Ueverf^eie Existenz-Minimurn ijt auf 5(X) Mark formiert.
Ausland.
Pcrr-rS, 29* Ium. Marineminister Pelletcm hielt in Versailles eine Rede, in der er sagte: Wir verabscheuen Len Krieg, da aber rings um uns militärische Monarchien und megalomane Republiken sind, brauchen roir eine Armee* Wir dürfen jedoch keine Generale mehr haben, welche sich als unabhängige Vasallen betrachten* Die Generale müßten ein Beispiel von Disziplin geben.
Lemberg, 28. Juni. Der „Przedswit" behauptet, in Len Besitz eines geheimen Dokuments gelangt zu sein, in hem die russische Centralregierung dem Generalgouverneur von Polen verschiedene vertrauliche Instruktionen hinsichtlich seiner Amtsthätigl'eit erteilt hat und denselben insbesondere anweist, das Polentum und den Katholizismus m gleichem Maße als staatsfeindliche Elemente in möglichst unauffälliger Weise zu bekämpfen*
Aus Stadt und Aand.
Gießen, den 30. Juni 1902.
*• Von den jüngst herausgekommenen Amtsblättern des Großh. Ministeriums der Justiz enthalten: Nr. 12 vom 28. Mai ein Ausschreiben an die sämtlichen Justizbehörden, betreffend die Prüfung desKosten- und Stempelwesens im Jahre 1900, Nr. 13 vom 30. Mai ein Ausschreiben an die Großh* Justizbehörden in der Angelegenheit der Gegenseitigkeitserklärung zwischen Hessen und Preußen wegen Stempelbefreiung, Nr. 14 vom 10. Juni ein Ausschreiben an die Justizbehörden, insbesondere die Großh. Amtsgerichte, betreffend Stenipelfreiheit der Gelände-Erwerbungen für den Bau von Kreisstraßen, Nr. 15 vom 11. Juni ein Ausschreiben an sämtliche Justizbehörden in Ansehung der Mitteilung von Strafnachrichten an die peruanische Regierung. Nr. 16 vom 13. Ium ein Ausschreiben <m die Großh. Amtsgerichte und Staatsanwaltschaften, betreffend den Erlaß von Nechtshilfekosten, insbesondere von Kosten der Strafvollstreckung oder Auslieferung; hierKontrolle für den richtigen 'Eingang derselben*
*♦ Die Schlußfeier des Wisse uschaftlichen Fortbildungskurses für V o l ks s ch u ll e h r er. Am Samstag schloß der Fortbildungskursus für Volksschule lehrer an unserer Universität, der von 222 Lehirern aus Hessen und der preußischen Nachbarschaft besucht war und die Gebiete Erdkunde (Prof. Dr. Sievers), Psychologie lProf. Dr. Groos) und Gefehlte (Geh. Hvfrat Prof. Dr. Ducken) umfaßte. Nach Schluß der .Vorlesungen vereinigten sich die Teilnehmer un „Gießener Festsaale" zu einer kleinen Schluß- und Abschiedsfeier, die auch von den genannten Professoren besucht war. Der Vorsitzende des „Gießener Lehrervereins", Lehrer Valentin Müller, b>e- grüßte die Anwesenden und legte die Gründe dar, die die Lehrerschaft Deutschlands bewogen baden, die Einrich? tung von Fortbildungskursen an den deutschen Hniversp- täten anzustreben. „Das Unternehmen", so führte er etwa ans, „hat nicht Eitelkeit oder Selbstsucht zur Grundlage, sondern Liebe zum Volke, mit dem der Volksschullehrerstand verwachsen ist. Was hier erarbeitet wird, soll indirekt auch der Jugend, der Zukunft unseres Volkes, zu gute kommen. Denn je selbständiger der Lehrer sein Wisjen beherrscht,. desto freier und lebendiger kann er sich in seinem Berufe entfalten, desto leichter kann er fid), losmachen von beengender Schablone, geisttönendem Formelkram und handwerksmäßigem Drill — zu Nutz und Frommen der ihm anvertrauten Jugend. Einer gesteigerten