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28.7.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 174

Erscheint täglich außer Sonntags.

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Zweites Blatt. 153. Jahrgang

Montag 28. Juli 1908

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für Stadt und Land" und Gerichtssaal*: Eurt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Die heutige Dummer umfaßt 8 Seite»

Uolitische Wochenschau.

Mit furchtbarer Eindringlich-keit zeigt uns die Kata- strophe auf der Elbe wieder einmal des Lebens un- gebändigte Gegensätze, in selten krasser Folge sehen wir schaudernd, wie unvermutet fröhliche Menschen vom uner­bittlichen Tode mitten aus dem Leben gerissen werden. Eine Gesellschaft, meist Mitglieder eines Sängerbundes der Hamburger Vorstadt Eilbeck, befindet sich mit ihren Angehörigen auf der Rückfahrt von einem Sonntagsaus­flug. Man ist mitten im Hamburger Hafen und nicht weit mehr vom Ziele der Rückfahrt. Musik und Gesang tönt an Bord derPrimus" und in froher Ausgelassen­heit dreht man sich im Tanze, als plötzlich aus dem Dunkel der Nacht in nächster Nähe ein schwarzer Schiffsrumps auftaucht: Ein Augenblick noch, und mit furchtbarer Gewalt dringt er demPrimus" in die Seite, ein Krachen erfüllt die Luft, die Fröhlichkeit wechselt jäh mit den Verzweiflnugs- schreien, die der nahe Tod ausstoßen läßt. Ein minuten­langes Ringen um das Leben, Minuten, die zur Ewigkeit werden, und über hundert Menschen finden in den nachtlicht- dunklen, reißenden Wassern der Elbe chr Grab. Nur der kleinere Teil wird gerettet. Auch der DampferPrimus" ist in den Fluten verschwunden, und nichts deutet mehr den furchtbaren Kampfplatz an, auf dem sich kurz zuvor er­schütternde Szenen abgespielt haben. Mehrere Dampfer, Die gleichfalls Sonntagsausflügler in die" Stadt zurück­bringen, passieren kurze Zeit später die Stelle. Und von Bord her tönt wieder Musik und fröhliches Singen und Lachen, wie nicht lange zuvor vom DampferPrimus". So schreibt das Leben seine Dramen! Wer Schuld an dem Unglück hat, ist zur Zeit mit Sicherheit nicht zu sagen. Das Backbordlicht desPrimus" soll nicht gesehen worden sein. Die Untersuchung wird das Nähere auf­klären, wenn auch durch richterlichen Spruch eine Sühne nicht herbeigeführt werden kann, und die Toten nicht wieder zum Leben erweckt werden!

Ebenso wie härtere Urteilssprüche für die Größe des Urteils, das durch den Zusammenbruch der Leipziger Bank über Tausende hereinbrach, eine Sühne nicht bringen können! Nach dem Volksempfinden sind die Strafen im Leipziger Prozeß, wie auch im Berliner Sanden- prozeß zu gering bemessen. Wer bie Erfahrung lehrt, daß die Furcht vor hohen Sttafen selten den vom Wege des Verbrechens gewiesen hat, der .ihn einmal betreten. Die Anklagebehörde hat in beiden Fallen, Leipzig und Berlin, erklärt, daß ein Mangel an strafgesetzlichen Be­stimmungen nicht bestehe. Der verbrecherische Mensch wird stets Mittel finden, um die schärfsten Gesetzesbestimmungen zu umgehen, uud nur die moralische Besserung wird Verbrechen ganz aussterben lassen, eine größere Kontrolle durch die Oefsentlichkeit derlei schwindelhafte Machination mehr als jetzt verhindern. Die Menschen, die sich aus Verzweiflung den Tod gaben, die vielen wirtschaftlichen Existenzen, die der Zusammenbruch der großen Bank unter seinen Trümmern begrub, treten unserer Zeit als warnen­des Mene Tekel entgegen; ebenso aber auch die Großmanns­sucht, die viele Kreise unserer Gesellschaft ergriffen hat, das wahnwitzige Begehren nach immer größeren Reich­tümern, das rücksichtslose Niedertreten aller im Wege stehenden Schwächeren, um zur Herrschaft zu gelangen, zur Herrschaft des Gelbes, statt des Geistes, der Güte, der wahren Kultur! Alle diese Erscheinungen, die tausend­fach im Lande vorhanden sind, hat der Leipziger Fall uns deutlich vor die Augen gerückt; werden wir von ihm lernen?

