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— Bräutigam, Brant und Trauzeuge« unter Anklage. Der seltene Fall einer Anklage gegen ein Brautpaar und bie Trauzeugen wegen Erschleichung einer gesetzlichen Trauung beschäftigte das Bezirksgericht m St oder au. Am 1. v. M. fand in der _ locke rauer Pfarrkirche die Trauung des angeblichen Privaten Ka l Stöckl mit der Kleidermacherin Auguste Stoß statt. Beide in der Pfarrkanzlei, wo man sie nicht kannte, angegeben, das; sie schon seit längerer Zeit in Stockerau wohnten. Sie führten alö Zeugen den Schneidermeister Tolczek, den Schnetdergehüfen Maier und die Frau Anna Berger an. Auf gründ der Bestätigung der drei Zeugen, die nachher auch als Trauzeugen fungierten, nahm Dechant Pirringer die Eintragung in die Kirchenbücher vor und führte die Trauung aus. Das Neuvermählte Paar verließ dann Siockerau, um, wie es angab, eine Hochzeitsreise zu unternehmen. Mittlerweile halte aber die Polizei herausgebracht, daß Stöckl nicht in Ltockerau gewohnt hatte und daß er nach wiederholten Abstrafungen wegen Gemeingefährlichkeit aus Niederöslerreich für immer ausgewiesen war. Tie Sicherheilswache leitete nun die Verfolgung des flüchtigen Paares ein, und tyatjächlich wurde es m Niederbsterreich während der Bahnfahrt verhaftet und dem Bezirksgericht eingeliefen. Tas Opfer dieser erschlichenen'Trauung war die junge Gattin; sie hatte wohl ihre Zustimmung zu der unwahren Angabe bezüglich des Wohnortes gegeben, um die Trauung zu beschleunigen, allein von dein Vorleben ihres Gatten hatte sie leine Kenntnis. Vor dem Bezirksgericht hatte sich nun Stöckl wegen Rückkehr und Irreführung der Behörden, seine Gattin wegen Mitschuld an der Irreführung zu verantworten. Ter Richter verurteilte Stöckl zu 6 Wochen strengem Arrest, seine Gattin zu 24 Stunden Arrest. Von amtswegeii wird nun die Ungiltigkeits- c-'fliii;>ng der Ehe eingcleitct werben.
bnndes" für den herzlichen Empfang und die freundliche Aufnahme, welche dieselben in hiesiger Stadt gefunden, insbesondere danke er dem Bürgermeister dieser Stadt für die freundlichen Wünsche und die gastliche Ausnahme. Der Gesang, ein treuer Begleiter von der Wiege bis zum Grabe, setze da ein, wo das einfache und begeisterte Wort nicht mehr ausreiche. Zwischen den Sängern und den freundlichen Gastgebern, die jenen die Thore der Stadt, die Thüren der Häuser und die Pforten ihrer Herzen geöffnet, bestehe die schönste Harmonie. Ein begeistert aufgenommenes Hoch auf das deutsche Vaterland und das deutsche Lied, dem „Deutschland, Deutschland, über alles" folgte, beschloß diese Ausführungen. Hierauf folgten in steter Abwechselung die Vorträge der sich stets wacker haltenden Regimentskapelle mit den Einzel- und Gesamtchören. Ein zahlreich erschienenes Publikum folgte den Vorträgen mit gespanntester Aufmerksamkeit und belohnte namentlich die mit den Noten „sehr gut" und „gut" ausgezeichneten Vereinen mit lebhaftem Beifall. Den Schluß des Tages bildeten die bei bengalischer Beleuchtung aus den dem Festplatz gegenüber gelegenen malerischen Höhen gestellten Pyramiden des Turnvereins, der exakt ausge- sührte Fackelreigen, sowie ein prächtiges Feuerwerk. Morgen sindet der Sängertag im „Göth'schen Garten" (Trauthammer) statt, wo dem Mitglied des „Bauerschen Gesangvereins"-Gießen, Rosenbaum, das Diplom der 25jährigen Zugehörigkeit zum Bunde übergeben werden soll.
