Ausgabe 
28.1.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 23 .

Erscheint tSgNch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blättcr viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Bei lag der Brühl'sch». Unwers.-Buch- u.Stein druckerei (Pietsch Erbe» Redaktion, Erpeditio.r und Druckerei:

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Adresse für Depeschen. Anzeiger Gießen.

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Erstes Blatt.

152. Jahrgang

Dienstag 28. Januar 15)03

GieMtrAimiger

** General-Anzeiger ** **'

Amts- und Anzeigeblatt für -en Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich 75Pf.,viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen inonatlich 65 Pf.; durch die Post Nlk. 2. viertel- lährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormtltags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps, auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgern. Teil: P. Wtttko: für ,Stadt und Land'' und Gerichtssaal": R.D i t t* mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Einladung

zum Aezuge des chießener Anzeigers.

Drtrch seine Reichhaltigkeit, die zahlreichen Original- Meldungen aus Stadt und Land, die ausführlichen, jeder Großstadtzeitung gleichwertigen Berichte über die Reichstags- Verhandlungen in besonderem Parlamentsblatte, den großen Depeschenteil u. s. w. ist der Gießener Anzeiger zu einem ersten Provinzblatte herangewachsen. Wir werden unermüdlich an dem weiteren Ausbau desBlattes arbetten und alle berechtigten Wünsche unserer Leser nach Dlöglichkett berücksichtigen. Daß unsere Bemühungen in reichem Maße Llnerkennung finden, beweist bas fortwährende Steigen unserer Abonnenten­zahl. Zum Bezüge für die Monate Februar und März laben wir hiermit höflichst ein. Bestellungen nehmen alle Zeitungsträger, Zweigstellen, Postanstalten und die Expedition entgegen.

Hochachtungsvoll

Verlag des Gießener Anzeigers.

Mitteilungen aus Schantung.

DieMn- Bolksztg." veröffentlicht eine längere Kor­respondenz aus Tsingtau vom 5. Dezember 1901, der wir folgendes entnehmen:

Yuanschikai, der als Gouverneur von Schantung so viel von sich reden gemacht hat, ist zum Vizekönig von Tschlli ernannt Er hat vor einigen Tagen die Amts­siegel in Paotingsu übernommen- Da in China das Siegel als Zeichen der Amtsgewalt gilt, so ist er damtt in feine richte Stellung eingetreten. Der Posten eines Vize- rvnigs in Tschlli gilt clls überaus wichtig. Unter den wenigen Vizellmigen Chinas ist derjenige der Provinz Tschlli als der vorzüglich kaiserlichen Provinz der erste. Li-Hung-Tschang hat als Vizekönig von Tfchiü eine sehr Hervorragende Rolle gespielt, die Fäden der auswärtigen Politik liefen durch seine Hand- Der alte Wangwentschau, sein Nachfolger und jetziger Berater des Kaiserhofes, trat ebenfalls sehr in den Vordergrund der öffentlichen Gr- eignifse. Yuanschikai kann also mit seiner Beförderung zufrieden sein und mag jetzt zeigen, ob der Ruf der hohen politischen Begabung, der in der letzten Zell von ihm ausging, begründet ist. Als Peyangtatschen (Handels- Minister der nördlichen Stufte) geht sein Einfluß über die Grenzen der Provinz Tschlli hinaus. Gr wird feine Residenz wohl, wie früher Li-Hung-Tschang, in Tientsin aufschlagen. Man muß es Yuanschikai nachrühmen, daß er es wie wenige verstanden hat, allen an ihn gestellten Anforderungen gerecht zu werden und vor allem die schwere Aufgabe zu lösen, bie- Ausländer und zugleich das chinesische Voll zu befriedigen. Es war in der That kein angenehmes Erbe, das Mhsien chm bei seiner Amts­enthebung hinterließ. Schantung war von Boxern durch­seucht, halb im Zustande des Aufruhrs. Die Ausländer bauten eine Eisenbahn und eröffneten den Bergbaubetrieb, obwohl noch feine Verträge mit der Provinzialregierung abgeschlossen waren. Jüan trat in diese Verhältnisse hin- elli. Zn wenigen Wochen hatte er die Boxerunruhen gedämpft, ohne viel Blutvergießen war er mit den Ban­den, die sich für unüberwindlich hielten, im Handum­drehen fertig. . . .

