Ausgabe 
29.5.1902 Zweites Blatt
 
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In ihm find die kalten Nächte, die un§ oft der Mai noch beschert, verschwunden, und die allzu glutvolle Hitze, die der Juli zu bringen pflegt, kündigt sich erst leise an. Der Juni ist daher der eigentliche Sommerfrischenmonat, der Monat, in welchem der jugendfröhliche Frühling mit dem thatkräftigen männlichen Sommer um die Herrschaft kärnpft. Der Juni hat auch den Namen Rosenmonat, denn er bringt uns die ^ieblingsblume der ganzen Welt. Es giebt wohl keine Blume auf der ganzen Erde, welche so wie die Rose seit undenk- rchen Zeiten der Liebling aller Völker war. Noch heute steht 'ie hoch über allen Blumen des Feldes und des Gartens. ist wohl nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, daß es in weiten Deutschen Reiche kaum einen wohlgepflegten Haus- garten giebt, in welchem nicht auch der Rose ein Plätzchen eingeräumt wäre. Wo immer von liebevoller Hand gepflegte Blumen die Fenster schmücken, da wird man nur selten nach einem Rosenstock vergeblich Umschau halten, und wo bei Er­eignissen ernster und heiterer Natur Blumen Verivendung sinden, da fehlt auch die Rosenblüte nicht. Die Rose ist das Symbol des Rätselhaften und Geheimnisvollen. Deshalb malte man in alten Beichtstühlen, Ratssälen und Weinstuben eine Rose an die Decke, zur Mahnung, daß jedes Wort sub rosa gesprochen sei und nicht wcitererzählt werden dürfe. Nach einem alten Mythus war die Rose schon im Altertum dem Gott der Verschwiegenheit geweiht. Bei uns ist die rote Rose das sinnigste Symbol der Liebel

§ Butzbach, 29. Mai. Der von Herborn gebürtige, zirka 18 Jahre alte Kommis Selzer hier wurde heute früh in seinem Bette erschossen aufgefunden. Nach der ärztlichen Feststellung hat der Lebensmüde sich eine Reoolverkugel an der Schläfe in den Kopf gejagt, die den sofortigen Tod herbeiführte. Die Waffe fand man im Bette.

fc. Darmstadt, 28. Mai. Unter den Pferden der vierten Schwadron des Dragonerregiments Nr. 23 ist die Brust­seuche ausgebrochen.

Offenbach, 27. Mai. Die nun an der Börse zu- gelaffene neue 3^2proz. 6 000 000-An leihe bei Stadt Offenbach hat unsere Bürgermeisterei veranlaßt, eine Uedersicht des städtischen Vermögens zu veröffentlichen. Von früheren Anleben sind danach noch 12926 509 Mk. im Umlauf, während die Stadt derzeit ein Vermögen von 18 219100 Mark besitzt, so daß sich ein reines Vermögen von 5 292 590 Mk. ergiebt. In den Vermögensstand sind die Gebäude mit den bei der Brandkasse versicherten Be­trägen, die Grundstücke zu den Schätzungswerten eingestellt. Zu den Schulden tritt die neue Anleihe mit 6 000 000 Mk., deren ganzer Erlös zur Zeit noch verzinslich angelegt ist und zum größten Teil zur Herstellung gewinnbringender Unternehmungen Verwendung finden wird. Für das Gas­werk sind von der Anleihe 2000 000, für das Schlachthaus 1800 000, für Straßen-, Kanal- und.Hafenbauten 900 000, für das Lasserwert noch etwa 600 000, für das Leihhaus 80000, und für eine städtische Apotheke 75 000 Mk. vor­gesehen. Der Voranschlag der Stadt Offenbach für 1902 schließt mit 3 008 742 in Einnahmen und Ausgaben ab. An Gemeindesteuer sind darin als Einnahmeüberschuß 1 491 943 Mark gestellt.

