebhaftesten und besten vertreten

Wer

chtigt hatte, ohne praktische Man hatte eine Zeitlang hoffen

tal wieder beginnen.

den. heit

Der Feldstein.

Don Karl Heinz Waggerl.

dir wird!

Aber das rührt den Findling gar nicht, er bleibt durch und durch verstockt, ein eiskalter Bursche. Ich habe schließlich Hände, um anzufassen, Beine, um sie einzustemmen, und einen Kopf voll Scharfsinn obendrein, er aber ist nichts weiter als rund und glatt und schwer, und damit trotzt er mir. Ach, ich hätte mich gar nicht mit ihm einlassen sollen. Am besten, ich werfe das Loch wieder zu, mag er noch einmal hunderttausend Jahre da unten liegen!

gewesen. Als nach Ueberwindung des Separatismus und der Zerstückelungspolitik von Versailles die letz« ten französischen Truppen das Rheinland verließen, schrieb der Pressechef der französischen Rheinland­armee Vial Mazel ein Buch:Der Rhein ein deutscher. Sie g". Das Ziel des jetzigen Krieges wird fein: Der Sieg des Großdeutschen Reiches und die endliche Ueberwindung des Testaments von Richelieu. Damit wird der Kampf der drei Jahr­hunderte um unser Reich siegreich beendet sein durch Adolf Hitler, der uns das Grohdeutsche Reich schuf.

Dutschland. Als schließlich die englische Politik zu der Einkreisungsmethode Eduards VII. zurückkehrte, ttir auch in Frankreich der Boden vorbereitet, wb der alte Gegensatz stand wieder auf.

So kam es, daß München, das zu so viel Öffnungen berechtigt hatte, ohne praktische Folgen blieb. Man hatte eine Zeitlang hoffen (innen, daß der Verständigungswille sich in Frank- nch durchsetzte und die Erkenntnis sich durchrang, man Deutschland gegenüber neue Methoden a wenden müßte. Aber es zeigte sich sehr bald, dch die Hoffnung vergeblich war. Am 3. Septem- hr 1939 erklärte England Deutschland den Krieg u b Frankreich folgte. Seitdem sind die alten Kräfte wieder am Werk, die im Sinne eines Richelieu, eines Ludwig XIV., eines Poncairö t utschland zerstückeln wollen. Schon am 31. August 1'39 rief Charles Maurras in der Action Fran­ca je aus:Die deutsche Einheit i st der Jeinb". Man erklärte, daß Versailles noch nicht fcarf genug gewesen ist, sondern daß man in dem iKuen Krieg ein Ueberversailles erstreben müsse, L vollständige Zertrümmerung Deutschlands und lt> Wiederherstellung des Westfälischen Friedens, wildern ist auch der Ruf wieder erschallt, daß man d e Rheinlande endgültig für Frankreich ge- innen müsse. Man entsann sich wieder, daß der Darschall Fach den Rhein als Barriere und Grenze virlangt hatte. So sollte der alte Kampf noch ein-

Kilian K o l l ist als Autor des Films Urlaub auf Ehrenwort" weiten Kreisen bekannt geworden. Ein im vergange­nen Jahr erschienener RomanDie un­sichtbare Fahne" [teilt die entsagungs­volle Arbeit der Reichswehr in den Mittel-

Aber die Kräfte der ewig Gestrigen in Frank­reich haben sich verrechnet. Das deutsche Volk ist heute unter neuer Führung geeint zu einem un­überwindlichen Block. Adolf Hitler hat das Groß­deutsche Reich vollendet. So wird der neue Krieg noch einmal ein Krieg der Bewährung um die deutsche Einheit. Es ist der g r o ß d e u t s ch e Freiheitskrieg. Das Rheinland hat in diesem Kriege seine besondere Aufgabe. Es hat den Zer- tückelungsbestrebungen eines Poincare widerftan- Am Rhein ist der Gedanke der deutschen Ein­

punkt. Koll hat den Polenfeldzug mitgemacht und steht jetzt als Hauptmann in einem Kampfgeschwader wiederum an der Front.

