Dienstag 3V. Dezember 1908
ISS. Jahrgang
Zweites Blatt.
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J>ie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
Nie Kronpriuzefstn von Sachsen.
Der Konflikt mit Venezuela.
'teilgehen erzeuge in Südamerika Verachtung für die euro-
Nr. 805
»rscheiut täglich außer Sonntag».
Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem hesstschen Landwirt die Siebener Familien. Hättet viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'ichen Untveri.-Buch- u.Stein- druckerei (Pieksch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei:
Gchnlstraße T.
Ilbrefle für Depeschenr «nzeiger Gieße«.
Krrnsprechanschluß Nr. dl.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
beschränken sich besser auf eine Feier im eigenen Heim. In der That wird denn auch der berühmte Berliner Sylvesterlärm meist von jungem Volk und den unvermeidlichen Gewohnhcits-Nowdies ausgeführt. Tas weibliche Element ist außer den Pflastertreterinnen von Be- und Verruf nur in wenigen, bald verschüchterte:: Exemplaren vorhanden. Tas bessere Publikum besteht zumeist aus neugierigen Fremden, oie in der Regel ziemlich enttäuscht gegen ein Uhr in ihre Hotels zurückkehren. Ter gebildetere Teil der Bevölkerung feiert daheim, wo man ebenso viel Vergnügen und mehr Stimmung haben kann. Blei gegossen wird Haus bei Haus, und da sich Großberlin in der Herkunft seiner Einwohner aus allen Gauen des Reiches rekrutiert, so werden je nach der Heimat auch ostpreußische, rheinische und andere Syloestergebräuche wieder ausgenommen. Als Festspeise figuriert der Sylvesterkarpfen, der in tausenden von Zentnern verkonsumiert wird; doch kommt daneben auch der Hering in Salatform zu seinen: gnten Recht. . . t
Tie Neujahrswünsche der Berliner, sowert sie durch die Post ihre Beförderung finden, sind abgesehen von den üblichen Schablonenkarten, etwas derber Natur. Man kann in den Schaufenster-Auslagen mitunter recht saftige und kräftige Sachen sehen; doch ist das in früheren Jahren beliebte rüde Genre so ziemlich von der Bildfläche verschwunden, was nicht ausschließt, daß man's auf der Straße oder im Restaurant von zweifelhaften Hausierern mit geheimnisvollem Augenzwinkern und widerwärtigen Schmunzeln dennoch angeboten bekommt. In dieser Millionenstadt findet alles seine Liebhaber! Tie Neujahrswünsche der Berliner für die Entwickelung ihrer stolzen Metropole, der durch den Betriebs-Anfang der Hochbahn im abgelaufenen Jahre ein neuer Reiz geschaffen wurde, find ziemlich zahlreich. Hoffentlich bringt ihnen 1903 die Bestätigung des neuen Bürgermeisters, eine Verbilligung des Ringbahntarifs, den Friedensschluß für den Milchftieg.
Plaudereien aus der Kaisersiadt.
(Nachdruck verboten.)
Der „zweite Festtag" der Berliner. — Sylvestervorbereitungen. — Neujahrswünsche der Berliner. — Der alte Fritz als Neu- jahrsgratulant.
Während die Engländerin tief beleidigt ist, wenn ihr der Gatte den .Vorschlag macht, einmal im Restaurant zu sveiien weil sie das als eine abfällige ftritiE der eigene:: !>wchkunst ansieht, überzieht das Gesicht der Berliner Hausfrau ein fröhliches Schmunzeln bei. einem zolchen Plane. Sie ist dann durchaus nicht empfindlich, und freut sich, dem entsetzlichen „Küchentratsch" einmal für emen Vormittag entrinnen zu können Lo ist es denn beinah selbst- verständlich geworden, auch :n kleuckürgerlrche:: Kreisen, daß man am zweiten Festtag, wo d:e Fee mit dem Kochlöffel sich als Tanzsee produziert, en sannfte rn eines der mwßen Bierhäuser, oder wenns langt, zum Kaiserkeller und anderen Weinstuben pilgert, und dort das ÖZenu herunter- ?üt das tine ganze Reihe von Gängen aufweist und meist jj'tpfir reiflichen Portionen serviert wird.
