Ausgabe 
30.12.1902 Zweites Blatt
 
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gterung konnte eS bei genauer Beobachtung der jetzigen Wahlvorbereitungen nicht entgangen sein, wie schwierig es für alle Ordnungsparteien sei, leistungsfähige Kandidaten zu finden.Wir wissen, daß neben anderen mehrere Staatsbeamte und Juristen, welche die Regierung gewiß gern im Reichstag gesehen hätte, gerade aus diesem Grunde der Diätenlosigkeit das ihnen angeborene Mandat ausgeschlagen haben."

Zur Vorbereitung der Handelsverträge.

Nachdem der Zolltarif nunmehr Gesetz geworden ist, und Sie autonomen Zollsätze somit festgeleat worden sind, tritt )ie Frage der Handelsverträge, durch die einzelne Zoll- ätze von den landwirtschaftlichen Mindestzöllen abge- eheu herabgesetzt werden können, für die wirtschast- ichen Kreise in den Vordergrund ihrer Wünsche und Be- trebungen. Bon verschiedenen Seiten wird man doraus- ichtlich bemüht sein, dahin zu wirken, daß Herabsetzungen nicht stattfinden, zumal die von der GroAndustrre ver­langten Zollsätze wohl in keinem Falle im Zolltarif zu^ gestanden worden sind. Ein Teil der Eisen- und Ma­schinenzölle des Zvlltarifentwurfs ist sogar noch dem Kom­promiß zum Opfer gefallen, das die Enbloc-Annahme des Tarifs ermöglichte. Daß man in den davon betroffenen Kreisen darauf Bedacht nimmt, etwaige fernere Herab­setzungen zu verhindern oder die Wiederherstellung der Kommissionsbeschlüsse zu erreichen, ist begreiflich. So wünscht, wie aus Hagen i. W. derKöln. Ztg." gemeldet wird, der Verein d märkischen Kleineisen-Jndustrie in erster Liuie eine c chende Erhöhung der einschlägigen Zollsätze, in zweu öinie eine Nichtbindung derselben behufs etwaiger sp. .cer Erhöhung. Eine besondere Ver­anlassung, sich mit der Frage der Handelsverträge zu be­schäftigen, wird den wirtschaftlichen Kräften, die im Zentralverband deutscher Industrieller zusammengefaßt srnd, durch ein Rundschreiben geboten, das die Mitglieder des Verbandes ersucht, ihre Wünsche der Geschäftsführung des ZentralverbandeS bis spätestens 1. Februar d. I. be­kannt zu geben. Es' soll hierbei namentlich die Möglich- keit des Warenabsatzes nach dem Auslände unter den dort bestehenden Zolltarissätzen und die etwaige Zulässigkeit einer Ermäßigung der Satze des deutschen Zolltarifs berücksich­tigt werden. Tie Angaben wird der Zentralverband streng vertraulich behandeln und lediglich zur Kenntnis der zu- Mndigen Reichsbehörde bringen.

Deutsches Reich.

Berlin- 29. Tez. Der Kaiser und die Kaiserin Empfingen bei der gestrigen FrühstÜckstafel im Neuen Palais den bisherigen Polizeipräsidenten von Berlin, von Windheim und den neu ernannten Polizeipräsidenten von BorrieS. Abends war eine Besichtigung des Weißen Saales im Berliner Schlosse, zu der auch die Staatsminister von Goßler, Studt imo Budde und Staatssekretär von Tirpitz, sowie zahlreiche Herren der Akademie des Bauwesens, Bilo- hauer und andere geladen waren. Heute empfing der Kaiser den anhaltinischen Staatsminister v. Dallwitz und den neuernannten Regrerungspräsidenten von Danzig, von Jarvtzky.

Ter bisherige Kommandant des Linienschiffes Mittels buch", Wallmann, ist zur Verfügung des Chefs des ersten Geschwaders gestellt und der bisherige Kommandeur der Ersten Werfidivision, Stein, zum Kom­mandanten des LinienschiffesWrttelsbach" ernannt worden.

Regierungsrat Reicke ist gestern vom Kaiser als zweiter Bürgermeister von Berlin bestätigt worden.

Eine Entschädigung von 183500 Mark hat dem Vernehmen nach der preußische EisenbahnfiskuS den Hinterbliebenen des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Johan n Friedel zugesprochen, der bei dem Anfang Mai d. I. stattgehabten Eisenbahnunglück bei Zschortau seinen Tod fand.

