Aus Stadt und Land.
Gießen, 31. Juli 1902.
• * DaZ Amtsblatt des Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 23 vom 20. Juli d. I. enthält ein Aus- schreiben an die Großh. Amtsgerichte, betreffend die Rückgabe der in außerordentlicher Form errichteten Testamente.
* • Auszeichnungen. Der Großherzog hat dem Hausverwalter und Bademeister Franz Kissel zu Bad» Nauheim und dem Kurhausaufseher Heinrich Horn zu Bad» Nauheim die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von dem regierenden Fürsten von Reuß j. L. Hein» rich XIV. verliehenen Silbernen Ehrenmedaille für Treue und- Verdienst erteilt.
* • Audienzen. Der Großherzog empfing am 30. Juli u.jd. den Bauaffessor Berth von Alsfeld, den Kirchenrat Kalb Henn von Burggräfenrode, den Pfarrer Klös von Münster, den Staatsanwalt v.Heffert, den Pfarrer Walter von Crainfeld, den Finanzminister Dr. Gnauth.
* * Personalien. Der Großherz og hatam30.Juü dem Pfarrer Dr. Friedrich Grein zu Gießen eine eoang-
eine Leichenzerstückelung vorliegt.
Demnächst ist ein Obergutachten von dem königlichen Medizinalkollegium der Provinz Westpreußen in Danzig er- ordert und unterm 7. September 1901 erstattet worden. Tas Medizinalkollegium spricht sich dahin aus: 1. Der Tod des Ernst Winter ist durch Erstickung erfolgt. 2. Die Annahme, duß der an der zerstückelten Leiche Winters bor- gefundene Halsschnitt bei Lebzeiten Winters ausgeführt wurde und den Perblutungstod herbeiführte, entbehrt der wissenschaftlichen Begründung. 3. Ter Tod erfolgte am 11. März 1900 innerhalb der ersten echs Stunden nach der genossenen Mittagsmahlzeit. 4. Ter Nachweis von Spermaslecken an der Außenseite der Hose und Weste macht es wahrscheinlich, daß Winter kurz vor dem Tode den Beischlaf ausführte oder auszuführew versuchte.
Schließlich hat die Wissenschaftliche Deputation für das- Medizinalschulwesen in Berlin ein von ihr erfordertes Obergutachten unter dem 15. Januar 1902 erstattet und sich darin wie folgt geäußert: 1. An dem p. Winter ist Erstickung verübt worden in einer Art und Weise, die notwendig den Tod zur Folge haben mußte. 2. Ter an dem Halse vorgefundene und allein die vollständige Blutleere erklärende Halsfchnitt ist mit größter Wahrscheinlichkeit nichL bei Lebzeiten, sondern unmittelbar nach dem Tode erfolgt. 3. Bezüglich der übrigen Verletzungen ist als feststehend an- zunehmen, daß sie ebenfalls nicht bei Lebzeiten, sondern, erst nach dem Tode, wenn auch nicht unmittelbar nachher ausgefüyrt sind. 4. Den Ausführungen des Medizinal» kollegiums über die an den Kleidern des p. Winter vorgefundenen Blut- und Spermaslecken wird beigetreten.
Ist hiernach anzunehmen, daß der Tod des Winter, infolge Erstickung ein getreten ist und daß die Schnitte, insbesondere der Halsschnitt erst nach dem Tode aus- gesührt worden sind, so verliert die Behauptung»,. Winter habe als ein Opfer des Aberglaubens den Verblutungstod erlitten, chre thatsächlichs Grundlage.
Volttische Tagesschau.
