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Frau und seine Tochter mit schweren Verletzungen aufgefunden. Die beiden letzteren wurden nach Dresden in die Dia- tomssenanstalt transportiert.
• Plauen i. 23., 27. Juli. Als heute nachmittag die einige Feuerwehr anläßlich ihres 30jährigen Stiftungseine Uebung abhielt, stürzten infolge eines plötzlichen Windstoßes zwei Schiebeleitern um. Dabei wurde ein Kind getötet und ein anderes und sieben Feuerwehrleute verletzt, darunter zwei schwer. Die Festlichkeit wurde sofort ab- geü rochen.
• Das Schiffsunglück auf der Elbe. In Hamburg fand gestern nachmittag die zweite Mass en - bestattung von 23 mit dem „Primus" untergegangenen Personen von der Leichenhalle am Lübecker Thor aus statt. Am Trauerzuge beteiligten sich viele Liedertafeln und Gewerkschaften, sowie Tausende von anderen Leuten. In den Straßen, die der Trauerzug passierte, bildeten gewaltige Menschenmassen Spalier. Am Grabe wurden mehrere Ansprachen gehalten. — Fortwährend treiben an den beiden Elbufern bis Brunshausen hinunter Leichen an. Eine im Geländer des „Primus" festgeklemmte weibliche Leiche ist durch Beseitigung des Geländes geborgen worden. Beim Abbrechen des Geländers verletzte der Schlag einer Kurbelwinde einen Maschinisten erheblich am Kopf. Die befreite Leiche wurde nach Hamburg gebracht. Drei hamburgische und zwei preußische Regierungsdampfer sind zum organisierten Leichenaufsuchungsdienst in Thätigkeit. — Die Verhandlung vor dem See amte über den Zusammenstoß zwischen der „Hansa" und dem „Primus" sindet voraussichtlich am kommenden Donnerstag statt. — Wie sich nach Besichtigung des Wracks des „Primus" herausstellt, hat die ,Hausa" den „Primus" nicht vor, sondern hinter dem Radkasten auf der Steuerbordseite getroffen. Die „Hansa" hat üen Radkasten zerdrückt. Dieser ist weggetrieben, das Rad ober nur verbogen. Der Kollisionsriß ist etwa ein Drittel Schiffslänge vom Achtersteven entfernt, woraus sich erklärt, daß das Hinterteil zuerst wegsank.
Eisenbahn-Zeitung.
— Einer Personentarifreform soll der neue Eisenbahn- minifter Budde nach Mitteilungen eines höheren Beamten, der riach dem „Mainzer Anz." kürzlich eine sehr eingehende Uruer- haltuna mit dem Minister gepflogen hat, nicht abgeneigt ntn. Diese Personentarisresorm solle darauf abzielen, daß die Rückfahrkarten ganz abgeschafft, und deren Preis zur Hälfte auf die Karten für einfache Fahrt übertragen wird, unter Wegfall jeder Art von Ermäßigungen. Vor: einer solchen Maß- regd war schon in den letzten Wochen der Amtssührung des Herrn von Thielen die Rede. Selbstverständlich wurde damals msere Meldung „dementiert". Vielleicht wird auch die obige Ileldung diesein Schicksal nicht entgehen. Deshalb braucht sie natürlich nicht unzutreffend zu sein.
Kunst und Wissenschaft.
Bayreuth, 26. Juli. Die heutige Aufführung der „Walküre" unter Direktion Hans Richters erziette einen großen Erfolg. Der Bestall des internationalen Publikums steigerte sich von Alt zu Akt und wollte am Schluffe nicht enden. Die Rollen waren wie folgt besetzt: Siegmund: Burgstaller-Frankfurt, Hunding: Lohsing- Hamburg, Wotan: van Rooy-Rotterdam, Sieglinde: Alarie Wittich- Dresden, Brünhilde: Ellen Gulbranson-Ehristiania. Auch die übrigen Walkürenrollen waren mit ersten Kräften besetzt. Tie Leistungen des Orchesters und die wundervolle Inszenierung ernteten rückhaltlose Anerkemmng. — Frau Eosima Wagner ist wieder gesund.
