Ausgabe 
31.12.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

a

Iie Heutige Dummer umfaßt 16 Seiten.

und für die Mißachtung der Donverünetüt beider Staaten

darstellen.

oom Montag mit aller

aus Fez versucht, sei aber

zufrieden. Er bewog den jungen Mann bald, seine Stellung auszugeben, um in seine Fabrik einzutreten, welche der Herr Schwiegersohn, wenn der alte Herr sich einmal zur Ruhe setzt, übernehmen soll.

Tie jungen Leute wohitten im Hause der Eltern. Auch die Großmama, Frau Baurat Werner, eine nette alte Tarne von 65 Fahren, lebte nach dem Tode ihres Mannes bei

Nr. 306

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger toerben im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu lUnivers.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Erdens Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstraße 7.

Ädrefse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß Nr. 51.

die Freundin meiner Mutter, stand in dem Nuß jede Karte richtig beuten ziu können. Bald waren die Karten zur Hand, und unter großem Jubel erfuhr jeder sem Schrc^al. Ich kam, als Tochter des Hauses, zuletzt an die Reche. Tantchen", wie ich die Freundin meiner Mutter nannte, hatte für mich die Karten gemischt; ich hatte drei Päck- chen aogehoben, und bald lagen die Karten auygebreUet aus dem Tische. Sie wurde sehr ernst, schüttelte beit Kopf und sing an zu zählen. Gespannt sahen wir alle &U, ich aber rief übermütigRa, Tantchen, noch kein Mann für mich in Aussicht?" Alle lachten, nur bic alte Lame nicht! Ta drangen alle daraus, nun endlich zu sagen, was die Karten prophezeien. Auch meine Eltern verlangten lachend, zu erfahren, was sie von mir zu erwarten hatten. Ta ließ sie sich also vernehmen:Kind, Kind, nimm Lich in acht! Ich sehe hier, zweimal, trifft Tich ein Unglück im kommenden Jahr. Tu kannst thun, was Du willst, ed kommt bestimmt. Aber was mir unklar ist, immer scheint es als ob im Hause bei Euch Freude damit verbunden wäre.Na", sagte mein Vater,wenn die Karten sagen, daß wir uns über ein Unglück des Madels freuen, dann (imen sie eben; und ebenso können sie auch lügen, toeuu sie Unglück verkünden." Man hörte cs aber der Achime meines Vaters an, daß ihm die ganze Sache nicht be- haßte. Unsere Stimmung hatte jetzt etwas Gedrucktes und wollte sich auch nicht wieder heben, als bie Uhrttwolfi schlug. UnserProsit Neujahr!" klang nicht so froh, wie sonst, und scheu um ein Uhr gingen wir auseinander.

Ter Neujahrstag mar ein herrlicher kalter Wintertag. vorher verabredet, Schlittschuhlausen zu .-ine Schlittschuhe nehmen wollte und zum g war, bat mich meine Mutter, zu Hause zu

Am Sylv-steraö-nd.

Don Antonie Mewes.

(Nachdruck verboten.)

Wie viel getäuschte Hoffnungen, wie viel unerfüllte Enicke nimmt das fcheidende Jahr mit sich, und wieviel Tausende "richten die bange L«-ge °* d-s tommende Jahr: tlnÄ^XU, daß der Mensch beim oniscküed des alten, und beim Beginn des, neuen Zcchres Abschieo oes , sieht zu, datz er den Abend

im^Krefle lieber Verwandten oder Freunde verleben kmm, und der Alleinstehende sucht Gesellschaft rn den öffentlichen ^'^Auch "Km ^brikant Lessel im Westen Berlins war eine ^.h^t^b * *ein *ft a tt i i cfyer ^41n f&i g e r, in sehr guten

*er VUÖ mar ein sehr geselliger und hetterer Dem belaß" eine^ensv liebensmürdige Frau und ein- ^^Aie^lmtie jüngst ihren zwanzigsten Geburtstag ge- , fb mat seit vier Atonalen glückliche lange Stau, feiert^ und war s » stets ein offenes, gastfreies

2te Fumilie Lesstt su. Feiern gefehlt, aber sie Haus, und Elf h LiebenÄvürdigkeit ihre Körbe aus, teilte mit - nkten ihr nicht ernstlich zürnen

sodaß die dam t: £Hd) n Freundinnen gehörig

^a Else wartet auf einen Prinzen! Für El,e gehänselt.I , \ bem M^rgenlanbe kommen", usw.

