sondern unS auch vor gänzlichem $crfall und Verderben zu sichern Cs rst als ein Depot zu betrachten, aus dem sich die sinkenden Kräfte der Menschheit immer wieder ergänzen und auf- frischen. Aber Hehen Sie einmal in unsere großen Städte und eS wrrd Ihnen anders zu Mute werden Halten Sie einmal einen Umgang an der Seite eines ^Hinkenden Teufels" oder eines Arztes von ausgedehnter Praxis und er wird Ihnen Geschichten zuflüstern, daß Sie über das Elend erschrecken und über die Gebrechen erstaunen, von denen die menschliche Natur heimgesucht ist und an denen die Gesellschaft leidet."
Don den französischen Ausständen.
Die Lage ist unverändert, aber unter den Arbeitern macht sich eine freundlichere Haltung bemerkbar. In St. Etienne wurde eine Versammlung abaehalten, in der mehrere Redner die Arbeiter zum Wid er st an de aufforderten. Ter Delegierte von Montceau les Mines erklärte, die Mittellosigkeit der dortigen Arbeiter hätte diese an der Beteiligung am Ausstand verhindert. — In Va- lenciennes fand zwischen Ausständigen und Arbeitswilligen ein Zusammenstoß statt, wobei zwei Personen durch Revolverschüsse verwundet wurden. Der Gemeinderat von Valenciennes lehnte die Forderung auf Unterstützung der streikenden Arbeiter ab. Ten letzten Meldungen aus dem Streikgebiet zufolge steht jedoch nunmehr fest, daß der Ausstand durch Vermittelung der Regierung bei» gelegt werden wird. Aber inzwischen ist der Ausstand nach anderen Orten übergegangen. In Rochefort drangen ausständige Hafenarbeiter in eine Werkstätte ein und zwangen die dort beschäftigten Arbeiter, die Arbeit niederzulegen. Später zertrümmerten die Ausständigen Scheiben an den Bureaus der Schiffsmakler. Die Polizei schritt ein und sorgte dafür, daß das Ausladen der Schiffe ordnungsgemäß vor sich ging. JnMar feilte dagegen nahmen die Kohlenauslader sämtlich die Arbeit wieder auf.
In Kapstadt sind 1100 schw arze Hafenarbeiter in den Ausstand getreten, weil ihnen das Hafenamt bekannt gab, daß die Löhne von 54 aus 42 Pence herabgemindert werden sollen. Die Schiffahrt erleidet hierdurch ein Stockung.
Heer und Flotte.
Die nächstjährigen Kaisermanöver sollen ftadji den bisher getroffenen Dispositionen zwischen den beiden sächsischen Korps (12. und 19.) und dem 4. preußischen Armeekorps stattfinden. Die Standorte der Generalkommandos sind Dresden, Leipzig und Magdeburg. Das 19. (2. sächsische) Korps besteht aus der 24. und 40. Division, von denen voraussichtlich die erstere (Leipzig) dem 4. Korps und die letztere (Chemnitz) dem 12. Korps während der Kaisermanöver zugeteilt werden wird. Das Manövergelände erstreckt sich in der Hauptsache zwischen Leipzig und Magdeburg, und zur Abhaltung der Kaiserparade ist der Truppenübungsplatz Zeithain in Aussicht genommen.
Aus Stadt und Sand.
z Gießen, den 28. Oktober 1902.
•* GeMnktage. Bei Neapel wurde am 28. Oktober 1268 Konradin, der letzte Hohenstaufe, hingerichtet. Beim Schachspiel wurde ihm sein Todesurteil angekündigt. Konradin wollte das Erbe seiner kaiserlichen Ahnen in Italien wieder erringen, weshalb er die letzten Trümmer der hohenstauftschen Güter in Schwaben verpfändete, dafür ein Heer warb, nach Italien zog, aber bei Tagliacozzo geschlagen und gefangen genommen wurde. Mit den Worten: ,0 Mutter, welches Leid bereite ich Dir/ fiel das Haupt des 16jährigen Helden.