Unangenehm und in etwa besorgniserregend ist der Umstand, daß Inan seine wohldiszchlinierten und zuver­lässigen Soldaten aus Schantung nad) Tschlli zieht. Außer in der Nähe von Weihsien ist von den Truppen des Yuan in Schantung wenig mehr zu sehen. Yuan wird dieselben in dem von Räubern und Marodeuren schrecklich heim­

gesuchten Tschlli wohl gebrauchen können, schon jetzt hört man, daß er mit eiserner Hand Ordnung schaffe, aber Schantung kann auch der schweren militärischen Faust nicht entbehren. Das Räuberunwesen schießt bei jeder Verminderung des Druckes sofort ins Kraut

Im übrigen ist es jetzt in Schantung recht ruhig und friedlich. Die Ernte ist für die Hälfte der Provinz gut ausgefallen, die andere Hälfte hat teils unter Ueber- schwemmung, teils unter Dürre stark gelitten. Der Eisen­bahnbau macht mächtige Fortschritte. Die Erdarbeiten für den Damm sind schon bis Tsinanfu vergeben. Am 1. De­zember wurde unter Sturm und Schneegestöber die Eisen­bahnstrecke Kaumi-Tschangling erönnet; damit ist also die eröffnete Strecke schon über die 90 Kilometergrenze in das eigentliche selbständige Schantung vorgedrungen. Seitdem eine vierte Klasse eingestellt wurde, benutzen auch die Chinesen in ziemlich großer Anzahl die Eisen­bahn-

Der Handelsverkehr nach Tsingtau hin ist noch recht flau- Die Kaufleute im Innern haben meist noch keine Geschäftsverbindung mit Tsingtau angeknüpft. Infolge­dessen hört man auch in Tsingtau über Geschäftsflaue klagen. Hoffentlich ist das nur ein vorübergehender Zu- sttrnd-

In Kaumi, dem äußersten vorgeschobenen Posten der Interessensphäre, wird eine Kaserne (Truppenunterkunfts- raum" heißt es offiziell) gebaut. Das ist also ein offenes Zeichen, daß man die Interessensphäre deutscherseits ernst nimmt Yuanschikai hat seiner Zell gegen den Kasernen­bau protestiert, aber schließlich doch seine Zustimmung gegeben. Bislang .sind die Truppen in Kaunll in der Prüfungshalle untergebracht Die Häuser sind recht ge­räumig, aber wie cllle chinesischen Häuser wegen ihrer Feuchtigkeit und chrer ganzen Einrichtung für europäische Truppen unbequem-

Politische Tagesschau.

Ein Aufruf an die deutschen Tabakarbeiter wird imVorwärts" veröffentlicht Es heißt darin:

In der Reichstags-Silmng vom 8. Januar d. I. äußerte der Reichsschatzsekretär v. Thielmann bei Gelegenhell seiner Etatsrede:

Zum ersten Male muß, das Reich zur Bilanzierung des Etats zu einer Ergänzungs-Anleihe schreiten, um lausende Ausgaben aus der Anleihe zu befriedigen."

Er schloß diese Rebe mit folgenden Worten:

Meine Herren! Wenn der wirtschaftliche Niedergang an hält und der Rückgang der Einnahmen sich weiter fort­setzt, so werden Sie nicht umhin können, neue Einnahme­quellen zu bewilligen, nicht aber solche wie den Börsen­stempel, sondern Einnahmen, die wirklich zu Buch schlagen, und da stehen an erster Stelle die Worte: Bier und T a b a k."

