Ausgabe 
27.11.1902 Erstes Blatt
 
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Vieltausendköpfigen Menge lebhaft begrüßt. Die Abfahrt nach Berlin erfolgte mittelst SonderzugeS um 12V* Uhr. (Tie bedeutende Kaiserrede finden unsere L-eser in der heutigen Parlaments-Ausgabe. D. Red.)

Volitilche Tagesschau.

Wie nnn weiter?

Wir haben bereits in unserer heutigen Parlaments­ausgabe mehrere Berliner Meldungen wiedergegeben, denen zufolge die zvllpolitische Verständigung eine vollendete Thatsache sein soll. Wie uns nach einer Meldung aus München bestätigt wird, ist die Ver­ständigung zwischen der Reichsregierung und den Mehr­heitsparteien perfekt geworden auf der Grundlage folgen­der Sätze: Weizen 5.50 Mk., Roggen 5, Hafer 5, Braugerste 4, Futtergerste 3. An der Verständigung sind beteiligt das Zentrum, die Rativnalliberalen und die Reichspartei ge­schlossen und ein Teil der Konservativen.

Tie Abgg. Frhr. v. Wangenheim und Tr. Oertel bleiben von vornherein außer Betracht, sie haben auch die Beteiligung an den Komvrom-Verhandlungen abgelehnt. Auf demi gleichen unerschütterlichen Standpunkt befinden sich noch etwa acht bis zehn andere Mitglieder der konser­vativen Fraktion. Ter Versuch einer Umstimmung dieser Gegner braucht nicht besonders eifrig betrieben zu werden, weil genug Stimmen zur Mehrheit vorhanden sind vor­ausgesetzt natürlich, daß die Personen vorhanden sind, auf deren Ja es ankommt bei den demnächstigen Entscheidungen, welche die sorgfältig stipulierten Abmachungen in die parla­mentarische Praxis umsetzen. Gestern, Mittwoch, abend sah Graf Bülow die Vertrauensmänner der Zollmehrheit noch­mals bei sich. Vermutlich galten die Verhandlungen, nach­dem die sachliche Seite der Frage erledigt, den Mitteln und Wegen zu einer möglichst beschleunigten Erledigung des Tarifentwurfs und der gegenüber der Obstruktion an­zuwendenden Taktik. Tie Sozialdemokraten, die den Aus­gang der sVerständigungs-Aktton keinen Augenblick als ungünstig für die Regierung angesehen haben, sollen, wie wir gleichfalls heute früh bereits meldeten, längst fertig sein mit ihren Segenvorbereittingenfür alte möglichen Fälle." Diesel auf alles gefaßte Opposition darf nicht unterschätzt werden, und Graf Bülow, durch seine diplo­matischen Erfahrungen an verblüffende Gegenzüge gewöhnt, dürfte der Letzte sein, die Gefahr leicht zu nehmen. Eher ist das von den Mehrheitsparteien zu erwarten, hier scheint das Vertrauen auf die Energie des Willens größer zu sein, als den angestrebten Zielen dienlich ist. Auf den Willen und auf die Uebermacht fommt es aber hier durchaus nicht so an, wie auf die .Klugheit und Geschicklichkeit in der Ausnützung der Umstände, auf die Beherrschung der Ge­schäftsordnung und vor allem auf die Kaltblütigkeit. Tie Ausrufe des Zornes und der Enttüsttlng, die auf feiten der Rechten und im Zentrum ertönen, sobald den Sozialdemo­kraten em neuer Verzögerungs- oder Vereittimgs Trick ge­lungen ist, bekunden einen bemerkenswerten Mangel an Gelassenheit. Tas mehrt die Heiterkeit und Seelenruhe der Tarifgegner. In der Taktik hat sich die Minderheit bisher unleugbar überlegen gezeigt; man braucht nur zu bettachten, wie wenig der Reichstag seit der Wiedereröffnung infolge der Hemmung zu leisten vermochte.

Von der hessischen Landwirtschaft.