Trotz des regnerischen Sturmwetters — und trotz der /flechten Zeiten, war auch der eben verflossene „zweite K ttaa" ein racher Crntetag für die Berliner Speisewirte, Ms gegen vier mid fünf Uhr nachmittags alle Tische n!it Mittagsgästen besetzt hatten, Mid vielfach ganze Schwärme Platz uchender wieder fortschicken mußten. Auch der SylvesteraÄnd wird vielfach m Restaurants zugebracht; Familien, die miteina:ider harnwnieren, finden sich zusammen und nehmen an der mitunter ziemlich tollen fiustiakeit die sich gegen die Mitternachtsstunde hin ent- K lt lebhaften ^AnLl. Menschen mit etwas sensiblen Nerven freilich, die drei Leierkasten aus einmal, womöglich noch durch die Klänge einer Ziehharmonika verstärkt in ainem Raum für 50-4>0 Personen für M viel halten,
Wie vorauszuseben war, hat die Ablehnung des Schiedsrichteramtes durch Präsident Roosevelt dem halb- verrückten Abenteurer Castro wieder ganz gewaltig den Kamm schwellen lassen. Bekanntlich verlaiigt die deutsche Negierung als Punkt 1 für ihre Bereitwilligkeit, die ganze Streitsache einem Schiedsgericht zu unterbreiten, eine Entschuldigung Castros. Wie jetzt der ,Fokalanz." au3 La Viktoria meldet, habe er auf die Frage, ob er bereit sei, die Mächte um Entschuldigung zu bitten, ausdrücklich, persönlich erklärt: ,-General Castro Hut nichts zu entschuldigen!" Bei diesen Worten brach die Umgebung des Präsidenten in lebhafte Hochrufe aus ihn aus. — Ob diese Hochrufe sich auch noch fortsetzen werden, wenn die deutschen Kanonen endlich einmal anfangen, eine noch deutlichere Sprache zu führen, als seither?
Nach weiteren Meldungen des Berliner Blattes aus Newyork habe Präsident Castro sich in einem Interview sehr zufrieden mit dem Resultat der bisherigen diplomatischen Aktion erklärt. Er hätte den Präsidenten Roosevelt als Schiedsrichter voraezogen, doch sei er überzeugt, daß wenn die näheren Thatsachen bekannt würden, die Welt ibie Ruhe und Mäßigung des venezolanischen Volkes be- >wundern würde. (!!!) Tas deutsche u:tb englische Vor-
Politische Tagesschau.
Die Diätensrage für den Reichstag
scheint so leicht nicht wieder zur Ruhe zu kommen. DeL Berliner Korrespondent eines mitteldeutschen Blattes meint, es scheine wieder die Meinung die Oberhand bekommen zu haben, daß man in dieser Frage kein Zugeständnis machen könne, wenn nicht gleichzeitig auch das Wahlrecht selbst eine Einschränkung erfahre. Diese Annahme erachten wir für durchaus unbegründet. Reichskanzler Graf Bülow hat sich privatim nicht bloß für Einführung von Diäten, sondern noch ganz besonders dabei dagegen ausgesprochen, daß man die Diätensrage benutzen könne, um Aenderungen des Wahlrechts herbeizuführen.
Eine interessante Ausführung zur Tiätenfrage bringt die „Dresdener Ztg." Tas Blatt hebt hervor, daß alle sachlichen Gründe für ein Votum SachsenS im Bundesrat zu Gunsten des Tiätenantrags sprechen. Der sächsischen Re-
veHUgsPret»» monatlich 7bPs.. viertes jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen lür bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich für! den polit. u. allgem. Teil t.V.: Fr.Hannemann; für,Stadt u. 2anb* und „Gerichtssaal*: Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Bech
und einen Polizei-Präsidenten, der bei TenkmalswecheN, Paraden usw. nicht so viel absperren läßt, wie sein Vor-, gäuger! „Man" ist so gen: dabei, wenn „was los"! ist! Und trotz aller Nörgelei. ist „man" doch stolz uno freudig erregt, wenn man den Kaiser so recht in der Nähe gesehen hat!
