Ausgabe 
30.9.1902 Erstes Blatt
 
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tüte Mtnrrnte Summe, o!B Sterkegeld', bei dem Dode Drer Mitgliever an die Hinterbliebenen cruSzuzahlen. Ms Mit­glied konnte jeder hiesige unbescholtene und gesunde Ein­wohner vorn 21. bis 45. Lebensjahre ausgenommen wer­den. Auch konnte jedes Mitglied seine Gattin beischreiben lassen. Zur Bildung einer Rücklage war beim Eintritt in die Gesellschaft ein dem Alter entsprechend festgesetztes Eintrittsgeld zu bezahlen, während bei jedem Sterbefall ein Beitrag erhoben wurde. Bei der damaligen Knappheit des Geldes hat die Gesellschaft öfters vor der Auflösung gestanden. Viele Mitglieder zahlten jahrelang keine Bei­trüge und wurden bei fortgesetzter Vernachlässigung ihrer Pflichten aus der Gesellschaft ausgeschlossen Es wurde daher auch die größte Sparsamkeit geübt; sogar der Rechner der Gesellschaft mußte zeitweise aus jegliche Vergütung für seine geleistete Arbeiten verzichten. Im Jahre 1825 hat die Gesellschaft den ersten Leichenwagen bauen lassen. Da ein passendes Lokal zur Unterbringung des Wagens nicht vor­handen war, so hat der Vorstand beim hessischen Kriegs­ministerium in Darmstadt um Ueberlassung eines Raumes im Zeughause nachgesucht. Die Eingabe hatte jedoch keinen Erfolg. Einem weiteren Gesuche an die Stadt, den Wagen in einem Lokale an der Waage bei der Armenschule unter­stellen zu dürfen, konnte ebenfalls nicht entsprochen werden. Erst 1826 wurde die Scheuer des Herrn Pfarrer Engel zur Verfügung gestellt. Im Jahre 1836 ließ Die Gesellschaft einen Kinderleichenwagen und ein Leichenwagenhaus er­bauen. 1850 wurde ein zweiter Leichenwagen für Er- wmhsene angeschaft. Die damalige Schuhmacherzunft in Gießen war ebenfalls im Besitze eines Leichenwagens und erklärte sich bereit, denselben an die Gesellschaft abzutreten. Eine Einigung konnte jedoch nicht erziett werden. Die Schuhmacher verkauften ihren Wagen daher nach aus­wärts. Gegenwärtig verfügt die Leichenkasse-Gesellschaft über drei in sehr gutem Zustande befindliche Wagen nebst Pferdegeschirren und Pferdedecken. Die Preise für Be­nutzung der Wagen sind mäßig. Die Mitgliederzahl war statutengemäß vop Anfang an eine beschränkte. 1843 durfte der Mitgliederstand die Zahl 120, im Jahre 1855 die Zahl 200 nicht übersteigen. Das Vertrauen zu der Gesellschaft und die eigentliche Bedeutung des Unternehmens kenn­zeichnet sich am besten daran, daß von jeher alle Berufs­stände zu den Mitgliedern gezählt haben. Man findet neben schlichten Bürgern Geistliche, Lehrer, Rechtsgelehrte, sogar einen Bürgermeister als Mitglied. Namen, die heute noch einen guten Klang haben, ziehen sich wie silberne Fäden durch die ganzen Acten. Enkel find Nachfolger ihrer Großväter geworden. In vielen Hunderten von Füllen ist die Gesellschaft in der Lage gewesen, ihren Mitgliedern beim Eintritt e-ines Sterbefalles sofort das Sterbegeld zur Bestreitung der notwendigen Ausgaben zur Verfügung stellen zu können. Hoffen wir, daß die Gesellschaft auch bei der Neueinrichtung ihren noch vorhandenen Mitgliedern in der seitherigen Weise gerecht werden kann.