muß em Prinz aus de men UTtb ^ar war es,

ihrer Bekannten, kein Prinz gewesen, son- t-r" ÄT* Kaufmann. L-rr Lessel war se^r damit

Momente und Begebenheiten des hi uns liegenden Jahres den rückschauenden Blick auf sich. Ej erfüllt uns vor allem mit Genugthuung und Zuversich die Thatsache, daß aucb während des verflossenen Jahres dem Vaterlande bie Segnungen des Friedens erhalten ae- blieben sind. Die Erneuerung des Dreibundvertrages, bie Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem Zaren vor Reval, mit dem König von Italien in Potsdam, die Reise des Prinzen Heinrich von Preußen nach den Vereinigten Staaten, I die Englandfahrt Kaiser Wilhelms, als deren Folge bie gemeinsame Aktion Deutschlanbs und Englands gegen Vrne-I zuela zu betrachten ist, all/ das läßt erkennen, daß bas I Instrument der hohen Politik deutscherseits mit Erfolg im I Sinne der Versöhnung gehandhabt wurde.

Wie am Beginn und während des Verlaufs, so deckte fich nach Beendigung des südafrikanischen Krieges bie Hal­tung der Reichsregierung nicht ganz mit dem Bolks- empsindem Die Burengenerale Dewet, Botha und Delarey waren deshalb, als sie auf beutschem Boden weilten, Gaste des deutschen Volkes, und letzteres strafte bei dieser Ge­legenheit alle Lügen, die da behaupteten, der Idealismus habe im Lande der Dickster und Denke? keine Statt mehr. | Sich zu. erinnern, wie kräftig dieser Quell in den Oktober­tagen sprudelte, ist umso tröstlicher, als unmittelbar daraus! der Kampf um den deutsckeü Zolltarif deutsche Volksver- treter von der Tendenz beherrscht zeigte, die materiellen Interessen zu fördern. Tie Art und Weise, rote der Zoll­tarif zustande gebracht wurde, bleibt bedauerlich, wenn es auch andererseits Genugthuung gewähren muß, daß rutsch» land in dem neuen Tarif ein lftüstzeug für die Handels- Vertragsverhandlungen besitzt.

Weniger erfreulich läßt sich die Entwickelung des Vater­landes im verflossenen Jahre an, wenn inan sie vom Standpunkt des Erwerbsthätigen aus betrachtet. Die Arbeitslosigkeit bestand noch immer m bedeutendem um- f mcntc

fange. Handel und Wandel haben den erhofften Aufschwung der Konseren^d^m g nidji genommen, obgleich eine Besserung gegen srüher un- ^namerikanischen Kongresses.

Di° Ä?Au» Newhvrk t-l-grasti«

ihren Kindern. .

Jeder, der in der Familie verkehrte, fühlte sich int Kreise dieser lieben Menschen wohl. So waren sie denn auch heute am Sylvester heiter und zufrieden unter ihren Gästen. Man hatte sich an dem unvermeidlichen Karpfen gütlich gethan, und war nach beendetem Mahl in den hell- erleuchteten Salon gegangen. Hier saß man nun bei der Bowle im heiteren Geplauder.

Cs war elf Uhr, schon hatte man die Uhr zu Rate ge­zogen, ob nicht bald d. s neue Jahr seinen Einzug halten werde. Ta kam jemand auf den Einfall, man möchte sich die Karten legen, um i;i sehen, was das kommende Jähr bringe. Tagegen prote^ icrte Großmama Werner aber ganz entschieden. Sie wurde von allen Seiten bestürmt, es sei doch nur ein Scherz, mer glaube daran usw.

Frau Baurat aver sprach ernst:Nein, Kinder, legt euch jeden anderen Tag die Karten, aber nicht am Syl- vesterabend. Tamit ihr seht, daß meine Weigerung gerecht- fertigt ist, will ich euch eine kurze GeMchte aus meinem Leben erzählen: .

Im Hause niemes Vaters war stets ein geselliger Kreis von Künstlern, namentlich Musikern, zu finden. Auch wir .

hatten stets zahlreiche Gäste am Sylvesterabend. ^n ber Lanr hatm. - heitersten Stimmung kam bas junge Volk aua.) damals auf gehen, m-.' M m. oen Einfall, uns bie Starten zu legen. Eine ältere -ame, f Gehen f

Zweites Blatt. 152* Jahrgang Mittwoch 31.Dezember LS«S

, r _ Ah. O monamch^öPttvietted»

/T^7 @ A jährlich Mk. 2.20; durch

Gießener Anzeiger s

General-Anzeiger v

_ _ . . Ä __ . A A y /my * t.V.: Fr.Hannemann;

Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis

Iie ßedr-hliÄe Lage in Marokko.

