den
Die
l
b. Zur Jahreswende.
imotd-
Delhi, 30. Dez. Der Vizekönig eröffnete heute vormittag, die Ausstellung indischer Kunst in Gegenwart des Herzogs und der Herzogin von Connaught und des Großherzogs von Hessen.
Sydney, 30. Dez. Aus Neu-Guinea wird gemeldet, daß zwei europäische G o l d s u ch e r von Eingeborenen grausam ermordet worden seien. Man fiirchte, daß noch mehr Mordthaten begangen werden. Unter den Eingeborenen herrsche infolge der furchtbaren Trockenheit Hungersnot. Tausende nähren sich von Wurzeln. Die Menschenfresserei sei die Folge dieser Verhältnisse. In einem Kampfe zwischen zwei Stämmen wurden 25 Eingeborene getötet.
giebt und an der Wegscheide zurückblickt, so scheidet auch jetzt das alte Jahr von uns. Isis aber auch ein guter Kamerad gewesen? Daß Urteil wird bei verschiedenen Menschen verschieden ausfallen. Im allgemeinen ists ernste Zeit gewesen. Wie manches ernste Erlebnis hat tief in aller Herz und Leben oder doch wenigstens in das Empfinden weiter Kreise ein- geschnitten. Wir denken an den unerwarteten Tod unseres Pfarrers Grein, wir denken an manch blühendes junges Menschenleben, um das im Laufe des Jahres der Tod so jäh und früh geworben. Auf unserer Geschäftswelt, und vor allem auf den Lohnarbeitern, lastet schwer der Druck der schlechten Zeiten. Und ringsum in der Welt, wohin wir schauen, ist wenig erfreuliches zu entdecken. Das Elend des Burenkrieges ist zwar zu Ende gegangen, aber wer, außer den Engländern — und kaum diese — hat eine rechte Freude daran? Ueberall in der Welt stoßen die Interessen der Völker aufeinander, mühsam nur wird der Friede erhalten. Wir Deutsche vor allem haben das Gefühl, daß, wenn wir nicht bewaffnet wären bis an die Zähne, unsere lieben Nachbarn jeden Augenblick bereit wären, über uns herzufallen. Wir können und wollen nicht mehr zurück mit unserer Entwickelung in die Welt hinein, und doch wollen weite Volkskreise es nicht verstehen, daß hier nur schwere Opfer den Sieg verbürgen. Die letzten Wochen haben uns den Zolltarif gebracht. Die weitere Entwickelung wird eS lehren, ob wir damit vorwärts kommen werden. Aber der Preis, der bis jetzt dafür gezahlt wurde, die tiefe Erbitterung großer Volkskreise gegeneinander, ist sehr teuer. Summa Summarum: Ein allzu guter Kamerad ist das Jahr 1902 nicht gewesen. Aber wir wollen uns dadurch nicht entmutigen lassen. Zwar allzu viel dürfen wir von dem neuen Jahre nicht erwarten. Die Dinge, die wir beklagen, sind nicht im Handumdrehen zu ändern. Aber )arte Zeiten erziehen ein Volk, und große Ausgaben und chwere Kämpfe rufen die Kräfte wach. Drum wollen wir uns freuen, daß wir das neue Jahr noch erleben. Wir
L. U. Herr Prof. Dr. Joseph Heimberger hat an ihn ergangenen Ruf nach Bonn angenommen.
** Oeffentliche Lesehalle. Uns wird geschrieben: Frequenz des Lesezimmers hat in so erfreulicher Werse zugenommen, daß der Vorstand sich entschloß, diesen Raum vom 1. Januar 1903 an nicht nur Sonntags, sondern auch
an allen Wochentagen von 10 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends dem Publikum offen zu halten. Tages- zeitungcn aller politischen Richtungen, Wochen- und Monats- schristen, Reisewerkc, Meyers Konversations-Lexikon und andere Nachschlagebücher sind ausgelegt. Der Einheimische mag gern eine sonst müßige halbe Stunde dort zubringen, der Reisende zur Rast und Orientierung verweilen, und so die Volksbildung wie die Bequemlichkeit unserer Mitbürger wie der Fremden so unaufdringlich als nachhaltig gefördert werden. — Bei dieser Gelegenheit sei noch darauf hingewiesen, daß ein ungenannter Stifter eine große Anzahl aus- gezeichneter Vervielfältigungen von Werken der Malerei und
Einem Telegramm aus Tanger zufolge mehren sich in Fez die Feindseligkeiten gegen den Sultan. Der Sultan berief alle Würdenträger von Fez an den Hof; in einer an diese gerichteten Ansprache forderte sie der Sultan auf, Vertrauen zu ihrem Herrscher zu haben, der den Sieg davontragen werde. — Die Aufständischen unterbrachen die Zuführung des Trinkwassers nach Fez, sodaß die Stadt aus Mangel an Trinkwaffer nach höchstens drei Tagen sich ergeben müßte, wenn die Kabylen des Südens ihr nicht zu Hilfe kommen.
