Ausgabe 
28.2.1902 Erstes Blatt
 
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(ei ganz richtig. Aber werde nun der Kurfonds, der augen­blicklich 77 630 Mark betrage, jetzt gestrichen, so werde man dadurch in die Lage versetzt, die Differenz von 8000 Mark bereits im neuen Budget durch Kapitalaufnahme decken zu müssen und es bleibe dann nichts weiter übrig, als diese Lücke durch Schuldenaufnahme zu füllen. Jin nächsten Jahre würden dann wieder weitere Anforderungen an die Staats­kaffe unvernieidlich sein. Der Kurfonds diene also der Sta­bilität des Verwaltungsbudgets und müsse als Reservefond für das Bad erhalten werden.

Abg. Weith (nL): Er bitte dringend, den Kurfonds zu belassen, da Nauheim sonst das nicht leisten könne, was es müsse.

Abg. Graf Oriola (nL): Er werde die Anregungen des Finanzministers warm unterstützen. Als zuin ersten Male ein Teil der Einnahme des Bades in die Staatskasse ge­flossen sei, habe er damals schon diese Verkürzung des Kur­fonds für bedenklich gehalten. Die Streichung sei keine ge­sunde finanzielle Maßregel. Gerade bei den schlechten finanziellen Verhältnissen bei uns und besonders im Reich, solle man dem Bade nicht die Garantie nehmen, daß die er­forderlichen Mittel für dasselbe auch stets flüssig seien. Er könne nur auf das wärmste befürworten, deshalb den Kur­fonds nicht aufzuheben. Es habe ihm große Freude bereitet, zu hören, daß die Quellen neu gefaßt werden und daß durch tie erfolgreichen Bohrungen die früheren Bedenken beseitigt worden seien. Es sei ferner sehr wünschenswert, die Arbeiten so zu beschleunigen, daß bei Beginn der Saison die Kurgäste nicht behindert werden. Er bitte die Regierung um Aus­kunft über den Brückenbau, die äußere Gestaltung der Quellen und bis zu welchem Termin' diese Arbeiten fertiggestellt seien. Im allgemeinen könne er das Wohlwollen der Regierung dem Bade gegenüber nur anerkennen.

Abg. Jöckel (nL) (auf der Tribüne schwer verständlich) spricht gegen die Aufhebung des Kurfonds.

Ministerialrat Will brand: Die Quellen hatten im vorigen Frühjahr gerade bei Beginn der Saison versagt. Die Fassung derselben sei vor 50 Jahren im Gegensatz zur heu­tigen Jngenieunvissenschaft erfolgt. Das Versagen der Quelle 7 sei dadurch herbeigeführt worden, daß kaltes Wasser hinein­gedrungen sei und dadurch das Steigen verhindert habe. Um dies abzustellen, habe man eine erfolgreiche Weiterbohrung oorgenommen und jetzt springe der Sprudel sehr gut. Schon lange sei es ein dringender Wunsch der Aerzte gewesen, neben den Thermal- und Sprudelbädern noch eine Mittelstufe ein­zurichten, und man habe dadurch, daß man das Wasser in gedeckten Reservoirs sich abkühlen lasse, erreicht, daß das Waffer sich kläre und mehr Kohlensäure enthalte. Weiter habe man Trinkbrunnen gefaßt, deren Waffer so gut wie das Kissinger sei. Bei dem Brückenbau habe man bezüglich des Fundaments Schwierigkeiten gefunden; bezüglich der Bassin­bauten werde eine Extravorlage gemacht werden. Er könne versichern, daß sie so ausgebaut werden, wie es das Jntereffe des Weltbades erfordere.

Nachdem sich noch die Abgeordneten Weith, Ulrich, Bähr und Molthan kurz gegen die Aufhebung des Kurfonds aus­gesprochen haben, wird abgesfimmt.

Die Einnahme von 783 000 Mk. wird bewilligt. Ebenso der Abstrich der 6000 Mk. Der Antrag auf Aufhebung des Kurfonds wird abgelehnt und somit die Regierungsvorlage mit 677 000 Mk. als Ausgabe bewilligt.