Mit dieser Ankündigung des Schatzsekretärs ist die kurze Ruhe, die der Tabakindustrie seitens der Reichsregierung vergönnt war, auss neue in Frage gestellt und neue mv- enblich 'schwere Kämpfe stehen uns bevor. Sell ca. 35 Jahren sind ber Tabakinbustrie seitens der Regierung nur kurze Ruhepausen vergönnt worben. Wie unenblich schwer bie Industrie hierunter gelitten hat, beweist ber gegenwärtige Stanb derselben; es ist Thaitsache, daß die Tabakarbeiter zu den schlechtgelohnteften der ganzen Industrie-Arbeiter gezählt werden müssen. Wie sich die Sage der Industrie und der in derselben beschäftigten Arbeiter in der Folge gestalten werde, wagen wir bis jetzt nicht auszumalen; sollen doch Einnahmen geschaffen werden, welchewirllich zu Buch schlagen", mit anderen Worten also ungeheure Summen ergeben sollen. Wie schnell diese Worte des Schatzsekretärs Gehör gefunden haben, beweist der sofort in

ber Zolltarifkommission bes Reichstages eingebrachte Antrag bes Freiherrn v. HeylzuHerrnsheim : ben Zoll auf auslänbische Tabakblätter von 85 Mark auf 125 Mark zu erhöhen; nahezu eine Erhöhung um 50 Proz. Wir wagen zu bezweifeln, daß diese 50 Proz. ber Regierung schon genügendzu Buch schlagen" werden. Selbst den Fall als möglich angenommen, daß die Regierung sich mit dieser Erhöhung begnügen würde, wäre auch damll schon der Industrie ein tätlicher Stoß versetzt, und unsag­bares Elend und Not über die Arbeiterschaft verhängt. Tabakarbeiter Deutschlands! Darf solches geschehen? Wll antworten: Nimmermehr! Der Tabakarbeiter Kongreß von 1893 hat der damaligen Kongreßkommission den Auftrag erteilt:Für den Fall der Annahme der Tabak-Fabrikab- steuer oder einer späteren geplanten Mehrbelastung des Tabaks weitere Maßnahmen zur Wahrung der Interessen! ber Tabakinbustrie zu treffen." Diesen Zeitpunkt erachten wir für gekommen." Schwer, unendlich schwer wird der uns aufgezwungene Kampf werden. Soll er siegreich durch­geführt werden, so ist ein einheitliches Handeln unbedingt notwendig; es kann nur bann geschehen, wenn wir biesen Kampf systematisch organisieren. Kollegen und Kolleginnen, organisiert diesen Kampf in folgender Weise: Beruft aller­orts, wo Tabakinbustrie betrieben wird, öffentliche Tabak­arbeiter-Versammlungen ein, wählt dort Kommissionen, die jederzeit des Rufes gewärtig seien, ebenso auch jetzt schon in ihren Kreisen anregend unb aufklärend zu wirken und gleichzeitig auch die Frage zu erörtern, auf welche Weise Geldmittel, wenn solche notwendig werden sollten, beschafft werben können. Wir fordern von Euch, daß Ihr schleunigst mit der Einberufung von öffentlichen Tabakarbeiter-Ver­sammlungen beginnen möget, beim nur mit in solchen Ver­sammlungen gewählten Kommissionen können wir in Ver­bindung treten. Alle in der Folgezeit sich als notwendig erachtenden Schritte werden Euch rechtzeitig von uns bekannt gegeben werden. Also nochmals: Organisiert den bevor­stehenden Kampf!

Kaisers Geburtstag. ii.

Berlin, 27. Jan.

Die Feier des Geburtstages des Kaisers wurde heute morgen um 8 Uhr durch einen Choral, ben das Trom­peter-Korps des 1. Garoe-Dragoner-Regiments von ber Kuppel-Gallerie bes Schlosses herabtonen ließ, eingeleitet., Gleichzeitig fanb wie immer bas große Wecken statt. Alle öffentlichen unb viele private Gebäude hatten Flaggen­schmuck angelegt. Um 8y2 Uhr nahm ber Kaiser bie Glück­wünsche ber engeren Familie entgegen, darauf diejenigen bes engeren Hofes, des Haupt-Quartiers und ber Kabi­netts-Chefs. Sodann die Gratulationen der Prinzen unb Prinzessinnen bes königlichen Hauses unb der hier ver­sammelten Fürstlichkeiten, endlich die Glückwünsche sämt­licher Hof-Chargen, der Minister, ber Präsidenten bes Reichstages unb ber beiben Häuser des Lanbtages unb des diplomatischen Korps. Die Kaiserin hat ihren Ge­mahl mit einer eigenartigen Gabe überrascht. Sie wid­mete ihm eine von Professor Begas ausgeführte Mar­mornachbildung ihrer Hand mit dem Trauring als einzigen Schmuck. Der Prinz von Wales über­brachte als Geburtstagsgeschenk König Eduards eine Copie des Pesne'schen Gemäldes Friedrichs des Großen, das sich in der Windsor-Gallerie befindet. Die Berliner Hof­lieferanten haben dem Kaiser eine künstlerisch ausgestattete Adresse gestiftet.