Der römischen „Tribuna" ging die Mitteilung zu, daß der italienische Oberst Ferrara, welcher die Stellung eines Direktors der Waffenfabrik des Sultans von Marokko bekleidet, am 29. Dezember früh mit einer Karawane von Tanger nach Fez abgegangen ist. Die »Tribuna" fügt hinzu, man könne deshalb wohl annehmen, daß Fez noch nicht von den Aufständischen eingeschloffen sei.
Aus Madrid, 30. Dez., wird berichtet: Außer den an den Südküsten bereitgehaltenen Truppen, welche die Garnisonen von Ceuta und Melilla auf 7000 Mann bringen sollen, vereinigt Spanien in Cadix ein Geschwader, bestehend aus den Panzern »Pelayo", „Carlos Quinta", den Kreuzern ,Numancia", „Lepanto", »Princesa de Asturias", „Viktoria", »Cardenal Cisneros", dem Aviso „Rio de la Plata" und einigen Torpedobooten. Der Minister des Aeußeren verhandelte gestern stange mit den Botschaftern Englands und anderer Mächte.
Aus Stadt und KmiS.
Gießen, den 31. Dezember 1902.
_ . Ein Jahr ist wieder dahin I
Wie ein guter Kamerad unS wohl eine Strecke das Geleit
wollen unserem Gott dafür danken und zu ihm sagen: Hi» bin ich; wenn Du mich brauchen kannst, so will ich c‘s oer- suchen, im Aufblick zu Dir meine Schuldigkeit zu thun an dem Platz, an den Du mich stellst. Willst Du mir Teinx Sonne scheinen lassen, so will ich froh in ihrem Glanze meine Straße ziehen; willst Du mich in Dunkel führen, so will ick vertrauen, daß Du mich doch im Gleise hältst. Wenn nur die Kräfte zureichen! Doch dafür wirst Du schon sorgen- und es ist ein gutes Ding, 311 erleben, wie die Kräfte wachsen' Deß wollen wir uns auch für unser Volk und im Blick aus seinen Weg durch daS Völkermeer trösten. So lange Gott unser deutsches Volk brauchen kann für die Entwickelung seines Reiches auf Erden, so lange kann kein Feind uns etwas an. haben. Wenn wir nur seiner nicht vergeßen, so hats keine Not! Und somit denn in GotteS Namen vorwärts ins neue Jahr! Möge es unserer Stadt Gießen, wie unserem.hessischen und dem großen deutschen Vaterlande nur Glück und Segen bringen. In diesem Smne wünschen wir auch allen unseren Freunden und Lesern:
Ein recht frohes, glückliches neues Jahr!
Zeichnung dem Vereine zugewandt hat. Diese Meisterbilder werden in Wechselrahmen ausgestellt; es soll ein gutes Stück edler Kunst die schon Empfänglichen erfreuen, die anderen zur Empfänglichkeit heranbilden. — Mögen die Einrichtungen der Lesehalle immer ausgiebiger benutzt werden, möge diese stille Arbeit an unserer Kultur lebhaftes Verständnis finden und eifrigen Anteil erwecken.
•• Aus dem Theaterbureau. Der Spielplan unserer Bühne hat, wie bereits bekannt, für den ersten Neujahrstag als Nachmittagsvorstellung das Blumenthal und Kadelburg'sche dreiaktige Lustspiel „DaS Theaterdorf" zu ermäßigten Preisen vorgesehen, abends 6 Uhr zum ersten Male die vieraktige Gesangspoffe „Höhere Töchter" von W. Mannstaedt und K. Schott bei erhöhten Preisen. AbonnementSbillets haben mit Zuzahlung Gültig, feit. Ferner fei darauf aufmerksam gemacht, daß für die beiden Parkettplätze die Preise an der Abendkaffe nicht höher sind als wie im Vorverkauf.
