Nr. 125 erfo<t*t tLgttch außer SonruagL.
Dem Dlktzener SLngeiger werden rm Wechsel nut dem yeffischea tonbwtrt die Siebener Familie». Hättet üietmol in der Woche beigelegt
BtotanonSbvud u. Bet* kifl der B rü h llch« Unwer^-Vuch- u-Gterw« brudrcti (P letsch Hebend
Umd^ru^eret^^"
Vchnlstraße 7.
tlbrefie für Depeschen: «nzetger Gießen.
Kernsprechanschluß Nr. 6L
Zweites Blatt. 152. Jahrgang Samstag 31. Mai LN1V2
_ Vezu gSpretA»
Q Q «wnatllch 7b Pf^ viertes
/****3rÄr ▼ r< ^8» W ▼ _ _ . jährlich Mk. LL0; durch
GietzenerAMger«
" General-Anzeiger w
v für den poht u. aOgern.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MWs
V » KF zeigen tell: HanS Beck.
Nie yeuttge V»mmrr umfaßt 16 Ketten.
KaLsöurg und Savoyen.
Heber die internationale Lage ift in diesen Krühsommerlagen von den maßgebenden Stellen offiziell und privatim — so jetzt seitens des Grafen Bülow einem Vertreter des „Figaro" gegenüber — (vgl. die bete. Tagesschau- Auskunft erteilt worden, aber doch nicht so erschöpfend, daß nicht eine Frage bliebe, an der auch Deutschland, im Hinblick auf sein politisches Bündnis, ein Interesse hat, die Frage nach den Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Italien. Zm allgemeinen flilt es als feststehend, dcrß zwischen dem habsburgischen Staffel float und dem savoyischen Königreich ein kühleres BcrhLltnis obwaltet, als es bei jedem von beiden Deutschland gegenüber der Fall ist. Mau hat sich so gewöhnt, darin eine Thatsache zu sehen, daß die gesetzliche Rechnung einer bezüglichen Prüfung kaum noch unterworfen wird. Auch die neuesten Budgetreden der Auslandsminister beider Reiche haben die Situation in einer rosigen Beleuchtung nicht gezeigt. Gleichwohl besteht beiderseits unverkennbar der Wunsch, die Erneuerung des politischen Bündnisses und der Austausch der neuen Handelsverträge möge sich unter dem Zeichen eines innigeren Einvernehmens vollziehen.
Forscht man den Gründen der bisherigen Sachlage nach, so könnte man sich versucht fühlen, der beiden Staatsoberhäupter Erwähnung zu thun. Kaiser Franz Josef und König Viktor Emanuel haben noch keine Zu- ammenkuuft gehabt; den ersten Besuch würde in Rück- icht auf Alter und Regentschaftsdauer der HerrscherJtoliens n Wien abstatten. Daß dieser Besuch noch nicht erfolgte/ st mehrfach int Sinne einer persönlichen Ber stimmung gedeutet worden, und zwar führte man diese Verstimmung auf die Verschiedenartigkeit der Beziehungen zum Vatikan zurück. Es hieß, Kaiser Franz Josef werde nicht eher den Boden Roms betreten, als bis das Verhältnis zwischen Cuirinal und Vatikan ein besseres geworden sei. Ob oas zutrifft, mag dahingestellt bleibeit. Von einer dadurch entstandenen Verstimmung zwischen den beiden Mo-narchen kann jedenfalls keine Rede sein. In der ministeriellen „Xrümna" ist ausdrücklich hervorgehoben worden, daß der österreichische Admiral Rippert, der Befehlshaber des im April d. I. vor Spezia erschienenen österreichischen Ge- fchweders, im besonderen Auftrage Kaiser Franz Josefs nach Rom zum König sich begab. Der freundliche Empfang des Sendboten und die herzlichen Worte, die er seinem Souverän zu überbringen hatte, dürften die Vermutung, als walteten Verstimmungen zwischen Rom und Wien t/b, auf das bündigste widerlegen.