Um lOi/t Uhr hatten sich in ber Schloßkapelle ver­sammelt bie Botschafter, baS biplomatische Korps, ber Reichskanzler, ber Bunbesrat, bie Ritter bes Schwarzen Adlerordens, bie Minister, bie Präsibien der Parlamente und andere. Unter großem Vortritt nahten in feierlichem

Feuilleton.

m. Hessischer Goethebund. Man schreibt uns aus D a r m stabt: Der neue Jahrgang besBunbes", dessen Gründer noch fest an seine Entwicklungsfähigkeit glauben, wurde cmgeleitet durch einen sehr wertvollen Vor­tag des Prof. Dr. Mannheimer aus Frankfurt a. M., ber bei der Ausführung seines ThemasVon Goethe bis Nietzsche" mit Erfolg zu zeigen bemüht war, baß gerade Goethes Erziehungsprogramm, bas wll imWllh Meister" besitzen, kein ausschließlich ästhetisches gewesen fei ww das ber Romantiker, und auch keineswegs auf die Zücht­ung des genialen Menschen a la Nietzsche hinausgelaufen lei, wie also folglich Goethes Anschauungen berufen feien bie Mitte zwischen den entgegengesetzten Strömungen unserer Tage, zwischen Individualismus und Sozialismus einzunehmeu, unb wie ber Bund, der sich auf feinen Namen getauft habe, gerabe auf biesem Felbe der Vermittlung seine lohnendste Ausgabe zu sehen hätte. Der Vortrag war, wie alle Gratisvorträge bei uns, außerordentlich gut besucht. Wenn dem Goethebund jedoch keine neuen zahlen­den Vereinsmitglieder in größerer Zahl zuströmen, so hat das seinen guten Grund. Der Goethebund hat sich hier in Darmstadt in erster Linie als einVortrags-Verein" aufgethan. (Tie Beranstlltung der Volksvorstellungen im Hoftheater kommt nicht auf feine Rechnung, die hatten wir vor Zähren, ehe es noch einen Goethebund gab be­antragt und durchgesetzt.) Als ein solcher macht er erfolg­reiche Konkurrenz demVolksbildungs-Verein" der übrigens noch immer Trumpf ist, und demKausmän - Nischen Verein". Letzterer, ber int Vorjahre noch eine Neihe von Rebnern ersten Ranges kommen ließ, bie alter» durgs Honorar verlangten, hat den Wettbewerb fürs erste