** Hessischer Handelskammertag. Sonntag, den 12. Oktober findet, wie schon gemeldet, in Mainz im Stadtverordnetensaale ein Hessischer Handelskammertag statt. Die Tagesordnung ist: 1) Ausführung des Handels- kammergesetzes. 2) Geschäftsordnung für den Hessischen Handelslammertag. 3) Feststellung von Grundsätzen für die Verteilung des Staatszuschusses zu den Kosten der Handels­kammern. 4) Kaufmännisches Fortbildungsschulwesen und Veranstaltung von Ausbildungskursen für Lehrer an den kaufmännischen Fortbildungsschulen. 5) Stellungnahme in der Zolltariffrage im Hinblick auf die Beschlüsse der ersten Lesung der Zolltariftommission des Reichstages. 6) Die in Aussicht genommene reichsgesetzliche Abkürzung der Ar­beitszeit und .Verlängerung der Mittagspausen für Ar­beiterinnen über 16 Jahre. 7) Errichtung einer Reichsbank­haupt stelle in Hessen. 8) Bedeutung der Handelskammern als Vertretung an Handel und Industrie. 9) Uebermittelung der Eisenbahnfahrplanentwürfe an die Handelskammern. 10) Fristbemessung für Anträge auf gemeinsame Beratung von Einläufen allgemeiner Bedeutung durch den Hessischen Handelslammertag. 11) Uebermittelung vertraulicher 9iach- richten über Handelsbeziehungen mit dem AnSlande an die Handelskammern.

Reise Erdbeeren um diese Jahreszeit an einem Feldweg zu finden, gehört gewiß zu den Seltenheiten. Ein Freund unseres Blattes in Odenhausen schreibt uns über einen solchen Fund:Bei meinem heutigen Spaziergang fand ich die hier beigefügten drei völlig reifen Erdbeeren an einer Bahnbäschung in einer allerdings sehr geschützten Lage. An derselben Stelle befinden sich auch noch einige halbreife Früchte, welche, wenn die Herbstsonne noch einige Tage anhält, ihrer Reife ebenfalls entgegengehen werden.

Patentliste für Hessen. (Ausgestellt von den Patentanwälten Gerson u. Sachse, Berlin S.W., Friedrich-

3ola infolge eines Familiendramas Selbst­mord begangen habe. T<rs Gerücht verdient keinerlei Glauben. Tas Ehepaar Zola hatte aestern mehrere Freunde zu sich gebeten, und außerdem Vorbereitungen getroffen, um in den nächsten Tagen nach Italien zu reifen. Ein nationalistischer Verleger läßt in den Straßen von Paris eine Schmähschrift, betiteltTestament Zolas", feilbieten, welches die gröbsten Beschimpfungen gegen den Verstorbenen wegen dessen Teilnahme an der Treysusaffaire enthält.

Madame Zola tonnte gestern abend erst vor dem Staatsanwalt einige Erklärungen geben. In der Nacht sei sie unwohl geworden und habe ihren Mann gebeten, das Fenster zu öffnen. Er sei aufgeflanoen, aber plötzlich auf den Boden hingestürzt, ohne einen Laut von sich zu geben. Sie fühlte sich selbst zu schwach, um aufstehen zu können, und sank rasch in Bewußtlosig­keit. Man teilte ihr dann schonend den Tod ihres Gatten mit, was sie gefaßt ertrug. Sie verlangte, bei der Leiche zu bleiben. Tie Aerzte des privaten Krankenhauses Tefau in Neuilly erklärten, Madame Zola würde in kurzer Zeit hergestellt sein.

Man spricht von einer Autopsie der Leiche Zolas. Ter Körper ist auf einem Tiwan in der Mitte eines» großen Salons aufgebahrt. Tie Hände sind über der Brust gefaltet, der Mund und die Augen sind geschlossen wie im Schlafe, das Gesicht ist wachsbleich. Die Leiche ist mit einem weißen Tuch bedeckt. In die im Trauer- Hause auflicgenbeu Listen trugen sich bereits zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten ein. Eine große Menschen­menge drängt sich vor dem Hause.

ln, 29. Sept. Der Tombaumeister Geh. Regierungs­rat Richard Voiatl ist im Aller von 73 Jahren gestern abend 9 Uhr infolge eines Gehirnschlages gestorben. Sein Leben war einer großartigen Ausgabe geweiht, der Vollendung des Kölner Tomes.