In dem erwähnten Artikel der „Tribuna" wurde auch des Verhaltens der österreichischen zur italienischen Regierung gedacht, unb da klang nicht überall das „Motiv" der Geuugthuung durch. Allerdings richteten sich die Be- mZbigetungen vorwiegend an die Adresse der früheren österreichischen Minister. Dem Grafen Goluchowski wurde sogar ausdrücklich bezeugt, daß unter seiner Amtsführung die Rechte Italiens größerer Achtung sich erfreuten, als unter feinen Vorgängern. Dieses Anerkenntnis fand aber eine gewisse Einschränkung durch den Hinweis, daß die Wiener Regierung noch immer von einigen, dem savoyischen Königreich nicht gerade freundlich gesinnten, politischen Parteien sich beeinflussen lasse. Alles in allem: das
italienisch-ministerielle Blatt schob die Schuld an den nicht ganz einwandfreien Beziehungen zwischen den beiden Regierungen ausschließlich dem mangelnden Entgegenkommen Oesterreichs zu Es vergaß aber, sich zu erinnern, daß hervorragende italienische Politiker, besonders aus der Lombardei, für Oesterreich alles andere als Sympathie übrig haben. Tas Maß des Einflusses dieser Politiker auf die italienische Regierung dürfte jedoch nicht größer fein als dasjenige, von dem „Tribuna" die Wiener Regierung im entgegengesetzten Sinne beherrscht glaubt.
Diese öffentliche Aussprache im Verein mit den Aufmerksamkeiten, die Kaiser Franz Joses der italienischen Koniys- familie erwies — der Herzog von Genua erhiell eine Einladung zu den österreichischen Flottenmanövern — hat jedenfalls der engeren Annäherung zwischen den benachbarten und verbündeten Reichen den Weg geebnet Vielleicht wirkte auch Graf Bülow hier vermittelnd, da er sowohl dem Grasen Goluchowski als and), dem Minister Prinetti befreundet ist und in den Osterferien bekanntlich mit beiden Staatsmännern Unterredungen hatte. Ein freundschaftlicheres Verhältnis zwischen der habsburgischen Monarchie unb dem savoyischen Königreich liegt sicherlich ebenso sehr in beider Interesse wie in dem des Dreibundes.
Politische Tagesschau.
Nationale Würde und polnischer Boykott
Ein Schreiben, das von der 9iürnberger Bleistiftfirma Johann Faber .A.-G. an polnische Firmen in Russisch- Polen ergangen ist und, abgesehen von anderen unschönen Wendungen, das unwürdige Ersuchen an die p o lni- sche Presse enthielt, doch ja einen Unterschied zwischen bayerischer und preußischer Politik in der Polensrage zu machen, hat natürlich in Bayern das tiefste Befremden hervor gerufen. Von der durch das Schreiben bloßgestellten Firma hat die öffentliche Meinung in Bayern erwartet, daß sie sich rechtfertige. Wie nun aus Nürnberg mitgeteilt wird, hat der Aufsichtsrat der Firma Johann Faber A.-G. sich mit dem Polenbrief beschäftigt. Die Nachprüfung hat ergeben, daß dieses Schreiben in der That echt unb in bem auch von uns mitgeteilten Wortlaut ergangen ist. Der Aufsichtsrat hat bar auf ben Beschluß gefaßt, inbem er bie in dem Schreiben zum Ausdruck gelangten Tendenzen aufs äußerste mißbilligte, den Beamten, der das Schreiben zu verantworten hatte, sofort zu entlassen. Ferner hat der Aufsichtsrat beschlossen, in der Angelegenheit eine Erklärung in der Tagespresse zu veröffentlichen. — Diese Erklärung bleibt nun abzuwarten.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Mai. Die große Frühjahrsparabe der Berliner Garnison hat heute vormittag bei prachtvollem Sommerwetter auf bem Tempelhofer Felbe stattgefunden. Nachdem bie Truppen mit klingenbem Spiel auf bem Parabefelb angerüeft waren, begann bie Ankunft ber zur Parabe gelabenen Gäste. Der Kaiser stieg, von Potsdam kommend, am Bahnhofe Großgörschensttaße zu Pferde unb ritt in kurzem Trabe zum Steuerhäuschen, wo er seine Gäste erwartete. Der Schah von Persien begab sich vom Potsbamer Bahnhofe aus zu Wagen zur Parabe, desgleichen der Kronprinz von Siam. Der
