jeden Rechnungsjahres aus der Staatskasse der zehnte, Teil desjenigen Betrages vergütet wird, den fie in demselben Rechnungsjahr für die persönlichen Kosten (Gehalte und Remunerationen) des Polizeiaufsichtspersonals thatjächlich aufgewendet hat. Nach dem Entwurf eines Gesetzes, die Diszrplinarverhältnisse der Gendarmen betreffend, finden auf die Msziplinarverhältnisse der Angehörigen (Offiziere und Mannschaften) des Gendarmeriekorps, soweit in diesem Gesetze nicht ein Anderes bestimmt ist, die Vorschriften über die Disziplinarverhältnisse der nicht richterlichen Staatsbeamten Anwendung. Tie Verhängung und die Vollstreckung von Ordnungsstrafen gegen Angehörige des Gendarmeriekorps erfolgt nach Maßgabe der Lisziplinar-Strasordnung für das Heer durch die militärischen Vorgesetzten, lieber Beschwerden gegen deren .Entscheidungen hat in letzter Instanz das Ministerium des Innern zu erkennen. Der Kommandeur des Gendarmerie- torps hat von den Dienstvergehen, welche zu der Entfernung eines Angehörigen des Korps aus dem Amte Veranlassung geben können, alsbald dem Ministerium des Innern Kenntnis zu geben. Durch Verordnung kann bestimmt werden, daß der Kommandeur des Gendarmeriekorps auch in anderen Fällen vor der Ausübung der Disziplinarstrafgewalt dem Ministerium des Innern Kenntnis zu geben hat. Im Falle .einer solchen Vorlage steht die Entscheidung darüber, ob eine Ordnungsstrafe zu verhängen oder ein förmliches Dis- ^ziplinarstrafverfahren wegen Entfernung aus dem Amte einzuleiten ist, in Ansehung der Offiziere des Gendarmeriekorps dem Grostherzog, in Ansehung der Mannschaften des .Gendarmeriekorps dem Ministerium des Innern $il — Bei den Gesetzentwürfen hat die Regierung umfängliche Begründungen beigefügt. — Die Besoldungen und nicht pensionsfähige Bezüge der Gendarmerie - Oberwachtmeister, der Gendarmerie- sMachtmeister und der Gendarmen sind nach dem -Gesetzentwürfe die folgenden: A. Besoldungen. 22 Oberwachtmeister 2200—2300 Mark (2200, 2350, <2500, 2600 Mk.) 81 Wachtmeister und 145 Gendarmen 1400—1800 Mk- (1400, 1500, 1600, 1700, 1800 Mk.) mit -dreijähriger Aufrückungsfrist. Jeder Wachtmeister erhält .als Wachtmeistergehalt 200 Mk. jährlich mehr, als sein -Gehalt als Gendarm betragen würde. B. Nichtpensi- wnsfähige Bezüge. 1. Stationszulage: für 45 nicht kasernierte Oberwachtmeister, Wachtmeister und Gendarmen ,ln den größeren Plätzen und teueren Orten und zwar: .25 Stellen je 150 9)1 L, 20 Stellen je ilOO Mk. 2. Bekleidungszulage: cl für 32 berittene Oberwachtmeister, Wachtmeister und Gendarmen je 120 Mk., b. für 216 Oberwachtmeister, Wachtmeister und Gendarmen zu Fuß ije 96 Mk- ।
Der Abg. Zinßer beantragt, die Kammer wolle an die Regierung das Ersuchen richten, von den unter Kapitel ■53, Tit. 1, IV verfügbaren Mitteln des Staatsbudgets von 1902/03 den Betrag von 600 Mark als jährliche Staatssubvention für einen Veterinär arzt mit dem Wohnsitz in Schlitz einzustellen bezw. zu bewilligen, und die betr. Stelle zur Besetzung für den 1. April hb. I., auszuschreiben.