Volksbildung soll also dieses Unternehmen dienen, und die Lehrer halten fest an dem Glauben, daß gesteigerte Bildung auch im Gefolge hat eine höhere Gesittung des Volkes. Es ist also gewissermaßen ein nationales Werk, das die Lehrer . durch Einrichtung solcher Kurse in Angriff genommen haben. Dazu hat die vornehmste Pflegerin aller idealen Güter, die deutsche Universität, bereitwillig die Hand geboten, und dafür gebührt ihr dauernder und herzlicher Dank aller Freunde von Volksbildung und Gesittung. Die Liebe und Treue zum Volke, die dieses unternehmen ins Leben gerufen, soll auch für die Zukunft Leitstern sein." Herr Müller schloß mit einem Hoch aus Kaiser und Großherzog. Lehrer Storch-Butzbach hob in längerer Ansprache nochmals die speziellen Verdienste hervor, die sich die akademischen Behörden und Professoren erworben haben, sowohl in Bezug aus den Lehrerstand und seine Wertschätzung, als auch in Bezug auf eine kräftige und lebendige Weiterentwickelung des Volkslebens, aus dessen Gestaltung der Volksschullehrer in hervorragender Weise einzuwirken imstande ist. Sein Dank und Hoch galt Sr. Magnisicenz, Rektor Professor Dr. Hansen, dem akademischen Senat und den Professoren Geh. Hofrat Dr .Qncken, Dr. Groos und Dr. Sievers. Diesen drei Herren widmete auch noch Lehrer B a ch - Großen-L,nden in schwungvollen Versen herzliche Worte aufrichtigen Dankes. Geh. Hosrat Dr. Qncken hielt in seiner Eigenschaft als „SäMmeister", wie er sich selbst nannte, eine kleine Lektion über den „Wert der Arbeit". Er wies ganz besonders hin auf Bistnarck. Seine Ausführungen klangen aus in einem Hoch aus den Lehrerstand in seiner Gesamtheit, der dazu berufen sei, die Liebe zur Arbeit — um den Arbeit willen — in die Herzen der Jugend zu pflanzen. Um das Gelingen der schönen Feier hat sich auch die Ge- sanasabteilung des Gießener Beamtenvereins, dem die Mehrzahl der hiesigen Lehrer angehört, Verdienst erworben. Sie brachte unter der tresslichen Leitung chres Dirigenten, des Lehrers Gör lach, eine Anzahl von Männerchpren zu Gehör.
— In der Gemälde-Ausstellung im Turmhaus am Brand hat wieder ein Wechsel der Gemälde stattgefunden, indem 68 Gemälde neu ausgestellt sind. Da außerdem eine Anzahl Gemälde neu angemeldet ist, so kann ein Teil der neuausgestellten voraussichtlich nur bis zum Mittwoch in der Ausstellung verbleiben.
** Zum Dünsbergseste versammelten sich gestern zahlreiche Bergsteiger auf der hervorragenden Höhe. Leider mar die Gießener Bevölkerung recht schwach vertreten; auch Wetzlars Beivohner, die sonst ständige Gäste auf dem Düns- berg sind, fehlten fast gänzlich. Jedenfalls hat die übergroße Hitze manchen davon zurückgehalten, den Weg nach dem Gipfel des Berges zu unternehmen. Aber die Erschienenen gerieten doch bald bei den Klängen der Bauerschen Kapelle in fröhliche Stimmung und der Festwirt hatte kühlen Trunk genügend zur Stelle. Es war em wirkliches Volksfest, das gestern da oben auf der Höhe stattfcmü, kein Mißton störte
es. Der Turm machte in seiner fast zu neu wirkenden Gewandung selbst ein fröhliches Gesicht mit den ftöhlichen Menschen, die sich an semem Fuße amüsierten. Gegen 6 Uhr abends ging eine schönes, frisches Lüstchen über den Berg und mancher der Dünsbergsgäste verwellte noch, bis der letzte Bieberzug chn heimwärts führte.
