Gesandten General Diu-Tschang durch Verleihung der berühmten Gelben Jacke, seine besondere Gunst erwiesen.
—7Der Pap st empfing nach einer Depesche der „Germ." aus Rom 18 d e u t s ch e D e l e g i e r t e gemeinsam mit 220 bayrischen Pilgern. Fürst zu L ö w e n ft e i n überreichte eine deutsche Adresse und stellte sodann die hervorragendsten 'Teilnehmer des Pilgerzuges dem Papste vor. Demselben wurden besondere Jubiläums-Gaben überreicht, darunter das Geschenk der Erzdiözöse Köln, bestehend aus 14 000 Lire. Der Papst sprach in seiner Erwiderung die Hoffnung aus, daß das Zentrum stets im Geiste Windthorsts geleitet werden möge. Dann wurden die Pilger vom Kardinal-StaatssLkretär Rampolla b. grüßt.
— Das „B. T." hört, das Gesetz über die Zucker- konvention und die Zuckersteuervorlage werde heute, dem Reichstage zugehen. Tie Negierung schlage eine Ermäßigung der Zuckersteuer auf 16 Mart vor.
— Die Konferenz der vortragenden Räte des Reichspostamts mit 15 Oberpostdirertoren hat die Frage der Aufstellung von Markenverkaufsautomaten in den Schaltervorräumen, die Einführung mehrerer elektrischer Stempelmaschinen, die Schaffung von Unterbeamten- Wohnhäuser und die Verminderung des Schreibwerks zu Hauptgegenstänüen der Beratung gehabt.
— Mannschaften des 1. Eisenbayn-Regimenrs, welche zur Vornahme von Uebungsbauten nach Klausdorf kommandiert sind, sind dem „Verl. Tagbl." zufolge unter ve- denklichsten Erscheinungen erkrankt. Es handelt sich um epidemische Genickstarre, der bereits ein Mann erlegen sein soll. Die 6. Kompagnie hat Isolierbaracken beziehen müssen, um eine weitere Infizierung von Truppenteilen möglichst zu vermeiden.
Celle, 28. April. Bei der am 21. April stattgehabten Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Celle, Gifhorn, Burgdorf, Peine wurden im ganzen 23573 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Fabrikant Wehl-Celle (nl.) 7382, v. d. Decken-Adendorf (Welfe) 6080, Hofbesitzer Dödicker (B. d. L.) 4673 und Redakteur T h i e l h o r n (Soz.) 5420 Stimmen. Zwischen beiden Erstgenannten hat mithin Stichwahl stattzusinden.
München, 28. April- Der Prinzregent fuhr heute vormittag mit dem Grafen Waldersee in offenem Magen, gefolgt von den Herren des militärischen Hauses, nach dem Armeemuseum, um die dort ausgestellten Erinnerungsstücke an die ostasiatische Expedition zu besichtigen. Mährend der Besichtigung teilte Gras Waldersee einige Er-. innerungen an die Expedition in China mit und gedachte dabei besonders anerkennend der Teilnahme der bayerischen Truppen. Im weiteren Verlause des Vormittags besichtigte Graf Waldersee unter Führung der beiden Bürgermeister das Rathaus und trug sich in das goldene Buch ein.
Anstand.
P o r i s, 28. April. Nach einer von der „Agence HavaS" aufgestellten Wahlstatistik ist das Gesamtergebnis folgendes : G ewählt sind 47 Konservative, 42 Nationalisten, 81 antiministerielle Republikaner, 81 ministerielle Republikaner, 8S Radikale, 49 sozialistische Radikale und 24 Sozialisten. Gewinne und Verluste der Parteien: Republikaner 13 gewonnen, 13 verloren, Radikale 12 bezw. 13, Sozialisten 2 bezw. 4, sozialistische Radikale 5 bezw- 5, antiministerielle Republikaner 19 bezw. 23, Nationalisten 14 bezw. 7, Konservative 3 bezw. 3. Nach der Statistik des Ministeriums des Innern sind 248 Ministerielle und 133 Antiministerielle gewählt. Unter den Gewählten befinden sich der frühere Minister Etienne, der Großindustrielle Thomson und der Konservative Baudry d Asson.
Amsterdam, 28. April. Wie aus Schloß Loo verlautet, b e s s e r t e sich das Befinden der Königin W i l - helmina derartig, daß sie schon auf einige Augenblicke das Bett verlassen konnte.