eingestellt, was wir aufrichtig bedauern. Denn wenn wir im allgemeinen auch dem Grundsätze Platos huldigen:Das Wissen muß wie bie Liebe umsonst gegeben werden", so sehen wir nicht ein, weshalb in unseren heutigen Kultur- verhältnissen ein guter Vortrag nicht ebenso wie ein Konzert vom Publikum bezahlt werden sollte? Etwas anderes wäre es, wenn in diesen Vorlrägen, die der Goethebund veran­staltet, die Minderbemittelten säßen, aber jie werden (wir könnten das sogar feststellen) vor solchen Leuten gehalten, die für Theater, Toilette, Konzert, Ueberbrettl, kurz alles Geld haben nur nicht für Vorträge. Und so konnte es auch oft Vorkommen, daß die zahlenden Mitglieder des Goethebundes (das war bei dem Raabe-Abend der Fall) kein Plätzchen mehr fanden, während dieKostnitzer" breit den Saal belagert hatten. Wir werden dem Goethebund stets das Wort reden, müßten es aber nur bedauern, wenn er seine Thätigkeit auf das Vortraghaltenlassen beschränken wollte, zumal die anderen Vereine, die vor ihm mit gleicher Enisigkeit zur Stelle waren, Volksbildungs- und Kolonial- verein in erster Stelle, nicht ausgehungert werden dürfen. Die Vereine aber, welche ihren Rednern ein oroentliches Honorar zahlen müssen und am Ende ist doch auch noch berArbeiter auf bem Katheber" seines Lohnes wert können nicht ohne Entree existtereu. Nach Schluß des Dr. Mannheirnerschen Vortrages verkündete übrigens Pros. O. Harnack den Anwesenden, baß auf Veranlassung des Goethebundes" auch bie beachtenswerte Ausstellung: Di e Kunst im Leben des Kindes" nach Tarm- st a b t kommen solle. Das wäre wenigstens etwas neues!

Ein Chemiker, - unmöglich !" In einer Revue giebt .'ldols Kußmaul folgende Anekdote zum besten:Tie große Wand­lung, bie in bem Studium der Chemie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor sich ging, wird sehr hübsch durch eine kleine

I Geschichte aus Liebigs eigenem Munde beleuchtet. Liebig besuchte das Gyinnasium seiner Vaterstadt Darmstadt und geriet'während dieser Zeit hinter die Jahrgänge einer alten Zeitschrift für Physik und Chemie, die ihn mehr anzog als Latein und Griechisch. Eines Tages betraf ihn der Klassenlehrer während des Unterrichts beim Lesen eines Bandes dieser Zeitschrist, den er verborgen unter der Schulbank in der Hand hielt. Er besah das Buch und ries ihm zu:Liebig, was lesen Sie da für Bucher? O Gott, was soll denn aus Ihnen werden?" ,,Ein Chemiker!" war die Antwort. Halb erzürnt, halb mitleidig wandle sich der Schulmann an die Klasse:HabtJhr's gehört? Ter Liebig will ein Chemiker werden! Ein Chemiker! Unglaublich!" Jahre verstrichen. Liebig war Professor der Chemie m Gießen geworden und ein weltberühmter Mann. Ta führte ihn der Zufall nach Heppenheim a. d. B., ivo er seinen alten, jetzt pensionierten Lehrer, den er seit der Schule nicht mehr gesehen haue, in einer Gartenlaube sitzend antraf. Er haue dem wackeren Herrn ein gutes Andenken bewahrt und be- arußte ihn:Kennen Sie mich noch, Heer Professor?" Ter Alte nickte freundlich:Ei, gewiß! Sie sind ja der Liebig und in Gießen Professor der Chemie geworden. Wer hätte so etwas für möglich gehalten!"

Mainzer Ltadtthcarer. Gegenüber der Thatsache, daß die Leiter von Provinzialbühnen in sinanzieller Hinsicht zumeist nicht auf Rosen gebettet sind, dürfte für Manchen nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, daß nach soeben erschienenem Berichte der das kommende Jahr zurücktretende Direktor des StadttHeaters zu Mainz in der letztjährigen Theatersaison einen Reingewinn von 24,OSS Mark erzielte. Zu dieser Einnahme kommt noch der Gehalt, den Tirektor Steinbach als 1. städtischer Kapellmeister be­zieht. und die Erträgnisse von den Gastspielen in Worms. (Un­gefähr auf gleicher 'Jöbe dürfte die Einnahme des Direktors des tfür|tL Theaters zn Gera stehen. Tie Red. d. Gieß. Anz.)

Berlin, 26. Jan. Tem gestrigen Ballfest des Vereins Berliner Presse wohnten der Reichskanzler Graf Bülow, die Minister Frhr. o. Nhembaben und Dr. Studt, Staatssekrerär Krätke und zahlreiche Bundesrarsmitglieder bei. Während Graf Bülow mit der anmuttgenGattin Ludwig Fuldas plauderte, schrieb der Gaue die fvlgenden hübschen Zeilen an Bülow nieder: