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Donnerstag SS. Mai 1008
153. Jahrgang
Erstes Blatt.
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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A»r Kryöynug ba Klrischprets«.
In der Mai-Nummer der beutfcb-amerifatti- schen Monatsschrift o I u m b i kt' wird der <£in- sluß der Einfuhr des amerikanischen Schweinefleisches auf de» inländischen Konsum doryelegt. Wir geben den JnhaltdesArtikelSinnachfolaendemwieder:
In der Presse, namentlich im Zrnlande, findet man HLuftg Anschauungen, die, was die Schlachtindustrie in den Bereinigten Staaten anbebangt, die Thatsachen geradezu auf den Kops stellen. Es wird schlankweg behauptet, wenn Deutschland 19 Millionen Schweine ä 2 Zentner mehr Achten würde, bedürften wir keiner Schmalzeinfuhr mehr! Daoei sind aber die 8 Pfund Flomen per Schwein als Schmalz mibgerechnet worden, während dies doch nur zur Hälfte geschehen darf, weil die andere Hälfte im rohen Zustande in den Konsum übergeht, um im Privathaushalte verwandt zu werden, und daher vom Auslande gar keine oder nur wenig Konkurrenz hat, wie in diesem Winter. Ginge es also nach dem Wunscbe der Agrarier und ihrer Helfershelfer, dann müßte sich der unbemittelte deutsche Konsument von Schweineschmalz für eine Zeitlang mit trockenem Brote begnügen, bis die vielen Millionen Schweine in Deutschland vorhanden sind. Trotz ihrer agrarisch-protektionistischen Neigungen wird es unsere Reichsregierung aber doch wohl kaum wagen, die ausländischen Fettstoffe zu verbieten.
Wie wenig andere Länder im stände sind, den Weltmarkt mit Schweineschmalz und Schlachtvieh zu versehen, zeigt sich so recht in diesem Jahre, wo ohne die Bereinigten Staaten eine Fleischfrise eingetreten wäre. Australien leidet seit 5 Jahren an einer Dürre, die fast zwei Drittel der Schaf- und Rindviehbeständc dahin- gerafst hat; die Hälfte der dortigen für Export schlachtenden Schlachthäuser mußte schließen. Die Lander mit einer großen Marine sind also gezwungen, sich nach, Nordamerika zu wenden, um die für die Schiffsbesatzungen notwendige Fleischnahrung zu beschaffen. Wir erleben hier wieder zum zweiten Male das Schauspiel, wohin eine einseitige Gesetz- ?ebung führt. Unsere Blaujacken dürfen in Deutschland ein ausländisches Büchsenfleisch essen, denn nach den unfehlbaren Aeußeruvgen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes ist es gesundheitsschädlich. Ebensowenig dürfen die Blaujacken, wenn sie in Deutschland sind, mit Bor oder sonstigen unschädlichen Stoffen präservierte Nahrungsmittel zu sich nehmen. Sobald sie aber unterwegs sind, gilt dieses alles nicht mehr, denn der ungebeten gewährte Schutz der Gesundheit des deutschen Staatsbürgers wird ihm nur innerhalb der Zollgrenze gewährt. Wenn unsere Marine sich nicht vom Auölanoe verproviantieren könnte und dürfte, und zwar auch mit den Waren, die im Deutschen Reiche jetzt als gesundheitsschädlich erklärt werden, dann adieu Marine, entweder Vegetarier werden, oder nur Fische essen, Fleisch giebts nicht mehr. Seitdem England die Einfuhr lebender argentinischer Rinder verboten hat, hob sich der Export von Nordamerika. Kanada scheint nicht mehr so viel Vieh wie früher zu haben und legt sich mehr auf Schweine und Farmprodukte.
Tie Länder im Südoften Europas haben ihr äußerstes gethan, um Deutschland mit dem fehlenden Schweinematerial zu versehen, aber es zeigt sich daß alles nur verschwindend klein ist, im Verhältnis zu den Jmportzisfern von den Vereinigten Staaten. Wenn also in Nordamerika hohe Fleischpreise herrschen, ist der Weltmarktpreis h <o ch; dagegen dürfen wir in Europa nicht die Augen verschließen. Diesem Monopol könnte in etwas Einhalt gethan werden, wenn man Rußland als Mitbewerber austreten ließe; dort kosteten in Moskau Anfang d. I. auf dem Schlachthofe geschlachtete
und untersuchte Schweine per i/g Kilo 32 Pfg., in Chikago dieselbe Qualität 37 Pfg.!
