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1.5.1940
 
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vrühlsche UniverfitätrbnlSerei 8. Lange General-Anzeiger für Oberhessen*a?ssss

wo. Jahrgang Nr. M

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\ /, \ ▲W' A Dienstag, 30. April Mittwoch, f. Mal W^O

Glchentt Anzeiger

Das Stratsorce-Abenteuer.

Zu den krampfhaften Versuchen, die für England so blamable Aufdeckung seiner skandinavischen Ex­peditionspläne zu entkräften, gehört auch die von den plutokratischen Schriftgelehrten aufgestellte Be­hauptung, daß die deutsche Dokumentenveröffent­lichung nur vorgenommen sei, um nachträglich den brutalen, deutschen Ueberfall auf das kleine, arme Norwegen" zu entschuldigen. So erzählte auch der Londoner Lügenrundfunk seinen bedauernswerten Hörern, die deutsche Regierung habe nur versucht, ihre Aktion durch die Vorlage angeblicher Doku­mente zu rechtfertigen, von denen sie noch keine Ahnung hatte, als sie ihren Angriff auf Norwegen unternahm. Das aber ist ein allzu billiger Versuch der Irreführung. Denn schon am 9. April, also am Tage des deutschen Gegenschlages, hatte Reichs­außenminister v. R i b b e n t r o p vor der Aus­landspresse erklärt:Der Einbruch Englands und Frankreichs auf norwegisches Hoheitsgebiet kam für Deutschland nicht überraschend ...Bereits seit einiger Zeit hat die Reichsregierung Nach­richt, daß sich auf dem gesamten Gebiet Norwegens englische und französische General- und Admiral­stabsoffiziere zur Feststellung und Vorbereitung von Landungsplätzen und zur Planung des Vormarsches nach Süden befinden." Wir waren also schon da­mals über die Absichten und Methoden der West­mächte bezüglich der Kriegsausweituna nach Nor­wegen genau im Bilde, so daß der Reichsaußen­minister am 27. April wieder darauf Bezug nehmen konnte, indem er seine Erklärung abgabauf Grund des umfassenden Materials, das der deutschen Reichsregierung schon damals vorlag und das durch ebenso wichtige Funde nunmehr eine Ergänzung erfahren hat". Daß wir diese Funde inzwischen machen würden, davon hatten wir aller­dings am 9. April, um mit dem Londoner Lügen­rundfunk zu sprechen, nochkeine Ahnung". Aber will es uns jemand verargen, daß wir jetzt lieber diese schlagenden Beweisstücke veröffentlichen als jene Nachrichten, die wir damals gehabt haben und die hinsichtlich ihrer Quelle vielleicht manchen Schluß zugelassen hätten, der nicht unbedingt gezogen zu werden brauchte? Und wir hatten natürlich auch feine Ahnung", daß die Engländer so leichtsinnig sein würden, ihren ebenso kompromittierenden wie schlecht ausgearbeiteten Gesamtoperationsplan mit in die vorderste Linie zu nehmen.