In Verfolg der Erörterungen im vorigen Landtag über Errichtung einer Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum ist den landwirtschaftlichen Korporattonen Hessens zur gutachtlichen Aeußerung ein Referat des Mi­nisterialrats Braun zugegangen, in welchem die wichtigsten Grundsätze enthalten sind, nach welchen Großh. Re­gierung bereit ist, einen bezüglichen Gesetzentwurf au^u- arbeiten und den Landftänden vorzulegen. Tas Referat geht von dem Grundgedanken aus, daß der Entwurf im wesentlichen die geseftliche Ausgestaltung der bestehenden Organisationen im Ange haben müsse. Tie hiernach zu schaffende berufsständische Vertretung für die Landwirtschaft soll das Gebiet des ganzen Großherzogttims umfassen, also eine Landwirtschaftskammer bilden. Bezüglich der Waldwirtschaft soll die Vertretung nur insoweit in dm Auf­gabenkreis einbezogm werd.m, als es sich um Rebenbettiebe landwirtschaftlicher Betriebe handelt. Tas Ziel, alle Land­wirte in sich aufzunehmen, würde durch die Vorschrift erreicht, daß laut Gesetzeskraft der Organisation jeder an­zugehören hat. der nach Erreichung eines bestimmten Lebens­alters als Eigentümer, Pächter "oder Nutznießer landwirt­schaftlich benutzten Grund und Bodens die Landwirtschaft als Hauptberuf selbständig ausübt. Eine Umlageerheb­ung ist vorgesehen, und zwar in der Weise, daß das zur Vermögenssteuer veranlagts in der Landwirtschaft thätige Vermögen als Grundlage zu dienen hätte, wobei die Schulden außer Bettacht zu bleiben hätten. Ter Aufbau der Organisatton ist auf rein territorialer Grundlage gedacht. Tie Berufsgenossen eines Kreises bilden den Kreis-Ver­band oder -Verein, dessen Ausschuß seine Vertteter zum» Ausschüsse des die Derufsgenossen innerhalb der Provintz- nmf'sienden Provinzial-Verbandes oder -Vereins wählt; die Vertreter der drei Provin- zial-Verbän de bilden die L a n d w i r t sch a ft s- kämm er. Tie Satzungen eines Provinzial Verbanbes können Bestimmungen dabin treffen, daß die Unterver­bände nicht nach Kreisen, sondern für kleinere Bezirke ru bilden sind; ebenso können innerhalb der Kreis Verbände kleinere Bettrks- (Gau-0 Verbände zur Vornahme der Wahlen und Turchfübrung örtlicher Aufgaben gebildet werden. Tie Mitgliederzahl der Landwirtsckmstsk-'mmer wie der Ver­treter der einzelnen Verbände b mißt sich nach der Zahl der dem betteffenden Vertrettlngskörver angehörenden Mit­glieder. In die Kammer ist auf je 2500 (und eventuell mehr als die letzten 1250^ Mitglieder ein Abgeordneter zu wählen. Hiernach ergeben sich 30 bis 35 Abgeordnete, zu welchen noch Vertteter von Landesfachvereinen oder Sachverständige bis zu ein Fünftel der Zahl der 9lbgeordneten treten sollen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 27. November 1902.

** Gedenktage. Am 28. November 1811 wurde in München König Maximilian TT. von Bayern ge­boren. Lernbegierig, Freund und Förderer von Litteratur und Wissenschaft, zog dieser Fürst die ersten Dichter, Ge­lehrten und Künstler nach München. In den Märztaqen 1848 auf den Thron gelangt, schuf er eine liberale Reform gemäß der Wünsche seiner Untetthanen, ohne seine konstitutionellen Anschauungen aufzugeben. Geibel verfaßte auf den Tod seines Gönners ein ergreifendes Gedicht, das eine warme, wahre Würdigung von König Max als Monarchen und Menschen enthält.

* Dahnarzt. Der praktische Arzt Dr. Hofmann in Heuchelheim ist vor kurzem zum Bahn- und Kassenarzt ernannt worden. Sein Bezirk umfaßt die Eisenbahn strecke von Kinzenbach (einschl.) bis Launsbach (ausfchl.) der Sttecke Wetzlar-Lollar mit den Orten Mendstern, Gleiberg, Heuchel­heim, Kinzenbach und Krofdorf. Durch diese Einrichtung ist die Königs. Eisenbahndirektton zu Frankfurt a. M. einem lange gehegten Wunsche der Beamten und Arbeiter der genannten Orte nachgekommen, da diese bisher zu dem Bahnarztbezirk des Geh. Sanitätsrats Dr. Höchst zu Wetzlar (ausschl. Heuchelheim) gehörten. Heuchelheim gehörte bisher zum Bezirk des Dr. Zinßer in Gießen.