Steht durch diese beiden Ereignisse die vergangene Wocbe im Gegensatz zu ihren beiden Vorgängerinnen, so wurde im innerpolitischen Leben das sommerliche Dolce far niente kaum unterbrochen. In der Zolltarifkom- mi s s i o n freilich schien so etwas wie bundesrätliche Ob­struktion eingetreten. Aber wenn auch verschiedene seiner Mitglieder dem unermüdlichen Staats)ekretär des Innern die Gefolgschaft zu verweigern schienen, wenn es auch vor­übergehend den Anschein hatte, als sei das Kompromiß der Regierungen zerstört, und als würden auch von Einzel- staaten Sonderinteressen höher geschätzt, als die der Ge­samtheit; wenn auch Zölle, die Graf Posadowsky als kulturfeindlich bezeichnet hatte, vom Bundesratsvertreter Sachsens im Interesse des lokalen Steinbruchs empfohlen wurden, die Zollerhöhung aus Ziegel, die Gras Posadowsky verwirft, Badens Vertreter forderte; wenn auch aus München gemeldet wurde, daß auch Bayern und Württem­berg in wichtigen Punkten zur Regierungsvorlage in Widerspruch stünden; so ist allem diesem teils That- sächlicyen, teils vage Behaupteten keine besondere Bedeu­tung zuzumessen. Obendrein beeilte sich bereits die ba­dische Regierung, durch die amtlicheKarlsr. Ztg.", die wenige Tage vorher die badischen Landwirte aufgefordert hatte, in ihrem eigenendringenden Interesse sich von den extremen Bestrebungen des Bundes der Landwirte zu emanzipieren", am letzten Samstag nochmals zu erklären, daß sie auf dasZustandekommendesZolltarifs als der unerläßlichen Voraussetzung für den Abschluß neuer befriedigender Handels-Ver­träge den höchsten Wert legt." Sie erinnert dabei andas nachdrückliche Eintreten des Finanzministers für den bestrittensten Teil des Zolltarifs, die Getreide- zölle."Die Zolltarifkommission will Ferien im August machen. Die Ferien unseres Kanzlers, bie er in der frischen, salzhaltigen Luft von Norderney verbringt, wer­den ihm durch die letzten Sitzungen der Tarifkommission aber doch wohl ein wenig der salzen sein, und wer weiß wie lange er fi-ch der Ruhe noch wird hrngeben können.

Kaiser Wilhelm hat übrigens seine Nordlandfahrt ab­gebrochen. ,Hohenzollern" steuerte plötzlich wieder einen neuen Kurs. Wegen des schlechten Wetters ging sie bereits am Samstag vormittag nach Saßnitz in See, wo die Ankunft Sonntag abend erfolgte. Am Dienstag erfolgt die Weiterreise nach Emden.