___' siegen will, muß angreifen. Durch Ver­teidigung mag man seinen Gegner schädigen und ihm Abbruch tun: Kriegsentscheidung kommt ihr nickst zu. Die stolze Angriffswaffe unseres Flieaer- tums und die am weitesten reichende Waffe über­haupt ist das Kampfflugzeug. Wenn man bedenkt, daß die Bombenlast einer einzigen Kampfmaschine der Tragfähigkeit eines mittleren Lastautos ent­spricht, so wird man verstehen, welche Gipfel­leistung der Technik dazu gehört, derartige Gewichte durch die Luft zu tragen, und noch dazu über gewaltige Strecken mit ungeheurer Geschwindigkeit. Dazu kommt ein Eigengewicht der Maschine von sechs bis zehn Tonnen Stahl: mehrere tausend Liter Treibstoff, Waffen und Munition für die Selbst­verteidigung und dazu vier bis fünf Mann Be­satzung: ein bißchen viel für zwei Flügel. Und es ist nicht etwa fo, daß die Ausmaße dieser grauen Adler ungehemmt anwachsen; vielmehr vermindert sich ihre Spannweite von Type zu Type, sie werden immer schneller, immer schnittiger und wendiger. Diese Wundermaschinen steigen mit voller Last in Himalaja-Höhen hinauf; ebenso gut aber sind sie geeignet, sich im niedrigsten Flug hinter Wald­rändern und Bodenwellen gegen Erdsicht zu ver­stecken und urplötzlich, unerwartet im Tiefangriff

Oer Kampsflieger.

Don Kilian Kott, Hauptmann in einem Kampfgeschwader

Aber auch das kann ich nicht tun, denn es steht schon die ganze Zeit jemand drüben am Zaun. Ein junger Bursche, wie ich sehen kann, ein Fremder. Wahrscheinlich hat er nichts besseres zu tun, nach seinen Hosen zu schließen, aber mir ist es unan­genehm. Ich lasse mich nicht belauschen, während ich Händel mit einem unbotmäßigen Feldstein habe, und vor allem könnte sich der Mensch seine groß­artigen Ratschläge sparen. Vorhin, als mir das mit der Stange zustieß, rief er etwas herüber, von einem Flaschenzug, wenn ich recht verstand. Lächer­lich! Warum nicht gleich einen Kran oder eine Feldbahn kreuz und quer durch die Wiese?

Rein, auf derlei Geschwätz mochte ich mich aar I nicht einlasfen. Ich winkte nur bedeutsam mit der sHaiid, meine Glückwünsche, Mann, zu deinen Ideen!

auf ihr Ziel loszustürmen.

Nur selten haben diese gemalfiaen Maschinen etwas in der Nähe der Front zu suchen, fast immer dringen sie ins Kernland des Gegners und bis in seine entlegensten Gebiete. Wer das solda­tische Glück hat, zu dieser jungen Waffe zu gehören, der ist sich mit Stolz bewußt, daß er den Stoß gegen das Herz des Feindes führt: dort, wohin keine andere Waffe reicht. Die eigenen Jäger, die ihn verteidigen könnten, besitzen nur einen Bruchteil der hierfür nötigen Flugdauer und Reich­weite; sie bleiben also weit hinter ihm in der Nähe der Front zurück. Aber der Feind verteidigt sein Herz mit Entschlossenheit, und der angreifende Kampfflieger ist nur auf sich, auf sein langwierig erworbenes Können und auf die Zuverlässigkeit seines Flugzeugs angewiesen.

Seine Leistungen sind schwer in handliche Ziffern zu bringen. Er schießt nicht soundso viele feindliche Flugzeuge ab; nur zuweilen versenkt er soundso viele Tonnen Schiffsraum. Seiner Tätigkeit fehlt gleichsam die sportliche Note. Der Bombenflieger befindet sich ganz schlicht auf dem soundso­vielten Feindflug, und meist hat jeder da­von es ziemlich gründlich in sich. Diese furchtbare Waffe trägt an den Opfern des Krieges ihren be­vorzugten Anteil wie auch an der Ehre des Sieges.

