V
Bekanntmachung.
Die Maul- und Klauenseuche, welche bisher in den Kreisen Simmern und St. Goar und in dem linksrheinischen Teile des Landkreises Coblenz aufgetreten ist, ist neuerdings auf dem Markte zu Steimel (Kreis Neuwied) bei einem aus dem Kreise Daun herrührenden Viehtransporte festgestellt worden.
Coblenz, den 24. September 1902.
Der Regierungspräsident.
Heer und Flotte.
Offizierspensionen und Lebensmittelteuerung. In Dresden sand kürzlich eine Versammlung pensionierter Offiziere statt, die beschloß, sich mit einer Eingabe an den Reichstag zu wenden, durch die gefordert wird, daß das neue Militärpensions-Gesetz auch rückwirkende Kraft erhalten solle. Ta durchgesickert sei, daß dies neue Pensionsgesetz für bereits verabschiedete Offiziere keine Geltung haben solle, hatten sich die Standes- mitglieder zusammengeschlossen, um gegen eine derartige Fassung des Gesetzes zu protestieren. Das solle durch eine Eingabe, nicht durch eine Petition geschehen, denn es handle sich um keine Gnade, sondern um ein wohlerrvor- beneö Recht angesichts der allgemeinen Lebensmittel- und sonstigen Verteuerung. Es sei kein Akt der Gerechtigkeit, daß es nach der Richtung ihrer Pensionen hin zwei Klassen von Offizieren gäbe, besser gestellte, die immerhin zu leben vermögen, und schlechter gestellte, die allmählich dem Proletariat in hie Hände fallen müßten. Ein Hauptmann zweiter Klasse zum Beispiel beziehe nach fünfzehn Zähren eine Pension von 119 7 Mark, iiach dem neuen Gesetz werde ein solcher 2290 Mk. erhallen. Dieser tönuie ja zur Not leben, wie aber jener mit Familie und 1197 Mk. bei heutiger Zell noch aus- kommen solle, wisse er nicht. Ferner solle darau, hin- gearbeitet werden, daß den auSscheidenden Offizieren nicht mehr bloß eine Aussicht, sondern ein R c ch t aus Anstellung i m C i v i l d i e n st eingeräumt werde, die einem Offizier angemessen sei, ihn aber niä-r mit einem Kubalternofsizier auf die gleiche Stufe stelle.
Politische Tagesschau.
Die Zolltarifkommissum
begann am Freitag den Abschnitt 15, Glas, und beschloß in Pvs. 741 auf Antrag Beumer Wiederherstellung der Regierungsvorlage, also Spiegelglas 4, Tafelglas 8, bezw. 10 und 12 Mk. (Zn erster Lesung war 3, 6, 8, 10 Mk. beschlossen.) In Pos. 757 wird auf Antrag Antrick Zollfreiheit der Mikroskope beschlossen. Der 16. Abschnitt wird debattelos erledigt. Auf Antrag Spahn wurde Pos. 891 wieder in der Regierungssassung hergestellt und eine Anmerkung hinzugefügt, nach der chirurgische Instrumente, die unmittelbar zu Operationen dienen, wissenschaftliche Instrumente, die nicht Gegenstand des allgemeinen oder gewerblichen Gebrauches sind, zollfrei sind. Die Zollkommission ging schließlich zum Abschnitt 17, unedle Metalle und Waren, über, und es fand eine allgemeine Besprechung statt. Antrick bekämpft die Eisen kartelle, die den Staat aus das Unver- 1'chäm teste ausbeuteten, an das Ausland aber die Ware verschleuderten. Beumer wesst die Behauptungen zurück und tritt entschieden nochmals für den Roheisenzoll und den Schienenzoll ein, für deren Notwendigkeit gerade die geaenwärtige Lage spreche. Ohne Verkäufe an das Ausland wären Hunderttausende von Arbeitern brotlos. Brömel meint, die Kartellfrage müsse nach Schluß der zweiten Lesung noch einaehenü in der Kommission beraten werden. Dann vertagt sich die Kommission.
Gerichtssaal.