Köln, 29. Tez. Bemerkenswerte Personalveränder­ungen in der Verwaltung der RheinpvovinH stehen für die nächste Zeit bevor. Wie verlautet, beabfichtigt Ober- vräsident Nasse zurückzutreten. Ms sein Nachfolger wird der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer für die Rhein- strovinz Freiherr von Schorlemer-Lieser genannt. Sicher ift ferner, daß am 1. Februar n. I. der Landeshauptmann Tr. Klein in den Ruhestand tritt und durch den Regie­rungs-Präsidenten von Renvers in Arnsberg ersetzt werden wird. Für den Posten des letzteren ist ein Präsidialrat der Regierung in Koblenz in Aussicht genommen.

Stettin, 29. Dez. Auf der Werft desVulkan" lief heute mittag der von den Norddeutschen Seekabelwerken, Aktien-Gesellschaft, in Nordenham, in Bau gegebene Doppel­schraub end ampfcrStephan" glücklich vom Stapel. Es ist der erste Kabellegungsdampfer, der auf einer deutschen Werft erbaut wird. Tie Taufe vollzog Fräulein Sydow, Tochter des Unterstaatssekretärs im Reichspostamt. Dem Stapellaufe wohnten Staatssekretär Krätke, Unterstaats- sekretär Sydow und Landwirtschaftsminister von Pod- bielski bei.

Dresden, 29. Dez. DasDresd. Journ." schreibt: Nach der heute erfolgten Abnahme des festen Verbandes beim Kronprinzen zeigte sich, daß der Unterschenkel­bruch in bester Stellung, ohne jede Verschiebung und Ver­kürzung geheilt ist. Die Nachbehandlung, die hauptsächlich in warmen Bädern, Massage und passiven Bewegungen bestehen wird, läßt eine volle Wiederherstellung der Funktion des gebrochenen Beines in einigen Wochen mit aller Be- stimmtheit erwarten._____________________________________

Ausland.

Paris, 29. Tez. < ii Kabinettschef Combes, wel­cher seine Kandidatur für bic wurmenden Senatswahlen ausgestellt hat, erläßt einen Wahlaufruf, worin er die Politik der Konzentration und der Reform befürwortet._______

Aus Atadt und Land.

Gießen, den 30. Dezember 1902.

L. U. Herr Professor Dr. Albert Dieterich hat den Ruf nach Heidelberg angenommen.

"Von der Landesuniverfität. Nachdem, wie wir gestern bereits meldeten, Herr Professor Dr. Dieterich einen Ruf nach Heidelberg erhalten hat und wie auS vor­stehender L. ßj.-Mitteilung zu erfahren ist, zu unserem Be­dauern diesem Rufe Folge leisten wird, hat jetzt auch Herr Prof. Dr.Joseph Hcimbergcr (ord. Professor deS Straf­rechts) einen 9iuf an die Universität Bonn als Nachfolger des verstorbenen Professors Dr. Hermann Seuffert er­halten.

Wandkalender 1903.

Wie in den letzten vier Jahren, werden wir auch diesmal einen von Künstlerhand und zwar von Herrn Maler Walther Georgi entworfenen, in unserer Druckerei hergestellten Wandkalender unseren Lesern als Gratisbeilage überreichen. Derselbe wird in der Stadt am Bormittag deS 81. d. Mts. ausgetragen, durch die Zweigstellen und die Post am Sylvester- oder Neujahrstage ver- breitet. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daß, wie auch früher, am Fuße des Kalendariums sämtliche Gießener Märkte aufgeführt find.

Hochachtungsvoll

Verlag desGießener Anzeiger", Brühlffche Drnckerei.

** In militärischen Kreisen verlautet, wie Ber­liner Blätter erfahren, daß zum Geburtstage des Kaisers auf dessen Initiative ein Erlaß erfolgen soll, wonach sämt­liche Sergeanten, die sich tadellos geführt haben, nach neunjähriger Dienstzeit Vizefeldwebel werden sollen.

"Eine neue Arzneitaxe tritt für die Apotheken des Großherzogtums am 1. Januar 1903 in Kraft. Der amtliche Abdruck der Taxe wird demnächst in der Buchhand­lung des Großh. Staatsverlags zum Preise von 1,50 Mark erscheinen.