Ein Kampfflugzeug zu entwerfen und zu erpro­ben und es bann in schneller Folge und in jeder benötigten Anzahl Herstellen zu könnest: dazu braucht man mehrere Jahre. Fast den gleichen Zeitraum benötigt die Ausbildung jedes einzelnen Kampf­fliegers. Weder Bomber nochBombenfchmeißer" lassen sich auch nur innerhalb von Jahresfrist her­vorzaubern, wenn man sie braucht; und wenn der Sieg von der Bombe entschieden wird, so fällt diese Entscheidung schon zu Friedenszeiten beim besseren

Ich schiebe einen Klotz unter die Stange, und dann I werfe ich mich mit meiner Zentnerschwere auf das | andere Ende.

Knack, sagte die Stange und bricht ab. Michael schlägt ein Gelächter an, aber hier gibt es gar nichts zu lachen. Hier wird ein heldischer Kampf ausge­tragen, die uralte Feindschaft zwischen dem Men­schen und dem trotzigen Element. Geh nach Hause, Michael, sage ich, bring eine neue Stange her! Wahrhaftig, ich bin in Schweiß geraten und in Wut. Ich spucke auf den Stein, so nun wird es wohl Ernst zwischen uns beiden. Er liegt da, und ich liege da, und wir schauen uns dose an.

Höre, sage ich zu dem Findling, du meinst viel­leicht, ich sei bloß ein Maulwurf oder ein Regen­wurm oder was dich sonst zuweilen unter der Erde gekitzelt hat. Aber da irrst du, ich bin fein Wurm, ich bin der Mensch! Der Herr über alles auf der Erde, das weißt du nur nicht. Zu deiner Lebzeit war es noch nicht so. Ich kann dich zu Staub zer­mahlen und in den Wind blasen, wenn ich will. Und das sage ich dir, wenn du mir die neue Stange auch wieder abbrichst, bann hole ich bas Bohrzeug unb eine Handvoll Pulver, und du sollst sehen, wie

Ewige Westfront.

Don profeffor Or. Friedrich Grimm

Wieder stehen sich deutsche und französische Trup- pn an der Westfront gegenüber, und viele mögen sch fragen: Wie kommt das? Will es ein Ver­hängnis, oder beruht die ewige deutsch-französische Aseinandersetzung auf Umständen, die zu beheben rgiren, wenn man die besonderen Ursachen er- ! nnen würde? Der jetzige Krieg ist ein eng« l scher Krieg. Wieder hat England, wie vor 1 14, die Einkreisungspolitik gegen den mächtigen Konkurrenten, Deutschland, unternommen, die zum Kriege führen mußte. Trotzdem wäre der Krieg nicht möglich gewesen, wenn England nicht in ijanfrßid) wieder die Kräfte zum Einsatz gegen Deutschland gewonnen hätte, die nun seit Jahr­hunderten in der Bekämpfung der deutschen Ein­heit das traditionelle Ziel ihrer nationalen Politik Hen.

Drei Jahrhunderte währt nun schon dieser Kampf uri die deutsche Einheit, seitdem der Kardinal Richelieu im Kampf»gegen die damalige beut« fte Vormacht, das Haus Habsburg, bie französische Lnhut schuf unb bie beutsche Einheit zerschlug. Seit- bim soll basewige Gesetz", biefixe Jbee" ber ^schickste Frankreichs sein, bie beutsche Einheit zu verhinbern, so wie Frankreich seine Einheit voll- eibet hatte. Der Rhein steht im Mittelpunkt dieses Ringens. Immer wieber hat Frankreich seine jsind nach bem deutschen Strom ausgestreckt. Man nennte bas bie Politik der natürlichen Grenzen, der denGrand Rhin, denGroßen Rhein".