Vom Süden her, von Italien, sollten die Truppen durch Tirol nach dem Oberrhein marschieren, um Deutsch­land im Falle eines Krieges dort zu unterstützen. Ebenso sollte ein italienisches Armeekorps Oesterreich an der ru­mänischen Grenze zu Hilfe kommen, falls es von Rußland angegriffen würde; es sollte mit den Oesterreichern zu­sammen unter dem Oberbefehl des Königs Carol von Rumänien (!) in Bessarabien einfallen." So hätte es im Dreibundsvertrag gestanden, behaupteten jüngst Mel­dungen, und Italien wäre von dieser Verpflichtung durch den erneuten Vertrag auf seinen Wunsch entbunden worden. Die WienerN. Fr. Pr." hat dieses Märchen, wie wir am Samstag berichteten, als solches bereits gekennzeichnet. Daß den einzelnen Bundesmitgliedern militärische Maß­nahmen aber nicht für Jahre hinaus festgelegt werden, sondern sich nach den Verhältnissen richten, ist ebenso ein­leuchtend. Aus diesen Gründen sind schon bei der ersten Erneuerung des Bundes alle derartigen Klauseln beseitigt worden; jetzt ist am Dreibund nichts gestrichen und nichts hinzugesügt. Die Gegner des Bundes sollen sich beruhigen, er steht zur Zeit sicher und einflußreich da. Aus der; nächsten Umgebung des Königs von Italien wird ver­sichert, Viktor Emanuel habe selbst geäußert, daß Italien es für die Zukunft als vornehmste Aufgabe betrachten werde, eine Art Kitt zwischen Dreibund und Zweibund zu bilden. Wenn dieTribuna" jedoch behauptet, daß durch die Reise Viktor Emanuel's Italien die Zusage der Unter­stützung seiner Balkanpolitik durch Rußland erlangt habe, so müssen solcher Auffassung doch berechtigte Zweifel ent­gegengestellt werden. Rußland wird kaum vom status quo im Orient etwas ändern wollen.

Noch eine Kunde kam aus Italien. In Rom starb der Kardinal Ledochowski, eine der Hauptpersonen im Kulturkampf. Man hat aber im Vatikan wie in sonstigen klerikalen Kreisen seine Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in Frankreich zu richten. Das entschlossene Vorgehen der Regierung gegen die Kongregationen, die Mönchs- und Nonnenklöster hat dort zu einigen tumultuarischen Straßen­szenen geführt, die jedoch einen ernsten Charakter nicht zu tragen scheinen. Die Schließung der Klosterschulen wird tonseauent durchgeführt. Es heißt, viele der Nonnen und Mönche werden sich nach dem Elsaß begeben.

Politische Tagesschau.

Kartell der Linken?

Im fortschrittlichen VereinWaldeck" in Berlin sprach am Donnerstag Rechtsanwalt Leopold Gottschalk über die zuerst in derMitteld. Sonntags-Ztg." wieder angesetzte Frage: sollen wir ein Kartell der Linken erstreben?" Tie Erörterungen trugen einen lediglich akademischen Charakter. Ter Vorsitzende, Rechtsamo alt Sonneufeld, erklärte, daß die Frage eines Kartells der Linken keine praktische Bedeutung habe, in der Theorie aber interessant sei. Auch, der Vortragende, Rechtsanwalt Gottschalk, hob hervor, daß sein Thema zur Zeit nur eine theoretische Bedeutung habe. Auch, er hält ein Kartell der gesamten Linken für zur Zeit unausführbar. Sein Vortrag beschäftigte sich mit der Frage, ob bei weiterer Mauserung der Sozialdemo­kratie ein Kartell zwischen ihr und den liberalen Parteien in Zukunft möglich sei. Redner bejahte die Fra^e. In der Tiskussion wurde daraus hingewiesen, daß es im Grunde keinen größeren Gegensatz als die sozialdemokratische und die liberale Weltanschauung gebe.

Einunbeliebter" Offizier.