2. Gießen, 26. Sepl. Schöffengericht. Ten Vorfttz führte Amtsgerichtsrat Gebhardt. Wichelm 23., Installateur in Gießen, war wegen Körperverletzung angeklagt; er soll vorigen Monat. anläßlich eines Wortwechsels in einer hiesigen Wirtschaft dein Arbeiter Ludwig G. durch einen Schlag mit einem BierglaS eine blutende Verletzung am Kopfe hergebracht haben. 2ad Gericht hielt eine Geldstrafe von 30 Al art für eint ausreichende Sühne, da der Angeklagte von dem Ludwig D. gereizt worden war. —^Ter noch unbestrafte Friseur Karl Z. zu Gießen, hatte sich wegen Sachbeschädigung zu verantworten. Er hat in einer Juli» nacht im Verein mit Zechgenossen einen dem Verwalter Buchacker zu Gießen, mir dem er auf gespanntem Fuße 'lehr, gehörigen Fensterladen beschädigt. Tas Gericht hielt mu Rücksicht auf da» häufige Vorkommen solcher Vorfälle eine Geldstrafe von 50 Mark für angemessen. — Gegen den Kaufmann Karl H. >u Gießen war Anzeige ergangen wegen Uebemeiung der Verordnung, die Fahrräder und Automobile beti. vom 10. Oktober 1699. H. hatte die Nummerplalle nicht in der Richtung der Längsachse des Fahrrades nach vorn angebracht, sondern zuruckgeklappt, sodaß die Aufschrift nicht von beiden Leiten sichtbar war. Ta.ihm hiervon eine Schuld nicht nachgewiesen werden tonnte, wurde er frei- gesprochen. — Ter Kaufmann D. in Gießen und der Arbeiter E. haben sich in der Nacht vom 22. auf 23. Juni gegenseitig mit Stöcken bearbeitet; das Gericht verurteilte D. zu 15 Mart, E. zu 4 0 Mark Geldstrafe. — Hermann Sch. aus Kirchheim sollte jich einer Uebertretung der Vorschriften zur Verhütung von Leuchen schuldig gemacht haben, indem er üi Gießen Vieh einfleUte, und es am andern Morgen, ohne ärztliche Untersuchung auf den Markt trieb. Während der Verhandlung stellte es sich heraus, daß der Eigentümer des Viehes der Bruder des Angeklagten war, insolgedefsen wurde der Angeklagte selbst f r e i g e s p r o ch e n. — Sodann wurde der Student der im Verein mit zwei anderen bereits abgeurteilten Herren nächtlicherweile seinen Uebermut an Fensterläden und Firmenschildern ausgelassen hatte, wegen Sachbeschädigung zu 2 5 Alt. Geldstrafe verurteilt. — Zum Schluffe wurden drei Arbeitsscheue wegen Bettelns m Strafhaft genommen.
Aus Stadt und Saud.
Gießen, den 27. Sept. 1902.
** Das Großh. ^Regierungsblatt, Beilage Nr. 23, ausaegeben am 24. September b. I., enthüll: 1. Bekanntmachung, den Holzpreistarif für die Waldungen des Großh. Hauses pro Wirtschaftsjahr 1902/03, Rechnungsjahr 1903/04 betreffend. Vom 10. September 1902. 2. Ueberficht der von Großb. Ministerium des Innern für das Rechnungsjahr 1902/03 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Kommunalbedürfnissen der israelittschen Reli- gionsgemeinben des Kreises Dieburg. 3. Ordensverleihungen. 4. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen fremder Orden. 5. Namensveränderungen. 6. Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft. Am 9. August wurde der bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen zugelassene Rechtsanwalt Friedrich Kraft in Gießen zugleich bei dem Amtsgericht Büdingen als Rechtsanwalt, am 12. September wurde der Gerichtsafsessor Dr. Hermann Rothschild in Alsfeld zur Rechtsanwaltschaft bei der Kammer für Handelssachen in Offenbach und bei dem Amtsgericht Offenbach — zugelassen. 7. Dienstnachrichten. Am 12. August wurde der Schullehrer Jul. Köhler zu Rommelhausen, Kr. Büdingen, von der ihm übertragenen Lehrerstelle a. d. Gemeindeschule zu Fränkisch-Crurnbach, Kr. Dieburg, enthoben und auf seiner seitherigen Stelle belassen; am 23. August wurde der auf die 5. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Schlitz, Kr. Lauterbach, präsentierte Schullehrer Friedrich Adolph zu Pfordt, in demselben Kreise, für diese Stelle bestätigt; an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Heinrich Dörr aus Stockhausen, Kr. Lauterbach, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Landenhausen, in demselben Kreise, übertragen; am 30. August wurde der Forstwartaspirant Wilhelm Körber aus Alten-Buseck zum Forftwart der Forstwartei Meiches, mit Wirkung vom 23. August an, ernannt; am 13. September wurde die Schulamtsaspirantin Marie Birnbaum zu Gießen zur Lehrerin an der höheren Mädchenschule daselbst, mit Wirkung vom 1. Oktober an, ernannt. 8. Dienstentlassungen. 8. Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamtes. Der Besitz der nach Artikel 1 und 4 des Gesetzes vom 5. Juli 1887, die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes notwendigen Eigenschaften wurde nachgewiesen bezüglich der Kandidaten der evangelischen Theologie: Karl Dei cke aus Friedberg, Fritz Fresenius aus Gießen, Hugo Gundermann aus Lorbach, Heinrich Jaeger aus Winnerod, Wilhelm Mayer aus Friedberg, Julius Reu sch aus Büdingen, Theodor Schellmann aus Mainz, Rudolf Schlosser aus Gießen und Johannes Veller aus Eberstadt. 10. Charaktererteilungen. 11. Ruhestandsversetzungen. 12. Konlurrenzeröffnungen.
