Mittwoch 31.Dezember LSV»
ISS. Jahrgang
Drittes Blatt.
1903:
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w-rd-n. md Koffer wirken. d° es eben im ern-nen Lande l verkamt babe.
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Wir kommen nun zu unseren Verwickelungen mit Haiti und Venezuela. In Haiti hatte am 8. Mai Präsident Sam die Präsidentschaft niedergelegt und alsbald griffen sämtliche Kandidaten zu den Waffen. Während sich in der Hauptstadt Port au Prince eine provisorische Negierung bildete, gelang es dem Prätendenten Firmin alle übrigen Gegenkandidaten auS dem Felde zu schlagen und in Kap Haitten eine Gegenregierung zu bilden. Er war dazu umsomehr in der Lage, als sich die beiden Kriegsschiffe der Republik unter ihrem Admiral Killik auf seine Seite stellten. Zweifellos wäre er auch Sieger geblieben, wenn er nicht die Dummheit begangen hätte, am 4. September an Bord des Ham- ! burger Dampfers „Markomarmia" eine Waffenladung mit Beschlag belegen zu laffen. Das charakterisierte sich natürlich, weil Firmin nicht als kriegsführende Macht anerkannt war, als Seeraub und so bereitete der deutsche Kreuzer.Panther" am 7. September dem Rebellenschiff .CrZte ä Pierrot" auf ~ , Admiral Killik
bedurfte aber noch des Bombardements der Stadt Puerto Cabello, bis sich Castro endlich entschloß, nachzugeben und durch Vermittlung der Vereinigten Staaten ein Schiedsgericht nachzusuchen, als welches nun, nachdem zum aufrichtigen Bedauern Deutschlands und aller Friedensfteunde Präsident Roosevelt selber dieses schwierige Amt abgelehnt, ber Haager Schiedsgerichtshof bestimmt werden dürste — aber sicherlich erst, nachdem der kampfestolle Castro bindende Garantien für sein zukünftiges Wohlverhalten abgegeben haben wird.
Deutschlands auswärtige FolittL im Jahre 1902.
Während zu Beginn des vorigen Jahres die kriegerischen Ereigniffe in Ostchina Deutschlands Jntereffen ebenso gefangen hielten, wie das der übrigen Welt, ließ sich das Jahr 1902 für Deutschlands auswärtige Politik weit friedlicher an. Abgesehen von einem Renkontre mit Hatti und einem Zusammenstoß mit Venezuela blieb Deutschland eine Entfaltung seiner Kriegsmacht erspart. Namentlich lagen die Ereigniffe zu Beginn des JahreS friedlich. Der Burenkrieg lag in seinen letzten Zuckungen, Deutschlands Jntereffe an der Burensache, war sich allerdings stets gleich geblieben, ebenso aber auch die Haltung der deutschen Politik. Daß wir unS nicht im englischen Fahrwasser befanden, hatte ja der Reichskanzler ausdrücklich damit bekundet, daß er dem britischen Kolonialminister wegen dessen grober Ungeschicklichkeiten gegen die deutsche Armee im deutschen Reichstage eine derbe Lektion zu teil werden ließ. Natürlich waren die Wellen der Erregung auf beiden Seiten der Nordsee hoch geschlagen, aber der Beginn des neuen Jahres goß Oel auf die sich bäumenden
keine Stelle giebt, welche einer andern Auffassung zum Siege verhelfen könnte.
Von unserem Verhältnis zu den anderen Nationen läßt sich, mit Ausnahme von Haiti und Venezuela, durchweg nur Erfreuliches berichten. China kommt seinen Verpflichtungen nach und so konnten wir am 16. August Tientsin räumen und werden auch demnächst mit der Räumung Schanghais beginnen.
Mit Dänemark bahnen sich bessere Beziehungen an.