** Provinzialausschuß. Samstag, den L November 1902, vormittags 81/2 Uhr findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes dahier eine öffentliche Provinzialausschußsitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Ent- eigimng von Gelände in der Zeldgernarkuug Lollar für den Bahnbau Lollar-Londorf; 2. Dürgerrneisterwahl zu Ermenrod; 3. Klage dcs Ortsarmenverbands Gießen gegen den Ortsarmenverband Rabertshausen; 4. Desgleichen.
** Auszeichnungen. Dem Forstwart der Forstwartei Unteres Königstädter Forsthaus, Förster Abraham Schwerer zu Unteres Königstädter Forsthaus ist aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zu dem Silbernen Kreuz des Verdienstordens Phllipps des Großmütigen verliehen wordem
**Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hessen Nr. 10, aus- gegeben am 21. Oktober d- I., enthält: 1. Ausschreiben Nr. Iß vom 7. Oktober 1902, betreffend die Ausführung des Gesetzes vom 6. August 1902, betreffend das Eigentum an Kirchen, Pfarrhäusern usw. 2. Ausschreiben vom 13. Oktober 1902 (9tr. 14) an die evangelischen Kirchenvorstände. 3. Dien st nach richten Ernannt wurden: Pfarrverwal- 1er Weber zu Dienheim zum Pfarrverwalter in Eich, Dekanat Oppenheim; Pfarramtskandidat S c r i b a, zuletzt Pfarrverwalter in Londorf, zum Pfarrverwalter in Stumpertenrod, Dekanat Alsfeld; Pfarrverwalter Weisel zu Queck zum Pfarrvikar in Armsheim, Dekanat Alzey; Pfarr- Verwalter Bernd eck zu Schlitz zum Pfarrverwalter in Queck, Dekanat Lauterbach; Pfarrvernraller Kehr zu Schotten zum Pfarrverwalter in giomrod, Tekanat Alsfeld; Pfarrvitar Weiß zu Schotten zum Pfarrverwalter in Wallernhauscn, Dekanat Nidda; Pfarrassistent Vogt zu Michelstadt zum Pfarrvikar in Meiches, Dekanat Alsfeld; Pfarrvikar Pabst zu Beienheim zum Pfarrassiftenten in Michelstadt (erste Pfarrstelle); Pfarramtskandidat Schmoll, dermalen zu Quedlinburg, zum zweiten Pfarr- assistentcn in Offenbach, Dekanat Offenbach; Pfarramts- kandidot Laut zu Laubach zum Pfarrvikar in Schotten (Zweite Pfarrstellch; Pfarramtskaudcdat Staubach zu Ossenheim zum Pfarrassistenten zu Arheiligeu, Dekanat Darmstadt; Pfarramts land idat Wahl zu Hausen zum Verwalter der Pfarrgehilsenstelle zu Londorf, Dekanat Grunberg; Pfarramtskandidat M i ck e l zu Gonterskirchen zum Pfarrassiftenten in Crumstadt, Dekanat Eberstadt; Pfarramtskandidat Cmmel zu Hof Warthof zum Pfarr- assistentell in Fränkische rumbach, Dekanat Reinheim.
** Erschwerung der Po st-Reifeprü jungen. Erne bedeutsame Erschwerung der Post-Reifeprüfungen wird von verschiedenen Seiten gemeldet. 9!och nie sind so viele Anwärter beim Examen „durchgefallen", als gerade in neuerer Zeit. Ganz überraschend muß auch die Thatsache wirken, daß von den Militäranwärtern neuerdings bei den Prüfungen verlangt wird, ziemlich gut französisch «sprechen und lesen föimeu. Bisher beschrankte sic. die Kenntnis der französischen Sprache mir auf da Lesen
der gebräuchlichsten Worte und die Entzifferung französischer Adressen. Augenscheinlich hänat drese Erschwerung der Post-Reiseprüfungen mit dem kolossalen Andrang zur Postkarriere Mrsammen.