Als der Führer den Westwall schuf, wollte er tzxrch diesen Akt bem französischen Volk symbolisch öir machen, baß Deutschlanb von Frankreich nichts mnsche und die Grenzen zwischen den beiden Län- forn nunmehr für immer festständen. Niemals hat ck deutscher Staatsmann mit größerer Autorität und Ot größerem Nachdruck dem französischen Volk zu- gtrufen, daß die Theorie vom Erbfeind endlich über­müden werden müsse und der Jahrhunderte alte flimpf endlich beendet sein solle. Die Bestrebungen, m einer deutsch-französischen Verständigung zu ge­lingen, waren auch in Frankreich nicht ohne Er- ft'g. Die Bewegung der Frontkämpfer und der jigend in beiden Ländern ließ die Hoffnung be­richtigt erscheinen, daß der deutsch-französische Ge- gmsatz endlich verschwinden würde. Aber die Kräfte, ; 8? an der Verewigung des Streites interessiert mren, waren stärker. Seitdem Deutschland unter Dolf Hitler sich wieder erhob, hetzte eine verant- wrtungslose Presse Tag für Tag gegen Deutsch- lnd. Keine Lüge, keine Entstellung waren grob jnug. Man säte Mißtrauen. Jedes Wort des Füh- «rs, das der Aussöhnung dienen sollte, wurde vchbraucht. Man wollte kein Vertrauen aufkom- n>n lassen. Die internationalen Kräfte der Juden, b,i- Freimaurerei und der Hochfinanz hetzten gegen

In der Morgenfrühe rücke ich mit Pickel unb kecheisen auf bas Feld, ich will versuchen, einen ten ben Findlingen auszuheben. Ich habe ihn ringsherum freigegraben, wuchtig liegt er in der 8irbe, ein Riese an Gewicht und Gestalt. Aber les macht mir nichts aus, ich weiß genau, wie ich ii)r beitommen werde. Zuerst will ich ihn mit bem fyb&baum aus bem Grund wiegen und auf ein j-tcages Geleise aus Rundholz kippen, und dann wlze ich ihn allmählich hinauf.

Es ist eine Lust, so tüchtig in der tauigen Kuhle u arbeiten, während rundum noch die Hahne c:hen unb die faulen Hänse eben erst schlaftrunken ois dem Kammerfenster blinzeln. Nur der kleine M chael ist auch schon auf, gleich nach dem Fruh- iuten fomrftt er gelaufen. Ich habe ihn als Hanb- aigef bestellt, und damit er sich bie Lehre für sein üiDen holt, baß einem Menschen nichis unmöglich ist wenn er nur seine Kräfte mit Verstanb anroenbet.

Schnaufenb labe ich mir bie schweren Schleif- 10,3er auf die Schulter, und Michael schleppt bas me mit weichen Knieen. Ganz allein mühen wir urs ab, wir sind gleichsam die ersten Menschen hier In der Gegend, die Ursiedler, die Landnehmer.

Und bann ist es soweit, baß ich ben Baum an- ! ?}<n kann. Ich lege mich gleich mit aller ^aa^^ n; Zeug, hoauf! sagt Michael zu meiner Er- n nterung. Das Holz knackt, ber Boben gibt nach, ?|it noch einen letzten Ruck! __ ,

5r knirscht schon! schreit ber kleine Michael. Aber !a» war mein Schulterknochen, nicht etwa ber Fmb- irg. Der weicht um keinen Zoll von seinem Platz.

ihm, es kam mir nur auf einen Versuch an. Ich eene noch einmal runb um ben Stein und betrachte ')- genau, um ihn nachher von ber schwächsten 2(ite zu packen. Es ist natürlich nicht so, wie N chael meint, daß er vielleicht Wurzeln unter-

| ncrts hat, wie ein Pilz, unb selbst bann würbe

4 ihn mit Stumpf unb Stiel aus ber Erde reißen lr verzagt hebe ich ben Baum wieber aus uno

\ '0»e ihn gegenüber an, auf allen Seiten nach uno :cch. Nein, es fruchtet nichts.

Gut, bente ich, er verläßt sich auf fern AEw?st, 600 ist aber auch alles, was ihm einfällt. Ich hin­ten habe meinen Verstand, oh, ich bin "ach lange ächt am Ende. Jetzt hecke ich nämlich eine List aus.IHano.

Techniker, bei ber Sorgfalt bes Arbeiters, bei der gebiegenen Ausbildung ber fliegenden Besatzung und nicht zuletzt bei der Treue und Tüchtigkeit des Bodenpersonals.