Friedberg, 26. Nov. Bürgermeister Sand­mann hat sein Amt nie der gelegt. Ueber die Gründe, welche die Veranlassung hierzu geben, hüllen sich die Stadt­verordneten in Schweigen. Sandmann hat die Stelle nur ca. ein Jahr bekleidet; er war ein ungemein begabter Mensch und die Stadtverordneten brachten ihm durch einstimmige Wahl unter vielen Bewerbern das größte Verttauen ent­gegen; bet Der Bürgerschaft war Sandmann infolge seines gefälligen Wesens s"hr beliebt. (Bad-Nauh. Anz.)

§§ Bermuthshain, 25. Nov. In Gegenwart des Gemeinderates fand Ende voriger Woche die Einweisung unseres neugewählten Bürgermeisters Friedrich Jost durch Kreisrat Tr. Wallau aus Lauterbach in sein Amt statt. Bekanntlich hatte der Reklamant gegen das Urteil des Kreisausschusses abermals beim Provinzialaus­schuß Berufung eingelegt, die er aber sväter zurückzog. Hoffentlich kehrt nun nach fast breivierteljährigem Wahl­kampf Ruhe und Frieden in unsere Gemeinde ein.

() Volkartshain, 26. Nov. Zur Zeit haben sich mehrere Käufer für unser baufällig gewordenes Schul­haus gefunden und es sind schon. beachtenswerte Preise dafür geboten wvrden. Die Gemeindeverwaltung hat daher beschlossen?, bei genügendem Staatstziuschuß einen Neubau zu errichten.

() Burg-Gemünden, 25. Nov. Am verflossenen Samstag fand hier die Gründung einer Spar­und Darlehnskasse statt. Der zu der Versammlung erschienene Herr Verbandsrevisor Lehr-Darmstadt, schil­derte in einem flotten, leicht verständlichen Vortrage die Ziele der Spar- und Darlehnskassen und deren Einricht­ungen. Nach Beratung der Statuten, welche ohne Abände­rung angenommen und solche von dem Verband der hessi­schen landwirtschaftlichen Genossenschaften eingeführt sind, schritt man zur Wahl des Vorstandes und Difsichtsrats. Zum Präsidenten des Aufsichtsrats wurde Pfarrer Schick, als Direktor Bürgermeister Fleischhauer, zum Rendant Gemeinde-Einnehmer W e h r w e i n und als Konttoleur Lehrer Grünewald gewählt. 41 Mitglieder erklärten sofort zu der neugegründeten Kasse ihren Beitritt.

Geiß-Nidda, 23. Nov. Das am hiesigen Bahnhofe belegens, bisher außer Bettieb gewesene Braunkohlen­bergwerk soll, wie betDarmst. T. Anz." schreibt, im nächsten Jahre wieder betrieben werden. Die bisherigen Ge­bäulichkeiten wie Trockenhalle, Förderturm und dergl. werden aus den Abbruch verkauft, um zeitgemäßen Neuanlagen Platz zu machen. Es sollen sich an genanntem Platze und in näherer Umgebung nach Angabe Sachverständiger ttotz früherer reicher Ausbeute noch ausgedehnte Braunkohlenlager befinden. Der unmittelbare Anschluß an die Fttedberget Bahn ermöglicht eine vorteilhafte Verwertung dieses Brennstoffes.

Vermischtes.

* München, 26. Nov. Tie Polizei verhaftete hier drei Einbrecher und fünf Hehler und Hehle­rinnen, die es auf Ausraubung der Pfarrhöfe in versebiedenen Gegenden Baperns während des Gottesdienstes abgesehen hatten. Di"s> haben bis jetzt drei Einbrüche ein­gestanden, sie sind jedoch noch einer erheblichen Anzahl weiterer Einbrüche verdächtig. Tie Bande war mit Revol­vern, Tegenstöcken und Stiletten bewaffnet imh führte außer­dem Sprengpulver mit sich, um die Kasienschränke damit zu sprengen. Es gelang ihr, viele Obligattonen von höherem Werte m rauben. Ter Haupteinbrecher ist Be­sitzer mehrerer Häuser.

* P a r i S, 25. Nov. DemPetit Parisien" wird aus Lissabon gemeldet, daß dort verschiedene Mitglieder der hohen Aristokratie verhaftet wurden. Es wurden bei ihnen große Summen beschlagnahmt.

* P a r i s, 25. Nov. Henri Rochefort ist in der H u m - bert-Affaire vor den Untersuchungsrichter geladen worden. Rochefort hatte in seinem BlatteJntransigcant" mitgeteilt, er sei in der Lage, gewisse Angaben des Ge­heimagenten Souffraine zu bestätigen.