** Briefform at. Die glatte Abwickelung des Briefverkehrs wird der Post oft durch die ungleichmäßige und ungewöhnliche Form der Briefumschläge recht erschwert. Ueberaus störend sind die besonders von Damen vielfach bevorzugten, dem sonst üblichen Format kaum noch gleichenden Umschläge, sowie die ganz [leinen Kuverts, die für eine deutliche Adresse und die Freimarke gar nicht den genügenden Raum bieten, sich schlecht anfassen und verteilen lassen, sich leicht in Drucksachen verschieben und dadurch in Verlust geraten ober Verspätungen erleiden. Man benutze im eigenen Interesse nur rechteckige Briefumschläge mittlerer Größe — die gebräuchlichste Form ist 12:15 Zentimeter groß —, klebe die Marke in die rechte obere Ecke, schreibe unten rechts deutlich den Bestimmungsort nieder und unterstreiche ihn. Wer seine Briefumschläge mit einem Vordruk für die Adresse versehen läßt, der lasse auch gleich ein Feld für die Marke und einen starken Strich für die Angabe der Bestimmungspvstanstalt unten rechts mit borbrufen.
— Partiel le Sonnenfinsternis am 31. Oktober. In den Morgenstunden des 31. Oktober wird eine teilweise Verfinsterung der Sonne stattstnden. Die Finsternis beginnt um 7 Uhr 4 Minuten morgens in Hinterpommem und enbet um 11 Uhr 8 Minuten vormittags im Innern des nördlichen China Tie größte Phase der Verfinsterung, welche sieben Zehnteile des Sonnendurchmessers betragen wird, findet um 9 Uhr 6 Minuten vormittags statt, und wird in einer der unwirtlichsten Gegenden Sibiriens, die etwa 6 Breitengrade südlich« von Kap Tscheljuskin, dem nördlichsten Punkte Asiens liegt, wahrgenommen werden können — sofern fid), dort Beobachter finden. Ter ganze Verlauf der Finsternis wird in dem Gebiete sichtbar sein, das von einer Linie umsäumt wird, die ungefähr von dem vorhin genannten Kap Tscheljuskin ausgehend über Finnland und die Ostsee gegen den Main zieht, sich hierauf südostwärts wendend, die Alpen kreuzt, weiter den Westen der Balkanhalbinsel, sowie Kleinasien durchschneidet und längs des persischen Golfes in der Richtung gegen Bombay zieht, sodann nach Turchquerung von Vorder- und Hinterindien ungefähr in der Gegend von Hongkong sich gegen Norden wendet und zu ihrem Ausgangspunkte zurückgelangt. Im Westen der so abgegrenzten Fläche, also in Skandinavien, an der englischen Westküste in Holland, Belgien und in Nord-Frankreich, sowie im nordwestlichen Deutschland geht die Sonne teilweise verfinstert auf; im Osten der Fläche, also im eigentlichen China und in Korea sowie in einem Streifen Sibiriens tritt der Mond erst am Nachmittag vor die Sonne, und geht die letztere in diesen Gegenden teilweise verfinstert unter.
(—) Krofdorf, 27. Okt. Um unsere Kirche auch im Winter zu einem verträglichen Aufenthalte zu machen, soll sie nunmehr mit einem Ofen versehen werden. Heute wurde mit der Anlage des erforderlichen Kamins begonnen, sodaß der Ofen schon in nächster Zeit benutzt werden kann. Es wird durch die Beschaffung eines Ofens einem längst empfundenen Bedürfnis abgeholfen werden.
Bad-Nauheim, 25. Okt. Tie Gesamtfrequenz der diesjährigen Saison beträgt bis zum 23. Oktober 22 505 Personen, wovon an genanntem Tage noch 127 anwesend waren. Bäder wurden bis zum letzten Donnerstag 303 630 abgegeben.