Tie alten Zeiten freilich, in denen der Preuß'nkonig auf seinem Sch:mrnel von der Siraßenjuge:ck umsprungen wurde und sich mit dem Krückstock selbst den Weg frei machte, sind enbgiftig dahin und durch kein Polizeigeniy wieder herauf zu beschwören. Es war eben eine andere Zeit, als der alte Fritz noch lebte. Man war palriarchOM lischer und trotz aller Rangunterschiede vielmehr zusammen- gehörig als heute. Ter Berliner Gardeoffizier, der heute wie ein Ganzgott auf die gewöhnlichen Sterblichen her- unterfieht, hafte sich damals auch noch nicht ganz zu der Erhabenheit emporgeschwungen, in der wir ihn heute bewundern. Wenigstens erhellt das aus etlichen Neujahrs- wüuschen des große:: Königs, die sich in den Parolebüchern des Regiments von Thümen finden. Ta heißt es untetnt 31. Tezember 1781: ,Hhre Majestät der König lassen alle Herren Offiziers zum neuen Jahre gratulieren, und die nicht so find, wie sie sein sollen, möchten sich bessern!" Und noch kräftiger wird der Ton zwei Jahre später, wo der König sich also vernehmen läßt: „Ihre Majestät der König lassen alle guten Herren Offiziers vielmals zum neuen Jahre gratulieren und wünschen, daß sich die übrigem so betragen, daß Sie ihnen künftig auch gratulieren können". — Ta ich kein König und mit allen meinen Lesern über die Maßen zufrieden bin — ach, wenn doch' das auf Gegenseitigkeit beruhte!" — so gratuliere ich ausnahmslos von ganzem Herzen zum neuen Jahre und! grüße freundlichst mit dem Wunsche: „Auf Wiedersehn 1903!" A. R
ist und jetzt mit ihm in Genf lebt. Ihr Bruder, der mit einer nicht im besten Ruse stehenden Dame ebenfalls dahin geflüchtet ist. leistet ihr Gesellschaft. Eine falsche Sentimentalität, die alles beschönigt und verzeiht, und eine überschwängliche Verehrung, die soyar die Schuld dem Verletzten und Hintergangene:: beinnßt, ist hier nicht mehr am Platze. Das sieht jetzt auch in der Hauptstadt jeder Verständige ein.
Daß eine tiefere Neigung der Beiden vorliegt, erhellt auch daraus, daß die Kronprinzessin den Staatsminister Dr. Rüger in Gens nicht empfangen hat und bestimmt auf eine Lösung ihrer Ehe durch den Papst hofft. Und man spricht vor: einen: Uebertritt zum Protestantismus, falls der Papst in die Lösung der Ehe nicht einwillige. Die Kronprinzessin ist in Gens noch unter ihrem vollen Namen (nicht etwa als Erzherzogin) angemeldet. Tie Mutmaßungen, die daraus entstanden, daß die Kronprinzessin nicht auf ihre Ansprüche an das Königshaus verzichte, müssen, da sie ja eine fernere eheliche Gemeinschaft nicht wünscht, dahin gedeutet werden, daß sie bei ihrer Mittellosigkeit wohl Anspruch auf eine Apanage erheben wird.