Denn das muß einmal gesagt werden: Chur­chill hält mit seiner militärischen Aktion gegen Norwegen, was er als dummdreister Hetzlügner seit acht Monaten versprochen hat. Der sogenannte Strateforce-Plan, der dem englischen Bri­gadestab in Lillehammer abgenommen und im deut­schen Weißbuch veröffentlicht wurde, ist so typisch britisch, aber auch so wenig durchdacht und nach­lässig ausgezogen, daß es den militärischen Fach­leuten aller Länder ein wahres Vergnügen berei­ten wird, ihn zu studieren. Gleich zu Beginn kann man sich eines Lächelns nicht erwehren, wenn es da heißt, daß dieschärfsten Vorsichtsmaßnahmen" zu ergreifen seien, um die Geheimhaltung der Operationen sicherzustellen. Für die dilettan­tische Art der Vorbereitung des Strateforce-Unter- nehmens, aber auch für die frohe Unbekümmertheit, mit der man sich im überfallenen fremden Lande häuslich einzurichten gedenkt, ist es dann weiter bezeichnend, daßdie Truppenabteilung in Bezug auf Transport, Versorgung, Unterbringung, Laza­rett- und Ambulanzwesen vollständig auf die Ortsbehörden angewiesen" sein soll. Da­zu paßt ferner, daßweder Transportmittel noch Zelte mitgenommen" werden sollen, daß die Trup­pen bezüglich der Verpflegungzum großen Teil auf Ankauf an Ort und Stelle angewie­sen sind", daßfür Feuerung und Licht außer Ker­zen für Notbeleuchtung kein Nachschub" besteht usw. Ebenso entspricht die Ausrüstung mit Kartenmate­rial eher den Bedürfnissen eines mittelalterlichen Raubritters als denen eines modernen Feldherrn. Außer Blättern im Maßstab 1:1000 000 ist die Stratforce-Armee nur im Besitz von Photokopien im Maßstab 1:100 000 und 1:200000. Aberdiese Karten sind sehr alt und meistens aus der Zeit vor 1900; sie haben kein Gitternetz und meistens auch keine Höhenschichtlinien". Was das in einem aus­gesprochenen Gebirgsland wie Norwegen bedeutet, kann sich auch jeder militärische Laie an den fünf Fingern abzählen.

Nicht weniger charakteristisch ist die Sorge, die sich die Verfasser des Stratforce-Planes über die Unterscheidung eigener und feind­licher Flugzeuge durch die Tommies machen. Die Mitnahme ausgebildeter Flaksoldaten hält man offenbar für überflüssig und meint,die örtlichen verbündeten Militärbehörden könnten vielleicht hier­bei behilflich sein ..." Mit schöner Offenheit wird hier also das norwegische Militär im Voraus alsverbündet" bezeichnet. Wie die aufgefundenen Akten der ehemaligen norwegischen Regierung be­weisen, war ja diese Spekulation auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Die Engländer glaubten deshalb, getrost auf die Mitführung vieler kriegs­notwendiger Ausrüstungsgegenstände verzichten zu können, um dafür Sportgeräte und Kasinoeinrich­tungen für die Herren Offiziere lautSonderwei­sungen mit Angabe der Extramenge" keinesfalls zu vergessen. Das sind nur einige Einzelheiten aus dem famosen Stratforce-Plan, aber sie genügen schon, um die ganze Abenteuerlichkeit dieses Chur­chill-Unternehmens erkennen zu lassen. Inzwischen sorgen unsere Soldaten dafür, daß sich die Bla­mage des Lügenlords zu einem moralischen, poli­tischen und militärischen Todesurteil für die eng­lische Plutokratie entwickelt. H. Ev.

Britische Greuelmärchen.

Berlin, 29. Avril. (DNB.) Reuter phantasiert von einer neuen Angriffswelle deutscher Bomber auf die unbefestigte Stadt Aalesund, 200 Kilometer nördlich von Bergen, bei der neben vielen Privathäusern natürlich auch eineMis- s i o n s k i r ch e, die auf dem Dach ein riesiges

und klar gezeichnetes Kreuz trug, einen Treffer erhielt". Die Menschen auf den Straßen wurden angeblich mit Maschinengewehren beschossen und um das Lügenbild vollständig zu machen auch Sanitäter, die versuchten, Verwundete zu ber- aen. An der Narvik-Front sollen die Deut­schen bei einem Gegenangriff Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, wieder einmal dazu gezwungen haben, vor der Front zu marschieren um das Vor­gehen zu decken.

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3p schlechter es den Herrschaften in' London geht, desto mehr versuchen sie ihr Heil in einer Flut

Berlin, 29. April. (DNB.) Die deutsche Luft­waffe führte bei günstigem Flugwetter auch am Montagvormittag zahlreiche Angriffe auf britische Schiffseinheiten an der West­küste Norwegens durch. Nach den bisher eingegange­nen Erstmeldungen sind eine größere Anzahl britischer Transportschiffe hierbei durch Bombenwurf erheblich beschädigt worden. Eines der Schiffe b r e n n t.

