Sechsen tn her Hauptsache sehen sollen, was im Ackerbau geleistet werden kann durch die tüchtigste Bearbeitung eines allerdings ausgezeichneten und ebenen Bodens und der Lortenauswahl des Saatgutes. Zum großen Bedauern des hessischen Landwirtschaftsrates hat es die Eisenbahn- direktion abgelehnt, die Reisegesellschaft auf Schnellzügen mit dritter Klasse befördern zu lassen. Weiter beschloß der Ausschuß wie bisher einen Beitrag zu bewilligen der Vereinigung deutscher Schweinezüchter. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiter wurde die sehr gut besuchte Versammlung, die einen angeregten Verlauf nahm, gegen 6 Uhr geschlossen.
** Ueber den Selterssprudel Viktoria Augusta und den neu erbohrten Wilhelms-Brunnen, mit deren Verwaltung dieser Tage der Rhein-Main-Gastwirte- Verband fr.-nö die Gastwirte-Vereinigungen zu Frankfurt a. M. einen Vertrag wegen Lieferung flüssiger Kohlensäure abgeschlossen haben, dürfte das Nachstehende für unsere Leser von Interesse sein, umsomehr, als sich unsere Gastwirte verpflichtet haben, außer der Kohlensäure aus jenen Brunnen auch Selterswasser abzunehmen und dieses ihren Gästen zu empfehlen. Unter den berühmten Quellen des Nassauer Ländchens nimmt der Selterssprudel Augusta Vik-- toria die erste Stelle ein. Die hochbedeutsame Quelle zeichnet sich durch Reichtum an Kohlensäure, Chlornatrium und doppelkohlensauren Natron rc. ganz besonders aus. Das Wasser hat einen angenehmen, erfrischenden Geschmack. Die Qeulle entspringt als mächtiger Sprudel, der in der Minute 600 Liter Wasser schüttet, etwa 20 Minuten von der Sitation Löhnberg (an der Eisenbahnlinie Gießen-Coblenz) innerhalb der Gemarkung Selters a. L. Inmitten eines idyllisch gelegenen Wiesenthales, etwa 30 Meter vorn Ufer der Lahn entfernt, steigt der in einer Tiefe von ca. 40 Mtr. erbohrte Sprudel Augusta Viktoria meterhoch über dem Erdboden empor, ein reizendes Schauspiel bietend. Im Jahre 1896 er- bohrt, wurde der Brunnen, nachdem die nötigen Bauten und maschinellen Einrichtungen geschaffen waren, 1898 in Betrieb genommen. Die Anlage ist den neuesten Anforderungen entsprechend eingerichtet. Obwohl das Wasser in natürlichem Zustande, wie es die Quelle giebt, getrunken werden kann und wohl bekömmlich ist, besonders blutarmen Personen wegen seines Eisengehaltes dienlich ist, wendet man doch auch bei diesem Brunnen das allgemein üblich gewordene Veredelungsverfahren an. Man scheidet die lästigen Bestandteile des Wassers, Eisen und Kalk, aus und führt bei der Verfüllung in Flaschen oder Krüge die aus dem Sprudel gewonnene Kohlensäure wieder zu. Auf der anderen Seite der Lahn, durch diese vom Viktoria Augusta- Sprudel getrennt, liegt unfern des Eisenbahnkörpers der neu erbohrte Wilhelms-Brunnen, in dessen unmittelbarer Nähe die Neuanlage des Kohlensäurewerkos im Bau begriffen ist. Man beabsichtigt, die beiden Quellen zu vereinigen, resp. zu verbinden, um aus ihrem Wasser fabrik- «näßig Kohlensäure zu gewinnen. Diese wird derartig groß und umfangreich von Zivilingenieur Th. E i s e l - Nastätten rngelegt daß man nach i,hrer Vollendung in der Lage sein wird, stündlich 150 Klg., also bei 20stündiger täglicher Arb-eitszeit 3000 Klg. oder im Jahre bei 300 Normalarbeits- iagen 900 000 Klg. oder 90 000 Flaschen &u 10 Klg. flüssiger Kohlensäure herzustellen.