* Paris, 26. Nov.Echo de Paris" versichert, fol­gende neue Momente zur Humbert-Affaire mitteileu zu können, wodurch Die Angelegenheit in neue Bahnen gelenkt würde. Der frühere mitangeklagte Advokat de la Eheri aus Lille habe erklärt, er werde verschiedene Per­sönlichkeiten gerichtlich belangen lassen, weis man die Mit­glieder der Familie Humbert nicht verhaften wolle. Er werde die politischen Einflüsse klar Tenen, über welche die Familie Humbert verfüge. In der Affaire haben wieder mehrere Haussuchungen stattgefunden, u. a. bet einem Bankier Martin. Wie verlautet, hat eine mit Rochefort in Korrespondenz getretene belgische Dame diesem mitgeteilt, daß sie für die Aufdeckung ihres Geheimnisses zwei Millionen verlange. Die B"tteff"nde ist die Witwe eines sehr bekannten belgischen Anwalts.

* Bismarck auf der Mensur. Dazu lesen wir jetzt in denHamb. Nachr." die ihre Meldung wobl aus sicherer O.u-'ffe schöpfen, folgendes: Bismarck bat oft er­zählt, daß die lange Narbe, die seine linke Backe zeigte, von eineminkammenttnä^iaen Schmiß" berrüb"te. indem hie Verletzung durch die gebrochene Klinge feines Gegners Biedenweg berbeigefübrt war tmt> deshalb im Pau^buch nicht eingetragen wurde. Er pflegte bei dieser Erzählung noch folaenbe Anekdote binruzufugm: Gner seiner Korvs- hrüber, ber für den ärztlichen Beruf bestimmt war, hatte lich, wie bie? btt manchen Nattmen vorkommt, bei ben Stttbien imb Vorbereitungen nicht an den Anblick von Blut gewobnen können: er würbe besbalb auf alle Men­suren mitgenommen, um diele Gewöhnung lanasam eintreten zu lassen. DaS batte auch schon Erfolg gehabt bis zu dieser Mensur, bei welcher das ab gesprungene Stück der Klinae die linke Backe Bismarcks au er durchschlug. Bis­marck steckte unwillklirlich die Zunge durch den Svalt in der Backe; das Nnalück wollte, daß der iun^e Mediziner nahe bei ihm stand und über diesen vlövlichen Anblick so erschrack, daß er in Ohnmacht fiel. Die Folge war. daß er das Studium d»r Medizin nach diesem Schreck endgültig aufgab und Jurist wurde.

* Ueber bie seltsam- ~Hun g, welche ein jOccultist Philipp amZ o f in Petersburg I

innehat, wird derNeuen Freien Presse" berichtet: Im letzten Frühjahr ist am Zarenhofe ein Herr Philipp auf- getaucht, dem es gelang, eine einflußreiche Stellung zu erobern. Seine Herkunft ist niemandem bekannt. Manche wollen in ihm einen Franzosen, andere wieder einen Mon­tenegriner oder Tschechen sehen. Aber so viel ist sicher, daß Philipp kein Russe ist. Kaiser Nikolaus IL machte bie Bekanntschaft bes Herrn Philipp beim Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch. Als Oceultist, Spiritist und Hyp­notiseur hat Philipp alsbald eine außergewöhnliche Stel­lung am Zarenhofe eingenommen. Die eigentümliche psychische" Heilmethode, welche Herr Philipp an- wendete, soll ungünstig in vieler Hinsicht gewirkt haben, so daß der Einfluß des Occultiften manche Verwirrung hervorgerufen hat.

Kunst und Wissenschaft. .

Ter deutsche Kaiser hat dem Schriftsteller und früheren Abteilungschef des französischen Au(tii3ntinifiexiunt3, Eharles Rozan, welcher bsiesev Tage sein 50jähriges Jubiläum als Lehrer ber französischen Sprache fast aller in Paris thätig gewesenen beutschen Diplomaten feierte, ben Roten Adlerorben britter Klasse verliehen. Aus bcm gleichen Anlaß bat der Reichskanzler Oraf Bülow an Rozan ein Glückwunsch­schreiben gerichtet. Ferner verlieh der Prinzregent von Bayern Herrn Rozan den Michaelsvrden britter Klasse. Ter deutsche Botschafter in Paris Fürst Radolin und ber bay­rische Geschäftsträger Baron v. d. Tann überreichten Rozan die Ordensaus'-eichnungen._______________________________

Ilninerstiüls llalstnchtril.

Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich nahmen dieser Tage an dem Rektoressen der Universität Bonn Teil. Zugegen waren außerdem: Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe, die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden und Andere mehr. Rektor Zitelmann brachte das Hoch auf den Kaiser auS als Förderer der Kunst und Wisienschaft, der der Universität Bonn seine besondere Huld dadurch erwiesen habe, daß er ihr seine beiden ältesten Söhne anvertraute. Der Kronprinz versicherte hierauf, daß er und sein Bruder sich in Bonn sehr wohl fühlten; sie würden der Uni­versität und der Stadt Bonn stets dankbar bleiben. Der Kron­prinz schloß mit einem Hoch auf den Rektor, die Universität und die Stadt Bonn. Zum Schluß brachte der Kurator der Universi­tät, Erzellenz von Battenberg einen bemerkenswerten Trinksprnch auf die Freiheit der Wissenschaft an», indem er in seine Rede hervorhob, daß gewiße Kreise nur solche Männer an die Hochschulen berufen wissen wollen, die sich auf bestimmte Sätze einschwören laßen; das ginge aber nicht einmal in der Theorie.

CmgefanLt.

(Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenben Artikel übernimmt bie Rebaktton bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

In den letzten Tagen hat der Gedanke betreffs Errichtung der Eisenbahn-Personenhaltestelle im Nordende der Stadt die Gemsither erregt In zwei .Eingesandt' im .Gieß. Anz.' wies man darauf hin, daß durch Anlage einer elektrischen Sttaßenbahn, welche nicht mir dem Norden, sondern der gamen Stadt zum Vorteil sei, dem Bedüttnis abgeholfen würde. Ebne bestreiten zu wollen, daß eine elektrische Straßenbahn im Jntereße der ganzen Stadt zu wünschen ist, müßten wir den Artikelschreibern zunächst entgegenhalten, daß dieselbe vor Beendiguna der Kanali­sation und bevor die Stadt nicht durch die darauf folaenbe Reit- pflaftenmg der Straßen die Wege dazu ebnet, unausführbar ift Bis dahin müßten aber noch viele Jahre vergehen und dann wird sie niemals die geplante Haltestelle ersetzen.

Der nördliche Stadtteil beffndet sich, wie gewiß Niemand' beftreitet, der die Verhältnisse kennt, im Rückgang, während alle anderen Teile der Stadt im Aufschwung begriffen sind. Durch die im Laufe der Jahre erfolgten Bahnanschlüße der Umaeaend von Gießen, insbesondere setzt der gesamten Rabenau, ist säst der aanze Verkehr ber Landbevölkerung vom Nordende abgelenkt. Tie Ge­werbetreibenden und Geschäftsinhaber der nördlichen Stadtteile warten vergeblich auf ihre frühere Kundschaft, welche^ ieyt am Bahnhofe ankommen, bei der langgestreckten Lage ber Stadl ben weiten Weg von da nach dem Wallthor scheuen.

Diesen Verdältnißen Rechnung tragend, hat die städtische Verwaltung die Errichtung einer Personenhastestelle im Nordende bei den maßgebenden Behörden vertreten. WaS nun die Kosten betrifft, so nehmen wir zunächst an, daß sich dieselben, bei es sich ja nur um eine Haltestelle handelt, noch wesentlich herabmindern laßen. Sollte daS aber wider Erwarten nicht der Fall sein, bann müßten die Kosten von der Stadt doch getragen werben, da es bi« jetzt stets hier üblich war, daß dieselbe bem öffentlichen Wohle dienende Anlagen bestritt, and) wenn solche nur einem einzelnen Stadtteile oder Straße zu Gute kam. Wir halten dies zwar hier nicht für zutreffend, da durch die Vermehrung der Verkehrsmittel zumeist auch eine Vermehrung des Verkehrs einzutreten pflegt, die der ganzen Stadt zu Gute kommen.

Die Erledigung dieser Angelegenheit liegt in den Händen unlerer städtischen Vertretung, weshalb wir auf weitere Aeußerunqen in der Preße nicht mehr eingehen werden.

Der Vorstand des BezirksoereinS Nordosi.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Nooember

Baromeier aui 0° reduziert

Temperatur

der Luit

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke

26.

2«

735.7

+ 4,7

3,9

60

SSE.

1

26.

9»

737.9

0,8

42

86

NNE.

1

27.

7*

739,8

0,3

3,4

82

N.

1

Höchste Temperatur

am 2

5.-26. November

Niedrigste ,________. 25.26.

Detter

Sonnenschein ftenih. Himmel Bed. Himmel

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