Kleinigkeit von 500 Mark einaebracht hat, werden sie hoffentlich Gnade vor Recht ergehen lassen und den Aermfteu auf seinem Posten belassen.
* Hinein gefallen. Der Förster einer in der Nähe von Potsdam befindlichen Oberförsrerei sah dieser Tage, datz zwei Männer an einem dicht am Walde liegenden zugefrorenen See unberechtigterweise Schill schnitten. Um ]ie zu überraschen, fuhr er auf dem Fahrrad über den See, aber das Eis brach und er fiel bis über den Hals in das Wasser, während die beiden Männer schleunigst das Weite suchten. Zuerst wollte er sich wohl nicht die Blöße geben und sie um Hülfe anrufen; da er aber einsah, daß er trotz aller Anstrengung nicht heraustommen konnte, rief er aus Leibeskräften um Hülfe. Nun ließen sich, wie die „PotAd. Ztg." berichtet, auch die beiden Ausreißer erweichen, kehrten um und retteten deu Förster. Er schenkte jedem einen Thaler.
Neues Honneur. Nachdem bei der letzten großen Herb stp ar ade der Parademarsch vor dem Kaiser eine ab geänderte Form erhalten bat — die geschlossenen Glieder der Truppen marschieren nicht mehr mit dem Gewehr über der Schalter, sondern mit angezogenem auf der linken Hand ruhenden Gewehr vorüber —, gelangt nunmehr auch für die Wachtposten statt des Präsentierens eine ähnliche Art der Ehrenbezeugung vor der Person des Kaisers zur Einführung. Unter Berufung auf die von seinen Erfahren überlieferten Traditionen hat der Kaiser die Regiments- kommandos der Garde durch Kabinettsordre angelviesen, das neue Honneur einüben yi lassen, und den Kompagnien dürfte dieser Tage die Ordre bekannt gegeben werden. Tas Kommando für das Honneur wird lauten: „Zieht das Gewehr an!" und in zwei Griffen hat der Kolben dann in der linken Hand zu ruhen, während die rechte oben den Schaft hält.
Universitäts-Nachrichten.
Der Besuch deutscher Universitäten im Winter 1902/03. Die Universität Breslau zählt 1755 Studierende (254 katholische Theologen, 63 evangelische Theologen, 563 Juristen, 204 Mediziner, 671 Philologen). Dazu Hospitanten (einschließlich 112 Frauen) 235. Gesamtzahl der Hörer 1990. Ausländer 40. — Halle: 1740 (337 Theologen, 445 Juristen, 188 Mediziner, 770 Philologen). Dazu 182 Hospitanten (einschließlich 43 Frauen). Gesamtzahl 1922. Aus
länder 175. — Göttingen: 1335 (91 Theologen, 417 Juristen, 149 Mediziner, 678 Philologen). Dazu Hospitanten 133 (einschließlich 48 Frauen). Gesamtzahl 1468. Ausländer 91. — Tübingen 1301 (230 evangelische Theologen, 195 katholische Theologen, 300 Juristen, 181 Mediziner, 395 Philologen). Dazu 40 Hospitanten (einschließlich 3 Frauen). Gesamtzahl 1341. Ausländer 31. — Straßburg: 1193 (70 Theologen, 343 Juristen, 259 Mediziner, 521 Philologen). Dazu 198 Hospitanten (einschließlich 66 Frauen). Gesamtzahl 1391. Ausländer 82. — Freiburg 1271 (190 Theologen, 395 Juristen, 335 Mediziner (einschließlich 48 Pharmazeuten), 351 Philologen). Außerdem 17 Frauen. Hospitanten 191. Gesamtzahl 1462. Ausländer 107. — Marburg: 1111 (96 Theologen, 301 Juristen, 167 Mediziner, 547 Philologen). Dazu 72 Hospitanten (einschließlich 19 Frauen). Gesamtzahl 1183. Ausländer 84. — Gießen: 1018 (62 Theologen, 203 Juristen, 166 Mediziner, 175 Tierhcilkundige, 10 Zahnheilkundige, 402 Philologen). Dazu 64 Hospitanten (einschließlich 19 Frauen). Gesamtzahl 1082. Ausländer 42. — Königsberg : 976 (86 Theologen, 354 Juristen, 203 Mediziner, 333 Philologen). Dazu 82 Hörer, 51 Hürerinneii. Gesamtzahl 1109. Ausländer 79. — Erlangen: 964 (145 Theologen, 301 Juristen, 231 Mediziner, 287 Philologen). Dazu 34 Hospitanten (einschließlich 10 Frauen). Gesamtzahl 998. Ausländer 26. — Kiel: 879 (33 Theologen, 247 Juristen, 315 Mediziner, 284 Philologen). Dazu 45 Hospitanten (einschließlich 13 Frauen). Gesamtzahl 924. Ausländer 5. — Jena: 697 (37 Theologen, 160 Juristen, 133 Mediziner, 367 Philologen). Dazu 54Hospitanlen (einschließlich 16Frauen). Gesamtzahl 751. Ausländer 68. — Zürich: 899 (19 Theologen, 131 Juristen, 395 Mediziner, 40 Ticrheilkundige, 344 Philologen, weibliche Studierende 219). Dazu 234 Hospitanten (einschließlich 126 Frauen). Gesamtzahl 1133. Ausländer 403 (102 Deutsche).