**DeutscheGesellschaftzurRettungSchiff- srüchiger. Die General-Versammlung des Gesellschaftsausschusses der Gesellschaft begann vorgestern vormittag im ,Kasino zum Gutenberg" in Mainz. Nachdem der Vorsitzende der Gesellschaft, Th. Gruner-Bremen, die Versammlung eröffnet hatte, ergriff Geheimrat Provinzial- ttrektor v. G a g e r n das Wort, um Namens der Grvßh. Regierung an die Vertreter der Gesellschaft herzliche Be- grüßungsworte zu richten. Redner hob hervor, daß die hessische Regierung große Sympathie und hohes Interesse an den Verhandlungen nehme. In Anerkennung der Thä- tigkeit des Vereins sei er vom Großherzog beauftragt, Dem Oberinspektor der Gesellschaft, Kapitän Pfeifer, das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu überreichen. Die Abrechnung des Rechnungsjahres 1901—1902 ergab in Einnahmen Mk. 307 043, in Ausgaben Mk. 211348. Dem Gründungs- und Reservefonds wurden Mk. 89 949 überwiesen. Für Errichtung von Rettungsstationen sind bis zum 1. April 1901, insgesamt Mk. 1439 025 verausgabt worden und diese Summe ist bereits vollständig abgefchrieben. Das Gesamtvermögen beträgt Mk. 2194 943, die Stiftungsgelder betrugen im abgelaufenen Rechnungsjahr Mk. 56 315. Der Voranschlag lieht für 1902—03 in Einnahmen Mk. 263 000 und in Ausgaben Mk. 286 950 vor.
Lollar, 29. Mai. Vom 1. Juni ab wird für die Bewohner der Orte Mainzlar und Daubringen die Einrichtung getroffen, nach dem Jnlande gerichtete gewöhnliche Pakete bei den Sch a f fn e r b a h n p o st en der in der Richtung nach Gießen fahrenden Züge Nr. 1035, ab Mainzlar 8.42 Vorm., und 1039, ab Mainzlar 6.53 Nachm., aufliefern zu können. Eine Einsammlungsgebühr wird nicht erhoben. — Morgen, am 31., wird das hiesige Postamt in das an der Hauptstraße gelegene Haus aes Weißbindermeisters Streuber verlegt.
F r a n f u r t, 28. Mai. Für den 7. Juni ist eine Versammlung Deutscher Baumwollindustrieller hierher einberusen worden, die die Gründung eines Verbandes der Textilindustriellen in Deutschland beabsichtigt. Auf der Tagesordnung stehen folgende Gegenstände: 1. Besprechung der allgemeinen Geschäftslage. 2. Voraussichtliche Lage im Herbst und Winter. 3. Welche Schritte können geschehen, die Lage zu bessern? 4. Berichterstattung in den Zeitungen über die jeweilige Marktlage; Vertretungen, Art des Verkaufs. Es soll weiter erörtert werden, ob durch eine gemeinsame Produktions-Einschränkung der Spinnerei und Weberei eine Besserung der immer noch ungünstigen Lage des Geschäfts herbeizuführen ist, oder ob man für die Weberei eine Exportsteigerung durch Gründung einer Exportvereinigung anstreben soll. Es wird dabei besonders auf die bestehenden Vereinigungen der Baumwollindustriellen in Oesterreich, sowie auf die Exportvereinigung der italienischen Baumwollindustriellen verwiesen, unter deren Wirkung die italienische Baum- wollinoustrie gegenwärtig weit über Jahresfrist hinaus mit Aufträgen zu lohnenden Preisen versehen sei. Vvn exportfähigen Artikeln werden in der Versammlung Muster ausgelegt sein und den Interessenten nähere Crläuter- ungen erteilt werden.
Hegen ore deutsch-amerikanische Kelroleum- Kesellschast.
L Gießen, 28. Mai.