strotze 10.) Verfahren zur Darstellung von Baumwolle grün färbenden schwefelhaltigen Farbstoffen. Kalle u. Co., Biebrich a. Rh. Rouleau-Schlitzoerschluß mit verändere licher Schlitzweite. Tr. R. Krügen er, Frankfutt a. M. Selbstzündende Zigarre ober Zigarette. Zusatz zum Patent 124972. Firma Jos. Scholz, Mainz. Selbstthätige elekrische Zugdeckungs-Einrichtung. Wtlh. Bender, Wies- baden. Kalandervorgelege für zwei verschiedene Geschwindig­keiten. I. Heim, Offenbach a. Main. Waage. Wilh. Holzer, Rieder-Ramstadt b. Darmstadt. Vorrichtung zum selbstthatigen Lösen der Verschlüße in Gefahrfällen für nach unten umklappbare Seitenwände von Eisenbahnwagen. P h. I. Willig, Mainz. Verfahren zum Belasten und Prüfen von Brückenwaagen zwecks Aichung. C. Schenck, Eisen­gießerei und Maschinenfabrik, G. m. b. H., Darmstadt. Deckeloerschluß für Zylindrische Fässer. P. Minck, Nieder­zeuzheim b. Limburg a. b. L. Verfahren zur Wieder­gewinnung von Chromsäure aus Chromoxydsalzlösungen auf elektrolytischem Wege; Zus. z. Pat. 117 949. F. Darm­städter, Darmstadt. Verfahren zur Desinfektion von Ab- wäffern, welche zuvor der biologischen Reinigung unterworfen worden sind. Dr. H. Närdlinger, Flörsheim b. Frank­futt a. M.

t. Lindenstruth, 28. Sept. Unter regster Beteiligung auch der Bewohner der umliegenden Otte fand heute die Einweihung unseres neuerbauten Schulhauses statt. In dichtem Gedränge umstanden die Festteilnehmer schon lange vor Beginn der programmäßigen Feier das alte Schulhaus. Endlich erschien die sehnsüchtig ermattete Equipage, der Provinzialdirektor Dr. Breidert, Kreisschulinspektor Professor Dr. Lucius sowie Baurat Stahl von Gießen entstiegen. Lehrer Kling ergriff nun das Wort, um in einer kurzen Rede Abschied zu nehmen von den alten Räumen. Die Schulkinder sangen den Choral:Unseren Ausgang segne (Sott*, worauf sich der Festzug unter Voranttttt einer Kapelle in Bewegung setzte. Am neuen, am entgegengesetzten Ende des Ottes liegenden Schulgebäude erfolgte nach dem gemein­schaftlichen Gesang mit Musikbegleitung zweier Strophen von Ein' feste Burg ist unser Gott* die Ueberreichung des Schlüssels durch das Töchterchen des Lehrers an Baurat Stahl. Dieser gab ihn unter Worten des Dankes gegen den Bauleiter, Kreisstraßenmeister Mahringer, und alle bei dem Neubau thätig gewesenen Handwerker weiter an Provinzialdirektor Dr. Breidett, welcher mit dem Wunsch, daß in dem neuen Schulhaus ein Geschlecht herangebildet werden möge, das seinem Vaterott zur Zierde und Ehre gereiche, den Schlüssel dem Bürgermeister übermittelte. Letzterer gab noch der Hoff­nung Ausdruck, daß das neuerbaute Schulhaus recht lange zum Segen der ganzen Gemeinde seinen Zweck erfüllen möge, worauf er die Thür öffnete. Nach Absingen des Liedes Lobt froh den Herrn, ihr jugendlichen Chöre!* seitens der Kinder hielt Pfarrer Biedenkopf von Wirberg, zu dessen Kirchspiel Lindenstruth gehött, die Weiherede. Den Schluß der Feier bildete der Gesang der SchülerDanket dem Herrn!* Es erfolgte nun die Besichtigung des neuen Gebäudes. Dieses enthält im unteren Stock den außerordentlichen geräumigen Schulsaal und darüber die Lehrerwohnung. Unmittelbar nach Beendigung der Schulfeier spielten die Musikanten zur Kirmes auf, welche die zahlreichen Festgäste noch lange in feucht­fröhlicher Stimmung zusammenhielt.