Schah trug über seiner heimatlichen Tracht bas Orange» band des Schwarzen Adlerordens. Außerdem wohnte« der Parade bei Prmz Ettel Fritz, der Großherzog von Mecklenburg, Prinz unb Prinzessin Friebrich August von Sachsen. Es fand ein zweimaliger Vorbeimarsch ber Truppen statt, worauf ber Kaiser Kritik ab hielt. Um 11 Uhr begaben sich die Truppen in ihre KasernementS zurück und zugleich erfolgte bie Fahrt ber fürstlichen Personen zum Königlichen Schlosse. Der Schah würbe auf dem ganzen Wege von einem zahlreichen Publikum lebhaft begrüßt. Der Kaiser ritt an ber Spitze ber Fahnenkompagnie in die Stadt; in der Rechten hielt er den Marschallstab. Dem Kaiser schallten bei feinem Herannahen brausende Hurrarufe entgegen, für welche er unablässig durch Senken des Marschallslabes dankte. Biele Gebäude der Hauptstraßen hatten geflaggt
— Der Kaiser nahm heute mittag im Schlosse militärische Meldungen entgegen, darunter die des amerikanischen Marineattachees Lieutenant-Commander Potts, sowie ber Ofsiziersaborbnung bes 40. Neinrussischen Dragoner-Regiments, welche der heutigen Parade beiwohnte und der morgigen Parade in Potsdam beiwohnen wird. Der Kronprinz von Siam nahm heute Absteigequartier im Schloß, besuchte nachmittags den Reichskanzler und legte später im Mausoleum zu Eharlottenburg eine Kranzspende am Grabmal Wilhelms des Großen nieder. Um 6 Uhr fand in der Bildergalerie des Schlosses beim Kaiser Gala täfel statt An der Mitte ber Tafel saß ber Kaiser zwischen bem Scha h unb ber Prinzessin Friedrich August von Sachsen. Rechts vom Schah folgten Prinzessin Friedrich Leopold, ber Großherzog von Mecklenburg, bie Herzogin von Albany, Prinz Friedrich August von Sachsen, Prinzessin Alice von Großbritannien, Prinz Friedrich Leo- bold, Prinz Paribatra von Siam und Andere, links von der Prinzessin Friedrich August saßen der Kronprinz von Siam, Erbprinzessin von Hohenzollem, Prinz Ettel Friedrich, Gräfin Bülow :c. Gegenüber den Majestäten saß der Reichskanzler zwischen dem persischen GroKczier und dem persischen Hofminister. Es nahmen ferner die Minister, Staatssekretäre, Hofchargen und die Gesandten von Persien, Siam und Sachsen teil. Der Kaiser brachte bei dem heutigen Galadiner folgenden Trinkspruch auf den Schah aus: „Es ist Mir eine Freude, Euere Majestät am heutigen Tage hier begrüßen zu dürfen, und Meinem Gruß schließt sich der Willkomm des deutschen Volkes an. Eingedenk der guten Beziehungen, welche zwischen Eurer Majestät Vater unb Meinem Großvater unb Vater bestanden, wirb es auch Mein Bestreben sein, bie Beziehungen zwischen Eurer Majestät Reich und dem Meinigen immer freundschaftlicher und fester zu gestalten. Auf das Wohl. Seiner Majestät des Scyahs!" Der Schah erwiderte in persischer Sprache mit einem Hoch auf den Kaiser.
— Der Schah von Persien wird seinen hiesigen Aufenthalt dazu benutzen, um eine medizinische Autorität über sein Leiden zu befragen.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." ist zu der Erklärung ermächtigt, daß die Erzählung der „Vaterl. Volksztg." über ben Inhalt eines Briefes, ben ein höherer Beamter des Reichsjustizamts an einen braunschweigischen Richter bezüglich ber w elsischen Ansprüche auf bas Herzogtum Braunschweig gerichtet habe, soweit sie das Reichsjustizamt und den Bundesrat betrifft, auf Erfindung beruht. Richtig sei, daß kürzlich ein Mitglied des Reichsjustizamts, einem ihm persönlich bekannten, ber welfischen
Feuilleton.
