Heber
— Das neue Frankfurter Schauspielhaus. Eine
Die Deutscheaverfolguogeu in Ungarn.
Der Privatbeamte Krisch wurde, wie wir bereits meldeten, vom Schwurgericht in Szegedin zu 4 Monaten Gefängnis und 200 Kronen Geldstrafe verurteilt, und zwar bestand das Verbrechen, das er begangen hatte, in folgendem Gedicht, daS er an Arthur Korn, den Herausgeber der „Groß-Kckindaer Zeitung", gerichtet hatte:
An Arthur Korn.
„Der de dapperen Strijder vor Recht unb Vryhejd.* (Burenmedaille 1900.) Nicht um Mammon -u erwerben Pocht ich einst an Deine Thür!
Ginge auch mein Glück in Scherben, Ewlg Treue hielt ich Dir! Sei gegrüßt, Du tapfrer Streit« Für befl deutschen Volkes Recht I Denn Dein Herz ist stark unb mutig Unb Dein Fühlen treu unb echt.
Wenn Dir auch Gefahren bräuen, Sinkt boch nicht Tein beutscher Mut. Möge Gott Dir Beistanb leihen In bem Kampf für deutsches Blut! Dankbar sind wir Dir ergeben. Trotz der Zeiten Sturm unb Not, Ta aut Demen Spuren leuchtet Unseres DolkStumS Ntorgenrot.
Nimm den Lorbeerkranz entgegen. Den Dir bte Verehrung flicht, Da Du furchtlos allerwegen Treu erfülltest Deine Pfllcht l Wenn Dich auch Gefahr umtoset, Reicht an Dich fein feiler Spott; Wanble treu ben Weg ber Pflichten Unb vertrau auf unfern Gott.
Wenn wirklich nichts anbereS gegen Krisch vorliegt, so hat die „Deutsch-ungar. ftorr.' nicht Unrecht, wenn sie ei- olches Urteil als eine Gewaltthat bezeichnet. Jnzwischt ist Korn auS Groß-Kikinda ausgewiesen worden, obwohl r ungarischer Staatsbürger ist. Da gegen Korn insgesamt auf 14 Monate Gefängnis erkannt worden ist, und er gewärtigen mußte, daß man ihm einfach durch fortgesetzte Ausweisungen jede Thätigkeit in Ungarn unmöglich machen würde, hat C ich der ihm drohenden, von der magyarischen Prefle laut geforderten Verhaftung durch die Flucht inS Ausland entzogen. .
Die „Wiener Polit. Korr.' veröffentlicht nun ein (Som* munique, in dem sie erklärt, daß Berliner Blätter bei Darstellung dieser Vorgänge sich Entstellungen schuldig gemacht hätten, und worin es u. a. heißt: Diese deutschen Blätter identifiziren die deutsche Bevölkerung Ungarns mit diesen beiden Redakteuren; ferner bezeichnen sie die ungarische Justiz als Organ der ungarischen Regierung, und muten dieser zu, daß sie die Unabhängigkeit der Gesetze beeinfluffen könnte. Weiter schildern die Berliner Blätter die Verhältnisse derartig, als würde die ungarische Regierung den Chauvinismus großziehen. Diese betreffeuden Berliner Blätter scheinen nicht zu wlffen, daß die Komitate in Ungarn der Reihe nach seit Jahr unb Tag die Revision des NationalitätengesetzeS un- abänderlich anstrcben. Die Regierung verhält sich gegenüber diesen Forderungen so, daß sie diese durchaus nicht begünstigt und weder für, noch gegen die Wähler Stimmung macht. Die ungarische Regierung muß dagegen protesticen, daß Berliner Blätter die ungarische Justiz verdächtigen und die Unabhängigkeit der Regierung in Zweifel ziehen, gleichwie man dagegen protestiren muß, daß die deutsche Bevölkerung m Ungarn als unterdrückt und als Volk zweüer Klaffe dari- gestellt wird. Es steht den Berliner Blättern frei, fich niit den bettcffendcn Regierungen zu identifiziren, in Ungarn ifv.ui cs weder die deutschen noch andere. /”.
