Ausgabe 
28.2.1902 Zweites Blatt
 
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französischen Kellnern, die zu viel Wein zu sich genommen hatten, ein Kampf, bei dem Fäuste, Flaschen und Stuhle als Waffen dienten. Dieser kleine deutsch-fran­zösische Krieg sei aber bald unterdrückt worden.

lieber die Presse bat Prinz Heinrich Worte hoher Anerkennung gesagt. Solche Urteile aceeptiert die deut- s ch e Presse, nicht weil sie selb-st stolz darauf ist, nunmehr von so hoher Stelle im (Gegensatz zu mancher Hintansetzung ihre Bedeutung gewürdigt zu sehen, sondern die Presse aceeptiert das Lob im Namen der öffentlichen Meinung, deren Denken und Empfinden sie Ausdruck zu geben hat. Denn wodurch ist die Presse dieMacht", mit derzu rechnen ist"? Eben durch die Oeffentlichkeit, die mit ihr ins Feld rückt. Darum ist es ja auch ein so seltsamer Irrtum, daß ein auf irgend eine Weise dem einzelnen Preßunternehmen erzeigtes Wohlwollen oder Uebelwollen das Unter­nehmen an sich begünstige oder benachteilige. Nein, dem Publikum, mindestens in erster Reihe, wird ein Menst erwiesen oder entzogen.

Das Zeitungswesen in den Vereinigten Staaten befindet sich gewiß auf einer imponierenden Höhe. Auf manchen Zeitungsherausgeber drüben trifft in der That der Ver­gleich mit demkommandierenden General" zu. Aber aus einem höheren geistigen und sittlichen Niveau steht anderer­seits unleugbar die deutsche Presse; ihr Urteil ist tiefer, gediegener, schon aus dem Grunde, weil sie die Wahrheit, die Zuverlässigkeit höher schätzt als die blendende Augen­blicks-Sensation. Was mitunter auch die größten, bestge­leiteten amerikanischen Zeitungen ihren Lesern zu bieten sich getrauen, das würde bei einem deutschen Lesepublikum ein Blatt vielleicht mit einem Schlage unmöglich machen. Die Oeffentlichkeit ist bei uns in Deutschland ernster, em­pfänglicher für die Pflege des Idealen und ,Schönen, abge­neigter gegen Phrasentum. An unseren besseren deutschen Zeitungen haben denkende Männer aus den verschiedensten Berusszweigen, der Gelehrte, der Kaufmann, der Theologe, der PÄagoge, «der Mediziner rc. mehr oder weniger Teil. Dieser Chor von Stimmen verleiht der Bresse bei uns Be­deutung, Ansehen und vor allem Charakter. Es sind Ver­suche gemacht worden, die amerikanische Zeitung in Deutsche land zu kopieren. Mit vollständigem Mißerfolge.

Wenn Prinz Heinrich in Newyork rückhaltlos die Be­deutung der Presse anerkannte, so darf sich nach alledem die deutsche Presse, als Organ der öffentlichen Meinung, doppelt geehrt fühlen. Und es wird als ein Gewinn zu betrachten sein, sofern allenthalben aus diesem Hinweis auf dieMacht, mit der zu rechnen ist", die drutzanwendung gezogen wird, in einem vermehrten Entgegen­kommen gegenüber der Presse, oder richtiger: gegenüber der Oeffentlichkeit.