Kapitel 9: Wafferwerk und Eisfabrik Bad-Nauheim, wird gemäß Antrag des Ausschusses bewilligt.

Es folgt die IV. Hauptabtelung: Lotterie.

Der Ausschuß beantragt: an Einnahmen zu bewilligen 14 941 430 Mk., an Ausgaben 13 962 100 Mk. Der Antrag wird debattelos angenommen.

Die Hauptabteilung V wird ausgesetzt.

Hauptabteilung VI: Landstände, wird debattelos angenommen.

Schluß 123/4 Uhr., Nächste Sitzung Freitag 9 Uhr.

Zur Irage der Bodenreform und des Kemernde- Krundeigentums

liegen uns heute zwei Zuschriften vor, die wir in Nach­stehendem wiedergeben.

L

Ihre Mitteilung überBodenreform" in Nr. 47 des Gieß. Anz." werden mit dem Einsender dieser Zeilen wohl viele aus Ihrem Leserkreise aufs dankbarste begrüßt haben. Es ist nun einmal so: Die wichtigsten Aufgaben unserer städtischen Gemeinwesen, auf dem Gebiete des Bildungswesens, der Gesundheitspslege, der Armenpflege usw. können ohne eine entschlossene, von dem Schlendrian alter Gewohnheiten und Vorurteile sich freimachende Bo­denpolitik nicht gelöst werden. Auch darin wird man dem Artikel beipflichten, daß das Geld thatsächlichauf der Straße liegt", daß es sich darum handelt, die infolge des Steigens der Bodenpreise entstehenden Werte, die erst durch die umfassende Thätigkeit und energische Arden der Gemeindeverwaltungen so recht eigentlich geschaffen wurden, nicht ganz in die weiten Taschen der Spekulation verschwinden &u lassen, sondern auch der Allgemeinheit ihre Beteiligung an jener Wertsteigerung zu sichern. Vermißt haben wir freilich einen Hinweis auf einen gang­baren Weg, der zur Besserung der diesbezüglichen, speziell auch in unserer Stadt bislang bestehenden Verhält­nisse führt. Indem wir hoffen, daß der Verfasser jenes Artikels diese Lücke noch ausfüllen wird, sei hier in aller Kürze auf zwei Punkte hingewiesen, die für Die berührte Frage von Wichtigkeit sind. Einmal scheint es dringend geboten, auch liier an die Begründung eines Mieter- v er eins zu denken, der die Interessen der Mieter und einer gesunden Wohnungspolitik mit Entschiedenheit wahr­nimmt. Zweitens dürfte es bei künftigen Stadt-Ver- ordnetenwahlen angezeigt sein, doch endlich einmal von dem Hineintragen parteipolitischer Gesichtspunkte und Gegensätze in das Gebiet kommunaler Fragen abzusehen, nicht mehr wie bisher den Kandidaten auf Grund seiner Zugehörigkeit zur freisinnigen, nationalliberalen ober sonst welchen Partei zu nominieren, sondern einzig darnach ru fragen, welchen Standpunkt der Kandidat zu den grundlegenden Aufgaben unserer Gemeind e- Politik annimmt, und was sich diese von dem Kan­didaten versprechen dürfen. Entwinden sich die Wähler der Diktatur der alten politischen Parteien, so ist auch ^u hoffen, daß neben den jetzt in überreicher Fülle im Stadtrate vertretenen Grund- und Hausbesitzern auch Vertreter der Mieter- und der minder bemittelten Kreise

in angemessener Zahl in das Rathaus entsandt Serben. Endlich mag mit Bezugnahme auf gewisse in der jüngsten Vergangenheit lebhaft besprochene Vorgänge der Wunsch ausgesprochen werden, daß unsere Gemeindeverwaltung ihre in so glücklicher Weise begonnene Politik einer ener­gischen Vergrößerung des städtischen Grund­besitzes zielbewußt sortführe. Kein Geringerer als Goethe hat, wohl als einer der Ersten, auf die Bedeut­ung des Gemeinde-Grundbesitzes für die städtische Wohlfahrt nachdrücklich hingewiesen: bei einem Besuche Heilbronns machte er in einem Briefe vom August 1797 die Bemerk­ung, daß die Stadt in erster Linie ihrem starken Grund­besitze ihre Blüte verdanke, und nannte esdas beste Zeichen einer guten Wirtschaft, daß die Stadt fortfahre, Grundstücke zu kaufen."