Die Zolltariskommisfion
beschloß am Mittwoch die Positionen 782 und 783, nicht schmiedbarer Guß, anderweit nicht genannt, unter Wegfall der Staffelung zu vereinigen, und setzte für roh 5, bearbeitet 10 Mark fest, ebenso wurden die damit verbunden verhandelten Positionen 798 und 799, schmiedbarer Guß, Schmiedestücke, andere Waren aus schmiedbarem Eisen, anderweit nicht genannt, vereinigt und sür roh 6, bearbeitet 12 Mark beschlossen. Die Positionen 783 und 799 fallen fort. Die Position 784 irstz bereits gestern erledigt. Zu Positron 785, schmiedbares Eisen in Stäben, gewalzt, ge-
Die Rede des Kaisers enthält eine sehr btzmerkens- toerte Stelle, die man nicht anders als gegen die agrarische Agitation gerichtet aufsassen kann. Unverkennbar hat der Kaiser diese im Auge bei der Anerkennung des geduldigen Perhaltens der Stadt Emden, als sie eine schwere Zeit durchzumachen gehabt, statt durch Schreien und Klagen in Bitterkeit den veränderten Zeiten Rechnung zu tragen. Der Kaiser bezieht das Lob des Ausharrens ausdrücklich aus „viele Städte unseres Vaterlandes". Dadurch wird klar, daß Stadt und Land in .Vergleich gezogen sind. Aehnlich hat sich der kaiserliche Redner ausgesprochen, als er in Königsberg sich gegen den ,A!är m" der agrarischen Opposition wandte. Wiederum ein Beweis, ■ daß die ost vernommene Ansicht, es komme darauf an, durch „Schreies die Regierung zur Unterstützung der Landwirtschaft zu nötigen, dem Kaiser nicht als ein probates Mittel erscheint. Allgemach sieht man auch in konservativen Kreisen ein, daß der Ueber eifer und das über kräftige Auftreten der Herren Dr. Dietrich Hahn und Gen. der Landwirtschaft mehr schadet als nützt.
Tie „Dtsche. Ztg." des Dr. Fr. Lange schreibt:
Die Spitze gegen die „Agrarier" ist unverkennbar. Man ersieht aus der Bemerkung, wie die Temperatur der augenblicklichen politischen Lage ist. Die Aeußerung ist aber nicht nur Symptom, sondern wird leider auch als Motiv wirken.
chmiedet oder gezogen, auch geformt, ferner Bandeisen, verlangt der Tarifentwurf 4 Staffeln: Nicht über 12 Zentimeter lang zum Umschmelzen 1 !Mk., im Gewicht 1 Kilogr. oder darüber auf laufendes Meter 2,50, im Gewicht weniger als 1 Kilogr. auf laufendes Meter 3, mit eingewalzten Mustern oder Verzierungen 5 Mark. Ein Antrag Pauli verlangt nur drei Staffeln. Nicht über 12 Zentimeter 1M., mit eingewalzten Mustern 5, anderes 2,50 Mark. Nachdem Handelsminister Möller den Antrag Pauli und verschiedene andere Anträge für annehmbar erklärt, wird der Antrag Pauli angenommen. Sodann vertagt sich die Kommission, nachdem das Haus beschlossen, um die erste Lesung am 8. August beenden zu können, täglich von 9 bis 3 Uhr Sitzungen zu halten.
Heer und Flotte.
Liegehcrsen diente. Das Wetter blieb wahrend der ganzen Feier heiter.
Vor dem Telegraphenamte waren die Postbeamten auf- aestellt. Telegraphen-Direktor Ficker empfing den Kaiser w großen Telegraphensaale, wo Ingenieur Treisbach die Label-Telegraphre erklärte. Nach, der Besichtigung der Hughes-Apparate begab sich der Kaiser nach, der Rudergig zurück und langte um 12.45 Uhr im Außenhafen an. Dort begab sich der Kaiser chuf den „Sleipner" nach der auf der Rhede liegenden ,Lohenzollern". — Bei dem Empfang des Kaisers war auch, der Staatssekretär des Reichspost- amtes Kraetke zugegen. r
Heute mittag gab die Stadt im Saale des Klubhauses ein Frühstück, an dem außer einer Reche Ehrengäste die Spitzen der Zivil-, Militär- und Marinebehörden, Minister Budde und Staatssekretär Kraetke teilnahmen. Oberbürgermeister Fürbringer begrüßte die Gäste und teilte mit, daß sich, der Kaiser über den Empfang auch ihm gegenüber auf das Befriedigendste und in einer Weise ausgesprochen habe, die zu den schönsten Hoffnungen für die Stadt Emden berechtige. Redner schloß mit einem Hoch auf den Kaiser.