** Lehrer als Einjährige. Ueber die Kosten deS einjährigen Dienstes der Lehrer hat die Militärkommission des Hannoverischen Provinzial-Lehrer-VereinS intereffante Erhebungen veranstaltet. Durch Fragebogen an die zur Reserve übertretenden Lehrer, von welchen 120 eingingen, ist er- mittelt, daß 32 Prozent der dienenden Lehrer 1800 Mk. und mehr, 68 Prozent 1600 Mk. und weniger gebrauchten. Der Höchste hat 3000 Mk. verbraucht.
** Das komm en de Jahr 1903 ist ein Gemeinjahr von 365 Tagen. Das Hauptfest, nach welchem die kalendarische Einteilung des ganzen Jahres vorgenommen wird, nämlich Ostern, fällt diesmal auf den 12. Aprll. DaS kommende Jahr gleicht daher dem Jahre 1900. Pfingsten ällt Anfang Juni, und der Fasching, dieser fröhliche Zeit- raum der tanzlustigen Welt, währt diesmal sieben Wochen. Im Jahre 1903 werden je zwei Sonnen- und Mondfinster- niste stattfinden, von denen nur die letzteren in unserer Gegend eilweise sichtbar sind.
** Sylvester-Aberglaube. An keinem Tage im Jahre steht der Aberglaube in größerer Blüte, als am Syl^ vesterabende bezw. am Neujahrsmorgen. Namentlich suchen )ie heiratslustigen Mädchen alles mögliche hervor, um über ihre Zukünftigen einen Aufschluß zu erhalten. Im verschiedenen Ortschaften werfen die Mädchen am Sylvesterabende Hanf und Lein vor ihr Bett, und wenn sie schlafen gehen, sprechen ie laut: „Ich säe Hanf und Lein — Und wünsch', daß mir
Braunschweig, 30. Dez, Ein Redakteur der „Braunschw. Reuest. Rachr." hatte heute ein Interview mit einem aktiven deutsches Minister, der die Berliner Meldung bestätigte, daß Herr von Hammerstein-Loxten in Berlin für den Herzog von Cumberland sondiert habe. Tie Sondierungen über die am Berliner Hofe herrschende I Ansicht seien aber durch das Handschreiben des Herzogs jäh unterbrochen worden. Ter Kaiser verhalte sich gegenüber der Regelung der braunschweigischen Thronfolgefrage vollkommen neutral. Am preußischen Hofe existierten aber Kvei Strömungen, die eine für, die andere gegen die Cumberlands. Von preußischen Ministern habe sich besonders Miquel für die Sache interessiert. Eine Thronbesteigung seitens des Herzogs könne aber, wie der Minister auch schon Windthorst seinerzeit erklärte, nirU erfolgen ohne ausdrücklichen Verzicht auf Hannover.
Dresden, 30. Deg>. Im Befinden des Königs von Sachsen ist eine Verschlimmerung eingetreten. Tie Influenza, an welcher König Georg erkrankte, hat einen andauernden Schwächezustand hinterlassen, der zu ernsteren Besorgnissen Anlaß giebt. Heute wurde Professor Cursch- mann aus Leipzig zur Konsultatton nach Dresden berufen.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Ter Kaiser hörte heute morgen den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts GrafenHülsen- H ä s e l e r. — Nachmittags gedachte der Kaiser den Vortrag deö Staatssekretärs des Reichsmarineamts, von Tir- pitz ^u hören. — Der Kaiser hat an den Vorsitzenden des Auffichtstates der Norddeutschen Seekabelwerke^ Herrn Max Guilleaume in Stettin, folgendes Telegramm gerichtet: „Mit besonderer Freude habe Ich Kenntnis genommen, von dem Stapellauf des ersten, auf einer deutschen Werft erbauten Kabeldampfers. Ich bin gewiß, daß der ,Multan" seine bewährte Leistungsfähigkeit auch au diesem neuen Gebiete bestätigen wird, und knüpfe an das neue deutsch-atlantische Kabel die Hoffnung, daß es dazu beitragen wird, die guten Beziehungen zwischen dem deutschen Reiche und den Bereinigten Staaten immer mehr zu befestigen. Wilhelm."