" Das Verordnungsblatt für die evange­lische Kirche des Großherzogtums Hessen Nr. 12, ausge­geben am 23. Dezember d. I., enthält: 1. Bekanntmachung vom 19. Dezember 1902, betreffend die vorübergehende Ver­tretung S. K. H. des Großherzogs in Ausübung der Sum- mepiskopalrechte. 2. Ausschreiben Nr. 17 vom 26. No­vember 1902, betreffend Ausführung deS Denkmalschutz-Ge­setzes vom 16. Juli 1902. 8. Ausschreiben an die evan­gelischen Dekanate und Pfarrämter (Nr. 18) vom 9. Dezember 1902. 4. AuSschreiben Nr. 19. vom 17. Dezember 1902, betreffend die kirchliche Statistik. 5. Ausschreiben an die evangelischen Pfarrämter (Nr. 29) vom 19. Dezember 1902: Mit unserem Ausschreiben Nr. 17 von 1885 haben wir Sie bereits auf die Thätigkeit des Heffischen Landesvereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke hingewiesen und die Er­wartung ausgesprochen, daß nicht allein Sie selbst gemäß Ihrem geistlichen und seelsorgerischen Beruf den Aufgaben dieses Vereins Ihre Aufmerksamkeit widmen und dessen An­gelegenheiten nach Kräften fördern, sondem daß Sie auch die Kirchenvorstände zur regen Mitarbeit veranlassen möchten. Es war uns eine Freude darnach zu erfahren, wie viele von Ihnen persönlich Mitglieder jenes Vereins geworden sind, und wie eifrig Sie mitgearbeitet haben, Mittel uud Wege auhusuchen, um daß für das geistige und körperliche Wohl weiter Schichten unserer Bevölkerung verderbliche Laster der Trunksucht zu bekämpfen. Ein bei der Zweiten Kammer der Stände des Großherzogtums eingebrachter Gesetzentrvurf ver­langt, daß die Entmündigung wegen Verschwendung ober wegen Trunksucht auch von dem Armenverbande beantragt werden könne, dem die Fürsorge für den zu Entmündigenden im Falle der Htlfsbedürftigkeit desselben obliegen würde. Die neuere Gesetzgebung, die Thatfache, daß eine große An­zahl von Trinkern der Irrenanstalt verfällt und nicht minder die auf dem Gebiet der Strafrechtspflege liegenden Fälle von in der Trunkenheit verübten Verbrechen und Vergehen drängen mehr und mehr dazu, Trinkerheil - An­stalten und Trinker-Asyle (Pflegstatten) zu schaffen. Dem Verein gegen Mißbrauch geistigee Getränke ist es ge­lungen, den Burgbergerhof mit 100 Morgen Land zu er­werben und dort für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen-Nassau eine Trinkerheilanstalt zu gründen, die auch bereits ihre Thätigkeit ausgenommen hat. Da aber )ie Anstalt der Zuwendung größerer Mittel bedarf, um die Kosten deS Ankaufs und der ersten Einrichtung bestreiten zu önnen, ist e8 erforderlich, das Jntereffe weiter Kreise dafür zu wecken. Großh. Ministerium des Innern hat dem Verein die Erlaubnis erteilt, von jetzt bis Ostern zu Gunsten der Heilstätte in den hessischen Gemeinden eine HauSkollekte erheben zu dürfen, und wir wünschen, daß Sie, die evan- gelischen Pfarrämter, nicht nur ihren Gemeindegliedern in begründeter und eingehender, Ihnen geeignet erscheinender Weise hiervon Kenntnis geben, sondern daß Sie auch den ich bei Ihnen meldenden, gehörig legitimierten Kollekteuren mit Rat und Thal ihre Unterstützung angedeihen lassen wollen. 6. Dienstnachrichten. Ernannt wurden: Pfarrver­walter -Germer zu Frischborn zum Pfarroerwalter in Darm- tobt (Stadtgemeinbe); Pfarroerwalter Walter zu Wolfs- )eim zum Pfarroerwalter in Frischborn, Dekanat Lauter­bach; Pfarroerwalter Weber zu Eich zum Pfarroerwalter in Wolfsheim, Dekanat Wöllstein. Gestorben ist: der eo. Pfarrer Dr. Friedrich Grein zu Darmstadt, Dekanat Darmstadt, am 30. Nooember. 7. Aufforderung zur Bewerbung. ZurWiederbesetzung wird ausgeschrieben: eine cd. Pfarrstelle an der Stadtgememde zu Darmstadt.