Kaiser Karls Bittgang.*)
Don ErnstvonWildenbruch.
Im Untersberg, im steinernen Stuhl — in den Büchern steht es zu lesen — Da sitzt und schläft der Große Karl, der einstmals der Kaiser gewesen.
Sein Schlaf ist tausend Jahre alt, liegt auf ihm, wie Bergeslasten,
•) Jüngst wurde von einem Notstand berichtet, der ziir Zeit in Aachen — wie wohl auch in mancher anderen Großstadt! — seine rauhe Herrschaft übt und es bewirkt, daß Kinder vielfach hungria und mangelhaft bekleidet in die Schule konimen. Ernst o. Wildenbruch sandte darauf an den „Berl. Börs.-Eour." das oben stehende Gedicht, das hoffentlich nicht nur rühren und bewegen, sondern auch zu thatkraftiger Hilfe anspornen wird. Notleidende Kinder gibt es ja leider überall!
Denn wer nn Leven so rastlos war, muß rasten int Tod, muß rasten.
Er Hal verträumt, was im Reiche geschah, das Große und das Kleine,
Er hat nicht gefragt, ob der Sachse saß oder der Franke am Rheine.
Wenn das Heerhorn ries, er hat nicht gefragt, ob es ries zu Flucht oder Siege,
Denn iver in den heiligen Tod einging, Denkt nicht mehr an irdische Kriege.
So hat er gesessen bis heut den Tag Gefangen in Schlafes Banden, Heut aber den Tag ist er aufgewacht, der Kaiser Karl ist erstanden.
Nicht der Donner war's, der- Berge zerbricht, nichts die Windsbraut war's, die ihn weckte, Eine Stimme, so leis, daß man kaum sie vernimmt die war's, die vom Schlummer ihn schreckte.
In den Fels er griff, der ihn steinern umschloß, die Felsen barsten und brachen:
„Mich ruft eine Stimme nach meiner Stadt, mich rufen die Kiiider von Aachen!
Tie Kinder von Aachen haben kein Brot und haben im Winter kein Bette.
Lord Lister. Zum 50jährigen Doktorjubiläum be5 Lord Lister veröffentlicht die Münch. Aled. Wochenschrift folgende Verse Jiilius Lohmeyers:
,,Dem Volk nicht nnr — mit hohem Hcrzensschlage
Grüßt Dich der Völker Kreis in allen Werten;
Es jauchzt die Menschheit Deinem Ehrentage,
Und schweigend ruht der Völker grollend Streiten.
Als Du m Deiner Brüder Schmerzenshöhle
Mit der Erlösung Leuchte bist geschritten,
Ta ist in ihre nachterfüllte Seele
Ein sanfter Strahl des Hoffens auch geglitten.
Daß jedes Erdenweh ein Rätsel bmde,
Daß uns verliehn der Selbsterlösung Gabe;
Daß ernst der Geist das Rätselwort noch finde,
Vor dem die Sphinx des Wellleids sich begrabe".
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