8 Griedel, 27. Okt- Gestern und heute fand unser Kirchweihfest statt. Wie alljährlich, erfreute sich auch in diesem Jahre unser Flecken am Sonntag eines großen Besuchs von auswärts, sodaß die Lokale der Gastwirte kaum ausreichten.
() Lauterbach, 26. Okt- Gestern abend hiell der hiesige Kriegeroer ein eine Generalversammlung ab, in welcher nach, Beendigung des geschäftlichen Teiles der Schriftführer der „tzassia" einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Entwickelung der Schlachtschiffe, deren Panzerung und Bewaffnung hielt. Nach dem Vortrag wurden die Kameraden durch einige Musikstücke unterhalten.
§ Eichelsachsen, 27. Okt- Die Gemeindeverwaltung hat den Bau einer Quellwasserleitung beschlossen. Tie Arbeiten sollen im nächsten Frühjahr ihren Anfang nehmen. Eine weitere wichtige Aufgabe, der Schulhausneubau, wird wahrscheinlich nach dem Bau der Wasserleitung auf den Plan treten.
() Eschenrod, 26. Oki. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr bemerkte man hoch in der Lust eine große Schar Schneegänse, die ihren Weg nach Süden nahm.
Mainz, 26. Okt- In einem hiesigen Geschäft wurde gestern ein Mädchen verhaftet, das sich fortgesetzter Veruntreuungen schuldig gemacht hatte. Als der Geschäftsinhaber vernahm, was sich bei chm zugetragen, stürzte er vor Aufregung von einem Schlaganfall getroffen zur Erde. Der Zustand des Mannes ist zum Glück nicht bedenklich. — Aus Biebrich wird gemeldet: Einen für die Zukunft Biebrichs wichtigen Beschluß hat am 23. d- M. das Stadwerordneten-Kollegium damit gefaßt, daß es sich mit der Er bauun g eines Elektrizitätswerkes auf städtische Kosten prinzipiell einverstanden erklärte.
Fr an kf ur t, 24. Okt. Am 21. er. ist die hiesige Akademie für Sozial- und Handelswissen schäften wieder eröffnet worden. — Der Schreiner Joseph Zug, Schnurgasse 42, verfolgte gestern abend seine Angehörigen mit einem Stockdegen, worauf ^»lizelliche Hilfe geholt wurde. Als zwei Schutzmänner erschienen, drang Zug auch auf sie mit seinem Stockdegen ein und verletzte den einen an der Hand. Ter Schutzmann machte daraus von feiner Was f e Gebrauch, versetzte dem Zug einen Hieb über den Kopf und verletzte ihn so, daß Zug in das Hospital zum helligen Geist gebracht werden mußte. — Ern schon mehrmals wegen Beraubung von Opferstöcken mit Zuchthaus bestrafter Kaufmann und Portier, der im Jull in Mainz abermals den Versuch gemacht hat, einen Opferstock zu erbrechen, und, als ihm das nicht gelang, dessen Inhalt mit einem Klebstock herauszuholen versuchte, wurde gejtern hier festgenommen.
Frankfurt a. M-, 25. Lkr. Tie seitens des hiesigen Magistrats oei den benachbarten Stadtbehörden angeregte und für den 30. d- M. im Römer angesetzte Konferenz wird über Arbeitslos en-Fürsorge sowie Notstandsarbeiten beraten und beschließen, was seitens der Kommunen zum Wohle der Notleidenden erforderlich ist.
Franksurta. M., 26. Okt. ILDeutscherRuder- tag. Die Wahl eines Vorsitzenden fiel auf Georg Büxenstein-Berlin mit 131 St. gegen 130 St-, die für den leitbcr'qen Vorsitzenden abgegeben wurden. Zu weiteren Au i.^ußmi t gliedern ivurden gewähll M. Moriz-
Berlrn, W. Geist-Berlin, Dr. Binder-Hamburg, Dr. Stracks Hamburg, Ernst Ladenburg-Frankfurr, Josef Rau-Main^ W. Lüders-München, F. L. Schumacher-Mannheim, G Corindt-Tanzig. Zum Ort des iiächften Rudertages wurde Hannover gewählt.