Frankfurt a. M., 28. Mai. In der Sonntagnacht ist die Prostituierte Magdalene Eckert imSüirnberger Hof" durch e inen Schnitt m den Hals zu töten versucht worden. Der Thäter ist noch nicht ermittelt. Der Erste Staats­anwalt wird demnächst eine Belohnrmg aus die Ergreifung des Thäters aussetzen. Es ist inzwischen ermittelt worden, daß der Attentäter sich auch an andere Frauenspersonen herangemacht hatte. Eine dieser Personen hat in einer Wirtschaft der Altstadt erzählt, in der Lacht vom Sonntage äiim Montag sei ein Mann, ein türkischer oder armenischer L e p p i ch h ä n d l e r auf sie eingedrungen, habe sie unter Vorhaltung eines Dolches bedroht und sie zu Boden zu werfen versucht. Sie sei dann später von dem unheimlichen Mann wieder losgekommen. Das Befinden der schwerver­letzten Eckert läßt annehmen, daß sie am Leben erhalten dleiben wird, ^hre erste Vernehmung durch den Unter­suchungsrichter gestaltete sich insofern ungewöhnlich, als sie ihre Aussage und auch den Eid zu Papier brachte, da sie des Sprechens noch nicht fähig ist.

Ems, 28. Mai. Von zwei Männern, die den Eindruck oesser gekleideter Handwerksburschen machten, ist ein Brillantendieb stahl verübt worden.

Vniveisttüts Nachrichten.

Professor Adolf Kußmaul f. Aus Heidelberg berichtete unö gestern der Draht das Ableben des bedeutenden deutschen Klinikers Geheimrat Professor Kußmaul. Drei Monate, nachdem er seinen 80. Geburtstag gefeiert, ist er in der Nacht zum 28. Mai einem asthmatischen Anfall erlegen. Geboren am 22. Februar 1822 in Graben bei Karlsruhe, har Kußmaul in Heidelberg studiert und als Militärarzt 1848 dem dänischen Feldzuge beigewohm. Nach­dem er einige Jahre m Kandern praktiziert und in der badischen Landes-Irrenanstalt Jllenaii psychiatrischen Studien obgelegen hatte, setzte er seine Studien in Würzburg fort und habilitierte sich 1855 in Heidelberg. 1859 ging er als Professor der inneren Medizin und Direktor der medizinischen Klinik und Polcklinik nach Erlangen. 1863 nach Freiburg und 1876 als innerer Kliniker nach Straßburg. Seit 1889 lebte er in Heidelberg im Ruhestand. Kuß­mauls Verdienste um die Heilwissenschaft sind vielfältig; ihm danken ivir u. A. die Einführung verschiedener Behandlungs- nielhoden in die innere Medizin (wie ä. B. Anwendung der Magen- pumpe gegen Magenerweilerung und andere chronische Magen- kraiikheiten», neue Aufschlüsse über die Fallsucht, ferner forschte und schrieb er überdas Seelenleben der Neugeborenen", über Impfung (gegen die "Agitation des Pfarrers Hansjakob), Störungen deL Sprache und andere Gegeiislände der Heilkilnst. Auch nachdem er sich zur Ruhe gesetzt, sind ,ioch mpnche fruchtbare wissenschaftliche Anregungen voi, ihm ausgegangen, und noch oft ist während dieser Zen m wichtigen Fällen sein Rar eingeholt worden.

Aus M ar btlrg wird geschrieben: Tie Zahl der Stu­dierenden in diesem Sonmiersemester betragt nach der soeben beendeten endgiltigen Feststellung 1360, eine Zahl, die hier noch niemals erreicht wurde. Wie man aus Llultgarr schreibt, zählt die k. Tierärztliche Hochschule daselbü im laufenden Sommerhalbjahr 128 Studenten, darunter 39 Württemberger. Unter den Nichtwürttembergern sind 28 Bayern, 22 Badener und 21 Preußen. Die Universitätsfrequenz in Göttingen beläuft sich in diesem Semester nach der vorläusigen Feststellung an im­matrikulierten Studierenden auf 1371 (gegen 1415 im vorigen Sommer und 1338 im letzten Winter). Nichtinnnatrikulierte Hörer sind 47 vorhanden (gegen 111 bezw. 83). ferner sind 38 Damen immatrikuliert (gegen 35 bezw. 32)^ Man schreibt aus Z ü r ich: Unsere Hochschule zählt in diesem eommerfemeirec 760 immatriku­lierte Studierende, darunter 139 Studentinnen, 95 Tarnen gehören der medizinischen Fakultät an. Tie Frequenz der einzelnen Fakul­täten itt folgende: theologische 12 studierende; juristische 107; medizinische 319; philosophische 281; veterinär medizinische 41. Ler Ordinarius für romanische Sprachen und 2uterattircn an der Universität Basel, Profeisor Tr. Gustav S o t d a n, feierte sein ^jähriges Jubiläum als Dozent an der genannten Hochschule.

Der Senat ließ ban Gelehrten durch den Rektor, die philosophische Fakultät durch eine Deputation gratulieren.

"Kunst und Wissenschaft

Darmstavt, 28. Mai. Großh. Hostheater. In der verflossenen Saison fanden im ganzen 183 Vorstellungen start; der Kunstgattung nach gehörten der Oper 91 der Operette 10, dem Schauspiel in roeüerem Sinn 93, dem Ballett 9 Austuhrungen an. In der Oper (emschl. der Operette) erschienen unter 50 verschredenen Werken neu 4, neu einstudiert 12, im Schauspiel unter 53 ver­schiedenen Wecken neu 7, neu einstudiert 16. Die meisten Aus- Rührungen, nämlich 5, erlebte in der OperCavalleria rushcana, nach ihr kommen .Lohengrin",Der fliegende Hollander" undTie Puppe" mit je 4 Ausführungen; von den übrigen Wecken wurden 19 einmal, 16 zweimal und 11 dreimal aufgeführt. Im Schauspiel erreichteAlt Heidelberg" die höchste Zahl der Ausführungen, näm­lich 6- 25 Stücke wurden einmal, 20 zweimal, 6 dreimal und 1 viermal aufgeführt. (Tiefe trockene Statistik giebt fernen Ausschluß darüber, was das Hoftheater Bemeckenswetes für die Kunst ge­leistet hat. Sie sagt nichts von der etwaigen Aufführung von Premieren und deren Erfolgen. D. Red.)

Die Krankheit Tolstoi'S verläuft nach einer Petersburger Depesche bisher ohne Komplikationen.

Lndermann Schloßhcrr? Baron Viktor v. Thürnen auf Stangenhagen hat seinen etwa 11000 Morgen umfassenden Grund­besitz an die Berliner Ansiedlungsbank veräußert. Der Preis wird auf 2*/< Mill. Alk. angegeben. Tie Austeilung der Herrschaft fall in der Weise erfolgen, daß in Schönhagen das Land in Parzellen an die Kossäten und Büdner veckaust wird, ivährend in Stangen­hagen und Blankensee neue Bauernwirtschaften von mäßigem Um­fang entstehen sollen. Tas Schloß Blankensee, der Jal)rhunderte alte Ritlersitz der Herren v. Thürnen, wird voraussichtlich von Her­mann Sudermann erworben werden, der seit länerer Zeit in dem Schloß Sommerausenchalt zu nehmen pflegt.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft

Aktiengesellschaft für Trebertrocknnng in Kassel. Jüngst wurde mitgeteUt, daß nach dem jetzigen Stand des Konkurses der Gesellschaft eine Quote von 2 Proz. zu erwarten sei.

Elektrizitätsgcsellschaft vorm. W. Lahmcyer u. Cie. in Frankfurt a. M. Tie Gesellschaft hat eine größere Bestellung für die Erweiterung des Elektrizitätsweckes in Breslau erhalten. Es handelt sich um die Lieferung von Dreh- und Gleichstrorn- maschilien mit einer Gesamtleistung von rund 4000 P. S.

Zum Konkurse der Leipziger Bank. Dr. jur. W. Göhring, Vorsitzender des Auffichtsrats der Leipziger Bank in Konkurs, ver­öffentlicht eine längere Zuschrift an die Leipziger Blätter, aus welcher hervorgeht, daß für die Aktionäre der Leipziger Bank fürs Erste und auch für spater so gut wie nichts herauskommt.

Der Stadt Duisburg ist die Genehmigung zur Ausgabe einer 4proz. Anleihe von 11 Mill. Mk. erteilt worden.

Blcistiftfabrik vorm. Faber in Nürnberg. Das Jahresergebnis soll wieder recht günstig ausfallen, doch lasse sich eine Schätzung der Dividende noch nicht geben. Im Vorjahr wur­den 15 Proz. gezahlt.

Bom Kohlen- und Kotsmartt weiß das ofsiziöse Organ des Syndikats, dieRh. Wests. Ztg." zu melden, daß der Absatz seit Ende April stetig zugeiwmmen hat. Der Versandt der Ruhr­kohlenzechen hat sich gegen den Vormonat um 6 Prozent gebessert. Die Bestände auf den meisten Zechen haben sich verringert und vielfach völlig verladen. Der Abruf der Hüttenwerke nimmt all­mählich zu.