Minister Budde dankte namens der Gäste, dre glerch- sam Gevattersleute bei der heutigen Taufe gewesen seien. Menn die Taufe schpn ausgefallen sei, dann werde der Junge gut werdem (Heiterkeit.) Als die Wasserwege für Emden fertig waren, sei auch der wirtschaftliche Niedergang dagewefen. Bemängele jemand die geringe Tonnen- zahl der auf dem Dortmund-Emskanal verkehrenden Schiffe, so möge er nicht vergessen, daß in Hamburg und Bremen auch die Fracht fehle. Was hier geschehen Lanu, wird gesch eh en, dafür bürgt die Direktive d e s K ais e r s. (Beifall.) Bie die Flut der Ebbe, der Wellenberg dem Wellenthal und der heutige Sonnenschein dem gestrigen Regenhimmel folgte, so wird der wirtschaftliche Aufschwung dem Niedergang folgen. Die Schwankungen muß der Kaufmann durch fein Geschick überwinden helfen. Die Staatsregierung wird mit Ihnen Zusammenarbeiten. Volldampf voraus! Es wird nicht in der Ferne sein, daß auch die Emdener Schiffe die deutsche Flagge hinaustragen in alle Länder. Ter Minister schloß mit einem Hoch auf den Oberbürgermeister und die Emdener Bürgerschaft. An das Frühstück schloß sich eine Dampferfahrt auf der Ems an.
Die Staatssekretäre v. Tirpitz und Kraetke sind heute Nachmittag wieder von hier abgerefft. Minister Budde verließ Emden heute abend.
Washington, 30. Juli. Ein Zeit-Zünder für Panzer-Durchschlagsgränaten ist in der Artillerieabteilung des Heeres-Departements erfunden worden. Die Tragweite der Erfindung liegt darin, daß der neue Zünder die Granate erst dann zur Explosion bringt, wenn die Durchschlagskraft des Geschosses völlig erschöpft ist. Eine mit dem neuen Zünder versehene Granate kann, wie Versuche bewiesen haben, mit starken Explosivstoffen geladen, eine 14 Zoll starke gehärtere Kruppsche Panzerplatte durchschlagen, bevor sie explodiert. Die Vereinbarungen iber die Besitzrechte an der Erfindung und die Formel für )ie Ladung mit Explosivstoffen werden streng geheim gehalten.
Hloch einmal der Konitzer Mord.
Tas Oberlandesgericht in Marienwerder hat, wie schon rüher mitgeteilt, die Beschwerde des Bauunternehmers Winter zu Prechlau über Abweisung seiner Strafanzeige gegen eine Anzahl Bewohner von Könitz und Umgegend wegen Ermordung seines Sohnes nun auch zurückgewiesen. Damit ist der Instanzenweg erschöpft. Wir teilen nach^ stehend (nach der „Antis. Korr.") den Wortlaut des Be- chlusses mit:
In Sachen betreffend die Strafanzeigen gegen den Fleischermeister Adolf Lewy, den Fleischergesellen Moritz Lewy, den Prediger und Schächter Hamburger und ben Fleischermeister Josef Eisenstädt wegen Ermordung des Gymnasiasten Ernst Winter beziehungsweise Beihilfe zu diesem Verbrechen und wegen Meineides hat der Strafsenat des königlichen Oberlandesgerichts zu Marienwerder in der Sitzung vom 4. Juni 1902 auf den Antrag des Bauunternehmers Johannes Winter in Prechlau vom 15. März 1902 aus gerichtliche Entscheidung gegen den ablehnenden Bescheid des Oberstaatsanwalts in Marienwerder vom 20. Februar 1902 nach erfolgter schriftlicher Erklärung des Oberstaatsanwalts beschlossen: Ter Antrag wird verworfen. Tie durch das Verfahren über den Antrag veranlaßten Kosten werden dem Antragsteller auferlegt.