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Washington, 28. Febr. Bei dem Besuch des Grabes Washingtons in Mont Vernon entblößte Prinz Heinrich das Haupt. Aus dem das Grab umgebenden Rasenplatz pflanzte Prinz Heinrich einen Lindenbaum. Er empfing später im Wohn hause Washingtons eine Abordnung des Frauenvereins und kehrte dann über Alexandria zurück. An dem gestrigen Familiendiner im Weißen Hause nahmen außer dem Präsi­denten, feiner Gemahlin und Tochter u. a. der deutsche Botschafter, Generalleutnant v. Plessen, Senator L-odge und Gemahlin teil. Der gestrige Tag galt wegen der Gedächtnis­feier für Mac Kinley als Trauertag. Es wurden deshalb auf dem Diner keine Trinksprüche ausgebracht. Das Diner sollte Gelegenheit zu einem intimen Verkehr und Gedankenaus­tausch zwischen dem Prinzen Heinrich und dem Präsidenten bieten, als dies bei der ossiziellen Begegnung am Montag möglich ist.

Als Prinz Heinrich den Zug in Newyork nach Washing­ton bestieg, nahm die Polizei einen Mann fest, der sich zudringlich und widersetzlich benahm. Als der Prinz dies sah, sagte er:Ihr amerikanischen Polizisten macht kein Federlesens. Die Art, wie der Mann weggesteckt wurde, macht mir Spaß." Der Festgenvmmene entpuppte sich später als ein harmloser Neugieriger. Er wurde aber durch den Polizeidirertor zu 50 Dollar wegen Ungebühr verurteilt. Die Ernennung des Prinzen Heinrich zum Ehren­doktor der Havard-Universität in Boston ist be­schlossen worden.

Aus MM und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Auz." gestattet.)

Gießen, 28. Februar 1902.

LU. Von der Universität. Der außerord. Professor Dr. Robert Haußner hat den Ruf auf das Ordinariat der Mathematik an der technischen Hochschule in Karlsruhe an­genommen und wird sonach mit Ablauf des Winter­semesters aus dem Lehrkörper der Landesuniversität aus­scheiden. In die mit Ablauf des Semesters freiwerdende Stelle des Lektors für englische Sprache wird mit Beginn des Sommersemesters Herr Schilling aus Leeds in Eng­land treten.

** Prof. Dr. Biermer hält in Mainz im Laufe des März 8 Vorträge über Kredit-, Bank-, Börsen-, Geld- und Münzen- wesen sowie über Bodenreform. Die Vorträge werden vom Großh. Ministerium im Verein mit der Mainzer Handels­kammer veranstaltet.

** Abendunterhaltung des Akademischen Gesangvereins. Wir erfüllen hiermit gern eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir des schönen Abends mit einigen Worten gedenken, den der Akademische Gesangverein, unter Leitung seines vortrefflichen Dirigenten, seinen Gästen am 25. ds. Mts. geboten hat. Der Verein brachte Robert Schumann's WerkDer Rose Pilgerfahrt" zur Aufführung, ein Werk, das mit seinem etwas stark romantischen, moderner Denkweise abgewandten Inhalt ob der unvergänglichen Kunst des Meisters dennoch stets mit seinen köstlichen Chören, Duetten und Solopartien unbestreit­baren Erfolg haben wird. Dieser war ihm auch diesmal von ganzem Herzen bcschieden; von den Solisten fei nament­lich die Vertreterin der Rose hervorgehoben: Frl. 'Luise Schmidt aus Frankfurt a. M., eine Schülerin des bekannten Gesangslehrers Prof. Herborn in Frankfurt. Eine äußerst sympathische jugendlich frische, wir möchten sagen noch ganz unberührte Stimme verband sich mit einem sehr warmen, verständnisinnigen Vortrag; wir hoffen von dieser Sängerin noch zu hören und werden uns freuen, ihr wieder einmal bei uns zu begegnen. Alles andere wurde von Vereinsmitgliedern in ansprechendster Weise gesungen. Die Leitung lind Be­gleitung durch den Dirigenten des Vereins, NniversilätSmusik- direktor Traut mann, mar eine ganz einzige Leistung! Wir sagen dem Verein hierniit herzlichen Dank für den be­reiteten Genuß und freuen_un§ schon auf das in Aussicht

stehende öffentliche Konzert des Vereins, das uns Ludwig van BeethovensGroße Messe" bringen wird. .