— Ter „Reichsanzeiger" meldet: Nach einer amtlichen hierher mitgeteilten Bekanntmachung hat die königlich italienische Regierung beschlossen, mit ihren See streit- krüsten an der durch die deutschen und englischen Seestreitkräfte verhängten Block ad e vor den venezolanischen Häfen teilzunehmen.
der hochgradige Influenza konstatierte. — In Dresden wird folgendes Bulletin auSgeaeben: Tas Befinden des Königs von Sachsen ist unverändert. Tie Schleimabsonderung ist noch bedeutend. Appettt und Kräfte sind mangelhaft.
machte, fingen wir an, auf das zweite Unglück und das ihm oegleitende Glück zu warten; und hatten wir vorher immer die Hoffnung gehabt, es sei Unsinn und brauchte nicht ernzutreffen, so glaubten wir jetzt besttmmt daran — das heißt, meine Mutter und ich. Aus meinem Vater bm ich nicht rech§ klug geworden, der ließ sich nichts merken. So verging die Zeit bis Mai. Ta kam cinedi Tages eine meiner Freundinnen und lud mich zu einer gemeinsamen Spazierfahrt mit ihr ein, wie dies sehr häufig zu geschehen pflegte. Ter Wagen hielt schon vor der Thür. Als wir in die Nahe des Tiergartens kamen, gab der Kuffcher dem Pferde, das sonst nie die Pettfche zu fühlen bekam, durch irgend eine Veranlassung einen Schlag; das Tier bäumte sich und ging in rasendem Lauf mit uns durch. So ging es bis zum Brandenburger Thor. So lange das Pfeä> die gerade Chaussee verfolgte, war die Gefahr nicht so groß; aber jetzt in der Stadt mußte ein Unglück passieren. Ich stand immer bereit, hatte die Kleider zusammengenommen, um im geeigneten Moment hinauszn- springen. Ta endlich stürzte ein Mann sich den rasenden Pferden entgegen, griff mit eigener Lebensgefahr in die Zügel und brachte sie mit einem Ruck zum Stehen Ter Schreck aber hatte mir alle Glieder gelähmt. Fast besinnungslos wurde ich nach Hause gebracht. Ich mußte mich zu Bett leaen, und sofort stellte sich ein hefttgcs Fieber ein. Tie Angst meiner Mutter und die Aufregung im Hause waren groß. Eyst natch fünf oder sechs Tagen trat Besserung ein; froh atmeten meine Eltern ans. Mein Retter, der junge Mann, der sicb so mutig den Pferden entgegenyewvrfen hatte, war em Architekt, der erst fur^ zuvor seine Studien beendet hatte. Um es nun kurz zu machen — die gegenseitige Zuneigung enttvickelte sich schnell, und da uns nichts im Wege stand, wurden wir
bleiben. Auf meine Vorstellungen, doch an solche Propho! zeiung nicht zu glauben, batte sie nur einen traurigen Blick für mich; ich sah, wie sie mit sich, känipste — und blieb. So ging es fort, was ich auch thun und unternehmen wollte, immer sah ich die Angst meiner Mutter. Dadurch wurde auch ich angesteckt; es war, als drücke uns ein Alp, wir warteten ordentlich auf das kommende Unglück. — Eine Schwester meines Vaters wohnte in Köln; schon immer war mir versprochen worden, einen Karneval bei der Tante dort, verleben z,u dürfen. T-iesmal nun war es fest beschlossen, daß ich im Januar zu meiner ^ante reifen sollte. — Meine Mutter suchte nun natürlich wieder allerhand Einwendungen zu machen. Mein Vater aber bestand darauf, das Versprechen zu halten, und um mich nicht allein reisen zu lassen, enffchloß sich meine Mutter, mich zu begleiten. — Tret Tage vor unserer Ab» reise gingen wir, meine Mutter und ich, aus, um Einkäufe zu machen. Nach dem Frost war Tauwetter eingetreten, an einer Straßenbiegung glitt ich aus und fiel so unglücklich, daß ich, den linken Arm brach.
Natürlich konnte nun aus der Reise nichts werden. Tas Unglück war da, wo aber blieb die Freude darüber? Am dritten Tage — dem Tage, wo wir reifen wollten — ■ kam mein Vater mit dem Zeitungsblatt in der Hand zu uns iiis Zimmer und sprach sehr ernst: Tenkt Euch nur der T>Zug, der heute morgen um 9 Uhr von hier nach ! Köln ging, und mit dem Ihr doch auch fahren wolltet, : ift mit einem Güterzug zufammengefahren, und viele Men- : schen sind dabei getötet und verwundet. Welch ein Glück : daß Ihr nicht reifen kormtet!" " ,
Sechs Wochen mußte ich das Zimmer hüten, und in der ; Zeit ging alles feinen gewohnten Lauf. Tann, als mein i Arm geheilt, und ich wieder Ansprüche an das Leben i
bald ein glückliches Paar. Also auch auf das zweite Unglück war die Freude gefolgt. So war denn bie Prophezeiung wörtlich in Erfüllung gegangen.