Der dänische Kronprinz weilte am 27. August in Potsdam auf Besuch und unser Kronprinz dürfte im nächsten Jahre
gegen jedermann eine solche Popularität, daß die Beziehungen der beiden Nationen zu einander einen Grad der Freundlichkeit erhielten, wie nie zuvor. Das kam unserem Handel und namentlich unseren Verkehrsmitteln um so mehr zu Gute, als die zahlreichen Ausstände in Amerika die Einfuhr von Eisen und Stahl, von Schienen und Knüppeln namentlich aber von Kohlen notwendig machten. Kaiser Wilhelm hatte der Reise des Prinzen Heinrich daher auch von vornherein die ihr zukommende Bedeutung beigemessen
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England selber war eS, welches unS zunächst liebenswürdig entgegenkam und dadurch die Hand zu einer besseren > Verständigung bot. Zum Geburtstage unseres Kaisers erschien der Prinz von Wales in Potsdam, um im Auftrage > des Königs von England die Glückwünsche zum Geburtstage zu überbringen, und am 13. Februar konnte Frhr. v. Richthofen im preußischen Abgeordnetenhaus erklären, daß England dem deutschen Burenhilfsbunde gestatten wolle, Kleider und Nahrungsmittel nach den Konzenttationslagern zu senden. Und England that noch mehr: am 11. März sicherte es diesen Sendungen sogar Fracht- und Zollfteihett zu. Auch wegen Sendung einer deutschen Ambulanz nach Südafrcka wollte England mit unS verhandeln, was eS jeder anderen Natton speziell Frankreich und Holland, abgeschlagen hatte. Das plötzliche Ende des Krieges setzte allerdings diesen Ver- Handlungen ein Ziel. Immerhin hatte alle? diese? dazu bei- getanen, unseren Gefühlen für unsere englischen Vettern eine etwa? wärmere Nuauee zu verleihen. Diese Nuance hat all- mählich nach an Wärme zugenammen, sodaß B. letzt, nach dem Besuche unsere? Kaiser? in England, schon eine einiger, maßen erträgliche Temperatur herrscht, die noch durch d,e Waffenbrüderschaft beider Flotten an der venezolanischen Küste steinen dürfte. Trotz alledem läßt sich Nicht leugnen, daß von einer herzlichen Zuneigung beider Nationen zu einander nicht
‘Rebe5 fein kann. Auf beiden Seiten herrscht Mißtrauen, England siirchtet unsere Heranwachsende Flotte, wir glauben dd allen Angelegenheiten, daß England UN? nur au?rmtzen mM -^°d Nfalls kommen wir auch ohne Aufwand größerer Zärtlichkeit mit den bestehenden Verhältniffeu au?.
Da? fällt un? um so leichter, als wir inzwi chen mit _ angelsächsischen Volk jenseit? des
n. m ein warmes Freundschastsverhältm? getreten sind Am 12. Januar wechselten Kaiser Wilhelm und Pra- ? * mehrere Telegramme, in denen es sich zu-
-7s kur um d" Bitte be? Kaisers handelte, fein neues «ch boot Meteor" da? am 2b.Februar auf Shooter? Js- he Mw-Vork vorn Stapel laufen sollte, durch die 6 Präsidenten, Frl. Alice Roosevelt, taufen zu
Eine d °kdcre Bedeutung erhielt diese höfische Förm- lassen. Eine befondere der Kaiser seinen Bruder, den
lichkcit durch osi'nerika zu seiner Vertretung bei der
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^ClCv rnnften persönlichen Beziehungen zum Präsidenten enS tC . ’ ^itcndcn amerikamschm Staatsmännern Roosevelt und ... „r, t„;„ treunbli6eS Entgegenkommen und erwarb ncv c~-*-
Jedevmann wird
In den jetzigen Mntermonaten mit ihren lcmgen Wenden darauf bedacht sein, eine Zeitung zur Land zu buben, die ihn nicht nur mit Hilfe eines umfassenden Depeschen- und Telephondienstes und eine- wett ausgedehnten Netzes von Berichterstattern
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in Stadt unb Land orientiert, sondern ibn auch über die wichtigen Reichstagsverhandlungen, wie über die bedeutsamen Beratungen ht der Zweiten hessischen Kammer
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X Migbmil «id, Wen, 1903, abends 8 Uhr «Horn escherung ilie hierdurch nochmals W Ter Vorstand.
Nr. 306
Erscheint täglich außer Sonntag-.
Dem GießenerAnzeiger iwerden mt Wechsel mit dem hessischen Landwirt jbie Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
-Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'scheu Untverf.'Buch-u.Stein- druckeretlPtetsch Erben) Redaktion, Erveditto« und Druckerei:
Schulstratze 7.
Adresse für Deveschenr Anzeiger Gießen.
FkrnsprechanschlußNr.bl.
bald den Lebensfaden ab.