§ Kirch-Göns, 29. Juni. Bei günstiger Witterung und unter Mitwirkung unserer Bürgerschaft fand heute die Hauptfeier des 9. Bundesfcstes des Wetterauer Turnerbundes, in Verbindung mit der Fahnenweihe unseres Turnvereins „Vorwärts", hier statt, woran sich fast alle Bruderoereine der Umgegend und viele sonstige auswärtige Gäste beteiligten.
Grün berg, 30. Juni. Als gestern mittag gegen 2 Uhr der Fuldaer Zug bei Grünberg eine Ueberbrückung passierte, scheute das Pferd eines unten durchfahrenden Jagdwagens. Vom Zuge aus konnte man bemerken, daß ein Insasse des Wagens heraus sprang, während der andere beim Zerschellen des Wagens zur Erde geschleudert wurde. Das Pferd raste auf der Straße weiter.
Hungen, 29. Juni. In der Nähe von Villingen, am sogenannten Langsdorfer Weg, hat man verschiedene, nicht weit voneinander entfernte Hünengräber entdeckt. Unter Leitung des Pfarrers von Villingen wurde das Ausgraben einer der Gräber vorgenommen, man fand bis jetzt eine etwa 30 Ctm. lange broncene Nadel. Reichlichere Funde erhofft man in einem im Walde nach Hungen zu gelegenen größeren Hünengrab, mit dessen Offenlegung man demnächst zu beginnen denkt. Die gefundenen Gegenstände werden dem Historischen Verein' für Oberhessen übergeben werden.
3 mon. Harbach, 27. Juni. Heute fiel das dreijährige Kind des Müllers Frey auf der Lommersmühle in den Mühlbach und ertrank.
n. Stornf els (Kreis Schotten), 28. Juni. Der Jagd- auffeher Rummel hier hatte gestern das Glück, auf dem Jagdgebiete des Pachters Andre von Frankfurt einen Kapitalhirsch mit stattlichem Geweih zu erlegen, der das ansehnliche Gewicht von 2 Zentnern repräsentierte*
o- Lauterbach, 29. Juni. In großen Schrecken wurde die Familie des Heinrich Schütter in Vaitshain versetzt. Ihr 2 l/z jähriges Kind hatte mit anderen Kindern gespielt, plötzlich war es verschwunden. Nach längerem Suchen fand man es in der Miststätte tot. — In der Nähe unseres Bahnhofs entgleiste vorgestern der erste Zug von Grebenhain, 4 Uhr 28 Min. abfahrend. Dem Vernehmen nach soll nur die Maschine aus dem Gleis gesprungen und weiteres Unglück verhütet jedoch der Maschinenführer aus der Maschine herausgeschleudert worden sein. Auf der Rückfahrt von hier nach Grebenhain sollen andere Bahnbeamten den Dienst ge- than haben. Der Zug kam mit etwa 1 Stunde Verspätung in Grebenhain an. — Dem Vernehmen nach soll die landes- polizelliche Abnahme der Nebenbhahn Grebenhain — Gedern am 3. Juli erfolgen.
-k- Mainz, 29. Juni. Der verflossene Woche in Mannheim verhaftete Eisenbahn dieb, der in einem D-Zuge zwischen hier und Mannheim einem Reisenden eine Brieftasche mit reichem Inhalt geraubt hat, hat inzwischen zugestanden, daß die von ihm ursprünglich angegebenen Personalien falsch waren und behauptet nunmehr, Henry Ceels zu heißen und au§ Brüssel zu stammen. Der Spitzbube gestand ferner, daß er bereits sechsmal wegen Taschendiebstahl vorbestraft ist und die v-Zug-Diebstähle sich zu seinem Erwerbszweig gewählt habe. Die hier verhaftete Frau soll übrigens mit dem Bahndieb, der bei seiner Verhaftung im Besitze einer größeren, in Banknoten bestehenden Geldsumme war, nicht in Verbindung gestanden und sich nur dadurch verdächtig gemacht haben, daß der angebliche Ceels bei Einlauf des D-Zuges sich anschickte, ihre Gepäckstücke in ein anderes Koupee als das vorher eingenommene zu bringen. Der seiner Brieftasche Beraubte glaubt, daß dieses Manöver von Ceels gemacht worden sei, um ihn leichter bestehlen zu können.
