Zweites Blatt.
Samstag 87.Dezember LVOA
158. Jahrgang
78
3>U heutige Dummer umfaßt 12 Ketten.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. FkrnsprrchanschlußRr.bl.
Bekanntmachung.
In der Zeit vom 20. bis 27. Dezember 1902 wurden in hiesiger Stadt
gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Handtäschchen mit Inhalt, 1 Henkelkorb mit Inhalt, 1 Regenschirm, Briefmarken und ein Gürtel au6 Kleiderstoff;
verloren: 1 goldene Damenuhr, 1 goldenes Medaillon, 1 graues Perlentäschchen, 1 wollene Viehdecke und 1 Brodsack.
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.
Gießen, den 27. Dezember 1902.
Grosiherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.
monatlich 75 Pf^ viertel» jährlich DN. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePostMk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittag» 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal ISPf^ auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich für den polit. u. allgsm. Teil i.V.: tzr.Hannemann; für,Stadt u. Land* und .Gertchtssaal*; Eurt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck.
machen, was das Weihnachttfest cm Glück und Freude uns und Miseren Mitmenschen beschert hat. Unter all der großen Aufregung, die die Feiertage mit sich, brachten, war dann der heilige Weihnachtsabend angebrochen; die Wachs- l-a^ter tvurden angezundec und Freude und Jubel erreichten den Höhepunkt bei denjenigen, die sich unter dem Christ- Laum versammelt hatten. Tann kamen die sZeiertage, die laute Festesfreude wich stillerer Ruhe und die GeseLligkeit kam zu ihrem Rechte. Zwar fehlte der Schnee, welcher der Natur erst die richtige Weihnachtsstimmung giebt, aber dafür hat uns das Wetter wenigste:^ nicht ganz im Stich gelassen. Ter anhaltende Frost vor den Festtagen hat es doch ermöglicht, daß die Eisbahn eröffnet weroen konnte, und daß Dächer, Felder, Bäume mit fingerdickem Reif, bis zum ersten Feiertag, überzogen waren, sodaß man glauben tonnte, es wäre wirklich Schnee gefallen. Vom ersten Festtag ab trat dann eine wärmere, feuchte Witterung ein, die auch> heute luxfy anhält. Ten Wirten ist dieser Wetterumschlag zum Teil sehr willkommen gewesen, sie machten gute Geschäfte, lieber all sand man gefüllte Häuser. Konzert, Theater, Eislauf und sonstige Veranstaltungen boten jeden: genügende Zerstreuung und Vergnügen.
Tie weihnachtlichen Vereinsfestlichkeiten nahmen auch, während der Feiertage ihren Fortgang und verliefen unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder aufs schönste. Tie Bürger gesell schäft feierte am 1. Feiertage in der Turnhalle, der Wohlthatigkeitsverein Kontentia auf der Schönen Aussicht feine Ehristbescherung. Ter Männer - turnverein hielt am zweiten Feiertag seine Weihnachts- bescherung in Steins Garten, der Maschinenbauerverein auf der Liebigshöhe, der Bäcker-Verein im Restaurant Sauer, per Turn verein in der Turnhalle ab.
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger w '**sZ
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Nr. 303 •rftetnt ««sttch außer Sonntag».
Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem vesflfchen Landwirt hie Siegener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'fchen ,Unwerf.-Buch- u.Stein- t ruderet (Pietsch Erben) Redaktion. Lxpedittoa und Druckerei;
Parlamentarisches.
Der Zweiten hessischen Kammer ist ein 2to* trag der Abgg. Korell und Brauer zugegmrgen, betreffend die Diäten und Gebühren der Staatsbeamten. Tie Genannten beantragen: Die Zweite Llammer wolle beschließen, die im Hauptvoranschlag pro 1903/04 für Beamte des Staates eingestellten Beträge für Diäten' und Gebühren sind dahin zu verwenden, daß aus denselben nur Ersatz für Barauslagen bei auswärtigen Tienstgeschäf- ten geleistet wird, und sind dieselben in den einzelnen Kapiteln dementsprechend zu kürzen.