*» Der Männer-Turnverein hält, wie bereits tm Jryeraten- eil unserer Mittwoch-Nummer bekannt gegeben wurde, am 8. März in Steins Garten fein Winterfest ab. Die Vor­bereitungen hierzu sind bereits in vollem Gange; u. a. werden turnerische Aufführungen, ein Reigen rc. bargeboten werden. Für den 9. März ist ein Familienausflug nach dem Wind- )of in Aussicht genommen.

Erlaubniserteilung. Der Kaiser hat folgenden Per- onen die Erlaubnis zur Anlegung ihnen verliehener hessischer Ordensauszeichnungen erteilt, und zwar: des Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Hofmarschall des Prinzen Heinrich von Preußen, Vize-Admirals a la buito der Marine Frhrn. v. Seckendorfs, des Komturkreuzes 1. Klasse desselben Ordens dem dienstthuenden Kammerherrn der Prinzessin Heinrich von Preußen, Grafen Hahn- Re u h a u s. t

** In die Chirurgische Klinik wurde gestern ein schwerverletzter aus Büdingen stammender Mann gebracht. Während er in einem Sägewerk an der Kreis- äge beschäftigt war, flog ihm ein Stück Holz gegen den Kopf. Er trug so schwere Verletzungen des Schädels davon, daß sein Zustand bedenklich ist.

** Das Zither-Orchester ,,D' Lahnthaler" ver­anstaltete am Sonntag in Dillenburg ein Konzert, das reichen Beifall fand. Sämtliche Chornummem des mit vielem Geschick zusammengestellten Programms würden mustergiltig wiedergegeben. Man merkte es jedem Spieler an, daß <er mit Lust und Liebe bei der Sache war. Einen besonderen Kunstgenuß bot das von Herrn Rüdiger gespielte Streichzither-SoloLe desir", für das ihm rauchender Beifall zu teil wurde.

p. Grosjen-Linden, 27. Febr. Die hiesige Gemeinde geht mit dem Plan um, in den nächsten Jahren eine Wasser­leitung herzustellen. Als Quellgebiet hat man das wasser­reiche Gelände bei bem Neuhof in Aussicht genommen. Da bieses in Leihgestemer Gemarkung liegt, wird z. Z. mit dem genannten Ort unterhandelt. Das Gelände ist äußerst wasser­reich, sodaß wohl beide Orte von hier aus ohne große Schwierigkeiten mit gutem Quellwaffer versorgt werben könnten. Dieser Tage wurde in der Ziegelei und Backsteinbrennerei des Herrn Wilson eingebrochen. Glücklicherweise gelang es dem Dieb nicht, den Gelbschrank zu erbrechen, sobaß er leer abziehen mußte. Man hat einen bestimmten Verbacht. Heute würbe ein junger Mensch von ber (Senbarmcrie ver­haftet unb nach Gießen gebracht. Rian vermutet, baß biese Verhaftung mit bem Einbruch in Verbinbung steht.

§ Butzbach, 27. Februar. Unter ben Kinbern ist hier bas Scharlachfteber roieber vereinzelt aufgetreten. Kauf­mann C. Berg in Butzbach hat heute sein Haus in ber Weiselerstraße zum Preise von 27 000 Mark an Gastwirt unb Metzger Wilhelm Steinhäuser hier verkauft; bie Ueber- gabe ber Liegenschaft soll am 1. Juni erfolgen.

Bad-Nauheim, 27. Febr. Sicherem Vernehmen nach hat sich am Dienstag ein Kuratorium für die hiesige Höhere Mädchenschule gebildet, das der Schule als Aussicht und Beistand dienen und die Schule mit den Be­dürfnissen und Wünschen der Bevölkerung im Einklang halten soll. Das Kuratorium besteht aus ben Herren Ober­bergrat Prof. Dr. Chelius, Oberamtsrichter Süfsert, Geh. Med.-Rat Dr. Abee, Baurat Dr. Eser, Pfarrer Wissig, Pfarrer Erker, Bürgermeister Wörner, Forstassessor Kirchner, Oberlehrer Kredel und Stadtrat Grünewald.