Aus der umfangreichen Begründung des Oberlandesgerichts heben wir folgende Stellen hervor, welche die Behauptung eines „Blutmordes aus Aberglauben" widerlegend'
Wenn auch die Ansicht, daß Blutmorde von Juden aus Aberglauben begangen werden, in der Sitteratur mehrfach vertreten wird, so ist doch nicht zu übersehen, daß diese Ansicht als irrig von angesehenen Persönlichkeiten bekämpft wird. Ob und welche Bedeutung den verschiedenen schriftstellerischen Aeußerungen über diese Frage beizulegen ist, kann hier aber vollständig dahingestellt bleiben, da die Entscheidung über den Antrag aus Gtünden, die in der Unterfuchungssache selbst liegen, so, wie geschehen, getroffen werden mußte. Zu 1. Am 15. Alärz 1900 haben der Medi- zinalrat Tr. Müller und der praktische Arzt Dr. v. Luko- wicz eine Leichenschau hinsichtlich der am 13. März 1900 im Mönchsee ausgefundenen Leichenteile (der Brust und des Bauches), sowie hinsichtlich des am 15. März 1900 früh aus dem evangelischen Kirchhofe gefundenen rechten Armes vorgenommen. Am 28. März 1900 haben der Medizinalrat Dr. Müller und Tr. Bleske die Leichenöffnung hinsichtlich der vorbezeichneten Leichenteile, sowie hinsicht- Iick> des am 30. März 1900 im Mönchlsee herausgefischten linken Oberschenkels, welche sämlliche Leichenteile bis dahin in Spiritus aufbewahrt gewesen waren, vorgenommen. Bei dieser Leichenöffnung haben Tr. Müller und Tr. Bleske ihr Gutachten dahin abgegeben, daß der Tod des Winter durchs Verblutung eingetreten sei, und zwar aus den durchschnittenen Halsgesäßen. Am 18. April 1900 haben Tr. Müller und Dr.Bleske die Leichenöffnung hinsichtlich des am 15. April 1900 (Ostersonntag) in einem schlammigen Wassergraben gefundenen, dann ebenfalls in Spiritus ausbewahrten Kopses nebst Halsteiles des Ernst Winter vorgenommen. Hierbei haben sie ihr früheres Gutachten aufrecht erhalten. Am 16. und 17. Mai 1900 haben die Gerichtsärzte Tr. Mittenzweig und Tr. Stürmer eine Nachobduktion an sämt
lichen vorbezeichneten, fortgesetzt in Spiritus aufbewahrt gewesenen LÄchenteilen vorgenommen. Dabei haben sie ihr vorläufiges Gutachten dahin abgegeben, daß Winter höchstwahrscheinlich an Verblutung gestorben sei, daß sich außerdem Zeichen der Erstickung an der Leiche gesunden hätten, und daß wahrscheinlich die Verletzung den Ver- torbenen getroffen habe, während fein Bewußtsein durchs beginnende Erstickung gestört gewesen wäre. Darauf haben Tr. Müller und Tr. Bleske das schriftliche Gutachten vom 29. Juni 1900 und die Gerichtsärzte Tr. Mittenzwerg und Tr. Stürmer das schriftliche Gutachten vom 6. August 1900 erstattet. In diesem Gutachten haben die genannten vier Aerzte ihre Ansichten näher begründet. Tober ist bemerkenswert, daß die Aerzte Dr. Müller und Dr. Bleske erklärt haben, daß «auch sie annehmen, daß der tödlichen Halsver- letzung ein Erstickungsversuch vorausgegangen sei. Ferner hat der Gerichtsarzt, Privatdvzent Dr. Puppe aus Erfordern das schriftliche Gutachten vom 3. Dezember 1900 stber bie mutmaßliche Todesursache des Winter erstattet. Er hat in diesem Gutachten seine Ansicht schließlich dahin zu.ommen- gesaßt: 1. Die Feststellung der Todesursache des Oer- torbenen Gymnasiasten Ernst Winter ist nicht mit Sicherheit möglich 2. Tie für die Verblutung, insbesondere die für die Verblutung durch Hals schnitt sprechenden Momente sind unsicher und unzuverlässig. 