JHe Macht der sächsischen Kronprinzessin.
Ueber die Stimmung am sächsischen Königshofe weiß der Dresdener Korrespondent eines Berliner Mattes folgende Mitteilungen zu machen, die er direkt von dem Hosmarschall von Carlowrtz erhallen haben will. Irgendwelche neue Exzentrizitäten von Seite' der Kronprinzessin werden, wie der Hofmarschall versicherte, nicht befürchtet, ebenso seien besondere Schritte seitens des Dresdener HofeS nicht zu erwarten. Die Auseinandersetzung, deren Notwendigkeit allerseits anerkannt werde, sei sehr kompliziert und werde viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen. Neben dem säcbsischen und österreichischen Hose sei der Heilige Stuhl an ihr interessiert; es seien sehr verschiedenartige Rücksichten zu nehmen, auch seien die zivilrechtlichen Verhältnisse sehr schwierige. In zivilrechtlicher Beziehung ist, soweit Herr v. Earlowitz die Frage übersieht, ein ad hoc zu berufender Gerichtshof unter deni Vorsitze des Königs befugt, die Ehe eines Mitgliedes des königlichen Hauses zu trennen. Was die Dis- penssrage anlange, so liege immerhin die Möglichkeit vor, daß der Heilige Stuhl von dritter Seite um den Dispens zur Ermöglichung einer völligen Scheidung angegangen werde. Auf die Bemerkung, daß in der Presse die Nachrichten, welche in den letzten Wochen über das Befinden des Königs Georg und den Unfall des Kronprinzen bekannt gegeben worden wären, mit der Abreise der Kronprinzessin in Verbindung gebracht würden, erwiderte der Hosmarschall: „Irgend ein Zusammenhang besteht nicht, wie ich auf das Bestimmteste versichern kann. Ter Stönig leidet an einer Influenza; der Husten stört ihn manchmal in der Nachtruhe, er befindet sich aber aus dem Wege der Besserung. Ich habe ihn heute gesehen, es aus feinem Munde gehört, daß er sich wohler fühlt, und sein Aussehen bestätigt die Lhatsache. Sein Herzleiden hat sich glücklicherweise nicht wieder gemeldet. Ter Kronprinz ift von seinem Zagdunsall so weit wieder hergestellt, daß er sich umherfahren läßt.
Ueber die Flucht der Kroirprinzessin erfährt ein Münchener Korrespondent, daß Giron am 12. Dezember in München lvar iuü> auf ein Telegramm nach Freilassing reiste, wo die Kronprinzessin in Begleitung der Hofdame Schöriberg später eintraf. Die Krorcprinzessin bestimmte die Hofdam., nach Salzburg zurückzufahren. Diese fetzte Den Großhcrzog von Toskana von der Anwesenheit Gicons in Freilassing in Kenntnis. Damals war eine Flucht be- absichtigt gewesen, wurde jedoch durch Eingreifen des Großherzogs vereitelt. Giron hielt fick) bis zum 15. Dezember in Freilassing bei Salzburg auf. Während dieser Zeit hat er einmal in Gegenwart des Erzherzogs Leopold
Die WeihnachLstage.
Greßen, 27. Dezember 1902.