H.

II.

Sodann schreibt uns aus Lauterbach Herr Stadtv. Ed. Krumm:

Es ist mir unbegreiflich, wie der Verfasser zu dem Urteil über mich kommt:ich lasse die Einsicht vermissen, für die Bedeutung einer, auf den wirtlichen Wert des Bodens begründeten Kommunalsteuer-Resorm." Woher weiß der Herr dies? er wird mir kein Wort und keine Zeile nachweisen können, hie ihm als Unterlage für sein Urteil dienen könnten. Es ist doch etwas leid)tfertig, einen solchen Vorwurf gegen jemand zu erheben, für den auch nicht die Spur eines Beweises zu erbringen ist. Von der Loyalität des Verfassers darf man wohl erwarten, daß er entweder Beweise für seine Behauptung erbringt, oder seinen Vorwurf zurücknimmt.

Aus Stadt uud Saud.

Gießen, *28. Februar 1902.

** Vortragsabend. In dem vom Kaufmänni­schen Verein und Ortsgewerbeverein Mittwoch veranstalteten Vortragsabend hielt der Forschungsreifende Dr. Hugo Grothe- Wiesbaden einen Vortrag über das Thema: Von Konstantinopel ins Herz Kleinasiens, eine Fahrt auf deutscher Eisenbahn. Wenn man von Norden her, so führte der Vortragende aus, sich Konstantinopel nähert, nachdem man die reizlosen thrazischen Städte durchquert hat, ist man entzückt über die wunderbare Anmut der Gegend. Wie irrig die Ansicht ist, Konstantinopel läge gleichsam als eine Oase inmitten ober Wüsteneien, erkennt man, wenn man das eine Fülle abwechselungsreichen und wunderbar schönen Gebiets enthaltenbe Kleinasien durch- wanbert. Vor 10 Jahren war es noch eine beschwerliche, lötägige Reise von Konstantinopel nach Angora unb Konia, für welche Strecke bie Eisenbahn jetzt nur kurze Zeit braucht. Diese Bahn, bie anatolische Eisenbahn, ist durch beutsches Kapital ins Leben gerufen, unb in ben Jahren 189297 von deutschen Ingenieuren beendigt worben. Bis jetzt umfaßt sie ein Netz von ungefähr 1000 Km. Ueberall sinden sich in Kleinasien Erinnerungen und Denk­mäler an seine früheren Bewohner und Ureinwohner, teils nur noch armselige Reste, teils aber auch noch gewaltige, imposante Bauwerke. Eine Eigenheit des Landes ist es, daß es in sich eine nie versiegende Kraft der Verjüngung trägt. Stets neue Bevölkerung, neue Kultur. Jahrhunderte lang war es erstarrt, jetzt aber erwacht es wieder zu frischem Leben. Ein Hauptmoment dafür ist die anatolische Bahn. Redner bespricht sodann an der Hand einiger Karten die hauptsächlichen Eisenbahnlinien und geht genauer ein auf die geplante Fortführung der anatolischen Bahn nach Mossul und Bagdad. Von Konstantinopel erreicht man in 25 Mi­nuten die Kopsstation der anatolischen Bahn, Haidar-Pascha Einen herrlichen Anblick gewahrt die Stadt mit ihren zahl­reichen Kuppeln, Minarets, ben zahlreichen im Hafen liegen­den Schiffen. Die Fahrt durck) das Marmara-Meer gleicht infolge der üppigen Vegetation der Ufer einer Fahrt an, >er Riviera entlang. Bei seinem Besuche im Herbste 1898, befuhr der Kaiser die anatolische Bahn bis zu dem para­diesisch schönen Hsreks. Die anatolische Bahn sucht