Ausgabe 
30.4.1902 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 100

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schea Unwers.-Buch- u. Stein­druckerei (Pietsch Erberü Redaktion, Erpedition und Druckerei:

Gchulstraße 7,

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

FtrnsprtchansLlußNr.bl.

Erstes Blatt. 15S. Jahrgang Mittwoch 30. April 1902

1 vezvgäpretOr

jrMyy ZSx wf A monatlich7öPs^viertele

GietzenerAnzeiger a

U General-Anzeiger "

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Aus Stadt und Land.

Gießen, 30. April 1902.

Auszeichnungen. Ter Großherzog Hal den Wald­arbeitern Menges zu Güttersbach und Michel daselbst, den Holzsetzern Schmähl zu Unter-Hiltersklingen und Georg

Wilhelm Edelmann zu Hintcrbach, den Waldarbeitern Konrad Edelmann und Volk zu Hinterbach, Bart­mann I. zu Raubach und Heckmann zu Ober-Finkenbach, dem Holzsetzer Schwinn I. zu Gammelsbach, den Wald­arbeitern Naas daselbst und Hieronymus zu Hohberg, !>em Holzsctzer Brandet zu Kailbach (diesseits), den: Wald­arbeiter Schäfer zu Bullau, dem Holzsetzer Ger big I. zu Schöllenbach, den Waldarbeitern Beller und Götz, beide zu Rehbach, dein Holzsetzcr Bernhard zu Unter-Mossau,' dem Waldarbeiter Hörr zu Steinbuch das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" und dem Förster und Jäger Ochlenschläger zu Bullau das All­gemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste" verliehen.

* * Auszeichnung. Der König von 'Württem­berg hat dem Reichstagsabgeordneten Frhrn. Hehl zu Herrnsheim das Komthurkreuz erster Klasse des Fried- richsordens mit Stern verliehen.

* * Besitzwechsel. Tie Gebrüder Zutt verkauften das in der Stephanstraße in der Nähe der Ecke der Bleichstraße von ihnen neu erbaute Haus für 40 500 Mk. an Goldarbeiter Eduard Völker.

* * Gießener Pfcrdemarkt. Die Debatte in der Stadtver- ordncten-Versammlung über unseren Pferdeniartt, bei der Stadtverordneter Hanau tadelte, daß durch die Präini- irung von im Privatbesitz bcsindlichen Pferden unsere Pferde- märkte den Charakter von Pferde schauen erhielten, und ferner darauf hinwies, daß man eine Auszeichnung niit Geld­preisen für schöne Tiere, die zum Verkauf auf den Markt kommen, billigen könne, eine Preisverteilung an Private aber, die die an den Markt geführten Pferde nicht verkaufen wollen, sondern diese nur vorführen, um einen Preis einzuheimsen, dagegen nicht gutheißen könne, hat der städtischen Behörde Veranlassung gegeben, über diese Frage die Ansicht von Pferdehändlern einzuholen. Die Befragten haben sich schrift­lich dahin erklärt, daß sie die auf dem letzten Gießener Nlarkt geübte Prämiirung von hervorragend schönen, im Privatbesitz befindlichen, nicht verkäuflichen Rossen nicht nur voll und ganz billigen, sondern auch in ihrem eigenen geschäftlichen Interesse wünschen, daß diese mit dem Pferdemarkt verbun­dene Pferdeschau beibehaltcn wird. Diese Vorführung der Pferde und deren Prämiirung übe auf eine große Zahl von Interessenten eine gewisse Anziehungskraft aus. Diese Leute würden andernfalls dem Markt fern bleiben, es entginge ihnen dadurch die sogenannte Gelegenheitskundschaft für ihre an den Markt gebrachte Maare. Weiter stehe fest, daß eine Prämiirung von Pferden im Privatbesitz indirekt für den Pferdehändler den Nutzen hat, daß unter den Landwirten ein gewisser Ehrgeiz erzeugt wird, Wert auf die Haltung guter Pferde zu legen. Nicht zum wenigsten wird unserem Sattler­gewerbe in der Provinz durch diese Pferdeschau vermehrter Absatz geschaffen, da in vielen Fällen zur Vorführung bei dieser Musterung die Besitzer der Pferde neue Fahr- und Reitequisiten anschaffen, deren Einkauf unterbleiben oder doch wenigstens noch lange hinausgeschoben werden würde, falls man den Beteiligten die Gelegenheit, ihre Pferde öffentlich einer Kritik kompetenter Sachverständiger zu unterwerfen, nicht gewähren würde. Diese Auskünfte haben bestätigt, was der Vorsitzende der Pferdemarktkommission, Stadtverordneter Kirch, in der Stadtverordneten-Versammlung dargcthan hat, nämlich daß die Prämiirungen unverkäuflicher Pferde im In­teresse der Hebung des Marktverehrs geboten erscheinen.

* * Cirkus Lobe. Tie Eröffnungs-Vorstellung am Dienstagabend war gut besucht, und trug dem Cirtus, bezw. dem Gesamtpersonal, das nebenbei bemerkt, nächst seinen

Schulden angenommen. .

Newyork, 29. April. Tas Marrnekomrtee des Re­präsentantenhauses verminderte die Forderung des M a r i u e s e k r e r s um 27 Millionen Dollars und sieht den Bau von vier großen Panzerschiffen vor, zwei davon von je 16 000 Tons. Nach einer Meldung derWorld" befinden sich vier vollständig ausgerüstete Militärstationen in den Vereinigten Staaten.

Politische Tagesschau.

Herrn v. PodbielßkiS Fehden.

Man schreibt uns aus Berlin, 29. April:

Herr v. Podbielski, der preußische Landwirtschafts-Mi­nister, gleicht dem gackeren Schwaben", von dem es im Liede heißt: Erforcht sich nit". Er macht aus seinem Berzen keine Mördergrube. Freimütig spricht er vor der esfentlichkeit aus, was sein Mißfallen erregt, und es ist ihm vollkommen gleichgiltig, ob er dadurch sich eine ganze Legion von Gegnern schafft. Herr v. Podbielski hat in neuerer Zeit insbesondere die Ernährungs-Ver­hältnisse Berlins einer wiederholten scharfen Kritik im Parlament unterzogen und gleich drei große Gruppen von Interessenten auf den Plan gerufen: die Fleischer, die Milchhändler und die Gastwirte. Man muß gestehen, es gehört Mut dazu, allen diesen gewichtigen P-ersönlich- keiten den Fehdehandschuh hinzuschleudern.

Zunächst ist es die Qualität des in Berlin geschlachteten Viehes, die Herr v. Podbielski als vielfach minderwertig bezeichnete gegenüber den Zuständen in anderen Städten, wie z. B- Frankfurt a. M., Mainz. Den Berliner Milch­handel that Herr v. Podbielski durch folgenden kräftigen Ausspruch in Acht:Mit der bisherigen Vollmilch ist die Berliner Bevölkerung angeschmiert worden", d. h. es werde vielfach als Vollmilch verkauft, was diese Bezeich­nung, infolge Wasserzusatz und anderer Manipulationen, nicht verdiene. Endlich versetzte der Minister die Gesamt­heit der Berliner Gastwirte in gewaltige Erregung durch die Bekundung, es sei von einer Kommission festgestellt worden, daß in einer Anzahl von Fällen die Speisen in Restaurants nicht mit Butter, sondern mit Surrogaten zuoereitet gewesen wären. Von allen Seiten hagelt es nun Proteste auf Herrn v. Podbielski herab. Das Fach­organ der Fleischer bezweifelt das Sachverständnis des Ministers, da ernicht Landwirt von Beruf ist". Die Restaurateure haben eine scharfe Erklärung erlassen, daß sie kein Kuristfett verwenden. Der Vorsitzende des Ver­bandes der Milchhändlervereine richtet sogar an den Reichs­tag eine Petition, worin er den Spieß umdreht, die Land­wirte des Milch-Pantschens beschuldigt, und dabei auf feinen geringeren als Herrn v. Podbielski als Zeugen sich beruft. Von einer Sr. Exzellenz gehörenden Molkerei sei gewässerte Milch an einen Berliner Händler geliefert worden. Tas wäre ja eine ganz pikante Enthüllung, aber sie verliert an Beweiskraft dadurch, daß der Leiter der Podbielskischen Molkerei selbst mit dem betreffenden Händ­ler zusammen eine Untersuchung anstellte, und die in mehreren Kannen vorgefundene gewässerte Milchohne weiteres" von der Absendung ausschloß Dergleichen Un- rcblidj feiten von subalternen Angestellten können schließ­lich in dem bestgeleiteten Betriebe vorkommen. Tas be­weist an sich noch nicht, daß Herr v. Podbielski im Unrecht ist mit seiner Kritik.

Menn zwei sich streiten, erfährt der Dritte mitunter die Wahrheit. Thatsache ist, und es wird wohl kaum von einem Kenner Berliner Verhältnisse in Abrede gestellt wer­den, daß die Ernahrungsverhältnisse der Reichs Hauptstadt in mancher Hinsicht zu wünschen lassen. Es ist doch teilt leerer Mahn, sondern es beruht auf dem Resultat amtlicher Untersuchungen, daß eine erschreckend große Zahl von Nahr­ungsmittel-Verfälschungen nachgewiesen worden ist. Die Polizeibehörde erwirbt sich geradezu ein Verdienst, daß sie den Fälschern das Leben sauer macht, und es liegt wahrscheinlich nicht im Interesse der Volksgesundheit, über zu )trenge Anwendung der Bestimmungen Klage zu führen. Dieser heiße Konkurrenzkampf in Berlin zwischen Händlern und Landwirten hat für das Publitum das Gute, daß eine gegenseitige, überaus wachsame Kontrolle der Känipfenden etabliert ist. Mit Argusaugen sieht einer dem andern aus den Dienst. Und barm liegt nicht nur eine schätzenswerte Beruhigung, sondern es wird auch eine Besserung herbei- geführt da, wo sie not thut.

Deutsches Reich.

Berlin, 29. April. Der Kaiser hat anläßlich des Ablebens des Kapitäns Albers derHamburg-Amerika- Linie" folgendes Telegramm gesandt:

Wartburg. Ich spreche der Hamburg-Amerika-Linie Mein aufrichtiges Beileid aus zu dem Tode des hoch­verdienten, vortrefflichen Kapitäns Albers, der Meinen Bruder aus Amerika zurüäführte und der auf der letzten Heimfahrt eine seemännische Meisterleistung durch Füh­rung seines steuerlosen Schisses bloß durch seine Maschinen aufzuweisen vermochte. Ehre seinem Andenken.

Wilhelm.

Washingtoner Berichte besagen, daß der Kaiser kürzlich Gelegenheit genommen habe, dem Botschafter White persönlich zu erklären, Teutschland strebe nicht nach dem klein sten Inselchen in Amerika. Die letzte falsche Nachricht über die geplante Erwerbung einer Kohlen st ation auf Haiti ist offenbar dadurch ent­standen, baß die Hamburger Dampferlinie eine Kohlen­niederlage in Haiti sucht für den Fall, daß Tänisch-West- indien, wo sich eine solche Niederlage befindet, amerikanisch wird.

TerGermania" zufolge erwiderte der Papst bei dem Empfange der Vertreter 30 k a t h o l i s ch e r V e r e i n e T eu t s ch l a n d s aus die Ansprache des Fürsten zu Löw e n- stein, er freue sich außerordentlich über die Gefühle der Treue, welche die Vertreter hergeführt hätten. Er er­mahnte sie, in ihrer edlen Handlungsweise zum Besten der Kirche und der Gesellschaft fortzufahren, welche von Ge­fahren aller Art bedroht sei. Taß eine große deutsche Pllgerfahrt für Anfang 1903 angemeldet sei, bereite ihm besondere Freude, und er erteilte aus vollstem Herzen den

Leistungen mit eleganten Kostümen brillierte, den wohlver­dienten Beifall ein, ebenso den vorzügliche Dressur ver­ratenden prächtigen Pferdematerial. Als besonders glanz­volle Nummern des reichhaltigen, nicht durch aPusen unter­brochenen Programms seien erwähnt die Trahtseilkünst- lerin Frl. Alexandra, Frl. Margarethe L o b e in ihren Parforcetouren zu Pferde, der equilibristische Kautschukakt des Frl. Martha auf rotierender Goldsäule, Frl. Eug. Lobe als flotte, in der Uniform eines Artillerie­offiziers erscheinende Reiterin, die Parterre-Akrobaten- Truppe, und der Mft. Ranni, genannt das menschliche Rätsel. Ter von der Insel Ceylon stammende braune Künstler er­regte bei den Zuschauern mit dem Besteigen einer aus 12 scharfgeschlissenen Säbeln bestehenden Leiter, wobei er sich noch mit einem 50 Psd.-Gewicht und einer mehrarmigen brennenden Lampe als Kopfbalanzierstück beschwerte, ge­lindes Gruseln, das sich steigerte, als er zum Schluß durch zwei mit scharfen Säbeln mehrfach durchkreuzte Reifen sprang, mit den Zähnen eine 12 Millimeter starke Eisen­stange durchbog, wobei er sich mit den bloßen Füßen gegen ein mit spitzen Nägeln gespicktes Brett stemmte. Die Vor­stellung schloß mit dem anmutigen Manege-SchaustückUn­sere Marine", ausgeführt von 12 Tarnen und 12 Herren. Für Erheiterung des Publikums sorgten ausgiebig die Clowns und Auguste des Zirkus. £>eute, Mittwoch, finden zwei Vorstellungen, um 4' - und 8 Uhr, statt.

** Verbandstag der evangelischen Arbei­ter-Vereine. Am 27. Juli findet hier der Verbandstag der evangelischen Arbeitervereine vom Mittelrhein statt. Gleichzeitig begeht an diesem Tage der hiesige Verein sein Stiftungsfest mit Fahnenweihe.

w. Staden, 28. April. Ein dreizehnjähriger Knab-* hat sich durch unvorsichtiges Hantieren an einer Häcksel­maschine eine gefährliche Schnittwunde am linken Oberarm zugezogen.

Ausland.

Haag, 29. April- Nach dem heute vormittag aus­gegebenen Bulletin hat die Königin eine sehr ruhige Nacht verbracht. Alle Symptome deuten auf entschiedene Besserung im Befinden der Krauten hin.- Die Königin Mutter hat sich in den letzten Tagen wiederholt überaus günstig über den Zustand der Königin geäußert. Gestern nachmittag war Professor Rosenstein nach Schloß Loo ge­kommen, weil die Königin ausdrücklich den Wunsch kund­gegeben hatte, ihn noch einmal zu konsultieren. Die Königin nimmt wieder ein reges Interesse an ihrer Um­gebung.

London, 29. April- Eine mit großen Finanzinter- essenten in Südafrika, speziell in Rh odesia, direkt in Verbindung stehende Persönlichkeit erklärte einem Ver­treter desTally Ehronicle" gegenüber, in der Lage zu sein, zu wissen, daß die Nachricht, die Ka p-Kai r o b a h n werde in das Gebiet des Ko n g o st a a t es abgelenkt, voll­kommen unrichtig sei. Das Williams-Syndikat habe zwar eine wertvolle Konzession von der belgischen Regier­ung erlangt, aber ob es feine Linie in Verbindung mit der Kap-Kairobahn bringen werde, hänge von den Beding­ungen ab, die man bereit wäre ihm zu stellen.

Rom, 29. April- (Kammer.) Brunieardi und Nofri fragen an, ob die Nachricht eines Blattes wahr fei, daß die Eis enbahngesellschaften die Regierung ausforder­ten, sofort zur Lösung des Vertrages zu schreiten, der am 30. Juni 1905 ab Läuft, und wünschen zu wissen, welche Haltung die Regierung beobachten würde. Unter­staatssekretär Nieolini erklärt, er bedauere, daß die An- sragesteller der Zeitungsmeldung zu leicht glauben schenk­ten. Die Eisenbahngeiellschaften richteten keineswegs eine derartige Aufforderung an die Regierung. Tie Te- putiertenkammer hat in geheimer Abstimmung mit 163 gegen 53 Stimmen die Vorlage betreffend Schaffung eines neuen 3i/2 prozentigen konsolidierten Ren­tentitres und Maßnahmen zur Tllgung der einlösbaren

apostolischen Segen. Es sei ihm eine besondere Freude, die Vertreter der deutschen katholischen Vereine zu empfangen. In Teutschland sei es notwendig, an dem Errungenen fest­zuhalten und rastlos weiterzuarbeiten, um auch die von der Kirche getrennten Seelen mit derselben äu vereinen. Sodann wurden die Anwesenden vorgestellt. Darunter der Abge­ordnete Rören. Ter Papst bedauerte lebhaft den Tod Liebers, den er den Nachfolger Windthorsts nannte. Tas Zentrum möge unentwegt fortarbeiten, um der Kirche in Teutschland in jeder Weise zu ihrem Rechte zu verhelfen.

Der Bundesrat überwies die Vorlagen, betr. 1. Aenderungen der §§ 42 und 43 der Eisen^ahnverkehrs- ordnung (Beförderung von Leichen mit der Eisenbahn), 2. den Entwurf eines Gesetzes für Elsaß-Lothringen über die gemeinschaftliche Ausführung von Wasserleitungen, Ent­wässerungen und Bewässerungen durch mehrere Gemeinden, den zuständigen Ausschüssen. Dem Ausschußantrage zu der Vorlage, betreffend den am 5. März 1902 in Brüssel zwischen dem Reiche und mehreren anderen Staaten abgeschlossenen Vertrag über die Behandlung des Zuckers und den Ent­wurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Zucker st euer- ge setz es wurde die Zustimmung erteilt, ebenso dem Aus­schußbericht über die Vorlage, betreffend den Entwurf einer Verordnung wegen lcmdesrechtlicher Anwendung des Reichs­gesetzes über Unfallfürsorge für Beamte und Personen des Soldatenstandes vom 18. Juni 1901 in Elsaß-Lothringen. Dem Ausschußantrage zu dem Anträge der Landes Versiche­rungsanstalt Westfalen aus Genehmigung von Mehrleist­ungen gemäß § 45 des Jnvalidenversicherungsgesetzes wurde eebnfalls die Zustimmung erteilt.

Greiz, 29. April. Ter neue Regent von Reuß ä. L, Fürst Heinrich XIV. hat, wie berichtet wird, das Staatsministerium sowie sämtliche bekanntlich der hessisch- hannoverschen Rechtspartei angehörigen Landesbeamten von Reuß ä. L in ihren Aemtern bestätigt.

Karlsruhe, 29. April. Heute vormittag 11 Uhr empfing der Groß Herzog den gestern abend hier ein- getroffenen Prinzen Georg Wilhelm, Herzog zu Braun- chweig-Lüneburg, der ein Glückwunschschreiben seines Vaters, des Herzogs von Cumberland, überreichte. Um 12i/2 Uhr empfing der Großherzog im Beisein des Staats­ministers von Brauer den kaiserlich-türkischen Botschafter in Berlin, Achmed Tewfik Pascha, der dem Großherzog im Auftrage des Sultans den Jrntiazorden überreichte. Sodann empfing der Großherzog die Begleitung des Bot­schafters, den Divisionsgeneral Nassir-Pascha und den ersten Botschaftssekretär Moustafa Asftm-Bei. Um 2i/2 Uhr nachmittags unternahmen die höchsten Herrschaften eine weitere festliche Rundfahrt durch die Stadt unter großen Ovationen der Bevölkerung. Um 4'-» Uhr wurden die türkischen Abgesandten von der Großherzogin in Audienz empfangen. Um 5 Uhr sand im Schlosse zu Ehren der türkischen Gesandtschaft ein Diner statt.