Mainz, 28. Sept. Am Freitag abenb 11 Uhr verschieb nach kurzem Leiben im 61. Lebensjahre ber Domkapitulcir unb Geistlicher Rat Jakob Blankenberger. Ein inneres Leiben, bas er sich vor Jahren bei bem Kirchenbau in Guntersheim zugezogen, hatte sich in der letzten Zett berart verschlimmert, baß ein operativer Eingriff not- wenbig wurde. Da in ben letzten Tagen indes eine merk­liche Besserung in bem Befinden des Pattenten verzeichnet werben konnte, ist bie plötzliche Tobcsnachricht um so über- raschenber.

Vermischtes.

Hamburg, 29. Sept. Die schiffbrüchige Mannschaft ber im atlantischen Ozean untergegangenen nor- wegischen BarkBothnia" ist heute mit bem Dampfer Pennsylvania" ber Hamburg - Amerika - Linie hier einge­troffen. Kapitän Hansen spricht bem Kapitän Spliebt unb dem ersten unb bem zweiten Offizier derPennsylvania" namens seiner ganzen Besatzung Dank für bie Rettung unb bie freunbliche Behandlung auS. Er er Härt, bad Manove- rieren mit bem mächtigen Schiffe, um bei stockfinsterer Nacht burch bas Aussetzen zweier Boote bas Rettungswcrk zu vollbringen, sei ein seemännisches Meisterstück zu nennen. Die Besatzung berBothnia" pumpte 17 Tage unb Nächte unb war, als sie am 24. September diePennsylvania" sichtete und Raketen steigen ließ, der Verzweiflung nahe. Kapitän Lxmsen, ber als Letzter das Schiff verließ, zündete dasselbe 'an, damit bas auf ber Holzlabung treibende Wrack bie Schiffahrt nicht hinbere.

* Brüssel, 29. Sept. In Tirlemerit üb erfuhr heute ber Expreßzug Wien-Ostende drei Erdarbeiter, die auf ber Bahnstrecke beschäftigt marenn. Die Leichen sind völlig zerstückelt.

* Neapel, 29. Sept. Seit heute morgen fällt bei heftigem Sturm ein w olkenbrucha rtiger Regen. Das Meer ist sehr bewegt; bie Dampfer kamen mit großer Verspätung an. Ter Eisenbahnverkehr unb bie telegra­phische Verbindung mit Sizilien ist unterbrochen.

Bubapest, 29. Sept. Eine große Feuersbrunst suchte ben Ort Mihalysoza, Komitat VeSzprtmheim, heim. 74 Wohnhäuser, bie evangelische Ktrche unb bie Ernte finb vernichtet. Zur Linberung ist eine Hilfsaktton emgeleitet.

* Petersburg, 29. Sept. Zwischen ben Stationen Jsangatschalj-Tuwannaja ber transkaukasischen Ei, en bahn ermorbeten zwei Reisende erster Klasse während ber Fahrt ben Zug-Kontrolleur unb den Scha f fner. Die Morber entkamen ins Gebirge.

* Schw er e Blutthaten. In Dresben gab der Schneider Josef Ebert in ber vergangenen stacht auf ber Straße auf eine Prostituierte fünf Revolverschüsse ab unb verletzte bieselbe schwer. Eberl versuchte bann Selbstmord zu begehen, würbe aber burch seine Festnahme baran verhindert, lieber bie Motive ber That ist nichts bekannt. In Schönewitz in Sachsen feuerte der Bergmann Schubert zwei Revolverschüsse auf seine Frau unb verletzte sie schwer. Darauf tötete er sich durch einen Schuß.

Von ben Lebensgewohnheiten des Kai­sers wird folgendes erzählt:Bei ben Besuchen des Kaisers in Oftizierkasttios ist französischer Sekt