Luxemburg, 28. April- Die luxemburgische Regierung ist von der hiesigen Abgeordnetenkammer mit Stimmeneinheit ermächtigt worden, provisorisch für Luxemburg die Schaumweinsteuer unter denselben Bedingungen unter demselben Steuersatz wie im deutsch en Reiche einzuführen, sowie behufs Verteilung der Taxe zwischen den Zollvereinstaaten und dem Großherzogtum ein Abkommen zu treffen.
Rom, 28. April. Ministerpräsident Zanardelli teilte in der Kammer mit, daß der König das Entlassungs- gesuch des Kriegsministers angenommen und den Marineminister Morin mit der einstweiligen Verwaltung des Kriegsministeriums betraut habe.
London, 28. April. Reuter meldet aus Balmoral «Südafrika) von vorgestern: Lukas Meyer, Krogh und Vanvelden trafen gestern hier ein und reisten am selben Tage mit der gewöhnlichen Post nach Middelburg und Belfast weiter, um Zusammenkünfte mit den Burghers abzuhalten.
Cap Haiti, 28. April. Wie aus Santo Domingo gemeldet wird, stellte sich der Vizepräsident H o r a t i o Vasquez an die Spitze der Erhebung gegen den Präsidenten Zimenes Bethune. In Lillers fanden gestern abend und in der Nacht Ruhestörungen statt, wobei ein bedeutender Materialschaden angerichtet worden ist. Um drei Uhr morgens war die Ruhe wieder her gestellt.
Statistische Mitteiluugeu aus den deutschen Groß- und Mittelstädten.
Von dem „Statistischen Jahrbuch deutscher Städte", das von dem Direktor des Statistischen Amts der Stadt Breslau, Dr. M. Neese herausgegeben wird, liegt der 9. Jahrgang vor. Der Plan dieses Jahrbuchs ist dahin gerichtet, durch vergleichende Zahlenangaben die mannigfaltige Thätigkeit der städtischen Behörden, den Wohlstand, die Steuerkraft, die kulturelle Entwicklungshöhe der deutschen Städte von 50 000 and mehr Einwohnern zu veranschaulichen. Die mannigfach gegliederten Zahlenreihen geben ein lebhaftes Bild von den gewaltigen Fortschritten jener 55 deutschen Städten, deren Bevölkerring seit der Gründung des Deutschen Reiches von 4,5 auf 10,7 Millionen gewachsen ist.
Vergleicht man die Ziffer der Heiratenden mit der mittleren Jahresbevälkerung, so entfielen die meisten Heiratenden aiif die Städte Mannheim, München, Nürnberg, Frankfurt a. M., Bochum, Köln, Berlin, Dresden und Düsseldorf mit 12,45 bis 10,66 von je Tausend der mittleren Bevölkerung. Die niedrigste Heiratsfrequenz hatten die Garmsonstädte Frankfurt a. O., Münster und Potsdam mit 8,06 bis 6,42 von je Tausend. Die meisten Ehescheidungen erfolgten in Berlin mit 72,5 auf je 1000 Eheschließungen und 135,8 von 1000 Ehelösungen, Frank
furt a. O. mit 64,8 und 78,6, Magdeburg mit 60,7 und 101,2, Leipzig mit 55,1 pro Mille der Eheschließungen und 100,3 pro Mille der Ehelösungen. Am wenigsten wurden Ehen geschieden in Aachen, Cassel, Krefeld, Dortmund, Düsseldorf und Köln mit 7,8 bis 17,2 pro Mille der Eheschließungen und 13,7 bis 37,1 pro Mille der Ehelösungen.
In 21 Städten hat auch die Zahl der Geburten gegenüber dem Vorjahr absolut abgenommen: in Berlin, Charlottenburg, Spandau, Königsberg, Stettin, Magdeburg, Erfurt, Altona, Hannover, Frankfurt a. M., Wiesbaden, Barmen, Düsseldorf, M.-Gladbach, Crefeld, Leipzig, Zwickau, Hamburg, Lübeck, Bremen und Metz. Die niedrigsten Geburtenziffern hatten die Garnisonstädte Potsdam, Metz mit 21,34 bis 25,94 pro Mille der mittleren Bevölkerung, ferner Wiesbaden mit 25,78 pro Mille. Der Knabenüberschuß unter den Geborenen stieg bis zil 6,36 Prozent der letzteren in Kassel, dagegen überwog das weibliche Geschlecht, in Erfurt und Elberfeld. Die bekannten starken Gegensätze zwischen einzelnenTeilenDeutschlands hinsichtlich derUnehelichen- quote zeigen sich auch im Berichtsjahre. Während m den meisten Städten Rheinlands und Westfalens sich der Anteil der Unehelichen zwischen 3 und 5 Prozent der Geborenen hielt, machten sich in den bayerischen Städten, in Dresden, Leipzig, Metz, Straßburg und Freiburg i. Br. ungefähr 20 Prozent, also ein Fünftel aller Geborenen, aus. Am sechsten stand München mit 27 Prozent.