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Vermischtes.
* Rom, 27. Okt Vergangene flacht explodiert« am Bis chofspalaft in Livorno eine Bombe. Ein Kind wurde getötet, ein anderes verwundet. Ter Bischof ist unbeliebt, weil er oft antiitalienische Reden gehallen hat.
Wien, 27. Okt. Tie Blätter melden, daß drei Statistinnen und eine Schauspielerin des Hofburgtheaters durch Kleideransteckung erkrankt sind. Die von einer et> krankten Statistin beruhten Trikots waren auch anderen Personen zu Benutzunrg übergeben worden, und so wurde der Kranlyeitskeim übertragen. Alle Patientinnen leiden an einem Hautausschlag, der in der Achselhöhle entstanden ist, und sich von dort zunächst über die Schuller b erb reitete. Sie stehen in ärztlicher Behandlung und werden einige Wochen dienstunfähig sein.
* Ueberfall am helllichten Tage. Im Tiev» garten zu Berlin wurde der 20jährige Student der Theologie Max Sp., der mit seiner Kou;ine dort spazieren ging, über fallen. Sp. hatte sich mit dem jungen Niädchen auf einer Bank niedergelassen und mll derselben in der harmlosesten Weise geplaudert, als plötzlich ein älterer starb- gebauter Mann auf beide zutrat und sie anfuhr: Folgen Sie mir sofort, ich bin Sicherheitsbeamter unb dulde nicht, daß Sie hier mit einem 'Mädchen.....! Sp. folgte
chm einige Schritte hinter ein Gebüsch, während Frl. Spangenberg auf der Bank zurückblieb. Der „Beamte" faßte, hinter dem Gebüsch angelangt, den kleinen, schmächtigen Studenten an den Schultern, drückte chn zu Boden und riß ihm Kette nebst Uhr fort. Jetzt erst rief der erschrockene Student um Hilfe, ebenso das junge Mädchen, worauf von mehreren Seiten einige Passanten herbeieillen, unter denen sich auch ein pensionierter Feldwebel befand, der sofort den „Beamten" aufforderte, sich zu legitimieren. Statt dieser Aufforderung nachzukommen, ergriff der Straßenränder eiligst die Flucht und war bald den Augen der Zurückbleibenden entschwunden, ohne daß jemand den Versuch gemacht hätte, eine Verfolgung des frechen Menschen vorzunehmen.
* Der Zar ist ein fleißiger Radfahrer. Letzthin radelte er im Parke von Gatschina in der Uniform eines, Kavallerie-Oberstem Aus einen Wink wurden die Thore geöffnet, und Zar Nikolaus radelle eine Strecke auf der Landstraße. In flottem Tempo wollte er an einem in großer Galauniform daherfahrenden General vorbei, natü> lieh ohne an einen militärischen Gruß zu denkem Der General ruft seinen „Rang-Untergebenen" herbei, um ihm die Meinung zu sagen. Tableau! Aber Nikolaus II. reicht ihm lächelnd die Rechte mit den Worten: „Verzeihung, General, aber ich habe so viel tüchtige Leute in meinem Heere, daß ich sie wirllich nicht alle kennen kann!"
* Christian Dewet ist in London von einem Mitarbeiter des „Matin" Überfällen worden und bat, da er sich nicht in die Steppen des „Beldt" flüchten konnte, Rede stehen müssen. Er erzählte unter anderem, daß er nach Südafrika zurückreise, da er sich krank fühle. Dann kam er Lus sein Buch $u sprechen und gestand mit der ehrlichen Verschmitztbeit, die ihm auch in Berlin so rasch die Herzen gewann, oaß die „Schriftstellerei eine ganz interessante, aber furchtbar harte Arbell sei." „Niemals b meinem Leben habe ich mich so gequält Wenn ich jetzt nicht ganz wohl bin, dann hab' ich sicherlich das Tintenfieber. Ich bedauere all die armen Leute, die ihr Brot durch Schreiben verdienen müssen." „Also jetzt haben Sie wirklich genug davon, General?" „Ich habe so genua, daß ich mich wie ein entsprungener Strafgefangener fühle, als ich das Wort „Gmbe" unter mein Manuskript setzte. Und doch — es ist eine komische Geschichte! Ich bin gerade dabei, noch ein kleines Buch zu schreiben: „lieber die Spionage im Kriege". Sie sehen, wenn man einmal angefangen hat, in Tintenklexen zu arbeiten, glaubt man, immer noch etwas Neues erzählen zu müssen."