Die Zustände in Marokko, dem fottgeseht von den wüstesten Unruhen heimgesuchten Sultanat Nordaftikas, haben sich wieder einmal so kritisch scharf zugespitzt, daß die euro­päischen Großmächte auch für ihre Staatsangehörigen das Schlimmste befürchten müssen, besonders, da sich die Unruhen

anderen soliden A-nlagepapieren belebt^^us§fe^un^<Änamerikanischen Regierung beantwortet, aber man fei m treffen, um ihre Landesangehörigen, falls es erfott-erlich Unbefriedigend dagegen blieb es in dieser Negierungskreisen der Ansicht, baß es außerordentlich un- ^^»1, rasch und sicher nach der Küste zu geleiten. Es bc-

MrMltti«.,«ÖSÄÄlf Ä w°un mau icht betet» iebe etawlne Wfe ^ben m S-i öv Europäer, darunter v.er Deutsche.

Erwerv^zweige. u ^uf deutfcye I ber^Verhandlungen bekannt geben wollte. Em solches Ver- ' ^ie in Marrakesch lebenden Deutschen sind aufgefordert

tornt Ue nu. dua glW f."8 de- Küste ,u gehen. Eine Gefahr für die

maßi^ IP . STiefitanb her Seefrauften beeinträchtigt.! Regierung gebe bekannt, da^ sie oie Nolle ein ^0 ! Euroväer in den Küstenstadten soll vorläufig Nicht vorhanden

ÄÄÄ 4 "Ä "»"«WZ liegend englische Kn-geisse Lunten

dkr Beitritt ber deutschen Kf, ÄQen nötigenfalls ganz rasch zum Schutze eintreffen

atlantischen DamVsertrust Nichts andern. Die Zuversicht I sori^ zu bringen. Das Der Sultan von Marokko hat sich nach emem

aus nachhaltige uÄtTelegramm führt fort: Da biJ die Stellungnahme der ,Neuter-.T-legramm auS Tanger vom Montag mit aller

leitender- «ersen der^ub betbie hegietung ist, so haben die Bereinigten Staaten aud; «eiter verfüg6avcn Artillerie und Munition m Fez m seinen Palast Wegs abhanden g nt » Verpflichtung, »orsuschreiben, wie wert die Monroe- iurüct0CiOgen der aus Besorgnis vor einem Angriff der Aas-

Beschickung der AteltaMtellung vonLauiS «erben ^dm ProtokoLn zu berücksichtigen ist Die Ber- » » die Stadt stark verbarrikadiert worden sei. In-

hossentlieb zu einer Periode des ^leberaungroungs | einigten Staaten werden für sich selbst beurteilen, ob uni> u'fiä)eren Lage sind die Missionsfrauen von Fez beiden Gemetea suh ^ umständen erfolgte Tod des! inwiefern ihre ^teressen b-ruhrt ^n mrd enthalten Schmn n0^ Tager abgereift. Am Dienstag in Madrid größ^l deutschen JnÄnellen »fred K,:uP »u melden der . Sultan von

den bellagenswertesten Er»WI°n des 3« |eUt worden seien, aber über die Details verlautet noch) Marokko habe einen Aus,all ans F , . .

AÄl*. Man niUt an, daß die Verbündeten in die Au,.Izurückgeschlagen worden.

--»BwmwiMniiMramM»Illi Illi I IHillIMMEMg

KÄrX.2 BffiWS fi

... WWLSZV«

ÄSrätt «S iS

langer und beschwerlicher Wanderung Zurückblickenden erwiesen sich danach als zu- Haager Schiedsgericht. Sie findet das ^aager Tribunal

blaue Feme grüßt, während die vielen kleinen Steine und nicht. Unsere Jnsomiatronen erwiefen ftU oanaey ais äu ^erfällig. Sie hat aber auch noch andere

