Ausgabe 
30.7.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 176 Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Mittwoch 30. Juli 1902

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Gietzener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Die Keschichte einer Aeamtenheirat.

Aus Posen gebt mehreren Berliner Blättern ein Schrift­stück zu, das in oer Oeffentlichkeit höchstes Interesse er­regen wird. Der Geh. Oberfinanzrat und Provinzial-Steuer- Tirektor Löhning in Posen, einer der höchsten Beamten der Provinz, hatte sich mit einem jungen Mädchen verlobt, das in Bezug auf geistige und gesellschaftliche Bildung, tadellosen Ruf und persönliche Liebenswürdigkeit seiner Wahl alle Ehre machte, das aber den in den Augen der höheren Bureaukratie unverzeihlichen Fehler besaß, einer Familie (Coccius) entsprossen zu sein, deren Oberhaupt es nur bis zum simplen Regierungs­sekret ä r gebracht hatte. Der Kastengeist empört sich gegen dieseMißheirat", uitb das Resultat war, daß Löh­ning sich gezwungen sah, seinen Abschied zu nehmen. Der preußische Finanzminister in eigener Person ist es ge­wesen, der den Provinzial st euerdirektor gezwungen hat, seinen Abschied einzureichen, und auch die Polenpolitik und die Stellung der Posener Beamtenwelt zu derselben hat mit hineingespieltt. Enthüllt wurde diese Thatsache durch ein gedrucktes Zirkular, das Geheimriat Löhning an seine Freunde gesandt hat, um seine Haltung in dieser Angelegenheit ihnen gegenüber zu rechtfertigen, und das jetzt seinen Weg in die Oeffentlichkeit findet. Wir enthalten uns weiterer Reflexionen und geben dem ge­maßregelten Provinzial-Steuer-Direktor selber das Wort, wobei wir unwesentliche Nebendinge fortlassen.

Die Verlobung.

Als ich nach stattgehabter Verlobung abends nach Hause kam, fand ich einen Bries vor, ein anonymes Schreiben, worin ich gewarnt wurde, der Familie Coccius näher zu treten;, ich wurde darauf aufmerksam gemacht, daß der Vater Feldwebel gewesen sei. Ich ging am nächsten Morgen zu dem Präbendar Klinke von der katholischen deutschen Franziskanerkirche. Dieser bestätigte, daß der Vater meiner Braut ftüher Feldwebel gewesen. Die Fa­milie Coccius sei durchaus ehrenwert, die Tochter, meine Braut, ein sehr feines, liebenswürdiges und tugendhaftes Mädchen.

Tie Publikation der Verlobung erfolgte am 21. Febr. in den Posener Zeitungen mit der Ueberschrift: Statt be­sonderer Anzeige. Von allen Spitzen und deren Frauen mit Ausnahme des Oberpräsidenten und des Polizeipräsidenten, sowie der Generalität erhielt ich Gratulationskarten oder Schireiben.

Ter Krach

Am 2. Mät^ bekam ich ein Schreiben des Personab­dezernenten im Ministerium, des Geh. Obersinanzrats Enke: er habe mir eine amtliche Mitteilung zu bringen und er­suche mich, Montag (3.) mittags im Bureau zu sein." .. . Mittags um 12 Uhr erschien Enke. Er sagte mir, daß der Mi ni st er sehr erzürnt sei. Der M i n i st e r wolle, daß ich meine Pensionierung nachsuche. Ich habe geäußert, ich könne nicht zur Disposition gestellt wer­den; der Minister könne mich nur versetzen. Ferner habe ich mich wiederholt den Mitgliedern gegenüber abfällig Lber die Polenpolitit der Regierung ausge­sprochen; auch fragte Enke mich nach einer Stadtverordneten- wahlangelegenheit des Steuereinnehmers Michalski in Fraustadt, der für einen Polen gestimmt und trotz des Antrages des dortigen Landrats nicht entsprechend von mir zurechtgewiesen wäre. Enke setzte noch hinzu, er würde es bei dem Minister durchzusetzen suchen, daß mir beim Abschied der Rote Adlerorden 2. Klasse verliehen werde.