3. Den einzigen Anhaltspunkt für die Erklärung des Todes bieten die Erstickungserscheinungen. 4. Es ist anzunehmen, daß alle Schnitte nach dem Tod angelegt sind, und daß lediglich
militärischen Behörden beim Sängerfest derartig verstimmt i sein, daß er zu demissionieren beabsichtigt. Größte Anerkennung findet das Verhalten der Reichsdeutschen, diel sich jeder politischen Kundgebung enthielten.
Neue Theaterstücke. Das Berliner Lessing-Theater veröffentlicht die wichtigsten Novitäten, die sein Re- pertoir in der nächsten Saison ausmachen sollen. Ludwig :F ul d a s dreiaktiges Lustspiel „K a l t w a s s e r" eröffnet -den Reigen der Novitäten, Hermann Sudermanns ,neues vieraktiges Drama, das kürzlich vollendet wurde, wird den Titel führen: „Der Sturmgeselle Sokrates". Max Halbe erscheint mit einer sünfaltigen Novität „Ter Waffmrgistag". Auch Max Dreyer ist mit zwei abendfüllenden historischen Schwänken, die einstweilen noch titel- los sind, vertreten. Die Doppelarbeit der Herren Blumenthal und Kabelburg ist gleichfalls vollendet, doch sind sich die Verfasser noch nicht über den Titel einig. Auch Die beiden russischen Dichter Gorki und Tschechow sollen auf dieser Bühne erscheinen. — Das „Deutsche Theater" hat Maeterlinks „Vionna Vannci" zur Aufführung angenommen.
Der Verlag von Fischer und Franke in Berlin ist mit dem Münchener Kunstwort-Verlage Georg D. W. Callwey der erste, der durch Veröffentlichung wahrhaft künstlerischer Blätter zu wahrhaft volkstümlichen Preisen der Pflege ber Liebe zur Kunst im kleinen deutschen Bürger- und Bauernhause zu dienen bestrebt ist. M ist ja so mancherlei im letzten Jahre auf diesem Gebiete publiziert worden; im Gegensatz zu einem der neuesten Unternehmen, das den Wert der Originallithographie als Volkskunst verkennend, die Preise sür WandbUder in diesem Verfahren auf ML 25 bis Mk. 30 festgesetzt, veröffentlicht der Verlag von Fischer und Franke solche zu 60 Pfg. Als Neuheit leai uns Der Verlag die zu imjem Preise erschienenen Mdnffie von Gvttfr. Keller, Ar
nold Böcklin und Hans Thoma vor, die der Bildniszeichner Ernst Würtenberger zu Konstanz geschaffen hat. Es handelt sich hier nicht um Schöpfungen an Hand von Photographien, sondern um wertvolle Originalbildnisse. Diese Bildnisse sind in mehrfarbigem Druck auf bestem naturfarbenen Büttenpapier in Folio hergestellt. Niemand, dem die Werke eines Keller und der beiden so echt deutschen Maler lieb geworden sind, wird diese traulich anmutenden Bilder in seinen Zimmern vermissen wollen.