Die höchste Sterblichkeitsziffer hatte 1899, wie im Vorjahre, Bochum mit 27,93 von je Tausend der mittleren Jahresbevölkerung, nach welchem Breslau, Stettin, Chemnitz, Halle, Nürnberg, Königsberg, Posen und Duisburg •mit 26,57 bis 25,12 Promille folgten, die niedrigste Charlottenburg, Wiesbaden, Cassel, Frankfurt a. M., Barmen, Bremen und Erfurt mit 16,01 bis 17,99 Promille.
Der Geburtenüberschuß schwankte zwischen 22,30 Prom. der mittleren Bevölkerung in Dortmund und 1,70 Prom. in Potsdam. — Die stärkste Wanderungsbewegung zeigten außer Cl)arlottenburg die Industriestädte des Westens, erner Frankfurt a. M., Halle, Kiel, Kassel, Mannheim. Während die meisten Städte auch durch die Wanderungen einen zum Teil beträchtlichen Zuwachs erhielten, belief sich die Verminderung der Bevölkerung durch Mehrabzug in Braunschweig und Crefeld auf mehr als 1 pCt.
Dem Wachstum der Bevölkerung entsprach die Bau- thätigkeit, aber leider auch die Dichtigkeit der Bebauung. In Metz waren am Schlüsse des Jahres 1897 mit Häusern (einschließlich der Hofräume und Hausgärten) 49 pCt. der Ge- amtfläche bebaut, in Berlin 42 pCt. (gegen 33 pCt. im Jahre 1890), in Essen Ende 1898 41 pCt., in Bochum und Dresden je 34 pCt., dagegen in Spandau am Schlüsse des Jahres 1897 nur 6 pCt., in Stettin 7 pCt., in Erfurt, Wiesbaden, Aachen und Straßburg Ende 1898 je 8 pCt. der Gesamt- 'läche.
Die gesamte Grundfläche der größten deutschen Städte betrug am Schlüsse des Jahres 1898 oder 1898/99:
in ha in ha
Köln a. Rh. . . . 11,109 Düsseldorf .... 4,864 Frankfurt a. M. . 8,014 Erfurt .... 4,385 Straßburg i. E. . . 7,829 Spandau .... 4,205 Hamburg .... 7,688 Hannover . ... 3,956 München .... 6,839 Aachen .... 3,912 Berlin .... 6,340 Dresden .... 3,899 Stettin .... 6,100 Duisburg .... 3,753
Frankfurt a. O. . . 5,963 Wiesbaden .... 3,607
Darmstadt . . . 5,760 Breslau . .... 3.593
Leipzig .... 5,551 Würzburg . . . . 3,216
Magdeburg.... 5,547 Elberfeld .... 3,132 Freiburg i. Br. . . 5,151 Stuttgart .... 3,003 Mannheim .... 4,877
In dieser Uebersicht sind als „größte" Städte die an Grundfläche, nicht die an Bevölkerung größten der Reihe nach angeführt. Es geht aus ihr hervor, daß Bevölkerungszahl und Areal der Städte entfernt nicht korrespondiren. Haben doch Köln und Frankfurt a. M. ein weitaus größereres Areal als Berlin, Frankfurt a. O. und Darmstadt ein größeres Areal als Leipzig; Freiburg i. B., Mannheim, Erfurt, Spandau, Duisburg, Wiesbaden ein größeres Areal als Breslau.
Es wäre nun von Interesse, festzustellen, ob in (im Verhältnis zur Bevölkerung) kleineren Städten eine Grundrente höher ist und umgekehrt.
Aus Stadt und Land.
(Nachrichten aus unserem Leserkreise sind uns stets willkommen und werden angemeffcn honoriert.)
Gießen, 29. April 1902.