streng verpönt. (Einmal hat man ihm MoSt et Chan- vou mit der Etikette einer deutschen Marke vorgesetzt; unb das ist den lustigen Herren schlecht bekommen. Ueb- rigens trinkt der Kaiser sehr mäßig, oyne gerade Tempe­renzler zu sein; Liköre unb Kognak genießt er gar nicht; aber ein Glas Bier liebt er, wenn er bei seinen Offi­zieren sitzt, unb bann pflegt ihm stets ein frisches GlaS gereicht zu werden, auch wenn das vor ihm stehende erst halb geleert ist. Für Delikatessen hat er nichts übrig; dagegen viel für eine sogenannte Hausmannskost, ähnlich wie sein Vorfahre, ber rauhe Solbatenkonig Fried­rich Wilhelm, ber Karpfen in Bier und Wildpret mit thüringischen Klößen auch bem Kaviar unb ben Austern­pasteten vorzog. Mit bem Rauchenist ber Kaiser sehr vorsichtig geworden. Tas war er früher nicht; da bevorzugte er die Jnklam oder Dock ober Kapitana. Jetzt raucht er nur auf ber Jagb seine Pfeife unb läßt sie häufig kalt werben unb raucht bann unb wann auch eine sogenannte nikotinfreie Cigarre. Oft auch pausiert er wochenlang ganz mit bem Rauchen. Tas ist.für die Raucher in feiner Umgebung böse. Nach einem guten Diner hat man gerne seine Cigarre zum Kaffee; aber in den,^auch-- losen Zeiten" werden überhaupt feine Cigarren gereicht." Der letzte Teil der Erzählung ist unrichtig. Taß der Kaiser wochenlang bem Genüsse bes Rauchens entsage, entspricht ben Thatfachen. Zwar raucht ber Kaiser so schwere Ci­garren nicht mehr wie früher, bock genießt er noch hin unb toieber eine solche. An Stelle oer Cigarre raucht ber Kaiser neuerbings Cigaretten. Diese werden eigen- für ihn hergestellt, sind bedeutend größer als wie man sie sonst sieht unb enthalten einen kräftigen Tabak. Einen bejonberen Genuß scheint ber Kaiser daran zu haben, wenn er nach militärischen Hebungen auf dem Heimwege eine Cigarette ober auch mehrere raucht. Auch bie Umgebung bes Kaisers wirb bann aus seiner Cigarrentasche bedacht.

Die belgische Königstochter Prinzessin Luise von - Coburg, bie schon feit mehr als Jahresfrist in ber Piersonschen Heilanstalt in Coswig bei Dresben in tiefster Zurückgezogenheit lebt, hat bie Nach­richt von bem Tobe ihrer Mutter, ber Königin Marie Henriette von Belgien, ohne jegliches Zeichen bes Verständ­nisses entgegengenommen. Tie unglückliche Königstochter nickte nur langsam mit ihrem Kopfe, als Tirettor Pierson ihr bie Todesnachricht überbrachte. Während bie Kranke früher eine grenzenlose Toilettenpracht entfaltete unb auch in ber Heilanstalt Coswig noch anfangs an Prachttottetten unb Schmuckstücken großen Gefallen fanb, ist sie seit einiger Zeit hiervon vollständig zurückgekommen. Dahingegen be­kundet sie jetzt besondere Vorliebe für Blumen und Pflanzen. Für die Außenwelt zeigt sie nicht das geringste Interesse, unb frühere Vorgänge finb in ihrer Erinnerung vollständig ausgeloscht. In ärztlichen Kreisen hält man eine Heilung ber geistesumnachteten belgischen Königstochter für voll­ständig ausgeschlossen.

* Ueber den Einfluß des Tabakrauckens auf die Mikroorganismen ber Mundhöhle hat H. Körner Untersuchungen angestellt, über bereu Schluß­folgerungen wir in berNaturw. Wochenschrift" lesen: 1. Die Zahl ber im Speichel vorhanbenen Mikroorganismen wurde vor und nach dem Rauchen auf die übliche Weise bei einer Versuchsperson bestimmt, und eS stellte sich heraus, daß die Zahl der Mikroorganismen nach dem Rauchen auf bie Hälfte berabgeminbert war. 2. Durch sterll aufgefangenen Speichel wurde ber Rauch von 12 Zigarren durchgeleitet, man konnte ber Zählung eine Abnahme ber aufgegangenen Kolonien wahmehmen, bie jedoch unter ein Drittel nicht herabging. 3. Der Ci­garrenrauch würbe durch verdünnte Reinkulturen geleitet, in allen Fällen wurden bie Kulturen sogar ganz db g e töt e L Diese Versuche geben also eine Erklärung für bie allgemein bekannte Thatsache ab, nämlich, baß bei Männern, bie stark rauchen (täglich ein Dutzend Cigarren ober mehr), bie bekannte Zuckerkrankheit CarieS seltener unb, wenn bieselbe dennoch auftritt, häufiger die chronische Form beobachtet wird.