sich nach Möglichkeit den» Verhältnissen des Landes anzupassen. Bekannt ist jo^dite orientalische Trennung der Geschlechter. Mo Frauen sind,geht der Mann aus dem Wege. Wie auf den Straßenbahnen, Dampfern re., so bestehen auch bei der anatolischen Bahn besondere Abteilungen für Frauen. Die herrliche Gartenlandschaft erstreckt sich bis zum Golfe von Jsmid. Hier hatten die Römer ihre herrlichen Villen und Bäder, von denen jetzt noch Reste erhalten sind. Hinter Jsmid wandelt sich der Charakter der Gegend. Trotziges Bergland, zuweilen richtiger Urwald, bildet die Heimat eines tolzen, kraftvollen Volkes, der Tscherkessen. Hier ließen sie ich nieder, als Sultan Abdul Hamid sie zur Besiedelung Kleinasiens einlud. Rauben und plündern gilt ihnen nicht als Schande, sondern als edles Handwerk. Auf dieses Berg­land folgt eine Gegend mit fruchtbarem Ackerboden, das Gebiet des Sabandja-Sees. Hier hat die anatolische Bahn große Ländereien gekauft und sie als Musterplantagen ein­gerichtet. Diese reiche Vegetation erstreckts ich hauptsächlich nach Süden, indem sie dem Laufe der Saecaria folgt. Grünes Meer" nennt der Türke dieses Land. 9hir selten W man die einfachen Lehmhütten der Tartaren. In den Thälern herrscht überall reges Leben durch die Handels­karawanen, die die Erzeugnisse des Landes sortführen. In den Ortschaften der Saecaria wird sehr viel Seidenraupen- zucht getrieben, unb allenthalben sieht man große Maul- beerpslanzungen. Allmählich wirb ber Charakter ber Gegenb terraffenartig. Die Bewohner haben hier mit großen Schwierigkeiten zu lämpfen, weil bie furchtbaren Frühlings­regengüsse enorme Zerstörungen verursachen. Wenn man riefe Leute betrachtet, erkennt man, wie falsch die Ansicht von ber Indolenz der Türken ist. Für die Stadtbewohner mag es zuweilen zutreffen, für bie Landbevölkerung sicher ntdjt Ein kräftiger, arbeitsamer Menschenschlag ist es, ber ben Bilden bebaut. Aus diesen Leuten Pflegt auch bie Türkei hauptsächlich ihre Truppen zu rekrutieren. Von hier aus erfolgt nun allmählich ber Anstieg zur anatolischen Hochebene. Für bie Bahn wirb bas Gelände hier sehr schwierig, z. B. finbet sich bei Baschkoy ein Viadukt, ber in einem einzigen Bogen von 79 Meter Weite rin Thal über- bannt Die äußeren Pfeiler haben eine Höhe von 36 Meter. Amgrauen Hügel" wird das Hochland endlich erreicht. Die Gegend wird von hier an einförmiger, ernster und melancholischer. Redner sck)weifte hier von seinem Thema ab unb gedachte der Entwicklung ber Idee beutscher Acker- bau-Niederlassungen in Kleinasien, die fein geringerer als Moltke gelegentlich seines Aufenthaltes in ber Türkei zuerst angeregt hat. Weiter kommt ber Reisende nun nach dem durch feine, Meerschaumgruben berühmten Eskischehr. In­teressant ist hier das Straßenleben Hauptsächlich ist es der Marktplatz, der die alte unb bie neue Stabt trennt, auf bem sich der Verkehr abspielt. Eigenartig ist bie Stellung der Frau. Die Straßentoilette der Türkinnen ist