Das im Verlage von Hermann Walther in Berlin erschienene 3. Heft der Zeitschrift „Unlauterer Wettbewerb" enthält folgende hochinteressante Aussätze: Justizrat Dr. Bachem-Köln: Wirtschaftliche Kartelle und unlauterer Wettbewerb; Staatsanwalt Finger, Colmar i. E: Der Begriff des Geschäfts- und Betriebsgeheimnisses nach der bisherigen gerichllichen Praxis; Rechtsanwalt Dr. Fuld, Mainz: Unlauterer Wettbewerb im Zeitungs- Gewerbe. Ferner bringt die Zeitschrift Mitteilungen aus der Praxis von Rechtsanwall Patzell, Berlin und Entscheidungen des Reichsgerichts, die für die Praxis der Handhabung des Gesetzes von großer Bedeutung sind.
Frank Wedekind, So ist das Leben, Schauspiel in fünf Akten, geheftet 2 Mk., Verlag von Albert Langen, München. „So ist das Leben" behandelt die Schicksale eines entthronten Königs, der in die seltsame Lage kommt, sich vor einem bürgerlichen Gerichte wegen Majestätsbeleidigung verantworten zu müssen. Tie Frage der MajestätZbeleidigungsprozesse erfährt auf diese Weise in dem Drama eine verblüffende Beleuchtung. Bei der Uraufführung von „So ist das Leben" am Nttinchener Schauspielhause kam es infolge der energischen Stellungnahme von Verehrern und Gegnern Wedekindscher Satire und seiner Lebensauffassung um ein Haar zu einer Theaterschlacht. Soin neuestes Drama „Tic Büchse der Pandora" ist übrigens durch dw neueste Summer der
von Otto Jul. Bierbaum herausgegebenen Zeitschrift „Die Insel" doch zur Veröffentlichung gelangt. Jul. Hart hatte recht, als er schrieb, in der deutschen Litteratur gebe es nichts, waS so gemein sei, als die Kunst Wedekinds!
Neue Kunstliteratur. Wenn es nach dem, was wir unsern Lesern bisher im Bruckmannscheu Verlage in München erscheinenden „Kunst" berichtet haben, noch emes besonderen Beweises dafür bedurft hätte, daß diese Monatshefte nicht nur ihres relativ billigen Preises wegen (6 Mr. das Vierteljahr), sondern auch inhaltlich an ber Spitze aller deutschen Kunstzeitschriftcn marschieren: man würde ihn aus dem Mai-Heft entnehmen können. Es eitmtt an größeren Beiträgen außer einem mit mancherlei Mu- ftrationen geschmückten Bericht über die Frühjahr-Ajus- ftellung der Münchener Luitpold-Gruppe und einer /mit Abbildungen von 20 seiner Werke belegten Würdigung: des vortrefflichen Frankfurter Malers Wilhelm Trüben er (Text von Hans Rosenhagen) als piöee de resistance lerne ein- und mehrfarbig überreich illustrierte „Monographie über das Bilderbuch", die zu Heller Begeisterung entfacht. Allen Respett vor der Sorgfalt, mit der sie illuftriitiv zusammengestellt ist, und rückhaltlose Anerkennung chuch den textlichen Darlegungen von Gujtav Pauli (der ülbcr auf dem vorjährigen Kunsterziehungstag sprach), von Fsuu Anna Muthesius u. a. Hier begreift man, daß es 4 in dem jetzt viel erörterten Thema der künstlerischen TSr- ziehnng' darauf ankommen muß, frühzeitig einzuse/)en und auch in dem harmlosen Bilderbuch dem Helmen Kinde bereits etwas künstlerisch Wertvolles in die zu geben. — Erwähnt sei noch, daß das Mai-Heft • auch vier sehr gute Abbildungen (die besten,' die wir bislang sahen) von Max Klingers B e e t h o v e n bringt, I über das die Gemüter ber Munftfreunbe wohl sobald nicht zpr Ruhe kommen werden. ®