--- Heisters (Kreis Lauterbach), 26. Febr. Bei der Neu­wahl eines Beigeordneten unterlag der seitherige Beigeord­nete, Schreinermcister Dietz. Er erhielt nur 7 Stimmen, während auf den neu aufgestellten Kandidaten, Gastwir Theodor Dietz, 14 Stimmen fielen. Mehrere Stimmberech­tigte enthielten sich der Wahl. Scherzweise nannte man ben Wahlkampf auch ben Kampf ber Buren mit ben Eng- länbern.

t Nidda, 27. Febr. Auf Veranlassung bes Lanbwirtschafts- lehrers Anbre aus Bübingen versammelten sich ungefähr 120150 frühere Schüler ber Ackerbauschule Büdingen unb schlossen sich zu einem Vereine zusammen. Der Zweck soll sein, bie Erfahrungen, bie bie Mitglieber auf bem Gebiete ber Lcmbwirtschaft gemacht haben, gegenseitig auszutauschen unb sich mit allen Neuerungen auf bem Gebiete ber Lcmb- wirtschaft bekannt zu machen. Auch soll jedes Jahr einzelnen Mitgliedern Gelegenheit geboten werden, größere landwirt­schaftliche Ausstellungen zu besuchen unb Reisen in besonbers bevorzugte Zuchtgebiete zu machen. Zum Vorsitzenben würbe Herr Anbre gewühlt.

-r Birklar-Muscheuheim, 27. Febr. Die in unserer Ge- meinbe burch ben Geistlichen veranstaltete Sammlung für bie Burenfrauen unb -Kinder ergab die Summe von Mk. 171,12 unb zwar aus Birklar Mk. 86,12 unb aus Muschenheim Mk. 85.

Darmstadt, 27. Febr. Der Groß Herzog unb bie Prinzessin Heinrich von Preußen folgten am Mittwoch­abend' einer Einlabung bes Kammerherrn August Riebescl Frhr. zu Eisenbach zum Diner.

8. Darmstadt, 27. Febr. Die Stabtverorbneten-Ver- sammlung beschloß heute mit Rücksicht auf ben ihr von bem Ministerium vorgelegten Plan betr. ben neuen Bahnhof- umbau, ber die Stadt Darmstadt und ihre Entwickelung außerordentlich schädige, nach Eingang des weiter von dem Ministerium eingeforberten Materials, eine Kommission be- stehenb aus bem Mitglieb ber Generalbirektion ber bayer. Staatsbahnen in München v. Eberlein, Baurat Professor Baumeister-Karlsruhe unb einem noch zu ernennenben Professor ber hiesigen Tcchn. Hochschule zu berufen, bie bas vorgelegte Projekt prüfen, eventl. ein neues für bie Stabt paffenbcs ausarbeiten soll. Derselbe Gegenstand wurde in einer abends von ber Hanbelslammer unb ben vereinigten wirtschaftlichen Korporationen einberufenen Versammlung be- hanbelt, zu ber sich auch ein Vertreter bes Ministeriums, der Oberbürgermeister, die Beigeordneten, viele Stadtverordnete, eine Anzahl Professoren der Techn. Hochschule 2C. eingefunden hatten. Es wurde eine Resolution angenommen, berzufolge man an den Großherzog eine Vorstellung, und an das Mini­sterium, die Kammern der Landslände, die Bürgermeisterei sowie die Stadiverordneten-Versammlung Eingaben richten will, in denen die Nachteile der geplanten Erweiterung für Darmstadt nachgewiesen werden.