/£& Hanau tu die festlich geschpllMe Stadt nach dem ^Schütz eng arten" Mn Vortrag und Wertung der Einzelchöre. Mll Genugthuung war hierbei das Streben der einzelnen Vereine, möglichst Vollkommenes zu leisten, zu bemerken. Nach Beendigung der sehr beifällig aufgenommenen Vorträge fand eine Sitzung der Bundes-Delegierten und -Präsidentein statt, wo das Resultat der ELnzelleistungen verkündet wurde. Der „Bauer sche Ge- fangverein"-Gi e ß e n erwarb mit dem Vortrag „Dem Toten vom Iltis" die beste einem Verein zu er^nnende Note „sehr gut, mit besonderer Belobigung", Me „Sieb er täfel" Marburg mit „O gönne mir den Frühlingstraum" „sehr gut", „Cäcili a"-L i ch mll „Maiennacht", Leiter- keit"-Gießen mll „Tief ist die Mühle verschneit" und ^iederkranz"-Marburg mit ,Mallisischer Schiffer- tgefang" die Note „gut",, „Liederkranz"-Dillenburg ,Tnit „Zieh mit" und „M ännergesangverei n"- G r ü n - Lerg die Note befriedigend", „Männergesangverei n"-Wetzlar, sowie die Vereine „Gemütlichkeit"- und „Hiarmonre"-Gießen die Note „genügend", bei letzterem Verein wurde besonders betont, daß fid), seine Leistungen gegen früher wesentlich gebessert hätten. Um IIV2 Uhr fand auf dem Festplatze die Generalprobe der Gesamtchöre statt, welche mll Rücksicht auf die verschiedene Auffassung der Dirigenten nid^t in allen Teilen Tellen befriedigte. Nachmittags V23 Uhr stellte sich der imposante Festzug am Oberthor auf, von wo der ca. eine Stunde währende Umzug durch die reich mll Fahnen, i^blemen Und Guirlanden geschmückte Stadt nach dem Festplatz erfolgte. An dem Festzug, der in zwei Grupven durch eine dichte spalierbildende Menge, welche zu beiden Sellen der Straßen Ausstellung genommen, marschierte, deren erste von SSorreitern und der Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 166 eröffnet und deren andere von der hiesigen Stadtkapelle begleitet wurden, betelligten sich außer dem Ehren- ausschuß, der Stadt Vertretung und den 13 Bundesvcreinen der hiesige „Rad f ahr er ü er ein" mit seinen blumen- gefchmückten Rädern, eine eigene Gruppe bildend, deren Mittelpunkt eine ,^Lyra" war, der Turnverein, Kriegers- Verein, sowie einige Abordnungen weiterer Vereine. Den Schluß bildete der Männergesangverein Wetzlar. Manch buftenhed, Sträußchen, von zarter Hand gespendet, bot der wackeren Sängerschar herzlichen Willkommen grüß. -Auf dem Festplatz „Am Trauar" angelangt, wurden die Sänger von Bürgermeister v. Zen gen herzlich bewillkommnet: Bei dem im Vorjahre stattgefundenen 60. Stiftungsfest im „Schützengarten", bei d . euch mehrere Bundesvereine teilgenommen, habe sich der festgebende Verein mll der gesamten Bürgerschaft in Uebereinstimmung befunden, um den Sängern den Aufenthalt in hiesiger Stadt, wie dies auch wiederum der Fall sei, so angenehm als nur llgend möglich, zu machen. Der ,Männergesangverein"- W^lar erfülle eine besondere Dankespslicht für die demselben bei auswärllgen Bundesfesten erwiesene Gastfreundschaft, die gesamte Bürgerschaft sei nur von dem einen Wunsch beseelt, daß die Sänger den gastlichen Bewohnern Wetzlars eine freundliche Erinnerung bewahren mögen. Die mit großem Beifall aufgenommene Ansprache endete mit einem brausenden Hoch auf den Beschützer und Förderer des Männer g es an g es, Kaiser Wilhelm IL Der Bundes-Vertreter Sch, neider- Marburg dankte hierauf im Damen der erschienenen 400 Sänger des „L ah n thal-
Gerichtssaal.