Tas WeihnackMest ift vorüber, die Lichter an den Weih- nachisbäumen find erloschen und die vor Erwartung zitternden Herzen unserer Kinder haben sich beruhigt. Tie Christ- ineßbuden auf den Straßen mrd Plätzen, vor denen unsere Meinen mit stillen Wünschen so gerne weitten, surd verschwunden, utul) der Glanz der Hellen Lichter in den Schauenstern ist wieder auf die nottvercdige Beleuchtung be- schräntt worden. Tas Weihnachtsgeschäft hat fern Ende befunden. Nach den ^lussagen der Geschäftsleute rst es vesentlich besser als im vergangenen Jahre gewesen. We- tiger Leben und Verkehr herrscht nun in den Straßen unserer Stadt; die Urlauber sind zum größten Teil tu ihre Garnisonen zurückgekchrr, Besuch und .Verwandte lini> letzten Wochen vor Weihnachten sind voll von der Geschäftigkeit gewesen, die dem Feste so eigentümlich rst, ;eder hatte Ehristgescherrke auszu,uchen und e^utemfen, "im seinen Familienmttglredern, Verwandten und Bemnnten Hine Freude zu bereiten. Rastloses Leben und Treiben herrschte w ährend der letzten Tage' m ^nSttaßen der •6tait und wenn wir in all die Häuser hrnernblrcken konnren, rin denen Mütter und TÄchter, Väter und Söhne srch gegen- ii'itia Freude bereiteten, wenn wir alles uber,ehen tonnten, it'as Gutees und was Liebes geboten wurde, wenn ttnr sehen Lönnten, wie tief hinab autiji irr ärmere dursttge Verhältnisse das Weihnachtsfest serne Sormenstrahlen geschickt hat ind die Herzen erwärmte, wieviel Unglück getroster, urro Kammer durch milde Gaben und Geschenke geheilt worden gt, daun Lönnren wir uns erst ein rechtes Bild von dem
Wägungen, die tot Einvernehmen mit dem österreichischen und toskanischen Hofe geführt würden, seien noch nicht so weit gediehen, um dem Kronprinzen, der völlig niedergedrückt ist, konkrete Vorschläge zu unterbreiten, umsomehr, als solchen auch Verhandlungen mit der Kronprinzessin vor an gehen müßten. Ob diese ihre ursprüngliche Absicht, sich in Mentone niederznlassen, aussühren werde, sei un- oerannt, da seit dann Tage der Flucht kein Lebenszeichen von ihr eingetroffen sei. Ter sächsische Hof finde keine Erklärung für das Vorgehen der Prinzessin, da die Ehe des Kvonprinzenpaares bis in die letzte Zeit ungetrübt geblieben sei. Tie Nachricht, der sächsische Hvf habe sich bereits an den Papst wegen völliger Trennüng der Ebe gewendet, sei vollkommen unrichtig. Tvch sei vielleicht nicht ausgeschlossen, daß dies noch geschehe.
Weiter wird aus Dresden gemeldet: Die Kronprirv- zesfin soll nach ihrer Flucht tot Salzburger Palais einen Brief an den Kronprinzen zurückge lassen haben, in welchem sie ein rückhallloseS Geständnis ihrer Beziehungen zu Girvn abgelegt und zugleich erklärt habe, inemalH au den sächsischen Hof zurückkehren zu wollen.
Weihnachtsverlosung von vielerlei Geschenken, die oft große Heiterkett unter den Teilnehmern hervorriefto, amerikanische .Versteigerungen, Konzert, Theater, Vorträge, an die sich Tanzkränzchen anschlossen, bildeten den Inhalt des Programmes all dieser Feiern. Draußen auf der Eisbahn vergnügte sich am ersten Festtag Jung und Alt, und das Militärkonzert am zweiten Feiertag war gut besucht- Ausflüge nach Wetzlar, Windhof, in den Philosophenwald und nach. Tutenhofen wurde:: veranstaltet; bie ElsenbahnkoupeeH waren auf fast allen Strecken überfültt.
Nach all diesem Festestrubel ist nun wieder Ruhe ein- getreten; wir sind wieder in die alte Bahn eingelentt, und Arbeit und Pflicht stehen wieder auf der Tagesordnung.