Am Mittwoch abend fand im Cafe Ebel auf Veranlassung des Vereins der Detaillisten und unter Leitung seines' Vorsitzenden, Herrn Röhr, eine Jnteressentenversammlung der Kolonialwarenbranche statt. Der Zweck derselben war, Stellung zu nehmen gegen die Mio n o polq
bestrebungen der deutsch-amerikanischen Petroleum- Gesellschaft, über die wir in unserer Nr. 120 bereits kurtz berichtet haben. Aus dem Referat, das Herr Handels- /ammersekretär Vogel übernommen hatte, heben wir 'Folgendes hervor:
Wenn man bedenkt, daß Deutschlands Petroleumkonsum im Durchschnitt der Jahre 1866—1870 1,87 Kg. pro Kopf, 1899: 17,09 betrug und daß dieser Konsum zum großen Sei: auf die mittleren und ärmeren Klassen in Städten und fast alle Klassen in den Dörfern entfällt, muß einem die Gefährlichkeit der Monopolisierung dieses Artikels so recht einleuchten. Wir sind in Gefahr, in diesem überaus wichtigen Konsum von einem einzigen fremden Staate abhängig zu werden, ja von einer zum größten Teil auf ausländisches Kapital gestützten Gesellschaft.
Der Herr Referent ging zunächst kurz auf die Geschichte des Standard-OilfTrust, dessen Anfänge bis in die 70er Jahre zurückreichen und der zunächst»'eine Monopolisierung der amerikanischen Petroleumproduktion her'beigesührt hat, ein. Bereits im Jahre 1890 aber ist der amerikanische Trust , dazu übergegangen, auch die Regelung des Exports nach anderen Ländern an sich zu reißen.» Ten ersten Anlaß dazu gab das Vordringen des russischen Petroleums am Ende der 80er Jahre in England und Deutschland und der amerikanischen Outsiders. Die deutschen Firmen mußten sich dem Trust, der ihnen die Lieferungen zu entziehen drohte, unterwerfen. Im Februar 1890 wurde! die D.-Äl. P.-G. gegründet, und durch sie wurde, die Petroleumeirlfuhr für Mittel- und Ostdeutschland zentralisiert. Durch Unterbietungen der Preise und durch große Transport- organi Rationen für Elbe und Rhein wurden 'Die noch konkurrierenden Großfirmen vernichtet. (1895.) Stellenweise übernahm die Gesellschaft nunmehr auch fjcn Absatz an die Detailgeschäfte.
Bisher handelte es sich aber nicht um Vernichtung von Existenzen des sogenannten Mittelstandes, sondern um die Angliederung ausgesprochen großkapitalistischer Betriebe an ein gleichartiges ausländisches Unternehmen. Mit dieser Unterwerfung ist der Okkupations Prozeß noch nicht beendet. Die Deutsch - amerikanische Petroleum - Gesellschaft will an den Konsumenten selbst herantreten. Wie der Trust an den See- und Binnenhäfen seine Reservoirs hat, o strebt er, bezw. die D.-A. P.-G. danach, auch an kleinen Plätzen in gleicher Weise den Handel zu monopolisieren. Von diesen Tankanlagen aus soll der Detailhandel versorgt werden, und zwar durch Straßentankwagen. Ter Detaillist erhält Bassins, die Eigentum der Gesellschaft Meißen und nach, Ausfüllung von derselben verschlossen werden. Ter Händler muß sich kontraktlich verpflichten, nur von der D.-A. P.-G. zu kaufen und dazu ist er ja — und das ist das gefährlichste und von den meisten wenigst beachtete Moment — schon allein durch jene von den Vertretern der Gesellschaft als äußerst bequem geschilderte Bassineinrichtung gezwungen. Daß die Gesellschaft auch direkt an Konsumente n verkauft, wird übereinstimmend von verschiedenen Zeitungen berichtet. Muß nun der Verkehr mit dem Detaillisten durch Leihung von Tankgefäßen den Grossisten notwerrdigerweise verdrängen, so wird schließlich auch der Detaillist vom Petroleum handel ausgeschaltet, weil er sich der eventuellen Preispolitik des Trust widerspruchslos unterwerfen muß. Der Trust wird zwar anfangs niedrige Preise stellen, wird sie aber nach Durchführung seiner Politik nach eigenem Ermessen regeln. Wenn er bei dem kurzen Bestehen des Petroleumhandels überhaupt schon so weit vorgedrungen ist, wird er seine Monopolisierungspolitik auch durchführen. Das kann er aber nur, wenn er den Großhandel vernichtet und den Detaillisten von sich abhängig gemacht hat.