______■- ...
Ni o ne ChocoladeWaffeln rI“1
Za haben bei Ilofl. J. koui, belcersweg Ko. 25
nicht besonders gut gelüfteten Theatersaal einfinden und sich am Ende ein befriedigtes „Gesegnete Mahlzeit" zurufen. P. W.
sichtigung des neuen Hauses läßt schwere Bedenken wegen rechtzeitigen Fertig st ellung zum 2 b. Oktober aufsteigen. Zwar äußerlich ist der monumentale Bau vollendet, an einer der großen Flügelgruppen an bem Portal wird eben noch gearbeitet unb bas Portal wirb gerabc fertiggestellt, auch bie überaus geräumige und mit den mobernsten Errungenschaften ber Bühnen-
Politische Tagesschau.
Der Deutsche Handwerks. und Gewerbekammertag äßte einen Beschluß, in dem eine Aenderung des Gesetzes rahin gefordert wird, daß die Befugnis zur Anleitung und Haltung von Lehrlingen in Handwerksbetrieben nur Solchen zustehen soll, die das 24. Lebensjahr vollendet und im Gewerbezweige, in dem die Anleitung und Haltung erfolgen soll, die Berechtigung der Führung des Meistertitels haben. Man beschloß ferner einstimmig: Er ist der Ansicht, daß durch ein neues Organisationsgesetz allein die wirtschaftliche Hebung des Handwerks in genügender Weise nuyt erreicht weüren kann, deshalb begrüßt der Handwerks- und Gewerbekammertag die am 4. Juni 1902 vom preußischen Abgeordnetenhause angenommene Resolution Trimborn betreffend Förderung des Kleingewerbes mit Freuden. Da sich aber nicht nur das ireußische, sondern das gesamte deutsche Handwerk in einer wirtschaftlichen Notlage befindet, richtet der 3. Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag an alle deutschen Bun- resregierungen das dringende Ersuchen, in ausreichendem Maße Mittel zur wirtschaftlichen Hebung des Handwerks, insoesondere zur Errichtung von M ei st e r kur s e n für >ie weitere Ausbildung von Handwerksmeistern, zur Veranstaltung von Ausstellungen mustergiltiger Maschinen und Werkzeuge, zur Errichtung von gewerblichen Auskunsts- 1 eilen, zur Anregung der Bildung von Kredit-, Rohstoff-, Werl- und Magazingenossenschaften usw. zur Verfügung zu stellen. Delegierter Exler befürwortet einen längeren Antrag, nach welchem die Ausbildung der Hand- werkerjugend ausschließlich Sache der Meisterschaft fein oll, und zwar nicht nur in der Werkstatt, sondern auch in Bezug auf die Erziehung, die theoretische und technische Ausbildung im Fach und in der Fortbildungsschule. Auch müsse das reichsgesedliche Recht der Innungen, Fach- chulen zu errichten und zu leiten, in vollstem Umfange und mit voller Energie gewahrt, und von den Handwerkskammern unterüsttzt werden. Nachdem Regierungsrat Dr- von Seefeld vom preußischen Handelsministerium den ersten Teil des Antrages als undurchführbar erklärt hatte, wurde beschlossen, den Antrag einem Ausschüsse zur Berücksichtigung zu überweisen. Des Weiteren wird aus Antrag der Handwerkskammern Straßburg und D-esiau beschlossen, eine Kommission zu beauftragen, einen Gesetzentwurf betr. obligatorische Einführung von Arbeitsbüchern auch für volljährige Arbeiter auszuarbetten, die beteiligten Innungen zur Mitarbeit heranzuziehen und dem nächsten Handwerkstag Bericht zu erstatten.