Ist nun aber auch mit dem Weihnachtsfeste jeder Weih- nachtsgedanke in uns erloschen, bis wieder einmal die Lichter angezündet werden? Toch wohl nicht. Das Fest hat nicht nur die reiu äußerliche Freude mü> Zufriedenheit in uns wachgerufen, es ist uns auch ein tteserer Eindruck geblieben: die Erinnerung, daß die gesamte Christenheit eine einzige Brüdergemeinschaft sein soll, daß es sür uns ein Friede, ein Glück und eine Freude giebt, die ungetrübter und segensreicher kein anderes Fest so sehr in unsere Herzen pflanzen kann, als gerade das Weihnachtssest. TaS Geschick hat es diesmal glücklich gefügt, daß wir noch einen dritten und vierten Feiertag feiern können, da oer vierte Feiertag ein Sonntag ist. Nach diesem kommen dann die Tage „zwischen den Jahren", u:rd wieder wird ein Fest erscheinen, wenn auch nur ein weltliches. Ein ueues Jahr wird anbreche::, naajsent das alte still in nie Ewigkeit hinab gesunken ist. Eine kurze Spanus Zett noch lüib am Meilenstein vorüber eilen wir der Zukunft entgegen. Gg. Ehr. Stephany.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Dez. Der Kaiser hat, wie die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, anläßlich des ^Weihnachtssestes eine Reche von Auszeichnungen an Beamte des Auswärtigen Dienstes verliehen. Unter anderem wurde der Gesandte in Brüssel, Graf Wallwitz, zum Wirklicheu Geheimrat mit dem Präottat Excellenz ernannt. Tem Gesandten beim päpstlichen Stuhle Frhr. v. Rothenhahn wurde der Rote Adler- orLen 1. Klasse mit Eichenlaub und dem Botschafter Grafen Wvlfs-Metternich der Kronenorden 1. Kl. und dem Gouverneur Grafen .Götzen der Rote Wlerorden 4. Kl. verliehen. .
— DieWeihnachtSbefcherunginderkaiser«. tichen Familie fand am Mrftwoch-Spätnachmtttag im. Muschelsaale des Neuen Palais statt. Auf langen, weiß gedeckten Tafeln stehen die auS der Rominter Heide stammenden Tannenbäume, neun an der Zahl, je einer für den Kaiser, für die Kaiserin, den Kronprinzen und die übrigen kaiserlichen Kinder. Ter Kaiser hat den größten, die Prinzeß Viktoria Luise den kleinsten, etwa zlvei Meder hohen Baum. Etwa eine Stunde vor Beginn der Bescherung nahm die kaiserliche Famllie mit den Lur Bescherung befohlenen hohen Staatspersönlichketten mtb dem internen Gefolge int Apolloaale ein Diner ein, zu welchjem unter anderem auf be- onderen Wunsch des Kaisers Karpfen in polnischer Sauce erviert wurden. Es ist dies ein MesischeS Gericht, das mdessen, dlem Wunsche des Monarchen entsprechend, sehr streng gewürzt ist. Nach Aufhebung der Tafel nimmt das Kaiserstaar eine Äorbesichfigung des Geschenkeaufbaues vor. Auf em Zeichen des Monarchen öffneten sich die Flügel- thüreni und die Bescherung erfolgte.
— Nach dem,/Reichsanzeiget wurde der Unten staatssekretär im Justizministerium Tr. Küntzet zum Wirkt. Geheimrat mit dem Prädikat Excellenz ernannt.
— Tas Befinden des Chefs deS kaiserlichen Zivil- kabinetts v. LucanuS war gestenr weniger günstig, doch
Ferdinand die Lronprtozessto gesprochen. Die Kronprinzessin ging nicht freiwillig nach Dresden, andern ward, wie man bestimmt versicherte, nachdem der Kronprinz am 8. Dezember eine erregte Auseinandersetzung mit derselben hatte, zu chren Ettern nach Salzburg to Begleitung des HofmarschaLlS Tümpling gesandt. ES wurde ihr auch verboten, von ihren Kindern Abschied zu nehmen. Der Großherzog von Toskana duldete die Krouprinzessin nach ihrer Zusammenkunft mit Giron nicht in seinem Palais. Er wollte nach einer stürmischen Szene die Kronprinzessin in eine Nervenanstalt bringen lassen. Dem widersetzte sich Erzherzog Leopold Ferdinand und floh mit feiner Schwester. Die Nachricht, daß vom baverischen Hofe VerföhnungSversuche gemacht wurden, sino unwahr, du man bei der Lage der Angelegenheit die Nutzlosigkett voraussah. Der Großherzog von Toskana ist übrigens erkrantt.