** Ihre silberne Hochzeit feiern heute die Bäcker Berg er scheu Eheleute hier.
♦* Zur Landtagswahl in Lauterbach-Schlitz wird uns heute geschrieben, daß sehr wahrscheinlich nicht mehr Herr Zinßer aus Schlitz, sondern der Lauterbacher Bürgermeister Stöpler gewählt werden wird. In Herb- t e i n - U l r i ch st e i n soll von einer Kandidatur Kunz und >esgl. Finger nicht die Rede sein. Kunz lehnt, wie man uns meldet, eine Kandidatur ab. Bürgermeister Muth in Salz dürfte wenige Stimmen bekommen. Die Wiederwahl Schmalbachs steht außer Zweifel. Auch Weidner dürfte wiedergewählt werden.
** Konzert in Steins Saalbau. Am Montag önzertiert in Steins Garten das Tromveterkorps des Kürassierregiments v. Seydlitz (Bismarck-Küras- iere). Tie Kapelle, die sich eines großen Rufes erfreut, wird hier gewiß ein volles Haus finden.
** Geschäftsverlegung. Die „Apparate-Fabrik Gießen, G. m. b. H." hat am 15. d. M. ihre Bureaus von Gießen nach Frankfurt verlegt. Die Firma ist umgeändert in „Äpparate-Fabrik Frankfurt, G. m. b. H."
** Zur Patriz Huber-Tragödie. Ueberall erregt der Selbstmord zweier junger begabter Künstler und Freunde Aussehen. Man erzählt sich jetzt, daß Huber bei >er Witwe des vor einigen Jahren verstorbenen hochsangesehenen Verlagsbuchhändlers Berg st räßer in Darm- tadt ein ständiger Besucher war und daselbst auch seinen Freund F. Commichau eingeführt hatte. Frau B. war unter dem Namen Marianne Brand mehrere Jahre als Schauspielerin am Darmstädter Hoftheater engagiert, i st heute 36 Jahre alt und besitzt einen Sohn von 9 Jahren. Ihr Ehemann war 25 Jahre älter. Sie ist geborene Jüdin und heißt mit ihrem Vttwchennamen Brandls. Huber ging in sicherem Vertrauen auf feine demnächstige Verlobung mit Frau B. nach Berlin, wo seiner eine eifrige Thättgkeit wartete. Inzwischen hatte aber Eommichau sich hier beliebt gemacht und das Verhältnis zwischen Frau B. und Huber war nach und nach erkaltet; H. nahm sich dies sehr zu Herzen und machte seinem hoffnungsvollen Leben ein Ende, als ihm der eigene Freund persönlich seine Verlobung mit Frau B. und damit die definitive Absage brachte.
W. Butzbach, 26. Sept. Zu dem Selbstmord des Mathildenstiftsrechners Küchel wird uns noch gemeldet, daß das Motiv zu dem Selbstmord in einem jahrelangen, qualvollen und unheilbaren Herzleiden zu suchen ist. Die in solchen Fällen amtlicherseits sofort angeordnete Revision >cr Kasse ergab eine vollständige Ucbereinftimmung des Kassenvorrates mit den Büchern, wie auch nicht anders zu erwarten war.