Tankanlagen der D.-A. P.-G. bestehen auch bereits in unserer Nähe: in Marburg, Fulda, Limburg und Dillenburg. Geplant sind solche für Gießen und Alsfeld. Von den vorerwähnten Städten hat man nichts erfahren, ob irgendwie protestiert worden wäre. Was aber anderswo zugelassen wird, braucht für Gießen nacfy lange nicht aeeeptiert zu werden. — Mittel und Wege wären, daß der D.-A. P.-G. die Pachtung von Lagerplätzen, die der Stadt oder Bahn gehören, versagt würde. Was die Stadtverwaltung betrifft, so wäre hier einmal Gelegenheit, erfolgreiche Mittelstandspolitik zu treiben. Der sicher zu erwartende R ü ck g a n g v e r s ch ie- den er größerer oder kleinerer Geschäfte und damit ihrer Steuerkraft, muß dabei hervorgehoben werden.
Eine sichere Aussicht auf Erfolg verspricht sich der Vortragende aber nur von einem energischen Borge hl e n der beteiligten Kreise, der Detaillisten und Grossisten. Es liegt bereits der erfteuliche Beweis vor, daß verschiedene Großsirmen den Kampf ausgenommen haben. — Nur jetzt ist es Zeit, dem Trust entgegensutreten, solange er seine Konkurrenten, die von ihm unabhängige Pure Oil Company, i>ie Deutsch-Russische Naphta-Jmport- Gesellschaft und die Produktton Galiziens und Rumäniens noch nicht vernichtet hat. Die Gesahr eines Weltmonopols liegt vor der Hand nicht nahe, da die amerikanische Produktion (70 Mill D-Z jährttch) ihre Höhe überschritten, die Produktion von Beku aber bei weitem noch nicht die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit erreicht hat.
An das Referat schloß sich, eine äußerst lebhafte Debatte an. — Die Großh. Handelskammer wird ersucht, die gefährdeten Interessen durch Eingaben an zuständiger Stelle zu unterstützen. — Eine von dem Referenten vor geschlagene Resolution wird nach einigen Abänderungen in folgender Form angenommen und von sämtlichen anwesenden Interessenten, Grossisten und Detaillisten, unterschrieben:
„Die am 28. Mai 1902 tagende Jnteressenten-Ver- sammlung der Gießener Kolonialwarenbranche spricht ihre entschiedene Mißbilligung gegen das Tetaillisten und Grossisten und schließlich auch Konsumenten gleicherweise schädigende, auf die vollkommene Monopolisierung des'Petroleumhandels hinzielende Vorgehen der Deutsch- Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft aus. Sie hält es für ihre Pflicht, eine Niederlassung dieser Gesellschaft an hiesigem Platze mit allen Mitteln zu bekämpfen, indem sich die Anwesenden gleichzeitig verpflichten, Geschäftsbeziehungen mit der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft und damit dem Standard Oil Trust ferner nicht einzugehen. Die Versammlung giebt sich der Hoffnung hin, daß ihre Bestrebungen durch die zuständigen Behörden, insbesondere durch die Großherzogliche Bürgermeisterei Und das Großherzogliche Kreisamt die nötige Unterstützung finden."
Den Firmen, die in der Versammlung nicht üertreteu waren, wird die Resolution zur Unterschrift noch zugehen. Eine gleiche Bewegung gegen die D.-A. P.-G. auch in anderen Städten können wir nur lebhaft befürworten^
Universitüts Nachrichten.
— Der bisherige außerordentliche Professor Dr. Mar Kaluza zu Königsberg ist gurrt ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der dortigen Universitär ernannt ivorden. (Prof. Kaluza war bekanntlich als Nachfolger des Prof. Wetz hierher nach Gießen berufen worden, hatte aber den Ruf abgelehnt. D. Red.)
— In Jena finden, wie man uns schreibt, die diesjährigen Ferienkurse für Damen und Herreit vom 4. bis 23. August statt, und zwar naturwissenschaftliche, pädagogische, geschichtliche, theologische und philosophische, Kurse aus dem Ge° biete der Kunst und Sprachkurse.