Darmstadt, 27. Febr. Reichskanzler Graf Bülow hat an den Oberkonsistorialpräsibenten ^Buchner hier, der

einer Versammlung des Ostmarkenvereins am 20. b. Mts. in Verhinberung bes Dr. W. Merck probierte, folgenbeS Schreiben gerichtet:Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich auf bas gefällige Schreiben vvm 21. b. Mts. gebens! zu litten, bie Vermittelung meines verbindlichsten Dankes für bie von deutschnationaler Gesinnung erfüllte Entschließung gefälligst übernehmen zu wollen, in welcher bie Versammlung ber Ortsgruppe Darmstäbt bes Deutschen Ostmarkenvereins am 20. b. Mts. ihre Zustimmung zu ber Oßmarken- politik ber Königlich Preußischen Staatsregierung ausge- prochen hat." ,

Frankfurt a.M., 26. Febr. In ber gestrigen 26. ordent­lichen Generalversammlung ber Neuen Theateraktien- gesellschaft regte H. Emden an, die Erträgnisse von Oper und Schauspiel getrennt anzugeben; nach Trennung ber beiben Häuser sei bies angebracht. Der Vorsitzenbe erroiberte, bie Trennung sei jetzt auch buchmäßig eingeführt unb Renbant Heerbt machte einige Ziffernangaben, benen zu entnehmen ist, baß von ber Mehreinnahme im Jahr 1900/1901 im Be­trag von runb Mk. 72,000 Mk. 61,000 auf bas Schauspiel­haus unb Mk. 11,000 auf bas Opernhaus entfallen. Abolf Baumann gab burch eine Anfrage bem Intendanten Jensen Gelegenheit, sich darüber zu äußern, ob es richtig sei, wie man im Publikum behauptete, baß nur noch Künstlermit blonben Haaren unb blauen Augen" engagiert würben. Man solle berartigen Gerüchten bie Spitze abbrechen, i^ntenbant Jensen erroiberte, seit dreißig Jahren kenne er nur eine Re­ligion in der Kunst: daß der Künstler Tüchtiges leiste. In­tendant Claar verbreitete sich infolge einer Anfrage naher über das neue Schauspielhaus. Die Dekorationen sind zroei Wiener Firmen und einer Berliner übertragen, em Teil roirb von bewährten heimischen Künstlern hergestellt. Es giebt Sonberausstattungen für bestimmte Dramen in einheit­lichem Stil; sie stnb aber auch für anbere Vorstellungen ver- roenbbar. Es kann gleichFaust",Tell", bie Wallenstem- Trilogie unbHamlet" gegeben werben, späterRomeo unb Julie",Fiesko", Jungfrau von Orleans",Nathan ber Weise". Die klassischen Stücke werben im neuen Heim, bem ber Rebner aussubjektivem Gefühl" ben NamenGoethe- Theater" beilegen möchte, ganz anbers wirken, als im alten Haus. Jenes soll aber, auch wenn es ben genannten Namen nicht erhält, wenigstens banach trachten, ein Goethe-Theater zu sein, inbem es Wahrheit unb Natürlichkeit nicht zu verwechseln mit bem heutigen Naturalismus!" in Goethe- schem Sinn anftrebt. Selbstverstänblich roirb bas neue Haus nicht mit einem spanischen Stück eröffnet, fonbern mit einem Goethe'schen Wert. GegenFaust" sprechen technische Grünbe; die Vorstellung würde sich mit der Pause und da es emen Prolog gibt, ben Lubwig Fulba im Prinzip bereits zuge­sagt hat, über bie Mitternachtsstunbe hinziehen. Der Ab­schieb vom alten Haus soll nicht zu kürz sein. Man plant einen Abschiebszyklus, ber ein Bilb ber Bewegung ber beutschen bramatischen Litteratur bes vorigen Jahrhunberts entwerfen soll. Die Eröffnung bes neuen Hauses wirb im Oktober erfolgen unb es ist möglich, baß zur Erfüllung ber Abonnementsverträge noch gleichzeitig einige Wochen im alten Haus gespielt roirb.