In dem Voranschlag des Staatshaushaltsplanes soll auf Wunsch der Staatsregierung ein Betrag von 5000 Mk. eingestellt werden, welcher bestimmt ist, die Einrichtung v.on Einkaufsgenossenschaften zu fördern und eine Verbindung dieser Genossenschaften unter sich herbei-, zuführen. In dieser Unterstützung von Ein kauf s gen ossen- sichaften durch staatliche Mittel erblickt der Verband deutscher -Eisenwarenhändler eine schwere Schädigung der Jn- teressen seiner Mitglieder sowie überhaupt des ganzen Zwischenhandels, die um so mehr in Betracht kommt, als sie zu einer Zeit ausgeführt werden soll, in welcher die Lage des Zwischenhandels ohnehin eine wenig günstige ist. Der genannte Verband bittet daher die Kammer, «die geforderten 5000 Mark nicht zu bewilligen.
Aus Stadt und Land.
/(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 30. Januar 1902.
** Einladung zum Bezüge des Gießener Anzeigers. Zum Bezüge für die Monate Februar und März laden wir Hiermit höflichst ein. Bestellungen nehmen alle Zeitungs- träger, Zweigstellen, Postanstalten und die Expedition entgegen.
** Der Januar hat sich mit Regen eingeführt und mit Schnee nimmt er seinen Abschied. Im Februar soll der 6., St. Dorothee, alter Ueberlieferung gemäß den meisten Schnee .bringen. Die Wetterregeln für den neu einziehenden Monat lauten:
„Thaut es vor und auf Mattheis (24.), Dann sieht es schlecht aus mit dem Eis." —
.Mattheis bricht's Eis; hat er keins. So macht er eins." —
„Ist der Februar heiß und trocken, soll der August heiß werden." —
„Ist der Himmel hell und rein, Fehlt auch kaum der Sonnenschein."
r. Beneru, 27. Jan. Der Gesangverein „Polykchmnia" hält seinen diesjährigen Winter ball, verbunden mitTheater- auffühmmgen, nächsten Sonntag Abend in der Restauration „Germania" hier ab.
- h- Burkhards, 29. Jan. Nunmehr sitzt der des scheußlichen Sittlichkeitsverbrechens beschuldigte Wilhelm Lang hinter Schloß und Riegel. Wie man hört, hat sich der Bursche seither in einer Scheuer aufgehalten und wurde von seiner Mutter beköstigt. Da die Frau abends spät und morgens sehr früh Licht im Hause hatte, so kam dies den Nachbarn verdächtig vor. Gestern abend wurde das Haus von etwa 40 Bürgern umstellt. Der Beigeordnete Kaiser und ein Nachtwächter nahmen den Verbrecher fest. Heute morgen wurde er nach Schotten abgeliefert.
- t- Harimannshain, 29. Jan. Heute abend fand die Generalversammlung des Kriegervereins, verbunden mit der Geburtstagsfeier des Kaisers, unter reger Beteiligung statt. Der Vorstand wurde wiedergewählt. Sodann brachte Lehrer Schmidt ein Hoch auf den Kaiser aus. Den Schluß des Abends bildete ein spannender Vortrag des Lehrers Hofmann von Volkartshain über die kulturhistorische Entwickelung der hiesigen Gegend von Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur Jetztzeit.
- i- Grebenhain, 28. Jan. In Hartmannshain wurde heute ein schwerer Einbruchsdiebstahl entdeckt. Die Frau eines dortigen älteren, ärmlichen Mannes, der heute über Land war, entdeckte bei ihrem Nachhausekommen, daß die Hausthür ihrer Wohnung durch Ausschneiden des Schlosses geöffnet war. Bei genauerem Nachsehen fand sie, daß ihr ferner zusammengespartes Geld im Betrage von beinahe 500 Mk. verschwunden war. Der Gendarmerie wurde sofort Mitteilung gemacht, die auch gleich Recherchen anstellte, die aber bis jetzt ohne Erfolg geblieben sind. Allem Anscheine nach hat der Dieb in der Behausung Bescheid gewußt.
n. Nieder Ofleiden, 28. Jan. Die Masern sind hier in solchem Umfange ausgebrochen, daß die Schule seit gestern geschlossen werden mußte. Zwei Kinder sind schon dieser tückischen Infektionskrankheit zum Opfer gefallen; in anderen Fällen ist das Schlimmste zu fürchten.