e. Bad-Nauh eim, 26. Sept. Am 30. September verläßt die Kurmusik Bod-97auheim und am selben Tage beginnt im Sprudelhotel eine kleinere Solistenkapelle zu konzertieren, um den seinerzeit noch hier anwesenden 1123 Kurgästen den Aufenthalt etwas angenehmer zu getanen. In der letzten Woche sind 168 Fremde zum Kurgebrauch angekommen und die Gesamtfrequenz betrug gestern, am 25. September, 22175 Kurgäste, gegen 19 556 zur selben Zeit im Vorjahre, mithin ein Mehr von 2619 Kurgästen. Bis gestern wurden 294 830 Bäder verab- olgt, darunter allerdings eine große Anzahl Freibäder an Unbemittelte, im vorigen Jahre wurden nur 286922 gewählt. Am 30. September werden von den 7 staatlichen Badehäusem 3, 5, 6 und 7 bis zum 1. November geöffnet bleiben. Tas städtische ,Fvnitzkystift" mit Bade- Haus und die Kinderheilstätte „Eli fabethHaus", ebenfalls mit eigenem Bade Haus, sind das ganze Jahr geöffnet
)( Wetzlar, 26. Sept- Tie Gewerkschaft Carolus II zu Wetzlar hat für die von chr seit längerer Zeit beantragte Verlegung der Till auf ihrem Baugelände die Genehmigung der zuständigen Behörden erhalten, sodaß nunmehr die Pläne für die projektierte Hochofenanlage, liement- äbril usw. zur Vorlage gelangen können- Sobald auch diese genehmigt sind, soll mll der Ausführung begonnen werden.
Alloxug ws dkll StanbtsamfertgiBtri brr Stabt Sirtzkll.
Aufgebote.
Am 20. Septemb. Philipp Jacob Schwarz, Militär-Jnten- dantur-Bureau-Tiätar in Frankfurt a. M. mit Tirana Karoline Emma Hofmann dahier. Karl Ernst Nolting, Fabrikant in Herford mit Marie Antonie Julie Johanna Petri dahier. Ludwig Scherfs, Glasermeister dahier mit Elisadeche Liselte Christine Hamel Hierselbst. Wilhelm Jacob August Emil Noll, Schlosser dahier mit Elise Junker hierselbst. Konrad Peter Mobr, General-Agent dahier mit Anna Marie Katharine Sttickert in Reinheim. Am. 22. Sept Heinrich Friedrich, Bierbrauer dahier mit Wilhelmine Elisabethe Eger hierselbst. Wilhelm Baumann, Kaufmann dahier mit Toro- thea Kohlstädt in Laasphe. Friedrich Jakob Noll, itimfi- und Handelsgärtner dahier mit Elisabethe Josephine Keßler ui Tillenbury. Am 24. Sept. Johann Heinrich MoMag, Hotelbesitzer dahier mit Anna Brunne, geb. Espei in Essen. Johanne- Garthe, Buchhalter dahier mit Auguste Schwab in Hungen.
Eheschließungen.
Am 20. Sept. Karl Christian Ludwig Bach, Ingenieur m Zabrze mit Auguste Pauline Plank dahier. Adam Übrig, Kaufmann dahier mit Elisabethe Schütz hierselbst. Am 23. Sept Christian Burk, Milchhändler dahier mit Kunigunde Bager hier- elbst Am 26. Sept. Tr. Hermann Heinrich Brandes, prakt Arzt in Oppenheim mit Magdalene Eich dahier. Tr. Karl Wilhelm Ludwig Ploch, prakt Arzt dayier mit Bertha Ernestine Lydia Klara Sparner dahier.
Geborene.
Arn 15. Sept. Dem Fabrikarbeiter Jakob Müller ein Sohn, Friedrich Heinrich Georg. Am 17. Sept. Tem Oberlehrer am Gymnasium Tr. Karl Bernbeck em Sohn. Am 18. Sept. Dem Kaufmann Peter Kronenberg ein Sohn. Tem Kutscher August Velke ein Sohn, Hans. Am 23. Sept. Tem Sergeanten Georg Zeschky eine Tochter, Emma Marie 'Margarethe. Am 25. Sept Dem Lehramtsassessor Friedrich Franz eine Tochter.
Gestorbene.
Am 25. Sept. Antonie Trapp, Rentnerin, 74 Za'-re alt dahier.
Zm Töff-Töff-Ternpo.