In namentlicher Abstimmung wurde mit 35 gegen 26 Stimmen folgender Antrag angenommen: Der § 100 oer Rerchsgewerdeordnung, welcher bisher lauttet: Die Innung darf ihre Mitglieder in der Festsetzung der Preise ihrer Waren oder Leistungen oder in der Annahme von Kunden nicht beschränken, möge folgende Fassung erhalten:
„Die Innung darf ihre Mitglieder in der Festsetzung der Preise ihrerWaren oder Leistungen nur insoweit beschränken und überwachen, als es derselben überlassen ist, für gleichmäßige Waren oder Leistungen Mindestpreise oder Lohnsätze sestzustellen. Derartige Beschlüsse unterliegen der Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Diese kann veranlassen, daß bei den Innungen, deren Bezirke sich über mehrere Gemeinden erstreckt, die Festsetzung für jede Gemeinde gesondert erfolgt."
Als Ort für die Abhaltung des nächsten Handwerks- oder Gewerbekammertages wurde München gewählt. Tie Versammlung wird hierauf geschlossen.
Leistungen auf dem Gebiete der Litteraturgeschichte, um bte ihn mancher Berufsgelehrte beneiden könnte. Von Lechel- häuser ging die Anregung zur Begründung der Shake- vearegesellschust aus. — Nächst Schlegel unü Ti eck, nächst Dingelstedt und seinen Mitarbeiter« haben wenige für die Kenntnis Shakespeares in Deutschland soviel gethan wie Lechelhüuser. — Mit Ulrici unb Fiusen leitete er eine große Shakespeare-Ausgabe, besorgte eine Volksausgabe und lieferte in seinen Einführungen zu Shakespeares Dramen und in anderen Beiträgen wichtiges Material zur Kenntnis deS brittschen Dichters. Jnter- e feint ist, daß auch Ludols Camphausen sich an Shake- >eare „nicht satt lesen" konnte und diesem Dichter viel ildung verdankt.
Fürwahr, es tritt immer deutlicher In Erscheinung, wiv« viel Talente das neue Deutschland gerade dem Kaufmann-- tande verdankt, harmonische Naturen, in denen nicht ein* eiliger „Krämergeist", sondern ein aufrichtiges Streben nach »em Schönen, Wahren, Guten wattete.
Die Sozialdemokratie unb die LandtagSwahlea in Oldenburg.
Die Sozialdemokratie hat bei den Laudtags-Wahle« in Oldenburg ungeahnte Erfolge errungen; nach dem Aus- äll der Wahlmännerwahlen steht es fest, daß der eine Sozialdemokrat, der bereits im Landtag saß, zwei neue Kollegen erhalten wird; möglicherweise wird die sozial- )emolratische Fraktion auf 5 anwachsen. In einem Wahlkreise nämlich hat die Sozialdemokratie wohl die relative, aber nicht die absolute Majorität erlangt. Die Sozial- »emokraten wollen versuchen, einen Kompromiß mtt den Liberalen zu stände zu bringen, woran aber nicht zu denken ist. Sehr bemerkenswert bei der jetzigen Wahlbewegung ist, daß auch in rein ländlichen Wahlkreisen die sozialdemokratischen Wahlmänner gewählt wurden. Sieht man von >em sächsischen Landtag in Dresden ab, aus dem infolge »es veränderten Wahlsystems die Sozialdemokraten immer mehr verschwinden, so yaben in allen (Simellanbtagen mtt Ausnahme desjenigen, von Preußen die Sozialdemokraten immer festeren Fuß gefaßt.