unglaublich geschmacklos. Jede Spur von Grazie, Figur«, nimmt sie ihren Trägerinnen. Dazu rommt noch ber dicht anschließende, das ganze Gesicht verhüllende Schleier. Ju Konstantinopel beginnt diese Unsitte des Tragens dieser unförmigen Mäntel und der Schleier zu schwinden. Der Charakter des Landes, öftlick) nach Angora, südlich nach Konia, ist wellig. Die Bewohner leben in armseligen Dörfern; bie Häuser finb ohne allen architektonischen Aus- bau, bedeckt mit Schindeldächern. Die Flüsse schwellen im Frühjahr mächtig an unb überschwemmen weithin das Land», während sie im Herbste austrocknen. Nicht immer war bas Land aber so öbe unb traurig. Ruinen zeugen von alter Herrlichkeit. In ben Bergen finden sich mächtige Grad-, denkmäler phrygischer Arbeit, so das Grab des sagenhaften Königs Midas, beffen Berührung nach ber Sage alles in. Golb verwandelte, unb bas Grab bes Nasreddin, es türfri scheu Till Eulenspiegels. Das Laub geht bann allmählich über in wellige Weide flächen, die großen Ziegen- und Schaf­herden Futter geben. Auch Ackerbau wird viel getrieben. Primitiv sind die Ackergeräte. Um bie Körner aus bem (betreibe zu gewinnen, wirb das (betreibe aufgeschichtqt, bann fährt ber anatolische Bauer mit Brettern, die unten mit Feuersteinsplittern besetzt finb, barüber unb. bie ©tein* splittern besorgen bann das Auskörnen. Abwechselung in die ziemlich eintönige Landschaft bringen die zahlreichen tzeiligengräber, deren eins das oben angeführte Grab Nas- reddins ist. Kein Türke geht an einem Derartigen Grabe vorüber, ohne einzutreten und zu beten. Beim Verlassen des Heiligtums Pflegen bie Gläubigen ein Stück ihres Ge- wanbes abzureißen unb an bas Heiligtum anzubinden, baS1 baburd) ein ganz eigentümliches Aussehen erhält. Das Ende bes südöstlichen Teiles der Bahn ist die Stabt Konia. Sie liegt in einer Bodensenkung. Die reichlich vorhaiidenen Quellen rufen eine äußerst üppige Vegetation hervor. Die Häuser finb burchweg mit flachen Dächern versehen, die in ber heißen Zeit willkommene Aufenthaltsorte sind. Die Kleininbustrie ist hier bedeutend. So werben sehr hübsche Fayencesachen hergestellt. An bie Zeit der Seldschucken- herrschaft erinnern noch zahlreiche, zum Teil wohlerhaltene Moscheen. Bemerkenswert ist das Kloster bertanzenben Derwische", bie ihrer Verehrung für Allah in allerlei eigen­tümlichen Verbrehungen unb Tanzbewegungen Ausdruck verleihen. Durch weite Sanbwüsten kommt der Reisende dann nach Angora. Weithin sichtbar ist bas hoch auf bem Berge gelegene alte Kastell, währenb die Stadt sich mehr im Thale ausbreitet. Gegrünbet würbe die Stabt im vierten Jahrhunbert vor Christo durch die Galater, bann kam sie unter bie Herrschaft ber Romer. An diese erinnert noch ber Augustustempel mit bem berühmten Testament des Augustus, einer Inschrift, bie eine ganze Wanb des Tempels einnimmt. Zum Schluffe sprach ber Redner über die wahr­scheinliche Zukunft ber Bagdadbahn. Noch größere Be- beutung wirb die Bahn bekommen, wenn sie erst bis zum Euphrat unb Tigris fortgesetzt ist. Vor wenigen Wochen ist ber Gesellschaft, wie bekannt, bie endgiltige Konzession erteilt worben. Wenn bie Bahn beendet ist, wirb sie ein Netz von 4000 Km. bebecken. Für Deutschland ist sie ganz besonbers wichtig, well Deutschland durch sie in diesen Ge­bieten unabhängig wird von England und Rußland. Zur Veranschaulichung des Vortrags trugen zahlreiche, farben­prächtige Lichtbilder in hohem Maße bet Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für seine Ausführungen.