Wer einen Blick in ein modernes Kampfflugzeug tut, mag ahnen, welch eine verwirrende Menge von Geräten dort sauber bedient sein will; keines davon ist entbehrlich für den Auftrag. Da gibt es Vor­richtungen für den Blindflug, für ben Funkverkehr, für ben Bombenwurf; unzählige Schalter unb Hebel, Anzeigen unb Sicherungen spotten jeber un- funbigen ober sogar breioiertelfunbigen Hand. Stellt schon ein solche Flugzeug einen sehr hohen Wert bar, so ist bie Ausbildung des fliegenden Per­sonals noch weit kostspieliger. Und wollte man des­sen Ausbildung durchpeitschen, so brächte man als Endergebnis unfehlbar unb jebesmal eine Kata­strophe zustanbe; wahrscheinlich braust eine untun» bige Besatzung bei erster Gelegenheit in den Erb- boben, ober bie eignen Bomben platzen in ber Ma­schine; milbesten Falls gehen ihre Bomben alle­samt nebenher, unb bann ist ihr Einsatz ein wert­loser Flug von ungemessener Gefahr.

Mit demftischfröhlichen Bombenwerfen", wie ber Laie es sich vorstellt, ist es nichts. Eine nahezu wissenschaftliche Schulung befähigt beispielsweise ben Beobachter, seinen Flugweg zu berechnen. In An­betracht der gewaltigen Strecken, bie bie Maschine zurückzulegen hat, kann ein kleiner Rechenfehler verursachen, baß bie Maschine ihr Ziel ober ihren Horst nicht erreicht und irgendwo kläglich zu Bruch geht.

Die Kampffliegerei ist die mächtigste aller An­griffswaffen, ihr anzugehören die höchste Ehre des Fliegertums. Man muß aus unendlichen Höhen eine Riesenstadt wie Warschau so klein wie einen Kaffeeteller unter sich gesehen haben, um zu er­messen, wie schwer ober wie leicht sich ein so win­ziges Ziel wie eine Munitionsfabrik ober ein Kno­tenpunkt ober eine Flugzeughalle ober gar ein fah­rendes Schiff treffen lassen. Doch wenn unsere Bomben ein kriegswichtiges Ziel erreichen, so ver­nichten sie derart unermeßliche Werte und lähmen den Gegner so sehr, daß man die größten Opfer und Mühen nicht scheuen darf, ein solches Ergebnis anzustreben.

Im polnischen Feldzug gelang der Einsatz der Kampfflieger so ideal, daß sich nach,wenigen Tagen fein lohnendes Ziel mehr für Riesenangriffe bot; fortan verstreuten unsere zahlreichen Kampfgeschwa­der sich im kleinsten Verband der Rotte (zwei Flug­zeuge) ins fernste Hinterland des schon gelähmten Gegners.

Kalte Ruhe sichert bas unentbehrliche Drauf­gängertum bes angreifenden Bombenfliegers. Wenn er, vollgetankt bis zum lleberlaufen und mit Bom­ben beloben bis an die Grenze der Flugfähigkeit, seinen Weg zum Gegner sucht, so muß er erwarten, unterwegs oder vor dem Ziel von feindlichen Jägern gestellt zu werden; und das gleicht dann einem Zweikampf zwischen Lastenschleppern und Leichtathleten. Da zeigt sich Härte unb Gehor­sam; denn ber Kampfflieger, ber jetzt zu kurven beginnt, um sich ben dahersträhnenben Geschoß- garben zu entziehen, ober ber aus bem Verbanb ausbricht und gar zu flüchten trachtet (nutzloser Versuch!), fällt bem Gegner mühelos zur Beute. Aber aufs engste zusammengerückt, sich gegenseitig mit ihren Maschinengewehren deckend, halten die Bomber sich die kanonenbewehrte Meute meist glücklich vom Leibe. Zwar haben wir bie Mög­lichkeit, uns unserer tonnenschweren Bombenlast

Da lachte der Bursche unb nickte mir zu, und dann trollte er sich endlich davon.

Nun kann ich eine Weile ungestört im Schatten sitzen und mit mir zu Rate gehen, während ich meine Jausenmilch trinke. Ein Flaschenzug, natürlich habe ich auch schon daran gedacht. Ich könnte wirk­lich ein paar Rollen abdrehen, bas wäre weiter' kein Kunststück. Wenn ich Glück habe, bekomme ich die neue Wäscheleine aus ber Küche, unb etliche Stücke Bandeisen fänden sich auch. Und später am Abend, wenn der Mond scheint und niemand mehr unterwegs ist, würde ich ein Gerüst über ber Grube aufstellen, eine Art Galgen, den hat ber Rebell ja auch oerbient. Ich hole Papier aus ber Tasche und mache mir einen Entwurf, weil ich nämlich den Flaschenzug gewissermaßen neu erfinden muß. Früher einmal konnte ich so etwas bei Strich und Faden ausrechnen, in meiner besten Zeit. Kraft ist gleich Last mal Weg ober umgekehrt. Ja, aber der Weg war lang, da verkrümelte sich bie Kraft alb 1 mählich.