Ueberraschend ist angesichts berartiger Thatsachen bte klägliche Gl eich giltigkei t der Bürger massen, obwohl bei uns in H e s s e n die Wahlen unmtttelbar vor der Thür stehen. Die sozialdemokratische Arbeit für diese Wahlen hat fast überall mit Lebhaftigkeit eingesetzt! Tie Wahlen in Oldenburg geben sehr zu denken; es sind dort in ländlichen Ortschaften sozialdemokratische Wahlmänner, in denen früher die Sozialdemokratie völlig machtlos war, gewählt worden. Man kann sich auf ähnliche Resultate in zahlreichen Kreisen Hessens gefaßt nw.^ die sozialdemokratische Landagttation wird überall nz auffallend leicht genommen.
technik aufs Praktischste eingerichtete Bühne ist bis auf Kleinigkeiten gebrauchsfertig, aber bas Auditorium — da siehts noch ziein- lich rückstänblg auS. Es wird zwar eben mit Hochdruck gearbeitet, aber troljbcm wirb ber F e r t i g st e 11 u n g S t e r m i n tau m innegehalten werben können. Der Zuschauerramn ist in recht gefälligen Formen gehalten, über ben Parkettlogen erheben sich brei Ränge, bereu oberster bie Galerie mit ihrer offenen, schwungvollen Rundung ben besten Embruck macht, well sie nicht durch einen breit auSlabenbcn Ueberbau erdrück! wirb, wie bie einzelnen Rönne. Tie intime Wirkung, bie besonbers bas moberne Konversationsstück erforbert, scheint glücklich gewahrt zu sein, ein Wald von Gerüststangen unb Brettern stört bie Beurteilung noch zu start. Tie Ausstattung beS Zuschauerraums wirb äußerst einfach sein, reiche Stuckverzierung, figürliche Ausschmückung ber Pro- keniummünbungen an der Decke unb geschmackvolle Golbabtönung, sodaß der Farbencharakter des Jnnenraums sich auf ein möglichst dunkles Pluschrot, weiß und gold beschräicken wird. Ter erste und zweite Rang münden aus das Aon er. das auch noch sehr weit zurück ist, aber jedenfalls der schönste Raum des pauses werden wird. Auch hier wird sich bie bekoralive Ausstattung auf bas notroenbige unb architektonisch - künstlerisch Unerläßliche beschränken. In schroffem Gegensatz zu ben großartigen Dimensionen ber Bühne flehen bie Verhältnisse ber Sulagajinbauten, bie samt und sonders zu klein s i n b, sobaß N o t s ch u p p e n zu Hülfe genommen werben müssen. Fast alle modernen Theater leiben an diesem Mißstand. Tie künstlerischen und technischen Arbeitsräume, Garderoben, Aialersaal sind reichlich groß, hell unb luftig, nichtsdestoweniger ist die Platzfrage in dem neuen ochauspielhause recht kritisch. Auf der Bühne sind bereits die neuen Dekorationen au,gehängt und gestellt — wunder- bare Arbeiten — die nut den Kostümen die Summe von 860 000 Mark kosteten. In den legten Tagen wurden akustische Versuche in bem Haus ai,gestellt, die bas beite Resultat zeitigten: die schwiermste Aufgabe wäre also glücklich gelöst.
— In Köln erzielte bei der Erstaufführung im alten Stadt- theater Felix Philipps Schauspiel „Das große i d) f eine große Wirkung. Es fei baraui bingeivicjcn, daß dieses packende Drama in ber bekannten AloUmschrift „‘Horb unb Sud' (Mai unb Juni) erschienen ist.
äenerffte, tn ttem ste bittere Klage führen über die schrecklichen Verwüstungen, die der Krieg über die ein ff in en freien Republiken gebracht hat. Der „kleine Betrag', ben England zur Linderung der Not gespendet hat, reicht bet wettern , icht auS, um auch nur das größte Elend zu bannen. Daher bitten die Generäle um weitere Liebesgaben für die Witwen, Waisen, Verstümmelten und Bedürftigen unb die Erziehung der Kinder". Welche furchtbare Anklage liegt in diesen Worten des Manifestes, dessen ganzer Inhalt einem bitteren Vorwürfe an die „gebildeten" Nationen Europas und Amerikas gleichkommt, welche die Nvt eines Volkes, dessen einzige „Schuld" darin bestand, sich im Besitze reicher Goldminen ui befinden, bis zu solchem Grade überhaupt hatten anwachsen lassem ohne bei England vorstellig zu werden. Obgleich im Aufruf betont wurde, daß er nur zur Linderung der geschlagenen Wunden, nicht aber, um die Gemüter von neuem zu erregen, erlassen sei, ist man in London über das Vorgehen der Generäle, die sich übrigens am 6. Oktober nach Brüssel begeben wollen, empört, und zögert nicht, diese allerlei unredlicher Absichten zu beschuldigen. Im wohlthätigen Gegensatz hierzu steht das hochherzige Beispiel des englischen Jn- Lustriellen Henry Phlipps, der Botha 100000 Doll, für die Unterstützung aller Wittven und Waisen ohne Unterschied der Rasse zur Verfügung stellte. Mögen ihm bald Nachahmer erstehen!