Aus Wien werden vom Wölfischen Telegraphenbureau nock folgende Einzelheiten berichtet: Ter Erzherzog sandte feine Ehrenzeichen an die betreffenden Höfe ab und gab seinen Austritt aus derÄrmee bekannt. Dieses hängt mit der Absicht zusammen, eine Ehe mit einer Schauspielerin zu schließen. Der Erzherzog war Oberst des 8L Infanterie-Regiments und fett längerer Zett beurlaubt. Die Schauspielerin, welche er zu ehelichen gedenkt, heißt Adamovicz, sie ist die Tochter eines Postbeamten in Jglau, 28 Jahr alt und hat eine Schwester in Graz verheiratet, die sicü ebenfalls der Bühne widmet. Der Erzherzog verkehrt in diesen Kreisen stets unter dem Namen Woelslmg — Aus Salzburg schreibt das „Neue Wiener Tageblatt^^: Heute wird bekannt, daß von der Kronprül^esfin von Sachsen und dem Erzherzog Leopold Ferdtoano Briefe zurückgelassen sind, in denen sie ihr Vorgehen motivieren. In dem Briese der Kronprinzessin kommt ein PassuS vor, to dem sie die (Mutung abgiebt, daß sie unter keinen Umständen zu ihrem Gatten zurückzukehrem gedenke. Erzherzog Leopold Ferdinand giebt die Erklärung ab, daß er mit dem Vorgehen seiner Schwester einverstanden sei und fügt hinzu, daß er so lange auf alle Würden mrd Tttel ver- zicbte, als die Angelegeuhett nicht in der von seiner Schwester gewünschten Weise erledigt sei, — Ueber die Flucht selbst wird bekaunt, daß der Erzherzog und die Prinzessin tu einem zweispännigen Mietwagen nach Hallein fuhren; es hatte den Anschein eines Ausfluges zur Jagd. In Halleto wurde der Wagen zurückgeschickt und das Geschwisterpaar bestieg einen Eilzug.
In ganz Dresden zirkuliert, nach einer Depesche des „Berl. Lokalauz.", das Gerücht, daß im Zusmnmenhang mit der Angelegenheit der Kronprinzessin ein Hofkaplan verhaftet worden sei. Auchenrisch wird dem Blatte gemeldet, daß to der That em Geistlicher festgenommen worden sei; doch stehe diese Festnahme in keinem Zusammenhänge mtt den Vorgängen am Hofe. Der betreffende Geistliche fei auch nicht Hoskaplan. Der Verhaftungsbefehl sei von einer auswärtigen Gerichtsbehörde aus Grund emeS angeblichen Sittlichkettsdelittes ergangen.
Tas Wölfische Tel.-Bur. meldet aus Wien: Dem „Fremdenblatt' wird aus Tresden gemeldet, der sächsische Hof sei offiziell von dem Llufenthalt der Kronpruizessm nicht verständigt worden. Er wisse jedoch, daß die Kronprinzessin sich auf Umwegen nach Gens 6ege6en hch>e mit der Abficht, nach Aienivne zu reisen und dort Aufenthalt zu nehme::. Ta der Aufenthalt der Kronprinzefsin bisher offiziell nicht bekannt gegeben wurde, war die Einleitung von Verhandlungen mtt der Kronpriuzefsin bisher nicht möglich. Eine Siückkebr der Kronprinzessin in ihre frühere Stellung sei ausgeschlossen, doch sei es die Frage, ob die völlige Auflösung der Ehe möglick) [ein werd?. Im Ministerium des Köuiglicheu Hauses finden gegenroärtig Beratungen über die Frage statt, was zu geschehen habe, um die Interessen des sächsischen Hofes zu wahren. Tie Er-