Der Wehrmachtsbericht vom Bonlag.

B e r l i n , 29. April. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Unterstützt durch die Luftwaffe, die in den Lrd- kampf eingreift und die rückwärtigen Verblndun- gen des Feindes unterbricht, nehmen die Operatio­nen in Norwegen ihren planmäßigen ver­lauf. Die Befriedung im Innern Nor­wegens schreitet fort. Es wurden weitere sechs Batterien mit insgesamt 24 Geschützen mit der gesamten Ausstattung und Munition sicher­gestellt. Line Dynamitfabrik wurde beseht.

von Grsuellügen, mit der sie ihren Kredit in der Welt zu retten hoffen. Wir kennen diese Methode, die von der Schwarzen Madonna in Tschenstochau bis zur norwegischen Weihestätte in Eisvold immer neue, schnell gebrochene Blüten treibt. Aber auch das neutrale Ausland erkennt sie in wachsendem Maße, wie zahlreiche Pressestimmen immer wieder beweisen. Stets sind es die gleichen Versuche, die Ritterlichkeit der deutschen Soldaten zu untergra­ben. Aber auch diesen englischen Schmierfinken wird einmal endgültig ihr elendes Handwerk gelegt wer­den.

3m Küstengebiet von Mittel-Norwe­gen erhielten zwei britische Kreuzer Volltreffer mittleren Kalibers. Bei e l Transport- und Nachschubschiffen mit insgesamt 50 000 Tonnen wurden schwere Bomben­treffer erzielt, so daß ein I4W der Schiffe vernich­tet wurde. Bei Lesjaskop wurden drei am Boden stehende feindliche Flugzeuge durch Bom­benangriff z e r st ö r l; zwei deutsche Flugzeuge werden vermißt.

3m W e ft e n keine besonderen Ereignisse.

Norwegische Schiffseinheiten zur Abwehr eingesetzt.

Berlin, 29. April. (DNB.) Die von der Kriegs­marine in Dienst gestellten norwegischen Ein­heiten werden nach Herstellung ihrer Fahrbereit­schaft laufend in die Küstenverteidigung und zur Aufklärung eingesetzt. Der Ausbau der- ftenbefeftigungen durch die Kriegsmarine er­folgt planmäßig. Insbesondere wurde für eine er­hebliche Verstärkung an den wichtigsten Punkten der besetzten Abschnitte Sorge getragen. Auch an der dänischen Küste wurde die Küstenoerteidigung verstärkt.

Erfolgreiche Luftangriffe auf britische Transportschiffe

Arbeit als Waffe.

Der 1. Mai ist einer jener Tage im Leben un- seres Volkes, an denen die Einheit der großdeut­schen Nation, die Blickrichtung auf das Ganze und die Ausschaltung klassenmäßiger Unterschiede be­sonders sichtbar zum Ausdruck kommen. Der 1. Mai ist ein Feiertag, der uns für eine Zeitlang vom all­täglichen Aufgabenkreis loslöst, um das Echos tfer Arbeit, die große nationale Verpflichtung des Schaffens am Volk sichtbar werden zu lassen. Nur diese nationalsozialistische Verpflichtung zur Arbeit im Gegensatz zum liberalistischen 1. Mai als einem äußeren revolutionären Protest gegen die Ar­beit ließ in den vergangenen Friedensjahren unter nationalsozialistischer Staatsführung das ge­waltige Aufbauwerk Deutschlands möglich werden. Mit der Verpflichtung zur Arbeit ohne Unterschied für jeden Deutschen, mit der Ausschaltung von Einzelinteressen zugunsten des Gemeinwohls und mit der arbeitspolitischen Konzentration begann jener mächtige Aufbauprozeß im Reich, j)er die Er­werbslosigkeit verschwinden ließ, das Saargebiet, die Ostmark, den Sudetenraum und das Memelland in kurzer Zeit dem Räderwerk der deutschen Arbeit angliederte und gleichzeitig deutschen Handel über die Grenzen zu all den Staaten erweiterte, die ge­willt waren, mit Deutschland in naturgegebene Wirtschaftsbeziehungen zu treten.