Unser Verhältnis zu Italien hat gerade in diesem
Jahre einen besonders herzlichen Charakter bekundet. Wir ,
waren eS, die jenem Zwiespalt zwischen Italien und der der Rhede von Gonaives em schnelles Ende. Schweiz, der wegen Beleidigung der italienischen Königs-l ging selbst mit in den Tod und Firmln flüchtete nach familie durch schweizerische Blätter entstanden war und am Jamaica, da seine Sache nunmehr aussichtslos ge-
18. April zur Abberufung der beiderseittgen Vertreter geführt worden war. ,
hatte, als Vermittler am 26. Juli ein Ende machten und In Venezuela war die Revoluttonspattet doch wohl der Besuch beS Königs Viktor Emanuel in Potsdam, Berlin mit ungenügenden Mitteln vorgegangen. Nach anfänglichen und Frankfutt a. M„ Ende August, ist jedenfalls auch nicht Erfolgen, welche bis August fast ganz Venezuela mit AuS- alS ein Anzeichen von Entftemdung anzusehen. — lieber die! nähme der engsten Umgebung von Caracas in Aufruhr gegen Gefühle Oesterreich-Ungarns für uns und den DreibundIden Präsidenten Castro versetzten, zerschellte ihre Kraft m den aaben die Rede des Grafen Goluchowski im Budapester zweitägigen Kämpfen um La Viktoria an der Energie deS Reichstag am 7. Mai und die mancherlei Beweise freund- Präsidenten Castro. Diese Energie, die niemand dem Prä- schaftlicher Gefühle zwischen den beiden Herrscherhäusern leben- sidenten bestreiten kann, fühtte ihn aber zu einer großen diaeS Zeugnis. Am 27. April wurde Prinz Heinrich zum Überschätzung seiner eigenen Person und ferner Kraft. Schon Admiral der österreichisch-ungarischen Flotte ernannt, am seit Jahren drängten Deutschland, England und Italien mrf 5. Juni nahm Erzherzog Franz Ferdinand am Johanniter- Bezahlung der ihren Staatsangehörigen zustehenden Ansprüche fest in Marienburg Teil und Anfang September weilte unser an den Staat, aber Präsident Castto hatte eS rn bewun- Kronprinz bei den ungarischen Manövern in Sasvar. dernswetter Weise verstanden, allen bindenden Zusagen auS
In unserem Verhältnis zu Frankreich hat sich kaum dem Wege zu gehen oder Zusagen zu machen und em ®nt- etwas geändert. Wir haben e§ allerdings nicht an Ver- gegenkommen zu heucheln, mit dem kein Staat unverstanden suchen fehlen lassen, unseren Nachbarn Freundlichkeiten zu sein konnte. So machten denn England und Deutschland erweffen und haben dafür auch ofsizielle Danksagungen er- kurzen Prozeß und stellten wegen aller ihrer Forderungen
halten. Daß aber hinter dieser höflichen Kühle bei einem am 7. Dezember ein Ultimatum auf unverzügliche Be-
aewissen Teil der französischen Bevölkerung immer noch friedigung ihrer Ansprüche oder doch auf Angabe, auf welche direkte Feindseligkeit liegt, das zeigten uns zur Genüge die Att Venezuela diese Forderungen zu befriedigen gedenke, vom Wein gelösten Zungen des Marineministers Pelletan Präsident Castro antwottete zunächst mit ber unb bes Kriegsministers Anbrö, bie im August unb September sämtlicher in Venezuela lebenber deutschen mid brittschen kein Hehl auS ihren Revanchegelüsten machten unb ben Staatsangehörigen, gab bieselben aber auf Betreiben des Ministerpräsibenten CombeS zwangen, in öffentlicher Rebe amerikanischen Gesandten Bowen alsbald roieber frei. Zur am 22. September jene Ungeschicklichkeiten roieber gut zu Durchführung einer Blockabe mußte erst bte venezolanische
machen. Es giebt eben immer noch Leute in Frankreich, Flotte aufgebracht werben unb am 9., 10. unb 12. Dezember
welche absolut bie Motive nicht verstehen wollen, auS benen wurde ein Schiff nach dem anderen mit Beschlag gelegt. Es der Kaiser bei der Katastrophe von St. Pierre den Franzosen' ---*
namhafte Geldmittel spendete oder aus denen er am 11. Juli den früheren Ministerpräsidenten Waldeck-Rousseau in Odde an Bord der .Hohenzollem" empfing.
Mit Rußland sind unsere Beziehungen fortgesetzt : freundlich. Am besten kommentieren sich dieselben durch den Aufenthalt unseres Kaisers auf der Rhede von Reval. Die i Beziehungen der beiden Monarchen zu einander sind so freund- t schaftlicher Att, daß es für sie nicht einmal mehr der Toaste bedurfte. WaS haben sich auch zwei große Nationen noch zu sagen, deren Politik überall Hand in Hand geht? Zum Zeichen der innigen persönlichen Freundschaft und als Beweis. * öine tragikomische Lott errege schichte hat
der immer bestehenden^ Waffenbrüderschaft tauschten bie -n bannten Papiergeschäft in Berlin zu getragen.