AmbelgifchenKönigshofhatfich eine Familientragödie abgespielt, die zeigt, wie Überspanntes Standes- bewußtsein feto ft im Angesicht des Todes nicht von altem Wahn lassen tarnt. König Leopold hat feine Tochter, die gewesene Kronprinzessin Stefanie von Oesterreich, jetzige Gräfin Lonyay, vom Sarge der verstorbenen Mutter, der Wnigin Henriette, verwiesen. Was auch die eigentlichen Beweggründe dazu gewesen sein mögen, der Könia selbst hat in einer Note veröffentlichen lassen, daß sich Prinzessin Stefanie durch ihre svätere Heirat aus der königlichen Familie ausgeschlossen yabe und somit kein Recht mehr besäße, an einer Ceremonie des Königshauses teil- zunehmen. Eine solche Auffassung ist in jedem Fall zu verurteilen, selbst dann, wenn die Königin bei Lebzetten über den Schritt ihrer Ttxhter noch strenger gedacht hätte, als ihr Gemahl. Recht merkwürdig berührt übrigens der Punkt des Testtuneittes, durch welchen die Verstorbene ihrem Kammerdiener den größten Teil ihres Baarvermögens, 50000 Fr., vermacht. Gräfin Lonyay hat von 17 000 Einwohnern Antwerpens Beileids-Telegramme erhalten. Die Damen der Brüsseler Gesellschaft sandten eine Kundgebung der Teilnahme zugleich mit bem Ausdruck ihrer Entrüstung über das Geschehene.
Die VereinigtenStaateuvonNordarnerika haben sich in der letzten Woche viel mit den rumänischen Juden beschäftigt und an alle Mächte des Berliner Vertrages eine bezügliche Note gelangen lassen, die indes, wie es neuerdings heißt, bisher nur von England beantwortet worden ist. Der Vorwurf, daß sie sich in Sachen mischten, die sie nichts angingen, wird durch die im Rundschreiben abgegebene Erklärung hinfällig, wonach Anterika nur im Sinne der Humanität und Gerechtigkett den Mächten eine Regelung ber rumänischen Auswanderungsgesetze Vorschläge. Rumänien hat beschlossen, an Juden keine Rässe mehr auszustellen. Damit ist Amerika zufrieden gestellt und die ^ache erledigt. Ferner haben die Vereinigten Staaten das Vermittleramt in den in forttvährendem Aufruhr befindlichen Staaten Mitteiamerikas sich angeeignet und in Panama Truppen, angeblich zum Schutze der Fremden, gelandet. Der Protest dagegen ist nicht auS* geblieben. General Salazar ließ dem Liommandauten des amerikanischen Kreuzers „Cincinnati" mtttellen, daß seine Regierung selbst genügende Machtmittel zum Schutze der Fremden besäße und in dem Vorgehen Amerikas einen Versuch sehe, sich die Herrschaft über Columbien anzueignen. Sie mache deshalb den Kommandanten Mac Scan für alle Folgen der Truppenlandung verantwortlich. Man scheint also den Verfechtern der Monroedoktrin nicht recht zu strauen. Aus die weitere Entwickelung der Dinge im amerikanischen Revolutionsgebiet darf man daher gespannt fein. Es geht bereits die Rede von einem den Nordamerikanern feindlichen füdamerikanischen Staaten- bunde. i
6in vielsettiger Parlamentarier.