Vom Ergehen der Kronprinzessin in Genf wird der „N. Fr. Presse", die besonders eifrig alle von ihren Reportern erhaschten Kleinigkeiten verzeichnet, berichtet: Kronprinzessin Louise fühlt fid: etwas leidend und brachte die letzten Tage in: Bette zu. Sie erhielt zahlreiche Briefe unter ihrem vollen Namen und Titel. Im übrigen heißt es, die Kronprinzessin sei so guter Laune, daß sie an ihre nächste Umgebung zuweilen Scherzworte richte. Einem Sachsen, den sie empfing (ft, bemerrte sie: „Ich liebe die Sachien, besonders die schlichten." Sie sei Giron in inniger Liebe zugethan. Daß ihr Gatte sie noch liebe, wisse sie. Die hoffe, Giron schließlich trotz der vorliegenden Schwierigkeiten eheliche:: zu können. Die Kronprinzessin wird täglich aus der Genfer Leihbibliothek Corraterie mit Büchern versehen. In den ersten Tagen ihres Aufenthaltes las sie Französisch „LeS Curiosites esthetiques" von Beandelaire, „Le voyage en Orient" von Gsrard de Nerval. Die Lektüre des letztgenannten Buches hängt Wohl mit der ursprünglichen Absicht der beiden flüchtigen Paare, nach Mgypten zu reisen, zusammen. Gegenwärtig glaubt man, daß nur der Erzherzog und Fräulein Adamovic diese Reise unternehmen werden. _______
mische Civilisation, was er bedauere. (!?) Ter Regierung zu Washington sei er dankbar für Rat und Hilfe.
Taß diesem albernen Geschwätz gegenüber bte Reichs? regierung vollständig ihre kühle Haltung und Ruhe bewahrt, zeigt folgende offiziöse Note der „Nordd. Atlgem. Ztg.": Tie amerikanische Mitteilung, wonach^Präsident Roosevelt bedauere, den Schiedsspruch in der veneKolcmk chen Angelegenheit nicht selbst übernehmen zu könnein, st am Samstagabend hier überreicht worden. Es tritt nunmehr die von Teutschtand und England in der Note vom 23. Tezember gegebene und durch den Anschluß Italiens ergänzte Erklärung in Kraft, wonach die Mächte mit gewissen Vorbehalten bereit find, den Strettfall dem internationalen Schiedsgerichtshof im Haag zu unterbreiten. Weiter wird auS Berlin, 29. Tez., berichtet: Während man in Washington mit der baldigen Aufhebung der Kriegsblokade gegen Venezuela rechnet, ist anjtefigen mit unterrichteten Stellen von einer derartigen Absicht nichts bekannt. Zur Zeit wenigstens wird die Freigabe der verre^ zolcmischen Küste nicht erwogen. Von dem Fortgänge der Verhandlungen über die Berufung des Haager TribunalSs wird es abhängen, ob die Mächte sich zu einer Rückgängigmachung der Blokade verstehen toerben.
Wie man sonst in Berlin die ganze Angelegenhesi beurteilt, besagt eine an unS gerichtete Zuschrift eine^ besonderen Berliner Mitarbeiters, in der es heißt: Ter Venezuela-Streitfall wird also ent)giftig dem internationalen Schiedsgerichtshof im Haag unterbreitet werden, nach, dem Präsident Roosevelt den Schiedsspruch abgelehnl hat. Mindestens ist man einen Schritt weiter gekommen^ der Ungewißheit und dem Hin und Her, ob Roosevelt überhaupt, unter welchen Bedingungen und Klauseln sich berett finden lasse zum Schiedsrichteramt, ist ein Ende gemacht. Mit um so größerer Geduld wird auf die Entscheidung des Haager Schiedsgerichts zu warten fein. Präsident Castro, dieser Meister in Verschleppung^ undVerdunkelungskünsten- „begrüßt das Haager Schiedsgericht, obschon er, einer Newyorker Meldung zufolge, Roosevelt als Schiedsrichter vorgezogen hätte. Herr Castro hofft, daß die Welt die Ruhe und Mäßigung des venezolanischen Volkes bewundern würde, wenn die näheren Thatsachen bekannt würden. Danach richtet sich der stofte General, der nach seinen Worten „nichts zu entschuldigen hat", auf einen höchst unu fangreichen Nachweis ein, daß er sich int Recht befindet Tie nächste Folge der Ueberweisung deS StteitfallS an das Haager Schiedsgericht dürste die Aushebung der Kriegsblvkade fein, die, was wieder Castro zu statten kam, von den Vereinigten Staate:: ans geschäftlichen Grün- den so unangenehm empfunden wurde.