Monarchen bie Fangschnure aus. Dazu kommen als weitere dortiger Buch Hatter spielte ein Los in der Roten Kreuz- Beweise ber Intimität bie zahlreichen militärischen Freund- Lotterie. Er sah regelmäßig in den Zeitungen nach, ohne schaftszeichen, die gegenseitigen Besuche von Regiments-1 einen Gewinn zu entdecken. Schließlich verkaufte er für aborbnunqen, die sich im Sommer dieses JahreS mehrfach ^Bn Pfennige das Los einem Lehrling, indem er ihm er- wiederholten. Wenn es manchmal geschienen hat, als ob klärte, daß er atterdings nichts erwarten könne - Der^ung- Rußland uns in seiner Handelspolitik brüskieren wollte, so ling nahm dennory das Los an sich. ofsiztelle ^wrnw- kLn wir nicht'pcrgAn daß bei d» F-Wcllung de? ttf.^rgab bann, M
Staatshaushalts Zeder Staat flch selbst der nächste ist und bcr Käufer des Loses erklärte sich
an die Hochhaltung der eigenen Einnahmen zu benien ^‘ bereit, ihm bie Summe, die dasselbe gekostet habe, zuruck- Wir verschenken ja auch nichts. Der Unterschied ist nur der, ,ucr^a^en Alles weitere lehnte er ab. Tragisch wurde daß bie russischen Regierungs-Erklärungen, die in Ermange- g-e Geschichte durch den Umstand, daß bie Chefs dem Buchung eines Parlaments einfach im ^Regierungsboten" ab- Halter sofort kündigten, als sie vernahmen, daß er für gedruckt oder als kaiserliche Noten an das Ausland versandt einen Nickel einem Untergebenen ein wertloses Lotterielos 9 - -- - • * u. -o -----***-. Nachdem nun feststeht, daß selbiges die
und abgesehen von dem feierlichen Empfang, den er am 17. März dem heimkehrenden Bruder in Kuxhaven bereitete, . , widmete er dem amerikanischen Volke in dankbarer 2lner- nach Kopenhagen reisen und, wie man munkett, mit ver- kennung der freundlichen Aufnahme deS Pttnzen Heinrich am loreuem Herzen von dott zurückkchren.
16. Mai eine Bronzestatue FttedrichS des Großen, des ersten Auch mit Schweden unb Norwegen leben wir m preußischen Königs, ber ben Amerikanern Freundlichkeiten guter Freundschaft. Nicht nur, daß neue Handelswege über erwiesen hatte. Saßnitz nach Trelleborg geschaffen wurden, König Oskar hat
Von besonderem Wette für Deutschland war das Jahr uns noch einen besonderen Dienst erwiesen. In dem SchiedS- 1902 insofern, als die Erneuerung des Dreibundes spmche, den er über die Entschädigungsfrage in der Samoa- stattzufinden hatte. Zweifel an dem weiteren Bestand des Angelegenheit zu fällen hatte, hat er unsere Ansprüche als Bundes waren wohl nur auf französischer Seite gehegt worden, durchaus berechtigt unb unser Vorgehen als zweckentsprechenb ba im Jahre 1901 bie etwas schabhaft geworbenen HanbelS- anerkannt. , ____
beziehungcn zwischen Italien unb Frankreich mit Mühe und Not etwas ausgeflickt waren. Hatte baher schon bie Begeg- mtng, welche unser Reichskanzler am 27. März mit dem italienischen Minister des Auswättigen in Venedig hatte, ebenso sein Aufenthalt in Wien am 9. April im Lager der französischen Heißsporne arg verschnupft, so stieß die ofsizielle Bekanntmachung der Erneuerung deS Dreibundes am 28. Juni alle ihre Berechnungen geradezu über ben Haufen. Zwar suchten sie sich zu ttösten, inbem sie alle möglichen Nachrichten von Vorbehalten auSsanbten, welche Italien für sich ausbebungen haben sollte, namentlich über bie eventuelle Verwenbung deS ttalienischen Militärs gegen Frankreich, aber bie balb folgenben amtlichen Erklänmgen schnitten auch biesen Ausstreuungen, beren Vater nur ber Wunsch gewesen war,
Eichener Anzeiger
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Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gehen