Sport.
** Jubiläums-Regatta. Die Gießener Rudergesellschaft 18 7 7 veranstaltet am 27. Juli ihre 11. Ruder-Regatta, die gleichzeitig Jubiläums-Regatta der Gesellschaft ist, auf der t'aßn in Gießen. Folgende Preise sind ausgeschrieben: 1. Junior- Einer. Ehrenpreis. Einsatz 10 Mark. 2. Großer Vierer. Ehrenpreis, gestiftet von der Stadt Gießen. Wanderpreis. Der siegende Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild. (Sieger voll 1900: Frankfurter R.-G. „Germania".) Einsatz 40 Mark. 3. Vierer. „Preis voit der Lahn". Offen für Vereine, die an der Lahn ihren Wohnsitz haben. Gestiftet von dem Ehrenvorsitzenden der Gießener Ruder-Gesellschaft Herrn Jean Kirch. „Herausforderungspreis", der nach dreimaligem Siege (auch ohne Reihenfolge) in das Eigentum des siegenden Vereins übergeht. Der siegende Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild. (Sieger von 1900: Ruder-Klub Ems). Einsatz 40 Mk. 4. Einer. Lahn-Pokal. Gestiftet von: Deutschen Ruder-Verband. Wandev- preis. Der fiegenbe Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild, (Sieger von 1900: Paul Schulz vom Frankfutter Ruder-Verein.) .Einsatz 10 Mark. 5. Zweiter Vierer. Ehrenpreis. Offen für Ruderer, welche nicht 511m Rennen Nr. 2 (Großer Vierer) genannt rverden. Einsatz 30 Mark. 6. Junior-Achter. Jubiläumspreis. Einsatz 40 Mark. 7. Dollen-Zweier. Ehrenpreis. Einsatz 20 Älatt. 8. Junior-Vierer. Ehrenpreis. Einsatz 30 Mark. "Akademischer Vierer. Ehrenpreis. Offen für immatrikulierte oder vor dem Staatsexamen steheirde Studierende deutscher Hochschulen. Einsatz 30 EDiarf. 10. Dollen-Vierer. Ehrenpreis. Einsatz 30 Mark. 11. Großer Achter. Ehrenpreis, gestiftet von Sr. Königl. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rheut. Wanderpreis. Der siegende Verein erhält bei Rückgabe des Preises einen Ehrenschild. (Sieger von 1900: Frankfurter Ruder-Verein.) Einsatz 50 Mark. 12. Ermunterungs-Vierer. Ehrenpreis. Offen für Ruderer, welche bis zum 27. Juli noch kein offenes Rennen im Vierer (Auslegerrennboot) gewonnen haben. Einsatz 30 Mark.
Kunst und Wissenschaft.
— Frl. Irene Triesch wurde von der Wiener Polizei mit 40 Kr. Geldstrafe und einer strengen Zurechtweisung geahndet, weil sie dort in Schnitzlers „Lebendigen Stunden" „Erzherzog" und nicht nach dem Willen der Zensur „Herzog" gesprochen hat.
— Spruch auf einer oberhesfischeu Truhe.
Frühling ist die schönste Zett,
Da paaren sich Vögel uitb andere Leut. (Münch. Jgd.)
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller uiuec dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
In Nr. 122 Ihres geschätzten Blattes finde ich in dem Bericht über den 19. Delegierten tag des Rhein-Main-Gast« wirte-Verbandes folgendeAusführung: „Reinemer-Darmstadt bemerkt, daß die Haftpflichtversicherung deutscher Gastwitte nicht etwa ins Leben gerufen fei, um den deutschen Gesellschaften Konkurrenz zu machen, fondern lediglich, um die Wirte voll und ganz vor Schaden zu schützen."
Diese Begründung ist geradezu unverständlich, und darf nicht unwidersprochen bleiben.