- t Wiudecken bei Hanau, 29. Jan. Schon seit Neujahr wird ein hiesiges Mädchen vermißt, das in dem benachbarten Büdesheim diente. Es machte am Neujahrstage in seinem Heimatsorte eine Tanzbelustigung mit und entfernte sich am folgenden Morgen, um wieder seine Stelle anzutreten. Es ist seitdem verschwunden. Alle Nachforschungen blieben erfolglos.
Homburg, 28. Jan. Zur Frage der neuen Bäder- bahn hat das Komitee zur Besserung der Homburger Verkehrsverhältnisse dem hiesigen Magistrat eine Eingabe unterbreitet, in der es heißt: Seitens des (unterzeichneten) Komitees sind in dieser Angelegenheit bereits seit mehreren Jahren alle nur möglichen Schritte geschehen. Die von dem Komitee in Uebereinstimmung mit dem schon seit 30 Jahren bestehenden Projekte, vorgeschlagene kürzeste Führung über Rödelheim-Höchst durch Einführung in die Taunus-Bahn ist seiner Zeck wegen angeblicher technischer Schwierigkeiten leider abgelehnt worden. Wenn die erwähnte kurze Verbindung mit der Taunusbahn für Homburg naturgemäß am zweckdienlichsten gewesen wäre, so kann man sich unter den obwaltenden Verhältnissen auch mit einer Führung über Oberursel-Cronberg-Soden nach Castel-Mainz und dem Rhein einverstanden erklären. Durch die von jeher hier vertretene Führung über Castel- Mainz würde die Traee durch einen Teil des blauen Länd-' chens gehen, und Homburg bei gleicher Fahrzeit außer Wiesbaden auch noch mit Castel-Mainz mit ihren ca. 100 000 Menschen in direkte Verbindung bringen, und durch diese große Bevölkerungsziffer, die mit Wiesbaden zusammen derjenigen von Frankfurt fast gleichkommt, wäre ein Grund zur Berechtigung für die Einrichtung selbständiger D-Züge Nauheim, - Homburg - Castel - Mainz, - Wiesbaden gegeben. Gerade durch diese Näherrückung von Mainz und dem Rhein wäre ein namhafter Aufschwung unserer Fremdenfrequenz und des Passantenverkehrs zu erwarten. Menu man noch die strategische Bedeutung dieser Richtung durch die alsdann eintretende direkte Verbindung der Festung 9Nainz mit Berlin binzurechnet, und außerdem die weit größere Rentabilität durch den Anschluß der Großstadt
Mainz mit ihrem Hinterland und dem Rhein in Rücksicht zieht, so erhellt, daß diese Linie auch weck größere Aussicht auf Verwirklichung durch die Eisenbahnverwaltung hat, während andere Projekte nur geeignet sind, die Aus- sührung zu verzögern und zu verschleppen.________________
Vermischtes.
* Hamburg, 29. Jan. Der der Hamburg - Amerika- Linie gehörige Dampfer „ Australia", der auf der Schelde in der Höhe von Doel strandete, ist nach neueren hier eingelaufenen Meldungen durchgebrochen und dürfte total verloren sein.
* Paris, 19) Jan. In Vervey wurde ein 16jähriges Dienstmädchen mit durchschnittenem Halse tot aufgefunden. Ein in demselben Hause beschäftigter Diener wurde als mutmaßlicher Mörder verhaftet.