Mainz, 27. Juni. Der landwirtschaftliche Verein hielt heute eine außerordentliche Ausschußsitzung hier ab, die auf Anregung, des Ministeriums hier einberufen war, um über die Errichtung einer Land Wirtschafts kämm er für das Grotzherzogtum Stellung zu nehmen. Als Vertreter der Regierung wohnte der Versammlung Provinzialdirektor Geh. Rat von Gagern bei, auch war Regierungsrat Steeg anwesend. Der Vorsitzende teilte mit, daß, obwohl der Provinzialverein sich im, großen und ganzen für die Errichtung einer Landwirtschoftskarnmer ausgesprochen habe, man auch die kleineren Landwirte hören wolle. Die Landwirtschastslehrer Groß-Alzey und Schxitt-Bretzenheirn empfehlen die zu errichtende Landwirtschaftskammer, worauf Provinzialdirektor von Gagern die Versammlung Fragte, ob zu den Umlagen für die LandVirtschaftskammer außer der Landwirtschaft, auch die forstwirtschaftlichen Betriebe heranzuziehen seien. Die Versammlung spricht sich einstimmig in diesem Sinne aus. Der nächstfolgende Punkt betraf die Fraae, ob die Verwendung von staatlichen Mitteln durch die Landwirtschaftskammer erfolgen könne, ohne Zustimmung der landwirtschaftlichen Vereine. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß die Landwirtschaftskammer Vertreter der gesamten Landwirtschaft sei, und daß diese auch nur die bewilligten Gelder im Interesse der Landwirtschaft verausgaben würde. Die Versammlung war auch mit diesem Punkte einverstanden. In dem Haasschen Entwurf ist fernst vorgesehen, daß vorerst von je 20 Gulden Grundsteuerkapital zwei Pfennig Umlage zur Erhebung kommen sollen. Das Ministerium will wissen, ob die Landwirte sich auch hiermit einverstanden erklärten. Der Vorsitzende bemerkt, daß von sämtlichen Grundbesitzern 75 Prozent von der Besteuerung befreit seien, da die Besteueruitg erst bei denjenigen Landwirten beginne, die ein Grund steuer kapital von 25 Gulden Hütten. Tie mittleren landttirtschaftlicyen Betriebe würden etwa 40 Pfennig Umlage und die größeren 2 Mark bezahlen, die großen und größten Betriebe würden etwa mit 6—10 Mark Beiträge herangezogen werden. Nach diesen Mitteilungen war icke Versammlung mit der Festsetzung der Umlage auf 2 Pfennig einverstanden. Der letzte Punkt betraf die Wahlen zur Landwirtschaftskammer. Der Entwurf sehe das indirekte Wahlrecht vor; die einzelnen Gemeinden sollen hierauf in je zwei Orten eines Kreises zur Wahl der Kammermitglieder schreiten. Bürgermeister Eclert-Kleinwin/ernheim spricht sich sür ein direktes Wahlrecht, das in jeper Gemeinde für sich ausgeübt werden soll, aus. Die Versammlung beschließt einstimmig
für die Kammerwahlen das dtrette Wayrrecyt zu verlangen. — Die Gesellschaft für soziale Reform, Ortsgruppe Mainz, hat sich jetzt konstituiert. Vorsitzender wurde Oberbürgermeister Dr. Gaßner. Der Vorstand setzte folgendes Winterprogramm fest: Den ersten Vortrag hält der Minister Frhr. v. Berlepsch, Oberbürgermeister Dr. Gaßner wird mit einem Vortrag über kommunale Sozialpolitik folgen. Ferner werden noch Vorträge halten Dr. Frenay über das hessische Wohnungsgesetz und Dr. Fuld über den Gesetzentwurf der Beschränkung der Kinderarbeiten. Die Vorträge sollen in der breitesten Oeffentlichkeit stattfinden, und der Zutritt unentgeltlich 1 Wiesbaden, 28* Juni. Ein in Zivil gehender OffK zier fand gestern abend 10.15 Uhr em Vergnügen daran, die Scheiben einer zwischen der St. Bonifaeiuskirche und dem katholischen Leseverein stehenden Laterne einzuschlagen. Zur Feststellung seiner Personalien wurde er durch einen Schutzmann nach dem Polizeipräsidium gebracht und nach Abgabe seiner Karte entlassen*
* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Offenbach stürzte der 10 Jahre alte Heinrich Müller beim Angeln in den Main und erkrank. — In Mainz wurde einem Herrn, der einen Augenblick sein Fahrrad auf die Straße gestellt hatte, gestohlen. — In Worms wurde der Inhaber eines „Konsum-Geschäftes" aus Veranlaffung des Staatsanwalts in Mainz wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankerott verhaftet.