Beim Oberpräsidenten.

Am nächsten Tage begab ich mich zum Oberpräsidenten. Er äußerte sich wie folgt:Sie haben sich mit der Tochter des Regierungssekretärs Coccius verlobt. Gegen die Perj- sönlichkeit Ihrer Braut ist nach den eingezogenen Erkundi­gungen nichts einzuwenden. Aber Sie können als Pro­vinzial - Steuer - Direktor nicht die Tochter eines ehemaligen Feldwebels heiraten, ebensowenig, lute ein Oberst die Tochter eines Feldwebels heiraten kann. Diese Ansicht teilt auch der kommandierende General. Die mir seitens des Geh. Rats Enke mitgeteilten, vom Ober­regierungsrat Gesch bekundeten Aeußerungen zur Pvlen- politik können Ihnen wörtlichden Hals nicht brechen".

Zeugen-Vernehmung.

Als mich demnächst der Ministerial-Kommissar Enke fragte, ob ich mir die Sache überlegt hätte und meine Pensionierung nachsuchen wollte, erwiderte ich, daß ich letz­teres nicht thäte. Enke las mir dann dre Aussagen der inzwischen von ihm vernommenen Herren vor.

Oberregierungsrat Gesch bekundet: Ich hätte wieder­holt mich gegen die aggressive Polenpolitik der Regierung ausgesprochen, und in diesem Sinne auf die Mitglieder einzuwirken gesucht. Insbesondere hätte ich das Vorgehen der Regierung in Wreschen wiederholt kritisiert. In Frau­stadt seien ein polnischer Arzt und em deutscher Katholik bei der Stadtverordnetenwahl in die Stichwahl mit zwei evangelischen Deutschen gekommen. Bei der ersten Wahl habe der Steuereinnehmer Michalski für die ersteren gestimmt, und die übrigen Beamten hätten bei der Wahl gefehlt. Ter Landrat hatte dieses in einem Schreiben- mir mitgeteilt, mit dem Ersuchen, auf die Beamten einzuwirken, daß sie sich an der Wahl beteiligten und für die deutschen rlandidaten stimmten. Ich hätte eine derartige Emwir- kung für' verfassungswidrig erklärt.

Der Geh. Regierungsrat Men de bestattgt im allge­meinen die von Gesch mitgeteilten Aeußerungen. Die Aeußerungen hätten ihn tief gekränkt, auch hätte ich ihn behindert, bei seinen Arbeiten der Regterungspolitik Aus­druck zu. verleihen. y c

Ich bemerke zu der letzteren Bekundung, daß der größte Teil des Arbeitspensums dieser Herren in den Be­

richten über Stempelerstattungsgesuche bei nicht zur Aus­führung gekommenen Grundstücks-Kaufverträgen besteht. Bei diesen Berichterstattungen ließ er bei der Frage, ob die Ablehnung der Gesuche dem Minister anheimzugeben, öfters das Verhalten der polnischen Gesuchsteller zur Polen­politik der Regierung eine Rolle spielen.

Geh. Rat Löhning giebt eine Aeußerung des Ober-Reg.- Rat Gesch wieder, wonach die Offiziere des 6. Regiments ihn (Gesch) höhnend auf seine demnächstige neue Cheseuse, die Tochter eines ihrer früheren Feldwebel", hingewiesen hätten.

Rekurs an den Mini st er.

Ich beschloß, um mich im Amte zu erhalten, eine Eingabe an den Minister zu richten. Ich bat in dieser zunächst um Entschuldigung, daß ich von meiner beabsichtigten Verlobung und den obwaltenden Umständen ihm vorher keine Anzeige erstattet hätte, und versicherte, daß dieses ohne alle Absicht unterblieben sei. Ich hätte kein Bedenken gehabt, mich mit ihr zu verloben, da ich der Ansicht sei, daß sie durch ihre Erscheinung und ihre sonstigen Vorzüge die Standesvorurteile leicht überwinden werde. Ich bäte, mich nach dem Westen zu versetzen, wo derartige Standesvorurteile nicht in solchem Maße beständen. Die mir noch vorgeworfenen Aeußer­ungen zur Polenpolitik könnten mich nicht erregen. An meiner Loyalität gegen die Negierung lasse ich keinen Zweifel aufkommen. Ich bäte ihn, mir eine Audienz zu bewilligen, um Rede zu stehen.