Graz, 27. Juli. Dem geftern Abend in der prächtigen Festhalle des deutschen Sängerbundesfestes abgehaltenen Kommers roohnten 15 000 Sänger bei. Bürgermeister Tr. Graf begrüßte die Sänger und brachte ein Hoch auf die Kaiser Franz Josef und Wilhelm aus, worauf die österreichstche Volkshymne und das „Heil Dir im Siegerkanz" intoniert wurden. Professor Gellert-Leipzig dankte, wobei er den nationalen Charakter der Stadt betonte und «klärte, die Deustchen feien mit Begeisterung dem Rufe nach Graz, dem Bollwerk des Deutschtums im Süden, gefolgt. Der von den s achsischen Sängern gesungene Begrüßungschor „An Steiermark" mürbe mit stürmischem Beifall ausgenommen. — Der Ausschuß des Sängerbundesfelles beschloß, dem Sängertage als Ort des wachsten Bundesfestes Frankfurt a. M. vorzuschlagen. — Tas Verbot der Teilnahme der Offiziere und Soldaten erfolgte, weil der Festausschuß es ablebnte, das Verlangen des Korpskommandos zu erfüllen, sämtliche schwarz-roth-goldenen Flaggen einzuziehen und er auch auf die Mitwirkung der Kapelle des bosnischen Infanterie-Regiments verzichtete, mit der Motivier- umg, daß das Fest ein rein deutsches sei. Bei dem gestrigen Kon- z.ert wirkte die Kapelle des 3. Bayerischen Fußartillerie-Regiments ams München mit. — Der heutige grandiose, bei tropischer Hitze wbgehaltene F e st z u g bildete den Mittelpunkt des Festes. An dem Zuge, der aus einem drei Stunden langen Wege die Stadt burch- zpg, nahmen bei 15 OOO Sänger teil, darunter 6000 aus Deutsch- 1 anb in 20 Festwagen. Die beutschen Sänger wurden auf bem Wnzen Wege mit Heller Begeisterung seitens des Spalier bildenden, vuf 80 000 Personen geschätzten Publikums aufgenommen. Die Sänger fuhren zumeist in Wagen mit Bannern, stürmisch begrüßt umb mit Blumen überschüttet.
Unioersitüts-Uachi schien.
? Marburg, 27. Juli. Zum Rektorder Universität twurbe ber Professor ber klassischen Philologie und der Berebsamkeit Tr. Theodor Birt gewählt Zu Dekanen werden gewählt: in d>er theologischen Fakultät Prof. Jü l ich er, in ber juristischen Prof. Träger , in ber mebizinischen Prof. Bach, in ber philosophischen Prof. Schmibt.
Halle a. S. Der Architekt W a l b e von hier, früher Stadt- b-auinspektor, nahm eine Berufung für eine Professur an ber Tech- m>schen Hochschule in Darrnstabt an.
— In Leipzig würbe Prof. Wach zum Rektor ber Univer- fiat Leipzig gewählt.
Gerichtssaal.
Darmstadt, 27. Juli. Wegen Berg ehens gegen bas Tuellgesetz hatten sich ber Stubent Hch. Bloch, 24 Jahre alt, ans Saargemund, z. Zt. Charlottenburg, sowie ber Stubent Fritz- Sroße-Weschebe, 25 Jahre alt, aus Bochum, wohnhaft in Karls- rrche, zu verantworten. Beide Angeklagte haben am 13. November v«. Js. dahier auf dem Heil. Kreuzberg einen Zweikampf a u f Säbel ausgefochten, bei welchem Bloch eine Verletzung am lÄnfen Auge davontrug. Die Ursache des Zweikampfes war nicht sLstzustellen und verweigern auch heute bie Angeklagten jebe Auskunft hierüber, währenb sie bie That selbst nicht leugnen. Der Serichtshof verurteilte beide Angeklagte in eine Festungshaft von je vier Monaten.
Landwirtschaft.
AlSfeld, 26. Juli. Der Kreis-Ziegenzuchtverein hielt am Mtttwoch hier seine erste Generalversammlung aL. In derselben wurde der vom landwirtschaftlichen Bezirksverein provisorisch gewählte Vorstand einstimmig bestäriot. Die vor- haabenen Mittel iollerr diesmal alle rum Ankauf von Saaner
Zuchtmaterial verwandt werden, wozu schon zahlreiche Meldungen einliefen.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berlin, 26. Juli. In der heutigen Sitzung des Zentralaus- schuffes ber Reichsbank bemerkte Präsibent Dr. Koch, baß nach ber am Schluffe bes letzten Vierteljahres hervorgetretenen debeuten- ben Anspannung allmählich roieber eine starke Rückströmung wahrzunehmen ift Die Anlage sei settbem um 260 Millionen, bie Wechsel allein um 178 Millionen Mark gefallen. Das Metall sei feit Schluß bes Quartals um 69 Millionen g e ft i e g e n und weit stärker als jemals um diese Zeit. Insbesondere sei das Gold selbst gegen 1895 noch um 76 Millionen stärker. Die fremden Gelder hätten seit Quartalschluß um 10 Millionen und in den letzten beiden Wochen allerdings um 63 Millionen Mark sich gehoben. Indessen betrage bie steuerfreie Notenreserve 84 bezw. 242 Millionen mehr als in ben beiben Vorjahren. Der Privat- biskont sei niebrig, bie fremben Wechselkurse ;eboch im Steigen. Die Goldbewegung nach und von außen sei gleichwohl schwach. Die große Vermehrung des Goldbestandes der Reichsbank stammen fast ganz aus dem inneren Verkehr. Eine Veränderung des hier wie in London und Paris drei Prozent betragenden Diskonts merbe nicht beabsichtigt. Der Zentralausschuß stimmte ohne Erörterung zu.
Nürnberg, 26. Juli. In der heutigen Sitzung des' Aufsichtsrats der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vor m. Schuckert u. Co. wurde ber Abschluß pro 1901/02 vorgelegt, ber infolge von Minderwert der Materialien sowie Abschreibungen und eines Delcrebere-Fonbs für Minderbewertung in Höhe von 9 Millionen mit einer Unterbilanz von 15 >/2 Mill. M k. abschließt. Der am 19. August 1902 ftattfinbenben Generalversammlung wird vom Aufsichtsrat und Vorstand vorgeschlagen werden, den Verlust durch Entnahme aus dem Reservefonds zu decken. — In der ebenfalls heute stattgehabten Aufsichtsratssitzung der „ContinentalenGeiellschaft für elektrische Unternehmungen" wurde die Bilanz vorgelegt. Danach wurde im abgelausenen Geschäftsjahr erzielt aus Unternehmungen, Effekten und Zinsen 2 177 023 Alk. Gewinn, wozu noch der Vortrag des letzten Jahres mit 125 009 Mk. kommt. Die Ausgaben für Verwaltung, Steuern und Abgaben betragen 413 607 Mk., für Bankspesen und Zinsen 1422 890 Mk. und für Anleihezinsen 400 000 Alk. Von den Effekten und Konsortial-Anleihen werden als Verlust 836 796 Mk. abgeschrieben und für Kapitaltilgung und Erneuerung der Betriebsunternehmungen 427 109 Alk. zurückgestellt. Das Gewinn- und Verlust-Konto schließt demnach mit einem Ver- lust von 1 198 372 Mk. ab, wobei bie Anlagen, soweit nicht Börsenkurse in Frage kommen, zu ben Gestehungspreisen eingesetzt ftnb. Zur teilweisen Deckung des Verlustes ist ber Reservefonbs mit 439183 All. heranzuziehen, sobaß ein Verlust von 759188 Mk. verbleibt.
— Kommerzienrat Moritz Guggenheimer, ber im finanziellen und kommerziellen Leben Münchens eine große Rolle spielte, ist gestorben.
— Südderttfche Eisenbahugesellschaft, Darmstadt. Der Aussichtsrat hat beschlossen, der auf den 10. September ein= zuberufenden Generalversammlung für 1901/02 eine Dividende von 5'/, pCt. (i. V. 61/, pCt.) vorzuschlagen.