Die Kommission zur Prüfung der militärischen Er­ziehung in England hat unlängst wiederholt scharfe Urteile zu fällen Gelegenheit gehabt, zuletzt bei einem Militär- skandal, der in der Kaserne des 2. Garderegiments soeben zum Ausbruch gekommen ist. In der Nacht vom Montag zum Dienstag wurde ein Offizier dieses Regi­ments von einer Gruppe seiner Kameraden, die in seine Wohnung einbrachen, in gröbster Weise mißhan­delt, seine Kleider zerrissen und zum Fenster hinausgeworfen, seine Möbel zerstört und er selbst gepeitscht und im Schmutz umherge­zerrt. Die Untersuchung hat ergeben, daß diesem Offizier, Der bei f einen Kameraden schon längst nicht beliebt war, monatelang das Leben so schwer gemacht worden ist, daß er mehr als einmal daran dachte, feinen Abschied zu nehmen oder sich in ein anderes Regiment versetzen zu lassen. Nur dringende Vorstellungen seiner Vorgesetzten bewogen ihn zum Bleiben und zur Fortsetzung seiner ersprießlichen Thä- tigkeit, die, wie es scheint, seinen Kameraden ein Dorn im Auge ist. Es stellte sich nämlich heraus, daß der miß­handelte Offizier, Gregson, deshalb so unbeliebt bei seinen Kameraden war, weil er andauernd kein Interesse an ihren ruhmreichen Thaten in Sport und Spiel nahm, sondern seine freie Zeit zu militärischen Stu­dien verwaudte, sich mit seinen Untergebenen befaßte, ihre Beschwerden anhörte und für Abstellung derselben sorgte, kurz, eine äußerst ersprießliche Thätigkeit entfaltete, anstatt seine Zeit auf Fußball, Cricket und andere angenehme Dinge zu verwenden. Ein Teil seiner Kameraden war nun über dieses Strebertum so erbittert, bah sie die erste Gelegenheit wahrnahmen, nm ihre Mneignng gegen ihn zum Ausdruck zu bringen. Tie englische Presse ist entrüstet über den Vorfall imb verlangt strenge Bestrafung bar Schuldigen. DieDaily Maik" legt Den Anrger auf die Wunde, indem sie

sagt, man solle doch endlich die unglückliche Idee aufgeben, daß Gewandtheit im Spiel und Sport die Meisterschaft in ernsteren Künsten des Lebens ersetzen könne. Die Offi­ziere, die diesen dummen Angriff ausführten, waren augen­scheinlich in der Schule gelehrt worden, daß Sport der Hauptgegenstand des Interesses im Leben sein müsse und daß die Arbeit und das Studium erst in zweiter Linie kommen, was soll aber dergemeine Mann" von seinen Vorgesetzten denken, die er solcher Akte schuldig weiß, wenn sie zu ihm von Disziplin und Gehorsam sprechen?

Heer und Flotte»

EineRangliste des 18. Armeekorps, Host und Militär-Adreßbuch für Hessen und Hessen-Nassau", ist soeben bei Läber u. Co. in Frankfurt a. M. zum Preise von 1.25 Mk. erschienen. Das praktische Büchelchen enthält ge­naue Angaben über das Großh. Haus und seinen Hof und den ganzen Staat des 18. Armeekorps. Bei den einzelnen Truppenabteilungen finden wir die Daten der Patenterteilung, sowie die ^Privatwohnung jedes Offiziers angegeben. Auch die 16 Landwehrbezirke des Armeekorps sind ausführlich be­handelt. So ersehen wir aus dem Büchelchen, daß dem Landwehrbezirk Gießen mehr als 100 Offiziere an- gehören, und zwar 25 Offiziere der Reserve-Infanterie, 2 Reserve-Jäger, 3 der Res.-Kavallerie, 2 der Res.-Feld- artillerie, 1 (Oberlehrer Dittmar) der Res.-Fußartillerie und 3 dem Res.-Train. Der Landwehr 1. Aufgebots gehören an 11 Infanterie-, 1 Kavallerie- (Fabrikant Wenzel in Lauter­bach), 3 Feldartillerie-Offiziere, 1 Fußartillerie- (Veterinär­arzt Dr. Scheidet in Schotten), 1 Pionier-Leutnant (Fabrik- leiter Schwörer in Friedrichshütte) und 1 Hauptmann der Verkehrstruppe (Postdir. Schott in Alsfeld). Der Landwehr 2. Aufgebots gehören an 1 Oberleutnant der Garde (Prof. Biermann), 13 Infanterie-Offiziere, 1 Leutnant der Feld­artillerie (Oberförster Ohl in Grebenhain). Ferner zählt der Landwehrbezrrk Gießen 24 Sanitätsoffiziere der Reserve, 5 der Landwehr 1. Aufgebots, 1 Stabsarzt (Dr. Bötticher) der Landwehr 2. Aufgebots, 3 Oberapotheker und 2 Marine- oberstabsärzte der Reserve.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 28. Juli 1902.