Mit der Konzentration der Arbeit verband sich aber auch die einheitliche Ausrichtung und Förde­rung des geistigen Schaffens. Erwähnen wir nur die f»genannten Dierjahresplanwirtschaften, die die Basis für unsere zur Zeit in der Feuerprobe stehende Kriegswirtschaft und Kriegsrüstung errich­teten. Auf der Grundlage der Erzeugungswissen­schaften beruht die hochprozentige Steigerung der landwirtschaftlichen Produkte, die chemisch-technischen Wissenschaften entwickelten die zahlreichen neuen

überlegenen Str e itkr äf te n gegenüber, so daß man nicht auf schnelle Erfolge rechnen könne. Besonders sei es infolge der Ueberlegenheit des Gegners auf dem Gebiet der Luftwaffe, nachdem die Deutschen sich alle vorhan­denen Flugplätze in Norwegen gesichert hätten, not­wendig, den deutschen Luftstreitkräften etwas Eben­bürtiges gegenüberzustellen.

Oer Oberste Knegsrat soll helfen.

Oie englische presse warnt vor einem zweiten Gallipoli.

Amsterdam, 29. April. (DNB.) Bei der letz­ten Tagung des alliierten Kriegsrates in London wurde, wie von gut informierter Seite berichtet wird, das Problem der prekären Situation der alliierten Truppen in Norwegen behandelt. Zwei Möglichkeiten feien dabei behandelt worden:

1. Zurückziehung der alliierten Trup­pen aus ganz Norwegen oder zumindesten aus Südnorwegen;

2. Verstärkter Einsatz, um, wenn möglich, doch noch eine Schicksalswende herbeizuführen.

Man soll sich am Ende dahin geeinigt haben, noch einen rücksichtslosen Einsatz der alliierten Streitkräfte, und zwar sowohl der Landtruppen als auch der Flotte, vorzunehmen. Gedacht ist dabei vor allem an eine Durchbrechung der Sper­ren von Drontheim in Verbindung mit gleichzeitigen AktionenderLuftwaffe gegen die deutschen Flugstützpunkte und Landangriffe vor allem die Fortifikationen am Eingang des Dront- heimfjords. Auch die Möglichkeit eines alliier­ten Flotteneinbruches in das Katte- g a t wurde in Erwägung gezogen. Zur Maskie­rung der geplanten Unternehmungen bzw. zur Irreführung der militärischen Leitung der deutschen Operationen sollen Meldungen in die internationale Presse lanciert werden, die ein Zurückziehen der alliierten Streitkräfte aus Südnorwegen als in Aussicht stehend bezeichnen, um dadurch die deut­sche Aufmerksamkeit einzuschläfern ober abzulenken.

*

Nach all dem Unsinn, den der alliierte Kriegs­rat in der letzten Zeit fabriziert und in seinen Ent­schlüssen gezeigt hat, ist ein solcher Plan wie der vorstehend enthüllte durchaus denkbar. Ob und in­wieweit es ihm allerdings gelingen rtfirb, die deut­sche Wehrmacht zu täuschen oder einzuschläfern, werden die Herren Strategen in London und Paris ja von jetzt ab Tag für Tag in steigendem Aus­maße erfahren. Wenn in diesem Zusammenhang ein englisches Blatt schreibt, daß Norwegen für England kein zweites Gallipoli werden dürfe, dann ist das auch unsere Meinung. Es wird mehr als ein Gallipoli werden!