— Von der Börse. Auch in der abgelaufenen Woche trug die Börse wieder eine recht trostlose Physiognomie. Es fehlt andauernd jede Unternehmungslust, was am besten dadurch charakterisiert wird, daß für eine Reihe von sonst lebhaft gehandelten Spekulationspapieren des öfteren erste Kurse nicht zur Norierung gelangen konnten. Die aus ben rheinisch-westfälischen Jnbustriebezirken unb vom Ruhrkohlenmarkt einlaujenben ungünstigen Berichte trugen nicht am wenigsten bazu bei, ber Börse ein unfreunbliches Gepräge aufzubrücken unb büßten Bochumer 8 pCt., Laura unb Harpener je 5 pCt. ein. Coneorbia auf ben nicht befriebigenben Semesterabschluß schwächer. Bei ber andauernden Gelbflüssigkeit machte sich wieberum für beutsche unb russische Fonbs recht reger Begehr geltenb. Die Kurse stellten sich fast burchweg höher. In umfangreichen Beträgen rourben 3proz. Anleihen für auslänbische Rechnung aus bem Markt genommen. Rumänen unb Serben auf günstige Ernteberichte bevorzugt. Für Kanaba zeigte sich große Kauflust zu erheblich gebesserten Kursen. Das Geschäft in Bank-Aktien war sehr beschränkt unb haben bie- selben meist Kursabschwächungen aufzuweisen. Schifffahrts-Aktien unoeränbert Maschinenfabriken meist nichtiger. Zement-Aktien fast durchweg höher.
Märkte.
Grünberg, 28. Juli. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 00.00 bis 00.00 Mk., Korn 15.00 bis 00.00 M, Gerste 00.00 bis 00.00 Mk., Hafer 17.10 bis 00.00 Atk., Erbsen 19.60—00 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mark, Samen 22.62—00.00 Alk., Kartoffeln 0.00 bis 0.00 Mk.
fc. Frankfurt a. 9)L, 28. Juli. (Telegr. Oria.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche 9iotierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen 375 Ochsen, darunter 128 aus Oesterreich, 58 Bullen, darunter 2 aus Oesterreich, 664 Kühe, Fersen, Stiereund Rinder, OKühe aus Oesterreich, 169 Kälber, 000 Schafe und Hämmel, 961 Schweine, 0Ziegen, 142 Ziegen-, 0Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht; Ochsen 1. Qualität 70—72Mk^ 2. Qual. 66—68 Ack., 3. Qual. 61—63Mk.; Bullen l.Qual. 59 bis 61 All., 2. Qual. 55—57 Mk.; Kühe 1. Qual. 66—68 Mk., 2. Qual. 62-64 Mk., 3. Qual. 52—54 Bck, 4. Qual. 43—45 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Kälber:!. Qualität 78-80 Pfg., Lebendgewicht 48-49 Pf., 2* Qual. 72—75 Pfg., Lebendgewicht 43—46 Pfg., Schlachtgewicht 59—63 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 64—66 Pfg., 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 67—00 Pfg., Lebendgewicht 53 Pfg., 2. Qual. 66 Pfg., Lebendgewicht 52—00 Pfg., 3. Qual. 54—58 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh gut, Ueber|tanb gering, bei Kleinvieh gut, alles verkauft.
fc. Frankfurt a. M., 28. Juli. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen ber heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Atk. 00.00—17.75, Kurhessischer Alk. 00.00—00.00, La Plata Alk. 17.75—18.00, Kansas Alk. 17.75—18.00, Roggen (hiesiger) Mark 15.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 00.00—00.00, Franken-, selber Alk. 00,00—00,00, Hafer Alk. 18.00—18.50, Mais Alk. 12.00—12.25, Weizenmehl 0 Mk. 25.00—25.50, 2. Qualität Alk. 23.00
bis Mk. 23.50, 8. Qualität Mk. 21.00—21.50, Roggenmehl 0 Mk. 24.00—00.00, 1. Qualität Alk. 21.50—00.00, Weizenkiele Alk. 8.75 bis Alk. 0.00, Roggenkleie Mk. 9.50—0.00, Maiskeime Akk. 10.00 bis Alk. 00.00, Franken, Pfälzer, Rieb Mk. 00.00-00.00. Alles per 100 Kg. ab hier.
Wöchentliche Ueberflcht der Todesfälle in der Stadt Gießen.