* Ernannt wurden am 19.Juli der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Hungen Friedrich Andreas Fath zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Zwingenberg mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers, der Gerichtsvollzieher-Aspirant Jakob Reis in Gernsheim zum Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Hungen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts.

Ein übles Unwetter richtete am Nachmittag deL Samstags hier und in der Umgegend vielfachen Schaden an Häusern, Garten- und Telephonanlagen an. Der heftige Wind, der einen praffelnden Gewitterregen begleitete, warf Zäune und Stallungen um, zertrümmerte Glasdächer und Fenster, zerfetzte manches Laubwerk und riß geschloffene Thüren und Fenster auf, sodaß der Regen in die Häuser strömte, der auf den Straßen nahezu Ueberschwemmungen ver­ursachte. Ein Blitzstrahl traf eine zum Hause des Herrn Ed Kinkel, Bahnhofstraße, gehörige Scheune, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten. Einige Dachziegel wurden herabgeschleudert und das in der Scheune befindliche Vieh durch den gewaltigen Donnerschlag betäubt und zu Boden ge­worfen. Am Sonntag hatten wir dann heißen Sonnen­schein, aber der Wind tobte weiter und fegte die Straßen rein. Weit ärger aber war das Unwetter, das am Sams­tag Nachmittag die Rheinprovinz heimsuchte. In Köln trieb der Sturm kirschgroße Hagelkörner gegen die Gebäude und Pflanzen und richtete großen Schaden an. Besonders hat das Unwetter in Jülich und in dem umliegenden Gebiet zahlreiche Fabrikschornsteine umgeworfen. Außerdem wurde das Portierhaus einer Fabrik eingestürzt, wobei der Portier und ein anderer Bediensteter getötet wurden. In Kirchberg wurden mehrere Personen verletzt. Ein 25 Meter hoher Wasserturm in der Nähe Jülichs wurde umgelegt, wobei ein darauf beschäftigter Arbeiter in die Tiefe stürzte. Bei einer anderen Fabrik stürzte der Fabrikschornstein auf das Kessel­haus, das niederbrannte. In Eschweiler ist das Fabrik­gebäude einer Gerbereifirma gänzlich zusammengestürzt. In der Nacht von Samstag zu Sonntag und am Sonntag früh wütete sodann in England ein heftiger Sturm, der in London viele Bäume entwurzelte und die anläßlich der Krönungsfeierlichleiten angebrachten Dekorationen in ver­schiedenen Teilen der Stadt zerstörte. Der Sturm warf eine für die Krönung errichtete Tribüne um, welche beim Fallen eine Anzahl Vorübergehender verletzte. Andere Tribünen wurden ebenfalls beschädigt.

H. Wetzlar, 24. Juli. Das in hiesiger Stadt abge* haltene 24. Fest des Lahnthal-Sängerbiundes nahm in allen seinen Teilen einen sehr befriedigenden Verlauf. Eingeleitet wurde dasselbe durch einen feucht­fröhlichen Kommers. Der Sonntagmorgen brachte uns die zahlreich erschienenen auswärtigen Sänger, die mit großer Verspätung auf dem hiesigen Bahnhose eingetroffen, vom Festkomitee auf das herzlichste bewillkommnet und nach demHotel Kessel" geleitet wurden. Nach Ausgabe der Quartierkarten und leiblicher Stärkung begaben sich die Sänger unter Borantvitt der Kapelle des Inf.-Regis. Nr. 166