Aus der österreichischen Delegation.
Bei Beginn der Tienstag-^Sitzung der österreichischen Delegation erklärt der Präsident^ der Delegierte Groß habe den Zaren in einer Weise in die Debatte gezogen, die er entschieden mißbilligen müsse; er bitte, die Regeln der internationalen Courtoisie immer streng $u wahren. Bei Fortsetzung der Debatte über das Ministerium des Aeußern spricht der Czeche Kramarz und bemerkt polemisierend, nicht Rußland sei Schuld an den Leiden der Buren, sondern ein gewisses Telegramm an Krüger, welches dann bitter enttäuschte Hoffnungen weckte. Taß der Zusammenschluß des Dreibundes nicht mehr so eng, sei in einer Zeit des Denkmalexportes lebhaft zu begrüßen. Wenn
Volttische Tagesschau.
Die hessischen Laudtagswahleu, die bekanntlich für den nächsten Herb st bevorstehen, sind bereits in einer Versammlung der Mainzer Sozialdemokraten zur Sprache gebracht worden. Abg. PH. Haas mahnte zur Zeit der Wahlen auf dem Plan zu sein. Sie, die sozialdemokratischen Abgeordneten, hätten das Bewußtsein, ihre Schuldigkeit gethan zu haben.
Dr. David sprach in jener Versammlung über das bisherige Wahlrecht und die jetzt vorliegenden Reformvorschläge der Regierung. Nach einer Schilderung des jetzigen indirekten Wahlrechts, das einmal die „Städte und das dichtbevölkerte Rheinhessen gegenüber den anderen Landesteilen, dann aber auch' die Arbeiterklasse gegenüber den steuerkräftigen Staatsbürgern benachteilige", schilderte Redner das jetzt von der Regierung vorgeschlagene neue Wahlrecht. Auf den ersten Blick sehe es gan^ verlockend aus, da es endlich dem „unwürdigen und ungerechten Zustand der indirekten Wahl" ein Ende macht durch Einführung der direkten Wahl. Aber auf der anderen Seite ständen ooch so große Einschränkungen, daß die sozialdemokratische Partei der ganzen Sache sehr skeptisch gegenüberstehe. Noch wichtiger wie die direkte sei der Partei die allgemeine Wahl. Aber gerade die Allgemeinheit soll noch mehr wie bisher eingeschränkt werden. Dadurch verlören viele Arbeiter ihr Wahlrecht. Jeder Wahlberechtigte solle nicht nur drei Jahre in Hessen ansässig sein, sondern auch drei Jahre die Staatsbürgerschaft oesitzen. Aus Antrag der Partei sei nun allerdings die dreijährige Karenzzeit auf ein Jahr herabgesetzt; aber von einer anderen Forderung, die fast noch schwerer ins Gewicht falle, wolle die Regierung nicht lassen. Es soll nämlich der Wahlberechtigte am Tage der Wahl nicht nur seine Staatssteuern, sondern auch die Kommunalsteuern beigezahlt haben, andernfalls er fein Wahlrecht verliert. Diese Bestimmung würde besonders hart die unteren Kreise treffen, die vielfach nicht in der Lage seien, gerade bis zu dem bestimmten Tage die Steuern zu begleichen. Die Partei hofte, daß am Ende wenigstens doch ein „Halbwegs brauchbares Wahlrecht" herauskomme, auf dem sich dann weiter bauen lasse. Nötig sei es, daß die Parteigenossen alle auf den Plan träten, wenn die Vertreter des Volkes gewählt würden'. Eine dem Geist der beiden Reden entsprechende Resolution wurde angenommen.
Schließlich verdient noch die in dieser Versammlung laut gewordene Aeußerung Beachtung, daß die soz. Partei sich unter der Regierung Rothe besser stehe wie jemals vorher, namentlich wie unter Finger.
übrigens die Statue Friedrichs des Großen nach Washington kommt, könnte es auch passieren, daß wir aus Berlin zur freundlichen Erinnerung an noch nicht verschollene Tage die Statue Wilhelms des Großen oder Bismarcks bekämen. St ein ruft: Faule Witze! — Präsident: Dieser Gegenstand steht nicht mit der Tagesordnung in unmittelbarem Zusammenhänge. Kramarz bespricht dann Pie Los-von-Rom-Bewegung und teilt Dokumente mit, aus welchen er nachweisen will, daß es sich uni eine politische Bewegung handelt, mit dem Ent^weck, Oesterr eich zum Range eines deuts chen Bundesstaates herabzudrücken. Redner bezeichnet die Bewe^ ung als aus Deutschland importiert, und sagt, wir haben das Recht, zu verlangen, daß Deutschland nicht duldet, daß diese Bewegung von Körperschaften, die einen offiziellen Charakter haben, bei uns unterstützt werde. Auf die äußere Politik übergehend, bemerkt Redner, der Dreibund verdiene kein Echauffement mehr; Europa stehe nicht mehr unter der Suggestion der großen Bismarck Aera, und Staaten, welche geholfen haben, das Deutsche Reich zu bilden, bedckuerten dies schon. Eine weitere Vergrößerung Deutschlands werde keine Macht mehr, auch Oesterreich nicht, zu lass en. (Heiterkeit.) Die Tschechen bekämpften nicht den Dreibund, sondern nur den Götzendienst, der mit ihm getrieben werde, sie fürchten nicht den offenen Pangermanismus. Oesterreich könne seine innere Kraft nur erhalten, wenn es der Hort aller Völker sei und kulturelle Bestrebungen fördere. Redner spricht sich gegen die vom Delegierten Groß befürwortete Zolltrennung von Ungarn aus, welche die Bildung einer Zollunion zwischen Oesterreich und Deutschland erleichtern würde, schon deshalb, weil letztere einen Punkt des alldeutschen Programms bilde. Redner hofft, daß man es den Tschechen ermögliche, für einen gerechten und billigen Ausgleich zu stimmen, und daß der Staat sich endlich an seine historische Pflicht erinnern werde, gleiches Recht gegen alle Nationalitäten zu üben.
Stein erklärt, die Alldeutschen würden gegen das Budget stimmen, weil sie zum Grafen Goluchowski kein Vertrauen hätten, dessen Deut sch en ha ß bekannt sei; darum traue man in Deutschland dem Bündnisse nicht. Für Deutschland habe ein neues Bündnis mit den Deutschen Oesterreichs Wert. Auch Rußland mißtraue Goluchowski, da er sein polnisch-nationales Volkstum nicht verleugnen könne. Redner fragt den Minister, ob er versucht habe, im s üd afrikanischen Kriege zu intervenieren, und bespricht dann abfällig die englische Kriegsführung unter persönlichen Ausfällen gegen den Köm g von England, weshalb ihn der Präsident an die Mahnung, die er beim Beginn der Sitzung abgegeben habe, erinnert.
Am Mittwoch redete der Minister des Aeußern Grch Goluchowski. Er bemerkte, daß die Ausfälle gegen die Bundesverhältnisse Oesterreich-Ungarns in diesem Jahre viel zahmer ausgeklungen hätten, als in früheren Jahren. Wenn behauptet worden sei, daß der Dreibund heute etwas anderes sei, als im Jahre 1882, so müsse er betonen, daß der Dreibund von Anfang an ein Friedens- und DesensivbündniH gewesen und heute nc;ch dasselbe sei und daß der Dreibund 1882 ebensowenig eine Spitze gegen Jemand hatte, wie heute. In seinem Charakter und in seinem Wesen habe sich somit gar nichts geändert. Der Minister glaubt, daß die Erreichung wirtschaftlicher Verständigung leichter sei,wenn man in politischem Bundesverhältnisse stehe, als wenn man außerhalb eines solchen sei; aber es sei ebenso unrichtig, daß man, weil man politische Bündnisse schließen wolle, auf wirtschaftlichem Gebiete große, den einzelnen Staat berührende Interessen preisgebe, als es unrichtig wäre, nun wirtschaftliche Interessen zu vertreten und auf die politi-
Feuilleton.
— Der Mordprozcß gegen bett Studenten Fischer-Gotha, über den wir s. Zt. ausführlich berichtet haben, halte dem Lotsen Veranlassung »u einer Umfrage gegeben, ob die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit eines Aiigeklagten nicht besser einem Kollegium von Psychiatern vorzulegen sei, dessen Entscheidung dann für den Richterspruch bindend wäre. Hierzu liegen jetzt die Antworten verschiedener MebiUner und Juristen vor, von denen die überwiegende Mehrzahl die gestellte Frage entschieden verneint. Geradezu verblüffend ist dabei die Einmütigkeit, mit welcher die Aerzte sich gegen die Schaffung eines Psychiater-Kollegiums erklären. Prof. Dr. Jolly-Berlin und Prof. Dr. Hitzig-Halle a. S. verweisen auf einen Aufsatz des Prof. Dr. Hoche-Straßbura, der sich scharf gegen die Ansicht wendet, daß das .Votum des Psychiaters gegenüber dem geltenden Rechte eine Machtverstärkung erfahren" muffe. Prof. Dr. Cramer-Göttingen meint, daß eine Befferung der Dinge 'nur durch die gründlichere Ausbildung der Richter in der forensischen Psichiatrie zu erreichen sei, während Prof. Dr. Fürslner- Slrnßburg himviederum nur solche Aerzte als Sachverständige ivünscht, „die geeignete psichiatrische Ausbildung besitzen, aber nicht Aerzte, bei denen Sachkenntnis unzutreffenderweise lediglich vorausgesetzt wird." Diesem Wunsche giebt Proi. Moebius-Zürich drastisch Ausdruck, indem er es als eilte offizielle Lüge bezeichnet, wenn man oon den staatlich geprüften „Dollärzten" ooraussetzt, daß sie alle Zweige der Medizin beherrschen: zum Sachverständigen eigne sich nur der Arzt, „ber durch sein Thun bewiesen hat, daß er ein bestimmtes Gebiet der Medizin wirklich beherrscht." Prof. Dr. rcraepelin-Heidelberg bekennt sogar, daß die mediziirilche Wissen- lchaft „noch unendlich weil davon entfernt ist, unfehlbar zu sein": im Deutschen Reiche gebe es kaum mehr als einige Dutzend Irrenärzte, die allen Schwierigkeiten der Beurteilung Geisteskranker vor Gericht vollauf gewachsen seien. „Ich," so bemerkt er, „würde es äußerst unbehaglich empfinden, wenn meinem Ausspruche die richterliche Gewalt ohne weiteres folgen müßte; dadurch würde eine Berantwortlic^eit in meinen Beruf hineingetragen, die deni- jelben von Grund aus fremd ist. Uebrigens bedeute das Urteil eines Kollegillms nicht immer eine Verbesserung, so meint Prof. £)r. Telman-Bonn; denn .in wissenschaftlichen Singen liege die
Entscheidung meist bei den Einzelnen. Aehnlich äußert sich Prof. Binswanger-Jena, welcher dafür plaidiert, daß bei Auswahl der Sachverständigen dafür Sorge getragen werde, daß in ihren Voten die verschiedenartigsten wissenschaftlichen Richtungen zum Austrage gelangen.
Kunstgewerbe-Ausstellung in Turin. Einem Bericht des „Zag" über „die erste Turiner Kunstgewerbe-Ausstellung" entnehmen wir folgendes: „Nur wenige Abteilungen bieten schon ein vollständiges Bild, aber am weitesten zurück ist — Deutschland. In seinen Räumen stolpert man über zahllose, noch uneröffnete Kisten, überall wird zwar mit einer fieberhaften Hast dekoriert, aber alles steckt noch im ersten Anfang. Der eürzige, der das Wunder vollbracht hat, vollständig fertig zu fein, ist der Darmstädter Professor I. M. Olbrich, dessen blaues Zimmer bald viele Bewunderer finden dürste. Tas Zimmer gibt in seiner 9lu§= ftattung einen Begriff davon, was das moderne Darmstädter Kunsthandwerk heute leistet. Die Arbeiten sind alle von einer erstaunlichen Präz ision und herrlich zusammenge stimmt. Sein wertvollstes Stück ist ein Prunkschrank in Eichenholz mit Kupferbeschlägen, facettierten Scheiben und Acha- tincrufiattonen. Ein wahres Schmuckkästchen ist der weißlackierte Ercker mit aroei Eckvitrinen und anderem schön ausgeführten Mobiliar. Außer den Münchener und Karlsruher kunstgewerblichen Vereinen werden von deutschen noch ausstellen: Peter B ehrens, Sitterlin, Riga und C h r i st i a n s e n. Martin Schauß Berlin, Curt Störung-Berlin, die Architekten Möyring, Anton Huber u. a. m. Man sieht der Eröffnung der deutschen Abteilung, der ein großer Ruf vorangeht, mit Spannung entgegen. Auch Oesterreich hält seinen fein dekorierten Pavillon noch krampfhaft verschlossen, ein Zeichen, daß auch dort noch viel gearbeitet wird. In der englischen Abteilung nimmt Walter Krane mit seinen bereits in aller Welt bekannten Teppichen, Tapeten, Majoliken, Glasfenstern, Gemälden und Lichographien den ersten Platz ein. In der Ausstellung der Arte and Grafits Exhibition Society begegnen wir ihm neben den übrigen führenden Geistern des modernen engliscyen Kunstgewerbes." In einem ausführlichen Bericht der „Münchener Neuesten Nachrichten" über die Turiner Ausstellung heißt es am Schluß: „ Schon heute sicht mit unfehlbarer Sicherheit fest, daß Turin als ein wesentlicher Fortschritt im kunstgewerblichen Ausstellungswesen zu bezeichnen ist, und wie es manche nützliche Lehre
aus der verdienstvollen Darmstädter Ausstellung gezogen hat, so wird auch München 1904 mit Dankbarkeit auf Diese Vorstufen zurückblicken.
— Männliches nud weibliches Denken. Ein Beitrag zur Frauen- und Erziehungsfrage. Von Direktor Dr. Kluge, Potsdam. Halle a. S. 1902. Verlag von Carl Marhold. Preis 1 Mk. Der Verfasser sucht in dieser Arbeit den psychologisch und physiologisch begründeten Verschiedenheiten in dem Vorstellungsleben des Mannes und des Weibes nachzugehen. Nach ihm spielt der Muskelsinn bezw. Beweaungssinn Die Hauptrolle bei der Bildung von Vorstellungen. Dieser wirkt seinerseits auf die Funktionen des Athmungs- und Gefäßsystems zurück und steht somit in innigem Zusammenhang zur Gefühls- und Gemütssphäre. Alles Demen und Empfinden ist demnach in letztem Grunde an die inneren Bewegungsvorgänge gebunden. Diese verlaufen nun im großen Ganzen nach zwei verschiedenen Richtungen hin. Einmal in der Form von „einfachen Bewegungsvorstellungen" und sodann als „Situationsvorstellungen". Erstere kommeii bei dem verstandesmäßigen, fachlichen, mathematischen Denken in Betracht, letztere sind mehr die Reproduktionen äußerer Bilder und haben es mehr mit Typen, mit Gesten und sprachlichen Aeußerungen zu thun. Dem männlichen Jnvividiium kommen mehr die einfachen Bewegungsoorstellungen zu, wie sie seinem stärker entwickelten Muskelsinn entsprechen. Dem Weibe fällt mehr das Denken in den „Situationsoorstellungen" anheim. Ter Mann ist danach mehr der produzierende, das Weib der reproduzierende Teil. Diese beiden Denkarten gehen natürlich ineinander über, bleiben aber doch typisch. Nicht nur das einzelne Individuum zeigt diese Unterschiede, auch die Denkweisen ganzer Völker spielen sich mehr in dieser oder jener Richtung ab. Tas einzelne Volk ändert sich in dieser Beziehung, indem er nach der Richtung der weiblichen Denkweise hin entartet und untergeht. Ganze Volksnahen zeigen auch von vornherein diese Unterschiede im Ganzen ausgeprägt. Unser Volk steht auf einem Wendepuickt. Nur das „Land" mit feinem „männlichen" Denken bürge für die beständige Fortentwicklung unseres Volkstums. Tie heutige moderne Erziehungsmethode und die Bestrebungen der modernen Jrauenemcinzipation stellen nach Dr. K. eine Gefahr bar. Für bas öffentliche Vcben sei bic Fran nicht geschaffen, rooievn es sich um Fächer imb Gebiete hanble, bie em ob- jekttives, ruhiges imb probuzierenbes Denken erheischen.