Vermischtes.
* Paris, 29. Juni. Ein Kabeltelegramm aus Fort de France vom 26. Juni an den Minister der Kolonien meldet, die nach Martinique gesandte wissenschaftliche Abordnung habe ihr Gutachten dahin abgegeben, daß die Zerstörung von St. Pierre durch Asche und sehr heiße Gase, die ihren Weg in der Richtung von Nord nach Süd nahmen, ver ursacht Horden sei. Die Zerstörung von Le Precheur und Samte Pbjlomene müsse gewaltigen Regengüssen zugeschrieben werden. In den der Küste benachbarten Teilen der Insel habe sich eine Senkung des Bodens nicht bemerkbar gemacht. Die Lage am Vulkan habe sich gebessert und sei von Störungen frei.
Petersburg, 29. Juni. Die „Nowoje Wremja" meldet aus Wlitdiwostock: In Jntäu nahm die Zahl der Cholera- fälle unter den Europäern ab. Dasselbe Blat t meldet aus Porth Arthur: Seit dem letzten Ausbruch der Cholera bis zum 23. d. Mts. sind 430 Personen an der Seuche gestorben, darunter 278 Europäer*
* Feuersbrunst. In Kapstadt hat eine Feuersbrunst das Gebäude der Afrikan Mutual Affecurance sowie mehrere andere große Gebäude vernichtet. Der Schaden beträgt etwa 1 Million Pfund Sterling. — Eine furchtbare Feuersbrunst in Lüttich zerstörte ein großes Stadtviertel Das Feuer brach in einer Holzsägerei aus und griff auf einen Holzschuppen über, wo für 150 000 Frs. Holz aufgespeichert war. Ferner würden zehn Gebäude vom Feuer ergriffen. Truppen mußten zur Unterstützung der Feuerwehr aufgeboten werden. Der Schaden beträgt über 2 Millionen Francs. Ein Feuerwehrmann stürzte von einer Rettungslecker und wurde schwer verletzt. _________________________________________
Gerichtssoal.