— Hochstapelei in der Maske eines Offiziers. Der berüchtigte Hochstapler, frühere Drogist Karl B 0 r d a t 0, der erst vor einem halben Jahr wegen zahlreicher Schwindeleien zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, 1800 Mk.^Geldstrafe, Ehrverlust, Polizeiaufsicht und wegen widerrechtlichen Tragens einer Uniform zu 4 Wochen Hast verurteilt wurde, stand dieser Tage wieder vor der 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts II in Berlin, um sich wegen einer Reihe weiterer Schwindeleien zu verantworten, die er hier bei uns in Gießen, in Bad--Nauheim, in Frankfurt a. M. und in Darmstadt verübt hat, außerdem auch wegen eines Diebstahls. Außer den vorgenannten Orten hat er in Berlin, Charlottenburg und Spandau zahkeiche Schwindeleien verübt. Auf seinen Beutezügen trug er Offizier-Uniform. In dieser erschien er in Pensionen und Ehambregarmes, mietete für sich oder einen angeblichen befreundeten Offizier zwei dis drei Zimmer mit Burschengelaß und verstand es dabei, den Vermietern unter irgend einem Vorwand erhebliche Vorschüsse abzuschwindeln, worauf er sich nicht mehr sehen ließ. In Spandau ist er schließlich abgefaßt worden. Für die erschwindelten Vorschüsse hat er stets aefälschte Checks oder Wechsel hinterleat. Endlich hat er verschiedene Schneidermeister um graue Offiziersmäntel teils geprellt, teils zu prellen versucht. Unter den zur Anklage stehenden fünf tfaUen befanden sieh zwei, in denen er den Gastwirt Thiel in Bad-Nauheim und den Kaufmann Schäfer in Frankfurt a. M. — den Einen um 1200 Mk., den Anderen um 100 Alk. — unter dem falschen Vorgeben beschwindelt hat, daß er ein Patent zur Erzeugung emes besonders wirksamen kalten Wasserstrahls besitze und ausnutzen wolle. Den ihm zur Last gelegten Diebstahl hat er m der Weise begangen, daß er einem Sttidenten, der ihn nach einer fidelen Kneiperei nut auf seine „Bude" nahm, beim Weggang einen seidenen Regenschirm stahl. Nach erfolgter Beweisaufnahme, die der Staatskasse viel Kosten gemacht hat, da die Zeugen aus Nauhetm, Franksurt, Darmstadt persönlich vor Gericht erscheinen mußten, wurde der Angeklagte zusätzlich zu 6 Monaten Zuchthaus, 15 0 9)1 f. Geldstrafe und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt.
Arbeiterbewegung.
Hamburg, 26. Juli. Tie Baugewerks-Jnnungen von Hamburg, Altona, Harburg und Wandsbeck beschlossen, daß am 29. d. Mts. die Arbeit in den genannten vier Städten unter den von den Jnnungsnieistern früher gestellten Bedingungen wieder freigegeben werden soll.
Lemberg, 26. Juli. Aus einzelnen Bezirken kommen Meldiingen über kleinere Gewaltthätigkeiten der ausständigen F e 1 b a r b e i t e r. Auch Brände von Wirtschaftsgebäuden im Bezirke Zboraz werden ihnen zur Last gelegt. In die betreffenden Bezirke werden Gruppen, meist Kavallerie, entsandt.
Budapest, 27. Juli. Auf Veranlassung der hiesigen staatlichen Arbeitsvermittlungsanstalt wollten gestern Abend etwa 50 Zimmer-- gesellen zum Ersätze von Ausständigen nach Hamburg und Potsdam abreisen. Dor der Abfahrt des Zuges versuchte eine große Menge Arbeitsloser die Abreise gewaltsam zu verhindern, und es entspann sich zwischen ihnen und den Zimmergesellen eine Schlägerei, bei der auch ein Beamter der Arbeitsvermittlungsanstalt blutig geschlagen wurde. Nachdem die Polizei mehrere Verhaftungen vorgenommen hatte, konnte die Abreise der Arbeiter erfolgen.
Literarische Neuerscheinungen.
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