So wenig and) die Konkurrenz dieses neuen Verbandsinstituts, infolge der verhältnismäßig geringen Mitgliederzahl, ca. 5000, und hiervon sind die größten Objekte, rote Hotels, größere Logierhäuser ilnd Restaurationen, schon feit Jahreir bet Privatanstalten ver- ichert, in die Wagschale fallen kann, so handelt es sich aber denn- noch um ein Konkurrenzunternehmen gegenüber den Prioat- oersicherungsgesellschaften. Diejenigen Herren Gastwirte, welche ich bei dem Verbandsinstitut versichern, sind doch für die Privat- mftalten und deren Vertreter, die doch genau wie die Witte Ge- chästsleute sind, verloren. Sie kommen ebensowenig als Ktinden in Betracht, als für das Gastwirtsgewerbe Peftonen, die sich bet Privaten verköstigen lassen, oder Vereinigungen, die ihre eigenen Lokale usw. haben. Einsender ist auch der Ansicht, daß kein Gewerbe in sein ent Kundenkreise mehr auf Geschäftsleute angewiesen ist, als gerade die Gastwirte der Städte. Und dürsten vornehmlich diese Kreise als die Förderer bezw. Gründer dieses Instituts anzusehen sein.
Ebenso ist es nicht richtig, daß die Gründung des Instituts geboten war „lediglich um die Wirte voll und ganz vor Schaden zu schützen." Diese Behauptung könnte leicht $u der irrigen Ansicht verleiten, als ob eine vollständige Haftpflichtversicherung nur' bei dem Verbandsinstitut genommen werden könnte und keines-: älls bei einer Privatgesellschaft. Dem ist jedoch nicht so! Gegen entsprechende Prämie ist jedem der Herren Gastwirte, auch bei einer Privatgesellschaft, die Möglichkeü gegeben, sich voll und ganz zu chützen. Daß aber die Haftpflichtversicherung deutscher Gastwttte, bei gleicher Leistung, in der Lage ist, billiger als Privatanstalten zu versichern, ist nach dem Bericht auch von Herrn Reinemer nicht behauptet worden.
Ein Vertteter einer Privatversicherungs-Anstalt.
ZMde! und Derkehr. Uolkswirlschast.
— Neue 3proz. Sächsische Reute in Sicht. Kaum ist die eben ausgegebene 50 Millionen-Anleihe unter Dach gebracht, so ist den Sächsischen Ständekammern noch ein neues Dekret zugegangen, das den Entwurf eines Gesetzes über die Aufnahme der 3proz. Rentenanleihe in Höhe von 99.300.000 Mk. betrifft. Die Anleihe ist auszugeben in Abschnitten über 100, 200, 300, 500, 1000, 3000 und 5000 Mk. Kapital.
— Ungarische Konversionen. Die nicht zur Kortversion angemeldeten 4V-proz. ungattschen Staatseisenbahn-Obligationen vom Jahre 1888 in Gold, 5proz. Schuldverschreibungen zur Einlösung der Aktien der ung. Ostbahn vom Jahre 1876, 4V,proz. ung. Staatseisenbahn-Obligationen vom Jahre 1889 in Silber, 4^/2 proz. ung. Schankregal-Obligationen werden nunmehr zur Rückzahlung am 1. September d. I. gekündigt.
— 3proz. Sächsische Rente. Die Anmeldungen auf die zur Subskription gestellten 50 Mill. Mk. sind ebenfalls so zahlreich eingegangen, daß die Subskription am Vormittag der Zeichnung geschlossen werden konnte. Nunmehr wird es darauf ankommen, das Resultat der Subskription zu konsolidieren und die Anleihe auch fest zu plazieren.
— Zum Schisssahrtötrust. Nach einer New-Porker Kabel- meldnitg enthält der dortige Herald eine Erklärung des Direktors Wigand vom Norddeutschen Lloyd, wonach kein geheimes Abkommen der deutschett Dampfergesellschaften mit dem Morgan-Trust besteht.
New-Uork, 29. Ntai. Dem „New-Pork Herald zufolge ist in Trenton (Ätew-Jersey) mit 35 Millionen Dollar Kapital die „Havana Tabak K 0 m p a n y gegründet worden. Das Blatt sagt, der arnerikanische Tabaktrust bekomme durch diese Gründung 85 Prozent des kubartischen Zigarren- und Tabak-Handels in seine Gewall.