Kunst und Wissenschaft.
— Drahtlose Telegraphie. Für die von Teutschland a» geregte Konferenz wegen drahtloser Telegraphie haben bis jetzt, wie Sie .Nat-Ztg.' erfährt, Oesterreich-Ungarn, Italien, Rußland und die Vereinigten Staaten ihre Beteiligung zugefagt. Außer do« England steht auch noch von Frankreich die Antwort auS. ES handelt sich vor allem barum, au verhüten, daß durch vorzeitige und einseitige Annahme emeS ober des anderen der verschiedenen Systeme drahtloser Telegraphie bie Benutzung eines neuen Mittels bet Nachrichten-Beförderung zwischen den verschiedenen Staaten verhindert oder erschwert wird.
Ob sich, die Erde dreht, ist eigentlich eine schon etwas lange erledigte Frage, aber darum sind Beweis- Experimente immer noch nicht überflüssig! Vor 51 Jahren machte Foucault im Pantheon zu Paris seinen berühmten Pendel-Versuch, der jetzt mehr zu seinem Gedächtnis, denn zur Probe, ob sich in der Erddrehung in dem winziaen Zeitenfortschritt eines halben Säkulums irgendwelche Veränderung vollzogen, von Dr. Alphonse Berget namens der Astronomischen Gesellschaft in feierlicher Sitzung und in Gegenwart des Ministers Chaumis wiederholt wurde. Hoch oben im Kuppelgebälk des Pantheons wurde unter tausend Vorsichtsmaßregeln ein sehr dünner, aber traafähiger Stahl- draht aufgehäligt, der eine 28 Kilo schwere Bleikugel trägt; diese Bleikugel läuft unten in einen spitzen Stahlstab aus, bestimmt, in dem Sand auf einem runden Tische den Weg des Pendels zu zeichnen. Bekanntlich bleibt die Schwing- ungöebene eines Pendels immer dieselbe, sodaß man die Erde sich gewissennaßen unter der Pendelebene wegdrehen sieht. Ter runde Tisch im Pantheon ist in Winkeln von 10 Grad eingeteilt. Schwingt das Pendel beim Anstoß genau über dem Tiameter, der über der Achse des Pantheons liegt, dann ist es nad) 54 Minuten über dem TÜ> meter der ersten Teilung, nach 8 wunden über dem Tiameter der neunten Teilung, nad) 32 Stunden ist die vollkommene Trehung erfolgt — nicht das Pendel hat sich aus feiner Schwungrichtung entfernt, bie Tisch-, Erdebene drehte sich. Auf dem Pol würde ein Pendel in 21 Stunden die Trehung unter sich vollzogen sehen^ weiter nad) ©üben nimmt die Tauer zu, in Paris 32 Stunden, in Leipzig etwa 31 Stunden; auf dem Äec;uator ist die Trehung der Pendelebene gleich. Null — d»es zur Erinnerung an die physikalische Schulvergeßillsse! Tr. Berget hat sich viel Mühe gegeben, damit der erneuerte Foucaultsche Apparat nichts an Präzision zu wünschen übrig läßt, damit daS Pendel nicht im mindesten verjucht ist, die Erddrehung mitzumachen! — Wie ist die Phllifter-Zeit so weit, da das Bibelwort: „Sonne stehe ftlll. . ." ohne wissenschaftliches. Temenll blieb.
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