Knnstvercin. Die Kunstausstellung im Turmhaus am Brand beherrscht gegenwärtig Ludwig De tt mann. Nicht mit ein paar kleinen Pro von feiner Siunft, wie früher einmal, sondern mit einem Dutzend zum Teil stattlicher Gemälde ist er eingezogen, die allen anderen voran die Blicke der Besucher auf sich ziehen. Die Eigenart seiner Kunst ist bekannt genug und darf heute auf unbefangene Beurteilung wohl bei den meisten rechnen. Kühne, meist auf große Entfernung berechnete Zeichnung ist verbunden mit einer Farbengebung, die zunächst fremdartig, übertrieben er fd) ein en, auch nach blofer Effekthascherei aussehen mag, bald aber für den andächtigen Betrachter zu einer wahrhaften Offenbarung von Geheimnissen wird, wie sie nur ein besonders farbenempsindliches Künstlerauge der Natur abzutauschen vermag. Glühende, tiefe Farben überwiegen; dort fehlt es nicht an zarteren Wirkungen, für die unsere Ausstellung ein treffliches Beispiel in einem wundervollen Mond- fcheinbild von Riomaggiore an der Riviera aufweist. Dettmann's Run ft bestätigt sich besonders m der Landschaft, in der das Figürliche nur eine geringe Rolle spielt; das einzige selbständige Figur- bild, ein „Wäschermäbchen", ist in der Hauptsache ebenfalls ein koloristisches Bravourstück. Als die bedeutendsten Landschaften möchten wir neben Riomaggiore „Abend am ®ee"f „Enten am Moorgraben", „die Sonne" bezeichnen. Die „Sonne" ist der Haupteffekt der ganzen Ausstellung, deren Saal eben lang genug ist, um ben Beschauer in die richtige Entfernung von dieser wahrhaft blendenden Lichterscheinung zu bringen. Wie diese Sonne, nicht die aufgehende, fonbem die schon hoher am Himmel stehende, deshalb in grellem Gelb leuchtende Sonne ihre Strahlengarbe durch die Lücke eines bewaldeten Bergriickens über die kahle Halde und eine vorüberriehende Schasherde wirst, das verrät eminente Sicherheit sowohl der Naturdeobachtuug als der Beherrschung ungewohnter künstlerischier 'Mittel;, wer so sieht und so malt, ist zwar Virtuos, aber von echter Künstlerschaft. ?_• ä-
Frankfurt a. M., 30. Mat. Die Mitglieder der otutt = garter'üosoper beendeten heute ihr Geiamtgastspiel mit der komischen Oper „Tie flcinen Michus" von A. Vanloo, und G. Duval deutsch von Belten-Beckers, Musik von Anbre Manager. Die musikalische Leitung und die Leitung der Aufführung hatten wieder Hugo Reichenberger bezw. Auguft Harlacher. Die Haupt- parthien der Alarie^lnne und der Anne-Marie langen die Damen Anna Sutter und Anna Reinisch. -sic ernteten nicht mir nach den Aktschlüssen vielfachen Hervorrui, sondern auch bei osiener Lzene lebhaften Beifall unb mußten im zwecken All das Gebet an oanft
Nikola auf stürmisches Verlangen da capo singen. Auch die übrigen Solisten wurden lebhaft applaudiert. Wie bei der ersten Vorstellung, so fanben auch hier der Stll der Roftüme und Dekorationen, wie die Regieführung überhaupt und die Leistung des Chores unb Orchesters, namentlich bes letzteren berente Begleitung ber Soli allseitige Anerkennung. Aus dem infolge der heißen Witterung ivieder nur mäßig besetzten Hause erscholl den Gästen nach dem letzten Zlktschluß nach vielfachem Hervorruf der Abschiedsgruß „Wiederkommen" entgegen.
Stuttgart, 30. Mai. Die Regierung hat den Landständeti eine umsangreiche Denkschrift über die Hoftheater frage vor- gclegt. Anknüpfend an die Verpflichtung des Staats, ber Krone, für bas abgebrannte Hoftheater sowie für bie Einrichtung unb Aus- ftathmg einen Ersatz zu leisten, legt bie Denkschrift bie thcttsächlichen Verhältnisse bar.
— Zum Theaterucubau iu Barmen bewilligten bie Stadt- perorbneten bas Grunbstück unb einen Betrag bis zu 300 000 Mk.
— Tas Kuratorium des Lbcrfchlcsischcu Städtebuub- Theaters belchloß in feiner Jahressitzung, einen Direktor mit festem Gehalt unb einem Anteil am Reinertrag zu engagieren. Daß bas Unternehmen an sich lebensfähig ist, ergibt der Rechenschaftsbericht bes ersten Geschäftsjahres, wonach ein nicht unerheblicher Reingewinn erzielt ihurbe.
Königsberg r. Pr., 30. Mai. Wie bie „Hartung'sche Ztg." melbct, enibedte RektorHollack imKönigl.Forst einGräber- selb, in welchem sich löOUrnen befanben, bie allerbings größtenteils beschäbigt waren. Ferner wurde eine Anzahl Messerklingen, Lanzeiispitzen, Gewandnabeln, Gürtelschnallen, viele Perlen aus Bernstein, Thon unb Glas, sowie eine römische Münze aus der Zeit Kaiser Gorbians Hl. (238—244) gesunben. Der Funb würbe bem Prussia-Miiseum übertviesen.