27. Woche. Vom 29. Juni bis 6. Juli 1902.
(Einwqhnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 24,09, nach Abzug von 6 Ortsfremben 12,05 %o*
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Tuberkulose b. Lungen 1 1 — —
Tuberkulose b. Gehirns 2 (1) 2 (1) — —
Gehirnhautentzübung 1 (1) 1 (1) — —
Krebs 1 1 — —
Blutvergiftung 1 (1) 1 (1) — —
Lungenödem 1 1 — —
Herzbeutelentzündung 1 (1) IC1) — —
Blinddarmentzündung 1 (1) 1 (!) — —
Krämpfen 1 — 1 —
Lebensschwäche 1 (1) — 1 (1) —
unbek. Krankheit 1 — 1 — Summa: 12 (6) 9 (5) " 3 (1) —
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel ber Tobesfälle in ber betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gieszen gebrachte Kranke konmien.
Famlllen-Mchrichlen.
Getraute: Willy Loehr, Großh. Hess. Hoffchauspieler, mit Charlotte Loehr, geb, Jager.
Krieskasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleibe» unberücksichtigt.)
H. W. Reuters Werke in neuer wohlfeiler Volksausgabe in 8 Bänden gebunden zu Mk. 10.—, werden Anfang September zu erscheinen beginnen.
Mneste Meldungen.
Originaldrahtmeldungeu des Gietzener Anzeigers.
Mainz, 28. Juli. In Bad Gastein ist gestern die Witwe des ehemaligen Präsidenten des GewerbevereinZ^ Dietrich, gestorben. Durch diesen Todesfall gelangt der Gewerbeverein in den Besitz eines ihm testamentarisch vermachten Legats von 150,000 Mark, von welcher Summe die Verstorbene die Nutznießung hatte.
Marburg, 28. Juli. Bei dem gestern in Reddighausen abgehaltenen Kriegerfest wurden mehrere Schaubuden durch den Sturm zerstört. Durch bie Trümmer wurde eine Frau getötet und ein Kind schwer
verletzt.
Berlin, 28. Juli. Wie die Blätter melden, hat sich der verheiratete 45jährige Prokurist Gustav Pahnke schwere Sittlichkeitsverbrechen zu Schulden kommen lassen. Derselbe ist flüchtig.
Berlin, 28. Juli. Nach einer Meldung aus Harzburg schreitet die Besserung im Befinden des Professors Virchow nur langsam fort. Der Patient muß das Zimmer hüten. Sein Allgemeinbefinden ist ohne Fieber.
Berlin, 28. Juli. Wie die „Welt am Montag" meldet, kenterten gestern bei stürmischem Wetter auf dem Zeuthener See 7 Pachten. Eine Person soll ertrunken fein.
Flensburg, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht.) Einem hier eingelaufenen Telegramm zufolge ist der der hiesigen Rhederei 3E. Schultz gehörige Dampfer „Adelheid" während eines Taifuns an der chinesischen Küste untergegangen; die Besatzung wurde gerettet.
Paris, 28. Juli. In den verschiedenen Gemeinde--
ratswählen, welche gestern in der Provinz stattfanden, siegten, wie die bisher bekannten Resultate ergeben, die Republikaner in zahlreichen Bezirken gegen die Natio
nalisten.
Lyon, 27. Juli. Gestern abend brach in einem Ccrsö auf dem Bellecour-Platze ein Streit zwischen Soztalishen; unb Klerikalen aus, die sich gegensettig mtt Tomaten warfen., An verschiedenen anderen Punkten der Stadt kam es ebenfalls zu Aufläufen, bei denen einige Personen verletzt imb’ mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden.
Partenkirchen, 28. Juli. (Eig. Drahtbericht^ Am Samstagnachmittag wurde der Realschullehrer Kreuth er aus Regensburg beim Abstieg von dem Zugspitz vom Schlag getroffen und war sofort tot. Der Realschulasfistevt Poellein erschrack darüber so, daß er abstürzte und ebenfalls sofort tot war.
Belgrad, 27. Juli. Stanojewttsch stellte gewisse 23e* dingungen für den freiwilligen Rücktritt vom Präsidium der Stupschtina, darunter die Forderung der Demission des Ministers des Innern, Stefanowitsch Ministerpräsident Wuitsch lehnte jedoch die Forderung ab. Stanojewttsch erbat sich Bedenkzett bis morgen. Der erste Vizepräsident der Skupschttna, Stojan Protitsch, ist zurückgetreten.
Konstantinopel, 28. Juli. Infolge des Ans» bruches der Cholera in Egypten ist eine 12tägige Quarantäne gegen die Schiffe aus Egypten verhängt worden.
Kapstadt, 28. Juli. Morgen nachmittag findet in Kapstadt die Vermählung der Tochter Delareys mjf Ferrero statt. Derselbe ist Sekretär des Gouverneurs von Kapstadt. Die Ceremonie findet in der holländisch-reformirtev Kirchs statt.
Telephonischer Kursbericht.
Frankfurt a. Jü., 28. Juli 1902.
372% Reichsanleihe . . 102.70 30/0 do. ... 93.35 3V,% Konsola .... 102.60 3% do......93.10
31/a°/o Hessen .... 100.80 3'/,56 Oberhessen . . . 99.50 4% Oesterr. Goldretne . . 103.75 41/2% Oesterr. Silberrente 102.10 456 Ungar. Goldrente . . —.— 4% Italien. Rente . . . 103.20 4*/256 Portugiesen . . . 47.20 ä0/ Portugiesen. .... 29.20 156 C. Türken .... 28.10 Türkenlose ..... 113.60 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.90
47,56 äussere Argentiner —.—
3v/o Mexikaner .... 26.4a 4V2V0 Chinesen .... 91^5 Electric. Sohuckert . . . 96.50 Nordd. Lloyd . . . . 106.70
Kreditaktien 213.70 Diskonto-Kommandit. . . 183.50 Darmstädter Bank . . . 135.30 Dresdener Bank .... 143.20 Berliner Handelsges, . . 154.10 Oesterr. Staats bahn . . . 150.90 Lombarden .... 17.70 Gotthardbahn 17830 Laurahütte 194.00 Bochum . ..... 181.00 Harpener 163.90 Tendenz: ruhig.
— Die lex Heintze unb bie mit ihr in Zusammenhang stehende starke Bewegung kommt einem beim Anblick eines neuen Ankömmlings wieder zur Erinnerung, der seit kurzem die Verbrechergallerie des „ C a st a n ' s ch e n Panoptikums" ziert — des Biedermanns Heintze, welcher bei dem erwähnten Gesetz Gevatter stand. Nicht minder großes Interesse dürste der Mörder der Gypsschuttze,! „Der Schuster Gönezy", „Der Berliner Maffenmörder Popp^ finden. Von den sonstigen neu eingetroffenen Figuren verdienen besonders Richard Wagner und Lessing ihrer lebenbigen Natürlichkeit wegen Beachtung. Da die Schaustellungen fortwährend bereichert werden, dürste ein erneuter Besuch des Panoptikums recht lohnend sein.
2lus bem Frankfurter Zoologischen Garten. In der vergangenen Woche gab es wieder zahlreiche Neuheiten, d. h. Arten, bie bisher noch nicht lebenb gezeigt worben finb, wie bie merkwür» bigert Stranbreiter SÜbeuropas, Sumpfvögel mit abnorm hohen rochen Beinen, bie barum auch „S t e l ze n l äu f e r genannt werben, währenb ihre schwarzwelße Färbung ihnen ben Namen „S10 rchschnepfen" verschafft hat. Feriier finb neu bie Rücken st reifkängn ruh, seltene Tiere ans Neu-Sübwales. Auch von ben zahlreichen neu eingetroffenen norbamerikanischen Schlangen waren einige Arten früher noch nie lebenb hier, so bie leuchtenb rothe Prachtschlange unb bie Schweinsrüsselschlange mit eigentümlich verdickter Schnauze. — Die hervor- ragenbste Novität aber finb zwei kalifornische See 1 öwen; eine Tierart, bie seit langer Zeit riicht mehr im zoologischen Garten gewesen i|L Diese Tiere bürsten aus lange hinaus einen Hauptan- ziehungspmikt für bie Besucher unseres Gartens bilben, ba sie bei ihrer geschmeibigen Beweglichkeit im Wasser, namentlich währenb ber Fütterung em überaus sesselnbes Schauspiel abgeben. Sie be- roegen sich auch auf bem Laube weit geschickter unb schneller alä bie Seehunbe, finb aber trotzdem echte Wassertiere und begeben sich hauptsächlich nur aus das Trockene um zu schlafen.
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