* DasGrüne Kreuz". Zu dem Bunde vom Roten Kreuze ber Genfer Konvention unb bem vom Blauen Kreuze ber Temperenzler gesellt sich jetzt ber in Basel ins Leben gerufene Bund vom Grünen Kreuze, der sich die Bekäm­pfung des Tabakgenusses zum Ziele erkoren hat.

Kunst und Wissenschaft.

Düsseldorf, 28. Sept. Ter 3. deutsche Tag für Denk- malps lege, an dem auch Niederländer, Oesterreicher und Schweizer teilnehmen, wurde durch Geh. Oberjufnzrat Pros. Laersch .Bonn) eröffnet, der dem Vertreter der preußischen StaatSreglerung, Geh. Oberregierungsrat v. Bremen, und den Prosessoren Neuwirth (Wien), sowie Zell (Zürich) das Wort zur Begrüßung erteilte. Der Vorsitzende berichtete, daß der preußische Finanzminister durch den gejchastssührendcn Ausschuß um Wiedereinstellung der 1901 be­willigten 100 000 Mk. für Tenkmalzwecke vergeblich angegangen worden. Im weiteren Verlause der Verhandlung wird emfnmmig ein Antrag des Oberbürgermeisters Struckmann angenommen, nun­mehr auch seitens des Tages für Denkmalpflege die Wieder­bewilligung jener Summe erneut in Anregung zu bringen. Mrniste- rlalrat v. Biegeleben-Darmftadt besprach das hesstsche Denkmalschuygesetz, dessen Vorarbeiten bis 1887 zurück- gehen. Ter Referent, der selbst an diesem Gesetz den wesentlichsten Anteil genommen, charakterisirte kurz die sieben Hauptabschnitte und gab die Aenderungen an, die gegen den srüher hier schon er­wähnten Gesetzentwutt noch vorgenommen werden. Er betonte, daß man den thunlichsten Schutz der Denkmäler im Auge behalten habe, ohne allzu sehr in das Privateigentum einzugreifen. Im siebenten Abschnitt ist eine möglichst scharfe Trennung nach öffent­lichen und privaten Denkmälern emgetreten, dabei aber der gesetz­liche Schutz der beweglichen Denkmäler im Prioatbesitz besonders schonend behandelt worden. Wichtig ist die Kontrolle der Denk­mäler durch die Kreisämter, deren Listen aber unabhängig sind von dem amtlichen Tenkmalregister. Betreffs der Naturdenk­mäler sind ähnliche Bestimmungen wie in dem neuerlichen preuß. Gesetze zum Schutze der Landschasten ausgenommen. Pros. Neu- wirth (Wien) teilte einiges über die Schutzbestrebungen in Oester­reich nut. Nach weiteren Mitteilungen über die Tenkmalschutzgeseye der Kantone Waadt und Bern sprach Hosrat Gurli tt (Dresden) über die Erhaltung der Baudenkmäler. Nachdem Pro- sessor Borrmann über die Pflege nnd Erhaltung der plastischen Denkmäler eingehend berichtet hatte, wurde zur Bearbeitung der Frage eine Kommission von fünf Mitgliedern eingesetzt, der u. a. Professor Rathkens (Berlin), Geh. Baurat Hof mann (-Larmftabt), sowie Bauinspektor Arntz angeljÖren. Zur Beschaffung größerer -lUittel für Denkmalpflege wurde beschlossen, ein Anschreiben mit dem Wunsche der Einsetzung größerer Lummen m die Etats der einzelnen Staaten gleichzeitig mit dem Protokoll ergehen zu laßen.

Berlin, 29. Sept. TieNat.-Itg/ erfährt, im Vordergrund der Beratungen der internationalen Tuberkulosen- Konferenz, welche vom 22. bis 26. Oktober in Berlin tagen werde, werde die Frage der Identität der Rinder- und Menschen-Tuberkulose stehen. Die Sitzungen finden tm Abgeordnetenhause statt. Eine große Anzahl von Autoritäten hat sich aus allen i'änbern, nametulich Frankreich, gemeldet.

Politisch-authropologischc Vicvuc. Seit kurzem erscheint unter diesem Titel eine neueMonatschrift für das soziale und