Die Antwort des Mini st er s.

Am 8. März erhielt ich ein Schreiben des Oberpräsi­denten, daß er mir eine amtliche Mitteilung des Finanz­ministers zu machen Hütte. Am nächsten Tage las er mir in seinem Bureau aus einem an ihn gerichteten Erlaß des Ministers vor, daß der Minister meine Entschuldigung nicht gelten lasse, und meiner Behauptung, ich hätte ohne Absicht die vorherige Anzeige unterlassen, gegenüber der Bekundung des Ober-Negierungsrats (Sitte wonach ich geäußert, ich könne nicht zur Disposition gestellt werden, keinen Glauben schenke ich Hütte durch diese Unter­lassung die Pflichten meines Amtes verletzt. Vollends Hütte ich das Vertrauen zu mir erschüttert durch meine Aeußerungen zur Polenpolittk, insbesondere auch durch mein Verhalten zur Fr.rnstädter Wahlangelegenheit. Er könne mir nur meine Pensionierung offerieren. Ich er­suchte den Oberpräsidenten, mir eine Abschrift des Erlasses zu geben. Er erklärte, daß er dazu nicht ermächtigt sei. Er fragte mich, ob ich bereit sei, meine Pensionierung zu beantragen. Ich wollte mir meine Erklärung Vorbe­halten. Er erwiderte, ich hätte mich sofort zu erklären. Jm höchsten Maße empört über das unerhörte Ver­fahren des Ministers gegen einen Provinzial-Verwaltungs- chef, gab ich die Erklärung ab:Ich bin bereit, in Pension zu gehen", ohne Angabe von Gründen.

Am 14. März erhielt Geheimrat Löhning die könig­liche Ordre, durch welche ihmdie erbetene Dienstentlassung unter Gewährung der gesetzlichen Pension in Gnaden ge­währt wird."

* * *

Hier findet die Geschichte der Pensionierung des Pro­vinzialsteuer-Direktors Löhning ihr Ende. Wir halten es aber für angebracht, auch aus dem zweiten Teile seiner Darstellungen, die der Verteidigung seines Verhaltens gegenüber der Forderung des Ministers gewidmet sind, noch Einiges mitzuteilen, da diese Ausführungen von ganz besonderer politischen Bedeutung sind.

Die Beamten und die Polen Politik.

Geh.-Rat Löhning schreibt: Freilich bin ich, wie die große Mehrzahl der höheren Beamten der Provinz, einGegnerdesschroffen Vorgehens inderPolenpolitik, des sog. Hatätismus. Ich kann aber nicht umhin, hier anzusühcen, daß ich erst einige Monate vor meiner Verlobung an den Ministcrialkom- missar Enke ein Schreiben gerichtet habe, worin es heißt: Ich halte den Halatismus und dessen gegenwärtigen Ein­fluß für verderblich für die Provinz und geradezu schä­digend für das Deutschtum". Dieser Kommijsar war also über meine antihakatistischen Ansichten wohl unterrtchtet. Dem jetzigen Oberpräsidenten selbst habe ich bei Gelegen­heit gesagt, daß ich bei meiner milden Gesinnung für die Ausführung der jetzigen Polenpolitik nicht der geeignete Mann sein würde. Demselben Oberpräsidenten gegenüber habe ich die Wreschencr Affaire für einen Fehler erklärt, worauf er erwiderte, er halte sie für unerfreulich.

In den hiesigen geselligen Kreisen bildete die Polen­politik selbstverständlich ein ständiges Thema der Unter­handlung. Mit den meisten habe ich eine Ueberetnsttm- mung der Ansichten konstatteren können. Der Hakatismus findet besonders auch in dem höheren Beamtentum der Stadt Posen nur wenige Befürworter. Habe ich mich gegen die nutzlose Verfolgung der Polen in ihren Bereuten und in ihrer Presse ausgesprochen, so habe ich dte For­derung des Deutschtums durch positive Maßnahmen stets um so kräftiger befürwortet. Eine verstärkte Ansiedelung von Deutschen z. B. habe ich bei der stärkeren Vermehrung der polnischen Bevölkerung und der Flucht der Deutschen aus dieser Provinz stets gebilligt. Man fordere überall das Deutschtunt und zwar m ruhiger, stiller Weise. Im übrigen werden Polen in der hiesigen Provinz incht mehr anaestellt. Das beruht auf allgemeiner Anordnung.

Das mir zum Vorwurf gemachte Verhalten gegen den Steuereinnehmer Michalski in der Fraustädter Wahlange­legenheit halte ich für ganz korrekt. Ich führe dazu noch an, daß der Michalski in der Stichwahl nicht etwa der Wahl sich enthalten, sondern auch Furcht vor dem Verluste seines dorttgen Amtes und vor feiner Versetzung in eine andere Provinz für bie deutschen evangelischen Kandidaten gestimmt hat.

Mit zahlreichen angesehenen Männern der Stadt und Provinz Posen so erklärt Herr Löhning zum Schluß weiß ich mich eins in der Beurteilung der Polenpolttik. Schwerlich wird von diesen es einer verstehen, wie die mir vorgeworfenen Aeußerungen und mein Verhalten zur Polenpotttik einen Anlaß zu meiner Pensionierung bieten könnten. In Wirklichkeit bin ich durch Jntrigue und ver­ächtliche Anglerei einOpserderStandesvorurteile und des Kastengeistes geworden."

Hier brechen wir die Veröffentlichung ab, da die übrigen Darlegungen des Verfassers die Oeffentlichkeit in ge­ringerem Grade interessieren.

P r e ß st i m m e n.

TieVoss. Ztg." meint, man fühle sich angesichts dieses Standesdünkels bis in die Zeit vor der Schlacht bei Jena zurückversetzt. Es sei schwer, solchem Vorgang gegenüber- ruhig Blut zu bewahren. Auch ein Feldwebel sei ein Ehren­mann. Tie,Rat.-Ztg." schreibt, niemand habe das Recht, einem Beamten die Vermählung mit einem unbescholtenem Mädchen, gleichviel aus welcher Gesellschaftsklasse, zu unter­sagen. Zudem wäre es ungesetzlich!, auf Kosten der Steuer­zahler einen dienstfähigen Beamten zu pensionieren, weil die Braut desselben dem Finanzminister nicht gefiele. Auch dieKreuzztg." hält es für unmöglich. daß Die gesellschaft­liche Stellung des Vaters der Braut die Entlassung des Verlobten der letzteren aus dem Staatsdienst bewirkt haben könne. Es müsse hierbei ein anderer Grund entscheidend gewesen fein, und er sei wohl in Herrn Löhnings ab fäl- liger Beurteilung der preußischen Polen- politik zu suchen. Selbst dieNat.-Ztg." giebt zu, daß die Angelegenheit durch die Mißbilligung der Polenpolitik seitens des Provinzialsteuerdirektors ein wenig verdunkelt werde.

Wir meinen, es sei ratsam, sich des endgiltigen Urteils so lange zu enthalten, bis der andere Teil, nämlich der preußische Finanzminister, das Wort ergriffen haben wird. Gerade weil der Fall so überaus eigenartig liegt und zu den weitestgehenden Konsequenzen führen kann, ist es unbedingt notwendig, bei Parteien zu hören. Die amtliche Darstellung wird hoffentlich nicht auf sich warten lassen. Preußen ist allerdings als das klassische Land des Kastengeistes bekannt, und besonders die Söhne des Ostens wissen ein Lied davon zu singen. Daß aber ein Mi­nister den Kastengeist in aller Form propagiert, müßte um­somehr befremden, als der leitende Staatsmann, Graf Bülow, erst vor kurzer Zeit als ein Mittel zur Stärkung des Deutschtums gegenüber dem Polentum den engen Zu­sammenschluß aller in der Ostmark lebenden Deuffchen anempfahl. Es wäre die vollkommenste Ironie, toeitn ein Mitglied des preußischen Staatsministeriums auf das Gegenteil von Zusammenschluß hinarbeitete.

Hin neues Streiflicht auf das ZZerheimtichuugs- syflem.

Von fachmännischer Seite wird derTtsch. Tagesztg." geschrieben:

Soeben kommt aus Nürnberg die Meldung, daß der Geschäftsabschluß der Elektrizitäts-A.-G. bornti Schuck er t für 1901/2 durch die Minderbewertung der' Materialien, sowie Abschreibungen und Bildung eines Tel- kredenfonds von 9 Millionen Mark einen Gesamtverluft von 151/2 Millionen Mark aufweise, welcher durch Entnahme aus dem Reservefonds gedeckt werden soll. Dieser beträgt nach der letzten Bilanz ca. 16 700 000 Mk., wird also bis auf den geringen Rest von 1200000 Mk. von der Bild­fläche verschwinden. Tie mit der Schuckertgesellschaft eng verbundene Continentale Gesellschaft für elektrische Unter­nehmungen in Nürnberg schließt mit einem Verlust von rund 1 200 000 Mk. ab, wovon nur ca. 440 000 Mk. durch die Reserven gedeckt werden können, während der Rest als Verlustsaldo auf neue Rechnung vorgetragen werden muß.

Man hatte zwar fett längerer Zeit schon befürchtet, daß die Schuckertgesellschaft ein eTivid ende muf), für das ab­gelaufene Geschäftsjahr nicht zur Verteilung werde bringen können, aber einen so ungünstigen Abschluß hat vielleicht mit Ausnahme weniger eingeweihter Personen wohl nie­mand erwartet. Tie Ucberraschung wird vielmehr ebenso groß und allgemein sein, wie im vorigen Jahre. Damals hatte bekanntlich die Direktion dem Aufsichtsrate bereits die Verteilung einer Dividende von 10 pCt. in Vorschlag gebracht. Tie Generalversammlimg wurde einberufen, jedoch erst fünf Tage vor derselben ein gedruckter Geschäftsbericht herausgegeben. Ten erschienenen Aktionären wurde zu ihrer nicht geringen Verblüffung die Eröffnung gemacht, daß aus der erhofften Dividendenzahlung nichts werden könne, weil ein unerwarteter Geldbedarf für einen anderen Zweck vorliege. Die Gesellschaft habe nämlich einen Posten von 4 200 000 Mk. Aktien der Bosnischen Elettrizitätsgefellschast in Jajce von der falliten Leipziger Bank gekauft, welcher eigentlich erst nach zwei Jabren habe abgenommen und bezahlt werden sollen. Durch den Zusammenbruch der Bank sei man aber genötigt, den Kaufpreis sofort an die Konkurs- Verwaltung zu zahlen, um die Aktien in Besitz zu bekommen. Hierdurch würden zwar die zur Dividendenzahlung erforder­lichen Mittel zeitweilig absorbiert, doch werde der ganze Gewinnsaldo aus neue Rechnung borge tragen und verbleibe somit zu späterer Verteilung den Aktionären. Der Aufsichts­rat halte die Bilanz in allen ihren Teilen aufrecht und erkläre, daß dieselbe durch keinerlei Verlust in der Zwischenzett beeinträchtigt worden sei. Deshalb habe er denn auch einstimmig beschlossen, die Tantiemen an Vor­stand und Beamte in Höhe von 748 250 Mk. zur Auszahlung gelangen zu lassen und 5 052 652 Mk. als Gewinn neu vor­zutragen. Nack) erregter Debatte wurde ein Antrag auf Vertagung der Beschlußfassung abgelehnt, die Entlastung mit 4428 gegen 138 Stimmen erteilt Jedoch erregten diese