* Mons, 29. Jan. In dem nicht mehr im Betriebe befindlichen Schacht Nr. 4 der Grube „Couchant de Fltznu", in den gestern Abend drei Arbeiter hinabstiegen, um notwendige Arbeiten auszuführen, fand heute früh eine Explosion schlagender Wetter statt. Da große Steinmassen einstürzten, war es bis heute Nachmittag noch nicht gelungen, zu den Verunglückten vorzudringen.
* Der Kronprinz als Student. Allerhand Gerüchte, von denen wir neulich schon einmal Notiz genommen haben, werden über das Leben des Kronprinzen in Bonn verbreitet. Es wird erzählt, er sei keineswegs „liberal", wie man das von allen Kronprinzen annehme, dazu sei seine Erziehung „zu kirchlich" gewesen. Es ist wohl das Richttge anzunehmen, daß Prinz Wilhelm vorläufig in dem Jdeen- kreis seines Vaters aufgeht und sich über die meisten Fragen noch keine selbständige Meinung gebildet hat. Wie alle idealen Interessen aufgeschlossene junge Gemüter hat er auch einmal gedichtet und das Gedicht im kleinen Kreise bekannt gemacht. Tas Gedicht schildert die Abenddämmerung. Der Schleier der Nacht senkt sich auf die Erde nieder, Rehe treten aus dem Walde heraus und es zittert die Klage wieder, wie bald sie das mordende Blei des Jägers treffen werde. In Bonn lebt der Kronprinz sehr einfach, singt, spielt Klavier und verkehrt viel in einer Kommerzienratsfamilie, mit dessen Töchtern er Kroquet und Tennis spielt.
* Der Flecken Ruß in Ostpreußen hat jetzt einen Schacktarp, wie man ihn seit Jahren nicht mehr so anhaltend erlebt hat. Nach der Niederunger Seite hin ist der Verkehr vollständig gehemmt. Es kann keine Post hinüber, und die in der Brionischker Schneidemühle arbeitenden Rußer haben ihre Angehörigen seit Tagen nicht mehr gesehen. Nach Heydekrug zu gelingt es ab und zu, nach stundenlanger Arbeck mittels Eisbootes die Postsachen und einzelne Reisende hinüber und herüber zu befördern. Nächst dem Telegraphen verdanken es die Rußer hauptsächlich der Kühnheit und Aufopferung des Posthalters I. Lorenz, daß sie mit der Außenwelt Fühlung haben. Mit erstaunlicher Gewandtheit und Kraft versteht er es, unter Einsetzung seines Lebens 'den Postkahn durch das zusammengeschobene lockere Eis hindurchzubringen. Aber auch die Fährleute leisten mit ihrem Fährkahn Staunenswertes. Wenn sie, neben dem Kahn hergehend, fortwährend einbrechen und herausgezogen werden müssen, verlieren sie durchaus nicht den Mut und auch nicht den Humor. (Man spricht von Schacktarp, wenn ein Gewässer mit so weichem, leicht brechendem Eise bedeckt ist, daß die Passage über das Eis nicht möglich ist, andererseits aber auch ein Verkehr mit Kähnen infolge des „Eisschlammes" unmöglich ist.
* Ein Familiendrama, das noch in seinen Einzelheiten der Aufklärung bedarf, hat sich in Paris ereignet. Als nach Mitternacht der zwanzig Jahre alte Eduard Leroy von einer Opernvorstellung heimkehrte, fand er seinen 56jährigen Baker, einen Beamten des Bankhauses Rente Foneiere, mit einer Schußwunde in der Schläfe tobt vor. Auf dem Tische lag ein Schreiben folgenden Inhaltes: „Verzeihe, lieber Sohn, ich mußte Deine Mutter wegen ihrer Leichtfertigkeit umbringen, hätte aber nie gedacht, wie schwierig es ist, eine Mordthat zu begehen. Nach dem ersten Messerstiche flehte sie um Gnade, lief dann im Nachtgewande in den Garten und sank nieder. Dann that mein Rasiermesser das übrige. Ich meinerseits hoffe auf rascheren schmerzlosen Tod! Adieu!" Leroy jun. fand die Mutter im Blute schwimmend tot. Er machte erst mittags Anzeige und erklärte dem Kommissar, daß ihm nach der Aufregung dieser Nacht der Schlaf ein Bedürfnis ge» wesen wäre.