Aus nationalliberalen Kreisen wird uns geschrieben:
Bis vor nichit langer Zeit war es auf den Schulen, niederen wie höheren, üblich, den Gefchichtsunterricht nur )is zu den Befreiungskriegen zu führen. Von der weiteren Entwickelung des 10. Jahrhunderts erfuhr man nur die Hauptsachen. Man wurde mit Bismarck, Roon, Stellte und noch einigen Helden der Reichsgründung gekannt, sonst aber erfuhr man nichts über die zahlreichen bedeutenden Rttttiner, die dem Jahre 1870/71 mächtig vorgearbeitet hatten. (Erft jetzt, wo ausführliche Lebensbefchreibungen veröffentlicht werden, sieht man mit Erstaunen, welche Fülle )rächtiger Männer das neue Deutschland hat schaffen helfen, und zrvar ist darunter eine auffallend große Zahl von Kaufleuten und Industriellen. Um nur zwei von ihnen zu nennen, die auch politisch in ben Vordergrund getreten sind, ja sogar auch die Ministerwürde erlangt haben: David Hansemann und Ludols Camphausen, Männer, die mit Handlangerverrichtungen in kaufmännischen Betrieben begannen unb tonangebend in Politik und Wissenschaft wurden! (Wir erinnern an bie 48er Minister Beckerath unb Duckwitz, von denen der erstere ein rheinischer Industrieller, der zweite ein Bremenser Kaufherr war. D. Red. des Gieß. Anz)
Vor einigen Tagen ist einer chresgleichen, wenn auch nicht von gleich großer Bedeutung für bie Politik, aus bem Leben geschieden, dessen Vielseitigkeit fast den Anlaß geben könnte, daß man interessante Menschen eigentlich nur noch in der Politik suchen möchte. Noch einige Worte über Wilhelm O e ch e l h ä u s e r, des vielseitigen Parlamentariers, Lebensgang, sind gerade für den Politiker zum Nachdenken anregend. Oechelhäuser trat nach empfangener Bürgerschulbildung fn die Papierfabrik seines Vaters. Nach seiner Lehrlingszeit ging er aus Reisen, 1844 unb 1845 <ogar im Auftrage der preußischen Regierung zum Studium* ber englischen und französischen Papierfavrikation. Mit 38 Jahren wurde er 1848 in das Reichshandelsministerium unb in bie Zentralbundest'ommission zu Frankfurt am Maiu berufen (neben eben jenem Dückwitz unb Wilhelm Jordan. D. Red.) und von dort aus drei Jahre später zum Studium bei londoner Wettausstelluna 1851 entfanbt. Dann würbe er Bürgermeister von Mühlheim a. Rh., Ab- oeorbneter für ben preuh. Landkia, Direktor der Deutschen HontinentalgaSaefcn chaft und Aussichtsrot zahlreicher angesehener gescyäftti^ er Unternehmungen. Von 1878 dis 1893 war Oechelhäuser Mitglied des Reichstags und gehörte hier zur naiuntaUiberalen Partei. Wie David Hanse- mann und Ludolf Camphausen trat auch Wilhelm Oechelhäuser mit politischen unb volkswirtschaftlichen Schriften in bie Oesfentlichkett. Teils waren es Fragen der Zoll- un Hanbelspoiitik, teils solche der Sozialpolitik, die er behandelte. Den Arbettgedern legt er den Arbeitern gegenüber soziale Pflichten auf. Ihm zufolge ist das Kvalttwns- recht der Arbeiter auszugestalten, weil es das beste Mittel ist, bte S'age ber Arbeiter ohne Beeinträchtigung der Volks- wirtscha^ zu verbessern. Dcrsell' '?Jltinn nun, der eine so rciu alttge kaufmännische, pol ? und schriftstellerische Thätigte^ entfaltete, glänzte z-... Ueberftuß noch durch