Frankfurt a. M., 28. Juni. Kriegsgericht. Das Kriegsgericht hielt heute eine lange Sitzung hinter verschlossenen Thuren ab. An einem verschwiegenen Ort der Kaserne zu Butzbach hatte man an der Wand Zeichnungen entdeckt, die mit überraschender Aehnlichkeit Ossiziere des Bataillons in Karrikaturen Wiedergaben. Man fahndete nach dem Zeichenkünstler und entdeckte ihn schließlich in der Person des Ingenieurs Friedrich Wilhelm Wüst, der s. Z. einjährig gedient hatte und jetzt seine erste achtwöchige Hebung bet der 2. Kompagnie des 168. Infanterie- Regiments machte. Das Kriegsgericht verurteilte ihn wegen Be- leidigung und Achtungsverletzung zu sechs Monaten Ge- ° "^Frankfurt a* M., 29. Juni. (Kriegsgericht der 21. Divi- ion vom 28. Juni.) Heber ein Vermögen von über 40000 Mark verfügt der im 2. Jahre dienende Musketier Meier von der 2. Komp. 81. Jnf.-Regts. (Frankfurt a. M), gebürtig aus Rendel (Oberhessen) und trotzdem entwendete er kürzlich mittels Erbrechens von Spinden zwei Einjahngen-Mantel, um sie später bei der Feldarbeit im Winter zu tragen. Die Sache war so ausfällig, daß die Anklagebchörde selbst beantragte, den Mann auf seinen Geisteszustand zu prüfen. Im Lazarett nun bat er eines Tages den Stabsarzt Dr. Hormann allein sprechen zu dürfen. „Wenn der Herr Stabsarzt was für ihn thun könne, komme es ihm aus einige Tausend Mark nicht an", memte der biedere Meier, als sie allein waren. Er wünschte offenbar, dag ihn der Stabsarzt für geistig krank erkläre* Tas thut dieser nun doch nicht. Er erklärt ihn nur für geistig beschränkt. Meier wird ivegen zweier schwerer Diebstähle und Erpressungsversuchs zu sechs Monate Gefängnis verurteilt und in die zw eite Klasse des Soldat enstandes versetzt.
Breslau, 28. Juni. Im Prozeß gegen dre Rheder et vereinigter Schiffer beantragte der Vertreter der Anklage gegen den Hauptaiigeklagten Paul Breslauer 6 Jahre Zuchthaus und 3300 Mk. Geldstrafe, event. noch 220 Tage Gefängnis, gegen Scheffer 3 Monate Gefängnis, gegen Ernst Breslauer 2 Monate Gefängnis und 30 Mk. Geldstrafe, gegen Goldstücker 4 Monate Getangnts. Gegen den Aitgeklagten Petrowsky lautete der Antrag aus Freisprechung. Das Urteil lautet gegen Breslauer auf vier Jahre Zuchthaus, 3300 Mk. Geldstrafe, event. noch weitere 220 Tage Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust. Dem Angeklagten rourben vier Monate der Untersuchmtgshaft in Anrechnung gebracht. Sämtliche übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.
Sport.
Kiel, 28. Juni. Bei der heutigen Segelwettfahrt deS Norddeutschen Regattavereins erhielten in Klasse 5a, Rennyachten: „Susanne 2" den 1. Preis. „Henry 3 den 2. Preis; in Klasse 5b: „Windspiel 2" den 1. Preis und außerdem den Herausforderungspreis, gegeben voni Norddeutschen Regattaverem, „Blitz 6" dsn 2. Preis, „Paula 2" den 3. Preis; in Klasse 6a: „Donner" den 1 Preis; in Klaffe 6b: „Spatz" den 1. Preis, „Emma 2" den 2 Preis. In Klaffe 5, Kreuzeryachten, erhielten „Stella den 1. Preis, „Harald" den 2. Preis; Klasse 6, Kreuzeryachten, fiel aus, da „Gudrun 2', nicht startete. .
Wien, 29. Juni. Automobilwettfahrt Paris-Wien. Als E r st e r ist eingetroffen: Marcel Renault um 2,18^Uhr, als Zweiter: Zborowski um 2,42 Uhr, als Dritter: Moritz Fährmann um 2,57 Uhr, als Vierter: Baras um 3,1 Uhr, als Siebender Baron Forest. Dieser hatte Maschinendefekt erlitten und mußte von der Komiteemaschine durchs Ziel gezogen werden. Er wurde disgualifizierl. Rens de Knyff, der den Arlberg m 19 Minuten passiert hatte, blieb im Ober in n th a l liegen. Der Teilnehmer an der Wettfahrt Bellamy stürzte ans dem Arlberg und verletzte s i ch l e i ch t. Em anderer Teilnehmer stürzte in der Nähe der Trisanabrücke l&O Bieter