** Das Großherzogliche Regierungsblatt, Beilage Nr. 30, ausgegeben am 27. Dezember d. IS., ent- )ält: 1. Bekanntmachung, die Arzneitaxe für die Apotheken des Großherzogtums betreffend. Vom 22. Dezember 1902. 2. Bekanntmachung, die Vergrößerung des Freiherrlich Heyl'schen FamilienfideikommissesGuntershausen* betreffend. Vom 12. Dezember 1902. 3. Bekanntmachung, die Er­gänzung und Vergrößerung des Freiherrlich Heyl'schen FamilienfideikommissesHerrnsheim" betr. Vom 12. De- i ember 1902. 4. Namensveränderungen. 5. Zu- lassungen zur Rechtsanwaltschaft. Am 22. November wurde der Gerichtsassessor Johannes Welte-r in Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bet dem Amtsgericht Alzey, am 9. De- zember wurde der Gerichtsassessor Otto Heyl in Offenbach jur Rechtsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Vilbel, an »emselben Tage wurde der GerichtSaffessor Emanuel Roth- child in Offenbach zur Rechtsanwaltschaft bei dem Amts­gericht Langen zugelassen. 6. Dienstnachrichten. Am : 9. November wurde dem Geometergehilfen Karl genannt Friedrich Stork aus Ruppertsburg daS Patent als Geouteter 2. Klasse für den Kreis Schotten erteilt. Am 26. November wurde der Lehrerin Elise Gölz zu Vilbel, im Kreise Fried­berg, eine Lebrerinnenstelle an der Volksschule zu Darmstadt übert agen. Am 20. Dezember wurde der von den Herren Freiherrn Riedcsel zu Etsenbach auf die 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Altenburg, Kreis AllSfeld, präsentierte

Schullehrer Heinrich Weber zu Hopfmannsfekd, KretS Lauter­bach, für diese Stelle bestätigt. 7. Ruhestandsversetzungen. Am 29. Oktober wurde der Schullehrer an der Gemeinde, schule zu Gedern, Kreis Schotten, Friedrich Spitznagel, aus sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, in den Ruhestand versetzt. 8. Konkurrenz, eröffnungen.

** Stadttheater. In den jetzigen Tagen ,zwischen den Jahren" erscheint uns eine Ausführung von Schillers Räubern" als eine etwas schwere dramatische faft selbst wenn sie durch das Gastspiel eines geschätzten Franks furter Gastes gut gewürzt ist. Wohl jeder von unL har tm Laufe des nun zur Rriste gehenden Jahres so viele un­erfreuliche Charakterzüge im Menschen kennen gelernt oder Jntriguenspiele teils direkt, teils indirekt erfahren, daß er des großen dramatischen Bühnenspiels Schillers, das jetzt bereits 120 Jahre auf dem deutschen Theater heimisch ist, bei seinem Bilanzabschluß an der JahreÄvende wohl entbehren kann. Nichtsdestoweniger aber wird der Besuch der gestrigen Vorstellung niemarid gereut haben, denn die Aufsührung war eine gleichmäßige und gut abgerundete, die des jungen Karlsschülers großes Erstlingsdrama mit der durchgreifenden pathetischen Beredsamkeit und der sicheren, dramatischen, echt poetischen Kraft in voller Schön­heit zur Geltung kommen ließ. Herr Max Bayrhammer vom Frankfurter Schauspielhaus bot mit seinem Franz Moor eine Leistung dar, die Stoff zu einem langen Feuilleton liefern würde, wenn es der Raum gestattete. Ter Künstler zeichnete mit besonderem Geschick das ivahrhast Teuflische und das unsagbar Niedrige und Gemeine dieser Kreatur, die selbst vor dem Vatermord nicht zurückschreckt, um äußeren Glan^ und Machttnittel zu erreichen. feiner psychologischer Pointterung führte Herr Bai)rhammer das Gaukelspiel von dem angeblichen Tode seines Bruders Karl auf den böhmischen Schlachtfeldern vor dem zu Tode erschreckten greisen Vater auf und ebenso bühnengeschickt, wie realistisch packend war die große Szene mit Amalien im Kampfe um deren Besitz. Ter Künstler wurde hier mit Recht durch mehrmaligen, stürmischen Hervorruf ausge­zeichnet. Eine würdiae Partnerin war ihm Frl. W ü r t e m berg, welche ihre diffizlle Rolle mit darstellerischer Ge. wandthett durchführte. Ten Karl Moor spielte Herr Ger. lach kraftvoll in der Haltung und mit Temperament und Gemütstiefe in den Wandelszenen deö RäuberlagerS; er hätte nur in der ersten große:: Szene in, der Kennzeichnung des tiefen Seelenschme^es mit seinen stimmlichen Mitteln ein wenig haushälterischer umgehen dürfen. Herr Töpfert war in der Rolle des alten Moor gut angemessen, und auch der Kosinski des Herrn Brosch, wie der Hermann des Herrn v. Stahl waren tadellos. Recht gelungene Charakter- zeichnungen boten noch Herr H e y p e r tz als Roller und Herr Ramseyer als Schweizer, während der Spiegelberg und die frömmelnde Magistratsperson den richtigen Ton nicht besonders glücklich trafen. Herr Ger lach führte die Regie mit anerkennenswerter Umsicht.