Seitdem aber durften in meinem Beisein keine Karten mehr am Sylvesterabend gelegt werden. Wozu das Schicksal mit Gewall heraus fordern! Was es uns bringen will, bringt es uns doch; und die Angst und Besorgnis vermag selbst der Aufgeklärte bei derartigen Prophezeiungen nicht los zu werden."
Großmama schwieg. Ta rückte die Uhr zum Schlage aus. Alle erhoben sich, um sich gegenseitig ein glückliches frohes neues Jahr zu wünschen, und ließen ihre Glaser aneinander klingen.
,Mso, die Karten beiseite!" sagte Else. „Aber basl Bleigießen, Großmama,, darfst Tu uns nicht verwehren. Wir versprechen Dir auch seierlichst, kein Unglück zu prophezeien."
Nachdem der Jubel und die Glückwünsche vorüber waren, wurde bann auch das Blei herbeigeholt; unter großem Jubel und Gelächter zeigte jeder fein Meisterstück; meist waren es undeutliche, verschwommene Tinger.
„Nun, Else, was hast Tu gegossen", fragte Großmama.
„Ja, ich weiß nicht recht, was das bedeuten soll", sagte Else, und hielt ihrem Gatten das zierlich Geformte hin. Ter nahm es in Augenschein und sagte bann: „Tas weißt Tu nicht? Das ist ja eine Wiege!"
Alle lachten; und nun wanderte es von einem zum andern, und jeder faitb, dwß es eine Wiege sei, und zwar eine silberne.
„Nun", rief der Papa, „jetzt bekommt Else doch ihren Prinzen noch, beim in einer silbernen Wiege kann nur ein Prinz schlummern."
— Ter „Reichsanzeiger" meldet: Der Geheime Oberregierungsrat Werner im Reichsamt des Innern ist Mm .Vrositzenden des kaiserlichen Oberfoeamts, der Geheime Oberregierungsrat im Reichsamt des Innern von Sydvw zum Mttgliebe des Bundesamts für Hei wesen, Regierungsrat Stuhlmann zum ersten Referenten beim Gouvernement von Deutsch-Ostafrira ernannt Dem Generalkonsul in Konstantinopel Stemrich ist der Charakter als Geheimer Legationsrat verliehen.
— Zu Ehren des von Berlin scheidenden Botschafters! der französischen Republik Marquis be Nvailles fanb gestern beim Reichskanzler und Gräfin Bülow ein größeres Tiner statt, m bem zahlreiche Mitglieder des divlvmattschen Korps, der Hofgesellschaft und andere geloben waren.
Ausland.
Wien, 30. Dez. Angelegenheiten des Ausgleichs fand iflnter bem Vorsitz des Kaisers heute bormrttag ein Kronrat statt, der bis um 1 Uhr dauerte. Derselbe hatte daS Resultat, daß die Ausgleichs-Konferenz zwischen den beiden Ministerpräsidenten beute nachmittag fortgesetzt wurde. In eingeweihten Kreisen wird eine günstige Wendung in der Ausgleichsfraae in Aussicht gestellt.
— Gras Lamsd 0 r f hatte heute vormittag eine ein stündige Konferenz mit dem Grafen Aoluchowski und fuhr um 1.45 Uhr nachmittags in r Hofburg vor. Der Kaiser empfing sogleich den Grafen in Audienz, welche dreiviertel Stunden lvährie. Abends 6 Ubr sand beim Kaiser in der Hofburg eine Tafel statt, an welcher Graf Lams- dorsf, der russische Botschafter Graf Kapnist mit den Mitgliedern der Botschaft, Graf Goluchowski, die Ministerpräsidenten v. Körber und v. Szell, der Reichskriegsminister Pitreich, der Minister a latere Szechenyi, die obersten Hof- Würdenträger und andere teilnahmen.
Rom, 30. Dez. Ter Papst empfing heute den preußischen Gesandten Frhr. v. Rotenhan, sowie den bayerischen Gesandten Frhrn. v. Getto zur Entgegennahme der Glückwünsche zum neuen Jahr.
L 0 nd 0 n, 30. Dez. „Daily Mail" meldet aus Washington: Präsident Roosevelt erhielt eine leichte Verletzung über dem rechten Mge, wie es heißt, bei einer Fechtübung mit General Wood.