Wie ich nun ins Weite schaue, um meine Ge- 1 danken zu sammeln, sehe ich wieder diesen Frem­den heranschlendern. Er klettert über ben Zaun unb kommt auf mich zu, auf ber- Schulter trägt er ein unförmiges Ding, unb was ist es? Ein richtiger 1 Flaschenzug. Den wirft er hin. So, ba hätten wir 1 ihn, sagt er unb zieht seine Hosen herauf.

Jawohl, sogar zwei, einen gestohlenen im Gras und einen redlich erfundenen auf meinem Papier. Soviel ich weiß, hat im ganzen Dorf nur ber : Müller einen Flaschenzug, und ben gäbe er nicht 1 heraus, man schlüge ihn benn vorher tot. Hat ber . Mensch etwa ben Müller umgebracht?

Nein, höre ich, bazu.karn es gar nicht, eigentlich hatte ber Müller wenig einzuwenden. Unb außer- , dem bekommt er seinen Flaschenzug ja wieber zurück, ' es sah nicht so aus, als ob er ihn vor bem Abenb ) brauchen würbe.

, Schön, ich will jedenfalls nichts mit dieser Sache - zu tun haben, nachdem ich mein ganzes Leben bis« t her ohne Raub und Hehlerei bestreiten konnte. Ich 1 bleibe im Grase sitzen und schaue zu, wie ber - Bursche nur in ben Ahorn klettert unb ben Flaschen- ' zug am ersten Ast feftbinbet. Dann orbnet er bas Seil unb legt bie Kette an den Stein, unb zu all bem kann ich nur bie Achsel zucken. Wahrscheinlich fällt ber Baum um, denke ich, und erschlägt uns I beide.

Voll Freude meldet der Heckschütze einer deutschen Kampfmaschine den genauen Einschlag der Bomben

im Ziel. (PK.-Folkers-Scherl-M.)

im Notwurf mit einem Griff zu entledigen; aber bas tut man nur, wenn bie Sache schon arg brenz­lich wird: wenn wir keine Bomben mehr haben, befinden wir uns auf einem zwecklosen, äußerst ge­fährlichen Spazierflug; und an Schnelligkeit, Wen­digkeit und Bewaffnung ist der Bomber jedem mo­dernen Jäger unterlegen.

Ist er aber mit seinen Bomben glücklich über dem befohlenen Ziel angelanat, fo empfängt ihn dort wie ein eiserner Abwehrschauer bie feindliche Flak. Denn wenn mir die Kriegswichtigkeit un­serer Ziele recht gut kennen: noch besser kennt sie der Feind, der feine' verwundbaren Stellen mit Igeln von Flakbatterien geschützt hat. Unb unser himmelhoher Siebenmeilenweg ist plötzlich mit kohl­schwarzen Wölkchen bedeckt, man sieht die kleinen Bügeleisen" und den Funkenregen der Abwehr­MGs. verwunderlich lanjjfam heraufsteigen und platzen, man fliegt durch eine unausgesetzte Lufter- schütterung. Mit einem leichten Abdrehen könnte man sich aus ber Schußlinie bringen; aber gerade in der kritischen letzten Minute vor bem Wurf muß der Flugzeugführer jedes Schwanken und jede Be­wegung vermeiden unb eisern durchhalten, zllr Freude der Flak. Auftrag geht vor Sicherheit! Ver­sunken kniet der Beobachter vor seinem Bomben­gerät. Welcher Jubel, wenn nach einer unendlich scheinenden Zeit die Sprengwolken drunten im Ziel lospuffenl Der Auftrag ist erfüllt, unb die schnei­dige Zuversicht wächst, daß man sich nun auch glücklich durch alle Widrigkeiten nach Hause durch­schlagen wird. Ja, sogar: nach einem erfüllten Auf­trag stirbt es sich leichter. Doch welche Wut und zornige Beschämung, wenn die Bomben wegen einer winzigen Vergeßlichkeit blind gefallen find ober wenn sie infolge eines Ziel« ober Berechnungs­fehlers nebenher gegangen find; was gelegentlich Vorkommen kann. Dann ist aller Aufwand nutzlos vertan, unb nun mag man zufehen, wie man sich wieder heimwärts schlägt ...