Bom Morgantrust. Der Ankauf weiterer Linien fettens des Morgantrusts steht bevor. Untern anderen wird die Holland- Amerika-Linie genannt, für die das Syndikat eine Dividende von 5 Proz. auf 15 Jahre garantieren soll.

Spanische Anleihe. Für den Monat Juni ist die Aus­gabe der lang projektierten Almaden-Anleihe in Sicht. Es handelt sich um eine Goldanleihe, die von dem Pariser Hause Rochschild ausgegeben wird.

Märkte.

Limburg a. d. L., 28. Mai. Frachtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.90 Mk., Weißer Weizen 14.70 Mk., Korn 11.06 Mk., Gerste 9.38 Mk., Hafer 8.67 Alk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschaft.

Sabbathfeier am 31. Mai 1902.

Freitag abend 760. Samstag vormittag 80u Predigt. Nach­mittag 400. Sabbathausgang 920.

Wochengottesdienst: morgens 680 Uhr, abends 930 Uhr.

Krieskasten der Reaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

X Sie können mit ihrem Eigentum selbstverständlich nach Belieben verfahren, also mit den Münzen, die Sie in ihrem recht- mäßigen Besitze haben, machen, was Sie wollen.

Schiffsnachrichten.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 28. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Toppelschrauben-SchnellpostdampferKronprinz Wilhelm", Kapitän A. Richter, vom 9lorddeutfchen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr mittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 28. Mai. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Toppelschrauben - PostdanipserGroßer Kurfürst", Kapüän W. Reimkasten, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 5 Uhr nachmittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Telephonischer Kursbericht.

.Frankfurt ä. lU., 29. Mai 1902.

3'/,°/o Beiohsanleihe . . 101.95 3<V0 do. ... 92.00 3V,% Konsole .... 101.70 3% do.....91.80

3*/2% Hessen .... 100.00

Oberhessen . . . 99.25 4% Oesterr. Goldretne . . 102.85 4l/;% Oesierr. hilberrente 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.55 4°/.' Italien. Rente . . . 102.30 4',,% Portugiesen ... 45.00 3°/ Portugiesen. .... 28.75 1% C. Türken ..... Türkenlose......112.00

4% Griech. Monopol.-Anl. 44.30

3% Mexikaner . , 4,/2°/o Chinesen . , Electric. 8cbuckert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommundit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn , Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum . . « . . Harpener . . . .

41Ji% äussere Argentiner.

Tendenz: still.

. 25.60

. 90.00

. 110.00

217*90

. 188.80

. 138.00

. 146.20

. 156.00

. 149.10

. 14.40

. 168.50

. 206.00

. 198.70

. 175.80

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

München, 29. Mai. (Amtlich.) Gestern entgleiste der Expreßzug Karlsbad-Ostende bei der Ausfahrt aus Station, Markredwitz. Verletzt wurde Niemand. Der Ma­terialschaden ist unbedeutend.

Tübingen, 29. Mat. Der Straftechtslehrer Prof. Dr. v. Meyer ist infolge eines Schlaganfalls gestorben.

London, 29. Mai. Tie Morgenblätter veröffentlichen eine halbamtliche Note, worin mitgetcilt wird, daß vor Frei­tag eine endgütige Meldung über die Friedens-Ver­handlungen mchl zu erwarten sei. Die Buren bemühen

sich m Vereeniging, die Hauptfrage der FriedenS-Bedingunge» zu lösen. Die Frage ist folgende: Will, ja oder nein, die Mehrheft den Frieden ohne Unabhängigkeft anuehmcn? Diese Hauptfrage muß zuerst gelöst roerben, bevor an die unter» geordneten hcrangegangen werden kann. Aus Johannes­burg wird berichtet, daß die Buren unter "bent Kommando von Vanwick bei Rhodes Poorl angegriffen und nut Beo» lüsten zurückgeschlagen wurden. Nach einer Meldung an? Peking berichten chinesische Blätter, die französische Regierung habe amtlich der chinesischen mftgetcill, daß der Aufruhr in der Provinz Kwangsi den französischen Handel in Tongking schädige rmd daß Frankreich sich genötigt sehe, falls der Aufruhr bis zum Juli nicht niedergeschlagen sei, die nötigen Maßregeln zum Schutze seiner Jntereffen zu ergreifen.