Zn dem Drama am sächsischen Königshofe nimmt jetzt ein MchsischeS Regierungsoraan, die „Seidiger Zeitung", das Wort. Das Blatt schreibt: Der Grund der Kronprinzessin, die Beziehungen zu ihrem Gemahl und dem Königs- Hause abhubrechen ist, wie wir auf Grund zuverlässiger Informationen mitteuen können, in der Entstehung ebenso wie in der schließlichen Ausführung, was durch inzwischen aufgefundene Belege ic. untrüglich nachgewiesen ist, einzig und allein auf das unerlaubte Verhältnis zurückzuführen, das die Prinzessin mit dem Jett Jahresanfang tnt kronprinzlichen Hanse an gestellt gewesenen, aus Belgien stammenden Lehrer, unterhielt. Nachdem der Lehrer das kronprinzliche HauS verlassen hatte und aller Wahrscheinlichkeit nach auch schon vor dem Ausscheide:: aus feiner Stellung, waren vorbereitende Schritte zur gemeinsamen Flucht getroffen und bis zur Abreise der Prinzessin von Dresden nach Salzburg mit Erfolg fortgesetzt woroen, sodaß schließlich die Flucht von Salzburg unternommen uno das Zusammentreffen der Prinzessin mit dem Lehrer in Zürich verwirklicht werden konnte. Von ,ba setzte die Prinzessin die Reise tn Begleitung des Lehrers nach Genf fort, woselbst sie sich dermalen noch gushalten soll. Angesichts des Herganges, wie er sich thatsächlich vollzog, müsse:: von selbst alle Gerüchte und Mutmaßungen zusammen fallen, die in einem Teile der Tagespresse anläßlich des bedauerlichen Ereignisses verlautbart wurden und eS stellen sich in Sonderheit die auf vollkommene Unkenntnis der Verhältnisse beruhenden Behauptungen als der Wahrheit zuwcher- laufend dar, wonach die Kronprinzessin unter dem Drucke eines sie beengenden Zeremoniells dazu getrieben wurde, sich dieser Fesseln zu entledigen, wie beim auch das weitere AnsÜhren, daß ein inneres, tiefes Zerwürfnis mit dem Kronprinzen und von dieser Seite erfahrene Unbilden den Anlaß zur Flucht der Kronprinzessin bot, als ein durchaus unwahres zu bezeichnen ist.
Tas evangelisch-lutherischeLandes-Konsi- ftorium des Königreichs Sachsen hat, wie ans Dresden gemeldet wird, mittlerweile eine Verordnung erlassen, wonach dieKronprinzessinLouise fortan vom Kirchen- gebet ausgeschlossen sei. Für die sächsischen Behörden gilt die Kronprinzessin nicht mehr als Mitglied des königlichen Hauses. — Ob her Papst zu einer förmlichen Ehescheidung ferne Einwilligung geben wird, gilt als zweifelhaft. — AuS Mailand mird gemeldet: Der gut unterrichtete vatikanische Berichterstatter der „Perseveranza" erfährt, daß in den betreffenden maßgebenden Kreisen die Ansicht herrsche, ein Antrag auf Ehescheidung werde überhaupt nicht gestellt werden, da bereits jetzt in Dresden bekannt sei, daß ein solcher Antrag bestimmt adgelehnt werden würde.
Das „Leipziger Tageblatt" meldet .auS Dresden: Ein auswärts verbreitetes Gerücht, der Kronprinz habe ein Due11mit Erzherzog Leopold Ferdinand gehabt, bezeichnet Staatsminister Metzsch als baren Unsinn. Dasselbe Blatt berichtet, König Georg beabsichtige, wie versichert werde, dem sächsischen Volke in Sachen der Kronprinzessin vollste Klarheit zu geben.
Ein Dresdener Berichterstatter schreibt noch: Die (Stimmung beginnt amh in der Dresdener Bewohnerschlsit umzuschlagen. Solange man noch nicht bie wahren Beweggründe kannte, die die Aronprinzessin zur heimlichen Flucht veranlaßten, hätte mau auch hier nicht genug Worte des Mitleids für den einstigen Liebling der Dresdener. Aber ableugnen läßt suh nun nickt mehr, daß die Kronprinzessin einem um zehn Jahre jüngeren Manne zu Liebe geflüchtet