Nein, nein, e$ ist nichts mit dem frischfröhlichen Bombenwerfen. Unter Einrechnung aller Fehl­würfe ist jede Bombe, die wirklich im befohlenen Ziel sitzt, ungefähr die kostbarste Waffe, die es überhaupt gibt; sie einzusetzen, lohnt nur für ei>ien Herzstoß.

Einen solchen mit Kühnheit und Berechnung zu führen, ist die Aufgabe des Kampffliegers und fein Stolz. Nur Menschen von überlegener Tapferkeit, dazu von bedingungsloser Kameradentreue eignen sich für diese großartige Waffe, die schon auf ihren Schulen alles Geringwertige megfiebt. "

Die edelste Gemeinschaft, welche das Mannestum kennt, ist die Besatzung eines Kampfflugzeugs. Sie lebt miteinander, sie stirbt miteinander. Offizier, Unteroffizier unb Mann sitzen im Kampfflugzeug Schulter an Schulter, sie verständigen sich fast ohne Befehl und fassen ihre Entschlüsse wie i n Wesen.

Aber dieser Stein! Dieser Ausbund von Bosheit! Kaum spürt er den ersten Ruck, da wackelt er schon in der Grube. Vorhin, als ich ihn gut behandelte und väterlich mit ihm sprach, da wollte er nicht hören. Jetzt läßt er sich die Brechstange in die Seite stoßen, läßt sich willig drehen und wenden, mit einem Male ist er federleicht, und nach einer knappen halben Stunde rollt er lammfromm in das Gras. Da liegt er nun in der Sonne, entzaubert und ohne jedes Geheimnis, ein Feldstein, nicht ein­mal sehr groß.

Wie Moltte das Eiserne Kreuz bekam.

Hatte Moltke Anrecht auf die schönste Krieger­ehrung, auf das Eiserne Kreuz? In seinem ur­sprünglichen Sinne war es ja nur für Auszeichnun­gen im Felde bestimmt und belohnte die wirkliche Waffentat, sodaß es fraglich schien, ob der heutige Heerführer, der stch nicht mehr in das Getümmel des Kampfes stürzt und seine Leistung fern vom Kriegsschauplatz vollbringt, diesen Orden erhalten könne. Moltke hat das Großkreuz des Eisernen Kreuzes auch erst nach glücklicher Beendigung des Krieges, zugleich mit den Kronprinzen von Preu­ßen und Sachsen, dem Prinzen Friedrich Karl und den Generalen von Manteuffel, von Goeben und von Werder, erhalten, und Kaiser Wilhelm begründete diese Auszeichnung ausdrücklich mit einem Handschreiben, in dem es heißt:Nachdem der glorreiche Friede hergestellt ist und Sie einen so überaus großen Anteil an der Herbeiführung desselben durch die unübertreffliche Leitung der Kriegsoperationen genommen haben, fo glaube ich mich berechtigt, um Ihre hohen Verdienste noch­mals öffentlich anzu^kennen, die Statuten des Eisernen Kreuzes dahin zu erweitern, daß ich die eminente Kriegsleitung den selbständigen Generalen in einer Schlacht oder dem Eroberer einer großen Festung gleichstelle, um Ihnen das Großkreuz des Eisernen Kreuzes verleihen zu können, was ich hiermit durch Ueberreichung der Insignien desselben tue. Mit meinem unversiegbaren Dank für alles, was Sie in drei Kriegen Ruhmreiches geleistet, verbleibe ich Ihr dankbarer König Wilhelm." Eine Umwertung der kriegerischen Taten kündigte sich damit an, das rein geistige Wirken bes Strategen wurde den Taten auf dem Schlachtfeld gleiche stellt. C. K.