** Landwirtschaftlicher Verein für die Provinz Oberhessen. Am Donnerstag, den 6. März, nachmittags 3 Uhr, findet hier im HotelZum Prinzen Carl" eine Ausschußsitzung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitglieder an fnahme; 2. Versuchsweise Einrichtung eines Wetterdienstes für eine Anzahl Orte im oberen Lahn­thal im Anschluß an bie Weilburger-Zentrale (die Wetter« karte von Weilburg geht ben Mitgliedern am 5. zu); 3. Tie Ausführung von Düngungsversuchen im Anschluß an bie biesbezügliche Thätigkeit ber Versuchsstation; 4. Die Jungviehweibe Tiergarten; hier Genehmigung eines Vor­anschlags für Einfriedigung von zwei weiteren Schlägen- 5. Die Fohlenweibe Merlau; 6. Anerkennung der Schweine­zuchtvereine Strebendorf und Eudorf, unb des Rinbvieh- zuchtvereins Ober-Horgern; 7. Ernennung von Referenten für die Hutweidenmeliorationen und für Pferdezucht; 8. Wahl eines Schiedsgerichts für die Versicherung der auf die Provinzial - Jungviehweiden auf getriebenen Rindern 9. Geschäftliches.

i" Heuchelheim, 27. Febr. Im letzten Jahrzehnt sind in unserem Orte nicht nur ganze Straßen neu ent­standen, sondern nack) dem Windhof zu ist ein ganz neuer Dorfteil erbaut worden. Dem entsprechend hat sich auch die Einwohnerzahl fast verdoppelt. Ostern soll aud) wieder eine neue Schulklasse errichtet werden. Tie Herbei­schaffung des nötigen Klassenraumes bildete eine ernste Sorge; es ist nun beschlossen worben, bie Wohnräume des ersten Lehrers hierfür einzurichten. Die neue Klasse wird vorerst als sogenannte fliegende Klasse auf zwei Lehrsäle angewiesen, bis die vorgesehene Lehrerwohnung erbaut ist.

z" Krofdorf, 27. Febr. Die Holzpreise haben rn bie)em Jahre einen erheblichen Rückgang erlitten. Na- mentlid) sind es die Stammholzpreise, bei denen ein un­gewöhnlicher Niedergang zu verzeichnen ist. Vor zwei Jahren würbe ber Kubikfuß Eichenstammholz nicht selten mit mehr als 2 Mark, ja sogar bis zu 2,90 Mark bezahlt. In biefem Winter wurde bei Stämmen mittlerer Güte ber Kubikfuß mit kaum mehr als 1,50 Mark*bewertet. Auch die Brennholzpreise sind im allgemeinen gegen das! Vorjahr ziemlich gedrückt. A

o. Wetzlar, 27. Febr. Die Vertreter der Regierung, die in diesen Tagen in unserer Stadt weilten, haben mehrere Plätze für die Errichtung eines Seminars unb einer Präparanbenschule in Augenschein genommen. Sollte das Stadtverordnetenkollegium sich zur Annahme ber staat­licher) eits gestellten Bedingungen bereit ^erklären, so würde bereits Ostern bie erste Klasse bes Seminars in vom Staate zu mietenbeii Räumen errichtet unb dem bereits beftehen- ben Präparcmbenkursus eine zweite Klasse ungegliedert

gingen, 27. Febr. Der jüngst in Passau verhaftete Äroat Kovac, der in ber Nähe von Koblenz einen Buch­halter niedergeschlagen und denselben beraubte ift nunmehr aud) beschuldigt, in ber Nähe von Kempten vor einiger Zeit einen Morb begangen zu haben und M>ar in Gemeinschaft mit nod) anberen Personen seines Gelichters. Wegen bieses Mordes befinben sich auch eine ^iMhl anderer Personen in Untersuchungshaft. Wie jetzt jefannt wirb, würbe bei bem verhafteten Räuber eine Summe von über 2000 Mark tiorgefunben, welche kon- i^iert würbe. Auch sand in der Wohnung bes Kroaten, der bei ben Bahnarbeiten in der Nähe von Kreuznach be)chaftigt war, eine Haussuchung .statt und wurden in bem Bett des Beschuldigten nod) weitere 2700 Mark ver­deckt vvrgefunben. Das Geld rührt von dem von ihm Verübten Raubanfall her.