Kassel, 27. Febr. Der verhaftete Direktor Adolf Schmidt der Trebertrocknungs-Gesettschaft hat im Untersuchungsgefängnis schon mehrfach Unterredungen mit seinem Verteidiger Justizrat Seael-Göttingen gehabt. Auch der Konkursverwalter im Konkurse der Aktien­gesellschaft für Trebertvocknüng Justizrat Carl Frieß ist mit dem ehemaligen Generaldirektor in Verbindung ge­treten. Schmidt hat sich bereit erklärt, über alle Ange­legenheiten , soweit es ihm möglich ist, auf Wunsch Aus­kunft zu erteilen, auch alles zu thun, was geeignet sein kann, den Konkursgläubigern zu nützen, und die Masse klar- steilen kann. Seine Flucht aus Kassel bewerkstelligte Schmidt seiner Zeit in der Nacht nach der entscheidenden Konferenz mit den Herren der Leipziger Bank, indem er zu Fuß nach Bretenstein marschierte und von dort aus den westfälischen Schnellzug benutzte und nach Amsterdam fuhr. Von Amsterdam begab er sich nach London, wo er eine Zeit lang wohnte. Mit dem mitgenommenen Gelde, das seiner Behauptung nach nur einige 20 000 Mk .betrug, erwarb er in Manchester eine Seifenfabrik, die er seitdem mit Hilfe eines Werkmeisters, den er engagierte, betrieb. Nur hin und wieder kam er seitdem nach London. Bon seinem Freunde Lahrsen in Kopenhagen sollen ihm für seinen Fabrikbetrieb noch Geldmittel in Aussicht gestellt gewesen sein. Bei einem Stelldichein, das er sich mit Lahrsen in Paris gegeben, ereilte ihn dann bekanntlich sein Geschick. Die Auslieferung Schmidts an die deutschen Gerichte ist nur wegen des ihm zur Last gelegten betrügerischen Bankerott erfolgt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das Kaiser!. Gesundheitsamt teilt mit: Der Ausbruch und bas Erlöschen ber Maul- unb Klauenseuche unter neu angekommenem unb unter Ueberstänbe-Vieh ist gemelbet vom Schlacht-Viehhofe zu Sachsenhausen b. Frankfurt a. M. am 26. Februar. In Darm stabt starb ber Geh. Justiz­rat Wilhelm Winter tm 69. Lebensjahre.

Vermischtes.

* Calais, 27. Febr. Das französische Dampf boot Jules Jean Baptist, welches vor einem Monat bereits in St. Malo eintreffen sollte, ist mit ber gesamten Besatzung untergegangen.

Basel, 28. Febr. Ein ftember Mann hetzte brei Hunde auf drei auf offenem Felde spielende Knaben, von denen ber eine zerfleischt unb ber zweite schwer verletzt würbe; ber britte konnte verletzt flüchten.

* Messina, 27. Febr. Der Appellationsgerichtsrat De Vechi rourbc auf Antrag ber Staatsanwaltschaft ver­haftet. Derselbe ist verbächtigt, ber Marquise Casflbill, welche kürzlich wegen Testamentsfälschung verhaftet würbe, behilflich geroefen zu fein. Außer bem De Vechi würben noch ein An­walt unb 2 Priester in derselben Angelegenheit verhaftet.

Newyork, 27. Febr. Der portugiesische Ingenieur Cawalho ist in Washington eingetroffen, um sich dort einen von ihm erfundenen Apparat patentieren zu lassen, durch welchen Dampfschiffe in die Lage versetzt werden sollen, eine Schnelligkeit von 4050 Seemeilen in der Stunde zu erlangen.

* Ein Dynamitattentat in Hannov er. In dem Geschästshause der Engrosftrma Büchting u. Kompagnie zu