Scg. Gründung einer oberhessischen Mifsions-Konferenz. Auf Einladung des Herrn Dekan Hainer von Hungen und unter dessen Vorsitz hatten sich heute Nachmittag etwa 50 Herren — meist Geistliche — aus allen Teilen von Oberhessen im Konfirmandensaale der Matthäusgerneinde zusammengefunden, um über die Begründung einer oberhessischen Missionskonferenz zu beraten. Auch der Schriftführer der bereits seit 6 Jahren bestehenden Starkenburger Misfionskon- ferenz, Herr Pfarrer Röm Held von Pfungstadt, war erschienen und leitete die Versammlung mit einem sehr lichtvollen Referat ein, in dem er Bedeutung, Ausgabe und Organisation der Missionskonferenzen erörterte. In der sich daran anschließenden Aussprache, in der u. a. Pfarrer Schlosser- Gießen darauf Hinweisen konnte, daß schon vom Jahre 1883 bis 1888 eine solche Missionskonferenz bestanden habe, die das Großherzogtum Hessen, die Provinz Hessen-Nassau und den Kreis Wetzlar umfaßte, gab sich eine allgemeine Zustimmung zu dem Grundgedanken des Referates kund. Früher gegen eine solche Missionskonferenz gehegte Bedenken, als ob dadurch die Arbeit der bereits bestehenden Missionsvereine gestört werden könnte, Bedenken, die einst auch das Aufblühen der alten Missionskonserenz gehindert hatten, konnten angesichts der wie anderwärts, so namentlich in Starkenburg, gemachten Erfahrungen nicht mehr aufrecht erhalten werden, da die Konferenzen sich grundsätzlich jeder direkten Missionsarbeit enthalten und nur die Anregung und Förderung einer gediegenen wissenschaftlichen Missionskenntnis bezwecken. So wurde denn einstimmig beschlossen, auch für Oberhessen eine solche Organisation herbeizuführen. Jedoch erachtete man es für den zweckmäßiaeren Weg, dazu
einen Anschluß an die Starkenburger Konferenz zu suchen und eine Konferenz für das ganze Großherzogtum anzubahnen. Zu diesem Zweck wurde eine Kommission von fünf Herren gewählt (Dekan Hainer-Hungen, Kirchenrat Kalb Henn-Burggräfenrod, Pfarrer Nies-Melbach, Stiftspfarrer Weber-Lich und Pfarrer Schlosser- Gießen) mit dem Auftrag, mit dem Vorstand der Starkenburger Konferenz in diesem Sinne zu verhandeln. Nur in dem Falle, daß dieser sich ablehnend verhalten würde, solle sie im Herbst eine oberhessische Missionskonferenz im Sinne der Ausführungen des Referenten in Gießen veranstalten, bei der dann auch die Organisationsfragen erledigt werden sollten.
* * Turnverein. Die nach den Satzungen des Turnvereins vierteljährlich stattfindende Generalversammlung fand gestern abend im Restaurant Bourgeois statt und war besonders von aktiven Turnern sehr gut besucht. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der 1. Sprecher Pirr dem so jäh verschiedenen Geschäftsführer des 9. Mittelrheinkreises, Registrator Thierolf, einen warmen Nachruf, worin er hervorhob, daß der Verstorbene stets in treuer Pflichterfüllung alles ge- than habe, um die edle Turnsache im Kreis und in den deutschen Gauen zu fordern. Die Versammlung erhob sich zur Ehrung Thier--olfs von den Plätzen. Soda n mürbe mitgeteilt, daß da Turnen im Winterhalbjahr mtxjr abgenommen habe und die Beteiligiing zwar schwächer als im Sommerhalbjahr, immerhin aber befriedigend war. Weiterhin teilte der 1. Sprecher mit, daß die Vergrößerung der Turnhalle, resp. der Bühnenanbau im abgelaufenen Winterhalbjahr bereits dargethan hat, daß sich die bei Schäftung dieser Einrichtung gehegten Hoffnungen erfüllt haben. Abgesehen davon, daß die Halle mit dem Bühnenanbau für den Verein selbst eine geeignete Stelle geworden fei, um die eigenen Vergnügungen darin abzuhalten, ist sie auch bem Verein insofern von Vorteil, als durch Vermietung seine Finanzen verbessert merbcii. Im Ganzen sind an Saalmiete eingenommen 880 Mk., von welcher Summe die Kosten der Beleuchtung und teilweise auch der Heizung für den Raum während der vermieteten Zeit in Abzug kommen. Es wird bei dieser Mitteilung ausdrücklich erklärt, daß der Vorstand durch Vermietung der Halle nicht etlva den Saalbesitzern Konkurrenz mache, wie dies vielfach aitgenommen würde, sondern daß der Verein durch die Vermietung lediglich der herrschenden Saalnot in unserer Stadt abhelfen wolle; denn nur wenn an dem betreffenden Tage, an dem eine Veranstaltung in der Turnhalle stattfinden solle, die anderen Säle besetzt seien, werde diese vom Vorstände freigegeben. Der Versammlung wird dann Bericht erstattet über den Verlauf des Gau-Turn- tages in Steins Garten und des Kreis-Turntages m Limburg. Im Hinweis darauf, daß das nächste Kreisturnfest in Worms und 1904 in Koblenz stattfindet und daß sich für das noch freie Kreisturnfest in 1906 Darmstadt schon jetzt beworben, wird empfohlen, daß auch Gießen schon jetzt für 1 9 06 sich um das Krei§fest bewerben sollte, um wenigstens zu erreichen, daß es als Festort 1908 bestimmt werde. — Die Kosten des Bühnenanbaues, der Renovierung der Halle 2C. haben 19 106 Mk. 25 Pf. erfordert, welcher Betrag in der Weise teilweise gedeckt ist, daß man 12 000 Mk. mit hypothekarischer Deckung aufnahm und 1086 Mk., den Turnerunfallfonds, verwandte; weiter wurde ein Guthaben des Vereins in Höhe von 722 Mk. 40 Pf. und vom Vorstand der Kassenüberschuß von 600 Mk. herangezogen, ca. 5000 Mk. wurden durch freiwillige Geschenke für die Tilgung der Bauschuld aufgebracht, sodaß im Ganzen ca. 18 300 Mk. bezahlt werden konnten. Ein Restbetrag von 6—700 Mk. muß noch getilgt werben. In der Versammlung wurden verschiedene Vorschläge dafür gemacht. — Hierauf entspann sich eine sehr lange Geschäftsordnungs - Debatte über einen Antrag auf Statutenänderung und besonders über die Form, in welcher dieser Antrag eingebracht werden müsse, um den Satzungen und der Geschäftsordnung zu entsprechen. Eine demnächst vom Vorstand einzuberufende weitere Generalversammlung wird den Antrag beraten und darüber beschließen.
* * Das Anturnen des Männerturnvereius, das letzten Sonntag im kleineren Rahmen abgehalten wurde, war von der Witterung aufs beste begünstigt. Zum Wettturnen, welches nachmittags gegen 4 Uhr begann, traten 10 Turner an, von denen einer außer Konkurrenz mitturnte. Die vorgeschriebenen Türnübungen erstreckten sich auf Reck, Barren, Pferd, Stemmen und Springen. Die Mindestpunktzahl, welche erreicht werden konnte, war 35 Punkte. Es wurde im allgemeinen gut geturnt, und zeigten die Leistungen mancher Turner von guter Schulung und fleißiger Uebung. An dem Turnen in der Oberstufe beteiligten sich 3 Turner, während in der Unterstufe 7 Turner mitturnten. Das Ergebnis war folgendes: a. in der Oberstufe: Willy Georg den 1. Preis mit 571/2 P., L. Kohler mann den 2. Pr. mit 43 P., Gg. Meyer den 3. Preis mit 35 P. b. in der Unterstufe: Albert Bötz den 1. Pr. mit 53!/2 P., Louis Vogt den 2. Preis mit 52!/2 P., Ernst Schmidt den 3. Pr. mit 501/2 P., Carl Schäfer den 4. Pr. mit 45 l/a P., Ed. Schm all den 5. Pr. mit 45 P., Gustav Schmidt den 6. Pr. mit 36 V2 P- c. C. Demuth (außer Konkurrenz) erzielte 45i/2 P. — Bei der abends in „Steins Garten" ab- gehaltenen Preisverteilung wurde jedem Sieger eine fein aus- geführte Ehrenurkunde überreicht. Außerdem wurde dem 1. Sieger in jeder Stufe ein Eichenkranz zuerkannt. Zu dieser Preisverteilung waren die Vereinsmttglieder mit chren Angehörigen zahlreich erscheinen. Bei Tanz und dem Gesang gemeinschaftlicher Lieder flössen die Stunden nur allzu rasch dahin. Zur Unterhaltung trugen auch die humoristischen Gesangsvorträge eines Turners sowie die Violinvorträge eines anderen Herrn wesentlich bei, sodaß man sich erst nach Mitternacht in der fröhlichsten Stimmung trennte.
* * Die Temperatur ist in den letzten Tagen bedeutend gesunken, sodaß es des nachts sogar gefroren hat. Hält diese kalte Witterung an, so dürfte sie auch bei uns den Saaten großen Schaden zufügen. — Wie aus Posen gemeldet wird, hat der Frost in der ganzen Provinz den Saaten bereits Schaden zugefügt. Im Kreis Fraustadt soll das Thermometer bis 9° unter Null gegangen sein. — In Rheinhessen hat man in den Weinbergen, um die frischen Triebe zu schützen, bereits mit Räucherungen begonnen.
** Parlamentarisches, lieber die Regierung^«