Loudon, 29. Mai. In gut unterrichteten parlamen-, tarischen Kreisen ist man bezüglich des Friedensschlusses noch immer optimistisch gestimmt. Es wird versichert daß nach erfolgtem Friedensschluß verschiedene Veränderungen, im Kabinett erfolgen werden, da der König i^ber die kriege­rische Haltung einiger Minister höchst ungel-alten sei. Der Herzog von Cambridge erklärte in der gestrigen Sitzung einer militärischen Vereins, er hoffe, daß dey Tag des Friedens» schluffes rascher heranrucke, als es den Anschein hab«. Trotzdem müsse man sich aber auf alles gefaßt machen.

L o n d o n, 29. Mai. Hier macht sich eine gewisse nervöse Spannung über den Verzug der Friede nSverhanb^ lungen geltend. Dvch liegen wesentliche Mitteilungen weder offiziellen noch privaten Inhalts vor, nach denen eine ungünstige Wendung in den Verhandlungen eitigetreten wäre. DerSt. Jam.-Gaz." zufolge erhofft man am Freitag eine deftnitive Ankündigung seitens der Regierung, doch hänge das Datum allein von den Buren ab. Die Aufklärung über gewisse Punkte sei von England voll gewährt, die meisten nachgesuchten Niodisikationen aber abgeschlagen worden. Die Konferenz in Vereeniging habe nur zu cnV scheiden, ob der Friede geschlossen oder der Kffüeg weiter; geführt werden soll. Man hofft das beste. TuS tbibinett habe eine weitere Sitzung auf Freitag anüeraumt, fallSs eS nicht schon heute wieder zusammenberufen werden müsse. Dagegen enthält ein Extrablatt derEvenning News^ von angeblich gut informierter Seite die Mitteilung, daß dem Kabinett vorgestern eine unangenehme Ueberraschung bei reitet wurde durch, den Empfang einer Depesche MiürerS^ die besagt, daß die Burenführer in Pretoria Montag nächst malS die britischen Hauptbedingungen zur Sprache gc-bracht und starke Zweifel darüber ausgedrückt haben, baß maar imstande sein würde, die große Minderheit in Vereeniging von der Notwendigkeit zu überzeugen, die ^Berziüstleistung auf die Unabhängigkeit zu genehmigen. Das ftabuiett be-i schloß, Kitchjener zu instruieren, keine weiteren Erörterungen in Pretoria zu gestatten und die Burensührer sofort nach Vereeniging zurückzusenden. Die endgültige Encksch>eidung der Burenkoriserenz müsse in zwei Tagen erfolgen. In Amsterdam, dem Sitze der Transvaab-Bank, rechnet man günstigen Falles auf einen Waffen-Stillstand von zwei biH drei Nionaten. Für den Wochenschluß werde von englischer amtlicher Seite einer diesbezüglichen Mitteilung entgegen-, gesehen, welche die gleichzeitige Einschiffung Kitcheners zn der Krönungsfeier melden und den Waffenstillstand gründen soll.

Madrid, 29. Mai. Die spamschen Republikaner beab­sichtigen, in den Cortes den Antrag zu stellen, daß die Königin-Mutter als Ausländerin das Land zu ver- lassen habe. Sagasta erklärte, er wisse noch nicht, ob die Krisis auf Canalejas allein beschränkt bleiben oder auch andere Mitglieder des Kabinets umfassen werde. In ersterem Falle werde bis morgen Canalejas ersetzt werden.

Petersburg, 29. Mai. DerNowoje Wremja" zufolge ist im Befinden des Grafen Tolstoi eine Besserung ein- getreten.

New-Nork, 29. Mai. Ein Telegramm aus Roseart (Dominica) bestätigt, daß der Dampfer ^Naggan" am 24^, morgens, als er bei St. Pierre vorbeifuhr, eine ungeheure schwarze Wolke über dem Mont Pelöe bemerkte. Dunkler Rauch stieg aus dem Krater hervor. Trotzdem der Dampfer äußerst schnell vorüberfuhr, war er mehrere Ceuti- metcr hoch mit Asche bedeckt.

FRANZ JOSEF

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