Hindernisse, an denen sein Fuß wohl häufiger zu straucheln treffmd. Ereianisse auf dem Gebiete der Schmerzen. So schreibt z. B derGlobe^ : Ein Punkt

drohte, für chn nicht mehr erkennbar sind, so lenken auch ! zie bemer fLfic-n wir^ au anderer Stelle unserer von äußerster Wichtigkeit, der viel zu oft übersehen wird, die erfteulichen Momente unb,^ege<ben^eiten M , jinter | 1 Vnl eina^benben Betrachtung unter-! macht sich auch hier wieder b^ierkbar, wie immer, wenn

morsen. Sie lehren uns im allgemeinen und der »°n,inrstngland. undJ>te^Stetemigten Ctaa mit Venezuela im besonderen aufs neue, tote notwendig es gencht öu MN Yaoen. ist, daß das Deutsche Reich mit aller Kraft darauf bedacht als wenn bi

sein muß, jederzeit sein Sck)wert sch-rnf zu erhalten. Emen, Ueberfluß an WohlwoNen bringt man uns nirgends in der Welt entgegen, es ist nur der harte Zwang und die kluge Berechnung, welche bie Geister schweigen heißet ober sie gar zu scheinbarem Wohlwollen gegen Deutschland veran­laßt. Es ist deshalb Sacke des deutschen Volkes, in Frieden und Einigkett die nationalen Kräfte zu bewahren, sie zu stärken und weiter 0118311 bauen, damit sie dauernd dem Vaterland zum Segen gereichen. Ein Reich und ein Volk dies sei das Geleitwort jedes Deutschen im neuen '

lITlt PT I 1*1 fcV*»*b**>*'»W*»»» r^, W. -- -/------- - 1

Es heutigen Nummer einer eingehenden Betrachtung unter- A

>1 worsen. Sie lehren uns im allgemeinen und der Konflikt |

-inigten Staaten mit einem Schieds- Cs hat für die Welt immer den Anschein, als wenn bie Regierung von Washington mehr ober weniger bie Rolle bes Diktators spielte, während Eng­land bie Rolle bessen spielt, der um des heben tfriebenä wegen alle Bedingungen annimmt. Tas Resultat davon ist, baß'man in Kanada immer mehr in bie Gewohnheit verfällr, bie Suprematie ber benachbarten Republik als eine unabänderliche Thatsache zu betrachten, und daß für die Kanadier bic ausgehende Sonne im Süden erscheint, statt im Osten, jenseits der Wogen des atlantischen Ozeans.

, Mb0Lrl Ueber biegewissen Vorbehalte" will die Low kXi bonerMorning Post" einigem erfahren haben. Deutschland

9 ' I und Englaiid haben einem Washingtoner Telegramm ber

-------------- - | Mornina Bost" zufolge am Montag dem Staatsbeparte-

Aer Konflikt mit Venezuela. ment bic^ebingungcn mitgeteilt, unter benen fie bie $ene-

Es ertoeint zeitgemäß, baran zu erinnern, baß die einer schiebsrichterlicheu Schlichtung überlassen

burdy Präsibent Roosevelt erfolgte Empfehlung des sollen. Deutschland verlange von Venezuela vorgängig Haager Schiedsgerichts Hof es für Streitfragen, bie eine umfassenbe offizielle Entschuldigung m^Zchlung von ?men amerikanischen Staat Venezuela angcljen, auf 3OOCOO Dollars (1200 000 Mk. Aeich 1 /00000 Ävlivares). bie Beschlüsse ber panamerikanischen Konferenz England verzichte auf eine Entschuldigung und beanipruche vom Spätsommer dieses Jahres zurückzuführen ist. Roose-1 nUE 40 000 Dollars. Beide Summen sollen bie Entfchadi- Delt hatte bamals allerdings die Bildung eines besonderen gung für bie beutschen und englischen Unterthanen durch amerikanischen Schiedsgerichtshoss, nach Art des Haager, Festnahme und sonstwie von venezolanischen Beheben zu- anheimgegeben, um ben spezifischen Charakter eines pcui- gefügten Nachteile bilden, gleichzeitig auch eine Buße für amerikanifchen Abkommens zu wahren; später beschränkte barin enthalten gewesene Verletzung des Völkerrechtes er seinen Vorschlag auf Fälle, in denen es sich um schiedS-' <^*-**-~ Danton

richterliche Beilegung von Schadenersatzansprüchen handelt. Doch ber Kongreß entschied sich für das Haager Schieds­gericht und verpflichtete alle durch Delegierte vertretenen amerikanischen Staaten, diplomatisch unlösbare Fälle ^)n | Schadenersatzansprüchen während der nächsten fünf Jahre vor das Haager Gericht zu bringen. Der Ehrenpräsident I ber Konferenz, der mexikanische Minister deS Aeußern, be- ' !sen Beschluß als den höchsten Triumph des