Schweizer Stimmen zu der Tagung desOberstenKriegsrates

Genf, 29. April. (Europapreß.) Der Kriegsrat der Westmächte ist nach in Genf vorliegenden In­formationen aus London vor allem wegen der in den letzten Tagen äußerst prekär gewordeven Lage in Norwegen einberufen worden. Der Londoner Korrespondent derNationalzeitung", Basel, schreibt dazu bezeichnenderweise:Es wird in England von niemanden bestritten, daß sich der Oberste Kriegs­rat am Samstag in einer kritischen Lage versammelt hat. Es ist kaum mehr zu bezweifeln, daß es der Flotte der Westmächte nicht gelun­gen ist, das Skagerrak zu sperren und daß infolgedessen die Verstärkungen .der deutschen Streitkräfte in Norwegen schne»ller vor sich geht als die ihrer Gegner. Dank der Beschlagnahme aller dänischen und nor­wegischen Flugplätze ist die deutsche Luft­waffe im Vorteil und dazu kommt nun noch der bessere Nachschub über das Meer. Die letzten Operationen zu Lande zwingen die Briten, sich auf den 23 r I u ft ganz Südnorwegens gefaßt zu machen. Wenn die norwegischen Häsen in deut­

scher Hand bleiben, wäre auch die Blockadearbeit der britischen Flotte schwieriger als bisher." Be­zeichnend für die von englischer Seite zugegebene katastrophale Lage des Expeditionskorps der West- mächte in Skandinavien ist nach der BaslerNatio- nplzeitung" eine Mahnung der englischen Presse an die Regierung,den Feldzug im Norden mit größ­ter Energie fortzusetzen und nicht den Fehler von Gallipoli zu wiederholen."

Die schweizerische Montagpresse ist voll von Mel­dungen aus Skandinavien, die schon in großen Schlagzeilen die Erfolge der deutschen Truppen in den letzten Tagen verraten. So schreiben dieBasler Nachrichten":Deutsche Panzer-Kolonnen im raschen Vormarsch gegen die Eisenbahnlinie Dombas Stören". DieGazette de Lausanne" bringt große Ueberschriften wie:Die Entfernung der Luftbasen macht sich für die Westmächte grausam bemerkbar",Die Deutschen stoßen von Bergen aus weit in das Innere des Landes vor". Der Sonder­berichterstatter derGazette de Lausanne" in Skan­dinavien telephoniert unter dem Eindruck der deut­schen Erfolge und besonders der Luftwasft:Die Ueberlegenheit der Deutschen in der Luft bestätigt sich und wirkt sich über dem Meere aus." Um ihr sehr erschüttertes Prestige zu flicken, nehmen die Westmächte nun Operationen an der norwegischen Stockfischbasis vor, bei den Lofoten, sie könnten es fast genau so gut am Nordpol tun. Zu den Opera­tionen auf norwegischem Boden selbst schreibt der Skandinavien-Korrespondent derBasler Nachrich­ten" am Montag:Die militärische Lage in Nor­wegen hat inzwischen für die Westmächte keine Erleichterung erfahren."

Heftige Kritik an Churchill aus dem eigenen Lager.

Amsterdam, 30. April. (Europapreß.) Lloyd George kündigt, wie die Blätter aus London melden, für Dienstag im Unterhaus eine scharfe Kritik an der englischen Kriegführung in Nor­wegen an. Gleichzeitig veröffentlicht einer der ange­sehensten britischen Marinesachleute, Admiral S i r Roger Keyes, in der Presse eine herbe Kritik an dem Norwegen-Unternehmen Churchills. Der Admiral stellt Vergleiche mit Gallipoli an und meint, auf der Dardanellen-Halbinsel seien die Engländer nicht vom Feinde, sondern von einer kleinmütigen Regierung g e - schlagen worden, die keinen mutigen Entschluß zu fassen gewagt habe. Auch G a r v i n sieht sich im ..Observer" zu trübseligen Auslassungen über die Chancen Englands in Norwegen veranlaßt. Er meint, man müsse entweder alle verfügbaren Kräfte nach Norwegen werfen, oder sich auf einen vollständigen Rückzug vorbereiten. Die Vorgänge in Norwegen könnten nicht nur in poli­tischer, sondern auch in militärischer Hinsicht zu einer Frage von Leben und Tod für England werden.

Paris wirb veriröstet.