Zur Düsse Id orfer Ausstellung sind die Mitglieder der Zollkommission einaeladen, nachdem sie ihr Pensum erledigt haben. Das wirb voraussichtlich Ende der kommenden Woche der Fall sein, denn die Kommission arbeitet in einem Eilzugs-, ober wie man es heute noch treffender bezeichnete, im „Töss-Töss-Tempo". Es passiert auch hier soviel Malheur wie beim Automobilfahren: umgerannt wird, was sich in den Weg stellt. Die „Warnungstafeln" der Regierung liegen am Boden, entmutigt blicken Graf Posadowsky unb feine Kollegen den Dahin- (aufenben nach. Die politischen Automobilisten machen sich über ihre Haftpflicht nicht allzu viel Sorge. Rasch zu Ende mit dem Tarif, ist die Parole. Das ganze Interesse konzentriert sich auf die Entscheidung über die Getreidezölle. An diesem Punkt soll ein längerer Hall gemacht werden. Hier kommt die Sache „zum Klappen". Bei der Gelegenheit hat wahrscheinlich auch die Kommission den Grafen Bülow in ihrer Mitte, der wohl das „letzte Wort" an die Kommission richten wird. Die von den verbündeten Regierungen für unannehmbar erklärten erhöhten Getreide- zollsätze werden zum Mehrheitsbeschluß erhoben. Niemand zweifelt daran. Nach diesen Leistungen erhält die Kommission in Düsseldorf ein Bild von deutscher Industrie und deutschem Gewerbefleiß. Aber auch das wird schwerlich einen tiefergehenden Einfluß ausüb en. Von der Fahrt ins Kanalgebiet kamen seinerzeit die agrarischen Teilnehmer mit der bestärkten Ueberzeugung zurück, daß Eisenbahnen zweckmäßiger als Wasserstraßen wären. Diesmal empfangen Die Herren von der Landwirtschaft vielleicht den Eindruck: „Eben weil die deutsche Industrie auf solcher Hohe steht, braucht sie keine Handelsverträge auf Kosten der Landwirt- schast, der es so viel schlechter ergeht. Die Industrie ist kräftig genug, Zollkriege auszuhallen."
Bekanntmachung.
Bei einem Schweine des Johann Jost Hebener zu Dautphe ist bte Rotlaufseuche amtlich festgestellt und Ge° höftsperre angeordnet worden.
Biedenkopf, 23. September 1902.
Der Königliche Land rat.
Bekanntmachung.
Die Rotlaufseuche unter dem Schweinebestande der Kappeler Mühle ist erloschen; die Gehöstsperre ist aufgehoben.
Marburg, den 28. September 1902.
Der Königliche Landrat.
Kaum einem Beratungsabschnitt des Reichstages hat man feit dessen Bestehen mit so großer Spannung entgegengesehen, wie der Mitte Oktober beginnenden Fottsetzung der gegenroärtigen Session. Soll doch über das Schicksal dcS neuen Zolltarifs die Entscheidung fallen. Schweren parlamentarischen Kämpfen sehen wir entgegen, in denen die Partei- und wittschaftlichen Gegensätze in einer Weise aufeinander platzen werden, welche die höchsten Anforderungen an die taktischen unb politischen Fähigkeiten der Patteiführer und an die Geschicklichkeit des Reichstagspräsidenten stellen wird. Auch im Hessischen Landtage sind in der nächsten Session eine Reihe sehr lebhafter Sitzungen zu erroarten. Namentlich werden einige Vorgänge, die feit Schluß der vorigen Tagung die Gemüter erregt haben, em sehr kräftiges Echo im Landtage finden, so die zu ermattende neue Wahlrechtsvorlage und der Anttag auf Errichtung einer hessischen LandwirtschaftSkarnmer.
Unter diesen Umständen liegt es im dringendsten Interesse von jedermann in Stadt und Land, sich in den Besitz einer Zeitung zu setzen, aus der man em zutreffendes Bild der parlamentarischen Vorgänge zu geraumen vermag.
Im Hinblick hieraus lenken rair die allgemeine Aufmerksamkeit auf die non uns herauSgegebene selbständige Parlaments-Beilage und laben zum Abonnement auf um er Blatt em. Der große, sehr ausführliche Reichstagsbericht, hergestellt von geübten Stenographen, ist burchaus unpatteufch gehalten unb entspricht nach Umfang unb Inhalt allen For- berungen, bie an eine erste Provinzial-Zeitung geflellt werben bürfen.
Die Herstellung des ReichstagSbettchtS wird deratt be» chleunigt, daß er schon am frühen Vormittag des nächsten Tages in die Hände unserer Stadtabonnenten gelangt; unsere auswärtigen Leser erhalten ihn am Nachmittag mit der ganzen Tagesnummer.
Neben dem großen ReichStagsbettcht taffen wir in unserer Parlamentsbeilage einen umfänglichen unb voll er chöpfenben, gänzlich patteilosen Landtagsbericht erschernen. Dieser Bettcht, auf besten unbebingte Korrektheit unb Tadellosigkeit selbstverstänblich ebenfalls bie peinlichste Sorgfalt ver- roenbet wirb, ist bie Originalarbeit unserer als Stenographen besonbers tüchtigen eigenen Darmstädter Korrespondenten.
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