Gustav Cb erlein, zur Ausführung übertragen werden. Der in Deutschland wie in Italien mit begeisterter Freude auf genommene Gedanke des Kaisers, der Stadt Rom ein Standbild des jungen Goethe zu widmen, stammt Wohl nicht erst aus der jüngsten Zeit, vielmehr schein! sich der Kaiser schon lange mit der Absicht getragen zu haben, der dankbaren Erinnerung an die weihevollen Stunden, die er aus den Trümmern des klassischen Rom verlebt hat, greifbare Gestalt zu. verleihen. Die Eindrücke, die der Kaiser jüngst bei der Eröffnung des Berliner Pergamon- Museums gewonnen hat, dürften mit dazu beigetragen haben, den Plan zur Reife zu bringen- In allgemeinen Zügen steht der Entwurf fest. Dem Denkmal sollen unter anderen die Hauptgestalten der Dichtungen einverleibt werden, mit denen sich Goethe während seines ersten Aufenthalts in Rom beschäftigt hat- Dadurch sollen die kräftigen Einflüsse, die das llasfische Rom auf den jungen Goethe ausgeübt hat, künstlerisch verkörpert werden- Än- zelne dieser Gestalten werden um die Hauptfigur gruppiert, andere auf den Marmorstufen hingelagert sein. In Frage kommen^ dabei in erster Linie Iphigenie, Egmont, Faust, Tassv und Gestalten aus den römischen Elegien- Die Hexenküche aus „Faust" soll, wie es heißt, besonders sorgfältig herausgearbeitet werden. Jedenfalls wird Gewicht darauf gelegt, daß das ganze Denkmal in klassischen Formen ausgeführt wird. Wann es fertiggestellt sein wird, ist noch nicht bekannt- — Heber das Geschenk des Kaisers an die Stadt Rom äußert sich Giornal d'Jtalia: „Nichts überrascht mehr bei dem genialen deutschen Kaiser. Aber dieser Gruß an die Stadt Rom, hat uns alle bewegt und enthusiasmiert- In diesem römischen Gedanken Wilhelms II. liegt die große Lecken- fchaft des Denkers und Künstlers, liegt eine erhabene Verehrung für die Sck)önheit und jene Glorien, die nie
mals erlöschen- Und weiter: Kaiser Wilhelm II. erobert sich mit dem Laufe seiner Dacht die Herzender Amerikaner, er erstickt das franzäsische Mißtrauen, indem er die Rejane und Coquelin willkommen heißt, er beruhigt den englischen Zorn, indem er auf den Prinzen Wales toastet- Was Italien betrifft, so war nichts aus der Welt zu schassen, nichts zu beruhigen, nichts zu erobern. Das kaiserliche Telegramm war nur eine feinfühlige Ehrung R o m s- — Die „Tribuna" dankt ebenfalls in enthusiastischen Worten für das Geschenk des Kaisers und sagt: Bezüglich der Handelsverträge ist Deutschlands Haltung nicht gegen uns, noch weniger bekümmert es sich um das uns interessierende Mittelmeer. Gleichzeitig erfreuen wir uns erneut der Freundschaft Frankreichs und sind zufrieden über jeden Beweis ständiger Herzlichkeit, der aus dem deutschen Reiche kommt.
— Gründung einer deutschen Akademie. Die Revue hebdo- madaire versichert, daß Kaiser Wilhelm i. gegenwärtig den lebhaftesten Wunsch hege, eine deutsche Akademie nach dem Muster der Academie francaite zu gründen. Prof. Mommsen soll gelegentlich seiner letzten Reise nach Paris vom Kaiser den Austrag erhalten haben, sich mit Gaston Boissier in Verbindung zu setzen, und nach der Unterhaltung mit dem beständigen Sekretär der Academie fran^aiso soll dann der berühmte Gelehrte dem Kaiser ausführliche Mitteilungen über den Geist, die Traditionen, das Leben des französischen Instituts gemacht haben. „Der Kaiser", fugt die erwähnte Revue hinzu, „glaubt, daß es in seinem Lande ganz große Schriftsteller gebe, um sofort eine Akademie zu bilden, die glänzender wäre, als es die von Richelieu in ihren Anfängen war. Dem Plan des Kaisers stellen sich aber mehrere Schwierigkeiten entgegen. Ter Kaiser möchte die Akademie natürlich in Berlin installieren, aber die meisten Schriftsteller, die er bereits gewählt hat, wohnen nicht in Berlin. Was würde aber eine Akademie bedeuten, zu deren Sitzungen sich kein Mensch einfinden würde? Und wenn man wieder die Akademie außerhalb ber,
Reichshauptstabt installierte, wäre sie bann nicht im voraus einem Leben ohne Glanz geweiht? Tazu kommen noch anbere Schwierigkeiten. Es giebt in Teutschlanb bereits akademische Gesellschaften; sie sind im Prinzip frei; aber der Staat hat doch bei allen Wahlen bas Bestätigungsrecht. Soll bie große beutsche Akabemie bemselben Regime unterworfen werben? Ter Kaiser wünscht es und weist darauf hin, daß einst auch Ludwig XIV. und Ludwig X*. gegen berühmte Kandidaturen ihr Veto einlegten. Aber die Zeiten haben sich geändert; in Frankreich würde niemand mehr die Intervention des Staatsoberhauptes zulassen. Ob sie in Deutschland besser ausgenommen würde, ist noch die Frage; jedenfalls würde dann die deutscbeAkademie in den Augen derWelt nicht dasselbe Ansehen und dieselbe Autorität haben, wie die freie französische Akademie. Und wer weiß, ob bie großen Schriftsteller sich mit bieser Beschränkung ihrer Unabhängigkeit einverstanben erklären würben; ber Kaiser hat zuviel Urteilskraft, um nicht burch alle biese Einwänbe nach- benklich gemacht zu werben. Er prüft sie, er wägt sie gegenein- anber ab unb ist, wie man sagt, zu bem Schluß gekommen, daß die deutsche Akademie, wenn man ihr vollständige Freiheit läßt, in ganz firner Zeit der Tummelplatz destruktiver litterarischer Tendenzen sein würbe. — Die Revue hebdunjadairo sagt leibet" nicht, woher ihr biese KennMis ber Absichten unb Ansichten des Kaisers gekommen ist.
— „0 r a et labora', ein neues Stück von Hermann H e i j e r m a n s, dem Dichter ber „H offnun g", (bei Köhler in Leipzig unb Henbel in Halle) wirb nächstens in Amsterdam auf- gefuhrt werden.
— Karl Costa, ber österreichische Verfasser ber Posse „Ihr a i feiert am 2. Februar seinen 70. Geburtstag. Ter greise schriftsteller hat bereits 88 Geisteskinber bas Licht der Lampen erblicken lassen unb ist noch immer probuktiv. Drei Jahre lang war Costa Leiter des Theaters in ber Wiener Josefstadt. cm "crIitt 1 29. Jan. Der G o e t h e - B u n b erklärt die Melbung, baß er anläßlich ber Ueberweisnng eines Goethe- DenkmalSan die Stadt R o m bem Kaiser eine H u l b i g u n g barbringen wolle, als vollstänbig aus der Luft gegriffen.