Brüssel, 29. April. (Europapreß.) Halbamtliche Mitteilungen zu den Ereignissen in Norwegen las­sen den Ernst erkennen, mit dem man in Pans jetzt die Lage der Westmächte in Norwegen beurteilt. Sie weisen vorsichttg erneut darauf hin, daß man er ft am Beginn eines Feldzuges stehe, der lang und schwer fein werde. Man befinde sich

Schwedische Berichte aus Norwegen.

Stockholm, 29. April. (Europapreß.)Stock­holms Tidningen" berichtet von der schwedisch- norwegischen Grenze östlich von R ö r 0 s , daß sich die gesamte Umgebung von Röros in den Händen der Deutschen befindet. Auch sei ein Ab­schnitt der Strecke RörosDrontheim bereits von deutschen Truppen besetzt.

DagensNyheter" berichtet, daß die Deutschen ihren Vormarsch nördlich von Röros fortsetzen. In Röros selbst bewegten sich die Deutschen bereits ohne Stahlhelm und unbewaffnet. Sie unterhielten die Bevölkerung mit Schilderungen über den polnischen Feldzug. Die Stimmung unter den Norwegern sei ein Gemisch von Resignation und Unwillen, doch sei keinerlei Widerstand gegen deutsche Anordnungen zu verzeichnen. Flüchtlinge, die Röros über die schwe­dische Grenze verlassen hatten, kehren teilweise wie­der in die Stadt zurück. Ein junger norwegischer Leutnant, der einer Schipatrouille angehörte, die in den letzten vierzehn Tagen Hunderte von Kilometer von Süden nach Norden zurückgelegt hat und sich auf der Flucht vor den vormarschierenden deutschen Soldaten befand, berichtet, daß er bei dem ganzen Rückzug nicht eine einzige Flugabwehr­kanone habe feststellen können. Man sei v 0 l l - ständig verteidigungslos gegen Angriffe aus der Luft gewesen. Die Stimmung unter den norwegischen Soldaten sei verheerend, verwirrt und bedrückt.

Stockholms Tidningen" stellt noch einmal in großer Aufmachung fest, daß von der deutschen Luftwaffe das Rote Kreuz immer respek­tiert worden sei; z. B. in Namsos seien keiner- lei Angriffe aus Ambulanzen oder Krankenhäuser erfolgt. Es wurde immer Zeit gegeben, die Patienten in die Luftschutzkeller zu bringen. Ein Chauffeur, der mit einem Ambulanz­wagen Schwerverletzte aus der Stadt transpor­tierte, konnte diesen Weg mehrere Male machen, ohne daß er von der deutschen Luftwaffe behelligt worden wäre.

Amerikaner bewundern den deutschen Vormarsch, lieber schneebedeckte Gebirgsketten bis zu 1000 Meter Höhe.

Neuyork, 29. April. (DNB.) Die Berichte über die militärische Entwicklung in Norwegen betonen die meisterhafte Flankenbewegung der deutschen P a n z e r t r u p p e n durch die Gebirgskette. So berichtet dieNew Dork Times", nach der Er­steigung schneebedeckter Gebirgsketten bis zu 1000 Meter Höhe feien deutsche Truppen durch das Oestertal westwärts in Richtung auf die Eisenbahn DombaasDrontheim vorgestoßen, um die Eng- länder und Norweger südlich Drontheims abzu­schneiden. Die Deutschen seien nahezu 90 Kilo­meter in 2 4 Stunden Dorgebrungen und falls ihnen die Unterbindung der Eisenbahn­linie gelinge, würden die britischen und normegb chen Truppen in Stoeren in größte Gefahr ge­raten. Die Gebirgswege, die die Deutschen erstie­gen hätten, seien an vielen Stellen nur wenige Meter breit mit hochragenden Steilhängen an der einen und jähen Abgründen an der anderen Seite. Selbst im Sommer seien diese Wege nur für er- ahrene Kraftfahrer fahrsicher, es fei allen rätsel­haft, wie die Deutschen diese Wege in ihrem jetzi­gen verschneiten Zustande zurücklegen konnten.