Wetzlar, 29. Dez. Am 23. Dezember waren nicht weniger als 48 reisende Handwerksburschen hier an» wesend, von denen 22 in der Herberge Aufnahme fanden, während von den übrigen 26 Obdachlosen 10 im Zimmer für Obdachlose, zwei auf der Hauptwache und der Rest von 14 auf Kosten der Stadt in der AlbuS'schen Wirtschaft unter­gebracht wurden.

Schotten, 29. Dez. Am zweiten WeihnachtSfeiertag verschied hier der Großh. Kreisarzt, Medizinalrat Dr. Lari Drescher.

Mainz, 29. Dez. Laut Anschlag deS hiesigen Poli- getarntes hat die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt auf die Er» greifung deS flüchtigen Mörders, der am 18. dS. Mts. zwischen Hülsweiler und SchwarzenholS die auf dem Rück­wege von Saarlouis begriffene 19jährige standeSlose Katha- rina Dell aus Obersalbach durch Schläge auf den Kopf, einen Stich in den Rücken und tiefe Schnitte in den Hals ermordete und beraubte. Man nimmt an, daß der Mörder ein Mann mittlerer Größe mit schwarzem Schnurrbart sei, der gesehen wurde, als er die Dell ein Stück Weges be- gleitete. Bekleidet war derselbe mit dunklem Anzug und weichem schwarzem Filzhut. Geraubt wurden der Ermor­deten ein Portemonnaie, ein Packet mit Stoffen und eilt Gebetbuch. Das Dampfboot .Gerard Johanna' wurde heute vormittag im alten Winterhafen zwangs­weise versteigert. Höchstbietender blieb eine auswärtige Rhedersirma namens Bauer, der daS Schiff mit 10000 Mark, welche Summe sofort zu entrichten war, zugeschlagen wurde. Das Boot gehörte einem holländischen Schiffer, den es 30 000 Mark gekostet hatte. Im Sommer v. Js. rannte der Schiffer mit einem Frachtschiffe bei Bonn zusammen, und wurde er für den entstandenen Schaden haftbar gemacht und zur Entschädigung oerurtcilt. Ueber ein Jahr lang lag daS Boot am Fischthor beschlagnahmt vor Anker.

Vermischtes.

Berlin, 29. Tez. Tie Abendblätter melden: Ve« trü g er ei en eines Expeditionsbeamten der Berliner Maschinenbauakticngesellschast Dornt. L. Schwär tzkopfs ind jetzt aufgodeckt worden. Ter Expedient hatte sich durch gefälschte Frachtbriefe Waren verschafft und diese dann äu Geld gemacht. Es handelt sich um einen Betrag in Höhe von 30 000 Mark. Ter Teftaudant wurde verhaftet. Die Nationalbank für Deutschland teilt mit: In )er Wechselstube der Nationalbank in Potsdam ist seitens des flüchtig gewordenen zweiten Vorstandsbeamten Albert Heyde eine Unterschlagung begangen worden. Heyde ver­untreute 94 500 Mk. aus der Couponskasse. Heyde war eit 1889 im Dienste der Dank. Tie sttasrechlliche Ver­folgung gegen den Flüchtigen, der sich vermutlich im Besitze eines großen Teiles der von ihm entwendeten Beträge befindet, ist cingeleitet. Heyde hat sich anscheinend ins Ausland geflüchtet. Aus hinterlassenen Briefen an seine Frau geht hervor, daß er die Absicht hat, sich im Auslande mit dem mitgenommenen Gelde, das wohl nur eine geringe Summe darstellt, eine neue Existenz zu gründen. Bisher fehlt jede Spur von dem Flüchtling.

Crimmitschau, 29. Tez. Infolge Blutvergif» t u n g starb hier der in der Schweiz geborene Oberspielletter der gegenwärtig hier gastierenden Theatergesellschaft Drum­mer, itarl Heuberger. Der Verstorbene hatte eine kleine Wunde am Fu^, die durch 2Tb färb en der Strümpfe Blut­vergiftung und nach kurzer Krankheit den Tod herbeiführte.

M ann heil.:, 29. Tez. Nach verNeuen Badischen Landesztg." stürzte heute Dormirtag im Hof- und Natio- nabTheater bei iz.. Probe zum LustspielIm bunten Rock'"