— Tas zweite Maiheft der „Südrvestdcutfchcn 3iunb= schau" (Nr. löi zeigt, ihrem Programm entsprechend, ausgeprägt süddeutsch-rheinischen Laudschastscharakter. Lanz Benzmann entwirft an leitender Stelle'ein imeressanies Bill5 poh der Entwicklung Clara Viebigs, wohl bes ’iärfften rheinischen Tichlertaients ber Gegenwart. Eine Reihe 'Diiindjeiter Dichtungen (Verse von Karl Sd)eib, bem rheinischen Poeten unb Herausgeber bes „Avalun", Georg Trepplin) gibt eine Leistungsprode ber jungen Münchener Lilleraturbewegung. „Zeit und Kunst" aus der Feder des Badener Poeten Hermann Eßwein variiert in eigenartiger Behandlung Fragen ästhetischer Kultur, das Leitmouv der ^übweslbeulsd)en Riindschau. Hans Benzmann saßt in einer Besprechung der einschlägigen Litteramr die bleibenden Ergebnisse der Darmstädter Kulturschöpfung zufanimen. Ernst Schur
beleuchtet im Anschluß an die Münchener Vorführungen die ewigen Werte der Orestie.
— Mode und Kunst tu der Frauenkleivung. Diesem interessanten Thema widmet die pon Alexander Kock) in Darmstadt herausgegebene Deutsche Kunst und Dekoration in ihrem Maihesle eine Conderpublikation, bie namentlich burch bie Fülle von Abbilbungen bei unseren Tarnen Beachtung finben wirb In einem flott geschriebenen Aufsatz rollt ber Bahnbrecher moberner Gewerbekunst, Prof. Henry van be Velbe, Weimar, bie Prinzipien- frage auf: Sollen sich unsere Frauen noch fernerhin von ber Mode tyrannisieren lassen, bie sie boch nur zu Sklaven ber verbienst- lusleriien Mobemagazine macht, ober sollen sie sich über biese imroürbige Tyrannei erheben unb unter Entfaltung eigener Geschmacksgaben unb unter Anleitung echter Künstler sich eine Tracht schaffen? Ban be Velbe beantwortet bie Frage in letzterem Sinne, unb zwar unter Darlegung einer solchen Fülle von Gesichtspunkten, bafj bas Stubium bicses Heftes ber Deutschen Kirnst unb Dekoration empsohlen werben barf. Freilich werben viele Tarnen in ben ab- gebilbeien Kostümen von v. b. Velbe bas Ibeal ber Frauenkleidung erblicken, bie Frage, ob biese Kostüme ben Geboten ber Schönheit entsprechen, werben gewiß viele verneinen; ben Gesundheitsgeboten aber tragen sie gewiß Rechnung. Unter den Abbildungen nehmen diejenigen den meisten Raum ein, welche von Pros. v. b. Velbe selbst entworfene Straßen- unb Gesellschafts- toilctten barstellen; ferner finben wir solche von Profeffvr Peter Behrens, Darm stabt, 9)larg. v. Brauchilsch, Else Oppler, Aia Wille u. a., sowie, zum Vergleiche, Ausnahmen aus Pariser Alobehäusern, bie übrigen Teile bes nicht weniger als 80, größtenteils ganzseitige Illustrationen um'crssenben Heftes sind gieichsalls von allgemeinem Interesse; so bie Vorft'ihrung hervorragenb schöner phorographischer Bilbnisse nad) Ausnahmen bes Darmstädter Künstler-Photographen W. Weimer, ferner bie Tier- 9igürd)cn aus Porzellan, welche bie Kgl. Porzellan-Manufaktur in Kopenhagen soeben auf ben Warft gebracht hat unb schließlich noch eine Serie buchgewerblicher Arbeiten unb Entwürfe von R. Grimm (Crefelbu — So zeigt sich bie Koch'sche „Teiitsche Kunst und De- loraiion" als ein sührenbes L rgan. 2Hit Recht wirb von ben ton- angebenben Künstlern unb Kuust-Freuuben die Forderung aufgestellt, daß neben den zahlreichen „Jamilien"-Mode-Journalen auch eine gediegene Kunst Zeitschrift in jede Familie gehört als bestes Erziehnngs- unb Bilbungsmittel sür bie vorwärts flrebenbe kunstbegeisterte Jugenb!


